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Road to Johannesburg 2010
BeitragVerfasst am: 07.03.2010 20:27 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
Anmeldungsdatum08.12.2006
Beiträge693
WohnortPattensen


Hallo Fans.<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
Wir schreiben Montag, den 22. Februar 2010 und es sind noch genau 109 Tage bis zum Eroeffnungsspiel der FIFA Fussball Weltmeisterschaft 2010 in Suedafrika. Na und da dachte sich euer Schreiberling: “Da kann man ja schon mal so langsam losfahren”. Diesen Gedanken hatte ich natuerlich schon vor langer langer Zeit, wir werden ja nur eine WM auf dem schwarzen Kontinent erleben und wenn man dann nicht auf dem Landweg anreist, wann dann…. ??? Frei nach dem Motto: Ohne Fliegen fahr ich zur WM. War das wieder ein Stress bei der Abreise. Eigentlich wollte ich ja auch schon am Sonntag starten, aber da sich meine kleine moldawische Ex-Maus nicht im schoenen Bucuresti aufhielt sondern im fast ebenso schoenen Chisinau, was nicht auf der Reiseroute lag, haette ein Tag mehr in der rumaenischen Hauptstadt wenig Sinn gemacht. Sooo schoen ist das Paris des Osten naemlich auch wieder nicht. Also am Sonntag noch ordnungsgemaess Abschied vom Niedersachsenstadion (H96 Am. vs VfL Wolfsburg Am. vor 208 Zs.) und vom Pferdeturm (ECH vs EHC Muenchen vor 2.381 Zs) genommen. Wer weiss wann wir uns wiedersehen und ob ueberhaupt ??? Beim Eishockey dann im VIP Zelt beinahe versackt und erst gegen Mitternacht zuhause gewesen, was aber mit der geplanten Abfahrtszeit um 4h32 ganz gut passte. So wurden fix die 7 Sachen gepackt und nebenbei ein wenig olympischer Wintersport aus Vancouver angeschaut. Kurz vor 2h wurde ich aber dann doch zu muede und das Unternehmen “durchmachen” war beendet. Wecker auf 5h, ein Restrisiko zu verschlafen blieb natuerlich dennoch. Der 6h31 ICE nach Berlin wuerde aber auch reichen. Tatsaechlich vor Aufregung um 5h aufgewacht, aber die Abfahrtszeit nochmal grosszuegig um 2 Stunden nach hinten geschoben. Was war los ??? Etwa Bammel vor der grossen Reise ??? Zugegeben: Vielleicht schon ein wenig, denn diese Tour sollte ja doch alles andere als 08/15 werden. Von “pass auf, dass du nicht schon in Berlin ausgeraubt wirst” bis “wenn das einer durchzieht, dann du” waren in Sachen guter Wuensche einiges von den Fussballkameraden dabei. Um 7h quaelte ich mich dann endlich aus dem warmen Bett und verstaute den Rest im Rucksack. Eine letzte Dusche in den heimischen 4 Waenden und schon war ich startklar. Die Fenster waren eh alle zu, die Heizung abgestellt, das Radio ausgestoepselt und den Standby Knopf am Fernsehgeraet ausgeschaltet. So, noch die Tuer abschliessen und auf wiedersehen, im Idealfall am 13.07.2010 mit dem WM Pokal in der Hand. Den 7h32er Bus klassisch verpasst und als in Arnum der erste kleine Stau der zur Maloche fahrenden Malochertypen fuer weiteren Zeitrueckstand sorgte wurde ich schon ein wenig nervoes und sah imGeiste schon die Ruecklichter des 8h31 ICE. An der Wallensteinstrasse auf die Stadtbahn umgestiegen und so klappte sogar noch der Verpflegungskauf beim Lidl und der Erwerb der Zeitschrifenlektuere (Kicker und Spiegel) im Presseladen. Puenktlich ging die Reise los, nach Johannesburg, auch ohne Geld und hoffentlich auch ohne Floss. Na mal sehen, vielleicht ein Stueckchen den Nil rauf und runter. Der Rucksack war jetzt schon recht schwer, aber mit insgesamt 7 Buechern (3 zum lesen, 3 Reisefuehrer und selbstverstaendlich die Bibel, also die Fussballbibel namens Groundhopping Informer) und einigen Papieren, die nach und nach entsorgt werden koennen wird er sicher noch etwas leichter. Hab ich auch alles dabei ??? Nix vergessen ??? Naja, wird sich zeigen. Momentan denke ich zwar ja, aber was nicht da ist muss dann halt unterwegs nachgekauft werden. Der ICE in die Bundeshauptstadt war nicht sonderlich voll und ich war nicht in Hannover zugestiegen, das muessen wohl andere gewesen sein. Auch im EC 175 fand ich problemlos einen Sitzplatz und so zockelten wir via Dresden, wo in den 20 Minuten Aufenthalt noch ein paar organisatorischen Dinge zu erledigen waren, durch die herrliche saechsische Schweiz, die noch weitgehend schneebedeckt war. Ohne Umstieg ging es ueber Decin, Usti n.L., Praha, Kolin, Pardubice, Brno, Breclav, Kuty und Bratislava nach Nove Zamky. Nun war ich also auch endlich “abgefahren”, nachdem die gleichnamige Email vom Sauerland-Jens, der eine aehnliche Route auf dem Motorrad vor sich hat, bereits am Donnerstag im virtuellen Postfach eintraf. Ein kleiner Startvorsprung also fuer den Motorradhopper, aber den sollte ich wohl zuegig wettmachen, zumal das Rumfahren bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wohl auch kein Vergnuegen auf dem Bike ist. Aber von Jens seiner Tour lest ihr dann ja eh irgendwann im Sauerland-Echo oder im Sauerland-Echo-Buch, sofern genuegend spannende Schoten zusammenkommen. Vielleicht treffen wir uns ja mal irgendwo unterwegs. Im Gegensatz zu mir schien sich der Bayern Fan aber akribisch auf die lange Reise vorbereitet zu haben. Ich habe momentan ein wenig das Gefuehl etwas blauaeugig an die Sache rangegangen zu sein. Naja, wird schon schief gehen. Irgendwas bestimmt. Klar ist eigentlich nur die ungefaehre Reiseroute durch die Tuerkei, Syrien, Jordanien, Aegypten, den Sudan und dann einfach immer weiter gen Sueden. Einzig ein 7 EUR Transit Visa (+ 2x 3,50 EUR fuers Porto per Einschreiben hin und her) fuer die Arabische Republik Syrien verschoenert bisher den Reisepass. Ca. 500 EUR + 500 amerikanische Dollar als bares Startkapital sind auf zwei Geldbeutel verteilt, mit Brustbeutel oder Guerteltasche kann ich mich nicht so recht anfreunden, sowie ein paar Reste von Murmelwaehrungen der zu durchkreuzenden Laender. Ausserdem sind 3 Lonely Planet Reisefuehrer im Gepaeck: die Middle East Leihgabe von H96-Helge, das oestliche Afrika und das suedliche Afrika, womit von der Tuerkei bei Suedafrika alle Laender bis auf den Sudan mit Informationsmaterial abgedeckt waeren. Aus der Hardy Gruene Enzyklopaedie wurden die Fussballinfos zu den in Frage kommenden Staaten rauskopiert und RM-Michi sorgte noch fuer die google-maps Ausdrucke der wichtigsten Staedte auf dem Reiseweg. Und das war sie auch schon, die Reisevorbereitung. Rucksack schultern und los lautete das Motto. Bei den Tschechen hatte es wohl auch einen harten Winter gegeben, es lag noch jede Menge Schnee rum. Den kann ich langsam auch nicht mehr sehen und wuerde das das naechste mal auch gerne erst am Kilimandscharo. 8 von 36 Bahnreisenden in meinem Waggon waren mit Laptop ausgestattet, auch bei den Honzas geht der Trend im Zug also zum mobilien Computer. Mein altes Geraet war leider nicht dabei, das vom Spiertzer geliehene blieb im schoenen Pattensen zurueck, waere ja auch viel zu schwer gewesen. So beschaeftigte ich mich mit lesen der “Beziehungskiste 8” und erfuhr wo es 2007-08 utopisch brachial zu ging und wo eher brachial utopisch. Im wilden Osten und auch im amerikanischen Sueden wurde dem Fussballfreund jedenfalls wieder so einiges geboten. Bis Breclav lief alles 100%ig nach Plan, dann wurde mal eben 15 Minuten auf den Anschlusszug gewartet. Trotz der kleinen Schrift war die Bzk nach strammem Lesemarathon kurz hinter der slowakischen Hauptstadt durch und wurde im Zug der slowakischen Nachwelt hinterlassen. Schande ueber mein Haupt, aber bis Suedafrika wollte ich das gute Stueck dann auch nicht schleppen. Jedes Gramm zaehlt. Mit +10 trudelten wir in Komarno ein nachdem mein Anschluss in Nove Zamky tatsaechlich auch gewartet hat. Auf die slowakische Bahn ist noch Verlass. Jetzt hiess es flotten Schrittes die Donau nach Ungarn zu ueberqueren, was im Zeitfenster von 35 Minuten aber zu schaffen war, zumal ich den Weg ja kannte. Meine uebrigen Forint reichten leider nicht fuer die gesamte Fahrstrecke bis nahe der rumaenischen Grenze, was ueber 5.000 Ft gekostet haette. Da mein Interrail Global 100 ja leider in Ungarn nicht gueltig ist, musste ich erstmal die 194 Kilometer bis Szolnok fuer 3.360 Ft loesen. Die 22h10 S-Bahn nach Budapest-Deli gerade noch so erreicht und dann kontrolliert ne 19-jaehrige ganz alleine. Aber das kann man ja nicht ahnen. In der ungarischen Kapitale musste der Bahnhof von Deli nach Nyugati gewechselt werden. Die letzte Metro war aber schon Geschichte. Aber dank 5 Studenten an der Tram Haltestelle wurde mir weitergeholfen. Mit der 61 bis Moszkva ter, dann auf die 6 wechseln, einen Fahrschein wuerde ich um die Zeit nicht brauchen, denn der Automat waere eh kaputt. Diese staendigen Fahrkartenkontrollen sind ja sicherlich auch ein Mitgrund warum ich Ungarn hasse, aber diesmal ging zum Glueck auch ohne Ticket alles gut.
Tag 2, Dienstag, 23.02.2010
0h38-2h19 von Budapest-Nyugati nach Szolnok. Augen zu und durch. In Szolnok (78.000 Ew.) war der Bahnhof zwar des nachts offen, aber unbeheizt. Die oertliche Pennerszene ist anscheinend nicht sonderlich gross, so dass auch fuer mich noch eine Bank zum langlegen von 2h30 bis 4h frei war. Halbwegs zusammengerollt, aber schweinekalt wars. Da ich lieber kein Risiko eingehen wollte und auch morgens von 4-6h in Ungarn schon mal der Pruefdienst mitfaehrt hob ich mal 2.000 Ft am Automaten ab und zahlte 2.480 bis nach Biharkeresztes. Das Interrail wird ja noch bis mindestens Ankara benoetigt. 128 Km in Bummelzuegen mit Umstieg in Puespoekladany, geile Ortsnamen haben sie ja, die kleinen Magyaren. Ein wenig Hass kam auf, als die Uschi meinen 200 Forint Schein nicht akzeptierte und mir stattdessen eine 200er Muenze vor die Nase hielt. Da waren die alten gruenen Banknoten einfach so und ohne mein Wissen gegen Hartgeld ausgetauscht worden. Ein Skandal, wieder 0,80 EUR fuer die Katz, naja kommt halt in die Banknoten-Sammlung. Die letzte Etappe im tschechischen Triebwagen, 6h25 Ankunft in Biharkeresztes, wo die Sonne langsam aufging. Da war also gleich die erste Tournacht eine der Marke hardcore, kein guter Start in so eine Reise. Egal, da muss man durch, Rucksack auf und in den Morgendunst hineingeschlappt. Etwa 5 Kilometer sind es bis zur ungarisch-rumaenischen Grenze, das hatte ich mir auf google noch fluechtig angeschaut. In Bundeswehrmanier mal strammen Schrittes losmarschiert. 5 Km mit Marschgepaeck, geradezu laecherlich, auch wenn das waehrend meiner Armee Zeit 1997 deutlich schneller ging. An der Grenze erstmal fuer morgendliches Big Business bei der Geldwechslerin gesorgt. Die uebrigen 130 Ft wollten gegen 2 rumaenische Lei (4 = 1 EUR) getauscht werden. Jedes ueberfluessige Gramm an Gewicht muss verhindert werden. Hoeflich durchgewunken worden, willkommen in der EU. Die Uhr eine Stunde vorgestellt und dann bis etwa 9h gewartet, bis mich ein ca. 50-jaehriger rumaenischer Kauz die ca. 10 Km bis nach Oradea mitnahm und mich direkt am Gara rausliess. Multumesc. 4 Computer mit 2 Lei pro Stunde fuers surfen in der Bahnhofsspelunke sorgten fuer Erheiterung. Den Rucksack dann mal fuer 5 ROL im Bagage Office abgegeben und dafuer einen Zettel mit der Nummer 4 drauf bekommen. Ist ja alles hochoffiziell, passt schon. Dann mal ins Stadtzentrum gestromert. Wirklich eine nette Stadt mit einer knappen Viertelmillion Bewohnern. Das hatte ich von meinem Spielbesuch anno knips gar nicht mehr so in Erinnerung. Durch die Fussgaengerzone flaniert, da gibt es in RO ja immer jede Menge Sehenswuerdigkeiten. Aber auch viele alte schicke Gebaeude konnten begeistern. Bei 9,1 Gard liess es sich aushalten. Irgendwann dann mal zum ausgeschilderten “Bazin Olympic” aufgemacht, aber fuer den 50m Pool haette man a) ein aerztliches Attest, dass man auch gesund ist und b) eine Eintrittskarte aus dem Buero in der Stadtmitte gebraucht. Bisschen kompliziert fuer ein wenig planschen, dann halt nicht, bin ja kein Schwimmbadtester und schreibe auch nicht fuer den Schwimmbadreport, wie das einige hanseatische Kollegen zu tun pflegen. Das Hotelschwimmbad im Continental Hotel, wo ich einen Gratis Plan abstauben konnte, waere outdoor. Dafuer war es dann doch noch ein wenig zu frisch. Als naechstes mal zum Stadionul Municipal Iuliu Bodola gelaufen und nochmal ein paar Bilder davon gemacht. Im nahen Bahnhof ein wenig gelesen und ausgeruht, ehe es nochmal durch die Fussgaengerzone ging, um bei Kelly’s Pizza ein Riesenteil zu verdruecken. Nach 15/16tel musste ich die Segel streichen und war inkl. Getraenk mit 12,99 ROL dabei. Das sind Preise wie ich sie mag. Ein letzter Walk durch die Walking Area zurueck zum Bahnhof, dort noch ein wenig gesurft und ein paar Couchsurfanfragen verschickt. Bisher hat sich auf dem Gebiet noch nix getan, fuer Bukarest steht es null zu zwei, aber eine Option (weiblich natuerlich) ist noch offen. Schnell noch mit etwas Reiseproviant verpflegt stand der NZ nach Constanta auch schon bereit und setzte sich um 20h17 langsam in Bewegung. Das IR100 war wieder gueltig und die Platzreservierung wollte/brauchte ich nicht, denn der Schaffnix zuckte wohl ob der Verstaendigungsproblematik nur mit den Schultern. Ein Hoch auf die CFR. Um 23h stiegen in Cluj-Napoca dann drei Maedels in mein Abteil zu. An sich ja nichts schlechtes, wenn ich nicht nach der letzten harten Nacht a) schlafen wollte und sie b) nicht franzoesisch schnattern wuerden. Nach 20 minuetigem hin und her welches Abteil in welchem Waggon denn nun das bessere sei verzogen sich alle drei zu ihren Kumpels. Eine haette ja ruhig bleiben koennen…. Mit einem Auge wachsam auf allem Hab und Gut ausgebreitet und gen Bucuresti Nord gedoest. Auf der weiteren Fahrt gab es keine Stoerungen mehr, die Platzreservierungen hatten ja die Maedels.
Tag 3, Mittwoch, 24.02.2010
Gegen 9h fuhren wir dann an den altbekannten und immer noch herrlich anzuschauenden Plattenbauten am Nordbahnhof ein. Schoen hier wie eh und je. Fuer 7 Lei das Gepaeck abgegeben, dann eine Reservierung fuer morgen nach Istanbul geholt. Oh Schreck, nur Schlaf- und Liegewagen. 40 ROL fuer einen Liegeplatz, uneingeplante und vor allem unnoetige Zusatzkosten. Als naechstes musste die waehrend der Fahrt getragene Jogginghose gegen ein konventionelles Beinkleid gewechselt werden. In der Jogger rennen mir hier zuviele rum, da faellt man nur unnoetig auf. Ideal zum Klamottenwechsel und zum frisch machen ist das bahnhofsnahe Ibis Hotel. In der taeglichen Sportzeitung Pro Sport war fuer 17h ein Futsal Freunschaftsspiel gegen die Slowakei (oder wars Slowenien ???) angegeben, aber kein Hinweis auf den Spielort. Zu meinem geplantes Eishockey Match am Abend gab es immerhin auch einen Splitter. Aber ich brauchte konkrete Infos, also musste ein Internetcafe her. Nach ewiger Rumrennerei durch den typischen bukarester Nieselregen ohne irgendwen zu fragen sah ich zufaellig das M@us Internetcafe direkt am Piata Unirii. Eishockey nochmal bestaetigt, Futsal nicht wirklich gesucht, ist ja eh sinnlos. Wie auch dieses Couchsurfing in Laendern wo eine Uebernachtung unter 20 EUR (das war uebrigens der zweite Grundsatz der Tour: keine Nacht sollte mehr als 20 EUR kosten) zu haben ist. 3 Uschis in Bukarest hatte ich angeschrieben, 2 davon antworteten gar nicht, die dritte sagte wenigstens hoeflich ab. Bevor man da ewig Profile durchliest und selbst eine passabel klingende Email aufsetzt bucht man besser innerhalb von 2 Minuten ein Hostel. Dazu nahm ich mal einen Tipp aus dem Groundhopping Forum wahr. Das Tinahostel solle gut sein und der Constantin antwortete auch binnen Minuten auf meine Anfrage mit einem okay. So notierte ich die Wegbeschreibung und machte mich dann mal per Metro (2 Fahrten 2,5 ROL) auf die Socken nach Dristor. Von da war Block N3B auch schnell gefunden. Das Hostel besteht aus einem Zimmer mit 2 Etagenbetten in einer ganz normalen Wohnung, in der der Constantin mit seiner Mutter lebt. Picobello sauber isses aber, ich war der einzige Gast im 4er Zimmer und der erste Gast in diesem Monat. In der kalten Jahreszeit scheint Rumaenien fuer die Backpackerszene nicht sonderlich attraktiv zu sein. Constantins Monatseinnahmen belaufen sich aktuell also auf die 12 EUR, die ich passend ueber den Kuechentisch schob. Neben einer Tasse Tee wurde mir sogleich auch noch eine Portion Spaghetti hingestellt, da hatte mein Magen wohl zu laut geknurrt. Eine Dusche spaeter und schon dackelte ich durch die Plattenbauenghettos in Richtung Lia Manoliu Nationalstadion, welches gerade an alter Stelle von Grund auf neu gebaut wird. Zufaellig kam ich beim Friseur vorbei, naja und der letzte Besuch in Beijing war schon fast wieder 3 Wochen her. Da konnte ruhig nochmal nachrasiert werden, denn auf die schwulen arabischen Hals- aehm Haarabschneider habe ich in den kommenden Wochen sicher keinen Bock. So fuehrte kein Weg am “Purple Salon” vorbei. Chefin Aleea haette allein aufgrund ihrer Kurven bei Romania’s Next Topmodel gewonnen. Das war definitiv ne Bombe. Als sich dann allen Ernstes ein schwuler rumaenischer Friseur an die Arbeit machen wollte, musste ich schleunigst intervenieren und Aleea entschuldigte sich prompt, bevor die ca. 19-jaehrige Azubiene auf mein duenner werdendes Haupthaar losgelassen wurde. Ja, so mag ich das. Bei 9 ROL Endpreis gab ich freilich Trinkgeld, das sich die Maus durch ihren Unterkoerper an meinen Ellebogen druecken auch redlich verdient hat. Das war er also der sexuelle Hoehepunkt des Tages, der Woche und wahrscheinlich auch bis nach der WM, dabei hat sich das Frisiertuch was die Haare abhalten soll auf meine Hosenbeine zu fallen nicht mal um einen Millimeter nach oben bewegt. Aleea fragte noch ob ich eine “Masaj” moechte, stellte aber auf meine Nachfrage um welche Art von Massage es sich denn handeln wuerde direkt klar, dass es “no sexuell massage” waere. Na dann ist das wohl eher uninteressant. Ansonsten haetten ihr mir innerhalb von 30 Al-Bundy Gedaechnissekunden direkt nochmal nen 10er abknuepfen koennen…. Bis das Lia Manoliu fertig ist wird es wohl noch eine Weile dauern, aber bis zum Europa League Finale 2012 werden sie es wohl schaffen. Wer den Ground ansonsten braucht ist natuerlich mehr als fraglich, aber 3-4 pro Saison kann ja ein Laenderspiel die Huette fuellen. Von der Dame im Office des rumaenischen Eishockeyverbands gab es erstmal nur einen fragenden Blick und Schultern zucken auf meine Frage wann denn heute Abend Faceoff sei. So schaute sie auf einem an der Wand angebrachten Zettel nach und berichtete 20h30, wie es auch in der Zeitung gestanden hatte. Perfekt, eine Sorge weniger. Zufrieden ob der Neuigkeiten losgeschlappt und dann per Metro und 123er Bus ab Piata Unirii zur Bucuresti Mall, meinem Bukarester Lieblingseinkaufszentrum. Beim Optiker belasteten 30 ROL fuer ein Brillenetui die Reisekasse unnoetig. Ansonsten wurde nur geglotzt, denn bevor ich jetzt wochenlang nur arabische Schleiereulen und dickbruestige Maxifrauen zu Gesicht bekomme…. Umso aergerlicher, dass meine Moldova-Echse nicht im Lande war. Heute war Spaghetti Tag und somit schlug ich im Restaurant gegenueber der Eishalle noch bei einer Portion Carbonara zu. Inklusive erstem Tourbier (da gute Bergenbier aus der 0,5 Liter Flasche) waren wir bei 19 ROL, aber 5 EUR taten es auch. 20h in der Eishalle zur Tat geschritten, naemlich zum 26. Eishockey-Laenderpunkt.
24.02.2010, 20h30: CSA Steaua Bucuresti “Rangers” vs SC Municipal Fenestela 68 Brasov (1-0,3-0,0-2) = 4-2 vor ca. 200 Zuschauern im Pantioarul Mihai Flamaropol (8.000) in Bucuresti. LP 26.
Auf den 14 Sitzreihen sitzt man in dem typischen Ostblockbau recht weit von der Eisflaeche weg. Der gemeine Rumaene futtert gerne Vogelkoerner und Sonnenblumenkerne, der deutsche Exot passte sich nahtlos mit Pistazien an. Eine schoene Schweinerei auf den Raengen, da werden die Feger viel Spass beim reinigen haben. Immerhin konnte somit die Muedigkeit und Langeweile ein wenig ausgeglichen werden. Grosses Hockey wurde ja nicht gerade geboten. Der EC Hannover waere mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit rumaenischer Meister. 25-30 Jungspunde machten hinter ihren 2-3 Fahnen die teils aufgehanegt, teils geschwenkt wurden, so etwas wie Stimmung. Brachial war es nicht, aber vielleicht sass ich auf Hoehe Mittelline auch zu weit vom Gesinge entfernt. Nach 2/3 dezimierte sich der Ultramob auf etwa die Haelfte, da aufgrund der spaeten Anstosszeit wohl der ein oder andere Nachwuchsultra zu Mutti nach Hause musste. Na das Spiel war ja auch quasi schon entschieden. Ein Drittel spaeter hatten es auch alle anderen Besucher geschafft, ich den LP eingesackt. Wer sich so was oefter als einmal antut muss schon ein echter Fan sein. In 25 Minuten durch die Bukarester Nacht nach Hause gehirschelt (Gruss an Ober-L), wo neben Free Internet auch noch Olympia auf Plasma TV angeschaut werden konnte bis dann gegen 2h die Aeuglein von alleine zufielen.
Tag 4, Donnerstag, 25.02.2010
Bis 11h ausgepennt, da stand auch schon das Fruehstueck in Form von Ruehrei, Brot und Tee auf dem Tisch bereit. Kein schlechter Service beim Constantin, kann man sich mal merken. Der war auch sichtlich zufrieden, denn ueber hostelworld.com hatte sich ein Malaysianer fuer die kommenden Tage angekuendigt. Das Geschaeft laeuft also, in den guten Sommermonaten verbucht das Tinahostel so 70-80 Uebernachtungen, was ja nicht schlecht ist. Fuer mich war es an der Zeit mit Proviant bewaffnet die zeitlich sinnloseste Zugfahrt meines Lebens anzutreten. Abfahrt 8 Stunden vor Kickoff von Unirea Urziceni vs Liverpool FC, Ankunft in Istanbul 9 Stunden nach Fenerbahce vs Lille OSC. Duemmer gehts nimmer. 12h24 ab Gara de Nord im Liegewagenabteil fuer mich alleine. In Anbetracht der noch immer nicht vollstaendig weggetauten Schneemassen muss es auch in Romania ein heftiger Winter gewesen sein, nun muss es aber langsam echt mal aufhoeren mit diesem Winter. In dieser Hoffnung ging es gen Tuerkei, dem laut Spiegel modernsten Land in der islamischen Welt. Bei absolutem Schmuddelwetter, alles grau in grau, zockelte der Orientexpress zwischen Giurgiu und Ruse ueber die Donau und dann in gemaechlichem Tempo weiter durch Bulgaristan, wo mir bei irgendeinem Halt ein Tuerke in mein freies Abteil gesteckt wurde. Die Sprachbarriere verhinderte eine sinnvolle Konversation. Nachem Kicker, Spiegel und die rumaenische Pro Sport erfolgreich durchgearbeitet waren startete ich mich dem 1.300 Seiten Schinken “Die Saeulen der Erde”, einem der vielen Ken Follett Bestseller, welcher mir von NB-Frank schon vor Jahren waermstens empfohlen worden war. Viel Schlaf fand ich im Zug trotz bequemer Liege nicht. Entweder die Heizung war an und es war bullenheiss oder sie war aus und es kuehlte sich sehr schnell ab. Die tuerkische Passkontrolle zu der man einzeln im Office  antanzen darf ist auch nicht gerade schlaffoerdend. Lustlos donnerte Mustafa seinen Stempel in den Pass und erst nachdem auch die tuerkische Customs Controll das Gepaeck oberflaechlich durchleuchtet hat kann man versuchen weiter zu ratzen.
Tag 5, Freitag, 26.02.2010
Kurz nach 8h rollte der Nachtzug nach knapp 20 stuendiger Fahrt (fuer etwas mehr als 600 Bahnkilometer) in der tuerkischen Metropole am Sirkeci Bahnhof ein. Regen wie Sau und so fiel der geplante Rundgang um dem Topkapi Palast, die blaue Moschee und die Hagia Sophia buchstaeblich ins Wasser. Das haette sich auf digitalen Fotos zwar nochmal gut gemacht, aber war ja eh schon alles im Kasten. Von den 9 YTL Restgeld (2,1 = 1 EUR) wurden gleich mal 5 in einen Regenschirm investiert. Den kann man dann in Afrika ja bestimmt auch noch ein paar mal nutzen…. Zu Fuss ueber die Galatabruecke und von Karakoey mit der Faehre fuer 1,5 YTL nach Kadikoey. Hurra ich bin in Asien. Die Zuege ins Landesinnere der Tuerkei fahren vom Bahnhof Haydarpasa im asiatischen Teil Istanbuls los. 20 Minuten brauchte die morgens um 9h spaerlich besetzte Faehre, das grosse TCDD Logo war schon zu erspaehen und nach 5 Fussminuten war ich dann auch angekommen. Eigentlich wollte ich jetzt immer noch von der EURO 2008 ueberschuessige Franken wechseln, aber es war keine Wechselbude weit und breit in Sicht, so dass doch am GAA 200 YTL gezogen wurden. Wer will auch schon Franken haben ??? Die kleine Post im Bahnhof kam wie gerufen, da ich noch ein Einschreiben aufzugeben hatte, was mit 2,75 YTL gar nicht so teuer war. Nun muss es nur noch ankommen. 11h00 Zug nach Eskisehir. Erster Halt direkt am Stadion von Fener, die man gestern in der Europa League gegen Lille haette ausscheiden sehen koennen. Kollege Schaffnix wollte eine Reservierung sehen, ich hatte aber keine, was ihm dann aber auch egal war. Gute Arbeitsmoral. 15h30 mit fast +40 in Eskisehir (ca. 600.000 Ew.) eingelaufen. Adnan und sein Bruder luden mich noch auf ein Koefte Nachmittagsmahl ein und empfahlen mir Eskisehir als “Little Amsterdam”. Uebertreibung macht ja anschaulich, aber ein ganz nettes Staedtchen ist es schon, was man so in 2 Stunden zu sehen bekam. Darunter natuerlich auch das Atatuerk Stadyumu (jedes dritte Erstligastadion heisst so), welches recht klein ist und nicht wirklich ueberzeugen konnte, aber bis 2013 gemacht werden will. Denn sollte die Tuerkei Ende Mai den Zuschlag fuer die EURO 2016 bekommen wird auch in Eskisehir ein neues +30.000er Stadion gebaut. Bei Sonne und 14 Grad stromerte ich noch ein wenig umher bis dann um 17h37 der naechste Zug durch die dunkle Nacht in die tuerkische Hauptstadt rauschte. Naja, dieser ist eher langsam gefahren und war erst um 22h15 mit +70 in Ankara, aber es haette auch die Moeglichkeit eines ICE’s gegeben. Warum die Schnellverbindung von Eskisehir nach Ankara geht und nicht von Istanbul ist mir noch ein wenig raetselhaft, da kann man nur hoffen, dass die Strecke noch weiter ausgebaut wird. Dennoch recht komfortables reisen in den Zuegen der TCDD mit nur 3 Sitzplaetzen pro Reihe und auch 50% richtigen Toiletten neben den Loechern im Boden. In der 5 Millionenstadt kurz nach der Abfahrtszeit fuer morgen erkundigt, die sich mit meiner Internetrecherche deckte. Den grossen Rucksack fuer 4 YTL ins Schliessfach und per pedes zum Ulus Platz, wo ich aehnlich wie in Istanbul einige billige “Otels” vermutete. Ganz so wie in der Bosporus Metropole ist es in der Hauptstadt, die gerade auf 2 Seiten im LP Middle East erwaehnt wird, jedoch nicht und auch nicht so guenstig. Im fuenften Hotel (AS) waren wir aber bei 35 YTL handelseinig, nachdem ich in Hotel 2 quasi schon eingeckeckt hatte, es sich dann aber rausstellte, dass fuer die 30 YTL gar keine Dusche vorhanden ist. Im Restaurant um die Ecke wurde auch nach 23h noch warmes Essen serviert und auch das Internetcafe war noch geoeffnet. Pluspunkte fuer unsere muselmanischen Brueder und Schwestern. Die 26 TV Kanaele gaben allerdings nicht mehr viel her, Olympia auf tuerkisch ist nicht der Oberhit.
Tag 6, Samstag, 27.02.2010
Aber ich musste ja auch frueh wieder raus. Am sechsten Reisetag sollte endlich der Ball rollen. 7h15 aufgestanden und nach Abwaegung zwischen Tour-Bart a la Eishockey-Playoffs bis zur WM stehen lassen und wozu dann den doch einige Gramm schweren Rasierapparat mitgeschleppt zu haben schliesslich doch fuers rasieren entschieden. Fix geduscht und sogar mal gefruehstueckt, was ja im Preis enthalten war. 5 nach 8 zum Bahnhof gegangen und im vorbeigehen schnell das Stadion von aussen und die gerade noch im Bau befindliche Basketballarena (WM ab Ende August) abgeknipst. Fuers Gepaeck waren nochmal 3 YTL faellig, da ich gestern Abend die Bedingungen nicht richtig durchgelesen hatte. Die 4 YTL Startpreis waren naemlich nicht fuer 24 Stunden gut sondern nur fuer 4. Von Gleis zwei sollte der Zug um 8h39 losfahren, was er natuerlich nicht tat, da dieser aus Istanbul kommend verspaetet war. Wie lange wusste niemand, durchgesagt wurde auch nix. So warteten alle ab und harrten der Dinge die da kommen sollten. Mit +78 war es dann tatsaechlich der ersehnte Zug. Da haette ich das 19 Mayis Stadyumu ja auch noch in Ruhe und von Innen anschauen koennen. Ein Drittel des Zeitpolsters von Ankunft in Kayseri bis Spielbeginn war also schon aufgebraucht und der Puffer wuerde erfahrungsgemaess weiter schmelzen. Zuege mit Verspaetung holen ja nur in den seltensten Faellen wieder Zeit heraus, im Normalfall wird die Verspaetung immer groesser. Im vorbeirattern die Grounds in Elmedac und Kirikkale durch die dreckige Fensterscheibe abgelichtet. Und so schlichen wir im Schneckentempo durch die durchaus schoene Landschaft. Langsam machte ich mir allerdings Sorgen um mein puenktliches Erscheinen beim Spiel. Die Zeit schritt voran, aber der Zug kam nicht wirklich vorwaerts. Ab 17h30 ging es durch die finstere Nacht, ab 18h wurde ich zunehmend unruhiger, zumal ich auch keine Ahnung hatte wie weit es noch sein koennte und nichts angesagt wurde oder ich nichts davon verstand. Das kostet wieder Nerven. 18h33 erzaehlt der Schaffner im vorruebergehen was von “naechster Halt Kayseri”. 18h38 fahren wir am Stadion vorbei und ich denke mir so “das war doch ein Raumschiff und gar kein Stadion”. Dann zockelt der Zug noch eine gefuehlte Ewigkeit weiter bis um 18h51 fuer mich Endstation ist (fuer andere geht es noch bis Sivas weiter). Eine Verspaetung von +185. Rein ins Taxi, ab zum Stadion. Wenig Verkehr und noch weniger Fans unterwegs, da stimmt doch was nicht !?! 18h56 verklickert mir dann der Taxista, dass in 4 Minuten Anstoss sei. Na jetzt war aber jalla jalla. Faelschlicherweise war ich warum auch immer von 20h ausgegangen und waehnte mich noch gut in der Zeit. 19h02 am Stadion, 18 YTL aermer und losgesprintet, soweit das mit 2 Rucksaecken noch sprinten genannt werden kann.
27.02.2010, 19h00: Kayserispor 1966 vs Besiktas JK 1903 (0-2) 1-2 vor ca. 27.000 Zuschauern (2.000) im Kadir Has Stadyumu (32.864) in Kayseri.
Sesam 1 oeffnete sich wie von Geisterhand, an Gate 2 schickte mich der Ordner aber zum Fahrstuhl. In diesem Moment fiel das 0-1 und ich tobte ein wenig, wetzte aber flott die Treppe wieder runter und zum Lift, der dann ewig nicht kam, ewig brauchte bis er losfuhr und es ewig dauerte bis er oben ankam. Selten fuer 2 Stockwerke so lange in einem Fahrstuhl gewesen. Rausgerannt und bei 4:41 auf die Anzeigetafel und den gruenen Rasen geblickt. Natuerlich war ich richtig angepisst ob meiner eigenen Dummheit und natuerlich zaehlt der Ground dennoch. Den kann man dann zur EURO 2016 nochmal bestaetigen. Fehler 1: keine Zeitung gekauft. Zwar kann man in TR keinerlei Worte ableiten, aber Zahlen und Zeiten haette man schon lesen koennen. Fehler 2: Oestlich von Ankara mit dem Zug zu fahren. In Zukunft nur noch Busse, auch wenns teurer ist. Immerhin bin ich durch mein Unwissen nicht schondie komplette Zugfahrt uebr durchgedreht. Das Stadion ist ein absolut modernes Teil mit allem erdenklichen Schnickschnack, sogar Heizstrahlern. Dennoch gefiel es mir gar nicht so schlecht, nicht so ein 08/15 Neubaueinheitsbrei. Abgesehen von den Eckbloecken war des neue Spaceship gut besucht, die etwa 2.000 Gaeste machten ordentlich Alarm und hatten ja auch allen Grund dazu. Das Heimpublikum eher mies, 2 kleine Stimmungsbloecke auf unterschiedlichen Tribuenen, die aber den Rest nicht animieren konnten, was sicher auch am Spielverlauf und dem 0-2 in der 30.Minute lag. Der BJK Support war top, vor allem nach der 2-0 Fuehrung rockte der komplette Block richtig ab. Die ueblichen Wechselgesaenge und das bekannte “lalala…oh Besiktas” kamen schon arg laut aus der rechten oberen Ecke rueber, was von Heimseite teilweise mit Pfiffen quittiert wurde. Ex-96er Fabian Ernst wurde in der 70.Minute mit Kicker Note 4 (von mir) zurecht ausgewechselt. Er hatte zwar ein paar gute Szenen in denen er den Ball erkaempfte, aber insgesamt muss da mehr kommen. Nach dem Anschlusstreffer wurde es in der Schlussphase doch noch einmal spannend. Jetzt war das Stadion auch endlich aus seiner Lethargie aufgewacht und ging richtig mit, aber zu spaet, es reicht nicht mehr zum Ausgleich. Nachdem Fabe als Erster im Tunnelgang in die Katakomben verschwunden war machte auch ich mich schleunigst vom Acker. Ist ja eh kaum ein herankommen an die Spieler in so Fussballlaendern wie der Tuerkei, wo sie alle positiv verrueckt sind. Hole ich mir sein Trikot halt mal beim Heimspiel ab. Fix zur modernen Strassenbahn und 3 Stationen ohne Ticket durchs Drehkreuz geschluepft zum Otogar, der ca. 500 Meter von der Tramhalte entfernt ist. Naechster Bus nach Gaziantep um Punkt Mittenacht. Perfekt, 25 YTL und ab ins Restaurant. Huehnchen, Reis, Fladenbrot, Getraenk fuer 10 YTL.
Tag 7, Sonntag, 28.02.2010
Im Bus noch ein wenig gelesen und dann auf meinem Sitz weggenickt. Um 3h im Halbschlaf mitbekommen, dass wir ohne Sprit an einer noch geschlossenen Tanke standen. Tja, da waren Profibusfahrer am Werk. Mir wars egal, den meisten anderen Mitreisenden scheinbar auch. Nach gut einer Stunden hatten die Busfahrer das Problem geloest und es ging wieder voran. So waren wir statt um 6h halt erst um 7h in Gaziantep, wo es schuettete wie nix gutes. Am Otogar in sitzender Stellung versucht noch ein paar Muetzen Schlaf abzubekommen, dann mal fuer 1,25 YTL ins Zentrum gefahren. Kurz hintern Stadion raus, der Regen hatte noch immer nicht nachgelassen, der Schirm erwies sich als gute Investition. Die guten Adidas Marathon waren bei knoecheltiefem Wasser auf den Strassen allerdings im Nu durchweicht. Am Eisenbahnbahnhof gab es weder eine Gepaeckaufbewahrung, noch Zuege. Nur ins syrische Aleppo gibts noch eine woechentliche Verbindung fuer 8,80 EUR. So durfte das neue Ibis Hotel als Gepaeckaufbewahrung herhalten, was die Chefin nachdem sie meinen Pass kopiert hatte auch genehmigte. Im Hotel direkt am Stadion mal nach dem Preis gefragt, aber unter 40 YTL kam ich nicht. Das war somit zu teuer. Couchsurfing in der Tuerkei: null zu zwoelf, 3x nur geantwortet, dabei habe ich sogar mal nicht nur Madels sondern etwa halb und halb angeschrieben. Um 12h im Stadion direkt mal die Ticketfrage geklaert. Alles kein Problem, noch in ausreichender Stueckzahl vorhanden. Voll wirds eh nur gegen die grossen drei aus Istanbul und vielleicht noch gegen Trabzonspor. Aus der Sporthalle nebenan ertoenten Schiedsrichterpfiffe. Ein haesslicher blau-gelber Ball flog ueber das Volleyballnetz. Ladies haette ich mir sogar angeschaut, aber Maennervolleyball ??? Schwuler gehts ja wohl nicht mehr. Dennoch eine Weile in der Halle aufgewaermt und 2 warme Baguettes gegessen bis es wieder rueber ins Stadyumu ging.
28.02.2010, 14h00: Gaziantepspor 1969 vs Eskisehirspor 1965 (0-1) 1-1 vor ca. 10.000 Zuschauern (100) im Kamil Ocak Stadyumu (17.000) in Gaziantep.
Nicht ganz Suedostanatolien war auf den Beinen. Nicht mal 1% der sechstgroessten tuerkischen Stadt (1,1 Mio Ew.) hatte sich auf den Weg gemacht. Diesmal war ich also mehr als puenktlich zur Nationahymne im komplett ueberdachten Ground mit Athletikbahn. Heute war das Dach auch wichtig, den es hoerte einfach nicht auf zu schuetten. Die Platzkomission hat aber trotz grosser Pfuetzen zum Glueck entschieden das Spiel steigen zu lassen. Ich hatte um 12h schon boeses geahnt. So wurde es eine Wasserschlacht fast wie Deutschland vs Polen in Frankfurt bei der WM 1974. Die positive Ueberraschung des Tages waren die etwa 100 Gaestefans aus Eskisehir, die ihr Team ordentlich unterstuetzten. Auch die Heimkurve war mit den ueblichen tuerkischen Liedern bemueht fuer etwas Atmosphere zu sorgen. Erst kurz vor Schluss war das Publikum etwas erzuernt ob der sich anbahnenden Niederlage und hier und da brannte ein kleines Feuerchen aus Zeitungspapier auf den Sitzplaetzen. In der 94.Minute dann doch noch der verdiente Ausgleich und schon war wieder ueberall Friede, Freude, Eierkuchen. Naja, fast ueberall, denn nun wurde aus der Kurve gegen die Gaeste gepoebelt, die sich nicht lange bitten liessen und diverse Sitzschalen auf die angrenzende Haupttribuene donnerten. Mit Abpfiff stuermten einige Antep Hinchas das Feld, wurden aber von Polis und Ordnungsdienst eingefangen bevor sie die Awayecke erreichen konnten. Zu feindlichen Kontakten kam es also nicht. Ich umrundete im Nieselregen noch das Wahrzeichen von Gaziantep, die Zitadelle, welche gerade restauriert wurde, so dass ein Blick ins Innere und der Ausblick ueber die Stadt und das Stadion verwehrt blieben. Um 17h02 stand der 17h Bus nach Adana noch am Otogar bereit und wartete noch auf ein paar Nachzuegler wie mich. Waehrend der 15 YTL Fahrt stieg die Aussentmperatur von 6 Grad auf 14 Grad in gut 200 Km westlich gelegenen Adana. Genau 24 Stunden vor Kickoff des TSF Montagabendlivespiels der 2.tuerkischen Liga hatte ich den Spielort mit 1,5 Mio Einwohnern also erreicht. Das Otel am Otogar liess sich nicht unter 50 YTL druecken, die erste 3 Sterne Bude im Zentrum wollte gar 60 haben. Zwar wollte mir die recht huebsche Rezeptionistin weismachen, dass das fuer Adana guenstig waere, aber gleich um die Ecke ging es auch fuer 35 YTL ohne Fruehstueck im ebenfalls der 3 Sterne Kategorie angehoerigen Mercan Otel. Beim spaeteren Internetcheck stellte sich heraus, dass ich auch bei der Selma in Gaziantep haette fuer lau couchsurfen koennen, aber ich hatte meine Mails wohl zu frueh gelesen bzw. die junge Dame, die auch beim Spiel war  hatte zu spaet geschrieben. That’s life, shit happens. Zum Olympiaabschluss gab dann noch das Eishockey Finale Canada vs USA, welches mit tuerkischem Kommenater ziemlich einschlaefernd war. Am Ende wurde es ja doch noch spannend und erst Sidney Crosby rettete den zweiten Platz der deutschen Olympioniken im Medaillenspiegel. Danke dafuer.
So, wie ihr seht bin ich mit der Schreiberei genau eine Woche im Rueckstand. Ob sich das je wieder aufholen laesst steht in den Sternen. Aber ich gebe wie immer alles, nur damit ihr bestens informiert seid. Koennte ja auch weniger schreiben, aber ihr wollt es ja immer ganz genau wissen….
In diesem Sinne, Gruss aus Amman, H96
PS: Fotos gibts dann evtl. nach der Tour.
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BeitragVerfasst am: 07.03.2010 21:42 Antworten mit Zitat
zepibär
 
