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Groundhopping-Forum Foren-Übersicht -> Afrika -> Road to Johannesburg 2010
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Road to Johannesburg 2010
BeitragVerfasst am: 07.03.2010 20:27 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
Anmeldungsdatum08.12.2006
Beiträge645
WohnortPattensen


Hallo Fans.<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
Wir schreiben Montag, den 22. Februar 2010 und es sind noch genau 109 Tage bis zum Eroeffnungsspiel der FIFA Fussball Weltmeisterschaft 2010 in Suedafrika. Na und da dachte sich euer Schreiberling: “Da kann man ja schon mal so langsam losfahren”. Diesen Gedanken hatte ich natuerlich schon vor langer langer Zeit, wir werden ja nur eine WM auf dem schwarzen Kontinent erleben und wenn man dann nicht auf dem Landweg anreist, wann dann…. ??? Frei nach dem Motto: Ohne Fliegen fahr ich zur WM. War das wieder ein Stress bei der Abreise. Eigentlich wollte ich ja auch schon am Sonntag starten, aber da sich meine kleine moldawische Ex-Maus nicht im schoenen Bucuresti aufhielt sondern im fast ebenso schoenen Chisinau, was nicht auf der Reiseroute lag, haette ein Tag mehr in der rumaenischen Hauptstadt wenig Sinn gemacht. Sooo schoen ist das Paris des Osten naemlich auch wieder nicht. Also am Sonntag noch ordnungsgemaess Abschied vom Niedersachsenstadion (H96 Am. vs VfL Wolfsburg Am. vor 208 Zs.) und vom Pferdeturm (ECH vs EHC Muenchen vor 2.381 Zs) genommen. Wer weiss wann wir uns wiedersehen und ob ueberhaupt ??? Beim Eishockey dann im VIP Zelt beinahe versackt und erst gegen Mitternacht zuhause gewesen, was aber mit der geplanten Abfahrtszeit um 4h32 ganz gut passte. So wurden fix die 7 Sachen gepackt und nebenbei ein wenig olympischer Wintersport aus Vancouver angeschaut. Kurz vor 2h wurde ich aber dann doch zu muede und das Unternehmen “durchmachen” war beendet. Wecker auf 5h, ein Restrisiko zu verschlafen blieb natuerlich dennoch. Der 6h31 ICE nach Berlin wuerde aber auch reichen. Tatsaechlich vor Aufregung um 5h aufgewacht, aber die Abfahrtszeit nochmal grosszuegig um 2 Stunden nach hinten geschoben. Was war los ??? Etwa Bammel vor der grossen Reise ??? Zugegeben: Vielleicht schon ein wenig, denn diese Tour sollte ja doch alles andere als 08/15 werden. Von “pass auf, dass du nicht schon in Berlin ausgeraubt wirst” bis “wenn das einer durchzieht, dann du” waren in Sachen guter Wuensche einiges von den Fussballkameraden dabei. Um 7h quaelte ich mich dann endlich aus dem warmen Bett und verstaute den Rest im Rucksack. Eine letzte Dusche in den heimischen 4 Waenden und schon war ich startklar. Die Fenster waren eh alle zu, die Heizung abgestellt, das Radio ausgestoepselt und den Standby Knopf am Fernsehgeraet ausgeschaltet. So, noch die Tuer abschliessen und auf wiedersehen, im Idealfall am 13.07.2010 mit dem WM Pokal in der Hand. Den 7h32er Bus klassisch verpasst und als in Arnum der erste kleine Stau der zur Maloche fahrenden Malochertypen fuer weiteren Zeitrueckstand sorgte wurde ich schon ein wenig nervoes und sah imGeiste schon die Ruecklichter des 8h31 ICE. An der Wallensteinstrasse auf die Stadtbahn umgestiegen und so klappte sogar noch der Verpflegungskauf beim Lidl und der Erwerb der Zeitschrifenlektuere (Kicker und Spiegel) im Presseladen. Puenktlich ging die Reise los, nach Johannesburg, auch ohne Geld und hoffentlich auch ohne Floss. Na mal sehen, vielleicht ein Stueckchen den Nil rauf und runter. Der Rucksack war jetzt schon recht schwer, aber mit insgesamt 7 Buechern (3 zum lesen, 3 Reisefuehrer und selbstverstaendlich die Bibel, also die Fussballbibel namens Groundhopping Informer) und einigen Papieren, die nach und nach entsorgt werden koennen wird er sicher noch etwas leichter. Hab ich auch alles dabei ??? Nix vergessen ??? Naja, wird sich zeigen. Momentan denke ich zwar ja, aber was nicht da ist muss dann halt unterwegs nachgekauft werden. Der ICE in die Bundeshauptstadt war nicht sonderlich voll und ich war nicht in Hannover zugestiegen, das muessen wohl andere gewesen sein. Auch im EC 175 fand ich problemlos einen Sitzplatz und so zockelten wir via Dresden, wo in den 20 Minuten Aufenthalt noch ein paar organisatorischen Dinge zu erledigen waren, durch die herrliche saechsische Schweiz, die noch weitgehend schneebedeckt war. Ohne Umstieg ging es ueber Decin, Usti n.L., Praha, Kolin, Pardubice, Brno, Breclav, Kuty und Bratislava nach Nove Zamky. Nun war ich also auch endlich “abgefahren”, nachdem die gleichnamige Email vom Sauerland-Jens, der eine aehnliche Route auf dem Motorrad vor sich hat, bereits am Donnerstag im virtuellen Postfach eintraf. Ein kleiner Startvorsprung also fuer den Motorradhopper, aber den sollte ich wohl zuegig wettmachen, zumal das Rumfahren bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wohl auch kein Vergnuegen auf dem Bike ist. Aber von Jens seiner Tour lest ihr dann ja eh irgendwann im Sauerland-Echo oder im Sauerland-Echo-Buch, sofern genuegend spannende Schoten zusammenkommen. Vielleicht treffen wir uns ja mal irgendwo unterwegs. Im Gegensatz zu mir schien sich der Bayern Fan aber akribisch auf die lange Reise vorbereitet zu haben. Ich habe momentan ein wenig das Gefuehl etwas blauaeugig an die Sache rangegangen zu sein. Naja, wird schon schief gehen. Irgendwas bestimmt. Klar ist eigentlich nur die ungefaehre Reiseroute durch die Tuerkei, Syrien, Jordanien, Aegypten, den Sudan und dann einfach immer weiter gen Sueden. Einzig ein 7 EUR Transit Visa (+ 2x 3,50 EUR fuers Porto per Einschreiben hin und her) fuer die Arabische Republik Syrien verschoenert bisher den Reisepass. Ca. 500 EUR + 500 amerikanische Dollar als bares Startkapital sind auf zwei Geldbeutel verteilt, mit Brustbeutel oder Guerteltasche kann ich mich nicht so recht anfreunden, sowie ein paar Reste von Murmelwaehrungen der zu durchkreuzenden Laender. Ausserdem sind 3 Lonely Planet Reisefuehrer im Gepaeck: die Middle East Leihgabe von H96-Helge, das oestliche Afrika und das suedliche Afrika, womit von der Tuerkei bei Suedafrika alle Laender bis auf den Sudan mit Informationsmaterial abgedeckt waeren. Aus der Hardy Gruene Enzyklopaedie wurden die Fussballinfos zu den in Frage kommenden Staaten rauskopiert und RM-Michi sorgte noch fuer die google-maps Ausdrucke der wichtigsten Staedte auf dem Reiseweg. Und das war sie auch schon, die Reisevorbereitung. Rucksack schultern und los lautete das Motto. Bei den Tschechen hatte es wohl auch einen harten Winter gegeben, es lag noch jede Menge Schnee rum. Den kann ich langsam auch nicht mehr sehen und wuerde das das naechste mal auch gerne erst am Kilimandscharo. 8 von 36 Bahnreisenden in meinem Waggon waren mit Laptop ausgestattet, auch bei den Honzas geht der Trend im Zug also zum mobilien Computer. Mein altes Geraet war leider nicht dabei, das vom Spiertzer geliehene blieb im schoenen Pattensen zurueck, waere ja auch viel zu schwer gewesen. So beschaeftigte ich mich mit lesen der “Beziehungskiste 8” und erfuhr wo es 2007-08 utopisch brachial zu ging und wo eher brachial utopisch. Im wilden Osten und auch im amerikanischen Sueden wurde dem Fussballfreund jedenfalls wieder so einiges geboten. Bis Breclav lief alles 100%ig nach Plan, dann wurde mal eben 15 Minuten auf den Anschlusszug gewartet. Trotz der kleinen Schrift war die Bzk nach strammem Lesemarathon kurz hinter der slowakischen Hauptstadt durch und wurde im Zug der slowakischen Nachwelt hinterlassen. Schande ueber mein Haupt, aber bis Suedafrika wollte ich das gute Stueck dann auch nicht schleppen. Jedes Gramm zaehlt. Mit +10 trudelten wir in Komarno ein nachdem mein Anschluss in Nove Zamky tatsaechlich auch gewartet hat. Auf die slowakische Bahn ist noch Verlass. Jetzt hiess es flotten Schrittes die Donau nach Ungarn zu ueberqueren, was im Zeitfenster von 35 Minuten aber zu schaffen war, zumal ich den Weg ja kannte. Meine uebrigen Forint reichten leider nicht fuer die gesamte Fahrstrecke bis nahe der rumaenischen Grenze, was ueber 5.000 Ft gekostet haette. Da mein Interrail Global 100 ja leider in Ungarn nicht gueltig ist, musste ich erstmal die 194 Kilometer bis Szolnok fuer 3.360 Ft loesen. Die 22h10 S-Bahn nach Budapest-Deli gerade noch so erreicht und dann kontrolliert ne 19-jaehrige ganz alleine. Aber das kann man ja nicht ahnen. In der ungarischen Kapitale musste der Bahnhof von Deli nach Nyugati gewechselt werden. Die letzte Metro war aber schon Geschichte. Aber dank 5 Studenten an der Tram Haltestelle wurde mir weitergeholfen. Mit der 61 bis Moszkva ter, dann auf die 6 wechseln, einen Fahrschein wuerde ich um die Zeit nicht brauchen, denn der Automat waere eh kaputt. Diese staendigen Fahrkartenkontrollen sind ja sicherlich auch ein Mitgrund warum ich Ungarn hasse, aber diesmal ging zum Glueck auch ohne Ticket alles gut.
Tag 2, Dienstag, 23.02.2010
0h38-2h19 von Budapest-Nyugati nach Szolnok. Augen zu und durch. In Szolnok (78.000 Ew.) war der Bahnhof zwar des nachts offen, aber unbeheizt. Die oertliche Pennerszene ist anscheinend nicht sonderlich gross, so dass auch fuer mich noch eine Bank zum langlegen von 2h30 bis 4h frei war. Halbwegs zusammengerollt, aber schweinekalt wars. Da ich lieber kein Risiko eingehen wollte und auch morgens von 4-6h in Ungarn schon mal der Pruefdienst mitfaehrt hob ich mal 2.000 Ft am Automaten ab und zahlte 2.480 bis nach Biharkeresztes. Das Interrail wird ja noch bis mindestens Ankara benoetigt. 128 Km in Bummelzuegen mit Umstieg in Puespoekladany, geile Ortsnamen haben sie ja, die kleinen Magyaren. Ein wenig Hass kam auf, als die Uschi meinen 200 Forint Schein nicht akzeptierte und mir stattdessen eine 200er Muenze vor die Nase hielt. Da waren die alten gruenen Banknoten einfach so und ohne mein Wissen gegen Hartgeld ausgetauscht worden. Ein Skandal, wieder 0,80 EUR fuer die Katz, naja kommt halt in die Banknoten-Sammlung. Die letzte Etappe im tschechischen Triebwagen, 6h25 Ankunft in Biharkeresztes, wo die Sonne langsam aufging. Da war also gleich die erste Tournacht eine der Marke hardcore, kein guter Start in so eine Reise. Egal, da muss man durch, Rucksack auf und in den Morgendunst hineingeschlappt. Etwa 5 Kilometer sind es bis zur ungarisch-rumaenischen Grenze, das hatte ich mir auf google noch fluechtig angeschaut. In Bundeswehrmanier mal strammen Schrittes losmarschiert. 5 Km mit Marschgepaeck, geradezu laecherlich, auch wenn das waehrend meiner Armee Zeit 1997 deutlich schneller ging. An der Grenze erstmal fuer morgendliches Big Business bei der Geldwechslerin gesorgt. Die uebrigen 130 Ft wollten gegen 2 rumaenische Lei (4 = 1 EUR) getauscht werden. Jedes ueberfluessige Gramm an Gewicht muss verhindert werden. Hoeflich durchgewunken worden, willkommen in der EU. Die Uhr eine Stunde vorgestellt und dann bis etwa 9h gewartet, bis mich ein ca. 50-jaehriger rumaenischer Kauz die ca. 10 Km bis nach Oradea mitnahm und mich direkt am Gara rausliess. Multumesc. 4 Computer mit 2 Lei pro Stunde fuers surfen in der Bahnhofsspelunke sorgten fuer Erheiterung. Den Rucksack dann mal fuer 5 ROL im Bagage Office abgegeben und dafuer einen Zettel mit der Nummer 4 drauf bekommen. Ist ja alles hochoffiziell, passt schon. Dann mal ins Stadtzentrum gestromert. Wirklich eine nette Stadt mit einer knappen Viertelmillion Bewohnern. Das hatte ich von meinem Spielbesuch anno knips gar nicht mehr so in Erinnerung. Durch die Fussgaengerzone flaniert, da gibt es in RO ja immer jede Menge Sehenswuerdigkeiten. Aber auch viele alte schicke Gebaeude konnten begeistern. Bei 9,1 Gard liess es sich aushalten. Irgendwann dann mal zum ausgeschilderten “Bazin Olympic” aufgemacht, aber fuer den 50m Pool haette man a) ein aerztliches Attest, dass man auch gesund ist und b) eine Eintrittskarte aus dem Buero in der Stadtmitte gebraucht. Bisschen kompliziert fuer ein wenig planschen, dann halt nicht, bin ja kein Schwimmbadtester und schreibe auch nicht fuer den Schwimmbadreport, wie das einige hanseatische Kollegen zu tun pflegen. Das Hotelschwimmbad im Continental Hotel, wo ich einen Gratis Plan abstauben konnte, waere outdoor. Dafuer war es dann doch noch ein wenig zu frisch. Als naechstes mal zum Stadionul Municipal Iuliu Bodola gelaufen und nochmal ein paar Bilder davon gemacht. Im nahen Bahnhof ein wenig gelesen und ausgeruht, ehe es nochmal durch die Fussgaengerzone ging, um bei Kelly’s Pizza ein Riesenteil zu verdruecken. Nach 15/16tel musste ich die Segel streichen und war inkl. Getraenk mit 12,99 ROL dabei. Das sind Preise wie ich sie mag. Ein letzter Walk durch die Walking Area zurueck zum Bahnhof, dort noch ein wenig gesurft und ein paar Couchsurfanfragen verschickt. Bisher hat sich auf dem Gebiet noch nix getan, fuer Bukarest steht es null zu zwei, aber eine Option (weiblich natuerlich) ist noch offen. Schnell noch mit etwas Reiseproviant verpflegt stand der NZ nach Constanta auch schon bereit und setzte sich um 20h17 langsam in Bewegung. Das IR100 war wieder gueltig und die Platzreservierung wollte/brauchte ich nicht, denn der Schaffnix zuckte wohl ob der Verstaendigungsproblematik nur mit den Schultern. Ein Hoch auf die CFR. Um 23h stiegen in Cluj-Napoca dann drei Maedels in mein Abteil zu. An sich ja nichts schlechtes, wenn ich nicht nach der letzten harten Nacht a) schlafen wollte und sie b) nicht franzoesisch schnattern wuerden. Nach 20 minuetigem hin und her welches Abteil in welchem Waggon denn nun das bessere sei verzogen sich alle drei zu ihren Kumpels. Eine haette ja ruhig bleiben koennen…. Mit einem Auge wachsam auf allem Hab und Gut ausgebreitet und gen Bucuresti Nord gedoest. Auf der weiteren Fahrt gab es keine Stoerungen mehr, die Platzreservierungen hatten ja die Maedels.
Tag 3, Mittwoch, 24.02.2010
Gegen 9h fuhren wir dann an den altbekannten und immer noch herrlich anzuschauenden Plattenbauten am Nordbahnhof ein. Schoen hier wie eh und je. Fuer 7 Lei das Gepaeck abgegeben, dann eine Reservierung fuer morgen nach Istanbul geholt. Oh Schreck, nur Schlaf- und Liegewagen. 40 ROL fuer einen Liegeplatz, uneingeplante und vor allem unnoetige Zusatzkosten. Als naechstes musste die waehrend der Fahrt getragene Jogginghose gegen ein konventionelles Beinkleid gewechselt werden. In der Jogger rennen mir hier zuviele rum, da faellt man nur unnoetig auf. Ideal zum Klamottenwechsel und zum frisch machen ist das bahnhofsnahe Ibis Hotel. In der taeglichen Sportzeitung Pro Sport war fuer 17h ein Futsal Freunschaftsspiel gegen die Slowakei (oder wars Slowenien ???) angegeben, aber kein Hinweis auf den Spielort. Zu meinem geplantes Eishockey Match am Abend gab es immerhin auch einen Splitter. Aber ich brauchte konkrete Infos, also musste ein Internetcafe her. Nach ewiger Rumrennerei durch den typischen bukarester Nieselregen ohne irgendwen zu fragen sah ich zufaellig das M@us Internetcafe direkt am Piata Unirii. Eishockey nochmal bestaetigt, Futsal nicht wirklich gesucht, ist ja eh sinnlos. Wie auch dieses Couchsurfing in Laendern wo eine Uebernachtung unter 20 EUR (das war uebrigens der zweite Grundsatz der Tour: keine Nacht sollte mehr als 20 EUR kosten) zu haben ist. 3 Uschis in Bukarest hatte ich angeschrieben, 2 davon antworteten gar nicht, die dritte sagte wenigstens hoeflich ab. Bevor man da ewig Profile durchliest und selbst eine passabel klingende Email aufsetzt bucht man besser innerhalb von 2 Minuten ein Hostel. Dazu nahm ich mal einen Tipp aus dem Groundhopping Forum wahr. Das Tinahostel solle gut sein und der Constantin antwortete auch binnen Minuten auf meine Anfrage mit einem okay. So notierte ich die Wegbeschreibung und machte mich dann mal per Metro (2 Fahrten 2,5 ROL) auf die Socken nach Dristor. Von da war Block N3B auch schnell gefunden. Das Hostel besteht aus einem Zimmer mit 2 Etagenbetten in einer ganz normalen Wohnung, in der der Constantin mit seiner Mutter lebt. Picobello sauber isses aber, ich war der einzige Gast im 4er Zimmer und der erste Gast in diesem Monat. In der kalten Jahreszeit scheint Rumaenien fuer die Backpackerszene nicht sonderlich attraktiv zu sein. Constantins Monatseinnahmen belaufen sich aktuell also auf die 12 EUR, die ich passend ueber den Kuechentisch schob. Neben einer Tasse Tee wurde mir sogleich auch noch eine Portion Spaghetti hingestellt, da hatte mein Magen wohl zu laut geknurrt. Eine Dusche spaeter und schon dackelte ich durch die Plattenbauenghettos in Richtung Lia Manoliu Nationalstadion, welches gerade an alter Stelle von Grund auf neu gebaut wird. Zufaellig kam ich beim Friseur vorbei, naja und der letzte Besuch in Beijing war schon fast wieder 3 Wochen her. Da konnte ruhig nochmal nachrasiert werden, denn auf die schwulen arabischen Hals- aehm Haarabschneider habe ich in den kommenden Wochen sicher keinen Bock. So fuehrte kein Weg am “Purple Salon” vorbei. Chefin Aleea haette allein aufgrund ihrer Kurven bei Romania’s Next Topmodel gewonnen. Das war definitiv ne Bombe. Als sich dann allen Ernstes ein schwuler rumaenischer Friseur an die Arbeit machen wollte, musste ich schleunigst intervenieren und Aleea entschuldigte sich prompt, bevor die ca. 19-jaehrige Azubiene auf mein duenner werdendes Haupthaar losgelassen wurde. Ja, so mag ich das. Bei 9 ROL Endpreis gab ich freilich Trinkgeld, das sich die Maus durch ihren Unterkoerper an meinen Ellebogen druecken auch redlich verdient hat. Das war er also der sexuelle Hoehepunkt des Tages, der Woche und wahrscheinlich auch bis nach der WM, dabei hat sich das Frisiertuch was die Haare abhalten soll auf meine Hosenbeine zu fallen nicht mal um einen Millimeter nach oben bewegt. Aleea fragte noch ob ich eine “Masaj” moechte, stellte aber auf meine Nachfrage um welche Art von Massage es sich denn handeln wuerde direkt klar, dass es “no sexuell massage” waere. Na dann ist das wohl eher uninteressant. Ansonsten haetten ihr mir innerhalb von 30 Al-Bundy Gedaechnissekunden direkt nochmal nen 10er abknuepfen koennen…. Bis das Lia Manoliu fertig ist wird es wohl noch eine Weile dauern, aber bis zum Europa League Finale 2012 werden sie es wohl schaffen. Wer den Ground ansonsten braucht ist natuerlich mehr als fraglich, aber 3-4 pro Saison kann ja ein Laenderspiel die Huette fuellen. Von der Dame im Office des rumaenischen Eishockeyverbands gab es erstmal nur einen fragenden Blick und Schultern zucken auf meine Frage wann denn heute Abend Faceoff sei. So schaute sie auf einem an der Wand angebrachten Zettel nach und berichtete 20h30, wie es auch in der Zeitung gestanden hatte. Perfekt, eine Sorge weniger. Zufrieden ob der Neuigkeiten losgeschlappt und dann per Metro und 123er Bus ab Piata Unirii zur Bucuresti Mall, meinem Bukarester Lieblingseinkaufszentrum. Beim Optiker belasteten 30 ROL fuer ein Brillenetui die Reisekasse unnoetig. Ansonsten wurde nur geglotzt, denn bevor ich jetzt wochenlang nur arabische Schleiereulen und dickbruestige Maxifrauen zu Gesicht bekomme…. Umso aergerlicher, dass meine Moldova-Echse nicht im Lande war. Heute war Spaghetti Tag und somit schlug ich im Restaurant gegenueber der Eishalle noch bei einer Portion Carbonara zu. Inklusive erstem Tourbier (da gute Bergenbier aus der 0,5 Liter Flasche) waren wir bei 19 ROL, aber 5 EUR taten es auch. 20h in der Eishalle zur Tat geschritten, naemlich zum 26. Eishockey-Laenderpunkt.
24.02.2010, 20h30: CSA Steaua Bucuresti “Rangers” vs SC Municipal Fenestela 68 Brasov (1-0,3-0,0-2) = 4-2 vor ca. 200 Zuschauern im Pantioarul Mihai Flamaropol (8.000) in Bucuresti. LP 26.
Auf den 14 Sitzreihen sitzt man in dem typischen Ostblockbau recht weit von der Eisflaeche weg. Der gemeine Rumaene futtert gerne Vogelkoerner und Sonnenblumenkerne, der deutsche Exot passte sich nahtlos mit Pistazien an. Eine schoene Schweinerei auf den Raengen, da werden die Feger viel Spass beim reinigen haben. Immerhin konnte somit die Muedigkeit und Langeweile ein wenig ausgeglichen werden. Grosses Hockey wurde ja nicht gerade geboten. Der EC Hannover waere mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit rumaenischer Meister. 25-30 Jungspunde machten hinter ihren 2-3 Fahnen die teils aufgehanegt, teils geschwenkt wurden, so etwas wie Stimmung. Brachial war es nicht, aber vielleicht sass ich auf Hoehe Mittelline auch zu weit vom Gesinge entfernt. Nach 2/3 dezimierte sich der Ultramob auf etwa die Haelfte, da aufgrund der spaeten Anstosszeit wohl der ein oder andere Nachwuchsultra zu Mutti nach Hause musste. Na das Spiel war ja auch quasi schon entschieden. Ein Drittel spaeter hatten es auch alle anderen Besucher geschafft, ich den LP eingesackt. Wer sich so was oefter als einmal antut muss schon ein echter Fan sein. In 25 Minuten durch die Bukarester Nacht nach Hause gehirschelt (Gruss an Ober-L), wo neben Free Internet auch noch Olympia auf Plasma TV angeschaut werden konnte bis dann gegen 2h die Aeuglein von alleine zufielen.
Tag 4, Donnerstag, 25.02.2010
Bis 11h ausgepennt, da stand auch schon das Fruehstueck in Form von Ruehrei, Brot und Tee auf dem Tisch bereit. Kein schlechter Service beim Constantin, kann man sich mal merken. Der war auch sichtlich zufrieden, denn ueber hostelworld.com hatte sich ein Malaysianer fuer die kommenden Tage angekuendigt. Das Geschaeft laeuft also, in den guten Sommermonaten verbucht das Tinahostel so 70-80 Uebernachtungen, was ja nicht schlecht ist. Fuer mich war es an der Zeit mit Proviant bewaffnet die zeitlich sinnloseste Zugfahrt meines Lebens anzutreten. Abfahrt 8 Stunden vor Kickoff von Unirea Urziceni vs Liverpool FC, Ankunft in Istanbul 9 Stunden nach Fenerbahce vs Lille OSC. Duemmer gehts nimmer. 12h24 ab Gara de Nord im Liegewagenabteil fuer mich alleine. In Anbetracht der noch immer nicht vollstaendig weggetauten Schneemassen muss es auch in Romania ein heftiger Winter gewesen sein, nun muss es aber langsam echt mal aufhoeren mit diesem Winter. In dieser Hoffnung ging es gen Tuerkei, dem laut Spiegel modernsten Land in der islamischen Welt. Bei absolutem Schmuddelwetter, alles grau in grau, zockelte der Orientexpress zwischen Giurgiu und Ruse ueber die Donau und dann in gemaechlichem Tempo weiter durch Bulgaristan, wo mir bei irgendeinem Halt ein Tuerke in mein freies Abteil gesteckt wurde. Die Sprachbarriere verhinderte eine sinnvolle Konversation. Nachem Kicker, Spiegel und die rumaenische Pro Sport erfolgreich durchgearbeitet waren startete ich mich dem 1.300 Seiten Schinken “Die Saeulen der Erde”, einem der vielen Ken Follett Bestseller, welcher mir von NB-Frank schon vor Jahren waermstens empfohlen worden war. Viel Schlaf fand ich im Zug trotz bequemer Liege nicht. Entweder die Heizung war an und es war bullenheiss oder sie war aus und es kuehlte sich sehr schnell ab. Die tuerkische Passkontrolle zu der man einzeln im Office  antanzen darf ist auch nicht gerade schlaffoerdend. Lustlos donnerte Mustafa seinen Stempel in den Pass und erst nachdem auch die tuerkische Customs Controll das Gepaeck oberflaechlich durchleuchtet hat kann man versuchen weiter zu ratzen.
Tag 5, Freitag, 26.02.2010