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schöner tour bericht bis jetzt, weiter so... genau das was man lesen will. um der zeit (ende feb.) war man selbst in der türkei, wollte auch erst fener - lille machen, zog aber lp nord- & zypern vor
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BeitragVerfasst am: 07.03.2010 21:42
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BeitragVerfasst am: 11.03.2010 23:39 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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Moin Fans.<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
Da ich ja zeitlich noch immer in Verzug bin geht es jetzt schnell weiter mit dem zweiten Teil der Road to Johannesburg. Ach ja, bevor es los geht eins noch: Ich habe mich zwar die Tage mal bei diesem Facebook angemeldet, bin da aber noch nicht wirklich drin. Also tut mir bitte einen Gefallen und “added” mich erst nach der WM als “Friend”, wenn ich dann ggf auch ein paar Fotos hochgeladen habe….. Danke. So, jetzt wie immer viel Spass beim lesen:
Tag 8, Montag, 01.03.2010
Den achten Reisetag liess ich gemaechlich beginnen, heute hatte ich wahrlich keinen Stress. An der Touri Info, die gestern schon geschlossen war gab es einen Stadtplan, im Wechselbuero 84 YTL fuer 60 schweizer Franken. Automatisch fuehrte der erste Weg mit dem Stadtplan in der Hand zum Stadion. Flache Kurve, hohe Gegengerade, nur die Haupttribuene und eine halbe Kurve ueberdacht. Es wurde schon fleissig aufs abendliche Spiel vorbereitet und die Ultra hiessten sogar schon ihre Fahnen waehrend ich Leerbilder schoss. 20 Grad, Sonnenschein, Kaiserwetter. Das lud natuerlich zur Luftaufnahme aus einem benachbarten Hochhaus ein. Die Familie im 12. Stock war zur Mittagszeit ein wenig ueberrascht, liess mich aber auf ihren Balkon. Danach ein wenig im T-Shirt (die Tuerken liefen alle noch dick eingepackt rum und guckten entsprechend) die City erkundet, aber so richtig viele Highlights gibts in Adana auch wieder nicht. Hier ne Moschee, dort ne andere Moschee, das uebliche halt. Da war der Ausblick vom Hochhausdach ueber die Daecher der Stadt schon der Hoehepunkt. Im Restaurant einfach mal das mit 11,50 YTL teuerste Gericht auf der Karte geordert. Mit ordentlich Fleisch, Pommes, Salat, Brot und Getraenk wurde ich auch pappsatt. Beim Essen konnte die ein oder andere nette Yueksel angegafft werden, die auf dem Buergersteig an der Hauptstrasse entlang liefen. Bald mehr blonde Frauen hier als in Schweden. Die Tuerkinnen haben das Haarefaerben fuer sich entdeckt. Da blond scheinbar beautifuller ist als black schauspielerten auch die 4 Darstellerinnen einer Daily Soap in eben jener Haarfarbe. Ansonsten ist das tuerkische Fernsehen fuer den sprachunkundigen nicht so der Hit, da alle Filme synchronisiert werden. Bei einsetzendem Vollmond frueh zum Stadion aufgemacht und da war schon mehr los als ich dachte. Schon ein ziemliches Gewusel um die Ticketverkaufsbuden, die die Kurvenkarten fuer 15 YTL an den Fan brachten.
01.03.2010, 20h00 Adanaspor AS 1954 vs Bucaspor 1928 (0-1) 0-3 vor ca. 13.500 Zuschauern im 5 Ocak Stadyumu (14.100) in Adana.
Drinnen wurde auch schon gesungen und der Gast aus Izmir samt Anhang waehrend des Aufwaermens gnadenlos niedergepfiffen. Etwa zwei Busladungen vom Tabellenzweiten hatten den weiten Weg hinter sich gebracht und hingen eine grosse “Buca Fan Club” Fahne am Zaun auf. Auch vor 2.Liga Spielen erklingt die Nationalhymne. Zwar in meinen Augen nicht das sinnvollste, aber wenn dann alle Schals nach oben gereckt werden und mitgesungen wird macht das schon was her. Mit einem Sieg haette Adanaspor auf die zur Zeit von den Gaesten gehaltene zweite Tabellenposition, die zum Aufstieg in die Super Lig berechtigt vorruecken koennen und dementsprechend motiviert gingen die Jungs auch zu Sache. Aber die orangen trafen nur 3x die Querlatte, waehrend die neongelben dreimal klassisch konterten und sich so tabellarisch ein wenig absetzten. Dennoch wurde Adanaspor von 3 Tribuenen mit recht gutem Support bis fast zum Ende angefeuert, teilweise uebel laut, aber eben auch spielorientiert und nicht ultra tri tra trullala. Das war auf jeden Fall alles viel besser als ich es erwartet hatte. 5 Burschen hatten sich in der 80.Minute aufs Tribuenendach gestohlen und bombardierten die Gaeste mit einem Steinhagel. Diese entsorgten daraufhin Plastiksitze, die in der Tuerkei scheinbar nicht sehr fest im Beton eigeschraubt sind in den Innenraum. Daraufhin wurde der Awaypoebel in der 90.Minute von der Polis zu ihren Bussen begleitet, die aber schon belagert wurden. Von Heimseite aus wurde versucht zu attackieren, die Bullen setzten Traenengas ein und scheuchten die Bucaneers erstmal wieder in den Block. Die Traenengaswolke versprengte aber die Angreifer und so war Feierabend fuer heute. Lohnt sich in der TR also immer noch ein paar Minuten im Ground auszuharren, zumal es auch auf der Vip-Tribuene beinahe noch zu Handgreiflichkeiten gekommen waere.
Tag 9, Dienstag, 02.03.2010
5h20 aufgestanden und 20 Minuten spaeter hiess es guele guele Stadt mit der Nummer 01 auf dem Autokennzeichen, welche die Tuerken nach Staedtenamen alfabetisch durchnummeriert haben. 01=Adana, 06=Ankara, 34=Istanbul, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Um kurz nach 6h traf ich am Busbahnhof ein, von wo es entgegen der Lonely Planet Info keinen Direktbus nach Syrien (mehr) gibt. Fuer 18 YTL erstmal nach Antakya, die landschaftlich recht schoene Fahrt aber fast vollstaendig verpennt. Dort steht dann schon der Anschlussbus nach Aleppo bereit. Klappt ja alles wie am Schuerchen, 10 YTL. In rasantem Tempo wurde ab 9h30 ueber die gut ausgebaute Piste geprescht. Der Busfahrer hatte wohl noch Termine. Guele guele Tuerkiye, bis September 2011. Wellcom to Syria, so stand es da jedenfalls. Mehrere schnauzbaertige Grenzbeamte stehen dumm rum und schauen dem einen Kollegen, der wirklich arbeitet und die Daten der fast ausschliesslich tuerkischen Reisepaesse im Computer eingibt ueber die Schulter. Im richtigen Leben haben sie immer alle Zeit der Welt, an der Grenze werden sie zu kleinen Teamchefs. Grosses jalla jalla, da natuerlich jeder seinen Pass am weitesten auf dem Pult nach vorne schieben wollte. An meinem Transitvisa gab es nichts zu beanstanden, aber einen Abruck vom linken Daumen durfte ich noch abgeben, wozu auch immer ??? Nicht bloed nachfragen, einfach machen was gefordert wird. Die Visagebuehr war mit 7 EUR ja geradezu laecherlich gering. Da lohnt sich weder mein Arbeitsaufwand, noch eurer, ihr lieben kleinen Syrer. Verlangt doch bitte entweder einen richtigen Betrag oder lasst es am besten gleich ganz bleiben. Von der Grenze sind es noch gut 40 Km bis Aleppo (Halab auf arabisch), der mit 4,2 Mio. Einwohnern zweitgroessten Stadt Syriens. Die Steinhaeuser in den kleinen Ortschaften am Wegesrand erinnern wirklich ein wenig an “die Saeulen der Erde” und man kommt sich fast ein wenig vor wie Baumeister Tom. Mit Steinbruechen und Pferdekarren koennte man sich das richtig gut vorstellen, aber auch hier hat natuerlich die Moderne Einzug gehalten und es glaenzen die Satellitenschuesseln von den Daechern, was das Gesamtbild schon erheblich stoert. Vom Endpunkt des Busses in einem Hinterhof war es etwa ein Kilometer zu Fuss bis Aleppo Hauptbahnhof. Auf hoefliche Nachfrage beim Bahnhofssheriff konnte ich meinen grossen Rucksack am Servicepoint zur Aufbewahrung abgeben. Dann gings zum Fahrkartenschalter rueber, wo der Fahrkartenkauf ein wenig anders ablaeuft als bei uns. An Schalter 1 sagt man wann man wohin fahren will, was man natuerlich vorher erfragen muss, da es keinen fuer Nicht-Araber lesbaren Fahrplan gibt und reicht den Reisepass durchs Guckloch. Der Mokel gibt alle Daten in den Computer ein und man darf sich zu Schalter 2 gesellen, wo man dann nochmal ein wenig wartet und dann dem dortigen Mokel das gleiche erzaehlt. Wann wohin und wie man heisst. Dieser druckt nun den Fahrschein aus und kassiert das Geld, 240 syrische Pound (ca. 62 = 1 EUR) in diesem Fall fuer den 16h45 Zug in die Hauptstadt Damascus. Bevor die Reise dann aber losgehen kann muss man sich noch beim Sheriff melden, der dann alle Daten fein saeuberlich von rechts nach links in seinem dafuer vorgesehenen Buechlein eintraegt und die Fahrkarte mit seiner Unterschrift beglaubigt. Erst dann heisst es: gute Reise. Bevor es mich aber gen Damascus weiter zog hatte ich noch knapp 4 Stunden zur Stadtbesichtigung von Aleppo Zeit. Einen Stadtplan gab es an der Touri Info im Bahnhof, dann mal los. Das Aleppo International Stadium hatte ich aus dem Bus im vorbeifahren gesehen und als fuer zu weit zu laufen eingestuft. Unnoetig Geld fuer Taxifahren wollte ich nicht raushauen, auch wenn es in Syrien billig sein soll. Naja, die 61.000er Schuessel muss man ja eh mal mit nem Spiel machen, ein Pflichtground. Alle Hinweisschilder sind zweisprachig gehalten, die Orientierung faellt also nicht schwer. Auch hier war die Zitadelle leider gerade in einer Modernisierungsphase und konnte somit nur von aussen umrundet werden. Wieder keiner Fotos von der Stadt aus erhoehter Position. Grrr. Hier ein Foto, dort ein Foto, alles recht alt und nett, wie der Syrer an sich auch. Bei weitem nicht so aufdringliche wie ihre arabischen Genossen aus bspw. Tunesien oder Aegypten, aber sehr hilfsbereit, wenn man Hilfe benoetigt. Ansonsten wird man in Ruhe gelassen. 2 Dueruem fuer je 50 SYP verputzt, keine Internetbude entdeckt und 16h45 ab dafuer. 5 Stunden bis in die 4,6 Mio. zaehlende Hauptstadt. Aus dem Zug heraus noch das Al Baladi Stadium fotografiert, dann ein wenig gelesen oder versucht zu pennen, was in dem recht komfortablem Zug (auch hier nur 3 Sitze pro Reihe) auch gelang. Softgetraenke und Tee sind sogar im Fahrpreis enthalten, bei der syrischen Bahn ist jeder Kunde Banhkomfortkunde. Vom Bahnhof mit dem erstbesten Bus in Zentrum, ein paar Brocken englisch koennen hier die meistens, 10 SYP. Wo mehrere Hotelschilder blinkten raus, kurz ins Internet und nach dem Weg zum LP Hoteltipp gefragt. Diese Plaene im LP sind ja doch immer recht duerftig. Die empfohlene Butze war mir mit 1.000 SYP zu teuer, direkt neben an im Al Haramain Hotel gabs das EZ ohne alles fuer 700 SYP. Das war zwar in etwa meine Preisvorstellung, aber nicht wirklich meine Vorstellung von Hotel. Naja egal, fuer 2 Naechte wirds schon gehen. Wer braucht schon frische Luft ??? Shish Kebap zum Abendessen und dann im Internet meine eigentliche Planung nochmal komplett ueber den Haufen geworfen. Warum durch Syrien durchfahren und mich nach Amman abhetzten, um statt Syrien vs Libanon mit Jordanien vs Singapore zwar das wichtigere Spiel zu sehen, aber auch nur einen neuen Laenderpunkt dafuer zu kriegen. Was man hat das hat man schliesslich. Also nochmal umgeplant und fuer das Derby entschieden. Der Nachteil: weniger Zeit und Grounds in Egypt, wo ich ja aber eh schon 6 habe. Der Vorteil: mehr Zeit fuer Kultur und Grounds in Jordan. Wie man es macht… !?! Nun ja, jetzt bin ich schon mal am Spielort, mit meinem 3 Tages Transit Visum laesst sich das Match problemlos vereinbaren und in Jordanien soll am naechsten Wochenende laut diverser Internetseiten, die wahrscheinlich eh alle voneinander abschreiben, der Ball rollen. Also wird die 109 halt Syrien und Jordanien dann die 110. Im Hotel hatte ich die erste Nacht mit 20 US$ bezahlt und bekam noch etwas Geruempel heraus, das sollte locker fuers Essen reichen. Das bunte Spielgeld aus der Schweiz wollte selbst hier der Geldwechsler nicht haben. Nachdem die weitere Tourplanung fuer die naechsten Tage beschlossene Sache war fiel ich in den wohlverdienten Schlaf.
Tag 10, Mittwoch, 03.03.2010
9h aufgestanden und aus meinem Loch im ersten Stock ueber windschiefe Treppenstufen in den Keller gekraxelt, wo sich die Duschen befinden. Fuer eine Nacht verlaengert und dann mal im Schnelldurchlauf die Stadt erkundet. Nette Old City, aber 2 Stunden rumlaufen reicht auch um das wichtigste in der aeltesten ununterbrochen von Menschen bewohnten Stadt zu sehen. Hier 2 Bananen (25 SYP), dort ein Liter Sprite (30 SYP), da 2 mit Kaese gefuellte Sandwiches (25 SYP). Bei diesem Preisen laesst es sich leben, auch wenn die Preise in letzter Zeit allgemein und bei Benzin und  Hoteluebernachtungen im besonderen explodiert sein sollen. Das Stadion hatte ich schon aus der Altstadt gesehen, so war die Richtung klar und der Ground tauchte irgendwo ohne nachzufragen vor mir auf. Den zwei riesigen Flutlichtmasten auf der einen Seite stehen zwei recht verkuemmert wirkende gegenueber. 23 Reihen nackter Beton sollen 35.000 kleinen Syrern Platz bieten. Durch eine Luecke im System schluepfte ich bereits um kurz nach 12h hinein in die gute Stube, als gerade die Flaggen der Teilnehmer gehisst wurden und das Stadion eigentlich noch gar nicht geoffnet war. Die 8 aufgestellten Werbebanden blies der frische Wind direkt wieder um, und erst nachdem noch jeweils 8 Banden von WM-Sponsor MTN fachmaennisch dazwischen gestellt waren hielt die Konstruktion Wind und Wetter stand. Die Syria TV Zuseher wird es gefreut haben.
03.03.2010, 14h30 Syrien vs Libanon (2-0) 4-0 vor 16.000 Zuschauern (0) im Al Abbasiyeen Stadium (35.000) in Dimashq. LP 109.
Noch bis weit in die erste Halbzeit hinein stroemten die Massen bei freiem Eintritt und ohne Eintrittskarten durch die Eingangstore ins weite Rund hinein. Viele verpassten damit den Blitzstart ihrer Mannschaft. 2-0 nach 10 Minuten, der Drops war schnell gelutscht, auch wenn das Spiel fuer die Qualifikation zum AFC Asian Cup 2011 in Qatar ja eh nicht mehr von Bedeutung war. Syrien war schon dabei, Libanon ohne Chance sich noch zu qualifizieren. Die zu 99% maennlichen Zuschauer (ein paar wenige Frauen haben sich doch ins Stadion getraut) wollten mehr Tore von nahem sehen und wechselten zur Pause die Seite. Eine Voelkerwanderung, aber zurecht, denn auch im zwoten Abschnitt klingelte es noch zweimal im Kasten der ueberforderten Libanesi. Mit lauten Pfiffen wurde auf die arabische Art der Einzug ins Endturnier bei inzwischen kuehlen Temperaturen gebuehrend gefeiert. Auf dem Rueckweg zum Hotel kehrte ich noch in einer Pizzeria ein. Auf meinen 20 US$ Schein gabs einen Haufen Kleinkram raus. Haetten die kleinen Jordanier ihr Spiel auf 20h statt auf 18h angesetzt haette ich wohl den Taxidoppellaenderpunktehopp probiert. Aber beim Parallelspiel im Iran (19h30 gegen Thailand) waere es sonst wohl zu spaet geworden. 1 Tag 1 Laenderpunkt, reicht ja auch. Durch den kalten Wind zum Hotel durchgekaempft und die warme Jacke geholt. Diesmal wollte mir der Hotelmokel auf meine 20 US$ nur 180 Pound statt 220 wie gestern rausgeben. Waere gestern ein Fehler beim Umrechnungskurs gewesen. Na klar, dann gib halt 5 Dollar raus. Im Dunkeln noch zum Busbahnhof gefahren und schon mal das Busticket fuer morgen Nachmittag nach Amman gekauft, 500 SYP. Waere zwar nicht noetig gewesen, aber das man weiss ja vorher nicht. Im Internetcafe fiel dann erstmal der Strom aus, zum Glueck schreibe ich nix wichtiges.
Tag 11, Donnerstag, 04.03.2010
Gegen 10h das Gepaeck im Hotel abgestellt und nochmal auf den Weg in die City gemacht. Zu den in den Hang gebauten Haeusern war es allerdings doch weiter, als es aussah. Zwischendurch hatte ich einen Flutlichtmast erspaeht und dorthin zog es mich nun. Es verbarg sich tatsaechlich ein Stadion dahinter, naemlich das vom Barada Club. 10.000 duerften schon reinpassen, kann man mal angeschaut haben. Noch ein wenig umher geschlendert, die letzten Pfund in Essen und Trinken verbraten und fuer 10 SYP mit Bus Nr. 15 zum Busbahnhof. Die Abfahrt der Fernbusse ist etwas versteckt weiter hinten auf dem Terminalgelaende. 15h sollte es losgehen, fast 16h wurde es bis wir uns endlich mal aus der Stadt der knallgelben Taxihorden (wie auch in Aleppo bestimmen die gelben Taxis das Verkehrsbild, gefuehlt ist jedes zweite Auto ein Taxi) raus quaelten, da noch Mitreisende an einem anderen Terminal eingesammelt wurden. Dennoch war die Kiste nur halbvoll, was mit 2 Plaetzen fuer mich recht angenehm war. Eine Stunde spaeter waren wir an der Grenze. Syrien verlangt 500 SYP Ausreisesteuer, was einen klaren Minuspunkt fuer das ansonsten sehr positive Land gibt. 12 Dollar fuer nichts. Und bei der Einreise nach Jordanien gingen gleich nochmal 11 EUR fuer quasi nichts (Visa) weg. Dann wollte mich der Syrer/Jordanier mit deutschem Pass auch noch bescheissen und meinte ich solle ihm 15 EUR fuer die 10 JD Visagebuehr geben, da dies nur in einheimischer Waehrung bezahlt werden kann. Nee, da wechsel ich lieber mal an der Bude 20 Meter weiter. Da gabs dann 18,8 Dinar fuer 20 EUR, was immer noch ein relativ schlechter Kurs ist. Bei mehereren Wechselbuden an der Grenze hatte ich jetzt aber auch nicht die Zeit um alle zu pruefen, mein Bus wartet ja auch nicht ewig auf mich. Aber ich war gar nicht der Problemfall. Meine Briefmarke fuers Visum war ruckzuck eingeklebt, ueberstempel, fachgerecht verwischt und es hiess “welcome to Jordan”, was man in den folgenden Tagen noch desoefteren hoeren sollte. 30 Tage darf man bleiben, will man aber gar nicht. Mehrere irakische Staatsbuerger waren mit an Bord und deren Passkontrolle zog sich mindestens eine Stunde in die Laenge. Einige Jordanier wurden schon hibbelig, ich hatte die Ruhe weg, es gab ja ausser der Hotelsuche am Abend keine Termine mehr. Durch die zusaetzliche Warterei zog sich die Gesamtfahrzeit auf 6 Stunden, was ein paar Local Heroes ein wenig aufregte. 21h am Busbahnhof der Firma JETT in irgendeinem Hinterhof angekommen wirkte Amman (ca. 2,2 Mio. Ew.) in dieser Gegend wie ausgestorben. Alles verrammelt, kaum noch Verkehr und schon gar keine Linienbusse ins Zentrum mehr. Der erste Befragte faselte was von 3 Km und bei guter Beschilderung lief ich trotz heavy luggage mal zu Fuss ins City Center. Klappte auch hervorragend, nur der Lonely Planet Hoteltipp (Hotel Palace) war fuer heute schon ausgebucht. Unter anderem von einem schweizer Motorradfahrer (motorbikeworldtour.com oder so aehnlich). 2 Buden weiter war im “Cairo” fuer 6 JD was in der Kategorie grenzwertig frei. Naja, eine Nacht geht (fast) immer. Fuer 1,5 Jaydee, wie die kleinen Jordanier ihre Waehrung Dinar nach der Abkuerzung JD nennen, gabs noch ein Falafel Abendessen. Der Bankomat spuckte direkt die gewuenschten 200 JD aus. 1 JD ist uebrigens in tausend Fils unterteilt, oder in 100 Piastres, etwas verwirrend das ganze, zumal es keine Preise wie 896 gibt. Alles kostet 50 oder 100 am Ende. Fuer 0,75 JD oder 75 Piastres oder 750 Fils gings noch kurz ins Internet, dann war um 23h Feierabend.
Tag 12, Freitag, 05.03.2010
10h aufgewacht und zum Abdali Busbahnhof im Norden, von wo die Busse gen Norden fahren sollten. Wuerde ja auch Sinn machen, aber es gibt noch einen anderen Busterminal noch weiter noerdlich und da heute der heilige Sonntag in der islamischen Welt ist faehrt sowieso nur eigeschraenkter Verkehr. 1,20 JD fuer 4 Km im Taxi und schon wird man belagert. Nach Ramtha will ich. “Heute keine Busse, 10 JD” meinte Mohamed. Na, ich schau nochmal weiter und siehe da es geht auch fuer 2 JD mit drei anderen Reisenden im Privat-Pkw. Ca. 80 Km, ca. 125.000 Ew., am Busbahnhof nicht viel los, waren wohl alle in der Moschee. Die Stadt hat nix zu bieten, direkt zum Stadion durchgefragt, einer hats mir aufgemalt, die Masten waren aber nach zweimaligem Abbiegen eh schon von weitem zu sehen. Kein reinkommen in die Bude, rundherum verriegelt. Da deutete nichts auf ein U18 Ligamatch in gut 2 Stunden hin, wie mir Kollege Leisner von Soccerway per Email mitgeteilt hatte. Kein offenes Tor gefunden, also mal einen alten Eimer umgedreht und versucht ueber die Mauer wenigstens ein Haupttribuenenfoto zu bekommen, als gerade der Platzwart daher kommt und sich wundert was ich denn da auf dem Eimer mache. Er nur arabisch, ich nix arabisch, aber er ruft wen an, der englisch spricht. Shareef war dann auch bald da, sprach aber auch nicht wirklich englisch und wusste nix von einem Spiel am heutigen Nachmittag. Nach gefuehlten 20x welcome und einer Tasse Tee im Office wurde noch der Vereinspraesident antelefoniert, der in bruchstueckhaftem englisch “today…. No football” erklaerte. Na gut, dann haben wir halt mal fuer 3,20 EUR einfache Fahrt einen Erstligaground angeschaut. Jetzt auch kein so grober Fehler. Ist ja eh nicht mein Ding Grounds oder gar Laenderpunkte mit Jugendrotz zu machen, waehrend sich andere durch so einen Mist ja die Groundqoute hochpuschen. Shareef gab mir zur Sicherheit mal noch seine Nummer, die mich freilich nicht viel weiter bringt und fuhr mich netterweise noch die 3 Kilometer ins Stadtzentrum zurueck. In einem gar nicht schlecht aussehenden Restaurant mit den Fingern gespeist. Wozu haben wir eigentlich Besteck ??? Geht doch mit den Haenden viel einfacher sich Fleisch, Pommes und Salat in den Mund zu schieben. Man muss halt nur aufpassen mit welcher Hand man isst, denn die andere wird im arabischen Raum ja dazu genutzt, wenn das Essen hinten wieder raus will…. Einer der Taximokel am Busbahnhof wollte 15 JD fuer die Fahrt nach Amman, ich hielt 2 Finger in die Hoehe, um den Betrag, den ich zu zahlen bereit war klarzumachen und schon wurde auf ein noch leeres Auto gedeutet. Na geht doch, die 3 weiteren Passagiere trudelten auch zuegig ein und schon fuhren wir mit 120 Km/h ueber die zweispurigen und gut ausgebauten Fernstrassen zurueck in die Hauptstadt. Zu sehr uebertreiben sollte man die Raserei aber nicht, denn alle Nase lang steht die Polente und blitzt unschuldige Autofahrer. Es war noch hell und da hake ich doch gleich mal die Touripunkte in Amman ab. Das roemische Theater, die ehemalige Zitadelle, heute eher eine Ruine von der man aber einen guten Blick ueber grosse Teile der Stadt hat und noch einen netten Sonnenuntergang. Da das Loch im Boden meiner aktuellen Behausung nicht fuer groessere Geschaefte geeignet war ging ich mal zum Bellevue Hotel den Berg hinauf, von wo man wirklich einen schoenen Ausblick hat und alles zur Zufriedenheit erledigen kann. In der Lobby gleich noch ein wenig relaxed und die weitere Tagesplanung gemacht, bevor ich wieder nach Downtown, was in Amman wirklich mal stimmt, streunerte. Im Internetcafe meines Vertrauens war die Leitung stabil und der Stromfluss bestaendig, so dass ich gleich mal mit dem Tourreport begann, bis mich der Hunger ueberkam und mich ins Stammrestaurant (seit gestern) fuehrte. Dort gucken zwar alle bissl komisch wie ich mir mein Futter zufuege, aber letzendlich landet ja doch alles im gleichen Magen….
Tag 13, Samstag, 06.03.2010
Nach 2 Tagen war der Auszug aus dem schaebigen Cairo Hotel mehr als ueberfaellig. Im Palace hatte ich gestern Abend noch reserviert und konnte mein Einzelzimmer ohne Bad schon um 10h beziehen. Schon deutlich besser und mit richtigem Klo, wenn auch auf dem Gang. Aber halt auch zum doppelten Preis. Mit eigenem Bad und Satellitenfernsehen waeren es sogar 20 JD. Wenn es das TV gratis dazu gibt gerne, aber extra dafuer bezahlen: nein danke. So wichtig ist die Glotze gar nicht. Weder beim jordanischen Fussballverband noch auf der sudanesischen Botschaft wurde der Telefonhoerer abgenommen. Die Behoerden machen sich alle ein langes Wochenende. So wurde der Orga-Tag verschoben und was mit dem angebrochenen Tag angefangen ??? Ein gestern im Hotel getroffener, eher bibeltreuer Kanadier meinte die alten Steine in Jerash waeren interessant. Das Hotel bot eine 18 JD Tour dorthin an, aber das schaffe ich wohl auch alleine. Ein Taxi zum Nordbahnhof, dann fuer 0,70 JD nach Jerash, wo einen der Busfahrer quasi vor dem Eingang zu den Ruinen rausschmeisst. Jede Menge alte Steine, Saeulen, zwei roemische Amphitheater gibt es zu sehen. 8 JD Eintritt (auch fuer Studenten) sind ein wenig uebertrieben, aber es gibt ja scheinbar genuegend trottelige Touris die das zahlen, Anwesende eingeschlossen. Eine Roemer/Gladiatorenshow von einer halben Stunde Dauer gibt es auch noch. Durchaus alles ganz interessant und nett gemacht. Muss eine ganz schoene Stadt gewesen sein, dieses Gerasa, wie der Name zu Zeiten der alten Roemer war. Die Wagenrennen und Gladiatorenkaempfe sollen bis zur Haelfte der damaligen Bevoelkerung (bis zu 30.000) in die Arena gelockt haben. Damit waere das Nummer zwei Highlight in Jordanien nach Petra also schon mal abgearbeitet. 1 ½ Stunden reichen dafuer locker aus. Ein langbaertiger Inder fragte noch ob ich denn ein Foto von ihm mit ein paar Saeulen im Hintergrund machen koenne. Na klar geht das, “you are welcome”. Schicht im Schacht und erst 14h30. Da kann ich mir ja auch noch die Burg in Ajloun anschauen, die auf der Hoteltour mit im Programm steht. 10 JD im Taxi oder einfach mal an die Strasse stellen und den Daumen in den Wind halten. Was werd ich wohl gemacht haben ??? Fahrer eins bis drei fuhren woanders hin, Nummer 4 war mein Kandidat und brachte mich bis vor den Burgeingang. Dann wollte er aber Kohle haben, sagte jedoch weder wieviel noch vorher ueberhaupt irgendwas davon. Nach kurzem jalla jalla trennten sich dann aber die Wege, einen grossen Umweg wird er schon nicht gemacht haben. Ein ueberraschenderweise deutschsprachiger Taxifahrer wollte mir bei der Rueckfahrt nach Amman “helfen”. Erst brauchte ich aber ein Ticket fuer die Burg, welches 1 JD gekostet haette, aber nur im Buero am Fusse des Berges erhaeltlich waere. Im Taxi sass der Inder aus Jerash und da der auch meinte es gaebe von drinnen nicht wesentlich mehr zu sehen als von draussen umrundete ich dir Burganlage einmal, drueckte ein paar mal auf den Ausloeser und gut war es. Also rein ins Taxi mit dem Inder und Abfahrt, Meister, denn nach Amman muss ich ja auch. “Was kriegste denn fuer die kurze Strecke von mir ???” Taximokel: “Was wollen Sie geben ???” Ich Mokel: “Maximal 2 JD, habe ja keinen Zeitdruck”. Taximokel: “Ich dachte ich mache dir einen Freundschaftspreis, weil du ja Deutscher bist, sagen wir 25 JD”. Jetzt bog sich jemand auf der Rueckbank vor lachen, ich konnte nicht mehr, aber das war noch gar nicht der eigentliche Hoehepunkt. So fragte ich auf englisch den Inder, der in Dubai lebt und scheinbar einen guten Job haben muss, wieviel er denn fuer die Tour mit dem Taxi bezahlt. Hab ich mich jetzt verhoert oder hat der Inder, der gestern schon eine Rundfahrt mit selbigem Taxiabzocker gemacht hat, gerade “onehundred” gesagt. Hilfe, ich muss hier raus. Ein schoenes Leben noch ihr Trottel, wobei der Taxista ja ein cleveres Kerlchen ist und nach 2 Tagesfahrten seine Familien die kommenden 2 Monate ernaehren kann. Wahnsinn, was fuer unselbstaendige Menschen es doch gibt. Fuer 15-25 JD haette man ja auch eine Tagestour in einem der vielen Hotels buchen koennen, wenn man die Orte alleine nicht findet. Der angestrebte Bus von Aljoun war gerade voll und wieder meinte die Taximafia unisono es waere der Letzte. Ein paar Jordanier fielen auch drauf rein, aber es war natuerlich nicht der Letzte. Fuer 0,90 JD gings zurueck und somit standen Fahrtkosten von insgesamt 3,45 JD auf der Sollseite. Die 8 JD Eintritt waeren im Tourpaket naemlich auch nicht dabei. Mit Internet und TV Fussball im Hotelgemeinschaftsraum (Almeria vs Barscha 2-2 und Roma vs Milan 0-0) klang der Abend gemuetlich aus.
Tag 14, Sonntag, 07.03.2010
Die Nacht war unruhig und nachdem auch noch der Muezzin seinen Unmut ueber die Unglaeubigen um 4h30 in die dunkle Nacht hinaus gebruellt hatte kam auch noch ein Alptraum dazu. In Osnabrueck schubste ich einen Nuernberger die steilen Stehraenge hinunter. Passt alles nicht richtig zusammen, ich weiss, aber so sind Traeume wohl. Nochmal versucht bei der JFA anzurufen, mit dem Ergebnis, dass die Uschi erst nachschauen muesse und ich in einer Stunde nochmal zurueckrufen solle. Das uebernahm dann Fatima von der Rezeption, der dann auch eines von sechs geplanten Spielen am Wochenende mit einer falschen Anstosszeit mitgeteilt wurde. Unfaehigkeit hoch zehn. Vom Mahejudeen Busbahnhof machte ich mich waehrenddessen fuer 0,60 JD auf den Weg zum toten Meer bzw. bis zu einem Abzweig dorthin. Den Rest musste ich trampen, was in Jordanien aber super klappt, auch wenn einige scheinbar wirklich erwarten, dass man einen Taxi oder Buspreis-aehnlichen Betrag fuer die Befoerderung gibt. Laenger als 10 Minuten wartet man jedenfalls nie und trampen ist bei mir immer noch umsonst. Am “Dead Sea” dann mal den Eintritt von 15 JD versucht zu umgehen und durch einen Schleichweg auf eine der 4-5 Sterne Hotelanlagen gemogelt. Aber es dauerte auch nicht lange nachdem ich mit hochgeschobenen Hosen bis zu den Knien im Salzwasser stand und da kam auch schon der Lifeguard und wollte wissen wo mein Ticket ist. Na in meinem Hotel Palace war leider nicht die richtige Antwort. Was solls, mach halt mal kurz ein Foto von mir wie ich im toten Meer stehe und dann habe ich meinen Auftrag hier auch schon erfuellt. Mehr wollte ich ja gar nicht, obwohl man sowohl von Wasser- als auch Lufttemperatur (beide nahe der 30 Grad) locker haette baden gehen koennen. Klar ist das Wasser am tiefsten Punkt der Erde (400m unter normal Null) zwar auch, aber einfach zu versalzen. Dreimal die Fuesse gewaschen um das Salz wieder abzukriegen. Und der Eintrittspreis in diesen Luxus- oder Spahotels ist mit etwa 16 EUR in einem Billigland wie Jordanien natuerlich auch stark uebertrieben, wie fuer soviele Sehenswuerdigkeiten (siehe auch Petra in Teil 3) in Jordan. Also weiter im Programm und zwar nach Madaba. Das ging wieder mit dem Daumenexpress und war trotz zweimaligem Umstieg top. In der griechisch orthodoxen Kirche von Madaba befindet sich am Boden ein Mosaik, das die Landkarte des nahen Ostens aus dem 6. Jahrhundert darstellt. Ganz nett, wie auch die gesamte Kirche, die das komplette Nest zur Tourihochburg macht. Souvenirstaende an jeder Strassenecke. Per Zufall entdeckte ich beim umher schlendern noch das Ministadion (2.000 Plaetze) bevor ich fuer nen halben Dinar wieder gen Amman schipperte. Da es nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr viel zu tun gibt, ausser Essen vielleicht, hackte ich mal noch ein paar Buchstaben fuer Euch in den PC. Bei arabischen Talkshows noch ein wenig gelesen und gute N8. Waehrend die Dortmunder Homepagebetreiberfraktion das .docx aufgrund von veralteter Software nicht oeffnen kann gab es andererseits wenig Kritik. Also wenn ihr Probleme beim oeffnen des Anhangs habt geht einfach auf das Groundhopping Forum und lest meinen Bericht dort. Ach Mist, das koennt ihr ja jetzt gar nicht lesen, ihr konntet den Anhang ja nicht oeffnen…. Naja, das ist dann wohl Pech….
Gruss aus Amman, H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 16.03.2010 13:22 Antworten mit Zitat
groundhopping
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Hey Neckermann-Pauschal-Urlauber, was gibts noies?
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BeitragVerfasst am: 16.03.2010 16:19 Antworten mit Zitat
Loskinho
 
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jetzt lass doch mal den markus in ruhe, denkste in jordanien/israel/ägypten gibts an jeder ecke ein internet-café...

vielleicht sitzt er ja grad aufm eselskarren und fährt richtung السويس


_________________
¡de puta madre!
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BeitragVerfasst am: 16.03.2010 16:27 Antworten mit Zitat
09marco
 
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Loskinho hat Folgendes geschrieben:
jetzt lass doch mal den markus in ruhe, denkste in jordanien/israel/ägypten gibts an jeder ecke ein internet-café...

Gibt sicher mehr als beispielsweise in Holland.
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BeitragVerfasst am: 16.03.2010 16:39 Antworten mit Zitat
Harza
 
Anmeldungsdatum11.01.2007
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Loskinho hat Folgendes geschrieben:
jetzt lass doch mal den markus in ruhe, denkste in jordanien/israel/ägypten gibts an jeder ecke ein internet-café...

vielleicht sitzt er ja grad aufm eselskarren und fährt richtung السويس



Meinst du der ist erst in Suez ?
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BeitragVerfasst am: 16.03.2010 23:27 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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nicht nervoes werden, jungs. suez war gestern dran, heute basketball in cairo.
teil 3 ist zu 6/7tel fertig.
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BeitragVerfasst am: 17.03.2010 00:46 Antworten mit Zitat
Philip-RV
 
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gib Gas Linke alle sind total geil drauf siehste ja


Zuletzt bearbeitet von Philip-RV am 17.03.2010 23:08, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 17.03.2010 19:32 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
Anmeldungsdatum08.12.2006
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ich bin auch total geil drauf, aber das nuetzt ja nichts, in der arabischen liga spielen ja nur schleiereulen mit....

Salem Aleikum, Fans.<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
Und schon geht es weiter mit Teil 3. Da habe ich ja wieder im Akkord geschrieben und ihr fragt euch sicher schon woher ich auf so einer Tour bloss die Zeit nehme. Ja, eine halbe Stunde Arbeit gehoert schon pro Tag dazu um die Geschehnisse des Tages zusammen zu fassen und die Tastatur gluehen zu lassen, was inzwischen immerhin recht fix geht. Bin zwar noch weit vom 10-Finger-System entfernt, aber das 2-Finger-Suchsystem gehoert auch seit einiger Zeit der Vergangenheit an. Aergerlich ist es halt immer nur, wenn wie z.b. in einigen Ostblockstaaten das y und das z vertauscht sind oder das tuerkische i ohne i-Punkt daherkommt. Genug der sinnlosen Einleitung, auf zum wesentlichen:
Tag 15, Montag, 08.03.2010
Die Faulheit siegte mal wieder ueber die Selbstdisziplin und so schaffte ich erst den 11h Bus nach Petra, 5 JD. Da ich ja am Donnerstag wieder da bin konnte ich das ueberfluessige Gepaeck im Aufbewahrungsraum im Palace Hotel lassen. Wird schon keiner meine dreckigen Klamotten stehlen. Die gut 3-stuendige Fahrt ist recht unspektakulaer und geht fast ausschliesslich durch karge oede Wuestenlandschaft. Gegen 14h30 kam der Bus dann in Wadi Musa, dem 15.000 Seelen Nest oberhalb von Petra an. Gleich mal von den  anderen Touris im Bus abgesetzt und alleine bergab gedackelt. Schlauer waere es natuerlich gewesen weiter oben erstmal nach einem Hotel Ausschau zu halten, denn Achtung Logik: je naeher man zum Eingangsbereich kommt umso teurer sind die Hotels. Allen voran dann das Moevenpick und das Marriott. Zum Glueck war ich schon mental auf die Fantasieeintrittspreise vorbereitet worden. 38 JD kostet ein Ticket fuer 2 Tage. Wem der Petra Ground noch fehlt sollte sich dennoch mit dem Besuch ein wenig beeilen, denn ab 1.November diesen Jahres werden die Preise nochmal um mehr als 50% erhoeht. Die spinnen, die kleinen Jordanier. In den folgenden 2 Stunden also erstmal jede Menge alte Steine und fast ebenso viele alte Touris, die da in Horden angekarrt werden angeglotzt. Die Touris haben zurueckgeglotzt, die Steine nicht. Auf den Ruecken von Eseln, Pferden oder Kamelen kann man innerhalb des riesigen Areals auch voran kommen, aber das kostet natuerlich extra und bringt ja nix, wenn man nicht gerade seinem Frauchen imponieren will. Auch abseits der Felsenstadt sind alle Preise auf Touriabzocke getrimmt. 6,75 JD hatte ich bisher auch noch nicht fuer ein Abendessen hingelegt, da bekommt man in Amman 3 Mahlzeiten fuer. Auch das Internet ist doppelt so teuer wie in der Hauptstadt, so dass ich nicht am Bericht weiter geschrieben habe. Bei ca. 60 Stunden (grob geschaetzt) entstehen ja eh schon Kosten in Hoehe von ca. 60 EUR ueber die gesamte Reise gerechnet, die mir von Euch keiner erstattet, ausser vielleicht mein Premium Kunde der Lokist Wink. Alles nur damit ihr auf der Arbeit euren Spass habt…. Aber in meinem Hotel “Moon Valley”, dem ersten bezahlbaren oben am Hang, hatte ich ja auch an die 1.000 Fernsehsender zur Auswahl. Darunter weit ueber 100 in italienischer Sprache. Viele waren aber auch kodiert, also Playboy TV ging leider nicht rein und so war Fashion TV der Erotikkanal Numero Uno. Aus Deutschland waren nur das ZDF, RTL und RTL 2 im Angebot. Nicht gerade der Hit, aber Montags mit “Wer wird Millionaer ???” schon ok. Da weiss die Uschi (oder hiess sie Susanne ???) die Antwort auf die 1 Million Euro Frage (Asterix & Obelix) und traut sich nicht sie auch zu geben. Wahnsinn. Freut man sich da eigentlich noch ueber die gewonnenen 500.000 oder aergert man sich ueber die nicht gewonnenen 500.000 ??? Bei der Summe ist es wahrscheinlich egal, um die Welt zu komplettieren reicht es ja in jedem Fall. Waere auch mal ne gute Antwort auf Guenter seine Frage: “und, was machense mit dem ganzen Geld ???”. “Die Welt komplett”.
Tag 16, Dienstag, 09.03.2010
Nach einer oberflaechlichen (da nur kalten) Dusche mit ein paar Teigwaren (2 JD), drei Suedfruechten (1,40 JD) und knapp 3 Litern Fluessigkeit gegen 10h bergab Richtung Eingangstor spaziert. Die Temperaturskala hatte die 30 bereits ueberschritten. Am zweiten Tag wurden die Tickets dann auch abgerissen, nachdem man am ersten Tag seinen Namen auf das Stueck Papier schreiben muss. Personalisierte Tickets um den Schwarzmarkt zu vermeiden. Hoffentlich kommt das nicht auch in der Bundesliga, wobei es wohl auch da nur noch eine Frage der Zeit ist. Da der erste Tag 35 EUR kostet, der zweite und der dritte Tag aber nur je 5 EUR extra haben sicher frueher schon irgendwelche Schlaumeier versucht zu tricksen. In 4 Stunden ist man in Petra mit dem Wichtigsten durch, will nicht sagen man hat alles gesehen, dafuer ist das Gelaende einfach zu gigantisch, aber das was man sehen und fotografieren muss hat man erledigt. Alles weitere ist Zugabe. Bereits nach 1/3 derWegstrecke war ich total kaputt, aber es ging immer weiter, immer weiter. Um das letzte sehr gut erhaltene Kloster zu sehen geht es ca. 40 Minuten ueber 800 in den Stein gehauene Stufen, die kreuz und quer verlaufen, streng bergauf. Oben angekommen (und das haben auch alle 70-jaehrigen Touris japsenderweiser, also die natuerlich auch, geschafft) wird man mit dem herrlichen Klostern und einem grandiosen Ausblick ueber ganz Petra belohnt. Fusskranke koennen wie schon erwaehnt aber auch auf Eseln oder Pferden heraufreiten, was den Tieren aber auch sichtlich keinen Spass macht. Ueber den ca. 1 ½ stuendigen Rueckweg quaelte ich mich wie in Trance, fuehlte mich irgendwie total schlapp und nicht mal in der Lage den Polonia Bytom Fan im Trikot anzulabern. 17h den Berg rauf mitnehmen lassen, im Hotel noch kurz nach dem ersten Bus nach Aqaba fuer morgen frueh (7h, was aber gelogen war) gefragt und dann direkt ins Bett. Kurz Skispringen aus Kuopio angeschaut. Neben der Schanze habe ich immerhin schon mal im Hostel gepennt und dann auch hier versucht zu schlafen. Heute haette ich wohl zu ersten Mal im Leben eine Aspirin eingeworfen, aber in meiner spaerlich ausgestatteten Reiseapotheke befinden sich nur zwei Heftpflaster aus chinesischen Restbestaenden. Zuhause denke ich mir ja immer: was von alleine kommt geht auch von alleine wieder weg. So moege es hier auch sein.
Tag 17, Mittwoch, 10.03.2010
Im ZDF Morgenmagazin von der 2-3 Niederlage der Bayern in Firenze erfahren. Gut so, nicht dass Bayern verloren hat, sondern dass sie eine Runde weiter sind. Ins Finale muesst ihr aber nicht ausgerechnet in diesem Jahr kommen. Das wuerde mich sonst naemlich ganz schoen dolle aergern, wenn ich das hinter irgendeiner Huette in Zambia sehen muesste J. Na und wenn ein Russe 100 Minuten im 2 Grad kalten Eiswasser ausharren kann, dann werd ich mich wohl mal fuer 2 Minuten unter die kalte Dusche stellen koennen. Im weiteren Reiseverlauf werde ich wohl froh sein, wenn es ueberhaupt mal eine kalte Dusche gibt. 6h42 am Busbahnhof von Wadi Musa und der Bus nach Aqaba war just im Moment ausverkauft. Es werden auch nicht mehr Passagiere befoerdert als Plaetze vorhanden sind, was ja eigentlich ne gute Sache ist, ausser wenn man selbst die Nummer eins im neuen Bus ist, denn bevor “full” vermeldet wird geht es eben auch nicht los.19 Mitfahrer fehlten noch, 7h40 waren alle da. Im Sueden Jordaniens geht sie bereits los, die Touriabzocke. Ich frage nach dem Fahrpreis, da sagt der Busfahrer doch glatt: “five”. Na das passt doch nicht denke ich mir, so teuer ist es ja bis Amman, nach Aqaba ist ja maximal ein Drittel der Strecke. Also mal neugierig geschaut was denn so die anderen bezahlen, schon gab mir der Vogel noch einen Dinar wieder und fragt dann noch scheinheilig ob ich denn Gepaeck haette, was aber nichts extra kostet. Kein Gepaeck, noch einen Dinar wieder retour. Jetzt waren wir bei 3, die hatte der Geschaeftsmann neben mir auch bezahlt, allerdings fuer sich und seine Frau. Nochmal hoeflich nachgefragt was denn mit dem Rest sei und nach jalla jalla und deuten des Busfahrers auf einen anderen Bus erstmal klein beigegeben. Noch ne Stunde warten musste ja nicht sein, klaeren wir das Wechselgeldproblem eben am Zielort. Dort trafen wir 2 Stunden spaeter ein, wobei die ersten Minuten der Fahrt hoch ueber Petra recht spektakulaeren Aussichten bieten. Danach noch etwas gepennt und inzwischen war ich auch halbwegs wieder fit. Aqaba, gut 100.000 Ew. So Cheffe, wat is nu ??? Alle haben 1,50 JD bezahlt, ich bin noch bei 3, da krieg ich nach Adam Riese nochmal 1,50 raus. Nochmal zickt er rum, gibt erst einen und hat wohl gehofft das Spielchen wuerde mir irgendwann zu bloed. Das klappt aber nicht mit allen Touris, du Obermokel. Apropos bloed, na wer war das wohl wieder ??? Logo, der Taxifahrer. Aus Embassy of Egypt wurde ganz schnell nur Egypt und die Fahrt ging in Richtung Faehranleger. Zum Glueck sofort gemerkt und von dem unfaehigen Kollegen verabschiedet, der nun noch einen halben Dinar haben wollte. Nee Kollege, fuer Dummheit wird leider nix bezahlt. Von der jungen Empfangsdame in einem nahen Kreditinstitut das Reiseziel in arabisch notieren lassen und schon ging es deutlich einfacher. Der naechste Taxista wollte allerdings 5 JD, adios und Nummer 3 meinte der Taxameter ginge nicht. Na dann steig ich mal schnell wieder aus. No Meter = No Taxi. Kandidat 4 machte einen sympathischen Eindruck und verlangte nur 1 JD, war also mein Kandidat. Haette ich den Busbahnhof im LP-Plan richtig lokalisiert haette man die kurze Strecke auch laufen koennen. Im aegyptischen Konsulat war nicht sonderlich viel los. Visaantrag ausfuellen, ein Passfoto bei, 12 Dinar und um kurz vor 11h war eine Passseite mehr vollgestempelt. Wenn das ueberall so einfach ginge. Der Fussweg zum Busbahnhof dauerte eine Viertelstunde und ein 20er nach Wadi Rum stand so gut abfahrbereit da, 2 JD. An einer Abzweigung, von wo es noch ein paar Kilometer zum Visitor Center sind rausgeschmissen worden und den Rest locker getrampt. Ein paar alte Steinformationen angeschaut, wo einst Lawrence von Arabien rumgeisterte und ein bissl durch die Wueste getapert, was durch den tiefen Sand recht anstrengend war. Um das Wadi richtig kennenzulernen braucht man einen Jeep fuer den man sich ab 40 JD einmieten kann. Ohne mich, reicht auch so fuer 2 JD. Zurueck zur Hauptstrasse dann mit 2 Jordaniern dumm rumgestanden. Von einem Mietwagen (70er Nummer) haette ich nie gedacht, dass er anhaelt um 3 Mann mitzunehmen, aber Vati und Sohn aus Dresden machten genau das. Die Kletterer hatten aber wenig Fussballfachwissen und Sohnemann fragte allen Ernstes wie denn Werder Bremen am Wochenende gespielt hat ??? Keine Ahnung, na hoffentlich verloren…. !?! Am Abzweig von den Klettermaxen verabschiedet und dann von den beiden Eingeborenen davon gestohlen, denn zu dritt trampt es sich nicht so gut. Alleine geht das besser, so auch hier. Wobei das eigentlich nicht in die Kategorie Trampen faellt, das war eher was a la Mitfahrgelegenheit.jo. Der erste wollte schon “money”, bekam aber fuer die kurze Strecke (vielleicht 50 Km) nix, der zweite wollte dann glatt 7 JD fuer die noch ausstehenden 250 Km bis Amman. Naja, direkt bis Amman war natuerlich top, da blieb ich am Bord und der Kollege liess sich noch auf 5 JD runterhandeln. Musste ja auch noch was essen und hatte nur noch den 10er. Der Rest reichte aber im McD zum Laenderpunkt mit Big Maec Meal fuer 3,34 JD. Schnell nochmal nen Hunni fuer die restlichen Tage in Jordanien gezogen und dann im Cairo Hotel 10 Minuten an der unbesetzten Rezeption gewartet, aber es tat sich nix. Also eine Bude weiter zum Al Naser Hotel, wo es fuer 8 JD sogar Sat.-TV dazu gab. Allerdings war ich nur noch fit genug um das Aus von Puta Real in der Champions League zu erfahren. Da kann also dieses Jahr nur noch der HSV das Finale im eigenen Stadion erreichen.
Tag 18, Donnerstag, 11.03.2010
Zur Feier des Tages im Hard Rock Café Madrid T-Shirt um Punkt 9h im Taxi zur Botschaft vom Sudan. Der Fahrer wusste ueberraschenderweise sogar direkt Bescheid, obwohl es weit war. Nix los in der Botschaft, aber wer will auch schon freiwillig in den Sudan ??? Der Mokel schaut meinen Pass an, fragt warum ich denn in den Sudan will (gute Frage) und wie ich anzureisen gedenke. Ich antworte wahrheitsgemaess weil es auf dem Weg nach Johannesburg liegt und von Assuan aus mit der Faehre. Dann warte ich einige Minuten, bis der Mokel mir mitteilt, dass ich mir das Visum in Aegypten abholen solle. Entweder direkt bei der Botschaft in Cairo oder auf dem Konsulat in Assuan. Angeblich stellen sie hier nur Visa fuer Jordanier oder direkte Einreisen aus Jordanien aus. Ich vermute allerdings die beiden Helden waren einfach nur zu faul ihre fetten Aersche aus dem bequemen Chefsessel zu bewegen und beschimpfte sie noch ein wenig bevor ich mich unvollrichteter Dinge von dannen schlich. Sudan: Ein Drexxland, soviel steht also schon mal fest. 5 EUR Taxikosten fuer nichts und wieder nichts. Wieder in Downtown checkte ich erneut bei Fatima im Palace ein und bekam diesmal sogar ein Zimmer mit Balkon und Blick auf den Hof. Na wenn das nix ist. Mein Rucksack war auch noch dort wo ich ihn im der Abstellkammer hingestellt hatte, konnte wohl keiner meine dreckigen Klamotten gebrauchen, sind ja noch nicht in Afrika. Die arabische Tageszeitung erwaehnte sogar eine der beiden Partien des Tages namentlich, jedoch ohne genaue Anstosszeit. Vor dem Weg ins Petra Stadium, wo der erste Kick steigen sollte ging es aber noch ins Currency Museum. Bekanntlich bin ich ja kein Museumsfreund, aber mit dem Muenzen sammeln habe ich schon zu einer Zeit angefangen, als der HSV (Hamburger Sport Verein) noch deutsche Meister gewesen ist. Die aelteren unter euch koennen sich eventuell noch schemenhaft daran erinnern. Eine schoene Sammlung mit vielen antiken kostbaren Stuecken haben sie da, die man sich bei freiem Eintritt mit einem englischsprachigem Guide, der einem ein paar Sachen dazu erklaert, anschauen kann. Meinen Sack dreckige Waesche konnte ich fuer 4 JD im Hotel waschen lassen, heute Abend waere es fertig, meinte Fatima. Per Taxi (1,5 JD) gings dann zum Amman International Stadium in der Sport City. Dort wird gerade der Platz neu gemacht. Nebenan im Petra Stadion (vorher alles auf google-maps angeschaut, feine Erfindung) nach der Anstosszeit gefragt: 15h, perfekt. Naja und wenn ich schon mal da bin dann lasse ich mich doch auch gleich noch vom Trainer der Frauennationalmannschaft, dem ich meine wirkliche Meinung ueber Frauenfussball aber besser vorenthielt, zum JFA Office fahren. Alle Termine fuers Wochenende abgeklaert, nicht nach Souvenirs oder Buechern gefragt und wieder ab dafuer. Nach einem weiteren Maecci Meal im Shopping Center rueckte der Anpfiff zum Laenderpunkt auch immer naeher:
11.03.2010, 15h00 Shabab Al Ordon vs Al Karmel (2-0) 4-0 vor ca. 140 Zuschauern (50) im Petra Stadium (5.000) in Amman. LP 110.
Keine Werbung, keine Anzeigetafel, kein Stadionsprecher, old school, aber ganz ganz old. Eintritt wurde auch nicht verlangt und so gab es auch keine Eintrittskarten. Sehe ich zum Glueck nicht so eng. Wenn es keine gibt dann gibt es halt keine. Das Spielniveau war nicht mal so schlecht wie befuerchtet. Fallrueckzieher im eigenen 16er, Seitfallzieher in der neutralen Zone, fluessiges Spiel, technisch versiert. In der Halbzeitpause wurde der Rasen als Gebetsteppich missbraucht. Woher die bloss immer so genau wissen in welcher Richtung dieses Mekka liegt ??? 6 Minuten Nachspielzeit bei 4-0 und 11 gegen 10. Zwar ging es um einen Doppler, aber zum Glueck hatte ich es nicht wirklich eilig, da das zweite Spiel des Tages von 17h auf 18h gelegt wurde:
11.03.2010, 18h00 Al Wihdat vs Al Arabi (3-0) 3-1 vor ca. 2.000 Zuschauern im King Abdullah bin Al Hussain Stadium (18.000) in Amman.
Der 11-malige Meister, aktuelle Tabellenfuehrer und scheinbar beliebteste Klub des Landes traf auf den Letzten. Das versprach Tore satt. Hier sah es auch schon mehr nach Fussball aus. Schoene Tickets vom Verband mit der Saison und Spielpaarung gab es fuer 2 JD, sogar Fahnen und Schals waren im Fanartikelsortiment von Wihdat. Aus Gewichtsgruenden musste ich aber verzichten davon etwas fuer die eigene Kollektion zu erwerben. Da in Jordanien jeder ueberall und staendig raucht, was auf Dauer ziemlich nervig ist, setzte ich mich waehrend der 15-minuetigen Unterbrechung mal ein paar Reihen um. Leider war das nicht weniger nervig, denn nun sass ich direkt vor dem Livescore-Kommentator, der das gesamte Spiel mit so elementar wichtigen Kommentaren wie “home attack, away save, home free kick, free kick taken, free kick wide, away save, away attack, away corner, corner taken, home save….. und so weiter in sein Telefon blubberte. Da dreht man doch auf Dauer schon vom zuhoeren durch und wer braucht das bitteschoen ??? Reicht doch wenn er die Tore, Verwarnungen etc. mitteilt. Wihdat schaltete nach dem Seitenwechsel zwei Gaenge zurueck um sich fuer das kommende AFC Cup Match am 16.03. zu schonen, die Stimmung war dennoch ganz okay. Es wurde getrommelt, geklatscht und/oder gesungen. Nur ein paar mehr Zuschauer haetten ruhig kommen duerfen. Im Taxi nach Hause, noch ein bissl geschrieben und die Livescore Resultate aus der Europa League verfolgt. Laeuft doch der Betrieb.
Tag 19, Freitag, 12.03.2010
Ausgepennt und wieder einmal auf das Fruehstueck verzichtet. Der Playoff Bart wuchert nun inzwischen doch vor sich hin, denn entweder gibt es keinen Spiegel im Bad oder was oefter vorkommt es gibt keinen Stromanschluss in der Naehe eines Spiegels. Mit der englischsprachigen Jordan Times (0,25 JD) bewaffnet im Taxi zum Nordbahnhof und mit dem Bus fuer 1 JD nach Irbid, der mit knapp einer Million Personen zweitgroessten Stadt des Landes. Den heiligen Sonntag nutzt aber quasi ganz Jordanien als Ausflugstag. Es wird die Familie eingepackt und dann geht es meist mindestens zu siebt im Auto ins Gruene. Irgendwo am Strassenrand wird die Karre abgestellt und auf der Wiese ein Picknick fuer die Grossfamilie, Freunde und Verwandte ausgebreiten. Das ist der “jordanian way of life”. Vom Suedbusterminal in Irbid sind die Flutlichter des Al Hasan Stadiums schon zu erkennen, das ist doch mal top in so einer grossen Stadt. In das gute Stueck gab es 6 Stunden vor Kickoff allerdings kein Eindringen, nur durch ein Guckloch konnte die imposante Haupttribuene fotografiert werden. Auch die Gegengerade ist sehr hoch, aber ohne Dach. In den Kurven befindet sich nicht, ausser der ueberdimonsionierten Anzeigetafel aus dem schoenen China. Nachdem die Anstosszeit vom Pfoertner nochmal bestaetigt war gings zurueck zum Busbahnhof und von dort per Taxi zum anderen Busbahnhof, denn die 12 Sitzer Minibusse nach Umm Qays fahren aus dem Norden ab. Der letzte Touriprogrammpunkt wollte auch noch abgearbeitet werden: Die Ruinen von Umm Qays. Alles schon mal irgendwie oder so aehnlich gesehen. Nur der Anblick auf die Golanhoehen ist die 3 JD Eintritt wert. Der waere natuerlich noch besser wenn die Luft nicht so versmogt waere. Auch hier wieder Horden von (u.a. deutschen) Touris, die in ihren Reisebussen angekarrt werden. Auf demselben Weg nach Irbid zurueck, wie ich gekommen war. Kollege Minibusfahrer musste sich aber erstmal seine Schuhe und das Wechselgeld bei seiner ca. 6-jaehrigen Tochter abholen bevor die Fahrt beginnen konnte. Der Amigo hatte wohl frei und witterte wohl mit mir den dicken Reibach, den er ja auch gemacht hat, nachdem der Bus nach und nach bis auf dem letzten Platz gefuellt war. 12 Mitfahrer = 9 JD und das ganze wieder zurueck, Benzin hat er ja maximal fuer 4 JD verfahren, die 2 Arbeitsstunden sollten sich gelohnt haben. Zum dritten Mal in Serie beim goldenen M gespeist, das gab es auch lange nicht mehr. Leider waren hier die Free Internet Terminals kaputt.
12.03.2010, 18h00 Kufr Sum vs Ramtha SC (1-0) 2-1 vor ca. 1.800 Zuschauern (1.000) im Al Hasan Stadium (15.000) in Irbid.
2 Dinar kosteten die Billets auf der Gegengeraden, die aber am Eingang komplett abgegeben werden muessen. Bei diesem quasi Derby war leider nicht so viel los wie das in anderen Laendern der Fall ist, wenn zwei Teams innerhalb von 30 Kilometer Entfernung die Klingen kreuzen. Aber die die da waren waren auch recht aktiv, wobei mir die Heimseite besser gefiel, obwohl sie weniger waren. Geschlossenerer Support (u.a. der Hit” jalla jalla Kufr Sum”), der auch oefter vorgetragen wurde. Die Gaeste zwar in Ueberzahl aber unorganisiert. Das Spiel war fuer ein Abstiegsduell gar nicht mal so uebel, es ging flott hin und her und nach den Toren gab es sogar ein wenig Aerger, da sich einige Fans aus dem falschen Lager auf der richtigen Seite befanden. Die Policia brachte die Stoerenfriede aber schnell auseinander und in die richtigen Sektoren. Das Spiel ist aus wir gehn nach Haus, oder fahren halt im Sammeltaxi fuer 2,50 JD. Gute N8.
Tag 20, Samstag, 13.03.2010
Hurra, die Wechselbude nimmt schweizer Franken. Die letzten 20 EURO 2008 Pfandbecher wurden so in 25,6 JD umgewandelt. 14 Postkarten fuer 1,4 JD gekauft. Die machen zwar das Gepaeck unnoetig schwerer, aber ihr wisst ja, der Sammelwahn…. Eine Vitaminspritze in Form eines frisch gepressten Orangensafts fuer 1 JD und ab nach Ramtha. Sammeltaxi fuer 2 JD vom Tapapour Busbahnhof, alles altbekannt und bewaehrt. Und hier schliesst sich der jordanische Kreis. Am zweiten Tag im Ramtha, am vorletzten Tag wieder in Ramtha. Im meinem Stammrestaurant, dem ohne Besteck, mit den Fingern den Bauch voll geschlagen und um kurz vor 14h am Stadion hallo gesagt. Viel war noch nicht los, aber der Teambus von Al Jazeera stand schon da, also war 15h Anstoss wie mir der Verbandsoffizielle mitgeteilt hatte richtig.
13.03.2010, 15h00 Ittihad Ar Ramtha vs Al Jazeera Club (0-0) 0-0 vor ca. 155 Zuschauern im Prince Hashim Stadium (7.000) in Ramtha.
Wenn keine Tore fallen muss man sich wenigstens keine Sorgen machen fuer wen diese gefallen sind. Dennoch war das kein schoenes Geschenk zu meinem 34 ½ sten Geburtstag. Na dann mal herzlichen halben Glueckwunsch. Immerhin nen neuen Ground gemacht und die Roten haben in der besten Liga der Welt auch gewonnen, was will man mehr ??? Die Rueckfahrt gestaltete sich etwas schwieriger, war aber irgendwie ueber Irbid dann doch noch fuer 2 JD machbar. In meinem Internetcafe dann mal ein wenig die Tasten maltretiert und Fotos von der Digicam auf nen Speicherstick gezogen. Damit war der Tag auch zu Ende und an das Kapitel Jordanien kann ein Haken dran. 4 Grounds und alle Sehenswuerdigkeiten gesehen, das Land ist zu vollster Zufriedenheit erledigt. Finanziell liege ich mit 650 EUR Gesamtausgaben am 20. Reisetag zwar leicht ueber dem kalkulierten Durchschnitt, aber immer noch im Rahmen. Die 40 Petra EUR haben halt ein wenig reingehauen. So, morgen wird ein anstrengender Reisetag mit vollem Geroedel, da muss ich mal fit sein, also ab ins Bett jetzt.
Tag 21, Sonntag, 14.03.2010
Das ausgelesene Buch “die Saeulen der Erde” (Weltklasse) und der in Istanbul gekaufte Regenschirm gingen in den Hotelbestand ueber. Den 7h Bus nach Aqaba wollte ich kriegen und mit ein wenig Disziplin ging das auch. JETT Bus mit 50 Sitzplaetzen, 6,50 JD. Dem Mokel vor mir musste erstmal ein Rauchverbot erteilt werden. Wenn sich die Fenster oeffnen lassen sage ich ja noch nicht mal was, aber im geschlossenen klimatisierten Bus geht das nun echt zu weit. Auf den 4 ½ Stunden in die suedlichste Stadt Jordaniens versucht zu pennen, aber erst war es zu kalt wegen der Klimaanlage und nachdem ich bei der einzigen Pause meine Trainingshose uebergezogen hatte wurde es mit aufsteigender Sonne schnell zu warm. Kurz vor Aqaba dann noch eine voellig ueberfluessige Gepaeckkontrolle vom Zoll. Der Zoellner hat kein einziges Gepaeckstueck aufgemacht sondern alle Taschen und Koffer nur oberflaechlich von aussen abgetastet, was auch immer er damit geprueft hat. Zu beanstanden gab es jedenfalls bei keinem etwas. Rein ins Taxi und auf die 7 Km zum Passanger Terminal in Richtung Egypt. Gegenfrage vom Fahrer: “What Egypt” ??? Na das alte Aegypten, das mit den ganzen ageyptischen Aegyptern, das hier gleich nebenan. Wieviele Aegyptens gibt es denn noch ??? Muss man eigentlich unfaehig sein um Taxifahrer werden zu koennen ??? Am Ticketschalter fuer die Faehre gab es um 12h dann die Aussage: “ Today maybe no fast ferry”. Und die naechste langsame wuerde um 1h nachts abfahren, was meinen Zeitplan ein wenig durcheinander gebracht haette, aber noch nicht wirklich schlimm waere. Bis morgen 17h sollte es nach Suez trotzdem klappen. In 20 Minuten wuesste der Mokel angeblich mehr. Bis zur finalen Info, dass es heute doch ein Schnellboot gibt verging dann zwar der Zeitraum eines Fussballspiels, aber daraufhin war auch gleich ein grosses Gewusel im Gange. Die Reisepaesse der Einheimischen und der Touristen (ein paar Kanadier und 2 deutsche Paerchen) wurden getrennt eingesammelt und die dazu gehoerigen Fahrkarten am Computer der “Arab Bridge Maritime” ausgestellt. Im Tausch gegen 70 amerikanische Dollar wurde dann beides zusammen dem jeweiligen Reisenden wieder ausgehaendigt. An der Passkontrolle ging es fix und per Bus wurde die reisewuetige Meute zum Boot gebracht. Ca. 14h geboardet, naja das passte doch in etwa mit der LP-Info von “am fruehen Nachmittag” ueberein. Es dauerte nun aber noch knapp 2 Stunden bis wir mal ablegten, da auch noch einige PKWs und Trucks auf den Kahn fahren mussten. Die kleinen israelitischen Juden wurden rechts (wo auch sonst ???) liegen gelassen. Theoretisch haette ich zwar auch ueber deren Staatsgebiet reisen und sogar noch 4 Grounds am Wochenende zuvor machen koennen, aber mit einem juedischen Stempel im Reisepass ist man ja Staatsfeind Nummer eins in der arabischen Liga. Das Uebersetzen nach Nuweiba in Aegypten an sich dauerte gerade mal gut eine Stunde, aber der Anlegevorgang kam ja noch. Und bei leichtem Wellengang vermute ich einfach mal, dass der Captain sturzbetrunken war, denn er brauchte tatsaechlich diverse Anlaeufe und insgesamt 2 Stunden um sicher im Hafen von Nuweiba anzudocken. Am Bord hatte ich ein wenig mit den beiden deutschen Paerchen (1x Bielefeld und 1x Freiburg) gequatscht, diese zog es nun aber an den aegyptischen Ballermann nach Dahab. Von Bord gings dann nach fast 5 Stunden auf der Queen irgendwas recht zuegig, der Zoll wollte nix wissen. Die Gepaeckdurchleuchtung war auch larifari und der Immigration Officer schaute einmal kurz und grimmig auf den bereits vorhandenen Stempel im Pass, den es schon auf dem Boot gab. Tja, da war man nun in Afrika, wobei das fuer mich so richtig erst nach Aegypten beginnt. Kaum ist man aus dem Hafengelaende rausgestolpert kommt auch schon der Busbahnhof von Nuweiba und die ganzen Vermittlertypen plaerren einen voll. Erstmal mussten aber Egypt Pound in den Geldbeutel. Der erste Bankomat war auch schnell gefunden und spuckte 500 EGP (ca. 7,50 = 1 EUR) in neuen Scheinen aus. Zurueck zum Busbahnhof und einmal fuer teure 75 EGP nach Suez geloest, war wohl der gleiche Preis wie nach Cairo, denn offiziell haelt der Bus gar nicht in Suez. Geplante Abfahrt 21h00, da hatte ich bei Abfahrt heute morgen in Amman schon etwas anders kalkuliert, aber solange ich noch bis Suez komme soll es mir auch recht sein. 21h50 ging es in einem bis unters Dach vollgestopftem Bus mit nur einem Dutzend Passagieren los. Wahnsinn was die wenigen Leute alles dabei hatten. Von fleissigen Helfern, die offenbar auf Bakschisch Basis malochen wurden riesige Koffer, Kisten, Kartons ins Innere des 50-Mann Busses geschleppt. Zu guter Letzt sogar eine Matratze, ein Sofa und eine Aluminiumleiter, die mitten in den Gang gelegt wurde. Die hintere Haelfte war vollstaendig mit Zeug zugestellt. Dennoch konnte ich mich ueber 3 Sitze breit machen und versuchte zu pennen. Wie ich geschlafen habe und wann ich wieder aufwache erfahrt ihr dann im vierten Teil, inshallah…..
Gruss und bis die Tage, H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 18.03.2010 16:01 Antworten mit Zitat
groundhopping
Gast
 


Sehr geil... Bin aber immer noch dafür, das du die ganzen Berichte mal in Heftform veröffentlichst... Very Happy
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BeitragVerfasst am: 18.03.2010 17:29 Antworten mit Zitat
Green Brigade
 
Anmeldungsdatum25.06.2007
Beiträge205
Wohnort69117 & 14482


Größter Respekt für die Reise und die geilen Berichte. Auf die Bilder kann man sich echt nur freuen!

Viel Spass noch!
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BeitragVerfasst am: 19.03.2010 12:16 Antworten mit Zitat
SunshineDU
 
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Beiträge100
WohnortRuhrpott


welcome in (North)- Africa...
Ich schließe mich meinen Vorrednern sehr gerne an
NOFF RISPEC

... im bevorstehenden Wahlkampf im (Süd)-Sudan
bzgl. möglicher Unabhängigkeit und Ölverteilen ist z.Z. Trouble mit
verschiedenen Warlords -Quelle Kenya Nation- , paß
bitte dort besonders auf ... aber weißt das ja eh wahrscheinlich  


P.S.: falls du paar Tips für Kenya(Nairobi,Kisii,SoNy Green) o. Tansania
        (Dar-Es-Saalam,Zanzibar) möchtest, sende PM
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BeitragVerfasst am: 21.03.2010 21:47 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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Beiträge693
WohnortPattensen


@sunshine kenya und tanzania tipps kann ich gut brauchen. immer her damit....