Kurz nach 8h rollte der Nachtzug nach knapp 20 stuendiger Fahrt (fuer etwas mehr als 600 Bahnkilometer) in der tuerkischen Metropole am Sirkeci Bahnhof ein. Regen wie Sau und so fiel der geplante Rundgang um dem Topkapi Palast, die blaue Moschee und die Hagia Sophia buchstaeblich ins Wasser. Das haette sich auf digitalen Fotos zwar nochmal gut gemacht, aber war ja eh schon alles im Kasten. Von den 9 YTL Restgeld (2,1 = 1 EUR) wurden gleich mal 5 in einen Regenschirm investiert. Den kann man dann in Afrika ja bestimmt auch noch ein paar mal nutzen…. Zu Fuss ueber die Galatabruecke und von Karakoey mit der Faehre fuer 1,5 YTL nach Kadikoey. Hurra ich bin in Asien. Die Zuege ins Landesinnere der Tuerkei fahren vom Bahnhof Haydarpasa im asiatischen Teil Istanbuls los. 20 Minuten brauchte die morgens um 9h spaerlich besetzte Faehre, das grosse TCDD Logo war schon zu erspaehen und nach 5 Fussminuten war ich dann auch angekommen. Eigentlich wollte ich jetzt immer noch von der EURO 2008 ueberschuessige Franken wechseln, aber es war keine Wechselbude weit und breit in Sicht, so dass doch am GAA 200 YTL gezogen wurden. Wer will auch schon Franken haben ??? Die kleine Post im Bahnhof kam wie gerufen, da ich noch ein Einschreiben aufzugeben hatte, was mit 2,75 YTL gar nicht so teuer war. Nun muss es nur noch ankommen. 11h00 Zug nach Eskisehir. Erster Halt direkt am Stadion von Fener, die man gestern in der Europa League gegen Lille haette ausscheiden sehen koennen. Kollege Schaffnix wollte eine Reservierung sehen, ich hatte aber keine, was ihm dann aber auch egal war. Gute Arbeitsmoral. 15h30 mit fast +40 in Eskisehir (ca. 600.000 Ew.) eingelaufen. Adnan und sein Bruder luden mich noch auf ein Koefte Nachmittagsmahl ein und empfahlen mir Eskisehir als “Little Amsterdam”. Uebertreibung macht ja anschaulich, aber ein ganz nettes Staedtchen ist es schon, was man so in 2 Stunden zu sehen bekam. Darunter natuerlich auch das Atatuerk Stadyumu (jedes dritte Erstligastadion heisst so), welches recht klein ist und nicht wirklich ueberzeugen konnte, aber bis 2013 gemacht werden will. Denn sollte die Tuerkei Ende Mai den Zuschlag fuer die EURO 2016 bekommen wird auch in Eskisehir ein neues +30.000er Stadion gebaut. Bei Sonne und 14 Grad stromerte ich noch ein wenig umher bis dann um 17h37 der naechste Zug durch die dunkle Nacht in die tuerkische Hauptstadt rauschte. Naja, dieser ist eher langsam gefahren und war erst um 22h15 mit +70 in Ankara, aber es haette auch die Moeglichkeit eines ICE’s gegeben. Warum die Schnellverbindung von Eskisehir nach Ankara geht und nicht von Istanbul ist mir noch ein wenig raetselhaft, da kann man nur hoffen, dass die Strecke noch weiter ausgebaut wird. Dennoch recht komfortables reisen in den Zuegen der TCDD mit nur 3 Sitzplaetzen pro Reihe und auch 50% richtigen Toiletten neben den Loechern im Boden. In der 5 Millionenstadt kurz nach der Abfahrtszeit fuer morgen erkundigt, die sich mit meiner Internetrecherche deckte. Den grossen Rucksack fuer 4 YTL ins Schliessfach und per pedes zum Ulus Platz, wo ich aehnlich wie in Istanbul einige billige “Otels” vermutete. Ganz so wie in der Bosporus Metropole ist es in der Hauptstadt, die gerade auf 2 Seiten im LP Middle East erwaehnt wird, jedoch nicht und auch nicht so guenstig. Im fuenften Hotel (AS) waren wir aber bei 35 YTL handelseinig, nachdem ich in Hotel 2 quasi schon eingeckeckt hatte, es sich dann aber rausstellte, dass fuer die 30 YTL gar keine Dusche vorhanden ist. Im Restaurant um die Ecke wurde auch nach 23h noch warmes Essen serviert und auch das Internetcafe war noch geoeffnet. Pluspunkte fuer unsere muselmanischen Brueder und Schwestern. Die 26 TV Kanaele gaben allerdings nicht mehr viel her, Olympia auf tuerkisch ist nicht der Oberhit.
Tag 6, Samstag, 27.02.2010
Aber ich musste ja auch frueh wieder raus. Am sechsten Reisetag sollte endlich der Ball rollen. 7h15 aufgestanden und nach Abwaegung zwischen Tour-Bart a la Eishockey-Playoffs bis zur WM stehen lassen und wozu dann den doch einige Gramm schweren Rasierapparat mitgeschleppt zu haben schliesslich doch fuers rasieren entschieden. Fix geduscht und sogar mal gefruehstueckt, was ja im Preis enthalten war. 5 nach 8 zum Bahnhof gegangen und im vorbeigehen schnell das Stadion von aussen und die gerade noch im Bau befindliche Basketballarena (WM ab Ende August) abgeknipst. Fuers Gepaeck waren nochmal 3 YTL faellig, da ich gestern Abend die Bedingungen nicht richtig durchgelesen hatte. Die 4 YTL Startpreis waren naemlich nicht fuer 24 Stunden gut sondern nur fuer 4. Von Gleis zwei sollte der Zug um 8h39 losfahren, was er natuerlich nicht tat, da dieser aus Istanbul kommend verspaetet war. Wie lange wusste niemand, durchgesagt wurde auch nix. So warteten alle ab und harrten der Dinge die da kommen sollten. Mit +78 war es dann tatsaechlich der ersehnte Zug. Da haette ich das 19 Mayis Stadyumu ja auch noch in Ruhe und von Innen anschauen koennen. Ein Drittel des Zeitpolsters von Ankunft in Kayseri bis Spielbeginn war also schon aufgebraucht und der Puffer wuerde erfahrungsgemaess weiter schmelzen. Zuege mit Verspaetung holen ja nur in den seltensten Faellen wieder Zeit heraus, im Normalfall wird die Verspaetung immer groesser. Im vorbeirattern die Grounds in Elmedac und Kirikkale durch die dreckige Fensterscheibe abgelichtet. Und so schlichen wir im Schneckentempo durch die durchaus schoene Landschaft. Langsam machte ich mir allerdings Sorgen um mein puenktliches Erscheinen beim Spiel. Die Zeit schritt voran, aber der Zug kam nicht wirklich vorwaerts. Ab 17h30 ging es durch die finstere Nacht, ab 18h wurde ich zunehmend unruhiger, zumal ich auch keine Ahnung hatte wie weit es noch sein koennte und nichts angesagt wurde oder ich nichts davon verstand. Das kostet wieder Nerven. 18h33 erzaehlt der Schaffner im vorruebergehen was von “naechster Halt Kayseri”. 18h38 fahren wir am Stadion vorbei und ich denke mir so “das war doch ein Raumschiff und gar kein Stadion”. Dann zockelt der Zug noch eine gefuehlte Ewigkeit weiter bis um 18h51 fuer mich Endstation ist (fuer andere geht es noch bis Sivas weiter). Eine Verspaetung von +185. Rein ins Taxi, ab zum Stadion. Wenig Verkehr und noch weniger Fans unterwegs, da stimmt doch was nicht !?! 18h56 verklickert mir dann der Taxista, dass in 4 Minuten Anstoss sei. Na jetzt war aber jalla jalla. Faelschlicherweise war ich warum auch immer von 20h ausgegangen und waehnte mich noch gut in der Zeit. 19h02 am Stadion, 18 YTL aermer und losgesprintet, soweit das mit 2 Rucksaecken noch sprinten genannt werden kann.
27.02.2010, 19h00: Kayserispor 1966 vs Besiktas JK 1903 (0-2) 1-2 vor ca. 27.000 Zuschauern (2.000) im Kadir Has Stadyumu (32.864) in Kayseri.
Sesam 1 oeffnete sich wie von Geisterhand, an Gate 2 schickte mich der Ordner aber zum Fahrstuhl. In diesem Moment fiel das 0-1 und ich tobte ein wenig, wetzte aber flott die Treppe wieder runter und zum Lift, der dann ewig nicht kam, ewig brauchte bis er losfuhr und es ewig dauerte bis er oben ankam. Selten fuer 2 Stockwerke so lange in einem Fahrstuhl gewesen. Rausgerannt und bei 4:41 auf die Anzeigetafel und den gruenen Rasen geblickt. Natuerlich war ich richtig angepisst ob meiner eigenen Dummheit und natuerlich zaehlt der Ground dennoch. Den kann man dann zur EURO 2016 nochmal bestaetigen. Fehler 1: keine Zeitung gekauft. Zwar kann man in TR keinerlei Worte ableiten, aber Zahlen und Zeiten haette man schon lesen koennen. Fehler 2: Oestlich von Ankara mit dem Zug zu fahren. In Zukunft nur noch Busse, auch wenns teurer ist. Immerhin bin ich durch mein Unwissen nicht schondie komplette Zugfahrt uebr durchgedreht. Das Stadion ist ein absolut modernes Teil mit allem erdenklichen Schnickschnack, sogar Heizstrahlern. Dennoch gefiel es mir gar nicht so schlecht, nicht so ein 08/15 Neubaueinheitsbrei. Abgesehen von den Eckbloecken war des neue Spaceship gut besucht, die etwa 2.000 Gaeste machten ordentlich Alarm und hatten ja auch allen Grund dazu. Das Heimpublikum eher mies, 2 kleine Stimmungsbloecke auf unterschiedlichen Tribuenen, die aber den Rest nicht animieren konnten, was sicher auch am Spielverlauf und dem 0-2 in der 30.Minute lag. Der BJK Support war top, vor allem nach der 2-0 Fuehrung rockte der komplette Block richtig ab. Die ueblichen Wechselgesaenge und das bekannte “lalala…oh Besiktas” kamen schon arg laut aus der rechten oberen Ecke rueber, was von Heimseite teilweise mit Pfiffen quittiert wurde. Ex-96er Fabian Ernst wurde in der 70.Minute mit Kicker Note 4 (von mir) zurecht ausgewechselt. Er hatte zwar ein paar gute Szenen in denen er den Ball erkaempfte, aber insgesamt muss da mehr kommen. Nach dem Anschlusstreffer wurde es in der Schlussphase doch noch einmal spannend. Jetzt war das Stadion auch endlich aus seiner Lethargie aufgewacht und ging richtig mit, aber zu spaet, es reicht nicht mehr zum Ausgleich. Nachdem Fabe als Erster im Tunnelgang in die Katakomben verschwunden war machte auch ich mich schleunigst vom Acker. Ist ja eh kaum ein herankommen an die Spieler in so Fussballlaendern wie der Tuerkei, wo sie alle positiv verrueckt sind. Hole ich mir sein Trikot halt mal beim Heimspiel ab. Fix zur modernen Strassenbahn und 3 Stationen ohne Ticket durchs Drehkreuz geschluepft zum Otogar, der ca. 500 Meter von der Tramhalte entfernt ist. Naechster Bus nach Gaziantep um Punkt Mittenacht. Perfekt, 25 YTL und ab ins Restaurant. Huehnchen, Reis, Fladenbrot, Getraenk fuer 10 YTL.
Tag 7, Sonntag, 28.02.2010
Im Bus noch ein wenig gelesen und dann auf meinem Sitz weggenickt. Um 3h im Halbschlaf mitbekommen, dass wir ohne Sprit an einer noch geschlossenen Tanke standen. Tja, da waren Profibusfahrer am Werk. Mir wars egal, den meisten anderen Mitreisenden scheinbar auch. Nach gut einer Stunden hatten die Busfahrer das Problem geloest und es ging wieder voran. So waren wir statt um 6h halt erst um 7h in Gaziantep, wo es schuettete wie nix gutes. Am Otogar in sitzender Stellung versucht noch ein paar Muetzen Schlaf abzubekommen, dann mal fuer 1,25 YTL ins Zentrum gefahren. Kurz hintern Stadion raus, der Regen hatte noch immer nicht nachgelassen, der Schirm erwies sich als gute Investition. Die guten Adidas Marathon waren bei knoecheltiefem Wasser auf den Strassen allerdings im Nu durchweicht. Am Eisenbahnbahnhof gab es weder eine Gepaeckaufbewahrung, noch Zuege. Nur ins syrische Aleppo gibts noch eine woechentliche Verbindung fuer 8,80 EUR. So durfte das neue Ibis Hotel als Gepaeckaufbewahrung herhalten, was die Chefin nachdem sie meinen Pass kopiert hatte auch genehmigte. Im Hotel direkt am Stadion mal nach dem Preis gefragt, aber unter 40 YTL kam ich nicht. Das war somit zu teuer. Couchsurfing in der Tuerkei: null zu zwoelf, 3x nur geantwortet, dabei habe ich sogar mal nicht nur Madels sondern etwa halb und halb angeschrieben. Um 12h im Stadion direkt mal die Ticketfrage geklaert. Alles kein Problem, noch in ausreichender Stueckzahl vorhanden. Voll wirds eh nur gegen die grossen drei aus Istanbul und vielleicht noch gegen Trabzonspor. Aus der Sporthalle nebenan ertoenten Schiedsrichterpfiffe. Ein haesslicher blau-gelber Ball flog ueber das Volleyballnetz. Ladies haette ich mir sogar angeschaut, aber Maennervolleyball ??? Schwuler gehts ja wohl nicht mehr. Dennoch eine Weile in der Halle aufgewaermt und 2 warme Baguettes gegessen bis es wieder rueber ins Stadyumu ging.
28.02.2010, 14h00: Gaziantepspor 1969 vs Eskisehirspor 1965 (0-1) 1-1 vor ca. 10.000 Zuschauern (100) im Kamil Ocak Stadyumu (17.000) in Gaziantep.
Nicht ganz Suedostanatolien war auf den Beinen. Nicht mal 1% der sechstgroessten tuerkischen Stadt (1,1 Mio Ew.) hatte sich auf den Weg gemacht. Diesmal war ich also mehr als puenktlich zur Nationahymne im komplett ueberdachten Ground mit Athletikbahn. Heute war das Dach auch wichtig, den es hoerte einfach nicht auf zu schuetten. Die Platzkomission hat aber trotz grosser Pfuetzen zum Glueck entschieden das Spiel steigen zu lassen. Ich hatte um 12h schon boeses geahnt. So wurde es eine Wasserschlacht fast wie Deutschland vs Polen in Frankfurt bei der WM 1974. Die positive Ueberraschung des Tages waren die etwa 100 Gaestefans aus Eskisehir, die ihr Team ordentlich unterstuetzten. Auch die Heimkurve war mit den ueblichen tuerkischen Liedern bemueht fuer etwas Atmosphere zu sorgen. Erst kurz vor Schluss war das Publikum etwas erzuernt ob der sich anbahnenden Niederlage und hier und da brannte ein kleines Feuerchen aus Zeitungspapier auf den Sitzplaetzen. In der 94.Minute dann doch noch der verdiente Ausgleich und schon war wieder ueberall Friede, Freude, Eierkuchen. Naja, fast ueberall, denn nun wurde aus der Kurve gegen die Gaeste gepoebelt, die sich nicht lange bitten liessen und diverse Sitzschalen auf die angrenzende Haupttribuene donnerten. Mit Abpfiff stuermten einige Antep Hinchas das Feld, wurden aber von Polis und Ordnungsdienst eingefangen bevor sie die Awayecke erreichen konnten. Zu feindlichen Kontakten kam es also nicht. Ich umrundete im Nieselregen noch das Wahrzeichen von Gaziantep, die Zitadelle, welche gerade restauriert wurde, so dass ein Blick ins Innere und der Ausblick ueber die Stadt und das Stadion verwehrt blieben. Um 17h02 stand der 17h Bus nach Adana noch am Otogar bereit und wartete noch auf ein paar Nachzuegler wie mich. Waehrend der 15 YTL Fahrt stieg die Aussentmperatur von 6 Grad auf 14 Grad in gut 200 Km westlich gelegenen Adana. Genau 24 Stunden vor Kickoff des TSF Montagabendlivespiels der 2.tuerkischen Liga hatte ich den Spielort mit 1,5 Mio Einwohnern also erreicht. Das Otel am Otogar liess sich nicht unter 50 YTL druecken, die erste 3 Sterne Bude im Zentrum wollte gar 60 haben. Zwar wollte mir die recht huebsche Rezeptionistin weismachen, dass das fuer Adana guenstig waere, aber gleich um die Ecke ging es auch fuer 35 YTL ohne Fruehstueck im ebenfalls der 3 Sterne Kategorie angehoerigen Mercan Otel. Beim spaeteren Internetcheck stellte sich heraus, dass ich auch bei der Selma in Gaziantep haette fuer lau couchsurfen koennen, aber ich hatte meine Mails wohl zu frueh gelesen bzw. die junge Dame, die auch beim Spiel war  hatte zu spaet geschrieben. That’s life, shit happens. Zum Olympiaabschluss gab dann noch das Eishockey Finale Canada vs USA, welches mit tuerkischem Kommenater ziemlich einschlaefernd war. Am Ende wurde es ja doch noch spannend und erst Sidney Crosby rettete den zweiten Platz der deutschen Olympioniken im Medaillenspiegel. Danke dafuer.
So, wie ihr seht bin ich mit der Schreiberei genau eine Woche im Rueckstand. Ob sich das je wieder aufholen laesst steht in den Sternen. Aber ich gebe wie immer alles, nur damit ihr bestens informiert seid. Koennte ja auch weniger schreiben, aber ihr wollt es ja immer ganz genau wissen….
In diesem Sinne, Gruss aus Amman, H96
PS: Fotos gibts dann evtl. nach der Tour.
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BeitragVerfasst am: 11.03.2010 23:39 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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Moin Fans.<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
Da ich ja zeitlich noch immer in Verzug bin geht es jetzt schnell weiter mit dem zweiten Teil der Road to Johannesburg. Ach ja, bevor es los geht eins noch: Ich habe mich zwar die Tage mal bei diesem Facebook angemeldet, bin da aber noch nicht wirklich drin. Also tut mir bitte einen Gefallen und “added” mich erst nach der WM als “Friend”, wenn ich dann ggf auch ein paar Fotos hochgeladen habe….. Danke. So, jetzt wie immer viel Spass beim lesen:
Tag 8, Montag, 01.03.2010
Den achten Reisetag liess ich gemaechlich beginnen, heute hatte ich wahrlich keinen Stress. An der Touri Info, die gestern schon geschlossen war gab es einen Stadtplan, im Wechselbuero 84 YTL fuer 60 schweizer Franken. Automatisch fuehrte der erste Weg mit dem Stadtplan in der Hand zum Stadion. Flache Kurve, hohe Gegengerade, nur die Haupttribuene und eine halbe Kurve ueberdacht. Es wurde schon fleissig aufs abendliche Spiel vorbereitet und die Ultra hiessten sogar schon ihre Fahnen waehrend ich Leerbilder schoss. 20 Grad, Sonnenschein, Kaiserwetter. Das lud natuerlich zur Luftaufnahme aus einem benachbarten Hochhaus ein. Die Familie im 12. Stock war zur Mittagszeit ein wenig ueberrascht, liess mich aber auf ihren Balkon. Danach ein wenig im T-Shirt (die Tuerken liefen alle noch dick eingepackt rum und guckten entsprechend) die City erkundet, aber so richtig viele Highlights gibts in Adana auch wieder nicht. Hier ne Moschee, dort ne andere Moschee, das uebliche halt. Da war der Ausblick vom Hochhausdach ueber die Daecher der Stadt schon der Hoehepunkt. Im Restaurant einfach mal das mit 11,50 YTL teuerste Gericht auf der Karte geordert. Mit ordentlich Fleisch, Pommes, Salat, Brot und Getraenk wurde ich auch pappsatt. Beim Essen konnte die ein oder andere nette Yueksel angegafft werden, die auf dem Buergersteig an der Hauptstrasse entlang liefen. Bald mehr blonde Frauen hier als in Schweden. Die Tuerkinnen haben das Haarefaerben fuer sich entdeckt. Da blond scheinbar beautifuller ist als black schauspielerten auch die 4 Darstellerinnen einer Daily Soap in eben jener Haarfarbe. Ansonsten ist das tuerkische Fernsehen fuer den sprachunkundigen nicht so der Hit, da alle Filme synchronisiert werden. Bei einsetzendem Vollmond frueh zum Stadion aufgemacht und da war schon mehr los als ich dachte. Schon ein ziemliches Gewusel um die Ticketverkaufsbuden, die die Kurvenkarten fuer 15 YTL an den Fan brachten.
01.03.2010, 20h00 Adanaspor AS 1954 vs Bucaspor 1928 (0-1) 0-3 vor ca. 13.500 Zuschauern im 5 Ocak Stadyumu (14.100) in Adana.
Drinnen wurde auch schon gesungen und der Gast aus Izmir samt Anhang waehrend des Aufwaermens gnadenlos niedergepfiffen. Etwa zwei Busladungen vom Tabellenzweiten hatten den weiten Weg hinter sich gebracht und hingen eine grosse “Buca Fan Club” Fahne am Zaun auf. Auch vor 2.Liga Spielen erklingt die Nationalhymne. Zwar in meinen Augen nicht das sinnvollste, aber wenn dann alle Schals nach oben gereckt werden und mitgesungen wird macht das schon was her. Mit einem Sieg haette Adanaspor auf die zur Zeit von den Gaesten gehaltene zweite Tabellenposition, die zum Aufstieg in die Super Lig berechtigt vorruecken koennen und dementsprechend motiviert gingen die Jungs auch zu Sache. Aber die orangen trafen nur 3x die Querlatte, waehrend die neongelben dreimal klassisch konterten und sich so tabellarisch ein wenig absetzten. Dennoch wurde Adanaspor von 3 Tribuenen mit recht gutem Support bis fast zum Ende angefeuert, teilweise uebel laut, aber eben auch spielorientiert und nicht ultra tri tra trullala. Das war auf jeden Fall alles viel besser als ich es erwartet hatte. 5 Burschen hatten sich in der 80.Minute aufs Tribuenendach gestohlen und bombardierten die Gaeste mit einem Steinhagel. Diese entsorgten daraufhin Plastiksitze, die in der Tuerkei scheinbar nicht sehr fest im Beton eigeschraubt sind in den Innenraum. Daraufhin wurde der Awaypoebel in der 90.Minute von der Polis zu ihren Bussen begleitet, die aber schon belagert wurden. Von Heimseite aus wurde versucht zu attackieren, die Bullen setzten Traenengas ein und scheuchten die Bucaneers erstmal wieder in den Block. Die Traenengaswolke versprengte aber die Angreifer und so war Feierabend fuer heute. Lohnt sich in der TR also immer noch ein paar Minuten im Ground auszuharren, zumal es auch auf der Vip-Tribuene beinahe noch zu Handgreiflichkeiten gekommen waere.
Tag 9, Dienstag, 02.03.2010
5h20 aufgestanden und 20 Minuten spaeter hiess es guele guele Stadt mit der Nummer 01 auf dem Autokennzeichen, welche die Tuerken nach Staedtenamen alfabetisch durchnummeriert haben. 01=Adana, 06=Ankara, 34=Istanbul, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Um kurz nach 6h traf ich am Busbahnhof ein, von wo es entgegen der Lonely Planet Info keinen Direktbus nach Syrien (mehr) gibt. Fuer 18 YTL erstmal nach Antakya, die landschaftlich recht schoene Fahrt aber fast vollstaendig verpennt. Dort steht dann schon der Anschlussbus nach Aleppo bereit. Klappt ja alles wie am Schuerchen, 10 YTL. In rasantem Tempo wurde ab 9h30 ueber die gut ausgebaute Piste geprescht. Der Busfahrer hatte wohl noch Termine. Guele guele Tuerkiye, bis September 2011. Wellcom to Syria, so stand es da jedenfalls. Mehrere schnauzbaertige Grenzbeamte stehen dumm rum und schauen dem einen Kollegen, der wirklich arbeitet und die Daten der fast ausschliesslich tuerkischen Reisepaesse im Computer eingibt ueber die Schulter. Im richtigen Leben haben sie immer alle Zeit der Welt, an der Grenze werden sie zu kleinen Teamchefs. Grosses jalla jalla, da natuerlich jeder seinen Pass am weitesten auf dem Pult nach vorne schieben wollte. An meinem Transitvisa gab es nichts zu beanstanden, aber einen Abruck vom linken Daumen durfte ich noch abgeben, wozu auch immer ??? Nicht bloed nachfragen, einfach machen was gefordert wird. Die Visagebuehr war mit 7 EUR ja geradezu laecherlich gering. Da lohnt sich weder mein Arbeitsaufwand, noch eurer, ihr lieben kleinen Syrer. Verlangt doch bitte entweder einen richtigen Betrag oder lasst es am besten gleich ganz bleiben. Von der Grenze sind es noch gut 40 Km bis Aleppo (Halab auf arabisch), der mit 4,2 Mio. Einwohnern zweitgroessten Stadt Syriens. Die Steinhaeuser in den kleinen Ortschaften am Wegesrand erinnern wirklich ein wenig an “die Saeulen der Erde” und man kommt sich fast ein wenig vor wie Baumeister Tom. Mit Steinbruechen und Pferdekarren koennte man sich das richtig gut vorstellen, aber auch hier hat natuerlich die Moderne Einzug gehalten und es glaenzen die Satellitenschuesseln von den Daechern, was das Gesamtbild schon erheblich stoert. Vom Endpunkt des Busses in einem Hinterhof war es etwa ein Kilometer zu Fuss bis Aleppo Hauptbahnhof. Auf hoefliche Nachfrage beim Bahnhofssheriff konnte ich meinen grossen Rucksack am Servicepoint zur Aufbewahrung abgeben. Dann gings zum Fahrkartenschalter rueber, wo der Fahrkartenkauf ein wenig anders ablaeuft als bei uns. An Schalter 1 sagt man wann man wohin fahren will, was man natuerlich vorher erfragen muss, da es keinen fuer Nicht-Araber lesbaren Fahrplan gibt und reicht den Reisepass durchs Guckloch. Der Mokel gibt alle Daten in den Computer ein und man darf sich zu Schalter 2 gesellen, wo man dann nochmal ein wenig wartet und dann dem dortigen Mokel das gleiche erzaehlt. Wann wohin und wie man heisst. Dieser druckt nun den Fahrschein aus und kassiert das Geld, 240 syrische Pound (ca. 62 = 1 EUR) in diesem Fall fuer den 16h45 Zug in die Hauptstadt Damascus. Bevor die Reise dann aber losgehen kann muss man sich noch beim Sheriff melden, der dann alle Daten fein saeuberlich von rechts nach links in seinem dafuer vorgesehenen Buechlein eintraegt und die Fahrkarte mit seiner Unterschrift beglaubigt. Erst dann heisst es: gute Reise. Bevor es mich aber gen Damascus weiter zog hatte ich noch knapp 4 Stunden zur Stadtbesichtigung von Aleppo Zeit. Einen Stadtplan gab es an der Touri Info im Bahnhof, dann mal los. Das Aleppo International Stadium hatte ich aus dem Bus im vorbeifahren gesehen und als fuer zu weit zu laufen eingestuft. Unnoetig Geld fuer Taxifahren wollte ich nicht raushauen, auch wenn es in Syrien billig sein soll. Naja, die 61.000er Schuessel muss man ja eh mal mit nem Spiel machen, ein Pflichtground. Alle Hinweisschilder sind zweisprachig gehalten, die Orientierung faellt also nicht schwer. Auch hier war die Zitadelle leider gerade in einer Modernisierungsphase und konnte somit nur von aussen umrundet werden. Wieder keiner Fotos von der Stadt aus erhoehter Position. Grrr. Hier ein Foto, dort ein Foto, alles recht alt und nett, wie der Syrer an sich auch. Bei weitem nicht so aufdringliche wie ihre arabischen Genossen aus bspw. Tunesien oder Aegypten, aber sehr hilfsbereit, wenn man Hilfe benoetigt. Ansonsten wird man in Ruhe gelassen. 2 Dueruem fuer je 50 SYP verputzt, keine Internetbude entdeckt und 16h45 ab dafuer. 5 Stunden bis in die 4,6 Mio. zaehlende Hauptstadt. Aus dem Zug heraus noch das Al Baladi Stadium fotografiert, dann ein wenig gelesen oder versucht zu pennen, was in dem recht komfortablem Zug (auch hier nur 3 Sitze pro Reihe) auch gelang. Softgetraenke und Tee sind sogar im Fahrpreis enthalten, bei der syrischen Bahn ist jeder Kunde Banhkomfortkunde. Vom Bahnhof mit dem erstbesten Bus in Zentrum, ein paar Brocken englisch koennen hier die meistens, 10 SYP. Wo mehrere Hotelschilder blinkten raus, kurz ins Internet und nach dem Weg zum LP Hoteltipp gefragt. Diese Plaene im LP sind ja doch immer recht duerftig. Die empfohlene Butze war mir mit 1.000 SYP zu teuer, direkt neben an im Al Haramain Hotel gabs das EZ ohne alles fuer 700 SYP. Das war zwar in etwa meine Preisvorstellung, aber nicht wirklich meine Vorstellung von Hotel. Naja egal, fuer 2 Naechte wirds schon gehen. Wer braucht schon frische Luft ??? Shish Kebap zum Abendessen und dann im Internet meine eigentliche Planung nochmal komplett ueber den Haufen geworfen. Warum durch Syrien durchfahren und mich nach Amman abhetzten, um statt Syrien vs Libanon mit Jordanien vs Singapore zwar das wichtigere Spiel zu sehen, aber auch nur einen neuen Laenderpunkt dafuer zu kriegen. Was man hat das hat man schliesslich. Also nochmal umgeplant und fuer das Derby entschieden. Der Nachteil: weniger Zeit und Grounds in Egypt, wo ich ja aber eh schon 6 habe. Der Vorteil: mehr Zeit fuer Kultur und Grounds in Jordan. Wie man es macht… !?! Nun ja, jetzt bin ich schon mal am Spielort, mit meinem 3 Tages Transit Visum laesst sich das Match problemlos vereinbaren und in Jordanien soll am naechsten Wochenende laut diverser Internetseiten, die wahrscheinlich eh alle voneinander abschreiben, der Ball rollen. Also wird die 109 halt Syrien und Jordanien dann die 110. Im Hotel hatte ich die erste Nacht mit 20 US$ bezahlt und bekam noch etwas Geruempel heraus, das sollte locker fuers Essen reichen. Das bunte Spielgeld aus der Schweiz wollte selbst hier der Geldwechsler nicht haben. Nachdem die weitere Tourplanung fuer die naechsten Tage beschlossene Sache war fiel ich in den wohlverdienten Schlaf.