Ein weiteres Salem Aleinkum, Fans.<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
Erstmal ein kleines Sorry an alle, die ihre Kommentare zu meiner Reise per eMail abgegeben haben und dann keine weitere Antwort mehr von mir erhielten. Das muss ich auf mangelnde Zeit schieben. Vielen Dank an AJ, der <?xml:namespace prefix = st1 ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:smarttags" /><st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> auf einen mal wieder eklatanten Fehler hingewiesen hat, denn die Sinai Halbinsel gehoert geografisch noch zu Asien, ich war also noch gar nicht in Afrika, als ich schon dachte ich waere es. Inzwischen bin ich es aber wirklich und somit geht es nun mit dem vierten Teil der Road to Joburg von afrikanischem Grund und Boden aus weiter. Viel Spass:
Tag 22, Montag, 15.03.2010
Jetzt habt ihr sicher in den letzten Tagen gegruebelt wie ich denn im Bus von Nuweiba nach <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Suez</st1:City></st1:place> geschlafen habe. Naja, wie schon ??? Zu gut. Das Etappenziel Suez habe ich jedenfalls verpennt und dem Busfahrer war es scheinbar auch egal ob ich nach <st1:City w:st="on">Suez</st1:City> oder bis <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Cairo</st1:City></st1:place> mitfahre. 5h morgens in <st1:City w:st="on">Cairo</st1:City> ist doch auch besser als gegen 2 oder 3h nachts in <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Suez</st1:City></st1:place>. Und eine Hoteluebernachtung hat es auch gespart. Innerhalb einer guten Viertelstunde war ich zu Fuss in der noch schlafenden Riesenstadt an der Metrostation “Al Demerdash”. Gegen halb sechs startet der Betrieb, jede Fahrt kostet 1 EGP, womit die Cairoer Metro bei den billigsten U-Bahnen der Welt ziemlich weit vorne dabei sein duerfte. 3 Stationen weiter am Ramses Hauptbahnhof kann fuer 2,50 EGP das Gepaeck weggeschlossen werden. Dazu braucht man aber eine Kopie der Fotoseite des Reisepasses. Doch auch dieses Problem liess sich schnell beheben, irgendwo an einem Kiosk stand auch ein funktionstuechtiger Kopierer rum. Dann gings mit der Metro (3 Linien) vor dem Einsetzen des Berufsverkehrs wieder 10 Stationen in die Gegenrichtung zum Bahnhof “Ain Shams” im Nordosten, von wo aus die Regionalzuege nach Suez fahren, denn am Spiel in Suez hielt ich fest, auch wenn es die Moeglichkeit auf ein Match in Cairo genauso gegeben haette. 9h20 fuhr der naechste Zug, 3,25 EGP. Die Idee nochmal in die Stadt zu fahren scheiterte an den Menschenmassen in der U-Bahn. Punkt 7 setzte die Rushhour ein und schon an der dritten Station war es nur noch ueber Kampf ueberhaupt moeglich in den Zug zu gelangen. Ein herrliches Schauspiel wie sich Anzugtraeger, Vaeter mit kleinen Kindern, verschleierte Eulen und diverse andere Leute hin und her vor und zurueck in die schon vollen Waggons quetschten. Das genoss ich noch eine Weile ehe die S-Bahn gen <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Suez</st1:City></st1:place> bereit gestellt wurde. Erbaermlicher Zustand trifft es wohl am besten. Also gegen die Strecke ist selbst die Bahn zwischen <st1:City w:st="on">Buenos Aires</st1:City> und <st1:PersonName w:st="on" ProductID="La Plata"><st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">La Plata</st1:City></st1:place></st1:PersonName> noch in Topcondition. 9h20-11h35 wurde ich so richtig schoen durchgeruettelt und geschuettelt. Besser als so mache Achterbahnfahrt auf dem Rummel. Vom Suezer Hauptbahnhof ging es fuer 0,50 EGP in die etwa so grosse Stadt wie <st1:place w:st="on">Hannover</st1:place>, in der ich erstmal keinerlei Hinweis auf ein Hotel entdeckte. Schreiben sie wohl nur auf arabisch hin. Spaeter am Tage fanden sich mal zwei Hotel, die waren aber leider beide voll. Beim Italiener mal eine Portion Spaghetti Bolo fuer 7,50 EGP gegessen. Danach recht frueh zum weitlaeufigen Stadion gegangen, da die Masten schon zu sehen waren. Nach diversem bla bla bla mit vielen Bullen, von denen wie immer einer wichtiger war als der andere, wie das in so Polizeistaaten (Deutschland laesst gruessen) nun mal so ist. Ich bin nichts, ich kann nichts, gebt mir eine Uniform. Bis ich endlich rein durfte um Leerbilder zu machen verging sicher fast ne Stunde und ich musste <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> echt zusammen reissen halbwegs freundlich zu bleiben. Ausser der Haupttribuene ist nichts ueberdacht und man ist recht weit vom Geschehen weg.
15.03.2010, 17h15 Petrojet Suez vs Ghazl El Mahallah (1-0) 1-0 vor ca. 700 Zuschauern (30) im Suez Stadium (27.000) in Suez.
Die Fans (viele im Trikot) versammelten sich auf der Gegengeraden in der Mitte und legten eine grosse Fahne ueber die Sitze. Die 60-70 Ultras kamen geschlossen nach einer Viertelstunde Spielzeit und hingen ihre beiden Fahnen (Suez Hawks und Ultras Spirit) am Zaun in der Kurve auf um dann fortan ihr eigenes Ding zu machen, statt mit den anderen Petrojet Fans gemeinsam anzufeuern. In der Pause sorgte der boeige Wind fuer ein wenig Belustigung, da er die moblien Auswechselbaenke davon rollen liess oder gar umwarf. Im Land des 7-maligen CAN Gewinners ist die heimische Liga scheinbar nicht so stark wie die Nationalelf und vor allem interessiert sich wohl niemand dafuer, wenn nicht Al Ahly oder El Zamalek an den Spielen teilnehmen. Schade, denn schoene und grosse Stadien haben sie ja spaetestens seit dem CAN 2006 (ich berichtete). Aegypten duerfte auch neben Marokko der einzige ernsthafte Kandidat fuer die Ausrichtung einer zweiten WM auf afrikanischem Boden sein. Dann reise ich aber mit dem Flieger an, das ist zu nah an Deutschland fuer den Landweg und ausserdem bin ich 2050 auch schon zu alt fuer diese Strapazen… Smile Zurueck zum Spiel, es blieb beim 1-0 durch den direkten Freistoss in der 17. Minute. Auf dem Rueckweg kehrte ich nochmal bei Gosto Pizza ein, 2x Spaghetti am Tag vertraegt der Magen ja besser als so manch anderes. An 3x pro Woche ist er ja auch gewoehnt. Gut und guenstig war es obendrein. 21h25 ohne jegliche Beleutung ruckelte der letzte Regionalzug des Tages mit offenen Tueren und nicht verschliessbaren Fenstern durch die dunkle und kuehle Nacht. Der Kontrolletti erfuellte seinen Job mit einer Taschenlampe zwischen den Zaehnen. Ein ueber die nackten Beine gewickeltes Handtuch und ein zweites T-Shirt machten den kuehlen Fahrtwind der von ueberall herein wehte ein wenig ertraeglicher. Definitiv besser als jede Geister- und Achterbahnfahrt auf dem Schuetzenfest. Punkt Mitternacht in <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Cairo</st1:City></st1:place> angekommen und zu meiner Ueberraschung fuhr die U-Bahn sogar noch. Fuer 13 Cent ins Zentrum, bis Sadat. Das Al Aksam Hostel im dritten Stock war der erste zufaellige Anlaufpunkt. Nicht schoen, aber mit 30 EGP im Dorm billig und immerhin mit einer Steckdose im Bad, denn die Rasur ist inzwischen fast ueberfaellig nachdem mich vorhin im Stadion einer gefragt hat ob ich Moslem sei, wegen meines langen Bartes. Nee Kollege, das werde ich erst, wenn ich mal den Ground in Mekka machen will. Damit waren die Tagesausgaben auf einem Tourtiefststand von 70 EGP, weniger als 10 EUR. So koennte es weitergehen, geht es aber leider nicht, um das schon mal vorweg zu nehmen….
Tag 23, Dienstag, 16.03.2010
8h aufgestanden, gruendlich rasiert, geduscht und dann mal weg aus der Mottenhoehle. Das Konsulat vom <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place> war auch im zweiten Anlauf gefunden, nachdem ich an der unscheinbaren Seitenstrasse (bei der Co-op Tankstelle muss man rein) erst vorbei gelaufen war. Hier teilte mir der ¾ Maxi (ihr wisst schon, etwa so wie Dieter Bohlen seine Echse Naddel, falls sich an den F-Promi noch jemand erinnert) erstmal mit was ich alles brauche fuer das Visum: 1. Ein Empfehlungsschreiben von der deutschen Botschaft, 2. den ausgefuellten Visaantrag und eine Kopie davon, 3. eine Kopie von der Fotoseite vom Reisepass und natuerlich das Original dazu, 4. zwei Passbilder, 5. 100 (in Worten: Einhundert) US Dollar Bearbeitungsgebuehr in bar. Auch auf die Gefahr hin, dass ich <st1:State w:st="on">mich</st1:State> wiederhole: Der <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place> ist ein Drexxland. Also erstmal fuer 10 EGP im Taxi zur deutschen Botschaft geheizt. Da sieht es schon ein wenig anders aus als bei den Sudanesi. Nach der Personenkontrolle und Metalldetektor konnte ich direkt zur Passstelle durch. Das Empfehlungsschreiben was fuer ein toller Typ ich bin kostet 150 EGP und wird innerhalb von 5 Minuten ausgestellt, das sind noch deutsche Tugenden. Wieder fuer nen 10er zurueck in den Sudan, bzw. erstmal in die Naehe, denn jetzt brauchte ich ja noch einen Kopierer. Dieser fand sich sogar recht schnell eine Querstrasse weiter vor einem Laden am Strassenrand. Die erforderlichen Seiten von einem jungen Maedel mit Kopftuch kopieren lassen, 1 EGP. So stand ich mit den vollstaendigen Unterlagen um 10h30 wieder am Schalter der Sudanesi, wo zum Glueck nicht viel los war. Am Nachbarschalter die 100 Dollar bezahlt und dann alles samt Quittung wieder an Schalter 1 abgegeben. Der ¾-Maxi meinte: “Tomorrow <st1:time w:st="on" Hour="10" Minute="0">10 o’clock</st1:time>”und ich zische ab. Als naechstes musste ein Internetcafe aufgesucht werden (2 aus dem LP sind inzwischen dicht gemacht worden), da mir der Name des 2006er Hotels nicht mehr einfallen wollte. Ach ja, Invitation Hotel, das wars. Kurz auf dem Plan angeschaut und dann auch direkt wieder gefunden. Das Zimmer gabs fuer 110 EGP, stabiler Preis seit 2006, auch wenn es vor 4 Jahren das Bad dazu gab und das TV Angebot jetzt nur noch 259 Kanaele statt 317 enthaelt. Am Bahnhof dann mal nach der Abfahrszeit fuer den Nachtzug nach Luxor (22h00, 165 EGP) gefragt und gleich nebenan auch noch nach der Faehre gen Sudan erkundigt (1x pro Woche, montags gegen 16h, 311 EGP in der 2.Klasse). Laeuft. Per Taxi dann mal zum Clubgelaende von Aegyptens zweitbeliebtestem Verein Zamalek, die 45% der Aegypter zu ihren Anhaengerm zaehlen, waehrend 55% zu Al Ahli halten. Das Basketballmatch von goalzz.com wollte ich bestaetigen, aber die Ottos hatten das Heimrecht verdreht und Zamalek spielte heute auswaerts in <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Alexandria</st1:City></st1:place>. Der einarmige Zamalek Offizielle telefonierte aber ein wenig rum, waehrend ich Tee trinken musste und fand zwei weitere Basketball-Spiele des Tages raus. Zu dem einen waeren aber keine Auslaender zugelassen, da die Army mitspielt, aber das andere Spiel Gezira vs Smouha waere eh besser. So liess ich mir noch die <st1:City w:st="on">Halle</st1:City> auf arabisch notieren und verabschiedete <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> bis Freitag in Sohag. Vom Zamalek Trainingsstadion durfte ich auch noch Bilder machen und entdeckte dabei 4 weitere Flutlichtmasten auf der anderen Strassenseite. Beim kleinen Club Tersana waren sie aber ziemlich unhoeflich und liessen keine Stadionfotos zu, was ich mit ein paar englischen Schimpfwoertern (das F-Wort kam desoefteren vor) kommentierte woraufhin ich unter grossem jalla jalla nach draussen gebeten wurde. Mit Daumen und Zeigefinger in einem Abstand von einem Zentimeter aneinander gehalten zeigte ich ihnen im Weggehen noch die Groesse ihres Klubs an, was hoffentlich nicht mit der Schwanzlaenge verwechselt wurde. Der Ehrgeiz Luftbildern von einem der umstehenden Hochhaeuser zu machen war nun in mir geweckt. Im 17 Stoecker nach oben gefahren und einfach mal auf gut Glueck irgendwo geklingelt. Als die Tuer geoeffnet wurde musste ich erstmal schlucken. Stand doch eine 17-jaehrige Prinzessin wie aus tausend und einer Nacht vor mir, die auch gut englisch sprach und mein Anliegen verstand. Auf ihr “but I am alone” dachte ich mir “na das ist doch super, dann machen wir uns jetzt ein wenig Spass zusammen”, sagte aber sinnfrei “I am alone too” und zuckte entschuldigend mit den Schultern. Ein Sesam oeffne dich Gebet kam zu spaet, die Pforte zum Glueck war nach einem gefluesterten “sorry” schon wieder zu. Ein Stockwerk tiefer waren die 5 Maedels mit 2 Babys nicht alone, aber es musste erst noch der maennliche Nachbar zu Rate gezogen werden ehe die Fotoerlaubnis erteilt wurde. Alle ein bisschen paranoid. Vom Balkon einer Topwohnung (sicher 150 qm und sehr gut eingerichtet) konnte die 1A Luftaufnahme aber schliesslich gemacht warden. Shukran. Im McD noch schnell war gegessen und schon waren meine 500 EGP fast aufgebraucht. Die uebrig gebliebenen 7 JD in 52,50 EGP getauscht und dann nicht das allercleverste gemacht. Zum Feierabendverkehr in ein Taxi gestiegen. <st1:metricconverter w:st="on" ProductID="15 Km">15 Km</st1:metricconverter> dauerten mal knapp 2 Stunden und kosteten durch die fast eine Stunde dauerwarten 10 EGP mehr als normal, 35 EGP insgsamt. Es gibt inzwischen auch neuere Taxis die mit Meter fahren, die alten Rumpelkisten haben fast alle noch keinen, da ist der Preis VHB.
16.03.2010, 20h00 Gezira Sporting Club vs Smouha Sporting Club 98-92 vor ca. 150 Zuschauern (6) in Arena 4 (Cairo Intl. Stadium, 728) in Cairo. Basketball LP 12.
Ein relative ausgeglichenes Match in dem der Basketball oefter in den Korb flutschte als ich das vermutet haette. Nervig waren nur die 6 Gaestefans, die unaufhoerlich auf ihre beiden mitgebrachten Trommeln eindroschen. Per Bus und U-Bahn zurueck nach Downtown. Die U-Bahn ist hier definitive das geeignetste Verkehrsmittel in einer Stadt die unter 24 stuendigem Verkehrsinfarkt am Tag leidet.
Tag 24, Mittwoch, 17.03.2010
Kurz im Hotel gefruehstueckt, dann gegen 10h zur Botschaft vom <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place>. Visa war eingeklebt, somit alles erledigt, nach nur einer Minute war ich wieder an der frischen Luft. Der <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place> ??? <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Ein</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Superland</st1:PlaceType></st1:place> J. An einem der vielen Staende einen frischen Orangensaft pressen lassen, 2,50 EGP. Der Orangensaft hier ist Weltklasse, Note eins. Mit der U-Bahn zum Ramses Hauptbahnhof und am Fahrkartenschalter bei Gleis 11 ein Ticket fuer 22h00 nach <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Luxor</st1:City></st1:place> geloest. Leider git es nur 1.Klasse Sitzplatz, was mit 165 EGP ganz schoen teuer ist. Auf dem 2,5 x <st1:metricconverter w:st="on" ProductID="5 cm">5 cm</st1:metricconverter> kleinen Ticket, auf welches die Fahrstrecke aufgestanzt wird wie bei uns einst zu Kriegszeiten steht zwar <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Aswan</st1:City></st1:place> drauf, aber das kostet den gleichen Preis. Aus dem Nebeneingang raus, halb rechts halten, ca. 50m und schon steht man vor dem kleinen Buero der Bootsgesellschaft, die die woechentliche Bootsfahrt zwischen Aswan und Wadi Halfa im Sudan anbietet. Nachdem die <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Uschi</st1:PlaceName> <st1:PlaceName w:st="on">meinen</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Pass</st1:PlaceType></st1:place> auf ein vorhandenes Sudan Visa geprueft hatte ging es mit der handschriftlichen Ticketausstellung auch recht fix. Paar Daten aufgeschrieben, paar Zettel zusammen getackert und fertig ist die Faehrfahrkarte, 311 EGP in der 2.Klasse. Damit waren bereits um 12h alle organisatorischen Aufgaben des Tages erledigt und ich konnte <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> dem Kulturprogramm zuwenden. Zuvor wurde an der Sadat Metrostation aber noch gespeist. Wie gestern gab es zum zweiten Mal in Folge den Mix aus zerkleinerten Maccaroni, Reis, Erbsen und Linsen. Sicher ein Arme-Leute-Essen, aber a) bin ich ja ein armer Leut und b) war das Gericht mit einer leicht scharfen Sosse darueber richtig lecker. Gut und guenstig also, 10 EGP inkl. Getraenk. Dann wieder in den Untergrund und ab nach <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Giza</st1:City></st1:place>. Mit U-Bahn und noch <st1:metricconverter w:st="on" ProductID="9 Km">9 Km</st1:metricconverter> Bus ab <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Giza</st1:City></st1:place> entstanden somit Kosten von 1,75 EGP fuer die Fahrt zu den Pyramiden. Studenten (auch solche die an der Universitaet von Bangkok eingeschrieben sind) zahlen in Egypt bei den meisten Sehenswuerdigkeiten nur die Haelfte, so auch bei der Topsehenswuerdigkeit, wo man dann mit fairen 30 EGP dabei ist. 4 EUR also, ein Zehntel von Petra fuer ein 10x bekannteres Highlight. Die spinnen, die Jordanier. Auch beim dritten Besuch sind die Pyramiden noch so beeindruckend, dass die ueblichen Fotos von allen Seiten gemacht wurden. Ansonsten hat sich seit 2006 nichts veraendert, der Sphinx ist jedenfalls kein Zacken von der Nase abgebrochen. Sphinx Fotos sind bei Nachmittagslicht gegen die Sonne uebrigens nicht ideal. Zum touristischen Tagesabschluss noch ein wenig andere Touris angegafft. Aus Russland, Polska und dem Reich der Mitte waren wieder ein paar leckere Exemplare dabei. Die nervigen Haendler, die einem schon vor dem Eingang auf den Sack gehen, versuchten ohne Pause allerlei Schrott an den Touridepp zu bringen, was auch desoefteren gelang. Mit tausend Jahre alten Papyrrusrollen und Original Skarabaeus Kaefern an der Halskette zogen sie von dannen. Ich dann auch, als ich die Dummheit der Leute nicht mehr ertragen konnte. Via <st1:City w:st="on">Giza</st1:City>, der Stadt, die sich demnaechst rund um die Pyramiden erstrecken wird (erschreckend !?) zurueck ins Zentrum und zu Fuss zum <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Cairo</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Tower</st1:PlaceType></st1:place>, auf dem ich 2001 schon mal drauf war. Die angedachten Luftbilder von der Stadt mussten aber diesmal entfallen, 70 EGP waren mir zu heftig, Ermaessigung gab es keine. So hatte ich genug Zeit fuer Euch Teil 3 fertig zu stellen, nachdem doch tatsaechlich schon einige im GH Forum gequengelt hatten. Mehr zum Fussball fahren, dann habt ihr auch weniger Zeit um Berichte zu lesen. 22h00 fuhr der NZ puenkltlich los, 6er Abteil mit <st1:metricconverter w:st="on" ProductID="5 in">5 in</st1:metricconverter> den <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">USA</st1:country-region></st1:place> (mit LAX Labels an den Reisetaschen) lebenden Pakis. Die Beinfreiheit war ausreichend, das Gepaeck passte unter die Sitze, nur fuer die fehlende Tuer und das somit vom Gang eindringende Licht gibt es Minuspunkte fuer die Egyptian Railways, die die Waggons eines schoenen Tag mal von der deutschen Firma Messerschmitt-Boelkow-Blohm GmbH aus Donauwoerth hat bauen lassen. Das wird wohl irgendwann in den 70ern oder 80ern gewesen sein, da die MBB 1989 von der DASA gekauft wurde (Wiki weiss alles).
Tag 25, Donnerstag, 18.03.2010
Schlafen klappte einigermassen, nachdem die Pakis ihre neugierigen Fragen auf ein Minimun beschraenkten und ich nur kurze knappe Antworten gab. Mit leichter Verspaetung ratterte der Zug um 8h im Luxorer Hauptahnhof, der ziemlich zentral liegt, ein. Und wie das in einer Touristadt im arabischen Raum nun mal so ist wird man sofort von allen moeglichen Leuten vollgeblubbert. Hotel hier, Hotel da, cheap, cheaper und am cheapesten. Die oertliche Taximafia geht einem auch auf den Sack, in <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Luxor</st1:City></st1:place> (ca. 500.000 Ew.) braucht aber nicht mal der Fusskranke ein Taxi. Ohren auf Durchzug und auch alleine zum LP Hoteltipp Oasis gefunden. 30 EGP fuers EZ mit Bad auf dem Gang, aber fuer die Preiskategorie sehr sauber, die LP Empfehlung passt also. Nach einer Dusche nochmal zum Bahnhof zurueck (500m) um die Fahrplaene nach Sohaq und <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Aswan</st1:City></st1:place> zu erfragen. Beides zu meiner Zufriedenheit. An der Touriinfo gegenueber gab es nur wenig nuetzliches Material fuer Individualtouristen. Also mal direkt zum <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Luxor</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Temple</st1:PlaceType></st1:place> losgeschlendert. Und welch Frevel: direkt davor ist ein goldenes M. Mit herrlichem Blick auf die Tempelanlage das Big Breakfast gefruehstueckt. Am Eingang den Ticketverkaeufer mal gefragt was ich denn von drinnen sehen kann, was ich von draussen nicht sehe und als Antwort "everything" erhalten. Na das interpretiere ich mal als "nothing". Eine Runde um die Anlage gedreht, ein paar Bilder gemacht und 25 EGP (fuer Studenten) gespart. Man sieht ja alles genauso gut von aussen. Dann am laengsten Fluss der Welt entlang die Promenade runter gewandert und das <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Luxor</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Museum</st1:PlaceType></st1:place> rechts liegen gelassen. Etwa <st1:metricconverter w:st="on" ProductID="3 Km">3 Km</st1:metricconverter> sinds bis zum Tempel von Karnak, laut LP dem "most incredible sight in all of <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Egypt</st1:country-region></st1:place>". Wie war das mit der Uebertreibung ??? Die 35 EGP (Student) sind aber gut angelegt, hier sieht man von aussen naemlich nix. Super Anlage, was es alles zu sehen gibt koennt ihr ja bei Wiki nachlesen, die weiss es naemlich immer besser als ich. Abartig jedenfalls was auch hier wieder an Russenschlampen.de rumlief. Womit haben die Kanisterkoeppe solche Frauen verdient ??? Zu Fuss wieder am Nil zurueck und inzwischen nervten <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> die alten Aegypter doch maechtig gewaltig. Taxi, Boot, Kutsche, alles wird ohne Pause angepriesen und der Touri wird staendig vollgequasselt. Das der Touri das weder will noch mag merkt der alte Aegypter leider nicht. Einzig ignorieren hilft ein wenig, nach dem dritten "hello mister" ohne Gegenreaktion dackeln die meisten zum naechsten Touriopfer weiter. Fuer 1 EGP mit der Passagierfaehre ueber den Nil von der Ostseite von <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Luxor</st1:City></st1:place> in den goldenen Westen rueber gemacht. Auch hier Tourijaeger ohne Ende, man ist noch nicht vom Boot runter und wird schon vollgequakt. Augen geradeaus und weiter. In einem local Restaurant fuer 5 EGP gegessen und getrunken, wieder ein Arme-Leute-Gericht, aber besser und gesuender als McD isses allemal. Mit dem naechsten Boetchen wieder nach East Bank geschippert und mal durch den Souq getigert. Abgesehen davon, dass ich eh nichts gekauft haette…., wer <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> mit "hello my friend" anredet ist schon mal komplett an der falschen Adresse und hat seine Chance hundertpro verspielt. Ein wenig chillen auf der Dachterrasse vom Hotel, bissl Internet (5 EGP/Std.) und dann wurde es noch ein fantastischer Fussballabend im Restaurant. Bei Spaghetti Polonaise (so stand es in der Speisekarte, 9 EGP) und ohne der Schleiereule von hinten an die Schultern zu fassen gab es TV Fussball aus der Europa League. Was gibt es schoeneres als Juve Merda mit einem 4-1 wegzubuegeln, die Bayern Fans werden wissen wovon ich schreibe. Diesmal war es der kleine Fulham FC dem dieses Kunststueck, was ja fast keines mehr ist, gelang. Grazie Fulham, Arreviderci Juve und schon war auch der 25. Reisetag in die Geschichte eingegangen.
Tag 26, Freitag, 19.03.2010
Endlich auch wieder ein Livefussballtag. Das Fruehstueck auf der Dachterrasse war ganz in Ordnung: Tee, Banane, Cornflakes, Brot, Marmelade, Kaese, alles in den 30 EGP fuers Zimmer inbegriffen. 10h30 mit dem Zug nach Sohag, 31 EGP fuer den Fahrschein, der problemlos ohne Aufschlag im Zug gekauft werden kann. Der Zug war eine Art in die Jahre gekommener Eurocity mit verstellbaren Sitzen und Klimaanlage, die wie immer zu kalt eingestellt war. 14h05 Ankunft in Sohag, ca. 150.000 Einwohner. In aller Seelenruhe nach der Rueckfahrt gefragt, dann mal gemuetlich losgewatschelt, hier noch beim Baecker was gekauft, dort noch 2 Aepfel und zwischendurch mal nach dem Weg gefragt. Bis zur Bruecke ueber den gleichnamigen Fluss, dann kommt das Estad Nil auch schon in Sichtweite.
19.03.2010, 15h00 El Gouna FC vs El <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Zamalek</st1:City> <st1:State w:st="on">SC</st1:State></st1:place> (0-0) 0-1 vor 14.000 Zuschauern (ausverkauft, 13.500) im Estad Nil (14.000) in Sohag.
Vor dem Stadion fand das uebliche geordnete aegyptische Chaos statt, die Zeit hatte ich ein wenig aus den Augen verloren, aber gedanklich war ich ja noch frueh dran, bei Kickoff 17h15. Diverse Fans wollten irgendwie rein, die Bullerei draengte sie wieder zurueck. Nach kurzer Laberei mit zwei Colonels oder Corporals (was weiss ich, die Dienstgrade konnte und wollte ich mir schon zu Armeezeiten nicht so richtig merken) wurde Mr. Wichtig aus Deutschland durchgelassen und hatte nur noch die Huerde dritter Wichtigtuer vom Dienst an der ueberdachten Haupttribuene vor sich. Aber auch da ging es fix voran und als ich um 14h58 die Treppe hochkraxelte schuettelten sich die 25 Herren auf dem gruenen Rasen gerade fleissig die Patschehaendchen. Anstoss also 15h00, nicht wie ich gestern noch auf goalzz.com geschaut hatte 17h15. Da war wieder mehr Glueck als Verstand dabei. Die kleine Huette war rappelvoll, wer nicht in den ersten beiden Reihen sitzen wollte stand hinter der letzte Sitzreihe, was auch auf der Haupttribuene meine Alternative war. Fast alle waren fuer Zamalek. El Gouna setzte den Favoriten in der ersten Halbzeit aber gehoerig unter Druck, jedoch ohne den guten Keeper der Gaeste ueberwinden zu koennen. Aus stark abseitsverdaechtiger Position kam es dann wie es immer kommt, der Grosse macht die Bude zum unverdienten Sieg und die Meute jubelt. Gesaenge wurden immer mal wieder angestimmt, aber nur 2-3x war wirklich das ganze Stadion daran beteiligt. Gouna Fans gab es auch ein paar wenige, aber die hielten sie merklich im Hintergrund. Das Stadion leerte sich mit dem Abpfiff schnell, ich machte noch ein paar Leerbilder und wurde dann auf der Strasse ueber die Nilbruecke derart von Lungerkindern und Jugendlichen belagert, dass das erstbeste Auto das Vergnuegen hatte mich zum Bahnhof zu bringen. Viele Hopper hat Sohag wohl noch nicht gesehen. Zu Fuss ueber die Bruecke waere wohl einem Spiessrutenlauf gleich gekommen. Noch schnell was gegessen und dann mit dem schaebigen 18h00 Rumpelzug in der dritten Klasse fuer 8,50 EGP nach <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Luxor</st1:place></st1:City> zurueck. Ordentlich Durchzug, total vermuellt, aber Hauptsache billig und hier tief im Sueden waren die Temperaturen ja auch schon um einige Grad waermer als vor ein paar Tagen in <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Suez</st1:place></st1:City>. An heiligen Freitag um 21h15 in <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Luxor</st1:place></st1:City> noch eine offene Wechselstube zu finden ist ein Ding der Unmoeglichkeit. Da muessen die restlichen 100 Dinger wohl noch ein bisschen reichen. Ab in die Stammpizzeria, wo der Fernseher meinetwegen extra auf einen Fussballsender umgestellt wurde, auch wenn Sporting Gijon vs Atletic <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Bilbao</st1:place></st1:City> nicht wirklich prickelnd war.
Tag 27, Samstag, 20.03.2010
7h00 raselte der Wecker, denn nach dem Fruehstueck stand ein strafes Touriprogramm auf dem Zettel. Das Hotel hatte eine Tagestour fuer 20 EUR fuer Studenten angeboten. Darin waren enthalten alle Transfers und 3x Eintritt (zusammen 75 EGP) zu den Sehenswuerdigkeiten. Da Fahrer und Fuehrer ja auch noch ein paar Pfund verdienen wollten war der Preis schon ok, und die Tour auf eigene Faust zu versuchen waere nicht wesentlich billiger gekommen und das wird auch vom Lonely Planet abgeraten. Im Tal der Koenige wurden 3 Graeber angeschaut, leider herrscht hier absolutes Fotoverbot. Da haben sich die Steinmetze der alten Pharaonen schon jede Menge Muehe gegeben, die Grabstaetten schick aussehen zu lassen. Danach ging es in der 8er Reisegruppe zum Totentempel von Hatshepsut, wo 1997 beim Terroranschlag 62 Menschen ums Leben kamen. Dritter Programmpunkt war das Tal der Koeniginnen, wo wieder 3 diesmal nicht ganz so eindrucksvolle Graeber angeschaut wurden. Und zu guter Letzt lagen noch die Statuen von Memnon auf dem Weg. Kurz nach 14h war der Trip dann beendet und die 8er Resiegruppe splittete sich in 4x <st1:country-region w:st="on">USA</st1:country-region> und 3x Asien + <st1:country-region w:st="on"><st1:place w:st="on">Germany</st1:place></st1:country-region> zum Lunch auf. Hatte auf der Fahrt erst angenommen, dass alle 3 aus Japan kommen, aber nachdem sich die beiden Maeuse mit dem asiatischen Kollegen und auch untereinander auf englisch unterhielten war klar: Korea, Japan und China waren am Start. Zu viert ging es local food antesten, was gar nicht mal so schlecht war. 10 EGP fuer Suppe, Salat, Reis und einen Fleischtopf. Dabei wurden allerlei Reisestories eroertert. Die schuechterne Korea-Maus verabschiedete sich leider nach dem <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Essen</st1:place></st1:City> recht zuegig. Mit Nami aus Nagoya und Yue Qing aus Shanghai, der nach Kapstadt geflogen war und das afrikanische Feld von Sueden aus aufrollte, naemlich zum Grossteil im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Fahrrad, machte ich Luxor noch ein wenig unsicher. Logisch, dass ich ein Auge auf die mindestens 29-jaehrige (mein Tipp) Japanerin, die ihr wahres Alter nicht verraten hat, geworfen hatte, die jetzt noch die beiden von mir schon gesehenen Tempel anschauen wollte. Aber ich hatte eh nichts besseres vor und die Stories vom sehr gut englisch sprechenden und sich super auskennenden China-Manne waren auch interessant. In Mosambik ist Yue Qing von 3 mit Messern bewaffneten Maxis seines Geldes, Kamera und Handy beraubt worden, von Kenia nach Aegypten musste er mit Airarabia fuer 300 USD fliegen, da er fuer den Sudan kein Visum bekommen haette. Eine Dreierrunde mit 2 Kerlen und einer Maus auf die beide scharf sind ist ja selten ideal, aber in Anbetracht, dass sich China und Japan ja eigentlich hassen blieb ich mal am Ball, auch wenn die Erfolgschancen nur bei 0,96% oder wenige liegen. Vorm Karnak Tempel wartete ich dann mal auf die beiden und dann ging es wieder in die Stadt, wo wir noch einen Kaffee mit herrlichem Blick auf den Luxor Tempel tranken. Hach, was waere das zu zweit romantisch gewesen. Mit der richtigen Antwort auf die Einwohnerzahl von Japan gewann ich gegen meinen neuen Freund aus dem Reich der Mitte zwar noch ein Bier, aber naeher ans Ziel brachte <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> das auch nicht. Nami-Maus, die in Dubai fuer die Haelfte des japanischen Salaers malocht (dafuer aber mehr Freizeit hat) war nicht am deutschen Fussballheld interessiert (oder hat dieser sich nur zu doof angestellt ???, man weiss es nicht genau), auch wenn die Gespraechsrunde zu der sich zeitweise noch ein belgischer Standard de Liege Fan und ein in Paris studierendes japanischen Paerchen gesellte durchaus witzig war, aber nett und witzig sein reicht ja leider nicht….. So, genug rumgeheult, der LP Nippon haette ja in <st1:country-region w:st="on"><st1:place w:st="on">Egypt</st1:place></st1:country-region> eh nicht gezaehlt. Mitternacht loeste sich die Runde auf und jeder schlief seinen nicht vorhandenen Rausch alleine aus.
Tag 28, Sonntag, 21.03.2010
8h15 aus der Falle gekrochen, fix gefruehstueckt, die noch offene Hotelrechnung ueber 60 EGP beglichen und ab dafuer. Das zweite ausgelesene Buch der Tour (Cupido, ein Tauschgeschaeft mit Wasi) blieb im Tausch gegen die "11Freunde" vom Januar und das schweizer Gegenstueck "Zwoelf" im Hotel zurueck. Neben dem Zug fuer den Touristen zugelassen sind faehrt in etwa zeitgleich auch noch ein Bummelzug, den der Auslaender an sich nicht nutzen soll, der aber nur etwa 1/3 kostet. Klar, mit welchem Zug ich also fuer 10,50 EGP nach <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Aswan</st1:place></st1:City> gefahren bin, oder ??? Ein weiterer Deutscher aus Sachsen war ebenfalls mit an Bord und der Bulle am Bahnsteig, der angeblich dollen Aerger kriegen wuerde, wenn rauskaeme, dass er <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> zum nicht offiziellen Zug gebracht hat, setzte uns zusammen. Die gut 3 stuendige Fahrt am Nil entlang wurde also ueber Reisekram verlabert. In <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Aswan</st1:place></st1:City> (1,2 Mio. Ew.) angekommen ging es zielstrebig zum Cousinhotel der Bude in <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Luxor</st1:place></st1:City>, welches mir der Rezeptionsmokel empfohlen hatte. Gleicher Standard zum selben Preis, Hotel Yaseen, 30 EGP, direkt in der Fussgaengerzone. Nach dem Einchecken mit dem Sachsen erstmal was <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">essen</st1:place></st1:City> gegangen, dann ein wenig die uebersichtliche Stadt angeschaut. Durch den Souk hin, an der Corniche zurueck. Dann wollten wir mit der normalen Faehre in den Westteil ueber den Nil uebersetzen, aber Mohamed, der kleine H****sohn wollte jedem 2 EGP abkuepfen, waehrend der Aegypter, der hier kein Aegypter sondern Nubier ist nur ein Achtel davon bezahlt. Wir gingen nach hitziger Debatte bis zur Touristenpolizei, doch Bullen sind ja auch zu gar nix zu gebrauchen. Der Trottel kam zwar angedackelt, diskutierte auch mit Mohamed, konnte sich aber nicht durchsetzen. Danke fuer nichts. Irgendwann als wir die Treppe zur Promenade schon wieder halb rauf waren lenkte Mohamed zwar noch ein, aber jetzt wollte ich dem W****er nicht mal mehr die 25 Piastres geben. So machten wir privat ein ca. 3x8 Meter grosses Segelboot, Felucca genannt, fuer 15 EGP pro Nase klar und liessen uns eine Stunde bei Windstaerke 1 und ca. 35 Grad Celsius ueber den Nil segeln. Krokodile gab es leider keine, leben die ueberhaupt noch ??? Als die lustige Bootsfahrt beendet war zog es <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> per Taxi zur Stadionbesichtigung. Nix dolles, ganz normaler 14.000er, wie es in Suedaegypten wohl so einige gibt. Viel mehr war dann auch nicht mehr zu erledigen, ausser Euch auf den neusten Stand zu bringen. Jetzt seid ihr wirklich live drauf. Mittendrin statt nur dabei. Das wird sich aber in naher Zukunft wohl ein wenig aendern, denn weiter im Sueden wird es wohl wenn ueberhaupt nur unregelmaessig Internet, Computer und/oder Strom geben. Wie die naechste Bootsfahrt war und wie die Reise weitergeht erfahrt ihr dann irgendwann im 5.Teil. Also, dranbleiben….
Gruss aus <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Aswan</st1:place></st1:City>, H96-Linke
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(Kein Titel)
BeitragVerfasst am: 22.03.2010 11:02 Antworten mit Zitat
groundhopping
Gast
 


Wo kommen diese ganzen Hieroglyphen auf einmal her? Waren doch in Teil 1-3 nur am Anfang. Mir is schon klar, dass du da wahrscheinlich nichts für kannst, aber wenn ich den 4. Teil lese, bekomm ich höchstwahrscheinlich Augenkrebs.
(Kein Titel)
BeitragVerfasst am: 22.03.2010 11:10 Antworten mit Zitat
Kaos
 
Anmeldungsdatum30.12.2006
Beiträge23


Ein weiteres Salem Aleinkum, Fans.
Erstmal ein kleines Sorry an alle, die ihre Kommentare zu meiner Reise per eMail abgegeben haben und dann keine weitere Antwort mehr von mir erhielten. Das muss ich auf mangelnde Zeit schieben. Vielen Dank an AJ, der mich auf einen mal wieder eklatanten Fehler hingewiesen hat, denn die Sinai Halbinsel gehoert geografisch noch zu Asien, ich war also noch gar nicht in Afrika, als ich schon dachte ich waere es. Inzwischen bin ich es aber wirklich und somit geht es nun mit dem vierten Teil der Road to Joburg von afrikanischem Grund und Boden aus weiter. Viel Spass:
Tag 22, Montag, 15.03.2010
Jetzt habt ihr sicher in den letzten Tagen gegruebelt wie ich denn im Bus von Nuweiba nach Suez geschlafen habe. Naja, wie schon ??? Zu gut. Das Etappenziel Suez habe ich jedenfalls verpennt und dem Busfahrer war es scheinbar auch egal ob ich nach Suez oder bis Cairo mitfahre. 5h morgens in Cairo ist doch auch besser als gegen 2 oder 3h nachts in Suez. Und eine Hoteluebernachtung hat es auch gespart. Innerhalb einer guten Viertelstunde war ich zu Fuss in der noch schlafenden Riesenstadt an der Metrostation “Al Demerdash”. Gegen halb sechs startet der Betrieb, jede Fahrt kostet 1 EGP, womit die Cairoer Metro bei den billigsten U-Bahnen der Welt ziemlich weit vorne dabei sein duerfte. 3 Stationen weiter am Ramses Hauptbahnhof kann fuer 2,50 EGP das Gepaeck weggeschlossen werden. Dazu braucht man aber eine Kopie der Fotoseite des Reisepasses. Doch auch dieses Problem liess sich schnell beheben, irgendwo an einem Kiosk stand auch ein funktionstuechtiger Kopierer rum. Dann gings mit der Metro (3 Linien) vor dem Einsetzen des Berufsverkehrs wieder 10 Stationen in die Gegenrichtung zum Bahnhof “Ain Shams” im Nordosten, von wo aus die Regionalzuege nach Suez fahren, denn am Spiel in Suez hielt ich fest, auch wenn es die Moeglichkeit auf ein Match in Cairo genauso gegeben haette. 9h20 fuhr der naechste Zug, 3,25 EGP. Die Idee nochmal in die Stadt zu fahren scheiterte an den Menschenmassen in der U-Bahn. Punkt 7 setzte die Rushhour ein und schon an der dritten Station war es nur noch ueber Kampf ueberhaupt moeglich in den Zug zu gelangen. Ein herrliches Schauspiel wie sich Anzugtraeger, Vaeter mit kleinen Kindern, verschleierte Eulen und diverse andere Leute hin und her vor und zurueck in die schon vollen Waggons quetschten. Das genoss ich noch eine Weile ehe die S-Bahn gen Suez bereit gestellt wurde. Erbaermlicher Zustand trifft es wohl am besten. Also gegen die Strecke ist selbst die Bahn zwischen Buenos Aires und La Plata noch in Topcondition. 9h20-11h35 wurde ich so richtig schoen durchgeruettelt und geschuettelt. Besser als so mache Achterbahnfahrt auf dem Rummel. Vom Suezer Hauptbahnhof ging es fuer 0,50 EGP in die etwa so grosse Stadt wie Hannover, in der ich erstmal keinerlei Hinweis auf ein Hotel entdeckte. Schreiben sie wohl nur auf arabisch hin. Spaeter am Tage fanden sich mal zwei Hotel, die waren aber leider beide voll. Beim Italiener mal eine Portion Spaghetti Bolo fuer 7,50 EGP gegessen. Danach recht frueh zum weitlaeufigen Stadion gegangen, da die Masten schon zu sehen waren. Nach diversem bla bla bla mit vielen Bullen, von denen wie immer einer wichtiger war als der andere, wie das in so Polizeistaaten (Deutschland laesst gruessen) nun mal so ist. Ich bin nichts, ich kann nichts, gebt mir eine Uniform. Bis ich endlich rein durfte um Leerbilder zu machen verging sicher fast ne Stunde und ich musste mich echt zusammen reissen halbwegs freundlich zu bleiben. Ausser der Haupttribuene ist nichts ueberdacht und man ist recht weit vom Geschehen weg.
15.03.2010, 17h15 Petrojet Suez vs Ghazl El Mahallah (1-0) 1-0 vor ca. 700 Zuschauern (30) im Suez Stadium (27.000) in Suez.
Die Fans (viele im Trikot) versammelten sich auf der Gegengeraden in der Mitte und legten eine grosse Fahne ueber die Sitze. Die 60-70 Ultras kamen geschlossen nach einer Viertelstunde Spielzeit und hingen ihre beiden Fahnen (Suez Hawks und Ultras Spirit) am Zaun in der Kurve auf um dann fortan ihr eigenes Ding zu machen, statt mit den anderen Petrojet Fans gemeinsam anzufeuern. In der Pause sorgte der boeige Wind fuer ein wenig Belustigung, da er die moblien Auswechselbaenke davon rollen liess oder gar umwarf. Im Land des 7-maligen CAN Gewinners ist die heimische Liga scheinbar nicht so stark wie die Nationalelf und vor allem interessiert sich wohl niemand dafuer, wenn nicht Al Ahly oder El Zamalek an den Spielen teilnehmen. Schade, denn schoene und grosse Stadien haben sie ja spaetestens seit dem CAN 2006 (ich berichtete). Aegypten duerfte auch neben Marokko der einzige ernsthafte Kandidat fuer die Ausrichtung einer zweiten WM auf afrikanischem Boden sein. Dann reise ich aber mit dem Flieger an, das ist zu nah an Deutschland fuer den Landweg und ausserdem bin ich 2050 auch schon zu alt fuer diese Strapazen… Smile Zurueck zum Spiel, es blieb beim 1-0 durch den direkten Freistoss in der 17. Minute. Auf dem Rueckweg kehrte ich nochmal bei Gosto Pizza ein, 2x Spaghetti am Tag vertraegt der Magen ja besser als so manch anderes. An 3x pro Woche ist er ja auch gewoehnt. Gut und guenstig war es obendrein. 21h25 ohne jegliche Beleutung ruckelte der letzte Regionalzug des Tages mit offenen Tueren und nicht verschliessbaren Fenstern durch die dunkle und kuehle Nacht. Der Kontrolletti erfuellte seinen Job mit einer Taschenlampe zwischen den Zaehnen. Ein ueber die nackten Beine gewickeltes Handtuch und ein zweites T-Shirt machten den kuehlen Fahrtwind der von ueberall herein wehte ein wenig ertraeglicher. Definitiv besser als jede Geister- und Achterbahnfahrt auf dem Schuetzenfest. Punkt Mitternacht in Cairo angekommen und zu meiner Ueberraschung fuhr die U-Bahn sogar noch. Fuer 13 Cent ins Zentrum, bis Sadat. Das Al Aksam Hostel im dritten Stock war der erste zufaellige Anlaufpunkt. Nicht schoen, aber mit 30 EGP im Dorm billig und immerhin mit einer Steckdose im Bad, denn die Rasur ist inzwischen fast ueberfaellig nachdem mich vorhin im Stadion einer gefragt hat ob ich Moslem sei, wegen meines langen Bartes. Nee Kollege, das werde ich erst, wenn ich mal den Ground in Mekka machen will. Damit waren die Tagesausgaben auf einem Tourtiefststand von 70 EGP, weniger als 10 EUR. So koennte es weitergehen, geht es aber leider nicht, um das schon mal vorweg zu nehmen….
Tag 23, Dienstag, 16.03.2010
8h aufgestanden, gruendlich rasiert, geduscht und dann mal weg aus der Mottenhoehle. Das Konsulat vom Sudan war auch im zweiten Anlauf gefunden, nachdem ich an der unscheinbaren Seitenstrasse (bei der Co-op Tankstelle muss man rein) erst vorbei gelaufen war. Hier teilte mir der ¾ Maxi (ihr wisst schon, etwa so wie Dieter Bohlen seine Echse Naddel, falls sich an den F-Promi noch jemand erinnert) erstmal mit was ich alles brauche fuer das Visum: 1. Ein Empfehlungsschreiben von der deutschen Botschaft, 2. den ausgefuellten Visaantrag und eine Kopie davon, 3. eine Kopie von der Fotoseite vom Reisepass und natuerlich das Original dazu, 4. zwei Passbilder, 5. 100 (in Worten: Einhundert) US Dollar Bearbeitungsgebuehr in bar. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Der Sudan ist ein Drexxland. Also erstmal fuer 10 EGP im Taxi zur deutschen Botschaft geheizt. Da sieht es schon ein wenig anders aus als bei den Sudanesi. Nach der Personenkontrolle und Metalldetektor konnte ich direkt zur Passstelle durch. Das Empfehlungsschreiben was fuer ein toller Typ ich bin kostet 150 EGP und wird innerhalb von 5 Minuten ausgestellt, das sind noch deutsche Tugenden. Wieder fuer nen 10er zurueck in den Sudan, bzw. erstmal in die Naehe, denn jetzt brauchte ich ja noch einen Kopierer. Dieser fand sich sogar recht schnell eine Querstrasse weiter vor einem Laden am Strassenrand. Die erforderlichen Seiten von einem jungen Maedel mit Kopftuch kopieren lassen, 1 EGP. So stand ich mit den vollstaendigen Unterlagen um 10h30 wieder am Schalter der Sudanesi, wo zum Glueck nicht viel los war. Am Nachbarschalter die 100 Dollar bezahlt und dann alles samt Quittung wieder an Schalter 1 abgegeben. Der ¾-Maxi meinte: “Tomorrow 10 o’clock”und ich zische ab. Als naechstes musste ein Internetcafe aufgesucht werden (2 aus dem LP sind inzwischen dicht gemacht worden), da mir der Name des 2006er Hotels nicht mehr einfallen wollte. Ach ja, Invitation Hotel, das wars. Kurz auf dem Plan angeschaut und dann auch direkt wieder gefunden. Das Zimmer gabs fuer 110 EGP, stabiler Preis seit 2006, auch wenn es vor 4 Jahren das Bad dazu gab und das TV Angebot jetzt nur noch 259 Kanaele statt 317 enthaelt. Am Bahnhof dann mal nach der Abfahrszeit fuer den Nachtzug nach Luxor (22h00, 165 EGP) gefragt und gleich nebenan auch noch nach der Faehre gen Sudan erkundigt (1x pro Woche, montags gegen 16h, 311 EGP in der 2.Klasse). Laeuft. Per Taxi dann mal zum Clubgelaende von Aegyptens zweitbeliebtestem Verein Zamalek, die 45% der Aegypter zu ihren Anhaengerm zaehlen, waehrend 55% zu Al Ahli halten. Das Basketballmatch von goalzz.com wollte ich bestaetigen, aber die Ottos hatten das Heimrecht verdreht und Zamalek spielte heute auswaerts in Alexandria. Der einarmige Zamalek Offizielle telefonierte aber ein wenig rum, waehrend ich Tee trinken musste und fand zwei weitere Basketball-Spiele des Tages raus. Zu dem einen waeren aber keine Auslaender zugelassen, da die Army mitspielt, aber das andere Spiel Gezira vs Smouha waere eh besser. So liess ich mir noch die Halle auf arabisch notieren und verabschiedete mich bis Freitag in Sohag. Vom Zamalek Trainingsstadion durfte ich auch noch Bilder machen und entdeckte dabei 4 weitere Flutlichtmasten auf der anderen Strassenseite. Beim kleinen Club Tersana waren sie aber ziemlich unhoeflich und liessen keine Stadionfotos zu, was ich mit ein paar englischen Schimpfwoertern (das F-Wort kam desoefteren vor) kommentierte woraufhin ich unter grossem jalla jalla nach draussen gebeten wurde. Mit Daumen und Zeigefinger in einem Abstand von einem Zentimeter aneinander gehalten zeigte ich ihnen im Weggehen noch die Groesse ihres Klubs an, was hoffentlich nicht mit der Schwanzlaenge verwechselt wurde. Der Ehrgeiz Luftbildern von einem der umstehenden Hochhaeuser zu machen war nun in mir geweckt. Im 17 Stoecker nach oben gefahren und einfach mal auf gut Glueck irgendwo geklingelt. Als die Tuer geoeffnet wurde musste ich erstmal schlucken. Stand doch eine 17-jaehrige Prinzessin wie aus tausend und einer Nacht vor mir, die auch gut englisch sprach und mein Anliegen verstand. Auf ihr “but I am alone” dachte ich mir “na das ist doch super, dann machen wir uns jetzt ein wenig Spass zusammen”, sagte aber sinnfrei “I am alone too” und zuckte entschuldigend mit den Schultern. Ein Sesam oeffne dich Gebet kam zu spaet, die Pforte zum Glueck war nach einem gefluesterten “sorry” schon wieder zu. Ein Stockwerk tiefer waren die 5 Maedels mit 2 Babys nicht alone, aber es musste erst noch der maennliche Nachbar zu Rate gezogen werden ehe die Fotoerlaubnis erteilt wurde. Alle ein bisschen paranoid. Vom Balkon einer Topwohnung (sicher 150 qm und sehr gut eingerichtet) konnte die 1A Luftaufnahme aber schliesslich gemacht warden. Shukran. Im McD noch schnell war gegessen und schon waren meine 500 EGP fast aufgebraucht. Die uebrig gebliebenen 7 JD in 52,50 EGP getauscht und dann nicht das allercleverste gemacht. Zum Feierabendverkehr in ein Taxi gestiegen. 15 Km dauerten mal knapp 2 Stunden und kosteten durch die fast eine Stunde dauerwarten 10 EGP mehr als normal, 35 EGP insgsamt. Es gibt inzwischen auch neuere Taxis die mit Meter fahren, die alten Rumpelkisten haben fast alle noch keinen, da ist der Preis VHB.
16.03.2010, 20h00 Gezira Sporting Club vs Smouha Sporting Club 98-92 vor ca. 150 Zuschauern (6) in Arena 4 (Cairo Intl. Stadium, 728) in Cairo. Basketball LP 12.
Ein relative ausgeglichenes Match in dem der Basketball oefter in den Korb flutschte als ich das vermutet haette. Nervig waren nur die 6 Gaestefans, die unaufhoerlich auf ihre beiden mitgebrachten Trommeln eindroschen. Per Bus und U-Bahn zurueck nach Downtown. Die U-Bahn ist hier definitive das geeignetste Verkehrsmittel in einer Stadt die unter 24 stuendigem Verkehrsinfarkt am Tag leidet.
Tag 24, Mittwoch, 17.03.2010
Kurz im Hotel gefruehstueckt, dann gegen 10h zur Botschaft vom Sudan. Visa war eingeklebt, somit alles erledigt, nach nur einer Minute war ich wieder an der frischen Luft. Der Sudan ??? Ein Superland . An einem der vielen Staende einen frischen Orangensaft pressen lassen, 2,50 EGP. Der Orangensaft hier ist Weltklasse, Note eins. Mit der U-Bahn zum Ramses Hauptbahnhof und am Fahrkartenschalter bei Gleis 11 ein Ticket fuer 22h00 nach Luxor geloest. Leider git es nur 1.Klasse Sitzplatz, was mit 165 EGP ganz schoen teuer ist. Auf dem 2,5 x 5 cm kleinen Ticket, auf welches die Fahrstrecke aufgestanzt wird wie bei uns einst zu Kriegszeiten steht zwar Aswan drauf, aber das kostet den gleichen Preis. Aus dem Nebeneingang raus, halb rechts halten, ca. 50m und schon steht man vor dem kleinen Buero der Bootsgesellschaft, die die woechentliche Bootsfahrt zwischen Aswan und Wadi Halfa im Sudan anbietet. Nachdem die Uschi meinen Pass auf ein vorhandenes Sudan Visa geprueft hatte ging es mit der handschriftlichen Ticketausstellung auch recht fix. Paar Daten aufgeschrieben, paar Zettel zusammen getackert und fertig ist die Faehrfahrkarte, 311 EGP in der 2.Klasse. Damit waren bereits um 12h alle organisatorischen Aufgaben des Tages erledigt und ich konnte mich dem Kulturprogramm zuwenden. Zuvor wurde an der Sadat Metrostation aber noch gespeist. Wie gestern gab es zum zweiten Mal in Folge den Mix aus zerkleinerten Maccaroni, Reis, Erbsen und Linsen. Sicher ein Arme-Leute-Essen, aber a) bin ich ja ein armer Leut und b) war das Gericht mit einer leicht scharfen Sosse darueber richtig lecker. Gut und guenstig also, 10 EGP inkl. Getraenk. Dann wieder in den Untergrund und ab nach Giza. Mit U-Bahn und noch 9 Km Bus ab Giza entstanden somit Kosten von 1,75 EGP fuer die Fahrt zu den Pyramiden. Studenten (auch solche die an der Universitaet von Bangkok eingeschrieben sind) zahlen in Egypt bei den meisten Sehenswuerdigkeiten nur die Haelfte, so auch bei der Topsehenswuerdigkeit, wo man dann mit fairen 30 EGP dabei ist. 4 EUR also, ein Zehntel von Petra fuer ein 10x bekannteres Highlight. Die spinnen, die Jordanier. Auch beim dritten Besuch sind die Pyramiden noch so beeindruckend, dass die ueblichen Fotos von allen Seiten gemacht wurden. Ansonsten hat sich seit 2006 nichts veraendert, der Sphinx ist jedenfalls kein Zacken von der Nase abgebrochen. Sphinx Fotos sind bei Nachmittagslicht gegen die Sonne uebrigens nicht ideal. Zum touristischen Tagesabschluss noch ein wenig andere Touris angegafft. Aus Russland, Polska und dem Reich der Mitte waren wieder ein paar leckere Exemplare dabei. Die nervigen Haendler, die einem schon vor dem Eingang auf den Sack gehen, versuchten ohne Pause allerlei Schrott an den Touridepp zu bringen, was auch desoefteren gelang. Mit tausend Jahre alten Papyrrusrollen und Original Skarabaeus Kaefern an der Halskette zogen sie von dannen. Ich dann auch, als ich die Dummheit der Leute nicht mehr ertragen konnte. Via Giza, der Stadt, die sich demnaechst rund um die Pyramiden erstrecken wird (erschreckend !?) zurueck ins Zentrum und zu Fuss zum Cairo Tower, auf dem ich 2001 schon mal drauf war. Die angedachten Luftbilder von der Stadt mussten aber diesmal entfallen, 70 EGP waren mir zu heftig, Ermaessigung gab es keine. So hatte ich genug Zeit fuer Euch Teil 3 fertig zu stellen, nachdem doch tatsaechlich schon einige im GH Forum gequengelt hatten. Mehr zum Fussball fahren, dann habt ihr auch weniger Zeit um Berichte zu lesen. 22h00 fuhr der NZ puenkltlich los, 6er Abteil mit 5 in den USA (mit LAX Labels an den Reisetaschen) lebenden Pakis. Die Beinfreiheit war ausreichend, das Gepaeck passte unter die Sitze, nur fuer die fehlende Tuer und das somit vom Gang eindringende Licht gibt es Minuspunkte fuer die Egyptian Railways, die die Waggons eines schoenen Tag mal von der deutschen Firma Messerschmitt-Boelkow-Blohm GmbH aus Donauwoerth hat bauen lassen. Das wird wohl irgendwann in den 70ern oder 80ern gewesen sein, da die MBB 1989 von der DASA gekauft wurde (Wiki weiss alles).
Tag 25, Donnerstag, 18.03.2010
Schlafen klappte einigermassen, nachdem die Pakis ihre neugierigen Fragen auf ein Minimun beschraenkten und ich nur kurze knappe Antworten gab. Mit leichter Verspaetung ratterte der Zug um 8h im Luxorer Hauptahnhof, der ziemlich zentral liegt, ein. Und wie das in einer Touristadt im arabischen Raum nun mal so ist wird man sofort von allen moeglichen Leuten vollgeblubbert. Hotel hier, Hotel da, cheap, cheaper und am cheapesten. Die oertliche Taximafia geht einem auch auf den Sack, in Luxor (ca. 500.000 Ew.) braucht aber nicht mal der Fusskranke ein Taxi. Ohren auf Durchzug und auch alleine zum LP Hoteltipp Oasis gefunden. 30 EGP fuers EZ mit Bad auf dem Gang, aber fuer die Preiskategorie sehr sauber, die LP Empfehlung passt also. Nach einer Dusche nochmal zum Bahnhof zurueck (500m) um die Fahrplaene nach Sohaq und Aswan zu erfragen. Beides zu meiner Zufriedenheit. An der Touriinfo gegenueber gab es nur wenig nuetzliches Material fuer Individualtouristen. Also mal direkt zum Luxor Temple losgeschlendert. Und welch Frevel: direkt davor ist ein goldenes M. Mit herrlichem Blick auf die Tempelanlage das Big Breakfast gefruehstueckt. Am Eingang den Ticketverkaeufer mal gefragt was ich denn von drinnen sehen kann, was ich von draussen nicht sehe und als Antwort "everything" erhalten. Na das interpretiere ich mal als "nothing". Eine Runde um die Anlage gedreht, ein paar Bilder gemacht und 25 EGP (fuer Studenten) gespart. Man sieht ja alles genauso gut von aussen. Dann am laengsten Fluss der Welt entlang die Promenade runter gewandert und das Luxor Museum rechts liegen gelassen. Etwa 3 Km sinds bis zum Tempel von Karnak, laut LP dem "most incredible sight in all of Egypt". Wie war das mit der Uebertreibung ??? Die 35 EGP (Student) sind aber gut angelegt, hier sieht man von aussen naemlich nix. Super Anlage, was es alles zu sehen gibt koennt ihr ja bei Wiki nachlesen, die weiss es naemlich immer besser als ich. Abartig jedenfalls was auch hier wieder an Russenschlampen.de rumlief. Womit haben die Kanisterkoeppe solche Frauen verdient ??? Zu Fuss wieder am Nil zurueck und inzwischen nervten mich die alten Aegypter doch maechtig gewaltig. Taxi, Boot, Kutsche, alles wird ohne Pause angepriesen und der Touri wird staendig vollgequasselt. Das der Touri das weder will noch mag merkt der alte Aegypter leider nicht. Einzig ignorieren hilft ein wenig, nach dem dritten "hello mister" ohne Gegenreaktion dackeln die meisten zum naechsten Touriopfer weiter. Fuer 1 EGP mit der Passagierfaehre ueber den Nil von der Ostseite von Luxor in den goldenen Westen rueber gemacht. Auch hier Tourijaeger ohne Ende, man ist noch nicht vom Boot runter und wird schon vollgequakt. Augen geradeaus und weiter. In einem local Restaurant fuer 5 EGP gegessen und getrunken, wieder ein Arme-Leute-Gericht, aber besser und gesuender als McD isses allemal. Mit dem naechsten Boetchen wieder nach East Bank geschippert und mal durch den Souq getigert. Abgesehen davon, dass ich eh nichts gekauft haette…., wer mich mit "hello my friend" anredet ist schon mal komplett an der falschen Adresse und hat seine Chance hundertpro verspielt. Ein wenig chillen auf der Dachterrasse vom Hotel, bissl Internet (5 EGP/Std.) und dann wurde es noch ein fantastischer Fussballabend im Restaurant. Bei Spaghetti Polonaise (so stand es in der Speisekarte, 9 EGP) und ohne der Schleiereule von hinten an die Schultern zu fassen gab es TV Fussball aus der Europa League. Was gibt es schoeneres als Juve Merda mit einem 4-1 wegzubuegeln, die Bayern Fans werden wissen wovon ich schreibe. Diesmal war es der kleine Fulham FC dem dieses Kunststueck, was ja fast keines mehr ist, gelang. Grazie Fulham, Arreviderci Juve und schon war auch der 25. Reisetag in die Geschichte eingegangen.
Tag 26, Freitag, 19.03.2010
Endlich auch wieder ein Livefussballtag. Das Fruehstueck auf der Dachterrasse war ganz in Ordnung: Tee, Banane, Cornflakes, Brot, Marmelade, Kaese, alles in den 30 EGP fuers Zimmer inbegriffen. 10h30 mit dem Zug nach Sohag, 31 EGP fuer den Fahrschein, der problemlos ohne Aufschlag im Zug gekauft werden kann. Der Zug war eine Art in die Jahre gekommener Eurocity mit verstellbaren Sitzen und Klimaanlage, die wie immer zu kalt eingestellt war. 14h05 Ankunft in Sohag, ca. 150.000 Einwohner. In aller Seelenruhe nach der Rueckfahrt gefragt, dann mal gemuetlich losgewatschelt, hier noch beim Baecker was gekauft, dort noch 2 Aepfel und zwischendurch mal nach dem Weg gefragt. Bis zur Bruecke ueber den gleichnamigen Fluss, dann kommt das Estad Nil auch schon in Sichtweite.
19.03.2010, 15h00 El Gouna FC vs El Zamalek SC (0-0) 0-1 vor 14.000 Zuschauern (ausverkauft, 13.500) im Estad Nil (14.000) in Sohag.
Vor dem Stadion fand das uebliche geordnete aegyptische Chaos statt, die Zeit hatte ich ein wenig aus den Augen verloren, aber gedanklich war ich ja noch frueh dran, bei Kickoff 17h15. Diverse Fans wollten irgendwie rein, die Bullerei draengte sie wieder zurueck. Nach kurzer Laberei mit zwei Colonels oder Corporals (was weiss ich, die Dienstgrade konnte und wollte ich mir schon zu Armeezeiten nicht so richtig merken) wurde Mr. Wichtig aus Deutschland durchgelassen und hatte nur noch die Huerde dritter Wichtigtuer vom Dienst an der ueberdachten Haupttribuene vor sich. Aber auch da ging es fix voran und als ich um 14h58 die Treppe hochkraxelte schuettelten sich die 25 Herren auf dem gruenen Rasen gerade fleissig die Patschehaendchen. Anstoss also 15h00, nicht wie ich gestern noch auf goalzz.com geschaut hatte 17h15. Da war wieder mehr Glueck als Verstand dabei. Die kleine Huette war rappelvoll, wer nicht in den ersten beiden Reihen sitzen wollte stand hinter der letzte Sitzreihe, was auch auf der Haupttribuene meine Alternative war. Fast alle waren fuer Zamalek. El Gouna setzte den Favoriten in der ersten Halbzeit aber gehoerig unter Druck, jedoch ohne den guten Keeper der Gaeste ueberwinden zu koennen. Aus stark abseitsverdaechtiger Position kam es dann wie es immer kommt, der Grosse macht die Bude zum unverdienten Sieg und die Meute jubelt. Gesaenge wurden immer mal wieder angestimmt, aber nur 2-3x war wirklich das ganze Stadion daran beteiligt. Gouna Fans gab es auch ein paar wenige, aber die hielten sie merklich im Hintergrund. Das Stadion leerte sich mit dem Abpfiff schnell, ich machte noch ein paar Leerbilder und wurde dann auf der Strasse ueber die Nilbruecke derart von Lungerkindern und Jugendlichen belagert, dass das erstbeste Auto das Vergnuegen hatte mich zum Bahnhof zu bringen. Viele Hopper hat Sohag wohl noch nicht gesehen. Zu Fuss ueber die Bruecke waere wohl einem Spiessrutenlauf gleich gekommen. Noch schnell was gegessen und dann mit dem schaebigen 18h00 Rumpelzug in der dritten Klasse fuer 8,50 EGP nach Luxor zurueck. Ordentlich Durchzug, total vermuellt, aber Hauptsache billig und hier tief im Sueden waren die Temperaturen ja auch schon um einige Grad waermer als vor ein paar Tagen in Suez. An heiligen Freitag um 21h15 in Luxor noch eine offene Wechselstube zu finden ist ein Ding der Unmoeglichkeit. Da muessen die restlichen 100 Dinger wohl noch ein bisschen reichen. Ab in die Stammpizzeria, wo der Fernseher meinetwegen extra auf einen Fussballsender umgestellt wurde, auch wenn Sporting Gijon vs Atletic Bilbao nicht wirklich prickelnd war.
Tag 27, Samstag, 20.03.2010
7h00 raselte der Wecker, denn nach dem Fruehstueck stand ein strafes Touriprogramm auf dem Zettel. Das Hotel hatte eine Tagestour fuer 20 EUR fuer Studenten angeboten. Darin waren enthalten alle Transfers und 3x Eintritt (zusammen 75 EGP) zu den Sehenswuerdigkeiten. Da Fahrer und Fuehrer ja auch noch ein paar Pfund verdienen wollten war der Preis schon ok, und die Tour auf eigene Faust zu versuchen waere nicht wesentlich billiger gekommen und das wird auch vom Lonely Planet abgeraten. Im Tal der Koenige wurden 3 Graeber angeschaut, leider herrscht hier absolutes Fotoverbot. Da haben sich die Steinmetze der alten Pharaonen schon jede Menge Muehe gegeben, die Grabstaetten schick aussehen zu lassen. Danach ging es in der 8er Reisegruppe zum Totentempel von Hatshepsut, wo 1997 beim Terroranschlag 62 Menschen ums Leben kamen. Dritter Programmpunkt war das Tal der Koeniginnen, wo wieder 3 diesmal nicht ganz so eindrucksvolle Graeber angeschaut wurden. Und zu guter Letzt lagen noch die Statuen von Memnon auf dem Weg. Kurz nach 14h war der Trip dann beendet und die 8er Resiegruppe splittete sich in 4x USA und 3x Asien + Germany zum Lunch auf. Hatte auf der Fahrt erst angenommen, dass alle 3 aus Japan kommen, aber nachdem sich die beiden Maeuse mit dem asiatischen Kollegen und auch untereinander auf englisch unterhielten war klar: Korea, Japan und China waren am Start. Zu viert ging es local food antesten, was gar nicht mal so schlecht war. 10 EGP fuer Suppe, Salat, Reis und einen Fleischtopf. Dabei wurden allerlei Reisestories eroertert. Die schuechterne Korea-Maus verabschiedete sich leider nach dem Essen recht zuegig. Mit Nami aus Nagoya und Yue Qing aus Shanghai, der nach Kapstadt geflogen war und das afrikanische Feld von Sueden aus aufrollte, naemlich zum Grossteil im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Fahrrad, machte ich Luxor noch ein wenig unsicher. Logisch, dass ich ein Auge auf die mindestens 29-jaehrige (mein Tipp) Japanerin, die ihr wahres Alter nicht verraten hat, geworfen hatte, die jetzt noch die beiden von mir schon gesehenen Tempel anschauen wollte. Aber ich hatte eh nichts besseres vor und die Stories vom sehr gut englisch sprechenden und sich super auskennenden China-Manne waren auch interessant. In Mosambik ist Yue Qing von 3 mit Messern bewaffneten Maxis seines Geldes, Kamera und Handy beraubt worden, von Kenia nach Aegypten musste er mit Airarabia fuer 300 USD fliegen, da er fuer den Sudan kein Visum bekommen haette. Eine Dreierrunde mit 2 Kerlen und einer Maus auf die beide scharf sind ist ja selten ideal, aber in Anbetracht, dass sich China und Japan ja eigentlich hassen blieb ich mal am Ball, auch wenn die Erfolgschancen nur bei 0,96% oder wenige liegen. Vorm Karnak Tempel wartete ich dann mal auf die beiden und dann ging es wieder in die Stadt, wo wir noch einen Kaffee mit herrlichem Blick auf den Luxor Tempel tranken. Hach, was waere das zu zweit romantisch gewesen. Mit der richtigen Antwort auf die Einwohnerzahl von Japan gewann ich gegen meinen neuen Freund aus dem Reich der Mitte zwar noch ein Bier, aber naeher ans Ziel brachte mich das auch nicht. Nami-Maus, die in Dubai fuer die Haelfte des japanischen Salaers malocht (dafuer aber mehr Freizeit hat) war nicht am deutschen Fussballheld interessiert (oder hat dieser sich nur zu doof angestellt ???, man weiss es nicht genau), auch wenn die Gespraechsrunde zu der sich zeitweise noch ein belgischer Standard de Liege Fan und ein in Paris studierendes japanischen Paerchen gesellte durchaus witzig war, aber nett und witzig sein reicht ja leider nicht….. So, genug rumgeheult, der LP Nippon haette ja in Egypt eh nicht gezaehlt. Mitternacht loeste sich die Runde auf und jeder schlief seinen nicht vorhandenen Rausch alleine aus.
Tag 28, Sonntag, 21.03.2010
8h15 aus der Falle gekrochen, fix gefruehstueckt, die noch offene Hotelrechnung ueber 60 EGP beglichen und ab dafuer. Das zweite ausgelesene Buch der Tour (Cupido, ein Tauschgeschaeft mit Wasi) blieb im Tausch gegen die "11Freunde" vom Januar und das schweizer Gegenstueck "Zwoelf" im Hotel zurueck. Neben dem Zug fuer den Touristen zugelassen sind faehrt in etwa zeitgleich auch noch ein Bummelzug, den der Auslaender an sich nicht nutzen soll, der aber nur etwa 1/3 kostet. Klar, mit welchem Zug ich also fuer 10,50 EGP nach Aswan gefahren bin, oder ??? Ein weiterer Deutscher aus Sachsen war ebenfalls mit an Bord und der Bulle am Bahnsteig, der angeblich dollen Aerger kriegen wuerde, wenn rauskaeme, dass er mich zum nicht offiziellen Zug gebracht hat, setzte uns zusammen. Die gut 3 stuendige Fahrt am Nil entlang wurde also ueber Reisekram verlabert. In Aswan (1,2 Mio. Ew.) angekommen ging es zielstrebig zum Cousinhotel der Bude in Luxor, welches mir der Rezeptionsmokel empfohlen hatte. Gleicher Standard zum selben Preis, Hotel Yaseen, 30 EGP, direkt in der Fussgaengerzone. Nach dem Einchecken mit dem Sachsen erstmal was essen gegangen, dann ein wenig die uebersichtliche Stadt angeschaut. Durch den Souk hin, an der Corniche zurueck. Dann wollten wir mit der normalen Faehre in den Westteil ueber den Nil uebersetzen, aber Mohamed, der kleine H****sohn wollte jedem 2 EGP abkuepfen, waehrend der Aegypter, der hier kein Aegypter sondern Nubier ist nur ein Achtel davon bezahlt. Wir gingen nach hitziger Debatte bis zur Touristenpolizei, doch Bullen sind ja auch zu gar nix zu gebrauchen. Der Trottel kam zwar angedackelt, diskutierte auch mit Mohamed, konnte sich aber nicht durchsetzen. Danke fuer nichts. Irgendwann als wir die Treppe zur Promenade schon wieder halb rauf waren lenkte Mohamed zwar noch ein, aber jetzt wollte ich dem W****er nicht mal mehr die 25 Piastres geben. So machten wir privat ein ca. 3x8 Meter grosses Segelboot, Felucca genannt, fuer 15 EGP pro Nase klar und liessen uns eine Stunde bei Windstaerke 1 und ca. 35 Grad Celsius ueber den Nil segeln. Krokodile gab es leider keine, leben die ueberhaupt noch ??? Als die lustige Bootsfahrt beendet war zog es mich per Taxi zur Stadionbesichtigung. Nix dolles, ganz normaler 14.000er, wie es in Suedaegypten wohl so einige gibt. Viel mehr war dann auch nicht mehr zu erledigen, ausser Euch auf den neusten Stand zu bringen. Jetzt seid ihr wirklich live drauf. Mittendrin statt nur dabei. Das wird sich aber in naher Zukunft wohl ein wenig aendern, denn weiter im Sueden wird es wohl wenn ueberhaupt nur unregelmaessig Internet, Computer und/oder Strom geben. Wie die naechste Bootsfahrt war und wie die Reise weitergeht erfahrt ihr dann irgendwann im 5.Teil. Also, dranbleiben….
Gruss aus Aswan, H96-Linke
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(Kein Titel)
BeitragVerfasst am: 22.03.2010 19:53 Antworten mit Zitat
groundhopping
Gast
 


Wie lautet denn die restliche Route? Sudan - Uganda - Ruanda - Tansania - Malawi - Sambia - Simbabwe - Botswana - Südafrika???

Oder nimmste den Rest da auch noch mit? Sprich Äthiopien, Kenia, Kongo, Mosambik...
(Kein Titel)
BeitragVerfasst am: 22.03.2010 21:50 Antworten mit Zitat
SunshineDU
 
Anmeldungsdatum06.12.2006
Beiträge100
WohnortRuhrpott


Markus, hast deine pm
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BeitragVerfasst am: 24.03.2010 13:06 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
Anmeldungsdatum08.12.2006
Beiträge693
WohnortPattensen


Francoforte hat Folgendes geschrieben:
Wie lautet denn die restliche Route? Sudan - Uganda - Ruanda - Tansania - Malawi - Sambia - Simbabwe - Botswana - Südafrika???