Tag 10, Mittwoch, 03.03.2010
9h aufgestanden und aus meinem Loch im ersten Stock ueber windschiefe Treppenstufen in den Keller gekraxelt, wo sich die Duschen befinden. Fuer eine Nacht verlaengert und dann mal im Schnelldurchlauf die Stadt erkundet. Nette Old City, aber 2 Stunden rumlaufen reicht auch um das wichtigste in der aeltesten ununterbrochen von Menschen bewohnten Stadt zu sehen. Hier 2 Bananen (25 SYP), dort ein Liter Sprite (30 SYP), da 2 mit Kaese gefuellte Sandwiches (25 SYP). Bei diesem Preisen laesst es sich leben, auch wenn die Preise in letzter Zeit allgemein und bei Benzin und  Hoteluebernachtungen im besonderen explodiert sein sollen. Das Stadion hatte ich schon aus der Altstadt gesehen, so war die Richtung klar und der Ground tauchte irgendwo ohne nachzufragen vor mir auf. Den zwei riesigen Flutlichtmasten auf der einen Seite stehen zwei recht verkuemmert wirkende gegenueber. 23 Reihen nackter Beton sollen 35.000 kleinen Syrern Platz bieten. Durch eine Luecke im System schluepfte ich bereits um kurz nach 12h hinein in die gute Stube, als gerade die Flaggen der Teilnehmer gehisst wurden und das Stadion eigentlich noch gar nicht geoffnet war. Die 8 aufgestellten Werbebanden blies der frische Wind direkt wieder um, und erst nachdem noch jeweils 8 Banden von WM-Sponsor MTN fachmaennisch dazwischen gestellt waren hielt die Konstruktion Wind und Wetter stand. Die Syria TV Zuseher wird es gefreut haben.
03.03.2010, 14h30 Syrien vs Libanon (2-0) 4-0 vor 16.000 Zuschauern (0) im Al Abbasiyeen Stadium (35.000) in Dimashq. LP 109.
Noch bis weit in die erste Halbzeit hinein stroemten die Massen bei freiem Eintritt und ohne Eintrittskarten durch die Eingangstore ins weite Rund hinein. Viele verpassten damit den Blitzstart ihrer Mannschaft. 2-0 nach 10 Minuten, der Drops war schnell gelutscht, auch wenn das Spiel fuer die Qualifikation zum AFC Asian Cup 2011 in Qatar ja eh nicht mehr von Bedeutung war. Syrien war schon dabei, Libanon ohne Chance sich noch zu qualifizieren. Die zu 99% maennlichen Zuschauer (ein paar wenige Frauen haben sich doch ins Stadion getraut) wollten mehr Tore von nahem sehen und wechselten zur Pause die Seite. Eine Voelkerwanderung, aber zurecht, denn auch im zwoten Abschnitt klingelte es noch zweimal im Kasten der ueberforderten Libanesi. Mit lauten Pfiffen wurde auf die arabische Art der Einzug ins Endturnier bei inzwischen kuehlen Temperaturen gebuehrend gefeiert. Auf dem Rueckweg zum Hotel kehrte ich noch in einer Pizzeria ein. Auf meinen 20 US$ Schein gabs einen Haufen Kleinkram raus. Haetten die kleinen Jordanier ihr Spiel auf 20h statt auf 18h angesetzt haette ich wohl den Taxidoppellaenderpunktehopp probiert. Aber beim Parallelspiel im Iran (19h30 gegen Thailand) waere es sonst wohl zu spaet geworden. 1 Tag 1 Laenderpunkt, reicht ja auch. Durch den kalten Wind zum Hotel durchgekaempft und die warme Jacke geholt. Diesmal wollte mir der Hotelmokel auf meine 20 US$ nur 180 Pound statt 220 wie gestern rausgeben. Waere gestern ein Fehler beim Umrechnungskurs gewesen. Na klar, dann gib halt 5 Dollar raus. Im Dunkeln noch zum Busbahnhof gefahren und schon mal das Busticket fuer morgen Nachmittag nach Amman gekauft, 500 SYP. Waere zwar nicht noetig gewesen, aber das man weiss ja vorher nicht. Im Internetcafe fiel dann erstmal der Strom aus, zum Glueck schreibe ich nix wichtiges.
Tag 11, Donnerstag, 04.03.2010
Gegen 10h das Gepaeck im Hotel abgestellt und nochmal auf den Weg in die City gemacht. Zu den in den Hang gebauten Haeusern war es allerdings doch weiter, als es aussah. Zwischendurch hatte ich einen Flutlichtmast erspaeht und dorthin zog es mich nun. Es verbarg sich tatsaechlich ein Stadion dahinter, naemlich das vom Barada Club. 10.000 duerften schon reinpassen, kann man mal angeschaut haben. Noch ein wenig umher geschlendert, die letzten Pfund in Essen und Trinken verbraten und fuer 10 SYP mit Bus Nr. 15 zum Busbahnhof. Die Abfahrt der Fernbusse ist etwas versteckt weiter hinten auf dem Terminalgelaende. 15h sollte es losgehen, fast 16h wurde es bis wir uns endlich mal aus der Stadt der knallgelben Taxihorden (wie auch in Aleppo bestimmen die gelben Taxis das Verkehrsbild, gefuehlt ist jedes zweite Auto ein Taxi) raus quaelten, da noch Mitreisende an einem anderen Terminal eingesammelt wurden. Dennoch war die Kiste nur halbvoll, was mit 2 Plaetzen fuer mich recht angenehm war. Eine Stunde spaeter waren wir an der Grenze. Syrien verlangt 500 SYP Ausreisesteuer, was einen klaren Minuspunkt fuer das ansonsten sehr positive Land gibt. 12 Dollar fuer nichts. Und bei der Einreise nach Jordanien gingen gleich nochmal 11 EUR fuer quasi nichts (Visa) weg. Dann wollte mich der Syrer/Jordanier mit deutschem Pass auch noch bescheissen und meinte ich solle ihm 15 EUR fuer die 10 JD Visagebuehr geben, da dies nur in einheimischer Waehrung bezahlt werden kann. Nee, da wechsel ich lieber mal an der Bude 20 Meter weiter. Da gabs dann 18,8 Dinar fuer 20 EUR, was immer noch ein relativ schlechter Kurs ist. Bei mehereren Wechselbuden an der Grenze hatte ich jetzt aber auch nicht die Zeit um alle zu pruefen, mein Bus wartet ja auch nicht ewig auf mich. Aber ich war gar nicht der Problemfall. Meine Briefmarke fuers Visum war ruckzuck eingeklebt, ueberstempel, fachgerecht verwischt und es hiess “welcome to Jordan”, was man in den folgenden Tagen noch desoefteren hoeren sollte. 30 Tage darf man bleiben, will man aber gar nicht. Mehrere irakische Staatsbuerger waren mit an Bord und deren Passkontrolle zog sich mindestens eine Stunde in die Laenge. Einige Jordanier wurden schon hibbelig, ich hatte die Ruhe weg, es gab ja ausser der Hotelsuche am Abend keine Termine mehr. Durch die zusaetzliche Warterei zog sich die Gesamtfahrzeit auf 6 Stunden, was ein paar Local Heroes ein wenig aufregte. 21h am Busbahnhof der Firma JETT in irgendeinem Hinterhof angekommen wirkte Amman (ca. 2,2 Mio. Ew.) in dieser Gegend wie ausgestorben. Alles verrammelt, kaum noch Verkehr und schon gar keine Linienbusse ins Zentrum mehr. Der erste Befragte faselte was von 3 Km und bei guter Beschilderung lief ich trotz heavy luggage mal zu Fuss ins City Center. Klappte auch hervorragend, nur der Lonely Planet Hoteltipp (Hotel Palace) war fuer heute schon ausgebucht. Unter anderem von einem schweizer Motorradfahrer (motorbikeworldtour.com oder so aehnlich). 2 Buden weiter war im “Cairo” fuer 6 JD was in der Kategorie grenzwertig frei. Naja, eine Nacht geht (fast) immer. Fuer 1,5 Jaydee, wie die kleinen Jordanier ihre Waehrung Dinar nach der Abkuerzung JD nennen, gabs noch ein Falafel Abendessen. Der Bankomat spuckte direkt die gewuenschten 200 JD aus. 1 JD ist uebrigens in tausend Fils unterteilt, oder in 100 Piastres, etwas verwirrend das ganze, zumal es keine Preise wie 896 gibt. Alles kostet 50 oder 100 am Ende. Fuer 0,75 JD oder 75 Piastres oder 750 Fils gings noch kurz ins Internet, dann war um 23h Feierabend.
Tag 12, Freitag, 05.03.2010
10h aufgewacht und zum Abdali Busbahnhof im Norden, von wo die Busse gen Norden fahren sollten. Wuerde ja auch Sinn machen, aber es gibt noch einen anderen Busterminal noch weiter noerdlich und da heute der heilige Sonntag in der islamischen Welt ist faehrt sowieso nur eigeschraenkter Verkehr. 1,20 JD fuer 4 Km im Taxi und schon wird man belagert. Nach Ramtha will ich. “Heute keine Busse, 10 JD” meinte Mohamed. Na, ich schau nochmal weiter und siehe da es geht auch fuer 2 JD mit drei anderen Reisenden im Privat-Pkw. Ca. 80 Km, ca. 125.000 Ew., am Busbahnhof nicht viel los, waren wohl alle in der Moschee. Die Stadt hat nix zu bieten, direkt zum Stadion durchgefragt, einer hats mir aufgemalt, die Masten waren aber nach zweimaligem Abbiegen eh schon von weitem zu sehen. Kein reinkommen in die Bude, rundherum verriegelt. Da deutete nichts auf ein U18 Ligamatch in gut 2 Stunden hin, wie mir Kollege Leisner von Soccerway per Email mitgeteilt hatte. Kein offenes Tor gefunden, also mal einen alten Eimer umgedreht und versucht ueber die Mauer wenigstens ein Haupttribuenenfoto zu bekommen, als gerade der Platzwart daher kommt und sich wundert was ich denn da auf dem Eimer mache. Er nur arabisch, ich nix arabisch, aber er ruft wen an, der englisch spricht. Shareef war dann auch bald da, sprach aber auch nicht wirklich englisch und wusste nix von einem Spiel am heutigen Nachmittag. Nach gefuehlten 20x welcome und einer Tasse Tee im Office wurde noch der Vereinspraesident antelefoniert, der in bruchstueckhaftem englisch “today…. No football” erklaerte. Na gut, dann haben wir halt mal fuer 3,20 EUR einfache Fahrt einen Erstligaground angeschaut. Jetzt auch kein so grober Fehler. Ist ja eh nicht mein Ding Grounds oder gar Laenderpunkte mit Jugendrotz zu machen, waehrend sich andere durch so einen Mist ja die Groundqoute hochpuschen. Shareef gab mir zur Sicherheit mal noch seine Nummer, die mich freilich nicht viel weiter bringt und fuhr mich netterweise noch die 3 Kilometer ins Stadtzentrum zurueck. In einem gar nicht schlecht aussehenden Restaurant mit den Fingern gespeist. Wozu haben wir eigentlich Besteck ??? Geht doch mit den Haenden viel einfacher sich Fleisch, Pommes und Salat in den Mund zu schieben. Man muss halt nur aufpassen mit welcher Hand man isst, denn die andere wird im arabischen Raum ja dazu genutzt, wenn das Essen hinten wieder raus will…. Einer der Taximokel am Busbahnhof wollte 15 JD fuer die Fahrt nach Amman, ich hielt 2 Finger in die Hoehe, um den Betrag, den ich zu zahlen bereit war klarzumachen und schon wurde auf ein noch leeres Auto gedeutet. Na geht doch, die 3 weiteren Passagiere trudelten auch zuegig ein und schon fuhren wir mit 120 Km/h ueber die zweispurigen und gut ausgebauten Fernstrassen zurueck in die Hauptstadt. Zu sehr uebertreiben sollte man die Raserei aber nicht, denn alle Nase lang steht die Polente und blitzt unschuldige Autofahrer. Es war noch hell und da hake ich doch gleich mal die Touripunkte in Amman ab. Das roemische Theater, die ehemalige Zitadelle, heute eher eine Ruine von der man aber einen guten Blick ueber grosse Teile der Stadt hat und noch einen netten Sonnenuntergang. Da das Loch im Boden meiner aktuellen Behausung nicht fuer groessere Geschaefte geeignet war ging ich mal zum Bellevue Hotel den Berg hinauf, von wo man wirklich einen schoenen Ausblick hat und alles zur Zufriedenheit erledigen kann. In der Lobby gleich noch ein wenig relaxed und die weitere Tagesplanung gemacht, bevor ich wieder nach Downtown, was in Amman wirklich mal stimmt, streunerte. Im Internetcafe meines Vertrauens war die Leitung stabil und der Stromfluss bestaendig, so dass ich gleich mal mit dem Tourreport begann, bis mich der Hunger ueberkam und mich ins Stammrestaurant (seit gestern) fuehrte. Dort gucken zwar alle bissl komisch wie ich mir mein Futter zufuege, aber letzendlich landet ja doch alles im gleichen Magen….
Tag 13, Samstag, 06.03.2010
Nach 2 Tagen war der Auszug aus dem schaebigen Cairo Hotel mehr als ueberfaellig. Im Palace hatte ich gestern Abend noch reserviert und konnte mein Einzelzimmer ohne Bad schon um 10h beziehen. Schon deutlich besser und mit richtigem Klo, wenn auch auf dem Gang. Aber halt auch zum doppelten Preis. Mit eigenem Bad und Satellitenfernsehen waeren es sogar 20 JD. Wenn es das TV gratis dazu gibt gerne, aber extra dafuer bezahlen: nein danke. So wichtig ist die Glotze gar nicht. Weder beim jordanischen Fussballverband noch auf der sudanesischen Botschaft wurde der Telefonhoerer abgenommen. Die Behoerden machen sich alle ein langes Wochenende. So wurde der Orga-Tag verschoben und was mit dem angebrochenen Tag angefangen ??? Ein gestern im Hotel getroffener, eher bibeltreuer Kanadier meinte die alten Steine in Jerash waeren interessant. Das Hotel bot eine 18 JD Tour dorthin an, aber das schaffe ich wohl auch alleine. Ein Taxi zum Nordbahnhof, dann fuer 0,70 JD nach Jerash, wo einen der Busfahrer quasi vor dem Eingang zu den Ruinen rausschmeisst. Jede Menge alte Steine, Saeulen, zwei roemische Amphitheater gibt es zu sehen. 8 JD Eintritt (auch fuer Studenten) sind ein wenig uebertrieben, aber es gibt ja scheinbar genuegend trottelige Touris die das zahlen, Anwesende eingeschlossen. Eine Roemer/Gladiatorenshow von einer halben Stunde Dauer gibt es auch noch. Durchaus alles ganz interessant und nett gemacht. Muss eine ganz schoene Stadt gewesen sein, dieses Gerasa, wie der Name zu Zeiten der alten Roemer war. Die Wagenrennen und Gladiatorenkaempfe sollen bis zur Haelfte der damaligen Bevoelkerung (bis zu 30.000) in die Arena gelockt haben. Damit waere das Nummer zwei Highlight in Jordanien nach Petra also schon mal abgearbeitet. 1 ½ Stunden reichen dafuer locker aus. Ein langbaertiger Inder fragte noch ob ich denn ein Foto von ihm mit ein paar Saeulen im Hintergrund machen koenne. Na klar geht das, “you are welcome”. Schicht im Schacht und erst 14h30. Da kann ich mir ja auch noch die Burg in Ajloun anschauen, die auf der Hoteltour mit im Programm steht. 10 JD im Taxi oder einfach mal an die Strasse stellen und den Daumen in den Wind halten. Was werd ich wohl gemacht haben ??? Fahrer eins bis drei fuhren woanders hin, Nummer 4 war mein Kandidat und brachte mich bis vor den Burgeingang. Dann wollte er aber Kohle haben, sagte jedoch weder wieviel noch vorher ueberhaupt irgendwas davon. Nach kurzem jalla jalla trennten sich dann aber die Wege, einen grossen Umweg wird er schon nicht gemacht haben. Ein ueberraschenderweise deutschsprachiger Taxifahrer wollte mir bei der Rueckfahrt nach Amman “helfen”. Erst brauchte ich aber ein Ticket fuer die Burg, welches 1 JD gekostet haette, aber nur im Buero am Fusse des Berges erhaeltlich waere. Im Taxi sass der Inder aus Jerash und da der auch meinte es gaebe von drinnen nicht wesentlich mehr zu sehen als von draussen umrundete ich dir Burganlage einmal, drueckte ein paar mal auf den Ausloeser und gut war es. Also rein ins Taxi mit dem Inder und Abfahrt, Meister, denn nach Amman muss ich ja auch. “Was kriegste denn fuer die kurze Strecke von mir ???” Taximokel: “Was wollen Sie geben ???” Ich Mokel: “Maximal 2 JD, habe ja keinen Zeitdruck”. Taximokel: “Ich dachte ich mache dir einen Freundschaftspreis, weil du ja Deutscher bist, sagen wir 25 JD”. Jetzt bog sich jemand auf der Rueckbank vor lachen, ich konnte nicht mehr, aber das war noch gar nicht der eigentliche Hoehepunkt. So fragte ich auf englisch den Inder, der in Dubai lebt und scheinbar einen guten Job haben muss, wieviel er denn fuer die Tour mit dem Taxi bezahlt. Hab ich mich jetzt verhoert oder hat der Inder, der gestern schon eine Rundfahrt mit selbigem Taxiabzocker gemacht hat, gerade “onehundred” gesagt. Hilfe, ich muss hier raus. Ein schoenes Leben noch ihr Trottel, wobei der Taxista ja ein cleveres Kerlchen ist und nach 2 Tagesfahrten seine Familien die kommenden 2 Monate ernaehren kann. Wahnsinn, was fuer unselbstaendige Menschen es doch gibt. Fuer 15-25 JD haette man ja auch eine Tagestour in einem der vielen Hotels buchen koennen, wenn man die Orte alleine nicht findet. Der angestrebte Bus von Aljoun war gerade voll und wieder meinte die Taximafia unisono es waere der Letzte. Ein paar Jordanier fielen auch drauf rein, aber es war natuerlich nicht der Letzte. Fuer 0,90 JD gings zurueck und somit standen Fahrtkosten von insgesamt 3,45 JD auf der Sollseite. Die 8 JD Eintritt waeren im Tourpaket naemlich auch nicht dabei. Mit Internet und TV Fussball im Hotelgemeinschaftsraum (Almeria vs Barscha 2-2 und Roma vs Milan 0-0) klang der Abend gemuetlich aus.
Tag 14, Sonntag, 07.03.2010
Die Nacht war unruhig und nachdem auch noch der Muezzin seinen Unmut ueber die Unglaeubigen um 4h30 in die dunkle Nacht hinaus gebruellt hatte kam auch noch ein Alptraum dazu. In Osnabrueck schubste ich einen Nuernberger die steilen Stehraenge hinunter. Passt alles nicht richtig zusammen, ich weiss, aber so sind Traeume wohl. Nochmal versucht bei der JFA anzurufen, mit dem Ergebnis, dass die Uschi erst nachschauen muesse und ich in einer Stunde nochmal zurueckrufen solle. Das uebernahm dann Fatima von der Rezeption, der dann auch eines von sechs geplanten Spielen am Wochenende mit einer falschen Anstosszeit mitgeteilt wurde. Unfaehigkeit hoch zehn. Vom Mahejudeen Busbahnhof machte ich mich waehrenddessen fuer 0,60 JD auf den Weg zum toten Meer bzw. bis zu einem Abzweig dorthin. Den Rest musste ich trampen, was in Jordanien aber super klappt, auch wenn einige scheinbar wirklich erwarten, dass man einen Taxi oder Buspreis-aehnlichen Betrag fuer die Befoerderung gibt. Laenger als 10 Minuten wartet man jedenfalls nie und trampen ist bei mir immer noch umsonst. Am “Dead Sea” dann mal den Eintritt von 15 JD versucht zu umgehen und durch einen Schleichweg auf eine der 4-5 Sterne Hotelanlagen gemogelt. Aber es dauerte auch nicht lange nachdem ich mit hochgeschobenen Hosen bis zu den Knien im Salzwasser stand und da kam auch schon der Lifeguard und wollte wissen wo mein Ticket ist. Na in meinem Hotel Palace war leider nicht die richtige Antwort. Was solls, mach halt mal kurz ein Foto von mir wie ich im toten Meer stehe und dann habe ich meinen Auftrag hier auch schon erfuellt. Mehr wollte ich ja gar nicht, obwohl man sowohl von Wasser- als auch Lufttemperatur (beide nahe der 30 Grad) locker haette baden gehen koennen. Klar ist das Wasser am tiefsten Punkt der Erde (400m unter normal Null) zwar auch, aber einfach zu versalzen. Dreimal die Fuesse gewaschen um das Salz wieder abzukriegen. Und der Eintrittspreis in diesen Luxus- oder Spahotels ist mit etwa 16 EUR in einem Billigland wie Jordanien natuerlich auch stark uebertrieben, wie fuer soviele Sehenswuerdigkeiten (siehe auch Petra in Teil 3) in Jordan. Also weiter im Programm und zwar nach Madaba. Das ging wieder mit dem Daumenexpress und war trotz zweimaligem Umstieg top. In der griechisch orthodoxen Kirche von Madaba befindet sich am Boden ein Mosaik, das die Landkarte des nahen Ostens aus dem 6. Jahrhundert darstellt. Ganz nett, wie auch die gesamte Kirche, die das komplette Nest zur Tourihochburg macht. Souvenirstaende an jeder Strassenecke. Per Zufall entdeckte ich beim umher schlendern noch das Ministadion (2.000 Plaetze) bevor ich fuer nen halben Dinar wieder gen Amman schipperte. Da es nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr viel zu tun gibt, ausser Essen vielleicht, hackte ich mal noch ein paar Buchstaben fuer Euch in den PC. Bei arabischen Talkshows noch ein wenig gelesen und gute N8. Waehrend die Dortmunder Homepagebetreiberfraktion das .docx aufgrund von veralteter Software nicht oeffnen kann gab es andererseits wenig Kritik. Also wenn ihr Probleme beim oeffnen des Anhangs habt geht einfach auf das Groundhopping Forum und lest meinen Bericht dort. Ach Mist, das koennt ihr ja jetzt gar nicht lesen, ihr konntet den Anhang ja nicht oeffnen…. Naja, das ist dann wohl Pech….
Gruss aus Amman, H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 11.03.2010 23:39
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BeitragVerfasst am: 17.03.2010 19:32 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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Salem Aleikum, Fans.<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
Und schon geht es weiter mit Teil 3. Da habe ich ja wieder im Akkord geschrieben und ihr fragt euch sicher schon woher ich auf so einer Tour bloss die Zeit nehme. Ja, eine halbe Stunde Arbeit gehoert schon pro Tag dazu um die Geschehnisse des Tages zusammen zu fassen und die Tastatur gluehen zu lassen, was inzwischen immerhin recht fix geht. Bin zwar noch weit vom 10-Finger-System entfernt, aber das 2-Finger-Suchsystem gehoert auch seit einiger Zeit der Vergangenheit an. Aergerlich ist es halt immer nur, wenn wie z.b. in einigen Ostblockstaaten das y und das z vertauscht sind oder das tuerkische i ohne i-Punkt daherkommt. Genug der sinnlosen Einleitung, auf zum wesentlichen:
Tag 15, Montag, 08.03.2010
Die Faulheit siegte mal wieder ueber die Selbstdisziplin und so schaffte ich erst den 11h Bus nach Petra, 5 JD. Da ich ja am Donnerstag wieder da bin konnte ich das ueberfluessige Gepaeck im Aufbewahrungsraum im Palace Hotel lassen. Wird schon keiner meine dreckigen Klamotten stehlen. Die gut 3-stuendige Fahrt ist recht unspektakulaer und geht fast ausschliesslich durch karge oede Wuestenlandschaft. Gegen 14h30 kam der Bus dann in Wadi Musa, dem 15.000 Seelen Nest oberhalb von Petra an. Gleich mal von den  anderen Touris im Bus abgesetzt und alleine bergab gedackelt. Schlauer waere es natuerlich gewesen weiter oben erstmal nach einem Hotel Ausschau zu halten, denn Achtung Logik: je naeher man zum Eingangsbereich kommt umso teurer sind die Hotels. Allen voran dann das Moevenpick und das Marriott. Zum Glueck war ich schon mental auf die Fantasieeintrittspreise vorbereitet worden. 38 JD kostet ein Ticket fuer 2 Tage. Wem der Petra Ground noch fehlt sollte sich dennoch mit dem Besuch ein wenig beeilen, denn ab 1.November diesen Jahres werden die Preise nochmal um mehr als 50% erhoeht. Die spinnen, die kleinen Jordanier. In den folgenden 2 Stunden also erstmal jede Menge alte Steine und fast ebenso viele alte Touris, die da in Horden angekarrt werden angeglotzt. Die Touris haben zurueckgeglotzt, die Steine nicht. Auf den Ruecken von Eseln, Pferden oder Kamelen kann man innerhalb des riesigen Areals auch voran kommen, aber das kostet natuerlich extra und bringt ja nix, wenn man nicht gerade seinem Frauchen imponieren will. Auch abseits der Felsenstadt sind alle Preise auf Touriabzocke getrimmt. 6,75 JD hatte ich bisher auch noch nicht fuer ein Abendessen hingelegt, da bekommt man in Amman 3 Mahlzeiten fuer. Auch das Internet ist doppelt so teuer wie in der Hauptstadt, so dass ich nicht am Bericht weiter geschrieben habe. Bei ca. 60 Stunden (grob geschaetzt) entstehen ja eh schon Kosten in Hoehe von ca. 60 EUR ueber die gesamte Reise gerechnet, die mir von Euch keiner erstattet, ausser vielleicht mein Premium Kunde der Lokist Wink. Alles nur damit ihr auf der Arbeit euren Spass habt…. Aber in meinem Hotel “Moon Valley”, dem ersten bezahlbaren oben am Hang, hatte ich ja auch an die 1.000 Fernsehsender zur Auswahl. Darunter weit ueber 100 in italienischer Sprache. Viele waren aber auch kodiert, also Playboy TV ging leider nicht rein und so war Fashion TV der Erotikkanal Numero Uno. Aus Deutschland waren nur das ZDF, RTL und RTL 2 im Angebot. Nicht gerade der Hit, aber Montags mit “Wer wird Millionaer ???” schon ok. Da weiss die Uschi (oder hiess sie Susanne ???) die Antwort auf die 1 Million Euro Frage (Asterix & Obelix) und traut sich nicht sie auch zu geben. Wahnsinn. Freut man sich da eigentlich noch ueber die gewonnenen 500.000 oder aergert man sich ueber die nicht gewonnenen 500.000 ??? Bei der Summe ist es wahrscheinlich egal, um die Welt zu komplettieren reicht es ja in jedem Fall. Waere auch mal ne gute Antwort auf Guenter seine Frage: “und, was machense mit dem ganzen Geld ???”. “Die Welt komplett”.
Tag 16, Dienstag, 09.03.2010