Oder nimmste den Rest da auch noch mit? Sprich Äthiopien, Kenia, Kongo, Mosambik...


das wird noch nicht verraten Wink
abgesehen davon weiss ich es selbst noch nicht so genau, aber sudan-uganda oder sudan-kenia direkt geht zum beispiel gar nicht.....
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BeitragVerfasst am: 03.04.2010 08:48 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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Hallo Fans und ein letztes Salem Aleikum von dieser Reise, denn irgendwann reicht es ja auch einmal mit der arabischen Welt. Schoen, dass ihr drangeblieben seid und deshalb geht es auch ohne unsinnige Laberei direkt weiter mit der fuenften Reisewoche.
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Tag 29, Montag, 22.03.2010

Neuer Tag, neue Woche, neuer Teil. Viertel nach 8 aufgestanden. Mit der dicken Winterjacke wurde weiterer Ballast abgeworfen bzw. einfach im Schrank haengen gelassen. Dann muss halt in der suedafrikanischen Kaelte eine neue Jacke her, aber in den kommenden zwei Monate waere fuer die Jacke ja keine Verwendung gewesen, es wird wohl alles andere als kalt. 9h sollte der Zug nach High Dam zum Hafen fahren, das hatte ich zumindest gestern am Bahnhof so erfragt. Heute waren die Auskuenfte schon wieder leicht abweichend. Der eine meinte “ten o’clock”, der andere “maybe nine thirty”. Nichts genaues weiss man nicht. Wenn ich mich schon am fruehen Morgen ueber Wucherpreise aergern muss nervt dieses Suedaegypten schon ganz schoen. Da wollte der Zigeuner allen Ernstes 20 EGP fuer 3 Bananen und 2 Aepfel. Da konnte er echt von Glueck sagen, dass die Fruechte nicht durch seinen kleinen Laden geflogen sind. Naja, ab jetzt zahlen wir mit der richtigen Hautfarbe auf diesem schwarzen Kontinent ja wohl eh fuer alles so etwa das doppelte, die sogenannte “Skin Tax”. Der weisse Mann ist nunmal reich, glauben zumindest die nicht ganz so weissen Maenner. Am Bahnhof gab es natuerlich keinen 9h Zug, ist ja auch nicht so wichtig. Abwarten und Wasser trinken war die Devise bei bereits deutlich ueber 30 Grad. Eine weitere Geduldsprobe bis der richtige Zug dann um kurz vor 10h auf Gleis 2 rein ruckelte. 1,50 EGP bis zum High Dam, wo sich der Hafen befindet. Schon vor 11h war ich am Faehrterminal, wo es gesitteter zuging als ich erwartet hatte. Gepaeckdurchleuchtung, oberflaechliches Abtasten, dann zur Passkontrolle. Ausreisezettel ausfuellen, 2 EGP Ausreisesteuer bezahlen, Stempel rein, adios. Als naechstes wird das Sudan Visa und das Faehrticket kontrolliert und direkt beim Einstieg ins Boot um 11h30 gleich nochmal und es gibt einen Essensgutschein. Einen Platz gesucht, die guten Deckplaetze waren alle schon von anderen Travellern belegt und als der hollaendische Radfahrer mit Japan-Maus dann meinte es wuerde schon das Mittagessen ausgegeben gleich mal in die Kombuese geschaut und den Gutschein eingeloest, wer weiss wann es wieder was gibt. Die beiden Mittdreiziger Max und Lothar aus Hamburg waren auch auf dem Weg nach Suedafrika, laut offizielle Aussage sogar auf dem Weg zur WM. Bei Ankunft und Verschiffung ihres umgebauten Bundeswehr Trucks vor dem Eroeffnungsspiel erschliesst sich mir der Sinn einer Reise zur WM allerdings nicht so ganz. Allein die Verschiffung ihres Trucks von Egypt in den Sudan hat schlappe 13.000 EGP (ueber 1.700 EUR) gekostet. Na da komme ich mit meinem Rucksack wohl besser weg. Dieser war jetzt erstmal der Platzhalter, denn es galt einen noch halbwegs akzeptablen Deckplatz ohne Reeling gegen die anstuermende und sich ueberall ausbreitende Meute zu verteidigen. Auf Klo gehen oder so war nicht drin, in der Zeit haetten die Maxis mit ihren riesigen Kartons, Taschen, Koffern und Kisten alle vollgebaut. Also wer erst nach 12h auf den Kahn kam hatte schon schlechte Karten. Ich schlug mein “Zelt” nahe der beiden Hamburger, die auch mit Bundesligafussball nicht viel am Hut hatten, aber mit Luftmatratze und Schlafsack professioneller ausgestattet waren, auf. Waehrend der Wartezeit bis wir ablegten war es fast das spannendste die Fische zu beobachten, wie sie nach dem ins Wasser geworfenen Brot und den Bananenschalen schnappten. Das Oberdeck wurde minuetlich voller, sowohl mit Leuten als auch mit deren Bagage. Meine 2qm verteidigte ich eisern, “not here my friend” musste nicht nur einem Maxi, der seine Taschen abladen wollte, mitgeteilt werden. Zur geplanten Abfahrszeit um 16h wurden noch fleissig Kartons und Kisten auf das Boot geschleppt, der LKW war noch nicht mal halbleer und nur ein Mokel auf der Ladeflaeche bewegte sich im Schneckentempo. Den 10 Minuten zu beobachten hat gereicht um zu wissen warum in Afrika nichts voran geht. Nach knapp 6 Stunden an Bord legten wir um 17h20 dann endlich und ohne Vorwarnung ab und schipperten den Nasser See herunter oder herauf, waehrend im Westen (wo auch sonst) die Sonne langsam aber sicher unterging. Schnell noch eine Portion Nudeln, Reis, Kartoffeln und Brot plus Banane fuer 15 EGP reingeschaufelt, bevor alles alle ist. Das waren sie dann auch schon fast, die heutigen Tagesausgaben. 2 Wasserflaschen, die Ausreisesteuer und das Zugticket kamen noch hinzu, insgesamt 23,50 EGP, etwas mehr als 3 EUR, denn Faehrticket und Visa waren ja schon laenger bezahlt. Nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war strahlte nur noch der halbe zunehmende Mond. Der Sternenhimmel ueber Afrika war wieder fantastisch, so klar und so viele Sterne wie es nur hier zu sehen gibt. Nun wurde es aber langsam kuehler. Mit dicken Socken, Trainingshose, zwei Lagen Pullover und in einen Bettbezug eingewickelt, der den Schlafsack ersetzen sollte ging es aber gerade so auf dem harten Boden ein wenig Schlaf zu finden. Meine groesste Sorge war eigentlich, da ich mir ein Stueck ohne Reeling ausgesucht hatte, nicht von Bord zu fallen, aber auf so einem See bei schwachem Wind gibt es ja kaum Seegang. Die Maxis hatten meine Parzelle inzwischen komplett zugestellt und wunderten sich dann darueber, dass ich ueber ihren Krempel klettern musste um aufs Klo zu gehen. Unter Deck lagen sie auf Baenken und Tischen, sowie am Erdboden alle Mann kreuz und quer verteilt. Da war es zwar wenigstens warm, aber die Luft war nicht mehr zum einatmen, wie im Pumakaefig.

Tag 30, Dienstag, 23.03.2010

Etwa alle Stunde wachte ich mal auf, weil es entweder zu hart oder zu kalt wurde oder beides gleichzeitig. Unbequem umgedreht und versucht auf der anderen Seite wieder einzupennen. Den Sonnenaufgang habe ich dann aber natuerlich verpennt, wie auch den letzten mir noch fehlende Touripunkt in Aegypten, Abu Simbel zur Rechten, was laut eines italienischen Travellers recht gut zu sehen gewesen sei. Naja, man kann nicht alles haben. Es wurde wieder waermer und fuer 10 EGP goennte ich mir erstmal ein Fruehstueck. Es ist also genug fuer alle da, verhungern muss auf dem Schiff jedenfalls niemand. Die Passformalitaeten wurden auch schon an Bord abgewickelt, weitere Zettel mussten ausgefuellt werden, aber alles easy going. Dann wurde noch die Koerpertemperatur gecheckt. Mit 34,5 Grad hatte ich wohl keine Schweinegrippe. Das vorlaeufige Reiseziel Wadi Halfa steuerte der Kapitaen um 11h15 an. Dann dauerte es noch ueber eine Stunde bis alle von Bord gehen konnte, es mussten noch weitere Formulare ausgefuellt werden, ein echter Papierkrieg, der dann in diverse Buecher eingetragen wurde. Die Tuer geht auf, das geordnete Chaos beginnt. Menschen die im normalen Leben alle Zeit der Welt haben wollen nun alle als Erster wieder aufs Festland. Draengel, quetsch, aechts. Die Custums Controll warf einen fluechtigen Blick auf meinen Rucksack, klebte einen Aufkleber drauf und der naechste Mokel kreuzte den Aufkleber an. Beschaeftigungstherapie vom allerfeinsten. Kaum aus dem Gebaeude raus umlagern einen auch schon die Geldwechsler, die einem man glaubt es kaum einen besseren Kurs offerieren, als die Bank. Also lieber schwarz wechslen bei 3,50 Sudanesi Pound fuer den Euro als offiziell fuer 3,30. Ein Mitreisender aus dem schoenen Somalia hatte mir geraten das Busticket schon hier direkt am Hafen zu kaufen und so wechselte ich entsprechend viel Geld und tat dies auch. Im Bus zum Immigration Office ging es auch schon wieder hoechst chaotisch zu, da wieder jeder als Nummer eins einsteigen wollte. An Disziplin fehlt es hier den meisten. Fuer unverschaemte 5 SDG (Sudan Pound) gings mit einem Jeep mit ausgebauter Ladeflaeche fuer 10 Passagiere in den eigentlichen Ort Wadi Halfa, nachdem der Jeep erstmal von 3 Mann angeschoben werden musste, damit er ueberhaupt anspringt. An Bord hatte es unter den gar nicht mal so vielen Travellern (ein knappes Dutzend Italiener mit Autos, ein Englaender, ein Ire, ein Inder, ein aelteres deutsches Paar mit Auto, dessen Passage 2.000 EGP kostet und schon einen Tag frueher mit einem anderen Boot losgeht, der Hollaender mit der Japanesin auf Fahrraedern, sowie Max und Lothar) schon die wildesten Geruechte gegeben: Heute faehrt kein Bus mehr, es gibt nur 20 Sitzer Busse, die Busfahrt dauert ewig, etc., etc. Gestimmt hat von den ganzen Geruechten nur, dass leider keine Zugverbindung mehr in die Hauptstadt existiert. Haette aber auch keinen Sinn gemacht, wenn es die Verbindung, die immer am Mittwoch ging noch gegeben haette. In Wadi Halfa einen Tag rumzugammeln…. Da haette man sich auch gleich erschiessen koennen, denn da ist nun wirklich der Hund begraben. Die Bank hat nicht mal genug Geld um 20 USD zu tauschen. Einen Bankomat sucht man vergeblich. Um 15h sollte der klimatisierte 50er Bus vom schaebigen Busbahnhof rollen, eine Stunde gammeln in WH reichte vollkommen, wunderte mich eh schon wie die 3er Reisegruppe mit dem Inder, dem Iren und dem Englaender ueberhaupt ein Hotel hat ausfindig machen koennen. Die drei verweilten also noch einen Tag im nichts, muss auch was feines sein, wenn man Traveller ohne Ziele und ohne Zeitdruck ist. Die innerhalb von 3 Tagen vorgeschriebene Registrierung klappte in WH so auf die Schnelle nicht, da ich weder sudanesisches Geld noch eine Passkopie dabei hatte. Wurscht, in Khartoum ist ja noch genug Zeit. Der Somalia Kollege gab noch einen Tee aus, was fast schon wieder beschaemend war. Somalia vs Deutschland und Somalia zahlt, das geht eigentlich nicht, aber es wurde damit gerechtfertig naeher an seinem Heimatland zu sein. 15h04 waren wir startklar und der Busfahrer hupte ungeduldig. 15h11 drueckte er aufs Gaspedel und manoevrierte sein Gefaehrt ueber die durchweg asphaltierten und zuegig zu befahrenden Strassen gen Sueden. This is not Africa. Der Hunger hatte mich inzwischen eingeholt, aber no money no food. Mein Sitznachbar half mit Brot und Bananen aus. Nett sind sie ja, die kleinen Sudanesi. Shukran. Spaeter gab es sogar noch ein Lunchpaket und Getraenke von der Busfirma. 894 Kilometer stand auf dem ersten Kilometerstein, das kann ich im Nachhinein fast nicht glauben, denn nach nur 10 Stunden Fahrt hatten wir das Ziel erreicht. Das waere dann mal ein 90er Schnitt, was ich fast fuer uebertrieben halte, auch wenn die von den kleinen Chinesen (von wem auch sonst ???) gebaute Strasse sehr gut war und nur wenig Verkehr herrschte. 2-3 Pausen machten wir ja auch und ein paar Polizeisperren gab es auch noch. Naja, letztendlich auch egal, wird schon stimmen, 1h30 Ankunft in der Hauptstadt des Sudan (ca. 40 Mio. Bewohner im Land insgesamt), wo ich noch schnell eine kurze Zwischenbilanz zog. Die durchschnittlichen Tagesausgaben belaufen sich nach dem 30.Tag auf genau 36 EUR und die erste 2 GB Speicherkarte ist mit 855 Fotos auch voll, was ungefaehr soviel heisst wie jedes Foto hat 1,26 EUR gekostet. Die Reise mit dem Finger ueber die Landkarte waere billiger geworden und die dazugehoerigen Fotos haette man sich ja auch im Internet anschauen koennen….

Tag 31, Mittwoch, 24.03.2010

Keine gute Ankunftszeit in Khartoum North, wo die Obdachlosen sich ihr Quartier am Busbahnhof eingerichtet hatten. Viele Optionen blieben nicht, also mal mit dem Somalia Abdullah und seinem Arbeitskollegen im Taxi ueber die Bruecke ueber den blauen Nil nach Khartoum Zentrum gefahren. Haette ich vorher gewusst was das Taxi kostet (40 SDG) haette ich das natuerlich nicht gemacht. Dafuer war aber das “Hotel” mit 15 SDG pro Nase superbillig und auch dementsprechend uebel. Sicher eine der uebelsten Butzen in denen ich jemals uebernachtet habe. Da zahlte sich die Mitnahme der eigenen Decke und eines Bettbezugs aus, schaebig war gar kein Ausdruck mehr. Dennoch ziemlich kaputt gewesen und von 2h bis 9h durchgeknackt. Dann mal von den beiden Mitstreitern verabschiedet und auf die Suche nach einer besseren Behausung begeben, was gar nicht so leicht war. Im Zentrum von Khartoum reiht sich zwar ein Hotel an das Naechste, aber es ist schwierig da die Mittelklasse zu finden. Die Buden fuer 20 SDG sind selbst mir zu schaebig und wenn die Preise von vornherein in USD ausgeschildert sind macht es meist nicht mal Sinn beim arroganten Personal nach dem Weg zu einem billigeren Hotel zu fragen. In der ca. zehnten Bude, dem Hotel Badr Tourist war das Zimmer dann sauber genug, mit TV und eigenem Bad ausgestattet und nach kurzer Verhandlung mit 66 SDG pro Nacht, wenn ich gleich fuer die 5 Uebernachtungen bezahle auch innerhalb meines Limits. Leider geht die DKB Visa Card im Sudan an keinem Bankomat und auch mit Maestro kommt man nicht weit. Cash wechseln lautet also die Devise, was aber bei der Bank gar nicht so gut ist. Da bekommt man nur 3,30 SDG fuer den Euro, waehrend es Schwarz 3,50 gibt. Der Hotelmensch tauschte mir also mal 100 EUR ein und behielt von den 350 SDG gleich mal 330 fuer die Hotelkasse. Die Info, dass die Registrierung nochmal 130 SDG kostet wurde schockte ein wenig, ganz schoen teuer dieser LP Sudan. Sich registrieren braucht man natuerlich nicht, wenn man nur fuer einen oder zwei Tage angeflogen kommt. Am dritten Tag sollte man das dann aber erledigen, sonst gibt es noch eine Strafgebuehr obendrauf. Da der dritte Tag aber erst morgen ist war noch genug Zeit fuer die wirklich wichtigen Dinge, naemlich den Laenderpunkt. Die Zeitung wurde mir zwar uebersetzt und sagte 20h Kickoff, aber doppelt geprueft haelt ja bekanntlich besser und so fuhr ich mal mit einem Minibus in den mich ein netter Sudanesi quasi reinsetzte nach Omdurman, der Schwesterstadt (ca. 2,5 Mio. Ew.) von Khartoum (ca. 8,5 Mio. Ew.) und Fussballhochburg des Landes (in den letzten 50 Jahren ging der Titel nur 1x nicht nach Umm-Durman). The Red Castle vom zweiterfolgreichsten Verein Al Merreikh, einst von deutschen Trainergrosessen wie Otto Pfister oder Michael Krueger gecoacht, war auch anhand der Flutlichter schnell lokalisiert, ich war welcome Bilder zu machen und die Anstosszeit wurde bestaetigt. Eigentlich muesste das unueberdachte (nur die HT hat ein kleines Dach) 35.000er mit 20 Stehreihen und Stzplaetzen darueber Red and Yellow Castle heissen, aber so genau nehmen es die Fans des Stern (Nickname: Rote Teufel, pfui) wohl nicht. Stadtrivale und Rekordmeister Al Hilal spielt nur einen Steinwurf entfernt und auch beim blau-weissen Nachbar stellte Bilder machen kein Problem dar. Nicht ganz so gross wie die Burg vom Erzfeind, ca. 25.000 Plaetze. Der Ground von Khartoums Nummer 3 Al Mawrada ist aktuell eine grosse Baustelle, nur die Flutlichter stehen noch. Was mal daraus werden soll weiss keiner so genau. Auch an einem neuen Nationalstadion wird zur Zeit im Sueden der 8-Millionenstadt schwer geschuftet, aber auch da weiss niemand wann das wohl 50.000 Zuschauer fassende Prunkstueck fertig sein soll. Damit steht jetzt schon fest, dass man noch ein zweites Mal im Leben in den schoenen Sudan reisen muss. Schoen, wenn einem die Ziele nicht ausgehen. Das aelteste Stadion in Khartoum, das Khartoum Stadium, welches 1957 fuer den ersten Afrika Cup gebaut wurde liess sich im vorbeifahren auch noch spotten, womit die Hausaufgaben im Grossraum der Hauptstadt erledigt waeren. Jetzt muessen die 3 Tempel nur noch gemacht werden. Auf dem Weg zum Hotel entdeckte ich ein Internetcafe und nutzte die guenstige (2 SDG/Std.) Gelegenheit. Couchsurfer Uli hatte auf meine Anfrage geantwortet, war sich aber der Wochenendplanung noch nicht 100%ig sicher. Na mal sehen ob sich ein paar Euro sparen lassen. Im Restaurant gab es die kleine Pizza mit Getraenk fuer 9,50 SDG. Nicht typisch afrikanisch zwar, aber das war dann dafuer das Schauspiel im Hotel: Ich frage an der Rezeption nach einer Decke, einem Handtuch und Toilettenpapier. Uschi gibt mir nach einer Weile ne Rolle Klopapier und sagt der Rest wird aufs Zimmer gebracht. Also schaue ich Kashima Antlers vs Persipura Jayapura aus der asiatischen Champions League an und warte. Irgendwann klopft der Mokel und hat ein Stueck Seife in der Hand. Sehr schoen, denn die fehlte auch, aber eine Decke und ein Handtuch wuerde ich noch brauchen. Yes, yes. Er dampf wieder ab und kommt Minuten spaeter mit einer Art Decke wieder. Ich zeige ihm mein Handtuch und deute an, dass ich ein neues brauche. Wieder yes yes und Kollege Hotelmokel ward nie wieder gesehen. Gegen 16h dann mal erkundet wo denn die Registrierungsstelle ist und was es denn kostet, wenn ich mich nicht an mein Hotel wende, sondern die Unterlagen selbst abgebe. Aha, 105 SDG, na siehste. Die befragten Leute auf dem Weg dorthin waren uebrigens alle sehr freundlich und hilfsbereit, aber leider wissen sie nicht viel, selbst wenn das gesuchte Gebaeude genau um die Ecke ist. Wieder im Bus zurueck nach Omdurman. Klappsitze die im Gang aufgeklappt werden rauben einem den letzten Nerv, denn i.d.R. will immer derjenige aussteigen, der am weitesten hinten sitzt, so dass alle andere aufstehen und ihre Sitze umklappen muessen, damit er durchkommt. Dann wird Reise nach Jerusalem gespielt und alles rueckt weiter nach hinten durch, so dass die naechsten dann wieder von ganz hinten kommen, wenn sie aussteigen wollen. Das ist afrikanische Logik. Auf dem Weg zureuck nach Omdurman ging es wieder am Khartoum Stadium vorbei, wo ich von der Bruecke aus den Ball rollen sah. Merda, 17h19 und ein weisses Team kickt gegen ein gruenes Team. Na da hab ich wohl ein 2.Liga Spiel oder so verpasst und <?xml:namespace prefix = st1 ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:smarttags" /><st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> entsprechend geaergert, aber den Ground mache ich ja am Freitag inshallah noch.

24.03.2010, 20h00 Al Merreikh Club Omdurman vs Al Merghani Club Kassala (4-0) 4-0 vor ca. 12.000 Zuschauern im Merreikh Stadium “The Red Castle” (35.000) in <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Omdurman</st1:place></st1:City>.

In der roten Burg waren um 18h schon gut 100 Zuseher bei teuren Eintrittspreisen von 20, 25 und 50 SDG fuer Verbandskarten ohne Spielpaarung zugegen. “You are early” meinte ein Vereinsoffizieller zu mir. Naja, du weisst ja Kollege, frueher Vogel und so. Eine Stunde vor Kickoff versammelten sich die Glaeubigen dann mal im Innenraum auf der Laufbahn und erfuellten 1/5 ihrer taeglichen Betpflicht. Der Fussballallah hat die Gebete dann wohl auch erhoert und bescherte den Fans, die zumeist in ihren typischen weissen Umhaengen und nur vereinzelt mit Trikot oder Schal gekleidet waren eine muntere erste Halbzeit. Das Publikum war aber wenig euphorisch und wurde nur bei den 4 Toren innerhalb von 13 Minuten mal ein wenig lauter. Anfeuerungsrufe wie wir sie kennen waren kaum zu vernehmen, aber das Spielgeschehen wurde aufmerksam verfolgt und es gab Szenenapplaus fuer gelungene Aktionen oder ein kollektives Raunen bei vergebenen Torchancen. Schade nur, dass keine Mannschaft, die zur Pause 4-0 fuehrt nach dem Pausentee ernsthaft und mit Vollgas weiter spielt. So wurde Abschnitt 2 recht boring. Im Minibus (50 Piastres) ging es auch spaet noch gen Khartoum, der Baecker hatte auch noch offen und 2 Brote fuer 40 Piastres waren das wenig ausgewogene Abendessen. Im Hotel hatte ich noch immer kein Handtuch, aber nach etwas Druck klappte das dann doch noch vor dem Einschlafen. Im TV hatte ich die Wahl zwischen Lens vs ASSE, irgendwas aus der AFC Champions League oder “In your shoes”. Klar, das Cameron Diaz das Rennen machte, oder ??? Wen interessiert schon Fussball…. ???

Tag 32, Donnerstag, 25.03.2010
Nachdem gestern Abend von Couchsurfer Uli noch eine “Uebernachtung bei uns geht klar” SMS kam checkte ich wieder aus dem Hotel Badr aus und bekam auch anstandslos meine 260 SDG zurueck. Gegen 10h ging ich dann mal zum Aliens Registration Office, wo ich allerdings neben einer Passkopie und 2 Passbildern auch noch ein Schreiben vom Hotel brauchte. Den Registrierungsantrag nahm ich schon mal mit und dackelte unverrichteter Dinge wieder die 10 Minuten zum Hotel zurueck. Heiss isses im <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place>, aber dadurch, dass es eine trockene Hitze ist geht es auch trotz mehr als 35 Grad noch. <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Khartoum</st1:City></st1:place> soll ja die heisseste Hauptstadt der Welt sein und der Aequator kommt auf meiner Reise auch immer naeher. Bei den Hoteluschi um das Schreiben gebeten, was sie auch umgehend auf den Namen Markus Deutsch ausstellte. Ich wies auf den Fehler hin und statt eines neues Ausdrucks korrigierte sie das per Hand und Stempel, was also Hand und Fuss hatte und durch ging. Nun erneut zur Registrierungsstelle, die machen es echt so kompliziert wie moeglich. Und so teuer wie moeglich. Nochmal 105 SDG kostet die Registratie. Als ob das Visa nicht schon teuer genug waere. Wieder 30 EUR fuer nichts. Fenster auf, 30 EUR raus, Fenster wieder zu. Um 11h40 war ich dann fertig und hatte es versaeumt von der niedlichen China-Maus, die die Antraege fuer ihre Arbeitskollegen komplett abgab, mir die Nummer geben zu lassen. Eine China-Maus reicht zwar, aber trotzdem Grmpf! Per Taxi sollte es zur Botschaft von Aethiopien gehen, die aber wohl erst kuerzlich umgezogen sind, so dass der Fahrer den Weg nicht wusste und ein paar mal nachfragen musste. Bei viel Verkehr erreichte ich die wie <st1:place w:st="on"><st1:PlaceType w:st="on">Fort</st1:PlaceType> <st1:PlaceName w:st="on">Knox</st1:PlaceName></st1:place> gesicherte Boschaft erst um Viertel nach 12h und bekam am Einlass die Antwort ich waere “late”, Visaanfragen wuerden nur bis 11h bearbeitet. “Come back on Sunday”. Nix da, ich bin ja jetzt schon mal hier und ihr arbeitet ja auch noch, zumindest mehr oder weniger. Geht ja ruckzuck und ich muss auch morgen schon weiter um in euer schoenes Land zu fahren, was zwar beides gelogen war, aber manchmal heiligt der Zweck ja die Mittel. Nach zwei Telefonaten mit dem Konsul und weiterem Gequengele von mir durfte ich dann um 12h30 doch in den Glaspalast hinein. Hartnaeckigkeit zahlt sich ja doch manchmal aus. Fix den Antrag ausgefuellt (welches Hotel ??? Hilton, prueft ja eh keiner nach ob ich da wirklich uebernacht oder ob es das ueberhaupt gibt), 20 USD, 2 Fotos (die gehen mir langsam aus, denn die 40 in Indonesien gemachten liegen ja noch ordentlich sortiert zuhause auf dem Schreibtisch) und eine Passkopie, von der ich vorhin zum Glueck eine extra hatte machen lassen, weil ich mir schon dachte was da kommt, durchgeschoben und gewartet bis nach einer guten halben Stunde eine weitere Passseite (auch die werden langsam knapp, da Syrien, Aegypten und jetzt auch der Sudan jeweils 2 Seiten vollgestempelt haben und nur die Tuerken und Jordanier mitgedacht haben) vollgeklebt war. 13h30 war dann auch der zweite Tagesordnungspunkt abgehakt und es ging im Taxi, was nicht noetig gewesen waere, wenn man den Weg gekannt haette zur Sudan FA. Da hat die FIFA mit meinen WM-Ticket-Geldern wieder einen schoenen Palast fuer einen armen Fussballverband hingestellt. Der Spielplanleiter war etwas arrogant und gab mir den Schreck des Tages mit auf den Weg, dass das morgige Spiel Al Ahly vs Al Mawrada nicht wie auf goalzz.com (die wissen auch nicht alles) vermeldet im Khartoum Stadium sondern bei Al Hilal stattfnden wuerde. Shit. 2.Liga Termine haette er angeblich nicht, der Verband ist nur fuer die Superliga zustaendig. Also mal zu Fuss der Nase nach zum Khartoum Stadium um eventuelle Zweitligaspiele zu erfragen. Ein etwa 12-jaehriger Knirps meinte heute um 5 waere ein Spiel und das wurde durch den Stadionchef wenig spaeter auch bestaetigt, um 8 ist sogar noch eins, perfekt. Angeblich seien “every day” zu diesen Zeiten Spiele der zweiten oder dritten Liga auf dem neuen Kunstrasen. Das Stadion des ersten Afrika Cups 1957 ist allerdings nur noch eine bessere Ruine. Die alte Haupttribuene ist nicht mehr begehbar und schon teilweise abgerissen, der Rest verfaellt zusehends, auch wenn hinter der Tribuene gewerkelt wird. Keine Ahnung was da gemacht wird zumal an anderer Stelle im Sueden der Stadt ein nagelneues Nationalstadion fuer ca. 50.000 kleine Sudanesi entstehen soll.

25.03.2010, 17h00 El Nisr Club Khartoum vs Shabab Nasir Khartoum 2-2 vor ca. 350 Zuschauern im Khartoum Stadium (25.000) in Khartoum.
25.03.2010, 20h00 Bait El Mal Club Khartoum vs Ombdaa Club Khartoum 2-1 vor ca. 300 Zuschauern im Khartoum Stadium (25.000) in Khartoum.

Zwischen den beiden Spielen mal vom Hotel aus bei Uli durchgeklingelt und fuer 22h einen Treffpunkt am Hotel Badr vereinbart. Laeuft doch, der Betrieb. 2 Kicks auf diesem Level (2+3) und auf nicht gerade bequemen Baenken anzuschauen ist schon hartes Brot, aber mein diesjaehriges Fussballdefizit muss ja langsam ein wenig ausgeglichen werden (liege noch ueber 20 Spiele hinter dem Soll). 22h15 holten mich Uli und Ingeborg im Toyota Jeep ab und es ging wieder dorthin wo ich heute schon mal war, ins bessere Stadtviertel Khartoum 2 ganz in die Naehe der aetiopischen Botschaft. Die hollaendische Botschaft fuer die Inge arbeitet scheint gut fuer ihre Mitarbeiterinnen zu sorgen und stellt ein Top Anwesen, was wohl so 3.500 USD Monatsmiete kostet zur Verfuegung. So laesst es sich auch im <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place> locker 3 Jahre aushalten. Sogar das gute Heineken gibt es fuer die Diplomaten, auch wenn ansonsten strenges Alkoholverbot im Land herrscht. Mir wurden auch sogleich 3 Dosen kuehles Blondes hingestellt und wir lernten uns ein wenig kennen und besprachen die Plaene fuer die kommenden Tage, ehe ich um 0h30 in meinem eigenen Zimmer ins Bettchen fiel, Couchsurfing Deluxe nennt man das wohl.

Tag 33, Freitag, 26.03.2010
Der letzte Sonntag-Freitag fuer <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> auf dieser Tour in der arabischen Welt. 10h aufgewacht, viel eher faengt das Leben hier auch an Werktagen nicht an, und erstmal ein wenig die Reisefuehrer von Uli zum Thema Sudan studiert, denn ueber das flaechenmaessig groesste Land in Afrika hatte ich keinerlei Infos dabei. Der englischsprachige Bradt Guide ist fuer solche Exoten recht brauchbar. Bis zum Fruehstueck, zu dem noch 2 Freunde des deutsch-hollaendischen Paaren dazu kamen, um 12h also erstmal ein wenig Hausaufgaben gemacht und geschaut wie es weiter gehen kann und soll. Gegen 13h startete ich dann mit Uli’s Mountainbike auf Fotosafari durch <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Khartoum</st1:City></st1:place>. Freitags ist ja nicht so viel Verkehr, da laesst es sich gut radeln. Ueber den Nil, an der naechsten Bruecke wieder zurueck, am Nil der mal blau und mal weiss ist entlang und dann nochmal drueber nach <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Tuti</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Island</st1:PlaceType></st1:place>, wo es schon deutlich afrikanischer wird. Lehmhuetten, Strohdaecher, abgemagerte Ziegen davor, so wie man sich Afrika in Europa vorstellt. Dennoch ueberall superfreundliche Leute, die sich zwar ueber den verrueckten weissen Radfahrer, der sich ueber holprige Sandwege quaelte, wunderten, aber eben nur verwundert schauten oder -die nicht ganz so schuechternen- per Handzeichen gruessten. Der Sudanesi an sich ist definitiv ein netter Geselle. Kein “Taxi Taxi”, kein “Hello Mister” und auch keine oder nur ganz ganz vereinzelte Bettelei. Sehr angenehm, sicher in meinen Top 3 der bisher besuchten Laender des schwarzen Kontinents (neben <st1:country-region w:st="on">Ghana</st1:country-region> und <st1:country-region w:st="on"><st1:place w:st="on">Angola</st1:place></st1:country-region>). <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Auf</st1:PlaceName> <st1:PlaceName w:st="on">Tuti</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Island</st1:PlaceType></st1:place> bestehen die Strassen oder Wege dann auch grossteils nur noch aus Dreck und Sand und waren erstmal schoen verstopft, da die ganze Insel zur Moschee draengte. Ich schlaengelte <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> mehr schlecht als recht durch und kam mir vor wie Querfeldeinchampion Mike Kluge, an den sich wohl nur die Radsportexperten unter Euch erinnern werden. 16h war ich wieder in meiner temporaeren Heimat und musste quasi direkt wieder zu Fuss los, zum Khartoum Stadium, wo der Ball tatsaechlich taeglich rollt…. Unterwegs kaufte ich noch im Supermarkt ein, was gar nicht so guenstig war: 1 Liter Apfelsaft, 5 Scheiben Kaese, 4 Broetchen und eine Dose Pringles Chips fuer zusammen 30 SDG. Preise wie in Deutschland.

26.03.2010, 17h00 Sahafa Club Khartoum vs El Amap Khartoum (0-0) 1-3 vor ca. 180 Zuschauern im Khartoum Stadium (25.000) in Khartoum.

Fuer die Spielestatistik gab es 2 neue Teams, grosser 2.Ligasport wurde auch heute nicht wirklich geboten. Bei Teeverkaeufer Joseph war ich aber schon bekannt und wurde freudig begruesst. Nach dem ersten Spiel war heute aber Feierabend, da ich die erste Liga der dritten Liga dann doch vorzog, auch wenn in einem neutralen Ground gekickt werden sollte. Der Busfahrer war ein wenig verwirrt und wusste nicht so recht wohin ich wollte. Er liess <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> im Zentrum von Omdurman raus, von wo das Flutlicht aber schon zu sehen war.

26.03.2010, 20h00 Al Ahly Club Khartoum vs Al Mawrada Club Khartoum (0-1) 1-2 vor 1.200 Zuschauern im Hilal Stadium (23.000) in Omdurman.

19h40 war ich drin in der blau-weissen Schuessel von Hilal, wohin das ganz kleine Khartoum Derby mangels eigenen Stadions von Al Ahly verlegt worden war. Goalzz.com hatte ja Khartoum Stadium geschrieben, aber auch die machen Fehler, auch wenn ich <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> nicht beschweren will. Die Seite ist schon top, denn schon vor Reisebeginn Termine ueber Spiele im <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place> zu haben ist ja nicht so schlecht. Kurz nach der Pause wurden die Stadiontore geoeffnet und die aermeren fussballinteressierten Omdurmaner verdoppelten die eigentliche Zuschauerzahl mal eben. Tja, nun koennte man einen Durchschnitt errechnen oder so etwas, aber ich nehme in so einem Fall die hoechstmoegliche Anzahl der gleichzeitig zuschauenden Leute, auch wenn das schoenrechnerei ist. Spielerisch wertvoll war sicher auch diese Partie nicht. Mit Abpfiff zur Hauptstrasse gelaufen und einen falschen Bus nach Khartoum North erwischt. Naja, es war etwas weiter und ueber die grosse Nilbruecke war ich insgesamt ueber eine Stunde unterwegs ins traute Heim. Meine beiden Gastgeber, die ich mangels Kredit auf den Handys nicht erreicht hatte waren noch beim Abendessen, so dass ich die Gelegenheit fuer ein wenig Internetrecherche nutzen konnte, nachdem mich der 24h Wachdienst (ein Wachmann verdient ca. 400-500 SDG im Monat), der hier eigentlich gar nicht noetig waere, aber wohl zum guten Ton gehoert, herein liess.

Tag 34, Samstag, 27.03.2010
Erst um 2h15 in die Falle und entsprechend lange gepennt, was am Wochenende ja aber kein Problem ist. Nach dem Fruehstueck brachte <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> Uli netterweise zum ein paar Kilometer entfernten modernen und ringsum abgezaeunten Busbahnhof. Um Zutritt zu erhalten muss man erstmal 1,50 SDG bezahlen. Dann musste ich mir im Buero fuer Staatssicherheit erstmal einen Zettel mit Stempel holen, wohl eine Art Travel Permit. Stempel sind ja wichtig in einem Polizeistaat. Fuer 15 SDG erwarb ich dann ein Busticket von Tiger Land Express und sass neben einer recht huebschen Verschleierten, was man halt so sehen konnte. Aber da sie neben dem Schleier auch einen Ring am entsprechenden Finger trug beschraenkte ich die Konversation auf das Wesentliche, wie “wann gehts los” und “ wie lange brauchen wir etwa”. 12h55 gings los, 15h30 waren wir nach knapp 200 Kilometern auf guten Strassen mit wenig Verkehr in Wad Medani. Per Minibus und zu Fuss gings vom ausserhalb gelegenen Busterminal erstmal zum Stadion. Die Stuehle auf der VIP Tribuene wurden gerade gewienert. Um 8 oder halb 8 waere Anstoss in dem reinen Fussballground mit ca. 10.000 gruenen und weissen Sitzen und sogar Schriftzuegen. Ein Topteil. Zufrieden ins Zentrum und ueber den Markt zum Nil geschlendert. Sehr idyllisch, aber schade, dass es keine Krokos mehr in dem an dieser Stelle nicht sehr tiefen Fluesschen mehr gibt, zumindest nicht hier, die sollen weiter im Sueden leben. Mit einem Motorboot kann man sogar auf die andere Nilseite uebersetzen, wo es fast strandartig anmutet. Leider fand ich kein Restaurant nach meinem Gefallen, so dass die Chipsreste vom Vortag das opulente Abendessen darstellten.

27.03.2010, 20h00 Jazeerat Al Feel Wad Medani vs Al Amal Atbara (0-0) 2-0 vor ca. 1.000 Zuschauern in Wad Medani Stadium (10.000) in Wad Medani.

Wie alle anderen Spiele ging es auch hier wegen der Hitze erst um 20h los. Die letzten Busse nach <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Khartoum</st1:City></st1:place> wuerden um 18h losfahren, ich haette also nach dem Spiel ein kleines Problem. Na mal sehn, erstmal Fussball gucken. Ein kleiner Dreher im Spielplan und das Hilal Heimspiel heute und dafuer Wad Medani morgen haette mir zwar besser in den Reiseplan gepasst, da es ja auf dem Weg in Richtung Aethiopien liegt, aber man muss es ja nehmen wie es angeboten wird. Gruenweiss vs Blaugelb, die Sympathien lagen also klar bei den Jungs mit dem Elefanten im Vereinswappen, 0-0 zur Pause und auch nach achtzig Minuten, als ich schon fast das erste 0-0 im Sudan eintragen wollte. Al Amal versiebt die 100%ige, Jazeerat macht es im Gegenzug besser. Doch kein dreckiges 0-0 (spaeter gabs noch nen Elfer) im 4.Ground im Sudan und damit ein klarer 4-3 Sieg ueber den Spiertzer. Schon klar, Groundhopping ist kein Wettbewerb. Das Leben ja auch nicht…. mein Haus, mein Auto, mein Boot….. Aus der besten Liga der Welt trudelten unerfreuliche SMS von Minden-Carsten (besten Dank mal von dieser Stelle) ein. Werdet bloss nicht 16ter, liebe 96er. Das Verpassen der Relegationsspiele wuerde <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> naemlich schon ein wenig ankotzen. Direkt drinbleiben oder direkt absteigen, alles andere ist scheisse…. Nach dem Spiel war ich ein wenig unter Zeitdruck, per Tuktuk gings zum Busbahnhof. Der Fahrer verlangte faire 3 SDG, keine Abzocke wie in so vielen anderen Laendern, nicht mal der Versuch, sehr erfreulich. Ebenso erfreulich, dass es noch einen 12-Sitzer nach <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Khartoum</st1:City></st1:place> gab. Ich war zwar wieder mal auf Pole Position, aber die 13 (!?) Mitreisenden quetschten sich relativ schnell rein, 15 SDG, wie im grossen Bus und sogar schneller, nachdem der erste Halt an der Tanke war (1,15 SDG pro Liter). Im Tuktuk fuer nen 10er nach Hause wo ich exakt zur optimistisch anvisierten Zeit von 1h eintraf und mir der Wachposten aufsperrte. Na das ist doch mal Timing. Ein sehr lohnenswerter Tagesausflug.

Tag 35, 28.03.2010
Nochmal ausgepennt, dann gings mit dem 6-sprachigen Uli (dt., nl. besser als mancher Hollaender, fr., spa., eng. und arabisch, was zur einfachen Verstaendigung reicht) zum sudanesichen Fruehstueck. Es gab Fuul und es wird mit der rechten Hand gegessen. Der Durchschnittseuropaer scheitert aber schon beim brechen des Brotes daran, aber er wischt sich ja mit der linken auch nicht den Allerwertesten ab, was der Sudanesi wiederum nicht weiss. Recht lecker und saettigend und nach einheimischen Brauch zahlte der Gastgeber, shukran. Zur besseren Verdauung durfte ich nochmal mit Uli’s Mountainbike rumcruisen, was auch bei viel Verkehr und in praller Mittagshitze maechtig Spass machte. Im 5 Sterne Hotel Burj Al Fateh, welchen von einer libyschen Firma gebaut wurde und daher auch scherzhaft Ghaddafis Ei genannt wird, erstand ich 2 schlechte und teure Postkarten fuer die Sammlung, in der Bank gab es eine bankfrische 1 Pound Note, die erst 2007 den alten Dinar ersetzt haben. Im Shawarma Fresstempel gegenueber vom Lucky Meal, dessen M ein wenig an das goldene der amerikanischen Fastfoodkette erinnert, lecker fuer 8,50 SDG gespeist und dann war auch schon wieder Footballtime. Nach einer 45 Minuten Wanderung war ich wieder am Khartoum Stadium, wo <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> Teeverkaeufer Joseph mit den Namen der heute spielenden Vereine ausstattete. <st1:place w:st="on">Ob</st1:place> das alles so stimmt ??? Naja, wird schon, Joseph ist ja jeder Tag den Gott werden laesst hin und wird die Mannschaften wohl kennen.

28.03.2010, 17h00 Mogren Club Khartoum vs Wad Nil Club (2-0) 4-1 vor ca. 300 Zuschauern im Khartoum Stadium (25.000) in Khartoum.

Der Abpfiff war gleichbedautend mit meiner Abfahrt nach Omdurman, wo am Abend das Spitzenspiel der Superleague auf dem Programm war. Zweiter gegen Dritter der aktuellen Tabelle.

28.03.2010, 20h00 Al Hilal Club Omdurman vs Khartoum Club (2-1) 2-1 vor ca. 12.000 Zuschauern im Hilal Stadium (23.000) in <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Omdurman</st1:City></st1:place>.


Umfragen zufolge sind wohl 60% der Sudanesi Fans vom Rekordmeister Hilal, was soviel wie Mondsichel bedeutet. Dennoch kamen nicht mehr Zuschauer als vor ein paar Tagen beim aktuellen Spitzenreiter Merreikh. Immerhin gut halbvoll war die blau weisse Bude, die ein wenig an die Boutique in <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Cordoba</st1:City></st1:place> erinnert. Nein, meine Damen, kein Laden fuer Schuhe, sondern die Cancha von Talleres. Die Verbandstickets kosteten 30 SDG fuer die Haupttribuene, aber meine Gastgeber liessen sich nicht lumpen und brachten gleich noch 3 Freunde mit. Da leben sie nun schon seit 1 ½ Jahren im <st1:country-region w:st="on"><st1:place w:st="on">Sudan</st1:place></st1:country-region> und dann muss ich erst kommen, damit es endlich mal mit dem Laenderpunkt klappt
J
. Als ich nach 30 Minuten (Spielstand 2-1 und ein verschossener Elfmeter) erwaehnte ein Klassespiel ausgewaehlt zu haben hatte ich <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> wohl wie so oft etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt. Fortan stellten beide Mannschaften das Fussballspielen weitgehend ein und das Publikum wirkte recht unzufrieden ob der wenigen Torchancen oder guten Szenen. Egal, habt ja gewonnen und ich habe den Ground mit dem richtigen Verein gemacht. Um in die Stammkneipe des sudanesischen Kumpels zu fahren fehlte nach dem Spiel und geschickt umgangenen Abreisechaos leider die Zeit. Waere sicher ein Spass geworden sich mit Tee die Birne zuzuschuetten. So wurde der Laenderpunkt fuer Uli + Inge (von dieser Stelle nochmal ein dickes Dank U wel) noch mit 2 Heineken gefeiert, waehrend auch ich rundum zufrieden mit 8 Spielen in 4 Stadien im Sudan war. <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Ein</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Superland</st1:PlaceType></st1:place> und noch ein Superfussballland dazu. Note 1 fuer den <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place>. Wenn das neue Stadion fertig ist wird sicher nochmal angereist….. (@ Uli: bitte nicht als Drohung verstehen…).



So, dieses war der fuenfte Streich und der sechste folgt sogleich (also in ein paar Tagen, wenn die oertlichen Gegebenheiten das zulassen…..)
Gruss aus Nairobi und bis die Tage, H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 08.04.2010 19:14 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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Road to Johannesburg -6-
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Hallo Fans. Da bin ich wieder und somit geht es direct in die sechste Runde. Viel Spass, aber den habt ihr ja eh…..

Tag 36, Montag, 29.03.2010
Heimlich still und leise schlich ich mich um 7h15 aus dem Haus. Vielen Dank nochmal fuer die Gastfreundschaft an Uli + inge, war Weltklasse bei Euch, da komme ich gerne nochmal zu einem Laenderspiel oder Derby wieder, wenn das neue Nationalstadion fertig ist. Im Tuktuk gings durch die erst erwachende Suedstadt fuern 5er zum Busterminal. Eintritt bezahlt, Fahrerlaubnisstempel bei der Stasi abgeholt und schon stand der Bus in den Grenzort Gallabat (oder auch Qallabat geschrieben) bereit. 45 SDG sollte es kosten, 38 hatte ich noch, na das past doch fast, den Rest gab es in USD und alle waren zufrieden. 8h45 wurde zur Abfahrt geblasen. Die 8 ½ Stunden Fahrt war landschaftlich recht unspektakulaer, hauptsaechlich Wueste. 2 Polizeikontrollen und ein paar kleinere Stopps verzoegerten den fahrplanmaessigen Betriebsablauf ein wenig, aber insgesamt ging es ueber gute Strassen weitgehend recht zuegig voran. 16h15 war Gallabat erreicht und somit auch das Afrika, wie es in europaeischen Koepfen existiert. Einfache Huetten aus Lehm oder Holz bestimmten das Bild. Selbst das Grenzgebaeude war nur eine etwas bessere Lehmhuette, fast nicht vorstellbar, dass das die Grenze sein sollte. Auf Sudan Seite ging alles recht fix, ein letzter Stempel in den Pass und auf die Gepaeckkontrolle wurde gleich ganz verzichten, bringt ja eh nix. Der Aethiopier in seiner Huette brachte mich dann fast zur Weissglut, denn ich wollte ja heute noch so weit wie moeglich nach Aethiopien reinkommen, bestenfalls bis nach Gondar. Wie er sich so ganz gemaechlich irgendwelche Listen anschaute auf denen man wohl besser nicht draufsteht, da waeren einige definitiv durchgedreht. Immerhin donnerte er den Stempel auf die Visaseite und verbrauchte kein neues Blatt, den es sind ja nur noch 8, die bis South Africa reichen muessen. Kurz nach 17h dann ueber den Grenzstreifen getapert und schon wurde ich in Metema von einem selbsternannten Guide empfangen und zum Busbahnhof des kleinen Ortes geguidet. Den haette ich aber auch alleine gefunden, es gibt ja nur eine Hauptstrasse und so war die ganze Muehe wieder einmal umsonst. Schon die 5-jaehrigen koennen in Ethiopia die beiden wichtigen Woerter: you money. Aber da sind sie bei mir ja an der falschen Adresse, wie auch der Guide, der natuerlich keinen der gerade gewechselten 20 Birr (ca. 18 = 1 EUR) aus dem Sudan Rest bekam. Dollar oder Euro wollte ich noch nicht tauschen, da der Kurs an der Grenze ja immer miserabel ist und ich auf einen Bankomat in Gondar hoffte. Die erste Auskunft am Busbahnhof war aber leider ernuechternd, keine Busse mehr, weder in die Hauptstadt nach Addis Ababa noch nach Gondar, der naechstgroesseren Stadt in etwa 150 Kilometern Entfernung. Die moisten Busse duerfen aus Sicherheitsgruenden wohl nicht ueber Nacht fahren. Fuer 10 Birr kam ich immerhin doch noch aus dem Grenzkaff weg. Nach 20-30 Km war aber Endstation in einem Ort, der mir als *Schedi* oder so aehnlich angesagt wurde. Na toll, gestrandet in einem aethiopischen Kaff, erstmals auf dieser Tour den Tagesetappenzielort (Gondar) nicht erreicht. Auch in Schedi klebte mir gleich nach dem Ausstieg aus dem Minibus so ein Guide an den Hacken. Auf dem Ohr *von mir gibt es keinen einzigen Birr, egal wie lange du mir auf den Sack gehst* scheinen diese Typen taub zu sein und dackeln trotzdem weiter munter mit. Im Hotel Zobel (der Rainer war natuerlich nicht da) fuer 60 Birr eingecheckt, nachdem mir ein Bankangestellter einer schon geschlossenen Bank privat 7 USD gegen 94 Birr gewechselt hat. Mehr als 100 Birr hatte auch keener seiner Kollegen dabei. Mein Guide schaute mir dann auch im dritten Restaurant (Nummer eins und zwei hatten keine Nudeln mehr) noch beim Pasta essen zu und durfte am kostenlosen Wasser (aus dem Brunnen ?!) nippen. Irgendwann merkt natuerlich auch der duemmste, dass es bei mir nix zu holen gibt und so zwackte der Mokel vom Hotel einen Teilbetrag fuer die Vermittlung ab. Mir Latte, macht das unter euch aus. Im Internetcafe ging das Internet nicht, aber wenigstens gab es Computer und Strom, so dass ich meinen Schreibrueckstand ein wenig aufholen konnte. Fuer 7 Birr goennte ich mir an der Hotelbar noch ein, zwei, drei Birr aehm Bier aus der Brauerei in Gondar. Support your local beer. Bevor ich den wohlverdienten Schlaf in dem spaerlich moeblierten Raum (Stuhl, Bett, kein Bad, sonst nix) fand bekam ich noch das unmissverstaendliche Angebot des Blasehasen vom Hotel. Ein Suendenpfuhl, diesen Aethiopien, und das so kurz hinter der islamischen Welt, die dort ja noch in Ordnung ist.

Tag 37, Dienstag, 30.03.2010
6h aufgestanden und ungeduscht (duschen wird in der westlichen Welt auch ueberbewertet) auf zum Busbahnhof. 6h15 Abfahrt nach Gondar, nachdem noch die obligatorische Ehrenrunde durchs Dorf gedreht wurde, um ein paar Leute, die nicht in der Lage sind eigenstaendig zum Busbahnhof zu kommen, einzusammeln. Unterwegs gab es auf den gut hundert Kilometern drei Polizeikontrollen, bei denen das Gepaeck der Eingeborenen genau angeschaut wurde, aber scheinbar alles in bester Ordnung war. Versucht noch ein wenig zu pennen, da es landschaftlich erst kurz vor Gondar etwas bergig und somit interessanter wird. Abgewrackte Huetten habe ich ja inzwischen auch zur Genuege gesehen. 11h Ankunft in Gondar, allzu schnell ging es also nicht voran. Da ich keine Birr mehr hatte mal direct in die erstbeste Bank gestiefelt und der Kassierin 40 USD auf den Tresen geknallt. Aber statt direct 535 Birr ausgezahlt zu bekommen, wuerde es buerokratischer als in Buerokratistan. Ein anderer Bankangestellter nahm sich meines Reisepasses an, uebertrug diverse Daten auf einen Beleg und schickte dann seine Assistentin damit los um diesen von drei weiteren Prokuristen (?) zu pruefen und gegenzeichnen zu lassen. Jeder einzelene rechnete also mit Taschenrechner nochmal im Schneckentempo nach und machte seinen Kringel darunter. Dann gab die Sekretaerin den Auszahlungsschein an die Kassiererin weiter, die freilich nochmal alles pruefte und mir dann die 535 Birr gab. Hier hat noch alles seine Ordnung und man kann fuer einen einfachen Geldwechselvorgang schon mal mindestens 10 Minuten einkalkulieren, sofern niemand mehr vor einem ist. Nachdem diese Transaktion beendet und ich somit wieder fluessig war ging es zurueck zum gegenueberliegenden Busterminal, wo kein Bus mehr nach Addis angeboten wurde. Die fahren wohl nur ganz frueh morgens. Na dann so weit wie moeglich, was angeblich Bahar Dar (ausgesprochen wie Bader) war, wie mir auf meiner kopierten Landkarte gezeigt wurde. 45 Birr kostete die Fahrt, 3 ½ Stunden sollte es dauern. Die junge Dame neben mir sprach nur recht rudimentaeres englisch, war aber offensichtlich an dem grossen gutaussehenden Deutschen (welchem fragt ihr euch jetzt, aber es war nu rein Deutscher in dem Bus *g*) interessiert. Jedenfalls kuschelte sich die schaetzungsweise etwa 20-jaehrige Tigist bei jeder Kurve (egal in welche Richtung) an mich, was ja eigentlich meine Taktik ist und ich somit schon mal ganz nett fand. Die Maus war schon recht huebsch, hatte gepflegte Fingernaegel und auch fuer den wohl aus finanziellen Gruenden nicht getragenen BH und die lackierten Fussnaegel gab es auf jeden Fall mal Pluspunkte. Faende ich black beautiful haetten wir in Bahar Dar sicher noch einen Kaffee trinken gehen koennen, aber der Fehler im System lag beim aussteigen der jungen Dame in einem Ort namens Woreta (oder Warata, wie mir ein Mitreisender, der teilweise den Uebersetzer spielte, aufschrieb), 60 Km vor Bahar Dar. So kann das wohl nichts werden mit der Hochzeit, was sie mich nach etwa einer Stunde Fahrt fragte. Maybe in the next life. In Bahar Dar wird man auch von den sogenannten Guides genervt, wie wohl im ganzen Land, jeder versucht noch ein paar Birr rauszupressen. Erste Auskunft fuer die Weiterreise nach Addis war “tomorrow”, aber nach etwas hartnaeckigen fragen kristallisierte sich doch noch ein Minibus fuer 19h heraus, der auch ueber die Nacht fahren darf. Also 1 o clock local time. Die kleinen Aethiopier rechnen die Zeit irgendwie nach dem Sonnenaufgang, zur Zeit gegen 6h was dann gleichbedeutend mit 0h ist. Alles bisschen gewoehnungsbeduerftig, aber hier gibt es ja auch 13 Monate im Jahr und das aktuelle Jahr ist 2002, auch wenn die Bevoelkerung auf dem Land eher 500 Jahre zurueck ist, als nur 8 Jahre. An das gute im Menschen glaubend gab ich meinen grossen Rucksack mal zur Aufbewahrung in der kleinen Bretterbude der Busgesellschaft ab und zahlte schon mal 80 der 180 Birr fuer den Transport an. Dann hatte ich noch 3 Stunden Zeit um die Stadt anzuschauen, was vollkommen ausreicht. Mit dem Lake Tana auf dem sich ein Haufen Pelikane (und auch ein Hippo, welche aber heute nicht auftauchte) rumtreibt ist das Staedtchen (ca. 130.000 Ew.)schon ganz nett. Das kleine Stadion wurde auch noch gespottet. Ein 11-jaehriger, der mich auch schon seit einer Weile in gutem englisch vollquasselte und mich ungewollt begleitete meinte auch es wuerde morgen ein Spiel geben, aber das konnte niemand wirklich bestaetigen. Naja und bevor ich einen Tag verliere und dann doch keener spielt mache ich mich lieber auf den Weg um am Samstag den LP Kenya einzusacken. So toll war der Ground in Bahar Dar jetzt auch wieder nicht. Im Restaurant guckte mir der Knirps hungrig aus der Waesche beim Pizzaessen (wieder typisch afrikanisch fuer 48 Birr) zu. Da ich ja kein Unmensch bin bot ich dem Quaelgeist 1/8 meiner Pizza an, aber das wollte er auch nicht. Na dann kann ich es auch nicht aendern, das ist dann wohl Pech, wenn ich die falsche Pizza ausgewaehlt habe. 19h sollte es von 1.800m ueber dem Meer in die ebenfalls hoch gelegene Hauptstadt gehen. Nach zwqei Ehrenrunden und ewigen Palaver, weil die anderen nur 140 Birr zahlen mussten ging die Nachtfahrt selbstredend erst um 21h los. Mit Armen und Kopf auf der Lehne des Vordersitzes versuchte ich irgendwie eine Schlafposition zu erreichen in der  ich bei der ruckeligen Fahrt auch ein paar mal kurz wegnickte.

Tag 38, Mittwoch, 31.03.2010
5h Ankunft in Addis, was ja um Walsall Fan Neil Morris nochmal zu zitieren “a nice place” sein soll. Im Dunkeln war davon zum Glueck nichts zu sehen. Saukalt war es und es hatte kuerzlich geregnet, da alles nur so triefte. Die Stadt schlief noch, fuer einen Spielplancheck beim Fussballverband blieb leider keine Zeit, das wuerde zulange aufhalten, es ging direct weiter. Ein netter ETH-Kollege setzte mich in den richtigen Bus zum Mercato Busterminal und zahlte sogar den Birr fuer mich mit. Am Mercato herrschte schon um 5h30 morgens das pure Chaos, trotz der auch hier verlangten 5 Birr Zutrittsgebuehr. Der Studentenkollege half mir noch das Busticket nach Dila zu kaufen, dann wurde ich von einem Mitarbeiter der Busgesellschaft zum abfahrbereiten Mobil geschleust. Die Abfahrt zoegerte sich aber noch bis um 7h raus, da ja noch allerlei Gepaeck im 50er Bus verstaut werden musste. Im Sueden ist Aethiopien ueberraschen gruen, teilweise fast regenwaldartig, auf jeden Fall schoen anzuschauen. Die Huetten waren hier unten auch deutlich besser als im Westen des Landes, was sicher auch am Regen liegt, da muessen die Behausungen ja stabiler sein. Nach 8 weiteren Busstunden waren wir in Dila angekommen, von woe s am kommenden Morgen in aller Herrgottsfruehe mit dem gleichen Gefaehrt weiter gehen sollte. Alle die nach Moyale wollten mussten zwangslaeufig in Dila uebernachten. 2 Studenten aus dem Bus begleiteten mich bei der Hotelsuche. Meine Anforderungen mit Dusche und richtiger Toilette waren fast zu hoch konnten aber im Zeleke Hotel fuer 70 Birr gerade so erfuellt werden, waehrend die beiden Kollegen was spartanisches fuer 20 Birr fanden. Aber nach der letzten Dusche am Montag morgen, war ein wenig Wasser auf der Haut mal wieder eine feine Sache. Die bot nicht allzuviel, der Sportplatz auch nicht, bei ein paar Nebenstrassen wird gerade mit dem asphaltieren begonnen. Spaghetti mit Getraenk gab es im Hotelrestaurant fuer 20 Birr. Schwieriger als was zu Essen zu finden war es nach 17h noch 10 EUR zu wechseln, da alle Banken seit 15h am heutigen Ultimo geschlossen waren. Der Besitzer eines Schuhladens gab mir dann faire 175 Birr, was fuer die restliche Zeit in ETH locker reichen sollte. Im Internetcafe gab es diesmal sogar eine Verbindung, wenn auch eine sehr langsame. Nach 16 Minuten surfen hatte ich gerade mal 6 Emails geschafft zu lessen, dann machte es bumm und weg war er, der Strom. Tja und ohne die europaeische Selbstverstaendlichkeit geht nun mal gar nicht so viel. Blitz und Donner waren die Ausloeser und legten den gesamten Ort lahm, was aber niemanden zu stoeren schien, ist ja normal hier. Arsenal vs Barca im TV konnte ich mir also abschminken. So wurden noch 2 St. Georges Bier (8 Birr) geschluerft und zeitig in die Heia gegangen, den schon vor Sonnenaufgang war ja die Weiterfahrt nach Moyale geplant. 5h meine Zeit, eleven o clock denken die mit eigener Schrift und Sprache in ihrer eigenen Welt lebenden, nie kolonialisierten Aethiopier.

Tag 39, Donnerstag, 01.04.2010
April April, aber nicht mit mir. Hier verarscht dich keiner wissentlich, aber oftmals wissen sie es einfach nicht besser. Um 4h30 machte der Hahn schon seit einer halben Stunden einen Heidenlaerm. Fix kalt geduscht und die 200 Meter durch die dunkle Nacht zum Busbahnhof geschlappt. Da muss man echt aufpassen, dass man sich auf den holprigen Strassen nicht die Haxen bricht. Die Bus stand noch da, war auch schon angeworfen, die meisten Mitreisenden waren auch schon da und um 5h40 setzte sich der Tross in Bewegung. Ich hatte meinen alten Sitzplatz in einer vorderen Reihe wieder bekommen und kaufte einem der beiden Studenten von gestern sein bis Moyale durchgeloestes Ticket fuer 70 Birr (statt 77, wenn ich neu geloest haette) ab, da er jetzt doch lieber in Dila bleiben wollte. Neben Alemayehu, dem Student aus Addis, der sich der Einfachheit halber Alex nennt, klinkte sich auch noch Saif aus Bangladesh, der im Range eines Majors bei der UN im Sudan stationiert ist, in das Gespraech mit ein. So schwafelten wir ueber die Reise an sich, diverse Laender und den weiteren Verlauf dieser Tour, wobei sich die beiden anderen die meisten Sorgen machten ueber die Pistenverhaeltnisse inm Norden von Kenya bei der aktuellen Regenzeit. Es kursierten wieder die wildesten Geruechte, aber in Afrika kann man darauf ja nix geben und muss es eben selber ausprobieren. Irgendwie wird es schon weitergehen, auch wenn die Strasse nicht passierbar sein sollte. Ein dusseliges Rindvieh musste leider dran glauben, da es trotz wilder Dauerhupe nicht schnell genug die Strassenseite wechseln konnte und Kollegen Fahrer nicht mehr rechtzeitig auf die Bremse kam und dann ganz normal weiterfuhr als sei nichts gewesen. Aber das hatte er auch gestern schon gemacht, als ums ein LKW entgegen kam und ein Zusammenstoss oder das Landen im Strassengraben nur durch ein glueckliches recht-links Manoever zu vermeiden war. Die meisten Mitreisenden wurden etwas bleich (guter Witz, ich weiss), der Driver tuckerte seelenruhig weiter, war ja auch nix passiert. Ansonsten sind echt Tiere die groesste Gefahr fuer einen Crash. Esel, Ziegen, Rinder oder gar Kamele sind ja unberechenbar und nicht immer so schlau der Strasse fern zu bleiben. Beim Fruehstuecksstopp troedelte unsere 3er Gruppe ein wenig lange im guten Hotel und wir genossen Omelett und Brot mit einem Tee (Wahnsinn wieviel Zucker die hier alle reinhauen). Als wir dann per Tuktuk wieder am Bus eintrafen gab es Applaus statt boeser Worte, nicht auszudenken da waere ein Hektiker in der Reisegruppe dabei gewesen, so waren nur alle froh, dass wir nicht verloren gegangen sind, aber so schnell geht das ja auch wieder nicht. Die knapp 800 Km von Addis hatten wir um 15h geschafft, auch im Sueden von ETH sind die Strassen noch recht brauchbar, auch wenn es schlechter wird und teilweise nicht breit genug ist einen anderen Bus oder Truck zu ueberholen. In Moyale wollten der Major und ich so schnell wie moeglich weiter kommen, Alex hatte es nicht so eilig kam aber zu Fuss zum wenige hundert Meter entfernten Grenzposten mit. Deutschland: Stempel rein, bye bye. Aethiopien: the same. Nur bei Bangladesh gab es aufgrund des UN Passes Probleme, da die Grenzer so etwas wohl auch noch nicht gesehen hatten. So mussten wir Saif zuruecklassen und zogen weiter ueber die kleine Bruecke auf keniatische Seite. Mit dem Adler auf dem Pass gibt es auch dort keinerlei Probleme. 2 Formulare waren auszufuellen, 25 USD betrug die Gebuehr, ein kleiner Smalltalk mit dem zustaendigen Mitarbeiter ueber die WM 2010 und den Fussball in Kenya und schon war das Visa eingeklebt und die freie Seitenzahl sank auf 7. Der Einreisewunsch von Alex wurde dagegen unbegruendet abgelehnt. Das ist wohl Tagesform abhaengig. Ich versuchte ihm noch ein wenig zu helfen und ein gutes Wort fuer ihn einzulegen, aber alles Gerede half nicht, ein no in Afrika wird selten zu einem yes. Nur die warum Frage bleibt wieder einmal unbeantwortet. Der Saif tauchte nicht wieder auf, daher weiss ich nicht ob es bei ihm noch geklappt hat. In Kenya haette es nach 17h eh keine Moeglichkeit mehr gegeben noch voran zu kommen, so dass wir entschieden auf ETH Seite zu uebernachten, was auch trotz Ausreisestempel kein Problem ist. Im Belayhne Hotel (30 Birr) wurden meine Anforderungen zwar nicht erfuellt, aber in Moyale hab ich kein Hotel mit Dusche auf dem Zimmer entdeckt. Duschen ist ja hier nicht so wichtig, aber das ist ja auch das schoene an Afrika, auch am dritten Tag im selben T-Shirt umschwirrt einen im Bus nahezu keine Fliege…. Mit Alex ging es noch auf ein Abendessen (Fleisch mit Brot). Dabei gab es auch ein paar Happen fuer die streunende Katze, die dann von einem ca. 5-jaehrigen Jungen wie ein Fussball weggekickt wurde und sich jaulend davon machte. Sie sind halt einfach dumm, aber wenn es ihnen niemand beibringt lernen sie es ja auch nicht. Fuer 8-9 Birr noch ein paar Biere gezischt, die Birr mussten ja weg bevor sie schlecht werden, wobei viele Scheine schon richtig schlecht sind, pottdreckig ist gar kein Ausdruck. Fuer 7h30 mit dem Kollegen an der Grenze verabredet, wo er einen zweiten Versuch bei einer anderen Schicht starten wollte und dann eine gute letzte Nacht in Aethiopien, denen ich auf dieser Reise fast ein wenig Unrecht getan habe, so wie ich quasi durchgerast bin. Aber mit 2 Grounds auf der Habenseite sieht es drt ja auch schon recht gut aus.

Tag 40, Karfreitag, 02.04.2010
Um es vorweg zu nehmen: Es war der bisher beschissenste Reisetag. Und das ging schon in der Nacht los, in der ich kaum Schlaf fand, da ein paar Moskitos meinten mich aergern zu muessen. 4h16 kickerikiehte dann der daemliche Gockel vor meiner Tuer und hoerte nicht wieder auf ehe auch der letzte Dorfbewohner von Moyale wach war. Ab 6h prasselte der Regen sintflutartig aufs Dach. Da war ich um 7h schon wenig motiviert loszustiefeln. Halb 8 an der Grenze hatte ich mit Alex ausgemacht, aber der war nicht zu sehen und auch der Bangla-Major tauchte nicht auf. Also mit einem freundlichen "good morning" zum Immigration Officer nach Kenya marschiert. Das haette man zu gewissen Zeiten wohl auch ohne Visa machen koennen. Kontrollieren wollte jedenfalls niemand irgendwas. Im keniatischen Teil von Moyale hatte ich dann gleich wieder einen Guide an der Backe kleben. Ja, ich will nach Nairobi, wohin denn sonst ??? Es wuerde einen Jeep geben, der gegen 9h losfahren wuerde und 3.000 Shilling kosten solle. Es war gerade 8h und ein paar Gestalten warteten schon am Toyota Landcruiser. Ein Geldwechsler war natuerlich auch gleich Gewehr bei Fuss. Da ich ja keine Shilling (KES) hatte mal nach dem Kurs gefragt. Der angebliche Fahrer des Jeeps meinte das wuesste er nicht, das waere nicht sein Business. Alle anderen schwiegen sich tot. Der Wechsler bot 65 KES fuer einen USD oder 80 fuer einen EUR. Mir war natuerlich klar, dass diese Raten miserabel waren und ich wechselte erstmal nicht und fragte nach einer Bank. Angeblich wusste aber niemand von der 100m entfernten Bank, die aber am Karfreitag geschlossen hatte. Was fuer ein Assivolk, alle stecken unter einer Decke. Vom Wachmann zu einer anderen Bank geschickt worden, die sogar einen ATM mit Visacard Logo hatte, aber die Visakarte funktionierte trotzdem nicht. Shit, denn so langsam geht mir das Bargeld aus. Durch den Nieselregen wieder zurueck am Wagen meinte der Maxi, der die Bank in seinem Heimatort nicht kannte, er wuerde einen Freund anrufen, der mir einen fairen Kurs geben wuerde, seine zweite Luege des Tages. Jener Freund bot 85 KES fuer eine Einheit der europaeische Einheitswaehrung. Verarschen kann ich mich auch alleine, aber notgedrungen musste ich ja wechseln um voran zu kommen. Bei 90 einigten wir uns schliesslich, der reale Kurs liegt bei 103 bzw. 77 fuer den Dollar. 3.000 der 4.500 erhaltenen KES drueckte ich gleich wieder an den Reiseveranstalter ab. Um 9h fuellte sich dann der Vorplatz mit Reisewilligen und es wurde sich schon mal in den fuer 8 Personen ausgelegten Wagen gequetscht. Nach afrikanischen Massstaeben sind das ja mindestens 12 Personen und 13 1/2 (ein Kind) passen schon irgendwie rein. Im Fussraum waren genau 2cm nach rechts und links sowie nach vorne Platz, denn die Mitreisenden hatten ja auch alle nicht gerade wenig Gepaeck, was noch verstaut werden musste. Dies geschah abenteuerlich und wurde zwischen der Fahrerkabine und der ersten Bankreihe mit Seilen verknotet. Nachdem wir dann schon fast eine Stunde Probe sassen meinte der Veranstalter er koenne nochmal 500 KES extra von mir kassieren, da es angeblich einen anderen Bewerber gaebe, der 3.500 fuer einen Platz bezahlen wuerde. Ich wollte schon aussteigen und mein Geld zurueck, aber die anderen Reisenden meinten es wuerde heute keine weitere Moeglichkeit von hier wegzukommen geben, was wahrscheinlich auch gelogen war. Also zaehneknirschend dem Drecksack die 500 hingeworfen in der Hoffnung er moege bald daran verrecken. Was fuer ein asoziales Land mit einer Landessprache die Money heisst. Gegen 10h ging es endlich auf die Schotterpiste. Es hatte natuerlich auch hier im Vorfeld wieder zahlreiche Geruechte gegeben, von wegen die "Strasse" sei wegen der Regenzeit nicht passierbar, etc. etc. Nun mit einer Strasse hatte der Weg nicht mehr viel zu tun, jeder Feldweg in Deutschland ist in besserem Zustand. Und das ueber 500 Kilometer. Nun die Jeeptour an sich ist schwer zu beschreiben, aber ich versuche es mal, hoellisch trifft es wohl in einem Wort am besten. Zum besseren Verstaendnis erstmal zur Sitzordnung. In der Fahrerkabine gab es noch 2 Sitzplaetze, dann einer Sitzreihe dahinter mit eigentlich 3 Seats, aus denen aber 4 gemacht wurden. Die restlichen Plaetze waren seitlich angeordnet, jeweils 3 rechts und 3 links und dazwischen wurde dann noch ein Koffern gequetscht, der als Sitzgelegenheit fuer das vielleicht 13-jaehrige Maedel, die von Mutti zum Fahrzeug gebracht wurde, dienen sollte. Die Piste war eine der ganz ueblen Sorte und wegen der Regenzeit in einem mehr als aufgeweichten Zustand, zumindest auf den ersten einhundert Kilometern, danach wurde es langsam besser. Ich hatte den Sitzplatz auf der rechten Seite hinter der 4er Reihe bekommen mit Eisenstangen an der rechten Seite und im Ruecken, was ich dann bei jeder Bodenwelle, jedem Huckel und jedem Schlagloch zu spueren bekam. Alle versuchten sich so gut wie moeglich an den verrosteten Eisenverstrebungen festzuhalten, da wir aufgrund einer Plane auch keine Sicht nach vorne sondern nur zur Seite hatten und nur anhand des Bremsens ein Schlagloch erahnen konnten. Mal nicht richtig aufgepasst oder nicht richtig festgehalten und gegengefedert und schon knallte man wieder mit den Rippen oder dem Ruecken an eine Eisenstange. This is the most comfortable way of travelling meinte einer der Mitreisenden, der wohl im anderen Leben als Clown auftritt. Nachdem ich bei einem Halt den Fahrer ob seiner idiotischen Raserei bepoebelte meinte ein anderer Maxi er waere in a hurry. Der erste Maxi den ich in meinem Leben treffe, der es eilig hatte. Die Stimmung auf der Ruekcbank war also fortan leicht gereizt. Nach knapp einem Viertel der Strecke gab es die erste Essenspause. Die Strecke war bis dahin teilweise so uebel, dass die Trucks im Schlamm steckenblieben. Fuer den Sauerland-Jens auf seinem Motorrad sehe ich auf diesem Abschnitt schwarz, da ist definitiv kein Durchkommen, nicht mal mit einer guten Motocross Maschine, ausser es regnet in den kommenden Wochen keinen Tropfen mehr. Im Toyota Lancruiser mit Allradantrieb war es gerade so zu schaffen. Beim Stopp kaufe ich was zu Essen und eine Flasche Wasser, was zusammen 100 KES kosten sollte. Ich gebe nen Tausender (den einzigen Schein, den ich noch hatte) hin und kriege 750 wieder raus. Geht die Bescheisserei also schon wieder los. Was fuer ein asoziales Volk. Nach dreimaligen Nachfragen und laut werden gibts erst noch nen 100er zurueck und nach einem weiteren “fifty more” von mir dann auch noch den Fuffy. Dann wurde munter weitergebrettert und es war nur eine Frage der Zeit wann der erste Reifen platzt. Dies geschah dann kurz vor der Halbzeitpause in Marsabit. 20 Minuten willkommene Erholung und Beine vertreten in der prallen Sonne. Leider konnte der Reifen natuerlich nicht in der Naehe einer der Dromedarherden die mehrfach unmittelbar am Wegesrand weideten platzen, was mit Bergkulisse im Hintergrund sicher herrliche Bilder geworden waeren. Im Gespraech mit den Maxis fragte dann irgendwann einer der Unwissenden allen Ernstes ob Germany denn fuer den World Cup 2010 qualifiziert sei. Gibts in der Wueste Sand ??? “We will win this World Cup” war meine leicht arrogante Antwort. Mit dem neuen abgefahrenen Reifen wurde weitergeholpert bis zum naechsten Halt in Marsabit, wo ich mir 2 Bananen goennte, die 20 KES kosteten. Um den Fuenfziger (ca. 50 Cent) zu wechseln musste die Oma in 4 Laeden rennen bis es endlich klappte. Im Dunkeln wurde die Bretterei nicht weniger, aber es traf einen noch unvorbereiteter, da ja nun auch der Idiot von einem Fahrer die Bodenwellen zu spaet sah. Nach 13 Schotterstunden und etwa 500 Km war ich in Isiolo heilfroh mir nur eine Beule am Kopf (3x gegen die Stange geknallt, was immer ein gewisses Gelaechter nach sich zog, denn auch bei den Maxis, die sonst im Leben nicht viel zu Lachen haben scheint die Schadenfreude die schoenste Freude zu sein) und eine kleine Schramme am linken Unterarm zugezogen zu haben. Der Fahrpreis fuer diese Strecke ist mit knapp 40 EUR natuerlich voellig utopisch, aber wer das Monopol hat bestimmt nun mal den Preis. Um 23h15 hiess es in Isiolo erst “tomorrow” wuerde der Bus nach Nairobi fahren, dann hiess es ploetzlich es wuerde doch noch einer, der aus Marsabit kaeme heute Nacht fahren. Den hatten wir wohl gerade ueberholt. Fuer 500 Sh. gings dann auch um 0h15 im grossen Reisebus in den es spaeter reinregnete los.

Tag 41, Ostersamstag, 03.04.2010
Fuer ein wenig Schlaf hat es auf 2 Sitzen gereicht und so verpasste ich die Ueberquerung des Aequators kurz hinter der Ortschaft Nanyuki und gegen 7h wurden die Versprengten irgendwo in Nairobi rausgelassen. Verschlammte Strassen, alles pottdreckig, kein schoener Anblick am fruehen Morgen, zum Glueck war es schon hell. Na wenn das das Zentrum ist dann gute Nacht Nairobi. Erstmal in ein Internetcafe gefluechtet, welches extra fuer mich geoeffnet hat. Da ich ja der Meinung bin, dass im Leben jeder eine zweite Chance verdient hat, so gab ich auch Kenya diese zweite Chance heute alles besser zu machen als gestern. Mit Angola hatte ich mich nach dem ersten Tag ja auch noch nicht angefreundet. Die Internetbude (1 Sh. pro Minute) machte schon mal einen guten Anfang. Couchsurferin Sakina (3 Anfragen hatte ich abgeschickt, eine hat nicht geantwortet, eine wollte Kaffe trinken gehen und Nummer 3 war der Treffer) hatte mir ihre Telefonnummer gemailt, aber da es ja noch zu frueh war schrieb ich erstmal Teil 5 fuer Euch zu Ende. Eine junge Dame aus dem schoenen Rumaenien hatte sich schon Sorgen um mich gemacht und eine “is everything alright” SMS geschrieben, da ich ja waehrend der Zeit in Aethiopien nicht online war. Darueber freut man sich doch. Nach 150 Minuten im www rief ich dann mal bei Sakina (31), die bei der St. Johns Ambulance arbeitet an und sie beschrieb mir wie ich zu ihrem Arbeitsplatz komme. Per Bus und zu Fuss durchgeschlagen, was auch mit 2x nachfragen ganz gut klappte und es stellte sich heraus, dass das vorhin noch nicht das Zentrum von Nairobi war. Ich wurde erstmal allen Arbeitskollegen vorgestellt, dann gab es Mittagessen, stilecht mit der rechten Hand. Sakinas Cousin (was in Afrika ja von Freund bis Bruder alles sein kann) und Man United Fan verzichtete meinetwegen gar auf die Liveuebertragen von ManU vs Chelsea, um mich zum City Stadium zu begleiten, was mir eigentlich gar nicht so recht war, da ich ja auch nicht doppelt Eintritt zahlen wollte. Aber die beiden um meine Sicherheit Besorgten liessen sich das Vorhaben nicht ausreden und so marschierten (Cousin im Bundeswehr Fleckentarnhemd) wir mal munter drauf los. Eine halbe Stunde durch Maerkte und Gassen und schon tauchten die Flutlichter, die heute nicht gebraucht wurden auf.

03.04.2010, 15h00 Mahakama FC Nairobi vs Gor Mahia FC 1968 Nairobi (0-0) 1-3 vor ca. 2.000 Zuschauern im City Stadium (15.000) in Nairobi. LP 112.