Nach einer oberflaechlichen (da nur kalten) Dusche mit ein paar Teigwaren (2 JD), drei Suedfruechten (1,40 JD) und knapp 3 Litern Fluessigkeit gegen 10h bergab Richtung Eingangstor spaziert. Die Temperaturskala hatte die 30 bereits ueberschritten. Am zweiten Tag wurden die Tickets dann auch abgerissen, nachdem man am ersten Tag seinen Namen auf das Stueck Papier schreiben muss. Personalisierte Tickets um den Schwarzmarkt zu vermeiden. Hoffentlich kommt das nicht auch in der Bundesliga, wobei es wohl auch da nur noch eine Frage der Zeit ist. Da der erste Tag 35 EUR kostet, der zweite und der dritte Tag aber nur je 5 EUR extra haben sicher frueher schon irgendwelche Schlaumeier versucht zu tricksen. In 4 Stunden ist man in Petra mit dem Wichtigsten durch, will nicht sagen man hat alles gesehen, dafuer ist das Gelaende einfach zu gigantisch, aber das was man sehen und fotografieren muss hat man erledigt. Alles weitere ist Zugabe. Bereits nach 1/3 derWegstrecke war ich total kaputt, aber es ging immer weiter, immer weiter. Um das letzte sehr gut erhaltene Kloster zu sehen geht es ca. 40 Minuten ueber 800 in den Stein gehauene Stufen, die kreuz und quer verlaufen, streng bergauf. Oben angekommen (und das haben auch alle 70-jaehrigen Touris japsenderweiser, also die natuerlich auch, geschafft) wird man mit dem herrlichen Klostern und einem grandiosen Ausblick ueber ganz Petra belohnt. Fusskranke koennen wie schon erwaehnt aber auch auf Eseln oder Pferden heraufreiten, was den Tieren aber auch sichtlich keinen Spass macht. Ueber den ca. 1 ½ stuendigen Rueckweg quaelte ich mich wie in Trance, fuehlte mich irgendwie total schlapp und nicht mal in der Lage den Polonia Bytom Fan im Trikot anzulabern. 17h den Berg rauf mitnehmen lassen, im Hotel noch kurz nach dem ersten Bus nach Aqaba fuer morgen frueh (7h, was aber gelogen war) gefragt und dann direkt ins Bett. Kurz Skispringen aus Kuopio angeschaut. Neben der Schanze habe ich immerhin schon mal im Hostel gepennt und dann auch hier versucht zu schlafen. Heute haette ich wohl zu ersten Mal im Leben eine Aspirin eingeworfen, aber in meiner spaerlich ausgestatteten Reiseapotheke befinden sich nur zwei Heftpflaster aus chinesischen Restbestaenden. Zuhause denke ich mir ja immer: was von alleine kommt geht auch von alleine wieder weg. So moege es hier auch sein.
Tag 17, Mittwoch, 10.03.2010
Im ZDF Morgenmagazin von der 2-3 Niederlage der Bayern in Firenze erfahren. Gut so, nicht dass Bayern verloren hat, sondern dass sie eine Runde weiter sind. Ins Finale muesst ihr aber nicht ausgerechnet in diesem Jahr kommen. Das wuerde mich sonst naemlich ganz schoen dolle aergern, wenn ich das hinter irgendeiner Huette in Zambia sehen muesste J. Na und wenn ein Russe 100 Minuten im 2 Grad kalten Eiswasser ausharren kann, dann werd ich mich wohl mal fuer 2 Minuten unter die kalte Dusche stellen koennen. Im weiteren Reiseverlauf werde ich wohl froh sein, wenn es ueberhaupt mal eine kalte Dusche gibt. 6h42 am Busbahnhof von Wadi Musa und der Bus nach Aqaba war just im Moment ausverkauft. Es werden auch nicht mehr Passagiere befoerdert als Plaetze vorhanden sind, was ja eigentlich ne gute Sache ist, ausser wenn man selbst die Nummer eins im neuen Bus ist, denn bevor “full” vermeldet wird geht es eben auch nicht los.19 Mitfahrer fehlten noch, 7h40 waren alle da. Im Sueden Jordaniens geht sie bereits los, die Touriabzocke. Ich frage nach dem Fahrpreis, da sagt der Busfahrer doch glatt: “five”. Na das passt doch nicht denke ich mir, so teuer ist es ja bis Amman, nach Aqaba ist ja maximal ein Drittel der Strecke. Also mal neugierig geschaut was denn so die anderen bezahlen, schon gab mir der Vogel noch einen Dinar wieder und fragt dann noch scheinheilig ob ich denn Gepaeck haette, was aber nichts extra kostet. Kein Gepaeck, noch einen Dinar wieder retour. Jetzt waren wir bei 3, die hatte der Geschaeftsmann neben mir auch bezahlt, allerdings fuer sich und seine Frau. Nochmal hoeflich nachgefragt was denn mit dem Rest sei und nach jalla jalla und deuten des Busfahrers auf einen anderen Bus erstmal klein beigegeben. Noch ne Stunde warten musste ja nicht sein, klaeren wir das Wechselgeldproblem eben am Zielort. Dort trafen wir 2 Stunden spaeter ein, wobei die ersten Minuten der Fahrt hoch ueber Petra recht spektakulaeren Aussichten bieten. Danach noch etwas gepennt und inzwischen war ich auch halbwegs wieder fit. Aqaba, gut 100.000 Ew. So Cheffe, wat is nu ??? Alle haben 1,50 JD bezahlt, ich bin noch bei 3, da krieg ich nach Adam Riese nochmal 1,50 raus. Nochmal zickt er rum, gibt erst einen und hat wohl gehofft das Spielchen wuerde mir irgendwann zu bloed. Das klappt aber nicht mit allen Touris, du Obermokel. Apropos bloed, na wer war das wohl wieder ??? Logo, der Taxifahrer. Aus Embassy of Egypt wurde ganz schnell nur Egypt und die Fahrt ging in Richtung Faehranleger. Zum Glueck sofort gemerkt und von dem unfaehigen Kollegen verabschiedet, der nun noch einen halben Dinar haben wollte. Nee Kollege, fuer Dummheit wird leider nix bezahlt. Von der jungen Empfangsdame in einem nahen Kreditinstitut das Reiseziel in arabisch notieren lassen und schon ging es deutlich einfacher. Der naechste Taxista wollte allerdings 5 JD, adios und Nummer 3 meinte der Taxameter ginge nicht. Na dann steig ich mal schnell wieder aus. No Meter = No Taxi. Kandidat 4 machte einen sympathischen Eindruck und verlangte nur 1 JD, war also mein Kandidat. Haette ich den Busbahnhof im LP-Plan richtig lokalisiert haette man die kurze Strecke auch laufen koennen. Im aegyptischen Konsulat war nicht sonderlich viel los. Visaantrag ausfuellen, ein Passfoto bei, 12 Dinar und um kurz vor 11h war eine Passseite mehr vollgestempelt. Wenn das ueberall so einfach ginge. Der Fussweg zum Busbahnhof dauerte eine Viertelstunde und ein 20er nach Wadi Rum stand so gut abfahrbereit da, 2 JD. An einer Abzweigung, von wo es noch ein paar Kilometer zum Visitor Center sind rausgeschmissen worden und den Rest locker getrampt. Ein paar alte Steinformationen angeschaut, wo einst Lawrence von Arabien rumgeisterte und ein bissl durch die Wueste getapert, was durch den tiefen Sand recht anstrengend war. Um das Wadi richtig kennenzulernen braucht man einen Jeep fuer den man sich ab 40 JD einmieten kann. Ohne mich, reicht auch so fuer 2 JD. Zurueck zur Hauptstrasse dann mit 2 Jordaniern dumm rumgestanden. Von einem Mietwagen (70er Nummer) haette ich nie gedacht, dass er anhaelt um 3 Mann mitzunehmen, aber Vati und Sohn aus Dresden machten genau das. Die Kletterer hatten aber wenig Fussballfachwissen und Sohnemann fragte allen Ernstes wie denn Werder Bremen am Wochenende gespielt hat ??? Keine Ahnung, na hoffentlich verloren…. !?! Am Abzweig von den Klettermaxen verabschiedet und dann von den beiden Eingeborenen davon gestohlen, denn zu dritt trampt es sich nicht so gut. Alleine geht das besser, so auch hier. Wobei das eigentlich nicht in die Kategorie Trampen faellt, das war eher was a la Mitfahrgelegenheit.jo. Der erste wollte schon “money”, bekam aber fuer die kurze Strecke (vielleicht 50 Km) nix, der zweite wollte dann glatt 7 JD fuer die noch ausstehenden 250 Km bis Amman. Naja, direkt bis Amman war natuerlich top, da blieb ich am Bord und der Kollege liess sich noch auf 5 JD runterhandeln. Musste ja auch noch was essen und hatte nur noch den 10er. Der Rest reichte aber im McD zum Laenderpunkt mit Big Maec Meal fuer 3,34 JD. Schnell nochmal nen Hunni fuer die restlichen Tage in Jordanien gezogen und dann im Cairo Hotel 10 Minuten an der unbesetzten Rezeption gewartet, aber es tat sich nix. Also eine Bude weiter zum Al Naser Hotel, wo es fuer 8 JD sogar Sat.-TV dazu gab. Allerdings war ich nur noch fit genug um das Aus von Puta Real in der Champions League zu erfahren. Da kann also dieses Jahr nur noch der HSV das Finale im eigenen Stadion erreichen.
Tag 18, Donnerstag, 11.03.2010
Zur Feier des Tages im Hard Rock Café Madrid T-Shirt um Punkt 9h im Taxi zur Botschaft vom Sudan. Der Fahrer wusste ueberraschenderweise sogar direkt Bescheid, obwohl es weit war. Nix los in der Botschaft, aber wer will auch schon freiwillig in den Sudan ??? Der Mokel schaut meinen Pass an, fragt warum ich denn in den Sudan will (gute Frage) und wie ich anzureisen gedenke. Ich antworte wahrheitsgemaess weil es auf dem Weg nach Johannesburg liegt und von Assuan aus mit der Faehre. Dann warte ich einige Minuten, bis der Mokel mir mitteilt, dass ich mir das Visum in Aegypten abholen solle. Entweder direkt bei der Botschaft in Cairo oder auf dem Konsulat in Assuan. Angeblich stellen sie hier nur Visa fuer Jordanier oder direkte Einreisen aus Jordanien aus. Ich vermute allerdings die beiden Helden waren einfach nur zu faul ihre fetten Aersche aus dem bequemen Chefsessel zu bewegen und beschimpfte sie noch ein wenig bevor ich mich unvollrichteter Dinge von dannen schlich. Sudan: Ein Drexxland, soviel steht also schon mal fest. 5 EUR Taxikosten fuer nichts und wieder nichts. Wieder in Downtown checkte ich erneut bei Fatima im Palace ein und bekam diesmal sogar ein Zimmer mit Balkon und Blick auf den Hof. Na wenn das nix ist. Mein Rucksack war auch noch dort wo ich ihn im der Abstellkammer hingestellt hatte, konnte wohl keiner meine dreckigen Klamotten gebrauchen, sind ja noch nicht in Afrika. Die arabische Tageszeitung erwaehnte sogar eine der beiden Partien des Tages namentlich, jedoch ohne genaue Anstosszeit. Vor dem Weg ins Petra Stadium, wo der erste Kick steigen sollte ging es aber noch ins Currency Museum. Bekanntlich bin ich ja kein Museumsfreund, aber mit dem Muenzen sammeln habe ich schon zu einer Zeit angefangen, als der HSV (Hamburger Sport Verein) noch deutsche Meister gewesen ist. Die aelteren unter euch koennen sich eventuell noch schemenhaft daran erinnern. Eine schoene Sammlung mit vielen antiken kostbaren Stuecken haben sie da, die man sich bei freiem Eintritt mit einem englischsprachigem Guide, der einem ein paar Sachen dazu erklaert, anschauen kann. Meinen Sack dreckige Waesche konnte ich fuer 4 JD im Hotel waschen lassen, heute Abend waere es fertig, meinte Fatima. Per Taxi (1,5 JD) gings dann zum Amman International Stadium in der Sport City. Dort wird gerade der Platz neu gemacht. Nebenan im Petra Stadion (vorher alles auf google-maps angeschaut, feine Erfindung) nach der Anstosszeit gefragt: 15h, perfekt. Naja und wenn ich schon mal da bin dann lasse ich mich doch auch gleich noch vom Trainer der Frauennationalmannschaft, dem ich meine wirkliche Meinung ueber Frauenfussball aber besser vorenthielt, zum JFA Office fahren. Alle Termine fuers Wochenende abgeklaert, nicht nach Souvenirs oder Buechern gefragt und wieder ab dafuer. Nach einem weiteren Maecci Meal im Shopping Center rueckte der Anpfiff zum Laenderpunkt auch immer naeher:
11.03.2010, 15h00 Shabab Al Ordon vs Al Karmel (2-0) 4-0 vor ca. 140 Zuschauern (50) im Petra Stadium (5.000) in Amman. LP 110.
Keine Werbung, keine Anzeigetafel, kein Stadionsprecher, old school, aber ganz ganz old. Eintritt wurde auch nicht verlangt und so gab es auch keine Eintrittskarten. Sehe ich zum Glueck nicht so eng. Wenn es keine gibt dann gibt es halt keine. Das Spielniveau war nicht mal so schlecht wie befuerchtet. Fallrueckzieher im eigenen 16er, Seitfallzieher in der neutralen Zone, fluessiges Spiel, technisch versiert. In der Halbzeitpause wurde der Rasen als Gebetsteppich missbraucht. Woher die bloss immer so genau wissen in welcher Richtung dieses Mekka liegt ??? 6 Minuten Nachspielzeit bei 4-0 und 11 gegen 10. Zwar ging es um einen Doppler, aber zum Glueck hatte ich es nicht wirklich eilig, da das zweite Spiel des Tages von 17h auf 18h gelegt wurde:
11.03.2010, 18h00 Al Wihdat vs Al Arabi (3-0) 3-1 vor ca. 2.000 Zuschauern im King Abdullah bin Al Hussain Stadium (18.000) in Amman.
Der 11-malige Meister, aktuelle Tabellenfuehrer und scheinbar beliebteste Klub des Landes traf auf den Letzten. Das versprach Tore satt. Hier sah es auch schon mehr nach Fussball aus. Schoene Tickets vom Verband mit der Saison und Spielpaarung gab es fuer 2 JD, sogar Fahnen und Schals waren im Fanartikelsortiment von Wihdat. Aus Gewichtsgruenden musste ich aber verzichten davon etwas fuer die eigene Kollektion zu erwerben. Da in Jordanien jeder ueberall und staendig raucht, was auf Dauer ziemlich nervig ist, setzte ich mich waehrend der 15-minuetigen Unterbrechung mal ein paar Reihen um. Leider war das nicht weniger nervig, denn nun sass ich direkt vor dem Livescore-Kommentator, der das gesamte Spiel mit so elementar wichtigen Kommentaren wie “home attack, away save, home free kick, free kick taken, free kick wide, away save, away attack, away corner, corner taken, home save….. und so weiter in sein Telefon blubberte. Da dreht man doch auf Dauer schon vom zuhoeren durch und wer braucht das bitteschoen ??? Reicht doch wenn er die Tore, Verwarnungen etc. mitteilt. Wihdat schaltete nach dem Seitenwechsel zwei Gaenge zurueck um sich fuer das kommende AFC Cup Match am 16.03. zu schonen, die Stimmung war dennoch ganz okay. Es wurde getrommelt, geklatscht und/oder gesungen. Nur ein paar mehr Zuschauer haetten ruhig kommen duerfen. Im Taxi nach Hause, noch ein bissl geschrieben und die Livescore Resultate aus der Europa League verfolgt. Laeuft doch der Betrieb.
Tag 19, Freitag, 12.03.2010
Ausgepennt und wieder einmal auf das Fruehstueck verzichtet. Der Playoff Bart wuchert nun inzwischen doch vor sich hin, denn entweder gibt es keinen Spiegel im Bad oder was oefter vorkommt es gibt keinen Stromanschluss in der Naehe eines Spiegels. Mit der englischsprachigen Jordan Times (0,25 JD) bewaffnet im Taxi zum Nordbahnhof und mit dem Bus fuer 1 JD nach Irbid, der mit knapp einer Million Personen zweitgroessten Stadt des Landes. Den heiligen Sonntag nutzt aber quasi ganz Jordanien als Ausflugstag. Es wird die Familie eingepackt und dann geht es meist mindestens zu siebt im Auto ins Gruene. Irgendwo am Strassenrand wird die Karre abgestellt und auf der Wiese ein Picknick fuer die Grossfamilie, Freunde und Verwandte ausgebreiten. Das ist der “jordanian way of life”. Vom Suedbusterminal in Irbid sind die Flutlichter des Al Hasan Stadiums schon zu erkennen, das ist doch mal top in so einer grossen Stadt. In das gute Stueck gab es 6 Stunden vor Kickoff allerdings kein Eindringen, nur durch ein Guckloch konnte die imposante Haupttribuene fotografiert werden. Auch die Gegengerade ist sehr hoch, aber ohne Dach. In den Kurven befindet sich nicht, ausser der ueberdimonsionierten Anzeigetafel aus dem schoenen China. Nachdem die Anstosszeit vom Pfoertner nochmal bestaetigt war gings zurueck zum Busbahnhof und von dort per Taxi zum anderen Busbahnhof, denn die 12 Sitzer Minibusse nach Umm Qays fahren aus dem Norden ab. Der letzte Touriprogrammpunkt wollte auch noch abgearbeitet werden: Die Ruinen von Umm Qays. Alles schon mal irgendwie oder so aehnlich gesehen. Nur der Anblick auf die Golanhoehen ist die 3 JD Eintritt wert. Der waere natuerlich noch besser wenn die Luft nicht so versmogt waere. Auch hier wieder Horden von (u.a. deutschen) Touris, die in ihren Reisebussen angekarrt werden. Auf demselben Weg nach Irbid zurueck, wie ich gekommen war. Kollege Minibusfahrer musste sich aber erstmal seine Schuhe und das Wechselgeld bei seiner ca. 6-jaehrigen Tochter abholen bevor die Fahrt beginnen konnte. Der Amigo hatte wohl frei und witterte wohl mit mir den dicken Reibach, den er ja auch gemacht hat, nachdem der Bus nach und nach bis auf dem letzten Platz gefuellt war. 12 Mitfahrer = 9 JD und das ganze wieder zurueck, Benzin hat er ja maximal fuer 4 JD verfahren, die 2 Arbeitsstunden sollten sich gelohnt haben. Zum dritten Mal in Serie beim goldenen M gespeist, das gab es auch lange nicht mehr. Leider waren hier die Free Internet Terminals kaputt.
12.03.2010, 18h00 Kufr Sum vs Ramtha SC (1-0) 2-1 vor ca. 1.800 Zuschauern (1.000) im Al Hasan Stadium (15.000) in Irbid.
2 Dinar kosteten die Billets auf der Gegengeraden, die aber am Eingang komplett abgegeben werden muessen. Bei diesem quasi Derby war leider nicht so viel los wie das in anderen Laendern der Fall ist, wenn zwei Teams innerhalb von 30 Kilometer Entfernung die Klingen kreuzen. Aber die die da waren waren auch recht aktiv, wobei mir die Heimseite besser gefiel, obwohl sie weniger waren. Geschlossenerer Support (u.a. der Hit” jalla jalla Kufr Sum”), der auch oefter vorgetragen wurde. Die Gaeste zwar in Ueberzahl aber unorganisiert. Das Spiel war fuer ein Abstiegsduell gar nicht mal so uebel, es ging flott hin und her und nach den Toren gab es sogar ein wenig Aerger, da sich einige Fans aus dem falschen Lager auf der richtigen Seite befanden. Die Policia brachte die Stoerenfriede aber schnell auseinander und in die richtigen Sektoren. Das Spiel ist aus wir gehn nach Haus, oder fahren halt im Sammeltaxi fuer 2,50 JD. Gute N8.
Tag 20, Samstag, 13.03.2010
Hurra, die Wechselbude nimmt schweizer Franken. Die letzten 20 EURO 2008 Pfandbecher wurden so in 25,6 JD umgewandelt. 14 Postkarten fuer 1,4 JD gekauft. Die machen zwar das Gepaeck unnoetig schwerer, aber ihr wisst ja, der Sammelwahn…. Eine Vitaminspritze in Form eines frisch gepressten Orangensafts fuer 1 JD und ab nach Ramtha. Sammeltaxi fuer 2 JD vom Tapapour Busbahnhof, alles altbekannt und bewaehrt. Und hier schliesst sich der jordanische Kreis. Am zweiten Tag im Ramtha, am vorletzten Tag wieder in Ramtha. Im meinem Stammrestaurant, dem ohne Besteck, mit den Fingern den Bauch voll geschlagen und um kurz vor 14h am Stadion hallo gesagt. Viel war noch nicht los, aber der Teambus von Al Jazeera stand schon da, also war 15h Anstoss wie mir der Verbandsoffizielle mitgeteilt hatte richtig.
13.03.2010, 15h00 Ittihad Ar Ramtha vs Al Jazeera Club (0-0) 0-0 vor ca. 155 Zuschauern im Prince Hashim Stadium (7.000) in Ramtha.
Wenn keine Tore fallen muss man sich wenigstens keine Sorgen machen fuer wen diese gefallen sind. Dennoch war das kein schoenes Geschenk zu meinem 34 ½ sten Geburtstag. Na dann mal herzlichen halben Glueckwunsch. Immerhin nen neuen Ground gemacht und die Roten haben in der besten Liga der Welt auch gewonnen, was will man mehr ??? Die Rueckfahrt gestaltete sich etwas schwieriger, war aber irgendwie ueber Irbid dann doch noch fuer 2 JD machbar. In meinem Internetcafe dann mal ein wenig die Tasten maltretiert und Fotos von der Digicam auf nen Speicherstick gezogen. Damit war der Tag auch zu Ende und an das Kapitel Jordanien kann ein Haken dran. 4 Grounds und alle Sehenswuerdigkeiten gesehen, das Land ist zu vollster Zufriedenheit erledigt. Finanziell liege ich mit 650 EUR Gesamtausgaben am 20. Reisetag zwar leicht ueber dem kalkulierten Durchschnitt, aber immer noch im Rahmen. Die 40 Petra EUR haben halt ein wenig reingehauen. So, morgen wird ein anstrengender Reisetag mit vollem Geroedel, da muss ich mal fit sein, also ab ins Bett jetzt.
Tag 21, Sonntag, 14.03.2010
Das ausgelesene Buch “die Saeulen der Erde” (Weltklasse) und der in Istanbul gekaufte Regenschirm gingen in den Hotelbestand ueber. Den 7h Bus nach Aqaba wollte ich kriegen und mit ein wenig Disziplin ging das auch. JETT Bus mit 50 Sitzplaetzen, 6,50 JD. Dem Mokel vor mir musste erstmal ein Rauchverbot erteilt werden. Wenn sich die Fenster oeffnen lassen sage ich ja noch nicht mal was, aber im geschlossenen klimatisierten Bus geht das nun echt zu weit. Auf den 4 ½ Stunden in die suedlichste Stadt Jordaniens versucht zu pennen, aber erst war es zu kalt wegen der Klimaanlage und nachdem ich bei der einzigen Pause meine Trainingshose uebergezogen hatte wurde es mit aufsteigender Sonne schnell zu warm. Kurz vor Aqaba dann noch eine voellig ueberfluessige Gepaeckkontrolle vom Zoll. Der Zoellner hat kein einziges Gepaeckstueck aufgemacht sondern alle Taschen und Koffer nur oberflaechlich von aussen abgetastet, was auch immer er damit geprueft hat. Zu beanstanden gab es jedenfalls bei keinem etwas. Rein ins Taxi und auf die 7 Km zum Passanger Terminal in Richtung Egypt. Gegenfrage vom Fahrer: “What Egypt” ??? Na das alte Aegypten, das mit den ganzen ageyptischen Aegyptern, das hier gleich nebenan. Wieviele Aegyptens gibt es denn noch ??? Muss man eigentlich unfaehig sein um Taxifahrer werden zu koennen ??? Am Ticketschalter fuer die Faehre gab es um 12h dann die Aussage: “ Today maybe no fast ferry”. Und die naechste langsame wuerde um 1h nachts abfahren, was meinen Zeitplan ein wenig durcheinander gebracht haette, aber noch nicht wirklich schlimm waere. Bis morgen 17h sollte es nach Suez trotzdem klappen. In 20 Minuten wuesste der Mokel angeblich mehr. Bis zur finalen Info, dass es heute doch ein Schnellboot gibt verging dann zwar der Zeitraum eines Fussballspiels, aber daraufhin war auch gleich ein grosses Gewusel im Gange. Die Reisepaesse der Einheimischen und der Touristen (ein paar Kanadier und 2 deutsche Paerchen) wurden getrennt eingesammelt und die dazu gehoerigen Fahrkarten am Computer der “Arab Bridge Maritime” ausgestellt. Im Tausch gegen 70 amerikanische Dollar wurde dann beides zusammen dem jeweiligen Reisenden wieder ausgehaendigt. An der Passkontrolle ging es fix und per Bus wurde die reisewuetige Meute zum Boot gebracht. Ca. 14h geboardet, naja das passte doch in etwa mit der LP-Info von “am fruehen Nachmittag” ueberein. Es dauerte nun aber noch knapp 2 Stunden bis wir mal ablegten, da auch noch einige PKWs und Trucks auf den Kahn fahren mussten. Die kleinen israelitischen Juden wurden rechts (wo auch sonst ???) liegen gelassen. Theoretisch haette ich zwar auch ueber deren Staatsgebiet reisen und sogar noch 4 Grounds am Wochenende zuvor machen koennen, aber mit einem juedischen Stempel im Reisepass ist man ja Staatsfeind Nummer eins in der arabischen Liga. Das Uebersetzen nach Nuweiba in Aegypten an sich dauerte gerade mal gut eine Stunde, aber der Anlegevorgang kam ja noch. Und bei leichtem Wellengang vermute ich einfach mal, dass der Captain sturzbetrunken war, denn er brauchte tatsaechlich diverse Anlaeufe und insgesamt 2 Stunden um sicher im Hafen von Nuweiba anzudocken. Am Bord hatte ich ein wenig mit den beiden deutschen Paerchen (1x Bielefeld und 1x Freiburg) gequatscht, diese zog es nun aber an den aegyptischen Ballermann nach Dahab. Von Bord gings dann nach fast 5 Stunden auf der Queen irgendwas recht zuegig, der Zoll wollte nix wissen. Die Gepaeckdurchleuchtung war auch larifari und der Immigration Officer schaute einmal kurz und grimmig auf den bereits vorhandenen Stempel im Pass, den es schon auf dem Boot gab. Tja, da war man nun in Afrika, wobei das fuer mich so richtig erst nach Aegypten beginnt. Kaum ist man aus dem Hafengelaende rausgestolpert kommt auch schon der Busbahnhof von Nuweiba und die ganzen Vermittlertypen plaerren einen voll. Erstmal mussten aber Egypt Pound in den Geldbeutel. Der erste Bankomat war auch schnell gefunden und spuckte 500 EGP (ca. 7,50 = 1 EUR) in neuen Scheinen aus. Zurueck zum Busbahnhof und einmal fuer teure 75 EGP nach Suez geloest, war wohl der gleiche Preis wie nach Cairo, denn offiziell haelt der Bus gar nicht in Suez. Geplante Abfahrt 21h00, da hatte ich bei Abfahrt heute morgen in Amman schon etwas anders kalkuliert, aber solange ich noch bis Suez komme soll es mir auch recht sein. 21h50 ging es in einem bis unters Dach vollgestopftem Bus mit nur einem Dutzend Passagieren los. Wahnsinn was die wenigen Leute alles dabei hatten. Von fleissigen Helfern, die offenbar auf Bakschisch Basis malochen wurden riesige Koffer, Kisten, Kartons ins Innere des 50-Mann Busses geschleppt. Zu guter Letzt sogar eine Matratze, ein Sofa und eine Aluminiumleiter, die mitten in den Gang gelegt wurde. Die hintere Haelfte war vollstaendig mit Zeug zugestellt. Dennoch konnte ich mich ueber 3 Sitze breit machen und versuchte zu pennen. Wie ich geschlafen habe und wann ich wieder aufwache erfahrt ihr dann im vierten Teil, inshallah…..
Gruss und bis die Tage, H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 21.03.2010 21:47 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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@sunshine kenya und tanzania tipps kann ich gut brauchen. immer her damit....

Ein weiteres Salem Aleinkum, Fans.<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
Erstmal ein kleines Sorry an alle, die ihre Kommentare zu meiner Reise per eMail abgegeben haben und dann keine weitere Antwort mehr von mir erhielten. Das muss ich auf mangelnde Zeit schieben. Vielen Dank an AJ, der <?xml:namespace prefix = st1 ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:smarttags" /><st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> auf einen mal wieder eklatanten Fehler hingewiesen hat, denn die Sinai Halbinsel gehoert geografisch noch zu Asien, ich war also noch gar nicht in Afrika, als ich schon dachte ich waere es. Inzwischen bin ich es aber wirklich und somit geht es nun mit dem vierten Teil der Road to Joburg von afrikanischem Grund und Boden aus weiter. Viel Spass:
Tag 22, Montag, 15.03.2010
Jetzt habt ihr sicher in den letzten Tagen gegruebelt wie ich denn im Bus von Nuweiba nach <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Suez</st1:City></st1:place> geschlafen habe. Naja, wie schon ??? Zu gut. Das Etappenziel Suez habe ich jedenfalls verpennt und dem Busfahrer war es scheinbar auch egal ob ich nach <st1:City w:st="on">Suez</st1:City> oder bis <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Cairo</st1:City></st1:place> mitfahre. 5h morgens in <st1:City w:st="on">Cairo</st1:City> ist doch auch besser als gegen 2 oder 3h nachts in <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Suez</st1:City></st1:place>. Und eine Hoteluebernachtung hat es auch gespart. Innerhalb einer guten Viertelstunde war ich zu Fuss in der noch schlafenden Riesenstadt an der Metrostation “Al Demerdash”. Gegen halb sechs startet der Betrieb, jede Fahrt kostet 1 EGP, womit die Cairoer Metro bei den billigsten U-Bahnen der Welt ziemlich weit vorne dabei sein duerfte. 3 Stationen weiter am Ramses Hauptbahnhof kann fuer 2,50 EGP das Gepaeck weggeschlossen werden. Dazu braucht man aber eine Kopie der Fotoseite des Reisepasses. Doch auch dieses Problem liess sich schnell beheben, irgendwo an einem Kiosk stand auch ein funktionstuechtiger Kopierer rum. Dann gings mit der Metro (3 Linien) vor dem Einsetzen des Berufsverkehrs wieder 10 Stationen in die Gegenrichtung zum Bahnhof “Ain Shams” im Nordosten, von wo aus die Regionalzuege nach Suez fahren, denn am Spiel in Suez hielt ich fest, auch wenn es die Moeglichkeit auf ein Match in Cairo genauso gegeben haette. 9h20 fuhr der naechste Zug, 3,25 EGP. Die Idee nochmal in die Stadt zu fahren scheiterte an den Menschenmassen in der U-Bahn. Punkt 7 setzte die Rushhour ein und schon an der dritten Station war es nur noch ueber Kampf ueberhaupt moeglich in den Zug zu gelangen. Ein herrliches Schauspiel wie sich Anzugtraeger, Vaeter mit kleinen Kindern, verschleierte Eulen und diverse andere Leute hin und her vor und zurueck in die schon vollen Waggons quetschten. Das genoss ich noch eine Weile ehe die S-Bahn gen <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Suez</st1:City></st1:place> bereit gestellt wurde. Erbaermlicher Zustand trifft es wohl am besten. Also gegen die Strecke ist selbst die Bahn zwischen <st1:City w:st="on">Buenos Aires</st1:City> und <st1:PersonName w:st="on" ProductID="La Plata"><st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">La Plata</st1:City></st1:place></st1:PersonName> noch in Topcondition. 9h20-11h35 wurde ich so richtig schoen durchgeruettelt und geschuettelt. Besser als so mache Achterbahnfahrt auf dem Rummel. Vom Suezer Hauptbahnhof ging es fuer 0,50 EGP in die etwa so grosse Stadt wie <st1:place w:st="on">Hannover</st1:place>, in der ich erstmal keinerlei Hinweis auf ein Hotel entdeckte. Schreiben sie wohl nur auf arabisch hin. Spaeter am Tage fanden sich mal zwei Hotel, die waren aber leider beide voll. Beim Italiener mal eine Portion Spaghetti Bolo fuer 7,50 EGP gegessen. Danach recht frueh zum weitlaeufigen Stadion gegangen, da die Masten schon zu sehen waren. Nach diversem bla bla bla mit vielen Bullen, von denen wie immer einer wichtiger war als der andere, wie das in so Polizeistaaten (Deutschland laesst gruessen) nun mal so ist. Ich bin nichts, ich kann nichts, gebt mir eine Uniform. Bis ich endlich rein durfte um Leerbilder zu machen verging sicher fast ne Stunde und ich musste <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> echt zusammen reissen halbwegs freundlich zu bleiben. Ausser der Haupttribuene ist nichts ueberdacht und man ist recht weit vom Geschehen weg.
15.03.2010, 17h15 Petrojet Suez vs Ghazl El Mahallah (1-0) 1-0 vor ca. 700 Zuschauern (30) im Suez Stadium (27.000) in Suez.
Die Fans (viele im Trikot) versammelten sich auf der Gegengeraden in der Mitte und legten eine grosse Fahne ueber die Sitze. Die 60-70 Ultras kamen geschlossen nach einer Viertelstunde Spielzeit und hingen ihre beiden Fahnen (Suez Hawks und Ultras Spirit) am Zaun in der Kurve auf um dann fortan ihr eigenes Ding zu machen, statt mit den anderen Petrojet Fans gemeinsam anzufeuern. In der Pause sorgte der boeige Wind fuer ein wenig Belustigung, da er die moblien Auswechselbaenke davon rollen liess oder gar umwarf. Im Land des 7-maligen CAN Gewinners ist die heimische Liga scheinbar nicht so stark wie die Nationalelf und vor allem interessiert sich wohl niemand dafuer, wenn nicht Al Ahly oder El Zamalek an den Spielen teilnehmen. Schade, denn schoene und grosse Stadien haben sie ja spaetestens seit dem CAN 2006 (ich berichtete). Aegypten duerfte auch neben Marokko der einzige ernsthafte Kandidat fuer die Ausrichtung einer zweiten WM auf afrikanischem Boden sein. Dann reise ich aber mit dem Flieger an, das ist zu nah an Deutschland fuer den Landweg und ausserdem bin ich 2050 auch schon zu alt fuer diese Strapazen… Smile Zurueck zum Spiel, es blieb beim 1-0 durch den direkten Freistoss in der 17. Minute. Auf dem Rueckweg kehrte ich nochmal bei Gosto Pizza ein, 2x Spaghetti am Tag vertraegt der Magen ja besser als so manch anderes. An 3x pro Woche ist er ja auch gewoehnt. Gut und guenstig war es obendrein. 21h25 ohne jegliche Beleutung ruckelte der letzte Regionalzug des Tages mit offenen Tueren und nicht verschliessbaren Fenstern durch die dunkle und kuehle Nacht. Der Kontrolletti erfuellte seinen Job mit einer Taschenlampe zwischen den Zaehnen. Ein ueber die nackten Beine gewickeltes Handtuch und ein zweites T-Shirt machten den kuehlen Fahrtwind der von ueberall herein wehte ein wenig ertraeglicher. Definitiv besser als jede Geister- und Achterbahnfahrt auf dem Schuetzenfest. Punkt Mitternacht in <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Cairo</st1:City></st1:place> angekommen und zu meiner Ueberraschung fuhr die U-Bahn sogar noch. Fuer 13 Cent ins Zentrum, bis Sadat. Das Al Aksam Hostel im dritten Stock war der erste zufaellige Anlaufpunkt. Nicht schoen, aber mit 30 EGP im Dorm billig und immerhin mit einer Steckdose im Bad, denn die Rasur ist inzwischen fast ueberfaellig nachdem mich vorhin im Stadion einer gefragt hat ob ich Moslem sei, wegen meines langen Bartes. Nee Kollege, das werde ich erst, wenn ich mal den Ground in Mekka machen will. Damit waren die Tagesausgaben auf einem Tourtiefststand von 70 EGP, weniger als 10 EUR. So koennte es weitergehen, geht es aber leider nicht, um das schon mal vorweg zu nehmen….
Tag 23, Dienstag, 16.03.2010
8h aufgestanden, gruendlich rasiert, geduscht und dann mal weg aus der Mottenhoehle. Das Konsulat vom <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place> war auch im zweiten Anlauf gefunden, nachdem ich an der unscheinbaren Seitenstrasse (bei der Co-op Tankstelle muss man rein) erst vorbei gelaufen war. Hier teilte mir der ¾ Maxi (ihr wisst schon, etwa so wie Dieter Bohlen seine Echse Naddel, falls sich an den F-Promi noch jemand erinnert) erstmal mit was ich alles brauche fuer das Visum: 1. Ein Empfehlungsschreiben von der deutschen Botschaft, 2. den ausgefuellten Visaantrag und eine Kopie davon, 3. eine Kopie von der Fotoseite vom Reisepass und natuerlich das Original dazu, 4. zwei Passbilder, 5. 100 (in Worten: Einhundert) US Dollar Bearbeitungsgebuehr in bar. Auch auf die Gefahr hin, dass ich <st1:State w:st="on">mich</st1:State> wiederhole: Der <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place> ist ein Drexxland. Also erstmal fuer 10 EGP im Taxi zur deutschen Botschaft geheizt. Da sieht es schon ein wenig anders aus als bei den Sudanesi. Nach der Personenkontrolle und Metalldetektor konnte ich direkt zur Passstelle durch. Das Empfehlungsschreiben was fuer ein toller Typ ich bin kostet 150 EGP und wird innerhalb von 5 Minuten ausgestellt, das sind noch deutsche Tugenden. Wieder fuer nen 10er zurueck in den Sudan, bzw. erstmal in die Naehe, denn jetzt brauchte ich ja noch einen Kopierer. Dieser fand sich sogar recht schnell eine Querstrasse weiter vor einem Laden am Strassenrand. Die erforderlichen Seiten von einem jungen Maedel mit Kopftuch kopieren lassen, 1 EGP. So stand ich mit den vollstaendigen Unterlagen um 10h30 wieder am Schalter der Sudanesi, wo zum Glueck nicht viel los war. Am Nachbarschalter die 100 Dollar bezahlt und dann alles samt Quittung wieder an Schalter 1 abgegeben. Der ¾-Maxi meinte: “Tomorrow <st1:time w:st="on" Hour="10" Minute="0">10 o’clock</st1:time>”und ich zische ab. Als naechstes musste ein Internetcafe aufgesucht werden (2 aus dem LP sind inzwischen dicht gemacht worden), da mir der Name des 2006er Hotels nicht mehr einfallen wollte. Ach ja, Invitation Hotel, das wars. Kurz auf dem Plan angeschaut und dann auch direkt wieder gefunden. Das Zimmer gabs fuer 110 EGP, stabiler Preis seit 2006, auch wenn es vor 4 Jahren das Bad dazu gab und das TV Angebot jetzt nur noch 259 Kanaele statt 317 enthaelt. Am Bahnhof dann mal nach der Abfahrszeit fuer den Nachtzug nach Luxor (22h00, 165 EGP) gefragt und gleich nebenan auch noch nach der Faehre gen Sudan erkundigt (1x pro Woche, montags gegen 16h, 311 EGP in der 2.Klasse). Laeuft. Per Taxi dann mal zum Clubgelaende von Aegyptens zweitbeliebtestem Verein Zamalek, die 45% der Aegypter zu ihren Anhaengerm zaehlen, waehrend 55% zu Al Ahli halten. Das Basketballmatch von goalzz.com wollte ich bestaetigen, aber die Ottos hatten das Heimrecht verdreht und Zamalek spielte heute auswaerts in <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Alexandria</st1:City></st1:place>. Der einarmige Zamalek Offizielle telefonierte aber ein wenig rum, waehrend ich Tee trinken musste und fand zwei weitere Basketball-Spiele des Tages raus. Zu dem einen waeren aber keine Auslaender zugelassen, da die Army mitspielt, aber das andere Spiel Gezira vs Smouha waere eh besser. So liess ich mir noch die <st1:City w:st="on">Halle</st1:City> auf arabisch notieren und verabschiedete <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> bis Freitag in Sohag. Vom Zamalek Trainingsstadion durfte ich auch noch Bilder machen und entdeckte dabei 4 weitere Flutlichtmasten auf der anderen Strassenseite. Beim kleinen Club Tersana waren sie aber ziemlich unhoeflich und liessen keine Stadionfotos zu, was ich mit ein paar englischen Schimpfwoertern (das F-Wort kam desoefteren vor) kommentierte woraufhin ich unter grossem jalla jalla nach draussen gebeten wurde. Mit Daumen und Zeigefinger in einem Abstand von einem Zentimeter aneinander gehalten zeigte ich ihnen im Weggehen noch die Groesse ihres Klubs an, was hoffentlich nicht mit der Schwanzlaenge verwechselt wurde. Der Ehrgeiz Luftbildern von einem der umstehenden Hochhaeuser zu machen war nun in mir geweckt. Im 17 Stoecker nach oben gefahren und einfach mal auf gut Glueck irgendwo geklingelt. Als die Tuer geoeffnet wurde musste ich erstmal schlucken. Stand doch eine 17-jaehrige Prinzessin wie aus tausend und einer Nacht vor mir, die auch gut englisch sprach und mein Anliegen verstand. Auf ihr “but I am alone” dachte ich mir “na das ist doch super, dann machen wir uns jetzt ein wenig Spass zusammen”, sagte aber sinnfrei “I am alone too” und zuckte entschuldigend mit den Schultern. Ein Sesam oeffne dich Gebet kam zu spaet, die Pforte zum Glueck war nach einem gefluesterten “sorry” schon wieder zu. Ein Stockwerk tiefer waren die 5 Maedels mit 2 Babys nicht alone, aber es musste erst noch der maennliche Nachbar zu Rate gezogen werden ehe die Fotoerlaubnis erteilt wurde. Alle ein bisschen paranoid. Vom Balkon einer Topwohnung (sicher 150 qm und sehr gut eingerichtet) konnte die 1A Luftaufnahme aber schliesslich gemacht warden. Shukran. Im McD noch schnell war gegessen und schon waren meine 500 EGP fast aufgebraucht. Die uebrig gebliebenen 7 JD in 52,50 EGP getauscht und dann nicht das allercleverste gemacht. Zum Feierabendverkehr in ein Taxi gestiegen. <st1:metricconverter w:st="on" ProductID="15 Km">15 Km</st1:metricconverter> dauerten mal knapp 2 Stunden und kosteten durch die fast eine Stunde dauerwarten 10 EGP mehr als normal, 35 EGP insgsamt. Es gibt inzwischen auch neuere Taxis die mit Meter fahren, die alten Rumpelkisten haben fast alle noch keinen, da ist der Preis VHB.
16.03.2010, 20h00 Gezira Sporting Club vs Smouha Sporting Club 98-92 vor ca. 150 Zuschauern (6) in Arena 4 (Cairo Intl. Stadium, 728) in Cairo. Basketball LP 12.
Ein relative ausgeglichenes Match in dem der Basketball oefter in den Korb flutschte als ich das vermutet haette. Nervig waren nur die 6 Gaestefans, die unaufhoerlich auf ihre beiden mitgebrachten Trommeln eindroschen. Per Bus und U-Bahn zurueck nach Downtown. Die U-Bahn ist hier definitive das geeignetste Verkehrsmittel in einer Stadt die unter 24 stuendigem Verkehrsinfarkt am Tag leidet.
Tag 24, Mittwoch, 17.03.2010
Kurz im Hotel gefruehstueckt, dann gegen 10h zur Botschaft vom <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place>. Visa war eingeklebt, somit alles erledigt, nach nur einer Minute war ich wieder an der frischen Luft. Der <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place> ??? <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Ein</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Superland</st1:PlaceType></st1:place> J. An einem der vielen Staende einen frischen Orangensaft pressen lassen, 2,50 EGP. Der Orangensaft hier ist Weltklasse, Note eins. Mit der U-Bahn zum Ramses Hauptbahnhof und am Fahrkartenschalter bei Gleis 11 ein Ticket fuer 22h00 nach <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Luxor</st1:City></st1:place> geloest. Leider git es nur 1.Klasse Sitzplatz, was mit 165 EGP ganz schoen teuer ist. Auf dem 2,5 x <st1:metricconverter w:st="on" ProductID="5 cm">5 cm</st1:metricconverter> kleinen Ticket, auf welches die Fahrstrecke aufgestanzt wird wie bei uns einst zu Kriegszeiten steht zwar <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Aswan</st1:City></st1:place> drauf, aber das kostet den gleichen Preis. Aus dem Nebeneingang raus, halb rechts halten, ca. 50m und schon steht man vor dem kleinen Buero der Bootsgesellschaft, die die woechentliche Bootsfahrt zwischen Aswan und Wadi Halfa im Sudan anbietet. Nachdem die <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Uschi</st1:PlaceName> <st1:PlaceName w:st="on">meinen</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Pass</st1:PlaceType></st1:place> auf ein vorhandenes Sudan Visa geprueft hatte ging es mit der handschriftlichen Ticketausstellung auch recht fix. Paar Daten aufgeschrieben, paar Zettel zusammen getackert und fertig ist die Faehrfahrkarte, 311 EGP in der 2.Klasse. Damit waren bereits um 12h alle organisatorischen Aufgaben des Tages erledigt und ich konnte <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> dem Kulturprogramm zuwenden. Zuvor wurde an der Sadat Metrostation aber noch gespeist. Wie gestern gab es zum zweiten Mal in Folge den Mix aus zerkleinerten Maccaroni, Reis, Erbsen und Linsen. Sicher ein Arme-Leute-Essen, aber a) bin ich ja ein armer Leut und b) war das Gericht mit einer leicht scharfen Sosse darueber richtig lecker. Gut und guenstig also, 10 EGP inkl. Getraenk. Dann wieder in den Untergrund und ab nach <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Giza</st1:City></st1:place>. Mit U-Bahn und noch <st1:metricconverter w:st="on" ProductID="9 Km">9 Km</st1:metricconverter> Bus ab <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Giza</st1:City></st1:place> entstanden somit Kosten von 1,75 EGP fuer die Fahrt zu den Pyramiden. Studenten (auch solche die an der Universitaet von Bangkok eingeschrieben sind) zahlen in Egypt bei den meisten Sehenswuerdigkeiten nur die Haelfte, so auch bei der Topsehenswuerdigkeit, wo man dann mit fairen 30 EGP dabei ist. 4 EUR also, ein Zehntel von Petra fuer ein 10x bekannteres Highlight. Die spinnen, die Jordanier. Auch beim dritten Besuch sind die Pyramiden noch so beeindruckend, dass die ueblichen Fotos von allen Seiten gemacht wurden. Ansonsten hat sich seit 2006 nichts veraendert, der Sphinx ist jedenfalls kein Zacken von der Nase abgebrochen. Sphinx Fotos sind bei Nachmittagslicht gegen die Sonne uebrigens nicht ideal. Zum touristischen Tagesabschluss noch ein wenig andere Touris angegafft. Aus Russland, Polska und dem Reich der Mitte waren wieder ein paar leckere Exemplare dabei. Die nervigen Haendler, die einem schon vor dem Eingang auf den Sack gehen, versuchten ohne Pause allerlei Schrott an den Touridepp zu bringen, was auch desoefteren gelang. Mit tausend Jahre alten Papyrrusrollen und Original Skarabaeus Kaefern an der Halskette zogen sie von dannen. Ich dann auch, als ich die Dummheit der Leute nicht mehr ertragen konnte. Via <st1:City w:st="on">Giza</st1:City>, der Stadt, die sich demnaechst rund um die Pyramiden erstrecken wird (erschreckend !?) zurueck ins Zentrum und zu Fuss zum <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Cairo</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Tower</st1:PlaceType></st1:place>, auf dem ich 2001 schon mal drauf war. Die angedachten Luftbilder von der Stadt mussten aber diesmal entfallen, 70 EGP waren mir zu heftig, Ermaessigung gab es keine. So hatte ich genug Zeit fuer Euch Teil 3 fertig zu stellen, nachdem doch tatsaechlich schon einige im GH Forum gequengelt hatten. Mehr zum Fussball fahren, dann habt ihr auch weniger Zeit um Berichte zu lesen. 22h00 fuhr der NZ puenkltlich los, 6er Abteil mit <st1:metricconverter w:st="on" ProductID="5 in">5 in</st1:metricconverter> den <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">USA</st1:country-region></st1:place> (mit LAX Labels an den Reisetaschen) lebenden Pakis. Die Beinfreiheit war ausreichend, das Gepaeck passte unter die Sitze, nur fuer die fehlende Tuer und das somit vom Gang eindringende Licht gibt es Minuspunkte fuer die Egyptian Railways, die die Waggons eines schoenen Tag mal von der deutschen Firma Messerschmitt-Boelkow-Blohm GmbH aus Donauwoerth hat bauen lassen. Das wird wohl irgendwann in den 70ern oder 80ern gewesen sein, da die MBB 1989 von der DASA gekauft wurde (Wiki weiss alles).
Tag 25, Donnerstag, 18.03.2010
Schlafen klappte einigermassen, nachdem die Pakis ihre neugierigen Fragen auf ein Minimun beschraenkten und ich nur kurze knappe Antworten gab. Mit leichter Verspaetung ratterte der Zug um 8h im Luxorer Hauptahnhof, der ziemlich zentral liegt, ein. Und wie das in einer Touristadt im arabischen Raum nun mal so ist wird man sofort von allen moeglichen Leuten vollgeblubbert. Hotel hier, Hotel da, cheap, cheaper und am cheapesten. Die oertliche Taximafia geht einem auch auf den Sack, in <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Luxor</st1:City></st1:place> (ca. 500.000 Ew.) braucht aber nicht mal der Fusskranke ein Taxi. Ohren auf Durchzug und auch alleine zum LP Hoteltipp Oasis gefunden. 30 EGP fuers EZ mit Bad auf dem Gang, aber fuer die Preiskategorie sehr sauber, die LP Empfehlung passt also. Nach einer Dusche nochmal zum Bahnhof zurueck (500m) um die Fahrplaene nach Sohaq und <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Aswan</st1:City></st1:place> zu erfragen. Beides zu meiner Zufriedenheit. An der Touriinfo gegenueber gab es nur wenig nuetzliches Material fuer Individualtouristen. Also mal direkt zum <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Luxor</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Temple</st1:PlaceType></st1:place> losgeschlendert. Und welch Frevel: direkt davor ist ein goldenes M. Mit herrlichem Blick auf die Tempelanlage das Big Breakfast gefruehstueckt. Am Eingang den Ticketverkaeufer mal gefragt was ich denn von drinnen sehen kann, was ich von draussen nicht sehe und als Antwort "everything" erhalten. Na das interpretiere ich mal als "nothing". Eine Runde um die Anlage gedreht, ein paar Bilder gemacht und 25 EGP (fuer Studenten) gespart. Man sieht ja alles genauso gut von aussen. Dann am laengsten Fluss der Welt entlang die Promenade runter gewandert und das <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Luxor</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Museum</st1:PlaceType></st1:place> rechts liegen gelassen. Etwa <st1:metricconverter w:st="on" ProductID="3 Km">3 Km</st1:metricconverter> sinds bis zum Tempel von Karnak, laut LP dem "most incredible sight in all of <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Egypt</st1:country-region></st1:place>". Wie war das mit der Uebertreibung ??? Die 35 EGP (Student) sind aber gut angelegt, hier sieht man von aussen naemlich nix. Super Anlage, was es alles zu sehen gibt koennt ihr ja bei Wiki nachlesen, die weiss es naemlich immer besser als ich. Abartig jedenfalls was auch hier wieder an Russenschlampen.de rumlief. Womit haben die Kanisterkoeppe solche Frauen verdient ??? Zu Fuss wieder am Nil zurueck und inzwischen nervten <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> die alten Aegypter doch maechtig gewaltig. Taxi, Boot, Kutsche, alles wird ohne Pause angepriesen und der Touri wird staendig vollgequasselt. Das der Touri das weder will noch mag merkt der alte Aegypter leider nicht. Einzig ignorieren hilft ein wenig, nach dem dritten "hello mister" ohne Gegenreaktion dackeln die meisten zum naechsten Touriopfer weiter. Fuer 1 EGP mit der Passagierfaehre ueber den Nil von der Ostseite von <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Luxor</st1:City></st1:place> in den goldenen Westen rueber gemacht. Auch hier Tourijaeger ohne Ende, man ist noch nicht vom Boot runter und wird schon vollgequakt. Augen geradeaus und weiter. In einem local Restaurant fuer 5 EGP gegessen und getrunken, wieder ein Arme-Leute-Gericht, aber besser und gesuender als McD isses allemal. Mit dem naechsten Boetchen wieder nach East Bank geschippert und mal durch den Souq getigert. Abgesehen davon, dass ich eh nichts gekauft haette…., wer <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> mit "hello my friend" anredet ist schon mal komplett an der falschen Adresse und hat seine Chance hundertpro verspielt. Ein wenig chillen auf der Dachterrasse vom Hotel, bissl Internet (5 EGP/Std.) und dann wurde es noch ein fantastischer Fussballabend im Restaurant. Bei Spaghetti Polonaise (so stand es in der Speisekarte, 9 EGP) und ohne der Schleiereule von hinten an die Schultern zu fassen gab es TV Fussball aus der Europa League. Was gibt es schoeneres als Juve Merda mit einem 4-1 wegzubuegeln, die Bayern Fans werden wissen wovon ich schreibe. Diesmal war es der kleine Fulham FC dem dieses Kunststueck, was ja fast keines mehr ist, gelang. Grazie Fulham, Arreviderci Juve und schon war auch der 25. Reisetag in die Geschichte eingegangen.
Tag 26, Freitag, 19.03.2010
Endlich auch wieder ein Livefussballtag. Das Fruehstueck auf der Dachterrasse war ganz in Ordnung: Tee, Banane, Cornflakes, Brot, Marmelade, Kaese, alles in den 30 EGP fuers Zimmer inbegriffen. 10h30 mit dem Zug nach Sohag, 31 EGP fuer den Fahrschein, der problemlos ohne Aufschlag im Zug gekauft werden kann. Der Zug war eine Art in die Jahre gekommener Eurocity mit verstellbaren Sitzen und Klimaanlage, die wie immer zu kalt eingestellt war. 14h05 Ankunft in Sohag, ca. 150.000 Einwohner. In aller Seelenruhe nach der Rueckfahrt gefragt, dann mal gemuetlich losgewatschelt, hier noch beim Baecker was gekauft, dort noch 2 Aepfel und zwischendurch mal nach dem Weg gefragt. Bis zur Bruecke ueber den gleichnamigen Fluss, dann kommt das Estad Nil auch schon in Sichtweite.
19.03.2010, 15h00 El Gouna FC vs El <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Zamalek</st1:City> <st1:State w:st="on">SC</st1:State></st1:place> (0-0) 0-1 vor 14.000 Zuschauern (ausverkauft, 13.500) im Estad Nil (14.000) in Sohag.
Vor dem Stadion fand das uebliche geordnete aegyptische Chaos statt, die Zeit hatte ich ein wenig aus den Augen verloren, aber gedanklich war ich ja noch frueh dran, bei Kickoff 17h15. Diverse Fans wollten irgendwie rein, die Bullerei draengte sie wieder zurueck. Nach kurzer Laberei mit zwei Colonels oder Corporals (was weiss ich, die Dienstgrade konnte und wollte ich mir schon zu Armeezeiten nicht so richtig merken) wurde Mr. Wichtig aus Deutschland durchgelassen und hatte nur noch die Huerde dritter Wichtigtuer vom Dienst an der ueberdachten Haupttribuene vor sich. Aber auch da ging es fix voran und als ich um 14h58 die Treppe hochkraxelte schuettelten sich die 25 Herren auf dem gruenen Rasen gerade fleissig die Patschehaendchen. Anstoss also 15h00, nicht wie ich gestern noch auf goalzz.com geschaut hatte 17h15. Da war wieder mehr Glueck als Verstand dabei. Die kleine Huette war rappelvoll, wer nicht in den ersten beiden Reihen sitzen wollte stand hinter der letzte Sitzreihe, was auch auf der Haupttribuene meine Alternative war. Fast alle waren fuer Zamalek. El Gouna setzte den Favoriten in der ersten Halbzeit aber gehoerig unter Druck, jedoch ohne den guten Keeper der Gaeste ueberwinden zu koennen. Aus stark abseitsverdaechtiger Position kam es dann wie es immer kommt, der Grosse macht die Bude zum unverdienten Sieg und die Meute jubelt. Gesaenge wurden immer mal wieder angestimmt, aber nur 2-3x war wirklich das ganze Stadion daran beteiligt. Gouna Fans gab es auch ein paar wenige, aber die hielten sie merklich im Hintergrund. Das Stadion leerte sich mit dem Abpfiff schnell, ich machte noch ein paar Leerbilder und wurde dann auf der Strasse ueber die Nilbruecke derart von Lungerkindern und Jugendlichen belagert, dass das erstbeste Auto das Vergnuegen hatte mich zum Bahnhof zu bringen. Viele Hopper hat Sohag wohl noch nicht gesehen. Zu Fuss ueber die Bruecke waere wohl einem Spiessrutenlauf gleich gekommen. Noch schnell was gegessen und dann mit dem schaebigen 18h00 Rumpelzug in der dritten Klasse fuer 8,50 EGP nach <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Luxor</st1:place></st1:City> zurueck. Ordentlich Durchzug, total vermuellt, aber Hauptsache billig und hier tief im Sueden waren die Temperaturen ja auch schon um einige Grad waermer als vor ein paar Tagen in <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Suez</st1:place></st1:City>. An heiligen Freitag um 21h15 in <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Luxor</st1:place></st1:City> noch eine offene Wechselstube zu finden ist ein Ding der Unmoeglichkeit. Da muessen die restlichen 100 Dinger wohl noch ein bisschen reichen. Ab in die Stammpizzeria, wo der Fernseher meinetwegen extra auf einen Fussballsender umgestellt wurde, auch wenn Sporting Gijon vs Atletic <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Bilbao</st1:place></st1:City> nicht wirklich prickelnd war.
Tag 27, Samstag, 20.03.2010
7h00 raselte der Wecker, denn nach dem Fruehstueck stand ein strafes Touriprogramm auf dem Zettel. Das Hotel hatte eine Tagestour fuer 20 EUR fuer Studenten angeboten. Darin waren enthalten alle Transfers und 3x Eintritt (zusammen 75 EGP) zu den Sehenswuerdigkeiten. Da Fahrer und Fuehrer ja auch noch ein paar Pfund verdienen wollten war der Preis schon ok, und die Tour auf eigene Faust zu versuchen waere nicht wesentlich billiger gekommen und das wird auch vom Lonely Planet abgeraten. Im Tal der Koenige wurden 3 Graeber angeschaut, leider herrscht hier absolutes Fotoverbot. Da haben sich die Steinmetze der alten Pharaonen schon jede Menge Muehe gegeben, die Grabstaetten schick aussehen zu lassen. Danach ging es in der 8er Reisegruppe zum Totentempel von Hatshepsut, wo 1997 beim Terroranschlag 62 Menschen ums Leben kamen. Dritter Programmpunkt war das Tal der Koeniginnen, wo wieder 3 diesmal nicht ganz so eindrucksvolle Graeber angeschaut wurden. Und zu guter Letzt lagen noch die Statuen von Memnon auf dem Weg. Kurz nach 14h war der Trip dann beendet und die 8er Resiegruppe splittete sich in 4x <st1:country-region w:st="on">USA</st1:country-region> und 3x Asien + <st1:country-region w:st="on"><st1:place w:st="on">Germany</st1:place></st1:country-region> zum Lunch auf. Hatte auf der Fahrt erst angenommen, dass alle 3 aus Japan kommen, aber nachdem sich die beiden Maeuse mit dem asiatischen Kollegen und auch untereinander auf englisch unterhielten war klar: Korea, Japan und China waren am Start. Zu viert ging es local food antesten, was gar nicht mal so schlecht war. 10 EGP fuer Suppe, Salat, Reis und einen Fleischtopf. Dabei wurden allerlei Reisestories eroertert. Die schuechterne Korea-Maus verabschiedete sich leider nach dem <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Essen</st1:place></st1:City> recht zuegig. Mit Nami aus Nagoya und Yue Qing aus Shanghai, der nach Kapstadt geflogen war und das afrikanische Feld von Sueden aus aufrollte, naemlich zum Grossteil im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Fahrrad, machte ich Luxor noch ein wenig unsicher. Logisch, dass ich ein Auge auf die mindestens 29-jaehrige (mein Tipp) Japanerin, die ihr wahres Alter nicht verraten hat, geworfen hatte, die jetzt noch die beiden von mir schon gesehenen Tempel anschauen wollte. Aber ich hatte eh nichts besseres vor und die Stories vom sehr gut englisch sprechenden und sich super auskennenden China-Manne waren auch interessant. In Mosambik ist Yue Qing von 3 mit Messern bewaffneten Maxis seines Geldes, Kamera und Handy beraubt worden, von Kenia nach Aegypten musste er mit Airarabia fuer 300 USD fliegen, da er fuer den Sudan kein Visum bekommen haette. Eine Dreierrunde mit 2 Kerlen und einer Maus auf die beide scharf sind ist ja selten ideal, aber in Anbetracht, dass sich China und Japan ja eigentlich hassen blieb ich mal am Ball, auch wenn die Erfolgschancen nur bei 0,96% oder wenige liegen. Vorm Karnak Tempel wartete ich dann mal auf die beiden und dann ging es wieder in die Stadt, wo wir noch einen Kaffee mit herrlichem Blick auf den Luxor Tempel tranken. Hach, was waere das zu zweit romantisch gewesen. Mit der richtigen Antwort auf die Einwohnerzahl von Japan gewann ich gegen meinen neuen Freund aus dem Reich der Mitte zwar noch ein Bier, aber naeher ans Ziel brachte <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> das auch nicht. Nami-Maus, die in Dubai fuer die Haelfte des japanischen Salaers malocht (dafuer aber mehr Freizeit hat) war nicht am deutschen Fussballheld interessiert (oder hat dieser sich nur zu doof angestellt ???, man weiss es nicht genau), auch wenn die Gespraechsrunde zu der sich zeitweise noch ein belgischer Standard de Liege Fan und ein in Paris studierendes japanischen Paerchen gesellte durchaus witzig war, aber nett und witzig sein reicht ja leider nicht….. So, genug rumgeheult, der LP Nippon haette ja in <st1:country-region w:st="on"><st1:place w:st="on">Egypt</st1:place></st1:country-region> eh nicht gezaehlt. Mitternacht loeste sich die Runde auf und jeder schlief seinen nicht vorhandenen Rausch alleine aus.
Tag 28, Sonntag, 21.03.2010
8h15 aus der Falle gekrochen, fix gefruehstueckt, die noch offene Hotelrechnung ueber 60 EGP beglichen und ab dafuer. Das zweite ausgelesene Buch der Tour (Cupido, ein Tauschgeschaeft mit Wasi) blieb im Tausch gegen die "11Freunde" vom Januar und das schweizer Gegenstueck "Zwoelf" im Hotel zurueck. Neben dem Zug fuer den Touristen zugelassen sind faehrt in etwa zeitgleich auch noch ein Bummelzug, den der Auslaender an sich nicht nutzen soll, der aber nur etwa 1/3 kostet. Klar, mit welchem Zug ich also fuer 10,50 EGP nach <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Aswan</st1:place></st1:City> gefahren bin, oder ??? Ein weiterer Deutscher aus Sachsen war ebenfalls mit an Bord und der Bulle am Bahnsteig, der angeblich dollen Aerger kriegen wuerde, wenn rauskaeme, dass er <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> zum nicht offiziellen Zug gebracht hat, setzte uns zusammen. Die gut 3 stuendige Fahrt am Nil entlang wurde also ueber Reisekram verlabert. In <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Aswan</st1:place></st1:City> (1,2 Mio. Ew.) angekommen ging es zielstrebig zum Cousinhotel der Bude in <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Luxor</st1:place></st1:City>, welches mir der Rezeptionsmokel empfohlen hatte. Gleicher Standard zum selben Preis, Hotel Yaseen, 30 EGP, direkt in der Fussgaengerzone. Nach dem Einchecken mit dem Sachsen erstmal was <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">essen</st1:place></st1:City> gegangen, dann ein wenig die uebersichtliche Stadt angeschaut. Durch den Souk hin, an der Corniche zurueck. Dann wollten wir mit der normalen Faehre in den Westteil ueber den Nil uebersetzen, aber Mohamed, der kleine H****sohn wollte jedem 2 EGP abkuepfen, waehrend der Aegypter, der hier kein Aegypter sondern Nubier ist nur ein Achtel davon bezahlt. Wir gingen nach hitziger Debatte bis zur Touristenpolizei, doch Bullen sind ja auch zu gar nix zu gebrauchen. Der Trottel kam zwar angedackelt, diskutierte auch mit Mohamed, konnte sich aber nicht durchsetzen. Danke fuer nichts. Irgendwann als wir die Treppe zur Promenade schon wieder halb rauf waren lenkte Mohamed zwar noch ein, aber jetzt wollte ich dem W****er nicht mal mehr die 25 Piastres geben. So machten wir privat ein ca. 3x8 Meter grosses Segelboot, Felucca genannt, fuer 15 EGP pro Nase klar und liessen uns eine Stunde bei Windstaerke 1 und ca. 35 Grad Celsius ueber den Nil segeln. Krokodile gab es leider keine, leben die ueberhaupt noch ??? Als die lustige Bootsfahrt beendet war zog es <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> per Taxi zur Stadionbesichtigung. Nix dolles, ganz normaler 14.000er, wie es in Suedaegypten wohl so einige gibt. Viel mehr war dann auch nicht mehr zu erledigen, ausser Euch auf den neusten Stand zu bringen. Jetzt seid ihr wirklich live drauf. Mittendrin statt nur dabei. Das wird sich aber in naher Zukunft wohl ein wenig aendern, denn weiter im Sueden wird es wohl wenn ueberhaupt nur unregelmaessig Internet, Computer und/oder Strom geben. Wie die naechste Bootsfahrt war und wie die Reise weitergeht erfahrt ihr dann irgendwann im 5.Teil. Also, dranbleiben….
Gruss aus <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Aswan</st1:place></st1:City>, H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 22.03.2010 11:10 Antworten mit Zitat
Kaos
 