Meine anfaenglichen Geldsorgen waren unbegruendet. Der Kollege kannte den Ordner und spazierte umsonst auf die grosse ueberdachte Tribuene. Der Eintrittspreis lag bei 200 Sh. fuer den schattigen Bereich und 50 Sh. auf den Stufen der Gegengerade. Ein neuer Kunstrasen erlaubt mehrere Liga Spiele am Wochenende hintereinander, da die Teams in Nairobi keine eigenen Stadien (mehr) haben. Mahakama war erst zu dieser Saison aufgestiegen, Gor Mahia ist neben den AFC Leopards der Lieblingsklub der Kenianer und somit waren fast alle Fans auf Seiten von “Mighty Gor”. Nur ein paar Fans kamen im Trikot, Merchandising wird in der KPL noch klein geschrieben, wie auch Kommerz. Trotz Zusammenfassung im TV stand keine einzige Werbebande auf der Laufbahn. Unsitten mit weiblichen Schiedsrichterassistentinnen machen leider auch vor Afrika nicht halt und so wedelte eine fettaerschige Uschi oftmals falsch vor der Haupttribuene mit der Fahne herum. Die Stimmung war typisch afrikanisch. Ein Wort reicht wohl zur Beschreibung: Vuvuzela. Wenn diese nervtoetenden Troeten nicht spaetestens nach dem dritten WM-Tag aus den Stadien verbannt werden wird das definitiv das nervigste WM-Turnier aller Zeiten. Immerhin waren die Dinger dazu gut mich in der langweiligen ersten Haelfte nicht einschlafen zu lassen. Altmeister Gor drehte nach der Pause auf und die knapp 2.000 Zuseher freuten sich ueber die 3 Tore und ich mich ueber den erfolgreich abgehakten Laenderpunkt Nummer 112. Oder besser gesagt: Nur noch 96 to go. Nach dem Spiel wurden die Sieger von ihren Fans auf dem Spielfeld gefeiert. Das erlebt man in der Bundesliga auch nicht mehr allzu oft. Wir gingen zum St.Johns zurueck, wo Sakina um 16h Feierabend haette haben sollen, aber das zoegerte sich noch bis 19h hinaus und so langweilte ich mich ein wenig bei der Zusammenfassung der Premier League bevor es mit dem Bus in die Eastlands von Nairobi ging. Bei lauter Musik aus den Boxen war die Busfahrt leicht nervig aber zum Glueck bei wenig Verkehr nicht allzu lang. Durch verschlammte Wege ging es dann in das kleine Haeuschen (weniger Quadratmeter als meine Wohnung), wo Sakina mit ihrer Schwester Rita und ihren beiden Toechtern Sandra (13) und Tracey (11) wohnt. Die Schwester war gerade in Mombasa, dafuer war noch die beste Freundin Caro (30) mit ihrer Nichte Natalie (9) dabei. Also ich alleine gegen 5 weibliche Wesen, und das auf knapp 30 qm, welche sich aus einem kleinen Wohnzimmer (dem groessten Raum) mit Fernseher, Kuehlschrank, Couch und Sesseln, sowie einem kleinen Aquarium, sowie einer winzigen Kuechenzeile, ca. 3 qm Bad und einem Schlafraum mit Etagenbett zusammensetzt. Im Wohnbereich quatschten wir ueber Gott (weniger) und die Welt (mehr), ehe es nach gefuehlten 3 Stunden (ich hatte dolle Hunger) noch was zu futtern gab. Vor dem Abendmahl bestehend aus Fleisch, Reis und Gemuese duschte ich noch, sofern man das als duschen bezeichnen kann. Aus einem grossen Bottich konnte ich mit einem kleinen Eimer das kalte Wasser abschoepfen und mir dann ueber den Kopf giessen. Fliessendes Wasser ist nur aus einem Wasserhahn auf Fusshoehe oder aus der Spuele verfuegbar und das auch nicht immer, so dass immer wenn es Wasser gibt ein Vorrat angelegt wird. Es wird afrikanischer, auch wenn das Haeuschen fuer afrikanische Verhaeltnisse schon besserer Durchschnitt ist. Von einem Fernseher oder gar einem Kuehlschrank haben die Huettenbewohner in den laendlichen Gegenden wohl bestenfalls mal entfernt gehoert. Nach 23h war ich dann auch ziemlich muede, da die Ochsentour von der Grenze noch in den Knochen steckte und durfte das untere Etagenbett beziehen, waehrend die 3 Madels sich ueber mir aneinander kuschelten und sich die beiden Freundinnen eine Matraze im Wohnzimmer teilten. Wo ein Wille ist ist auch ein Weg, gemosert hat jedenfalls niemand.

Tag 42, Ostersonntag, 04.04.2010
Wieder so ein Gockel, der mich um den wohlverdienten Schlaf bringt. Irgendwann drehe ich so einem Vieh nochmal den Hals um. Die Maedels versuchten so leise wie moeglich zu sein, aber um 8h30 war an Schlaf nicht mehr zu denken. Nach einer “Dusche” (besser als in manchem Hotel komplett ohne Duschmoeglichkeit isses allemal) ging ich mal zum nahen Supermarkt, dann gab es auch schon Fruehstueck. Die Kids gingen spaeter zur Kirche, ich hatte einen anderen Auftrag zu erfuellen. Sakina hatte mir aufgeschrieben wie ich ins 50 Kilometer entfernte Thika komme. Im Bus in die Stadt sass dann Esther aus Nakuru neben mir, die mich in den richtigen Anschlussbus setzte und mir fuer alle Faelle mal ihre Nummer gab, denn in Nakuru bin ich ja am kommenden Sonntag. Die Fahrt nach Thika dauert so ziemlich genau eine Stunde und fuehrt am Moi International Stadium (60.000) vorbei, welches die Tage dann noch besichtigt werden muss. In Thika ist das Stadion unmittelbar neben dem Busstopp. Der Ort ist mit 100.000 Einwohnern auch nicht besonders gross und hat demzufolge auch nicht viel zu bieten. Zwei Hindu Tempel hab ich zufaellig entdeckt, Strom gab es im Internet Café gerade nicht. Fix eine grosse Portion Pommes (100 Sh.) gegessen und dann fruehzeitig auf die kleine Tribuene in den Schatten gesetzt. 3 Seiten des Municipal Stadiums sind ebenerdig, 5.000 Kapazitaet ist eigentlich uebertrieben, aber nach Maximassstaeben wird das wohl gerade so gehen und wenn es auf der KPL (oder wars Wiki) Homepage angegeben ist wird es schon stimmen.

04.04.2010, 15h00 Thika United FC vs Tusker FC Nairobi (1-2) 1-3 vor ca. 2.000 Zuschauern im Thika Municipal Stadium (5.000) in Thika.

Heute gab es sogar eichlich Bandenwerbung fuer TV-Live Spiel und der dafuer zustaendige Lawrence sass zufaellig neben mir. So wurden vor dem Topspiel des Tages (bei der Livepartie kann man ja eigentlich nix falsch machen) ein paar Infos ausgetauscht. Der Platz war in schlechterem Zustand als so mancher Kartoffelacker in Deutschland, dennoch bekamen die etwa 2.000 Besucher, die 50 Sh. Eintritt geloehnt hatten einen recht guten Kick geboten. 4 Tore, die Heimelf ging in Fuehrung, es wurde wieder fleissig getroetet, der Ground haette bissl besser sein koennen, aber was will man mehr. Auch hier konnten nach dem Spiel alle ueber den Platz latschen und mit den Spielern abklatschen. Waere das nicht auch mal ein Pilotprojekt fuer Argentina ??? Der Kenianer ist aber ein friedlicher Geselle und tut auch wenn kaum Polizei im Stadion vertreten ist weder dem Schiedsrichtergespann noch den Auswaertskickern was. Punkt 17h gings nach Nairobi zurueck, wo ich mir wieder ein wenig helfen lassen musste, um den richtigen Bus in meinen Stadtteil Kayole zu finden, wo ich dann wie geplant um 19h eintraf und das Abendessen schon fast fertig war. Fuer 85 Sh. + 50 Sh. Pfand noch ein paar Pullen vom Tusker Bier mit dem Elefanten auf dem Etikett gekauft und Prost. So weit so gut, Kenya hat seine zweite Chance bisher genutzt. Weiter so.

Gruss aus Nairobi und bis die Tage, H96-Linke
P.S.: Dranbleiben…..
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BeitragVerfasst am: 13.04.2010 11:47 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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Ein weiteres “Jambo”, liebe Fans. Schoen, dass ihr immer noch dabei seit. Hoffentlich geht es mit der deutschen Wirtschaft jetzt nicht steil bergab, wenn alle auf der Arbeit nur noch meine Berichte lesen. Die siebte Reisewoche fand vollstaendig in <?xml:namespace prefix = st1 ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:smarttags" /><st1:country-region w:st="on">Kenya</st1:country-region> statt, <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">einem</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Land</st1:PlaceType></st1:place> mit einer Flaeche von ca. 580.000 qkm (Deutschland zum Vergleich ca. 357.000 qkm) bei knapp 40 Mio. Einwohnern, also etwa der Haeelfte der Bundesrepublik. Ach ja, und auf der falschen Strassenseite fahren sie auch noch, also immer schoen die Augen auf beim Strasse ueberqueren, sonst streift euch hier leicht mal ein Bus….<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
Tag 43, Ostermontag, 05.04.2010
Laenger als bis 8h zu schlafen ist quasi unmoeglich. Erst der Hahn, dann die Maedels, wie in einer Jugendherberge. Aber ich will <st1:State w:st="on">mich</st1:State> mal nicht beschweren, denn es sind ja alle superlieb und kuemmern sich um <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> als ob ich zur Familie gehoeren wuerde. Den Vormittag verbrachte ich dann mit Caro (der besten Freundin), die meine Waesche und sogar meinen Rucksack wusch und mir die Shorts flickte. Nett sind sie ja, die kleinen Kenya-Maeuse. Auch die guten Adidas Turnschuhe wollte sie mir noch putzen, aber das ist in Afrika ja vergebene Liebesmuehe. Laenger als eine halbe Stunde mit sauberen Schuhen rumzulaufen ist hier eine Illusion. Ueberall ist es staubig, dreckig, schlammig, versifft und zugemuellt. Gegen Mittag ging es dann mal auf Fotosafari durch <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Nairobi</st1:place></st1:City>, aber nur durch die guten Viertel in denen sogar mal ein paar wenige andere Touris gesichtet wurden. Alles easy going soweit, totale Bewegungsfreiheit. Ab und zu ruft mal einer “Musungu”, was soviel wie weisser Mann bedeutet und gruesst mit einer Handbewegung, die ich dann meistens erwidere oder fragt “how are you ???”. Ob das immer positiv gemeint ist weiss ich nicht, wird wohl so sein, etwa wie wenn ich “hey Maxi” in der hannoverschen U-Bahn rufe. Telefonnummern von Chicas zu bekommen scheint hier recht leicht zu sein. Beim rumlaufen am Kenyatta International Confernce Centre gab mir Neddy (25) die ihre. Sie: “how are you ???”. Ich: “Fine and you ???”. Und schon war ich in ein Gespraech inclusive ihrer Freundin verwickelt. Wir quasselten ein wenig, aber da sie nicht mein Typ war half es ihr auch nicht in genau dem Hotel zu arbeiten, welches ich immer auf meinen Visaantraegen angebe. <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Paris</st1:place></st1:City> ist ja eh nicht da. Viel mehr war nicht zu erledigen und so zog es <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> frueh zurueck in meinen Vorort Kayole um im Internet (gibt auch Buden fuer einen halben Shilling pro Minute) ein wenig zu recherchieren. So waere ich fast zu spaet zum Abendessen gekommen, es wird immer was einheimisches zu Hause fuer <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> mitgekocht. Caro offerierte mir dann quasi noch den Kontinentalpunkt auf dem Silbertablett, nachdem sie am schon den ganzen Vormittag im duennen Baumwollhemdchen um mich rumgehuepft ist, waehrend Jesus aus Nazareth im TV ans Kreuz genagelt wurde. Da man(n) ja nicht mit dem Kopf denkt ist es echt schwierig standhaft zu bleiben.
Tag 44, Dienstag, 06.04.2010
Trotz Gockel und Madels einfach bis um kurz vor 10h liegen geblieben, es stand ja heute nichts besonderes auf dem Plan. Das Duschwasser bereitete mir Caro vor, da Sakina bei ihrem Boyfriend uebernachtet hatte. Aus einem 100 Liter (oder vielleicht auch mehr) Behaelter wurde das Wasser per Schlauch angesaugt (Vakuum und so….) und in den Duscheimer umgeleitet. Naja, an Schlaeuchen saugen (auch wenn die normalerweise hertha sind) koennen die meisten Ladies ja ganz gut. Nach dem Duschen wollte ich eigentlich was unternehmen, war aber unschluessig darueber was genau und da auch das Guidebook keinen richtigen Aufschluss gab wurde es ein relaxter Tag. Gegen Mittag kam die Friseur Freundin von Sakina ins Haus und wollte mir einen neuen Haarschnitt verpassen. Um es nett auszudruecken: es war desolat. Erst hatte die dicke Maximutti (so stelle ich mir einen Friseurbesuch jedenfalls nicht vor) keine Schneidemaschine und wollte sich mir der Schere an meine Haarpracht machen, dann konnte sie nicht mit dem geliehenen Geraet umgehen und schliesslich nahm ich die Maschine selbst zur Hand. Am Ende wurden dann auch noch 200 Sh. verlangt, worauf wir uns zwar vorher geeinigt hatten, aber das war natuerlich ein utopischer Preis. Mehr als 20 Sh. waere es nicht wert gewesen. Dank der englischen Sprache (untereinander sprechen sie Suaheli) erscheinen hier natuerlich auch englischsprachige Zeitungen, was es auch fuer mich etwas einfacher macht, als in Laendern wie dem Sudan oder Aethiopien. Die englische Premier League bekommt natuerlich mehr Beachtung als die einheimische Liga, die KPL, aber diese wird im Gegensatz zu asiatischen Laendern wenigsten mit Ansetzungen und Spielberichten erwaehnt. Beim Mittagessen gegen 15h war auch schon John, ein Arbeitskollege von Sakina dabei, der sich im weiteren Tagesverlauf selbst als guter Koch herausstellte. Da Sakina Nachtschicht hatte und auch Caro arbeiten musste wollte Mutti wohl nicht, dass ich mit ihren beiden Toechtern allein im Haus bin. Na da waere schon nichts passiert, bin ja nicht paedophil. Mit dem Arsenal Fan war die Liveuebertrag aus der UEFA Champions League auf K24 am Abend natuerlich ein ganz besonderer Spass. Alle Englaender muessen raus. Messi, Messi, Messi, Messi. Da machte sogar TV-Fussball, der <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> ja sonst ziemlich langweilt mal so richtig Fun. Das einzig aergerliche war, dass es Inter gegen CSKA geschafft hat, aegerlich vorallem fuer die deutsche 5-Jahres-Wertung.
Tag 45, Mittwoch, 07.04.2010
Nachdem die Maedels um 8h zur Schule (bis 16h) gingen einfach noch ein wenig liegengeblieben und spaeter von John das Fruehstueck machen lassen. Die Hausherrin war noch nicht von der 16-stuendigen Nachtschicht zurueck, als ich mit einer der unzaehligen Abgasschleudern (die Luft in <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Nairobi</st1:place></st1:City> ist total versmogt und verstaubt) in die Stadt startete. Zuerst nochmal zum <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">KICC</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Building</st1:PlaceType></st1:place>, da ich im Reisefuehrer was von einer Aussichtsplattform gelesen hatte. Aber diese war zur Mittagszeit gesperrt, da Mr. Praesident “around” sei, weil irgendeine Ausstellung auf dem Gelaende war. Im Intercontinental Hotel galt es ein groesseres Geschaeft zu erledigen, ins Loch scheissen ist nicht so mein Ding, ist wohl alles eine Frage der Gewoehnung. Dann schon mal das Nyayo National Stadium, den Spielort von heute Abend gespottet. Der Wachmann begleitete <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> ins Buero, wo ich mir die Fotoerlaubnis abholen sollte. Der Mokel palaverte ein paar Minuten dummes Zeug und wollte dann 1.000 Sh. fuers Fotos machen haben. Vergiss es, du Trottel, dann mache ich halt nachher Bilder vorm Spiel, auch wenn das Licht dann nicht mehr so gut ist. Mit dem F-Wort auf den Lippen das Office verlassen und rein ins Stadion, wohin auch sonst ??? Der Wachposten war nicht aufmerksam und sonst stoerte sich keiner der Rasenmaeher an meiner Anwesenheit. Geht also doch fuer lau, waere ja auch noch schoener fuers Fotos machen Geld zu bezahlen. Dann wieder in die Innenstadt gelaufen und im Hunters Restaurant was gegessen und anschliessend erneut zum <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">KICC</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Tower</st1:PlaceType></st1:place>, dem Wahrzeichen von Nairobi (ca. 3 Mio. Ew.). Der Praesi war inzwischen wech und fuer 200 Sh. konnten Studenten in Begleitung mit dem Lift aufs Dach des gut 100 Meter hohen Bauwerks. Durchaus lohnenswert, ein Klasse Ausblick, Super Luftbilder. Dem Angebot 12 Passbilder fuer 150 Sh. konnte ich in der Einkaufsstrasse nicht wiederstehen. Hab zwar keine Ahnung welche der kommenden Laender ueberhaupt noch Passbilder haben wollen, aber bei dem Preis kann es ja nicht schaden mal ein paar auf Vorrat machen zu lassen. Es gab aber Probleme mit dem Drucker und als ich nach einer Stunde wieder kam war noch nix fertig. Als ich mein Geld schon wieder zurueckgefordert hatte und auf dem Weg zum Stadion war kam der Mokel doch noch hinter mir hergerannt und hatte die fertigen Bilder in der Hand. Mit ein bisschen Druck geht es also. <st1:place w:st="on">Sind</st1:place> zwar nicht besonders gut, aber fuer ein paar Visa oder als Erinnerung fuer diverse Liebschaften (kleiner Scherz am Rande) voellig ausreichend. Im Stadion wurde ja am Mittag noch fleissig der Rasen auf eine bespielbare Laenge gestutzt, jetzt war es angerichtet, zu einem der vielen kleinen Clasicos de Nairobi.
07.04.2010, 19h00 AFC Leopards vs Mathare United FC (0-1) 1-1 vor ca. 4.000 Zuschauern (100) im Nyayo National Stadium (30.000) in <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Nairobi</st1:place></st1:City>.
Die Leoparden werden Vereinsangaben zufolge von 6 Millionen Kenianern unterstuetzt und sind neben Gor Mahia (wohl das lohnenswerteste Spiel) der erfolgreichste Klub des Landes. 2008 waren sie allerdings 1 Jahr zweitklassig, aber nun sind sie wieder da, waehrend Mathare United erst 1994 im gleichnamigen beruechtigten Slum von Nairobi gegruendet wurde und im Abwesenheitsjahr von den Leopards erstmals Meister wurde. Es gab sogar Tickets mit AFC Logo und Spielpaarung drauf, leider vom falschen Spiel am 21.02.2010 gegen KCB, wo wohl nicht genuegend Tickets verkauft wurden. <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Lawrence</st1:place></st1:City> meinte am Abend wuerden ein paar mehr Zuschauer kommen als sonst und hatte damit nicht ganz unrecht. Aufs spielerische Niveau wirkte sich das im Land des FIFA Weltranglisten 114ten allerdings nicht positiv aus, es wurden nur noch mehr Fehler als sonst fabriziert. Das Flutlicht leuchtete auch nur auf halber Staerke, was dem Fernsehen aber wohl zur Uebertragung reichte. Die Leopards versuchten in der zweiten Halbzeit mit neuen Trikots (blau weiss laengs gestreift, statt quer gestreift, Zebrastreifen weiss und blau…..) den Pausenrueckstand wett zu machen, was kurz vor dem finalen Pfiff auch noch unter dem grossen Jubel der meisten Besucher (eine “good crowd” wurde von der Zeitung “The Standard” attestiert) gelang. Nun kam ich erstmals in die Verlegenheit allein des nachts nach Hause zu gondeln, da wurde die Schrittfrequenz automatisch hoeher. Der Nickname “Nairobbery” kommt ja auch nicht von ungefaehr. Heute Abend war aber alles safe. Nur im uebervollen Bus nach Kayole fuehlte ich <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> ein wenig unwohl. Normalerweise sind Stehplaetze nicht erlaubt und es duerfen nur soviele Passagiere mit wie Sitze vorhanden sind, aber heute Abend war das wohl recht egal, zumindest bis zur Polizeikontrolle ca. einen Kilometer vor meinem Heim, als alle die Stehplatz ueberdacht gebucht hatten aussteigen durften. Da war ich bei der vorigen Quetscherei fast froh drueber. Die tausend Meter nach Hause schaffte ich auch noch, verpasste dadurch aber die Anfangsviertelstunde vom UEFA Champions League Match Manchester United FC vs FC Bayern Muenchen. Ich kam, sah und guckte wohl ziemlich bloed aus der Waesche, schon 2-0, was war da den los ??? Die Kartoffeln fuers Abendessen brutzelten ueber dem Feuer so vor sich hin, ich war aber schon bedient. Die Maedels feixten ein wenig, telefonisch wurde ich mit dem Cousin ManU Fan verbunden, aber bekanntlich lacht derjenige am besten, der zuletzt lacht. The German Giant schlug naemlich erbarmungslos zurueck, Mr. Ferguson fing hinterher fast an zu weinen ob der tyischen Deutschen und die erste Niederlage der Bayern im Old Trafford war wohl eine der schoensten Europapokal Niederlagen einer deutschen Mannschaft ueberhaupt. Bye bye <st1:country-region w:st="on"><st1:place w:st="on">England</st1:place></st1:country-region>. Die Bayern Fans schafften es durch ein abgebranntes Bengalo sogar zu den “Fans of the week” im Standard (die Herren Muehldorfer und Hill meine ich zu erkennen, hab das Foto in der Online-Ausgabe aber nicht gefunden). Die Schlafsituation wurde inzwischen ein wenig strange, da es im Prinzip nur 3 Schlafgelegeheiten fuer nun 6 Personen gab. So durfte ich mir den unteren Teil des Etagenbetts mit Caro teilen, waehrend Sandra und Tracey ueber uns pennten und Sakina und der Koch es sich im Wohnzimmer auf der Matraze gemuetlich machten. Eindeutig zuviele Leute in dem kleinen Haus. Also, liebe Caro: Nur gucken, nicht anfassen.
Tag 46, Donnerstag. 08.04.2010
Heute im Bayern Trikot durch <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Nairobi</st1:place></st1:City> zu laufen waere sicher ein Spass geworden. Das Match gestern in einer Kneipe zu verfolgen haette sicher auch was gehabt. So gabs nur fuer jeden ManU Trikottraeger (und von denen gibt es hier unzaehlige) das beruehmte haemische Nelson Muntz “ha ha” oder einfach nur ein “you are out”. Luftlinie ist das Moi International Stadium gar nicht so weit von Kayole weg, aber um dorthin zu kommen muss man trotzdem erst ins Zentrum, da es weder eine direkte Strasse noch eine direkte Busverbindung gibt. Das ueberdachte 60.000er ist mit seinen 3 Raengen schon ein recht nettes Bauwerk, wenn auch schon ein wenig in die Jahre gekommen, wie die meisten afrikanischen Stadien. Es wird aber gerade ein wenig modernisiert und eines schoenen Tages kann der ambitionierte Hopper hier nochmal zu einem Laenderspiel vorbeischauen. Ist ja eh immer das beste in einem Land sowohl Ligafussball als auch die Nationalmannschaft zu sehen, die ja ueber allem steht und im Gegensatz zu denen Vereinen auch vom ganzen Volk unterstuetzt wird, ausser von den Laenderspielhassern natuerlich, aber die gibt es glaub ich eh nur in Deutschland. Zum Mittag gabs Chicken Curry im “Hunters”. So ein Mittagsmahl schlaegt hier je nach Restaurant mit 1 EUR bis 3,50 EUR inkl. Getraenk zu Buche. Kann man sich also noch leisten. Viel mehr stand dann heute auch nicht mehr an. Sakina hatte mal wieder Nachtschicht, so dass sich ihr Schwesterchen um das leibliche Wohl der Gaeste kuemmerte. Die Maedels waren noch beim Friseur und zahlten fuers aendern von komplizierter Rastafrisur auf langes glattes Haar gerade mal 50 Sh., da war ich wohl wieder einem Nepper Schlepper Bauernfaenger Friseur aufgesessen. Beim Film auf DVD waere ich fast eingepennt, es war also an der Zeit gute Nacht zu sagen.
Tag 47, Freitag, 09.04.2010
Heute musste ich <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> mal ein wenig eher aus der Falle quaelen, wenn ich endlich mal ein paar Tiere anschauen wollte und dazu ist man ja in Kenia oder ??? Naja, nicht wirklich. Wenn schon denn schon muesste man ja eine richtige Safari machen und da fangen die Preise bei so 100 EUR pro Tag und Person an. Das ist wohl ein bissl teuer und auch fuer den Nairobi National Park braucht man einen Jeep, also blieb nur der “Safari Walk”. Auch das ist nicht ganz billig, da man als Student nur dann Ermaessigung bekommt, wenn man sich 2 Tage vorher von seiner Uni angemeldet hat. Das hat die Uni Bangkok in meinem Fall leider versaeumt und so musste ich ein Adult Ticket fuer 1.600 Sh. loesen. Die Anlage an sich ist sehr schoen, aber es sind leider nicht zuviele Tiere vorhanden. Die Artenvielfalt ist zwar gegeben und man bekommt Hippos, Hyaenen, Affen, ein Nashorn, Schildkroeten, Antilopen, einen Leopard, Vogelstraeusse, Krokos, Zebras und faule Loewen, die nicht aufsteigen, zu sehen, aber eben immer nur so 2-3 Exemplare. Da gibts im Zoo Hannover im Preis/Leistungsverhaeltnis mehr zu sehen. Nach dem Mittagessen schrieb ich Couchsurferin Bea noch eine SMS, da sie sich mit mir auf einen Kaffee treffen wollte, aber irgendwie funktioniert das mit dem Treffen nicht, da meine SMS wohl nicht durchging. Naja, auch nicht schlimm, spart ja Geld, welches dann direkt wieder in das gute Tusker investiert werden kann. 6 Pfandflaschen hatte ich ja noch abzugeben, das wuerde schon mal fuer 2 neue reichen. Hier wird man noch zum Alki, obwohl es mit 85 Cent pro halbem Liter sooo billig nun auch wieder nicht ist. Nachdem ich im Internet fertig war und zuhause niemanden antraf machte ich <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> also auf den Weg zum Supermarkt. Unterwegs dann zufaellig Sandra getroffen, die grad vom Friseur kam (wieder mit Rastalook, was ihr auch deutlich besser steht) und mich spontan zum Supermarkt begleitete um gleich einen Grosseinkauf zu starten. Bier gibt es aber nicht in jedem Supermarkt und so musste ich mit dem 6 leeren Pfandpullen nochmal zur Kneipe stiefeln. Ab 20h wurde dann gekocht, aber wer jetzt denkt dann wurde ja um 20h30 gegessen taeuscht sich gewaltig. Die Kocherei ist hier immer eine sich ewig in die Laenge ziehende Aktion. Die gekauften Spaghetti wurden von der Juengsten zubereitet. Endlich mal wieder Nudeln, die sich die Familie sonst nicht so oft leistet. Naja, der komplette Einkauf lag bei 1.001 Sh., da kann man ja mal den Gerner spielen, wenn man schon die ganze Woche kostenlos wohnt und auch noch verkoestigt wird. Die beste Nachricht des Tages kam dann am spaeten Abend noch aus der Heimat: Der beste Eishockeyverein der Welt (die EC Hannover Indians, fuer die ganz unwissenden unter Euch) hat den Klassenerhalt in der 2.Bundesliga geschafft, zumindest sportlich, alles weitere weiss man im Eishockey ja fruehestens im Juli.
Tag 48, Samstag, 10.04.2010
Auch in der KPL wird leider mal kurzfristig was verschoben. So wurde mein fuer heute anvisiertes Match der Nairobi City Stars im Hope Center (Ground soll schlechter sein als der in Thika) auf Sonntag verlegt und das fuer Sonntag geplante Spitzenspiel Ulinzi Stars vs Sofapaka (Erster gegen Zweiter und Vorjahresmeister) aus Nakuru nach Naivasha verlegt. Damit wurde mir dann glatt ein Ground geklaut, da heute nur noch 2 Spiele zur Auswahl standen. Im City Stadium Gor Mahia vs Posta Rangers oder (beide zeitgleich) im Nyayo National Stadium Tusker vs Makahama. Die Fixtures der zweiten Liga (Nationwide Division One) herauszufinden war zu faul oder zu doof, Auslegungssache. Bei besserer Vorabrecherche haette man heute auch des <st1:City w:st="on">Derby</st1:City> in <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Dar es Salaam</st1:place></st1:City> anschauen koennen. Laut Internetberichten wurde fuer den Clasico SC Simba vs Young Africans trotz Preisen von 3 bis 30 EUR mit voller Huette und 60.000 Zuschauern gerecht. Aergerlich nur, wenn man solche Meldungen erst am Spieltag selbst liest, sich aber noch in einem <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">anderen</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Land</st1:PlaceType></st1:place> befindet. Haette, wenn und aber half ja nicht weiter, hier war ja auch Fussball und ich entschied <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> fuer diese Partie:
10.04.2010, 15h00 Tusker FC Nairobi vs Mahakama FC Nairobi (0-0) 1-0 vor ca. 115 Zuschauern im Nyayo National Stadium (30.000) in Nairobi.
Trotz freiem Eintritt sah es erst beinahe so aus als sollte dieses Match unter Ausschluss der Oeffentlichkeit stattfinden. Mit Anpfiff waren gerade mal 59 und ein Besucher im weiten Rund. Ein paar kamen zwar noch dazu, aber mein Zuschauerminusrekord fuer Erstligaspiele duerfte gebrochen worden sein (muss ich zuhause nachpruefen). Naja, man kann ja nicht immer alles richtig machen, sonst waere man ja ein extrem hektischer Mensch und wuerde in Ostniedersachsen einem Drittbundesligist die Daumen druecken. Den ersten Verlust der Tour gab es am 48. Reisetag nun auch zu beklagen. Die gute (und inzwischen reichlich verschwitzte und verdreckte) Schirmmuetze mit der “1896” vorne drauf wurde wohl in irgendeinem Bus liegen gelassen und befindet sich jetzt wahrscheinlich auf irgendeiner Maxiglatze. Da dachte ich noch das waere ein schlechtes Omen, als die Bundesligaergebnisse vom Tage per SMS hereinkamen. H96 4, S04 2. Hurra wir leben noch. Steht auf, wenn ihr die Derbies (gegen den HSV, gegen Werder, gegen Wolfsburg und gegen den FC St. Pauli wollt; Derby ist in Hannover nur gegen den SV Arminia) wollt. Damit sich von den 3 Spitzenmannschaft auch keiner benachteiligt fuehlt werden wir dann an den beiden kommenden Spieltagen erst die Bayern und dann Bayer weghauen muessen. Gleiches Recht fuer alle. Die ersten 10.000 Sh. neigten sich auch dem Ende zu und zur Sicherheit wurden nochmal 5.000 am Barclays Automaten nachgezogen, die koennen dann ja spaeter gegen andere Shillings eingetauscht werden. Heute verfuhr ich <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> zum ersten (und letzten) mal mit dem innerstaedtischen Bus, der uebrigens immer einen unterschiedlichen Preis hat. Das variiert von 20 Sh. wenn gar nix los ist bis 50 Sh. in der Rushhour, auch wenn das ja eigentlich paradox ist. So sah ich heute mal die etwas unschoeneren Ecken vom Stadtteil Kayole, aus denen ich <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> aber zu Fuss auch problemlos und ohne Rumgefrage wieder hinaus manoevrieren konnte. Zum Abendessen wurde nochmal Reis mit Bohnen angetischt. Reis hatte ich zwar Mittags schon, aber das wusste Sakina ja nicht. Caro war nach 2 Tagen Abstinenz auch wieder dabei und wollte wohl noch den Laenderpunkt Bundesrepublik Deutschland verbuchen. Da musste ich hart bleiben und zwar ohne dass Caros Haende oder Mund irgendetwas dazu beitrugen. Gute Nacht.
Tag 49, Sonntag, 11.04.2010
Der Tag des grossen Abschied war gekommen, Caro machte mir ein letztes Fruehstueck, da Sakina schon zur Arbeit geduest war, wohin wir uns dann auch per Matatu-Bus (so warden die 14er Minibusse genannt) auf den Weg machten um nochmal richtig “ciao” zu sagen. Mit schwerem Gepaeck einmal quer durch die Stadt zu eiern machte zwar wenig Sinn, aber es sollten ja auch noch 1-2 Abschiedsfotos gemacht werden und ich war ja nicht wirklich unter Zeitdruck, der Spielort Naivasha nur 85 Km weg und Kickoff sollte um 15h sein. Die jungen Damen wollten <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> allerdings gar nicht gehen lassen, aber sorry girls, ich habe auch noch andere Auftraege im Leben zu erledigen. Caro brachte <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> noch zum Matatu Bus und verzichtete clevererweise auf das Abschiedskuesschen, das sie mir sichtlich gerne gegeben haette. 11h45 ging es gen Naivasha los, 13h05 kamen wir an. Das Topspiel war ja vom eigentlichen Venue in Nakuru warum auch immer ins “Old Trafford” nach Naivasha verlegt worden. Der Ground ist allerdings gar nicht im Ort selbst sondern 20 Kilometer entfernt suedlich um den Naivasha See herum. Die Trottel im Bus (Fahrer und Ticketverkaeufer) vergassen aber mir rechtzeitig Bescheid zu sagen, wo ich auszusteigen hatte, obwohl am Busbahnhof in Naivasha so ziemlich jeder mitbekommen hat, dass der Musungu zum Fussballstadion wollte. So fuhr ich gezungenermassen eine Ehrenrunde bis zum Endpunkt mit und war dann erst um 14h48 am Stadion, welches von der Strasse aus nicht zu sehen ist. Es muss ein Komiker gewesen sein, der dem Ground mit der kleinen Holztribuene und auf 3 ½ Seiten nichts den Spitznamen “Old Trafford” verpasst hat. Das 2pm auf der Spielankuendigungstafel machte <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> ein wenig stutzig, aber es pilgerten noch etliche Maxis fuer 30 oder 100 Sh. (Tickets wieder mit Spielpaarung vom falschen Spiel) mit mir um kurz vor 15h in den Ground.
11.04.2010, 14h00 Ulinzi Stars FC Nakuru vs Sofapaka FC Nairobi (0-0) 1-1 vor ca. 1.200 Zuschauern im Karuturi Sports Ground “Sher Stadium” (4.000) in Naivasha.
Erst als es direkt mit dem Anpfiff eine Auswechslung gab schwante mir boeses. Der naechste Wechsel bei Ulinzi 5 Minuten spaeter brachte dann Klarheit in die Situation. Wir befanden uns bereits in der zweiten Halbzeit. Zwischendurch hatte Sofapaka zur Freude ihrer gut 200 Fans zum 0-1 getroffen. 6 Trommler gaben den Takt vor, der Rest der Meute sang fast ohne Pause durch. Auch die Ulinzi Fans waren einigermassen aktiv, wenn auch nicht so zahlreich auf der anderen Tribuenenseite. Stimmungsmaessig war dieses kuerzeste Fussballspiel meines Lebens also das beste in <st1:country-region w:st="on"><st1:place w:st="on">Kenya</st1:place></st1:country-region>. Ich kotzte natuerlich gewaltig, auch wenn der Ground nach den offiziellen Groundhopping Regeln ja trotzdem zaehlt. Nach meinen etwas hoeheren Anspruechen genuegenden Regeln zaehlt er eigentlich nicht, aber am Woertchen eigentlich merkt ihr ja schon, dass es dieses mal eine Ausnahme von der Regel gibt. Ich bin mir auch keiner Schuld bewusst, alle verfuegbaren Quellen sagten 3pm. Das aergerlichste ist ja, dass ich trotzdem noch puenktlich gewesen waere, wenn mir die Bustrottel Bescheid gesagt haetten, wo das Stadion ist. Alle im Busterminal wussten wohin ich will, nur die beiden Experten leider nicht. Naja, letzendlich ist man ja doch immer selber Schuld. Shit happens. Aber es stand ja auch noch null zu null und ich habe beide Tore des Tages gesehen, das vom Tabellenfuehrer, den Ulinzi Stars fiel uebrigens erst in der 94.Minute per Foulelfmeter. Da mussten die aufgebrachten Sofapaka Akteure von ihrem Coach zurueckgehalten werden um den Schiedsrichter nicht zu verpruegeln. Die Gefahr, dass ich nun –wie einige so genannte Hopper- zum Halbzeithopper werde besteht ja nun trotzdem nicht. Solange der Ball rund ist dauert ein Spiel 90 Minuten, auch wenn ich das Kreuzchen bei Naivasha inkonsequent wie ich nun mal bin  setzte. Frustriert fuhren die Sofapaka Spieler im vereinseigenen Mannschaftsbus gen Nairobi. Sponsor Blue Triangel Cement buttert scheinbar ordentlich Kohle in den Meister von 2009, denn selbst der Medical Assistant hat seine eigene Trainingsjacke mit Namensaufdruck. Fuer mich ging es ebenso frustriert in die entgegengesetzte Richtung. Noch gute Transportmoeglichkeiten nach Westen in Richtung Grenze zu Uganda zu haben war wohl das einzig positive an der Anspielzeit von 14h00. 150 Sh. bis Nakuru, dann nochmal 250 nach Eldoret. Gegessen hatte ich heute nur 2 Bananen, aber dabei sollte es auch bleiben, da in Eldoret um 21h30 kein geoeffnetes Restaurant mehr gesichtet wurde. Immerhin fand sich schnell ein passables Hotel fuer 650 Sh. in der Naehe vom Busbahnhof. Da auch keine Internetbutze mehr offen hatte war um 22h Nachtruhe angesagt. Wie die Reise weitergeht erfahrt ihr dann in Teil 8, also weiter am Ball bleiben.
Gruss aus Mbale und bis die Tage, H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 20.04.2010 14:09 Antworten mit Zitat
Alex-DA
 
Anmeldungsdatum02.12.2006
Beiträge276
WohnortMömlingen


Darf ich ganz vorsichtig fragen, ob Du noch lebst?

_________________
AFD
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(Kein Titel)
BeitragVerfasst am: 20.04.2010 14:47 Antworten mit Zitat
groundhopping
Gast
 


Alex-DA hat Folgendes geschrieben:
Darf ich ganz vorsichtig fragen, ob Du noch lebst?

Is bestimmt entführt worden.

@Linke´s Entführer: bitte Teil 8 reinsetzen.
(Kein Titel)
BeitragVerfasst am: 20.04.2010 15:12 Antworten mit Zitat
09marco
 
Anmeldungsdatum01.03.2007
Beiträge655
WohnortBremen


Francoforte hat Folgendes geschrieben:
Alex-DA hat Folgendes geschrieben:
Darf ich ganz vorsichtig fragen, ob Du noch lebst?

Is bestimmt entführt worden.

@Linke´s Entführer: bitte Teil 8 reinsetzen.

...und wegen Lösegeld Herrn Kind kontaktieren!
Benutzer-Profile anzeigen Alle Beiträge von 09marco anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Re:
BeitragVerfasst am: 20.04.2010 15:12
Google
 



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