Anmeldungsdatum30.12.2006
Beiträge19


Ein weiteres Salem Aleinkum, Fans.
Erstmal ein kleines Sorry an alle, die ihre Kommentare zu meiner Reise per eMail abgegeben haben und dann keine weitere Antwort mehr von mir erhielten. Das muss ich auf mangelnde Zeit schieben. Vielen Dank an AJ, der mich auf einen mal wieder eklatanten Fehler hingewiesen hat, denn die Sinai Halbinsel gehoert geografisch noch zu Asien, ich war also noch gar nicht in Afrika, als ich schon dachte ich waere es. Inzwischen bin ich es aber wirklich und somit geht es nun mit dem vierten Teil der Road to Joburg von afrikanischem Grund und Boden aus weiter. Viel Spass:
Tag 22, Montag, 15.03.2010
Jetzt habt ihr sicher in den letzten Tagen gegruebelt wie ich denn im Bus von Nuweiba nach Suez geschlafen habe. Naja, wie schon ??? Zu gut. Das Etappenziel Suez habe ich jedenfalls verpennt und dem Busfahrer war es scheinbar auch egal ob ich nach Suez oder bis Cairo mitfahre. 5h morgens in Cairo ist doch auch besser als gegen 2 oder 3h nachts in Suez. Und eine Hoteluebernachtung hat es auch gespart. Innerhalb einer guten Viertelstunde war ich zu Fuss in der noch schlafenden Riesenstadt an der Metrostation “Al Demerdash”. Gegen halb sechs startet der Betrieb, jede Fahrt kostet 1 EGP, womit die Cairoer Metro bei den billigsten U-Bahnen der Welt ziemlich weit vorne dabei sein duerfte. 3 Stationen weiter am Ramses Hauptbahnhof kann fuer 2,50 EGP das Gepaeck weggeschlossen werden. Dazu braucht man aber eine Kopie der Fotoseite des Reisepasses. Doch auch dieses Problem liess sich schnell beheben, irgendwo an einem Kiosk stand auch ein funktionstuechtiger Kopierer rum. Dann gings mit der Metro (3 Linien) vor dem Einsetzen des Berufsverkehrs wieder 10 Stationen in die Gegenrichtung zum Bahnhof “Ain Shams” im Nordosten, von wo aus die Regionalzuege nach Suez fahren, denn am Spiel in Suez hielt ich fest, auch wenn es die Moeglichkeit auf ein Match in Cairo genauso gegeben haette. 9h20 fuhr der naechste Zug, 3,25 EGP. Die Idee nochmal in die Stadt zu fahren scheiterte an den Menschenmassen in der U-Bahn. Punkt 7 setzte die Rushhour ein und schon an der dritten Station war es nur noch ueber Kampf ueberhaupt moeglich in den Zug zu gelangen. Ein herrliches Schauspiel wie sich Anzugtraeger, Vaeter mit kleinen Kindern, verschleierte Eulen und diverse andere Leute hin und her vor und zurueck in die schon vollen Waggons quetschten. Das genoss ich noch eine Weile ehe die S-Bahn gen Suez bereit gestellt wurde. Erbaermlicher Zustand trifft es wohl am besten. Also gegen die Strecke ist selbst die Bahn zwischen Buenos Aires und La Plata noch in Topcondition. 9h20-11h35 wurde ich so richtig schoen durchgeruettelt und geschuettelt. Besser als so mache Achterbahnfahrt auf dem Rummel. Vom Suezer Hauptbahnhof ging es fuer 0,50 EGP in die etwa so grosse Stadt wie Hannover, in der ich erstmal keinerlei Hinweis auf ein Hotel entdeckte. Schreiben sie wohl nur auf arabisch hin. Spaeter am Tage fanden sich mal zwei Hotel, die waren aber leider beide voll. Beim Italiener mal eine Portion Spaghetti Bolo fuer 7,50 EGP gegessen. Danach recht frueh zum weitlaeufigen Stadion gegangen, da die Masten schon zu sehen waren. Nach diversem bla bla bla mit vielen Bullen, von denen wie immer einer wichtiger war als der andere, wie das in so Polizeistaaten (Deutschland laesst gruessen) nun mal so ist. Ich bin nichts, ich kann nichts, gebt mir eine Uniform. Bis ich endlich rein durfte um Leerbilder zu machen verging sicher fast ne Stunde und ich musste mich echt zusammen reissen halbwegs freundlich zu bleiben. Ausser der Haupttribuene ist nichts ueberdacht und man ist recht weit vom Geschehen weg.
15.03.2010, 17h15 Petrojet Suez vs Ghazl El Mahallah (1-0) 1-0 vor ca. 700 Zuschauern (30) im Suez Stadium (27.000) in Suez.
Die Fans (viele im Trikot) versammelten sich auf der Gegengeraden in der Mitte und legten eine grosse Fahne ueber die Sitze. Die 60-70 Ultras kamen geschlossen nach einer Viertelstunde Spielzeit und hingen ihre beiden Fahnen (Suez Hawks und Ultras Spirit) am Zaun in der Kurve auf um dann fortan ihr eigenes Ding zu machen, statt mit den anderen Petrojet Fans gemeinsam anzufeuern. In der Pause sorgte der boeige Wind fuer ein wenig Belustigung, da er die moblien Auswechselbaenke davon rollen liess oder gar umwarf. Im Land des 7-maligen CAN Gewinners ist die heimische Liga scheinbar nicht so stark wie die Nationalelf und vor allem interessiert sich wohl niemand dafuer, wenn nicht Al Ahly oder El Zamalek an den Spielen teilnehmen. Schade, denn schoene und grosse Stadien haben sie ja spaetestens seit dem CAN 2006 (ich berichtete). Aegypten duerfte auch neben Marokko der einzige ernsthafte Kandidat fuer die Ausrichtung einer zweiten WM auf afrikanischem Boden sein. Dann reise ich aber mit dem Flieger an, das ist zu nah an Deutschland fuer den Landweg und ausserdem bin ich 2050 auch schon zu alt fuer diese Strapazen… Smile Zurueck zum Spiel, es blieb beim 1-0 durch den direkten Freistoss in der 17. Minute. Auf dem Rueckweg kehrte ich nochmal bei Gosto Pizza ein, 2x Spaghetti am Tag vertraegt der Magen ja besser als so manch anderes. An 3x pro Woche ist er ja auch gewoehnt. Gut und guenstig war es obendrein. 21h25 ohne jegliche Beleutung ruckelte der letzte Regionalzug des Tages mit offenen Tueren und nicht verschliessbaren Fenstern durch die dunkle und kuehle Nacht. Der Kontrolletti erfuellte seinen Job mit einer Taschenlampe zwischen den Zaehnen. Ein ueber die nackten Beine gewickeltes Handtuch und ein zweites T-Shirt machten den kuehlen Fahrtwind der von ueberall herein wehte ein wenig ertraeglicher. Definitiv besser als jede Geister- und Achterbahnfahrt auf dem Schuetzenfest. Punkt Mitternacht in Cairo angekommen und zu meiner Ueberraschung fuhr die U-Bahn sogar noch. Fuer 13 Cent ins Zentrum, bis Sadat. Das Al Aksam Hostel im dritten Stock war der erste zufaellige Anlaufpunkt. Nicht schoen, aber mit 30 EGP im Dorm billig und immerhin mit einer Steckdose im Bad, denn die Rasur ist inzwischen fast ueberfaellig nachdem mich vorhin im Stadion einer gefragt hat ob ich Moslem sei, wegen meines langen Bartes. Nee Kollege, das werde ich erst, wenn ich mal den Ground in Mekka machen will. Damit waren die Tagesausgaben auf einem Tourtiefststand von 70 EGP, weniger als 10 EUR. So koennte es weitergehen, geht es aber leider nicht, um das schon mal vorweg zu nehmen….
Tag 23, Dienstag, 16.03.2010
8h aufgestanden, gruendlich rasiert, geduscht und dann mal weg aus der Mottenhoehle. Das Konsulat vom Sudan war auch im zweiten Anlauf gefunden, nachdem ich an der unscheinbaren Seitenstrasse (bei der Co-op Tankstelle muss man rein) erst vorbei gelaufen war. Hier teilte mir der ¾ Maxi (ihr wisst schon, etwa so wie Dieter Bohlen seine Echse Naddel, falls sich an den F-Promi noch jemand erinnert) erstmal mit was ich alles brauche fuer das Visum: 1. Ein Empfehlungsschreiben von der deutschen Botschaft, 2. den ausgefuellten Visaantrag und eine Kopie davon, 3. eine Kopie von der Fotoseite vom Reisepass und natuerlich das Original dazu, 4. zwei Passbilder, 5. 100 (in Worten: Einhundert) US Dollar Bearbeitungsgebuehr in bar. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Der Sudan ist ein Drexxland. Also erstmal fuer 10 EGP im Taxi zur deutschen Botschaft geheizt. Da sieht es schon ein wenig anders aus als bei den Sudanesi. Nach der Personenkontrolle und Metalldetektor konnte ich direkt zur Passstelle durch. Das Empfehlungsschreiben was fuer ein toller Typ ich bin kostet 150 EGP und wird innerhalb von 5 Minuten ausgestellt, das sind noch deutsche Tugenden. Wieder fuer nen 10er zurueck in den Sudan, bzw. erstmal in die Naehe, denn jetzt brauchte ich ja noch einen Kopierer. Dieser fand sich sogar recht schnell eine Querstrasse weiter vor einem Laden am Strassenrand. Die erforderlichen Seiten von einem jungen Maedel mit Kopftuch kopieren lassen, 1 EGP. So stand ich mit den vollstaendigen Unterlagen um 10h30 wieder am Schalter der Sudanesi, wo zum Glueck nicht viel los war. Am Nachbarschalter die 100 Dollar bezahlt und dann alles samt Quittung wieder an Schalter 1 abgegeben. Der ¾-Maxi meinte: “Tomorrow 10 o’clock”und ich zische ab. Als naechstes musste ein Internetcafe aufgesucht werden (2 aus dem LP sind inzwischen dicht gemacht worden), da mir der Name des 2006er Hotels nicht mehr einfallen wollte. Ach ja, Invitation Hotel, das wars. Kurz auf dem Plan angeschaut und dann auch direkt wieder gefunden. Das Zimmer gabs fuer 110 EGP, stabiler Preis seit 2006, auch wenn es vor 4 Jahren das Bad dazu gab und das TV Angebot jetzt nur noch 259 Kanaele statt 317 enthaelt. Am Bahnhof dann mal nach der Abfahrszeit fuer den Nachtzug nach Luxor (22h00, 165 EGP) gefragt und gleich nebenan auch noch nach der Faehre gen Sudan erkundigt (1x pro Woche, montags gegen 16h, 311 EGP in der 2.Klasse). Laeuft. Per Taxi dann mal zum Clubgelaende von Aegyptens zweitbeliebtestem Verein Zamalek, die 45% der Aegypter zu ihren Anhaengerm zaehlen, waehrend 55% zu Al Ahli halten. Das Basketballmatch von goalzz.com wollte ich bestaetigen, aber die Ottos hatten das Heimrecht verdreht und Zamalek spielte heute auswaerts in Alexandria. Der einarmige Zamalek Offizielle telefonierte aber ein wenig rum, waehrend ich Tee trinken musste und fand zwei weitere Basketball-Spiele des Tages raus. Zu dem einen waeren aber keine Auslaender zugelassen, da die Army mitspielt, aber das andere Spiel Gezira vs Smouha waere eh besser. So liess ich mir noch die Halle auf arabisch notieren und verabschiedete mich bis Freitag in Sohag. Vom Zamalek Trainingsstadion durfte ich auch noch Bilder machen und entdeckte dabei 4 weitere Flutlichtmasten auf der anderen Strassenseite. Beim kleinen Club Tersana waren sie aber ziemlich unhoeflich und liessen keine Stadionfotos zu, was ich mit ein paar englischen Schimpfwoertern (das F-Wort kam desoefteren vor) kommentierte woraufhin ich unter grossem jalla jalla nach draussen gebeten wurde. Mit Daumen und Zeigefinger in einem Abstand von einem Zentimeter aneinander gehalten zeigte ich ihnen im Weggehen noch die Groesse ihres Klubs an, was hoffentlich nicht mit der Schwanzlaenge verwechselt wurde. Der Ehrgeiz Luftbildern von einem der umstehenden Hochhaeuser zu machen war nun in mir geweckt. Im 17 Stoecker nach oben gefahren und einfach mal auf gut Glueck irgendwo geklingelt. Als die Tuer geoeffnet wurde musste ich erstmal schlucken. Stand doch eine 17-jaehrige Prinzessin wie aus tausend und einer Nacht vor mir, die auch gut englisch sprach und mein Anliegen verstand. Auf ihr “but I am alone” dachte ich mir “na das ist doch super, dann machen wir uns jetzt ein wenig Spass zusammen”, sagte aber sinnfrei “I am alone too” und zuckte entschuldigend mit den Schultern. Ein Sesam oeffne dich Gebet kam zu spaet, die Pforte zum Glueck war nach einem gefluesterten “sorry” schon wieder zu. Ein Stockwerk tiefer waren die 5 Maedels mit 2 Babys nicht alone, aber es musste erst noch der maennliche Nachbar zu Rate gezogen werden ehe die Fotoerlaubnis erteilt wurde. Alle ein bisschen paranoid. Vom Balkon einer Topwohnung (sicher 150 qm und sehr gut eingerichtet) konnte die 1A Luftaufnahme aber schliesslich gemacht warden. Shukran. Im McD noch schnell war gegessen und schon waren meine 500 EGP fast aufgebraucht. Die uebrig gebliebenen 7 JD in 52,50 EGP getauscht und dann nicht das allercleverste gemacht. Zum Feierabendverkehr in ein Taxi gestiegen. 15 Km dauerten mal knapp 2 Stunden und kosteten durch die fast eine Stunde dauerwarten 10 EGP mehr als normal, 35 EGP insgsamt. Es gibt inzwischen auch neuere Taxis die mit Meter fahren, die alten Rumpelkisten haben fast alle noch keinen, da ist der Preis VHB.
16.03.2010, 20h00 Gezira Sporting Club vs Smouha Sporting Club 98-92 vor ca. 150 Zuschauern (6) in Arena 4 (Cairo Intl. Stadium, 728) in Cairo. Basketball LP 12.
Ein relative ausgeglichenes Match in dem der Basketball oefter in den Korb flutschte als ich das vermutet haette. Nervig waren nur die 6 Gaestefans, die unaufhoerlich auf ihre beiden mitgebrachten Trommeln eindroschen. Per Bus und U-Bahn zurueck nach Downtown. Die U-Bahn ist hier definitive das geeignetste Verkehrsmittel in einer Stadt die unter 24 stuendigem Verkehrsinfarkt am Tag leidet.
Tag 24, Mittwoch, 17.03.2010
Kurz im Hotel gefruehstueckt, dann gegen 10h zur Botschaft vom Sudan. Visa war eingeklebt, somit alles erledigt, nach nur einer Minute war ich wieder an der frischen Luft. Der Sudan ??? Ein Superland . An einem der vielen Staende einen frischen Orangensaft pressen lassen, 2,50 EGP. Der Orangensaft hier ist Weltklasse, Note eins. Mit der U-Bahn zum Ramses Hauptbahnhof und am Fahrkartenschalter bei Gleis 11 ein Ticket fuer 22h00 nach Luxor geloest. Leider git es nur 1.Klasse Sitzplatz, was mit 165 EGP ganz schoen teuer ist. Auf dem 2,5 x 5 cm kleinen Ticket, auf welches die Fahrstrecke aufgestanzt wird wie bei uns einst zu Kriegszeiten steht zwar Aswan drauf, aber das kostet den gleichen Preis. Aus dem Nebeneingang raus, halb rechts halten, ca. 50m und schon steht man vor dem kleinen Buero der Bootsgesellschaft, die die woechentliche Bootsfahrt zwischen Aswan und Wadi Halfa im Sudan anbietet. Nachdem die Uschi meinen Pass auf ein vorhandenes Sudan Visa geprueft hatte ging es mit der handschriftlichen Ticketausstellung auch recht fix. Paar Daten aufgeschrieben, paar Zettel zusammen getackert und fertig ist die Faehrfahrkarte, 311 EGP in der 2.Klasse. Damit waren bereits um 12h alle organisatorischen Aufgaben des Tages erledigt und ich konnte mich dem Kulturprogramm zuwenden. Zuvor wurde an der Sadat Metrostation aber noch gespeist. Wie gestern gab es zum zweiten Mal in Folge den Mix aus zerkleinerten Maccaroni, Reis, Erbsen und Linsen. Sicher ein Arme-Leute-Essen, aber a) bin ich ja ein armer Leut und b) war das Gericht mit einer leicht scharfen Sosse darueber richtig lecker. Gut und guenstig also, 10 EGP inkl. Getraenk. Dann wieder in den Untergrund und ab nach Giza. Mit U-Bahn und noch 9 Km Bus ab Giza entstanden somit Kosten von 1,75 EGP fuer die Fahrt zu den Pyramiden. Studenten (auch solche die an der Universitaet von Bangkok eingeschrieben sind) zahlen in Egypt bei den meisten Sehenswuerdigkeiten nur die Haelfte, so auch bei der Topsehenswuerdigkeit, wo man dann mit fairen 30 EGP dabei ist. 4 EUR also, ein Zehntel von Petra fuer ein 10x bekannteres Highlight. Die spinnen, die Jordanier. Auch beim dritten Besuch sind die Pyramiden noch so beeindruckend, dass die ueblichen Fotos von allen Seiten gemacht wurden. Ansonsten hat sich seit 2006 nichts veraendert, der Sphinx ist jedenfalls kein Zacken von der Nase abgebrochen. Sphinx Fotos sind bei Nachmittagslicht gegen die Sonne uebrigens nicht ideal. Zum touristischen Tagesabschluss noch ein wenig andere Touris angegafft. Aus Russland, Polska und dem Reich der Mitte waren wieder ein paar leckere Exemplare dabei. Die nervigen Haendler, die einem schon vor dem Eingang auf den Sack gehen, versuchten ohne Pause allerlei Schrott an den Touridepp zu bringen, was auch desoefteren gelang. Mit tausend Jahre alten Papyrrusrollen und Original Skarabaeus Kaefern an der Halskette zogen sie von dannen. Ich dann auch, als ich die Dummheit der Leute nicht mehr ertragen konnte. Via Giza, der Stadt, die sich demnaechst rund um die Pyramiden erstrecken wird (erschreckend !?) zurueck ins Zentrum und zu Fuss zum Cairo Tower, auf dem ich 2001 schon mal drauf war. Die angedachten Luftbilder von der Stadt mussten aber diesmal entfallen, 70 EGP waren mir zu heftig, Ermaessigung gab es keine. So hatte ich genug Zeit fuer Euch Teil 3 fertig zu stellen, nachdem doch tatsaechlich schon einige im GH Forum gequengelt hatten. Mehr zum Fussball fahren, dann habt ihr auch weniger Zeit um Berichte zu lesen. 22h00 fuhr der NZ puenkltlich los, 6er Abteil mit 5 in den USA (mit LAX Labels an den Reisetaschen) lebenden Pakis. Die Beinfreiheit war ausreichend, das Gepaeck passte unter die Sitze, nur fuer die fehlende Tuer und das somit vom Gang eindringende Licht gibt es Minuspunkte fuer die Egyptian Railways, die die Waggons eines schoenen Tag mal von der deutschen Firma Messerschmitt-Boelkow-Blohm GmbH aus Donauwoerth hat bauen lassen. Das wird wohl irgendwann in den 70ern oder 80ern gewesen sein, da die MBB 1989 von der DASA gekauft wurde (Wiki weiss alles).
Tag 25, Donnerstag, 18.03.2010
Schlafen klappte einigermassen, nachdem die Pakis ihre neugierigen Fragen auf ein Minimun beschraenkten und ich nur kurze knappe Antworten gab. Mit leichter Verspaetung ratterte der Zug um 8h im Luxorer Hauptahnhof, der ziemlich zentral liegt, ein. Und wie das in einer Touristadt im arabischen Raum nun mal so ist wird man sofort von allen moeglichen Leuten vollgeblubbert. Hotel hier, Hotel da, cheap, cheaper und am cheapesten. Die oertliche Taximafia geht einem auch auf den Sack, in Luxor (ca. 500.000 Ew.) braucht aber nicht mal der Fusskranke ein Taxi. Ohren auf Durchzug und auch alleine zum LP Hoteltipp Oasis gefunden. 30 EGP fuers EZ mit Bad auf dem Gang, aber fuer die Preiskategorie sehr sauber, die LP Empfehlung passt also. Nach einer Dusche nochmal zum Bahnhof zurueck (500m) um die Fahrplaene nach Sohaq und Aswan zu erfragen. Beides zu meiner Zufriedenheit. An der Touriinfo gegenueber gab es nur wenig nuetzliches Material fuer Individualtouristen. Also mal direkt zum Luxor Temple losgeschlendert. Und welch Frevel: direkt davor ist ein goldenes M. Mit herrlichem Blick auf die Tempelanlage das Big Breakfast gefruehstueckt. Am Eingang den Ticketverkaeufer mal gefragt was ich denn von drinnen sehen kann, was ich von draussen nicht sehe und als Antwort "everything" erhalten. Na das interpretiere ich mal als "nothing". Eine Runde um die Anlage gedreht, ein paar Bilder gemacht und 25 EGP (fuer Studenten) gespart. Man sieht ja alles genauso gut von aussen. Dann am laengsten Fluss der Welt entlang die Promenade runter gewandert und das Luxor Museum rechts liegen gelassen. Etwa 3 Km sinds bis zum Tempel von Karnak, laut LP dem "most incredible sight in all of Egypt". Wie war das mit der Uebertreibung ??? Die 35 EGP (Student) sind aber gut angelegt, hier sieht man von aussen naemlich nix. Super Anlage, was es alles zu sehen gibt koennt ihr ja bei Wiki nachlesen, die weiss es naemlich immer besser als ich. Abartig jedenfalls was auch hier wieder an Russenschlampen.de rumlief. Womit haben die Kanisterkoeppe solche Frauen verdient ??? Zu Fuss wieder am Nil zurueck und inzwischen nervten mich die alten Aegypter doch maechtig gewaltig. Taxi, Boot, Kutsche, alles wird ohne Pause angepriesen und der Touri wird staendig vollgequasselt. Das der Touri das weder will noch mag merkt der alte Aegypter leider nicht. Einzig ignorieren hilft ein wenig, nach dem dritten "hello mister" ohne Gegenreaktion dackeln die meisten zum naechsten Touriopfer weiter. Fuer 1 EGP mit der Passagierfaehre ueber den Nil von der Ostseite von Luxor in den goldenen Westen rueber gemacht. Auch hier Tourijaeger ohne Ende, man ist noch nicht vom Boot runter und wird schon vollgequakt. Augen geradeaus und weiter. In einem local Restaurant fuer 5 EGP gegessen und getrunken, wieder ein Arme-Leute-Gericht, aber besser und gesuender als McD isses allemal. Mit dem naechsten Boetchen wieder nach East Bank geschippert und mal durch den Souq getigert. Abgesehen davon, dass ich eh nichts gekauft haette…., wer mich mit "hello my friend" anredet ist schon mal komplett an der falschen Adresse und hat seine Chance hundertpro verspielt. Ein wenig chillen auf der Dachterrasse vom Hotel, bissl Internet (5 EGP/Std.) und dann wurde es noch ein fantastischer Fussballabend im Restaurant. Bei Spaghetti Polonaise (so stand es in der Speisekarte, 9 EGP) und ohne der Schleiereule von hinten an die Schultern zu fassen gab es TV Fussball aus der Europa League. Was gibt es schoeneres als Juve Merda mit einem 4-1 wegzubuegeln, die Bayern Fans werden wissen wovon ich schreibe. Diesmal war es der kleine Fulham FC dem dieses Kunststueck, was ja fast keines mehr ist, gelang. Grazie Fulham, Arreviderci Juve und schon war auch der 25. Reisetag in die Geschichte eingegangen.
Tag 26, Freitag, 19.03.2010
Endlich auch wieder ein Livefussballtag. Das Fruehstueck auf der Dachterrasse war ganz in Ordnung: Tee, Banane, Cornflakes, Brot, Marmelade, Kaese, alles in den 30 EGP fuers Zimmer inbegriffen. 10h30 mit dem Zug nach Sohag, 31 EGP fuer den Fahrschein, der problemlos ohne Aufschlag im Zug gekauft werden kann. Der Zug war eine Art in die Jahre gekommener Eurocity mit verstellbaren Sitzen und Klimaanlage, die wie immer zu kalt eingestellt war. 14h05 Ankunft in Sohag, ca. 150.000 Einwohner. In aller Seelenruhe nach der Rueckfahrt gefragt, dann mal gemuetlich losgewatschelt, hier noch beim Baecker was gekauft, dort noch 2 Aepfel und zwischendurch mal nach dem Weg gefragt. Bis zur Bruecke ueber den gleichnamigen Fluss, dann kommt das Estad Nil auch schon in Sichtweite.
19.03.2010, 15h00 El Gouna FC vs El Zamalek SC (0-0) 0-1 vor 14.000 Zuschauern (ausverkauft, 13.500) im Estad Nil (14.000) in Sohag.
Vor dem Stadion fand das uebliche geordnete aegyptische Chaos statt, die Zeit hatte ich ein wenig aus den Augen verloren, aber gedanklich war ich ja noch frueh dran, bei Kickoff 17h15. Diverse Fans wollten irgendwie rein, die Bullerei draengte sie wieder zurueck. Nach kurzer Laberei mit zwei Colonels oder Corporals (was weiss ich, die Dienstgrade konnte und wollte ich mir schon zu Armeezeiten nicht so richtig merken) wurde Mr. Wichtig aus Deutschland durchgelassen und hatte nur noch die Huerde dritter Wichtigtuer vom Dienst an der ueberdachten Haupttribuene vor sich. Aber auch da ging es fix voran und als ich um 14h58 die Treppe hochkraxelte schuettelten sich die 25 Herren auf dem gruenen Rasen gerade fleissig die Patschehaendchen. Anstoss also 15h00, nicht wie ich gestern noch auf goalzz.com geschaut hatte 17h15. Da war wieder mehr Glueck als Verstand dabei. Die kleine Huette war rappelvoll, wer nicht in den ersten beiden Reihen sitzen wollte stand hinter der letzte Sitzreihe, was auch auf der Haupttribuene meine Alternative war. Fast alle waren fuer Zamalek. El Gouna setzte den Favoriten in der ersten Halbzeit aber gehoerig unter Druck, jedoch ohne den guten Keeper der Gaeste ueberwinden zu koennen. Aus stark abseitsverdaechtiger Position kam es dann wie es immer kommt, der Grosse macht die Bude zum unverdienten Sieg und die Meute jubelt. Gesaenge wurden immer mal wieder angestimmt, aber nur 2-3x war wirklich das ganze Stadion daran beteiligt. Gouna Fans gab es auch ein paar wenige, aber die hielten sie merklich im Hintergrund. Das Stadion leerte sich mit dem Abpfiff schnell, ich machte noch ein paar Leerbilder und wurde dann auf der Strasse ueber die Nilbruecke derart von Lungerkindern und Jugendlichen belagert, dass das erstbeste Auto das Vergnuegen hatte mich zum Bahnhof zu bringen. Viele Hopper hat Sohag wohl noch nicht gesehen. Zu Fuss ueber die Bruecke waere wohl einem Spiessrutenlauf gleich gekommen. Noch schnell was gegessen und dann mit dem schaebigen 18h00 Rumpelzug in der dritten Klasse fuer 8,50 EGP nach Luxor zurueck. Ordentlich Durchzug, total vermuellt, aber Hauptsache billig und hier tief im Sueden waren die Temperaturen ja auch schon um einige Grad waermer als vor ein paar Tagen in Suez. An heiligen Freitag um 21h15 in Luxor noch eine offene Wechselstube zu finden ist ein Ding der Unmoeglichkeit. Da muessen die restlichen 100 Dinger wohl noch ein bisschen reichen. Ab in die Stammpizzeria, wo der Fernseher meinetwegen extra auf einen Fussballsender umgestellt wurde, auch wenn Sporting Gijon vs Atletic Bilbao nicht wirklich prickelnd war.
Tag 27, Samstag, 20.03.2010
7h00 raselte der Wecker, denn nach dem Fruehstueck stand ein strafes Touriprogramm auf dem Zettel. Das Hotel hatte eine Tagestour fuer 20 EUR fuer Studenten angeboten. Darin waren enthalten alle Transfers und 3x Eintritt (zusammen 75 EGP) zu den Sehenswuerdigkeiten. Da Fahrer und Fuehrer ja auch noch ein paar Pfund verdienen wollten war der Preis schon ok, und die Tour auf eigene Faust zu versuchen waere nicht wesentlich billiger gekommen und das wird auch vom Lonely Planet abgeraten. Im Tal der Koenige wurden 3 Graeber angeschaut, leider herrscht hier absolutes Fotoverbot. Da haben sich die Steinmetze der alten Pharaonen schon jede Menge Muehe gegeben, die Grabstaetten schick aussehen zu lassen. Danach ging es in der 8er Reisegruppe zum Totentempel von Hatshepsut, wo 1997 beim Terroranschlag 62 Menschen ums Leben kamen. Dritter Programmpunkt war das Tal der Koeniginnen, wo wieder 3 diesmal nicht ganz so eindrucksvolle Graeber angeschaut wurden. Und zu guter Letzt lagen noch die Statuen von Memnon auf dem Weg. Kurz nach 14h war der Trip dann beendet und die 8er Resiegruppe splittete sich in 4x USA und 3x Asien + Germany zum Lunch auf. Hatte auf der Fahrt erst angenommen, dass alle 3 aus Japan kommen, aber nachdem sich die beiden Maeuse mit dem asiatischen Kollegen und auch untereinander auf englisch unterhielten war klar: Korea, Japan und China waren am Start. Zu viert ging es local food antesten, was gar nicht mal so schlecht war. 10 EGP fuer Suppe, Salat, Reis und einen Fleischtopf. Dabei wurden allerlei Reisestories eroertert. Die schuechterne Korea-Maus verabschiedete sich leider nach dem Essen recht zuegig. Mit Nami aus Nagoya und Yue Qing aus Shanghai, der nach Kapstadt geflogen war und das afrikanische Feld von Sueden aus aufrollte, naemlich zum Grossteil im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Fahrrad, machte ich Luxor noch ein wenig unsicher. Logisch, dass ich ein Auge auf die mindestens 29-jaehrige (mein Tipp) Japanerin, die ihr wahres Alter nicht verraten hat, geworfen hatte, die jetzt noch die beiden von mir schon gesehenen Tempel anschauen wollte. Aber ich hatte eh nichts besseres vor und die Stories vom sehr gut englisch sprechenden und sich super auskennenden China-Manne waren auch interessant. In Mosambik ist Yue Qing von 3 mit Messern bewaffneten Maxis seines Geldes, Kamera und Handy beraubt worden, von Kenia nach Aegypten musste er mit Airarabia fuer 300 USD fliegen, da er fuer den Sudan kein Visum bekommen haette. Eine Dreierrunde mit 2 Kerlen und einer Maus auf die beide scharf sind ist ja selten ideal, aber in Anbetracht, dass sich China und Japan ja eigentlich hassen blieb ich mal am Ball, auch wenn die Erfolgschancen nur bei 0,96% oder wenige liegen. Vorm Karnak Tempel wartete ich dann mal auf die beiden und dann ging es wieder in die Stadt, wo wir noch einen Kaffee mit herrlichem Blick auf den Luxor Tempel tranken. Hach, was waere das zu zweit romantisch gewesen. Mit der richtigen Antwort auf die Einwohnerzahl von Japan gewann ich gegen meinen neuen Freund aus dem Reich der Mitte zwar noch ein Bier, aber naeher ans Ziel brachte mich das auch nicht. Nami-Maus, die in Dubai fuer die Haelfte des japanischen Salaers malocht (dafuer aber mehr Freizeit hat) war nicht am deutschen Fussballheld interessiert (oder hat dieser sich nur zu doof angestellt ???, man weiss es nicht genau), auch wenn die Gespraechsrunde zu der sich zeitweise noch ein belgischer Standard de Liege Fan und ein in Paris studierendes japanischen Paerchen gesellte durchaus witzig war, aber nett und witzig sein reicht ja leider nicht….. So, genug rumgeheult, der LP Nippon haette ja in Egypt eh nicht gezaehlt. Mitternacht loeste sich die Runde auf und jeder schlief seinen nicht vorhandenen Rausch alleine aus.
Tag 28, Sonntag, 21.03.2010
8h15 aus der Falle gekrochen, fix gefruehstueckt, die noch offene Hotelrechnung ueber 60 EGP beglichen und ab dafuer. Das zweite ausgelesene Buch der Tour (Cupido, ein Tauschgeschaeft mit Wasi) blieb im Tausch gegen die "11Freunde" vom Januar und das schweizer Gegenstueck "Zwoelf" im Hotel zurueck. Neben dem Zug fuer den Touristen zugelassen sind faehrt in etwa zeitgleich auch noch ein Bummelzug, den der Auslaender an sich nicht nutzen soll, der aber nur etwa 1/3 kostet. Klar, mit welchem Zug ich also fuer 10,50 EGP nach Aswan gefahren bin, oder ??? Ein weiterer Deutscher aus Sachsen war ebenfalls mit an Bord und der Bulle am Bahnsteig, der angeblich dollen Aerger kriegen wuerde, wenn rauskaeme, dass er mich zum nicht offiziellen Zug gebracht hat, setzte uns zusammen. Die gut 3 stuendige Fahrt am Nil entlang wurde also ueber Reisekram verlabert. In Aswan (1,2 Mio. Ew.) angekommen ging es zielstrebig zum Cousinhotel der Bude in Luxor, welches mir der Rezeptionsmokel empfohlen hatte. Gleicher Standard zum selben Preis, Hotel Yaseen, 30 EGP, direkt in der Fussgaengerzone. Nach dem Einchecken mit dem Sachsen erstmal was essen gegangen, dann ein wenig die uebersichtliche Stadt angeschaut. Durch den Souk hin, an der Corniche zurueck. Dann wollten wir mit der normalen Faehre in den Westteil ueber den Nil uebersetzen, aber Mohamed, der kleine H****sohn wollte jedem 2 EGP abkuepfen, waehrend der Aegypter, der hier kein Aegypter sondern Nubier ist nur ein Achtel davon bezahlt. Wir gingen nach hitziger Debatte bis zur Touristenpolizei, doch Bullen sind ja auch zu gar nix zu gebrauchen. Der Trottel kam zwar angedackelt, diskutierte auch mit Mohamed, konnte sich aber nicht durchsetzen. Danke fuer nichts. Irgendwann als wir die Treppe zur Promenade schon wieder halb rauf waren lenkte Mohamed zwar noch ein, aber jetzt wollte ich dem W****er nicht mal mehr die 25 Piastres geben. So machten wir privat ein ca. 3x8 Meter grosses Segelboot, Felucca genannt, fuer 15 EGP pro Nase klar und liessen uns eine Stunde bei Windstaerke 1 und ca. 35 Grad Celsius ueber den Nil segeln. Krokodile gab es leider keine, leben die ueberhaupt noch ??? Als die lustige Bootsfahrt beendet war zog es mich per Taxi zur Stadionbesichtigung. Nix dolles, ganz normaler 14.000er, wie es in Suedaegypten wohl so einige gibt. Viel mehr war dann auch nicht mehr zu erledigen, ausser Euch auf den neusten Stand zu bringen. Jetzt seid ihr wirklich live drauf. Mittendrin statt nur dabei. Das wird sich aber in naher Zukunft wohl ein wenig aendern, denn weiter im Sueden wird es wohl wenn ueberhaupt nur unregelmaessig Internet, Computer und/oder Strom geben. Wie die naechste Bootsfahrt war und wie die Reise weitergeht erfahrt ihr dann irgendwann im 5.Teil. Also, dranbleiben….
Gruss aus Aswan, H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 03.04.2010 08:48 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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Hallo Fans und ein letztes Salem Aleikum von dieser Reise, denn irgendwann reicht es ja auch einmal mit der arabischen Welt. Schoen, dass ihr drangeblieben seid und deshalb geht es auch ohne unsinnige Laberei direkt weiter mit der fuenften Reisewoche.
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Tag 29, Montag, 22.03.2010

Neuer Tag, neue Woche, neuer Teil. Viertel nach 8 aufgestanden. Mit der dicken Winterjacke wurde weiterer Ballast abgeworfen bzw. einfach im Schrank haengen gelassen. Dann muss halt in der suedafrikanischen Kaelte eine neue Jacke her, aber in den kommenden zwei Monate waere fuer die Jacke ja keine Verwendung gewesen, es wird wohl alles andere als kalt. 9h sollte der Zug nach High Dam zum Hafen fahren, das hatte ich zumindest gestern am Bahnhof so erfragt. Heute waren die Auskuenfte schon wieder leicht abweichend. Der eine meinte “ten o’clock”, der andere “maybe nine thirty”. Nichts genaues weiss man nicht. Wenn ich mich schon am fruehen Morgen ueber Wucherpreise aergern muss nervt dieses Suedaegypten schon ganz schoen. Da wollte der Zigeuner allen Ernstes 20 EGP fuer 3 Bananen und 2 Aepfel. Da konnte er echt von Glueck sagen, dass die Fruechte nicht durch seinen kleinen Laden geflogen sind. Naja, ab jetzt zahlen wir mit der richtigen Hautfarbe auf diesem schwarzen Kontinent ja wohl eh fuer alles so etwa das doppelte, die sogenannte “Skin Tax”. Der weisse Mann ist nunmal reich, glauben zumindest die nicht ganz so weissen Maenner. Am Bahnhof gab es natuerlich keinen 9h Zug, ist ja auch nicht so wichtig. Abwarten und Wasser trinken war die Devise bei bereits deutlich ueber 30 Grad. Eine weitere Geduldsprobe bis der richtige Zug dann um kurz vor 10h auf Gleis 2 rein ruckelte. 1,50 EGP bis zum High Dam, wo sich der Hafen befindet. Schon vor 11h war ich am Faehrterminal, wo es gesitteter zuging als ich erwartet hatte. Gepaeckdurchleuchtung, oberflaechliches Abtasten, dann zur Passkontrolle. Ausreisezettel ausfuellen, 2 EGP Ausreisesteuer bezahlen, Stempel rein, adios. Als naechstes wird das Sudan Visa und das Faehrticket kontrolliert und direkt beim Einstieg ins Boot um 11h30 gleich nochmal und es gibt einen Essensgutschein. Einen Platz gesucht, die guten Deckplaetze waren alle schon von anderen Travellern belegt und als der hollaendische Radfahrer mit Japan-Maus dann meinte es wuerde schon das Mittagessen ausgegeben gleich mal in die Kombuese geschaut und den Gutschein eingeloest, wer weiss wann es wieder was gibt. Die beiden Mittdreiziger Max und Lothar aus Hamburg waren auch auf dem Weg nach Suedafrika, laut offizielle Aussage sogar auf dem Weg zur WM. Bei Ankunft und Verschiffung ihres umgebauten Bundeswehr Trucks vor dem Eroeffnungsspiel erschliesst sich mir der Sinn einer Reise zur WM allerdings nicht so ganz. Allein die Verschiffung ihres Trucks von Egypt in den Sudan hat schlappe 13.000 EGP (ueber 1.700 EUR) gekostet. Na da komme ich mit meinem Rucksack wohl besser weg. Dieser war jetzt erstmal der Platzhalter, denn es galt einen noch halbwegs akzeptablen Deckplatz ohne Reeling gegen die anstuermende und sich ueberall ausbreitende Meute zu verteidigen. Auf Klo gehen oder so war nicht drin, in der Zeit haetten die Maxis mit ihren riesigen Kartons, Taschen, Koffern und Kisten alle vollgebaut. Also wer erst nach 12h auf den Kahn kam hatte schon schlechte Karten. Ich schlug mein “Zelt” nahe der beiden Hamburger, die auch mit Bundesligafussball nicht viel am Hut hatten, aber mit Luftmatratze und Schlafsack professioneller ausgestattet waren, auf. Waehrend der Wartezeit bis wir ablegten war es fast das spannendste die Fische zu beobachten, wie sie nach dem ins Wasser geworfenen Brot und den Bananenschalen schnappten. Das Oberdeck wurde minuetlich voller, sowohl mit Leuten als auch mit deren Bagage. Meine 2qm verteidigte ich eisern, “not here my friend” musste nicht nur einem Maxi, der seine Taschen abladen wollte, mitgeteilt werden. Zur geplanten Abfahrszeit um 16h wurden noch fleissig Kartons und Kisten auf das Boot geschleppt, der LKW war noch nicht mal halbleer und nur ein Mokel auf der Ladeflaeche bewegte sich im Schneckentempo. Den 10 Minuten zu beobachten hat gereicht um zu wissen warum in Afrika nichts voran geht. Nach knapp 6 Stunden an Bord legten wir um 17h20 dann endlich und ohne Vorwarnung ab und schipperten den Nasser See herunter oder herauf, waehrend im Westen (wo auch sonst) die Sonne langsam aber sicher unterging. Schnell noch eine Portion Nudeln, Reis, Kartoffeln und Brot plus Banane fuer 15 EGP reingeschaufelt, bevor alles alle ist. Das waren sie dann auch schon fast, die heutigen Tagesausgaben. 2 Wasserflaschen, die Ausreisesteuer und das Zugticket kamen noch hinzu, insgesamt 23,50 EGP, etwas mehr als 3 EUR, denn Faehrticket und Visa waren ja schon laenger bezahlt. Nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war strahlte nur noch der halbe zunehmende Mond. Der Sternenhimmel ueber Afrika war wieder fantastisch, so klar und so viele Sterne wie es nur hier zu sehen gibt. Nun wurde es aber langsam kuehler. Mit dicken Socken, Trainingshose, zwei Lagen Pullover und in einen Bettbezug eingewickelt, der den Schlafsack ersetzen sollte ging es aber gerade so auf dem harten Boden ein wenig Schlaf zu finden. Meine groesste Sorge war eigentlich, da ich mir ein Stueck ohne Reeling ausgesucht hatte, nicht von Bord zu fallen, aber auf so einem See bei schwachem Wind gibt es ja kaum Seegang. Die Maxis hatten meine Parzelle inzwischen komplett zugestellt und wunderten sich dann darueber, dass ich ueber ihren Krempel klettern musste um aufs Klo zu gehen. Unter Deck lagen sie auf Baenken und Tischen, sowie am Erdboden alle Mann kreuz und quer verteilt. Da war es zwar wenigstens warm, aber die Luft war nicht mehr zum einatmen, wie im Pumakaefig.

Tag 30, Dienstag, 23.03.2010

Etwa alle Stunde wachte ich mal auf, weil es entweder zu hart oder zu kalt wurde oder beides gleichzeitig. Unbequem umgedreht und versucht auf der anderen Seite wieder einzupennen. Den Sonnenaufgang habe ich dann aber natuerlich verpennt, wie auch den letzten mir noch fehlende Touripunkt in Aegypten, Abu Simbel zur Rechten, was laut eines italienischen Travellers recht gut zu sehen gewesen sei. Naja, man kann nicht alles haben. Es wurde wieder waermer und fuer 10 EGP goennte ich mir erstmal ein Fruehstueck. Es ist also genug fuer alle da, verhungern muss auf dem Schiff jedenfalls niemand. Die Passformalitaeten wurden auch schon an Bord abgewickelt, weitere Zettel mussten ausgefuellt werden, aber alles easy going. Dann wurde noch die Koerpertemperatur gecheckt. Mit 34,5 Grad hatte ich wohl keine Schweinegrippe. Das vorlaeufige Reiseziel Wadi Halfa steuerte der Kapitaen um 11h15 an. Dann dauerte es noch ueber eine Stunde bis alle von Bord gehen konnte, es mussten noch weitere Formulare ausgefuellt werden, ein echter Papierkrieg, der dann in diverse Buecher eingetragen wurde. Die Tuer geht auf, das geordnete Chaos beginnt. Menschen die im normalen Leben alle Zeit der Welt haben wollen nun alle als Erster wieder aufs Festland. Draengel, quetsch, aechts. Die Custums Controll warf einen fluechtigen Blick auf meinen Rucksack, klebte einen Aufkleber drauf und der naechste Mokel kreuzte den Aufkleber an. Beschaeftigungstherapie vom allerfeinsten. Kaum aus dem Gebaeude raus umlagern einen auch schon die Geldwechsler, die einem man glaubt es kaum einen besseren Kurs offerieren, als die Bank. Also lieber schwarz wechslen bei 3,50 Sudanesi Pound fuer den Euro als offiziell fuer 3,30. Ein Mitreisender aus dem schoenen Somalia hatte mir geraten das Busticket schon hier direkt am Hafen zu kaufen und so wechselte ich entsprechend viel Geld und tat dies auch. Im Bus zum Immigration Office ging es auch schon wieder hoechst chaotisch zu, da wieder jeder als Nummer eins einsteigen wollte. An Disziplin fehlt es hier den meisten. Fuer unverschaemte 5 SDG (Sudan Pound) gings mit einem Jeep mit ausgebauter Ladeflaeche fuer 10 Passagiere in den eigentlichen Ort Wadi Halfa, nachdem der Jeep erstmal von 3 Mann angeschoben werden musste, damit er ueberhaupt anspringt. An Bord hatte es unter den gar nicht mal so vielen Travellern (ein knappes Dutzend Italiener mit Autos, ein Englaender, ein Ire, ein Inder, ein aelteres deutsches Paar mit Auto, dessen Passage 2.000 EGP kostet und schon einen Tag frueher mit einem anderen Boot losgeht, der Hollaender mit der Japanesin auf Fahrraedern, sowie Max und Lothar) schon die wildesten Geruechte gegeben: Heute faehrt kein Bus mehr, es gibt nur 20 Sitzer Busse, die Busfahrt dauert ewig, etc., etc. Gestimmt hat von den ganzen Geruechten nur, dass leider keine Zugverbindung mehr in die Hauptstadt existiert. Haette aber auch keinen Sinn gemacht, wenn es die Verbindung, die immer am Mittwoch ging noch gegeben haette. In Wadi Halfa einen Tag rumzugammeln…. Da haette man sich auch gleich erschiessen koennen, denn da ist nun wirklich der Hund begraben. Die Bank hat nicht mal genug Geld um 20 USD zu tauschen. Einen Bankomat sucht man vergeblich. Um 15h sollte der klimatisierte 50er Bus vom schaebigen Busbahnhof rollen, eine Stunde gammeln in WH reichte vollkommen, wunderte mich eh schon wie die 3er Reisegruppe mit dem Inder, dem Iren und dem Englaender ueberhaupt ein Hotel hat ausfindig machen koennen. Die drei verweilten also noch einen Tag im nichts, muss auch was feines sein, wenn man Traveller ohne Ziele und ohne Zeitdruck ist. Die innerhalb von 3 Tagen vorgeschriebene Registrierung klappte in WH so auf die Schnelle nicht, da ich weder sudanesisches Geld noch eine Passkopie dabei hatte. Wurscht, in Khartoum ist ja noch genug Zeit. Der Somalia Kollege gab noch einen Tee aus, was fast schon wieder beschaemend war. Somalia vs Deutschland und Somalia zahlt, das geht eigentlich nicht, aber es wurde damit gerechtfertig naeher an seinem Heimatland zu sein. 15h04 waren wir startklar und der Busfahrer hupte ungeduldig. 15h11 drueckte er aufs Gaspedel und manoevrierte sein Gefaehrt ueber die durchweg asphaltierten und zuegig zu befahrenden Strassen gen Sueden. This is not Africa. Der Hunger hatte mich inzwischen eingeholt, aber no money no food. Mein Sitznachbar half mit Brot und Bananen aus. Nett sind sie ja, die kleinen Sudanesi. Shukran. Spaeter gab es sogar noch ein Lunchpaket und Getraenke von der Busfirma. 894 Kilometer stand auf dem ersten Kilometerstein, das kann ich im Nachhinein fast nicht glauben, denn nach nur 10 Stunden Fahrt hatten wir das Ziel erreicht. Das waere dann mal ein 90er Schnitt, was ich fast fuer uebertrieben halte, auch wenn die von den kleinen Chinesen (von wem auch sonst ???) gebaute Strasse sehr gut war und nur wenig Verkehr herrschte. 2-3 Pausen machten wir ja auch und ein paar Polizeisperren gab es auch noch. Naja, letztendlich auch egal, wird schon stimmen, 1h30 Ankunft in der Hauptstadt des Sudan (ca. 40 Mio. Bewohner im Land insgesamt), wo ich noch schnell eine kurze Zwischenbilanz zog. Die durchschnittlichen Tagesausgaben belaufen sich nach dem 30.Tag auf genau 36 EUR und die erste 2 GB Speicherkarte ist mit 855 Fotos auch voll, was ungefaehr soviel heisst wie jedes Foto hat 1,26 EUR gekostet. Die Reise mit dem Finger ueber die Landkarte waere billiger geworden und die dazugehoerigen Fotos haette man sich ja auch im Internet anschauen koennen….

Tag 31, Mittwoch, 24.03.2010

Keine gute Ankunftszeit in Khartoum North, wo die Obdachlosen sich ihr Quartier am Busbahnhof eingerichtet hatten. Viele Optionen blieben nicht, also mal mit dem Somalia Abdullah und seinem Arbeitskollegen im Taxi ueber die Bruecke ueber den blauen Nil nach Khartoum Zentrum gefahren. Haette ich vorher gewusst was das Taxi kostet (40 SDG) haette ich das natuerlich nicht gemacht. Dafuer war aber das “Hotel” mit 15 SDG pro Nase superbillig und auch dementsprechend uebel. Sicher eine der uebelsten Butzen in denen ich jemals uebernachtet habe. Da zahlte sich die Mitnahme der eigenen Decke und eines Bettbezugs aus, schaebig war gar kein Ausdruck mehr. Dennoch ziemlich kaputt gewesen und von 2h bis 9h durchgeknackt. Dann mal von den beiden Mitstreitern verabschiedet und auf die Suche nach einer besseren Behausung begeben, was gar nicht so leicht war. Im Zentrum von Khartoum reiht sich zwar ein Hotel an das Naechste, aber es ist schwierig da die Mittelklasse zu finden. Die Buden fuer 20 SDG sind selbst mir zu schaebig und wenn die Preise von vornherein in USD ausgeschildert sind macht es meist nicht mal Sinn beim arroganten Personal nach dem Weg zu einem billigeren Hotel zu fragen. In der ca. zehnten Bude, dem Hotel Badr Tourist war das Zimmer dann sauber genug, mit TV und eigenem Bad ausgestattet und nach kurzer Verhandlung mit 66 SDG pro Nacht, wenn ich gleich fuer die 5 Uebernachtungen bezahle auch innerhalb meines Limits. Leider geht die DKB Visa Card im Sudan an keinem Bankomat und auch mit Maestro kommt man nicht weit. Cash wechseln lautet also die Devise, was aber bei der Bank gar nicht so gut ist. Da bekommt man nur 3,30 SDG fuer den Euro, waehrend es Schwarz 3,50 gibt. Der Hotelmensch tauschte mir also mal 100 EUR ein und behielt von den 350 SDG gleich mal 330 fuer die Hotelkasse. Die Info, dass die Registrierung nochmal 130 SDG kostet wurde schockte ein wenig, ganz schoen teuer dieser LP Sudan. Sich registrieren braucht man natuerlich nicht, wenn man nur fuer einen oder zwei Tage angeflogen kommt. Am dritten Tag sollte man das dann aber erledigen, sonst gibt es noch eine Strafgebuehr obendrauf. Da der dritte Tag aber erst morgen ist war noch genug Zeit fuer die wirklich wichtigen Dinge, naemlich den Laenderpunkt. Die Zeitung wurde mir zwar uebersetzt und sagte 20h Kickoff, aber doppelt geprueft haelt ja bekanntlich besser und so fuhr ich mal mit einem Minibus in den mich ein netter Sudanesi quasi reinsetzte nach Omdurman, der Schwesterstadt (ca. 2,5 Mio. Ew.) von Khartoum (ca. 8,5 Mio. Ew.) und Fussballhochburg des Landes (in den letzten 50 Jahren ging der Titel nur 1x nicht nach Umm-Durman). The Red Castle vom zweiterfolgreichsten Verein Al Merreikh, einst von deutschen Trainergrosessen wie Otto Pfister oder Michael Krueger gecoacht, war auch anhand der Flutlichter schnell lokalisiert, ich war welcome Bilder zu machen und die Anstosszeit wurde bestaetigt. Eigentlich muesste das unueberdachte (nur die HT hat ein kleines Dach) 35.000er mit 20 Stehreihen und Stzplaetzen darueber Red and Yellow Castle heissen, aber so genau nehmen es die Fans des Stern (Nickname: Rote Teufel, pfui) wohl nicht. Stadtrivale und Rekordmeister Al Hilal spielt nur einen Steinwurf entfernt und auch beim blau-weissen Nachbar stellte Bilder machen kein Problem dar. Nicht ganz so gross wie die Burg vom Erzfeind, ca. 25.000 Plaetze. Der Ground von Khartoums Nummer 3 Al Mawrada ist aktuell eine grosse Baustelle, nur die Flutlichter stehen noch. Was mal daraus werden soll weiss keiner so genau. Auch an einem neuen Nationalstadion wird zur Zeit im Sueden der 8-Millionenstadt schwer geschuftet, aber auch da weiss niemand wann das wohl 50.000 Zuschauer fassende Prunkstueck fertig sein soll. Damit steht jetzt schon fest, dass man noch ein zweites Mal im Leben in den schoenen Sudan reisen muss. Schoen, wenn einem die Ziele nicht ausgehen. Das aelteste Stadion in Khartoum, das Khartoum Stadium, welches 1957 fuer den ersten Afrika Cup gebaut wurde liess sich im vorbeifahren auch noch spotten, womit die Hausaufgaben im Grossraum der Hauptstadt erledigt waeren. Jetzt muessen die 3 Tempel nur noch gemacht werden. Auf dem Weg zum Hotel entdeckte ich ein Internetcafe und nutzte die guenstige (2 SDG/Std.) Gelegenheit. Couchsurfer Uli hatte auf meine Anfrage geantwortet, war sich aber der Wochenendplanung noch nicht 100%ig sicher. Na mal sehen ob sich ein paar Euro sparen lassen. Im Restaurant gab es die kleine Pizza mit Getraenk fuer 9,50 SDG. Nicht typisch afrikanisch zwar, aber das war dann dafuer das Schauspiel im Hotel: Ich frage an der Rezeption nach einer Decke, einem Handtuch und Toilettenpapier. Uschi gibt mir nach einer Weile ne Rolle Klopapier und sagt der Rest wird aufs Zimmer gebracht. Also schaue ich Kashima Antlers vs Persipura Jayapura aus der asiatischen Champions League an und warte. Irgendwann klopft der Mokel und hat ein Stueck Seife in der Hand. Sehr schoen, denn die fehlte auch, aber eine Decke und ein Handtuch wuerde ich noch brauchen. Yes, yes. Er dampf wieder ab und kommt Minuten spaeter mit einer Art Decke wieder. Ich zeige ihm mein Handtuch und deute an, dass ich ein neues brauche. Wieder yes yes und Kollege Hotelmokel ward nie wieder gesehen. Gegen 16h dann mal erkundet wo denn die Registrierungsstelle ist und was es denn kostet, wenn ich mich nicht an mein Hotel wende, sondern die Unterlagen selbst abgebe. Aha, 105 SDG, na siehste. Die befragten Leute auf dem Weg dorthin waren uebrigens alle sehr freundlich und hilfsbereit, aber leider wissen sie nicht viel, selbst wenn das gesuchte Gebaeude genau um die Ecke ist. Wieder im Bus zurueck nach Omdurman. Klappsitze die im Gang aufgeklappt werden rauben einem den letzten Nerv, denn i.d.R. will immer derjenige aussteigen, der am weitesten hinten sitzt, so dass alle andere aufstehen und ihre Sitze umklappen muessen, damit er durchkommt. Dann wird Reise nach Jerusalem gespielt und alles rueckt weiter nach hinten durch, so dass die naechsten dann wieder von ganz hinten kommen, wenn sie aussteigen wollen. Das ist afrikanische Logik. Auf dem Weg zureuck nach Omdurman ging es wieder am Khartoum Stadium vorbei, wo ich von der Bruecke aus den Ball rollen sah. Merda, 17h19 und ein weisses Team kickt gegen ein gruenes Team. Na da hab ich wohl ein 2.Liga Spiel oder so verpasst und <?xml:namespace prefix = st1 ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:smarttags" /><st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> entsprechend geaergert, aber den Ground mache ich ja am Freitag inshallah noch.

24.03.2010, 20h00 Al Merreikh Club Omdurman vs Al Merghani Club Kassala (4-0) 4-0 vor ca. 12.000 Zuschauern im Merreikh Stadium “The Red Castle” (35.000) in <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Omdurman</st1:place></st1:City>.

In der roten Burg waren um 18h schon gut 100 Zuseher bei teuren Eintrittspreisen von 20, 25 und 50 SDG fuer Verbandskarten ohne Spielpaarung zugegen. “You are early” meinte ein Vereinsoffizieller zu mir. Naja, du weisst ja Kollege, frueher Vogel und so. Eine Stunde vor Kickoff versammelten sich die Glaeubigen dann mal im Innenraum auf der Laufbahn und erfuellten 1/5 ihrer taeglichen Betpflicht. Der Fussballallah hat die Gebete dann wohl auch erhoert und bescherte den Fans, die zumeist in ihren typischen weissen Umhaengen und nur vereinzelt mit Trikot oder Schal gekleidet waren eine muntere erste Halbzeit. Das Publikum war aber wenig euphorisch und wurde nur bei den 4 Toren innerhalb von 13 Minuten mal ein wenig lauter. Anfeuerungsrufe wie wir sie kennen waren kaum zu vernehmen, aber das Spielgeschehen wurde aufmerksam verfolgt und es gab Szenenapplaus fuer gelungene Aktionen oder ein kollektives Raunen bei vergebenen Torchancen. Schade nur, dass keine Mannschaft, die zur Pause 4-0 fuehrt nach dem Pausentee ernsthaft und mit Vollgas weiter spielt. So wurde Abschnitt 2 recht boring. Im Minibus (50 Piastres) ging es auch spaet noch gen Khartoum, der Baecker hatte auch noch offen und 2 Brote fuer 40 Piastres waren das wenig ausgewogene Abendessen. Im Hotel hatte ich noch immer kein Handtuch, aber nach etwas Druck klappte das dann doch noch vor dem Einschlafen. Im TV hatte ich die Wahl zwischen Lens vs ASSE, irgendwas aus der AFC Champions League oder “In your shoes”. Klar, das Cameron Diaz das Rennen machte, oder ??? Wen interessiert schon Fussball…. ???

Tag 32, Donnerstag, 25.03.2010
Nachdem gestern Abend von Couchsurfer Uli noch eine “Uebernachtung bei uns geht klar” SMS kam checkte ich wieder aus dem Hotel Badr aus und bekam auch anstandslos meine 260 SDG zurueck. Gegen 10h ging ich dann mal zum Aliens Registration Office, wo ich allerdings neben einer Passkopie und 2 Passbildern auch noch ein Schreiben vom Hotel brauchte. Den Registrierungsantrag nahm ich schon mal mit und dackelte unverrichteter Dinge wieder die 10 Minuten zum Hotel zurueck. Heiss isses im <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place>, aber dadurch, dass es eine trockene Hitze ist geht es auch trotz mehr als 35 Grad noch. <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Khartoum</st1:City></st1:place> soll ja die heisseste Hauptstadt der Welt sein und der Aequator kommt auf meiner Reise auch immer naeher. Bei den Hoteluschi um das Schreiben gebeten, was sie auch umgehend auf den Namen Markus Deutsch ausstellte. Ich wies auf den Fehler hin und statt eines neues Ausdrucks korrigierte sie das per Hand und Stempel, was also Hand und Fuss hatte und durch ging. Nun erneut zur Registrierungsstelle, die machen es echt so kompliziert wie moeglich. Und so teuer wie moeglich. Nochmal 105 SDG kostet die Registratie. Als ob das Visa nicht schon teuer genug waere. Wieder 30 EUR fuer nichts. Fenster auf, 30 EUR raus, Fenster wieder zu. Um 11h40 war ich dann fertig und hatte es versaeumt von der niedlichen China-Maus, die die Antraege fuer ihre Arbeitskollegen komplett abgab, mir die Nummer geben zu lassen. Eine China-Maus reicht zwar, aber trotzdem Grmpf! Per Taxi sollte es zur Botschaft von Aethiopien gehen, die aber wohl erst kuerzlich umgezogen sind, so dass der Fahrer den Weg nicht wusste und ein paar mal nachfragen musste. Bei viel Verkehr erreichte ich die wie <st1:place w:st="on"><st1:PlaceType w:st="on">Fort</st1:PlaceType> <st1:PlaceName w:st="on">Knox</st1:PlaceName></st1:place> gesicherte Boschaft erst um Viertel nach 12h und bekam am Einlass die Antwort ich waere “late”, Visaanfragen wuerden nur bis 11h bearbeitet. “Come back on Sunday”. Nix da, ich bin ja jetzt schon mal hier und ihr arbeitet ja auch noch, zumindest mehr oder weniger. Geht ja ruckzuck und ich muss auch morgen schon weiter um in euer schoenes Land zu fahren, was zwar beides gelogen war, aber manchmal heiligt der Zweck ja die Mittel. Nach zwei Telefonaten mit dem Konsul und weiterem Gequengele von mir durfte ich dann um 12h30 doch in den Glaspalast hinein. Hartnaeckigkeit zahlt sich ja doch manchmal aus. Fix den Antrag ausgefuellt (welches Hotel ??? Hilton, prueft ja eh keiner nach ob ich da wirklich uebernacht oder ob es das ueberhaupt gibt), 20 USD, 2 Fotos (die gehen mir langsam aus, denn die 40 in Indonesien gemachten liegen ja noch ordentlich sortiert zuhause auf dem Schreibtisch) und eine Passkopie, von der ich vorhin zum Glueck eine extra hatte machen lassen, weil ich mir schon dachte was da kommt, durchgeschoben und gewartet bis nach einer guten halben Stunde eine weitere Passseite (auch die werden langsam knapp, da Syrien, Aegypten und jetzt auch der Sudan jeweils 2 Seiten vollgestempelt haben und nur die Tuerken und Jordanier mitgedacht haben) vollgeklebt war. 13h30 war dann auch der zweite Tagesordnungspunkt abgehakt und es ging im Taxi, was nicht noetig gewesen waere, wenn man den Weg gekannt haette zur Sudan FA. Da hat die FIFA mit meinen WM-Ticket-Geldern wieder einen schoenen Palast fuer einen armen Fussballverband hingestellt. Der Spielplanleiter war etwas arrogant und gab mir den Schreck des Tages mit auf den Weg, dass das morgige Spiel Al Ahly vs Al Mawrada nicht wie auf goalzz.com (die wissen auch nicht alles) vermeldet im Khartoum Stadium sondern bei Al Hilal stattfnden wuerde. Shit. 2.Liga Termine haette er angeblich nicht, der Verband ist nur fuer die Superliga zustaendig. Also mal zu Fuss der Nase nach zum Khartoum Stadium um eventuelle Zweitligaspiele zu erfragen. Ein etwa 12-jaehriger Knirps meinte heute um 5 waere ein Spiel und das wurde durch den Stadionchef wenig spaeter auch bestaetigt, um 8 ist sogar noch eins, perfekt. Angeblich seien “every day” zu diesen Zeiten Spiele der zweiten oder dritten Liga auf dem neuen Kunstrasen. Das Stadion des ersten Afrika Cups 1957 ist allerdings nur noch eine bessere Ruine. Die alte Haupttribuene ist nicht mehr begehbar und schon teilweise abgerissen, der Rest verfaellt zusehends, auch wenn hinter der Tribuene gewerkelt wird. Keine Ahnung was da gemacht wird zumal an anderer Stelle im Sueden der Stadt ein nagelneues Nationalstadion fuer ca. 50.000 kleine Sudanesi entstehen soll.

25.03.2010, 17h00 El Nisr Club Khartoum vs Shabab Nasir Khartoum 2-2 vor ca. 350 Zuschauern im Khartoum Stadium (25.000) in Khartoum.
25.03.2010, 20h00 Bait El Mal Club Khartoum vs Ombdaa Club Khartoum 2-1 vor ca. 300 Zuschauern im Khartoum Stadium (25.000) in Khartoum.

Zwischen den beiden Spielen mal vom Hotel aus bei Uli durchgeklingelt und fuer 22h einen Treffpunkt am Hotel Badr vereinbart. Laeuft doch, der Betrieb. 2 Kicks auf diesem Level (2+3) und auf nicht gerade bequemen Baenken anzuschauen ist schon hartes Brot, aber mein diesjaehriges Fussballdefizit muss ja langsam ein wenig ausgeglichen werden (liege noch ueber 20 Spiele hinter dem Soll). 22h15 holten mich Uli und Ingeborg im Toyota Jeep ab und es ging wieder dorthin wo ich heute schon mal war, ins bessere Stadtviertel Khartoum 2 ganz in die Naehe der aetiopischen Botschaft. Die hollaendische Botschaft fuer die Inge arbeitet scheint gut fuer ihre Mitarbeiterinnen zu sorgen und stellt ein Top Anwesen, was wohl so 3.500 USD Monatsmiete kostet zur Verfuegung. So laesst es sich auch im <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place> locker 3 Jahre aushalten. Sogar das gute Heineken gibt es fuer die Diplomaten, auch wenn ansonsten strenges Alkoholverbot im Land herrscht. Mir wurden auch sogleich 3 Dosen kuehles Blondes hingestellt und wir lernten uns ein wenig kennen und besprachen die Plaene fuer die kommenden Tage, ehe ich um 0h30 in meinem eigenen Zimmer ins Bettchen fiel, Couchsurfing Deluxe nennt man das wohl.

Tag 33, Freitag, 26.03.2010
Der letzte Sonntag-Freitag fuer <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> auf dieser Tour in der arabischen Welt. 10h aufgewacht, viel eher faengt das Leben hier auch an Werktagen nicht an, und erstmal ein wenig die Reisefuehrer von Uli zum Thema Sudan studiert, denn ueber das flaechenmaessig groesste Land in Afrika hatte ich keinerlei Infos dabei. Der englischsprachige Bradt Guide ist fuer solche Exoten recht brauchbar. Bis zum Fruehstueck, zu dem noch 2 Freunde des deutsch-hollaendischen Paaren dazu kamen, um 12h also erstmal ein wenig Hausaufgaben gemacht und geschaut wie es weiter gehen kann und soll. Gegen 13h startete ich dann mit Uli’s Mountainbike auf Fotosafari durch <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Khartoum</st1:City></st1:place>. Freitags ist ja nicht so viel Verkehr, da laesst es sich gut radeln. Ueber den Nil, an der naechsten Bruecke wieder zurueck, am Nil der mal blau und mal weiss ist entlang und dann nochmal drueber nach <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Tuti</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Island</st1:PlaceType></st1:place>, wo es schon deutlich afrikanischer wird. Lehmhuetten, Strohdaecher, abgemagerte Ziegen davor, so wie man sich Afrika in Europa vorstellt. Dennoch ueberall superfreundliche Leute, die sich zwar ueber den verrueckten weissen Radfahrer, der sich ueber holprige Sandwege quaelte, wunderten, aber eben nur verwundert schauten oder -die nicht ganz so schuechternen- per Handzeichen gruessten. Der Sudanesi an sich ist definitiv ein netter Geselle. Kein “Taxi Taxi”, kein “Hello Mister” und auch keine oder nur ganz ganz vereinzelte Bettelei. Sehr angenehm, sicher in meinen Top 3 der bisher besuchten Laender des schwarzen Kontinents (neben <st1:country-region w:st="on">Ghana</st1:country-region> und <st1:country-region w:st="on"><st1:place w:st="on">Angola</st1:place></st1:country-region>). <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Auf</st1:PlaceName> <st1:PlaceName w:st="on">Tuti</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Island</st1:PlaceType></st1:place> bestehen die Strassen oder Wege dann auch grossteils nur noch aus Dreck und Sand und waren erstmal schoen verstopft, da die ganze Insel zur Moschee draengte. Ich schlaengelte <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> mehr schlecht als recht durch und kam mir vor wie Querfeldeinchampion Mike Kluge, an den sich wohl nur die Radsportexperten unter Euch erinnern werden. 16h war ich wieder in meiner temporaeren Heimat und musste quasi direkt wieder zu Fuss los, zum Khartoum Stadium, wo der Ball tatsaechlich taeglich rollt…. Unterwegs kaufte ich noch im Supermarkt ein, was gar nicht so guenstig war: 1 Liter Apfelsaft, 5 Scheiben Kaese, 4 Broetchen und eine Dose Pringles Chips fuer zusammen 30 SDG. Preise wie in Deutschland.

26.03.2010, 17h00 Sahafa Club Khartoum vs El Amap Khartoum (0-0) 1-3 vor ca. 180 Zuschauern im Khartoum Stadium (25.000) in Khartoum.

Fuer die Spielestatistik gab es 2 neue Teams, grosser 2.Ligasport wurde auch heute nicht wirklich geboten. Bei Teeverkaeufer Joseph war ich aber schon bekannt und wurde freudig begruesst. Nach dem ersten Spiel war heute aber Feierabend, da ich die erste Liga der dritten Liga dann doch vorzog, auch wenn in einem neutralen Ground gekickt werden sollte. Der Busfahrer war ein wenig verwirrt und wusste nicht so recht wohin ich wollte. Er liess <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> im Zentrum von Omdurman raus, von wo das Flutlicht aber schon zu sehen war.

26.03.2010, 20h00 Al Ahly Club Khartoum vs Al Mawrada Club Khartoum (0-1) 1-2 vor 1.200 Zuschauern im Hilal Stadium (23.000) in Omdurman.

19h40 war ich drin in der blau-weissen Schuessel von Hilal, wohin das ganz kleine Khartoum Derby mangels eigenen Stadions von Al Ahly verlegt worden war. Goalzz.com hatte ja Khartoum Stadium geschrieben, aber auch die machen Fehler, auch wenn ich <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> nicht beschweren will. Die Seite ist schon top, denn schon vor Reisebeginn Termine ueber Spiele im <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place> zu haben ist ja nicht so schlecht. Kurz nach der Pause wurden die Stadiontore geoeffnet und die aermeren fussballinteressierten Omdurmaner verdoppelten die eigentliche Zuschauerzahl mal eben. Tja, nun koennte man einen Durchschnitt errechnen oder so etwas, aber ich nehme in so einem Fall die hoechstmoegliche Anzahl der gleichzeitig zuschauenden Leute, auch wenn das schoenrechnerei ist. Spielerisch wertvoll war sicher auch diese Partie nicht. Mit Abpfiff zur Hauptstrasse gelaufen und einen falschen Bus nach Khartoum North erwischt. Naja, es war etwas weiter und ueber die grosse Nilbruecke war ich insgesamt ueber eine Stunde unterwegs ins traute Heim. Meine beiden Gastgeber, die ich mangels Kredit auf den Handys nicht erreicht hatte waren noch beim Abendessen, so dass ich die Gelegenheit fuer ein wenig Internetrecherche nutzen konnte, nachdem mich der 24h Wachdienst (ein Wachmann verdient ca. 400-500 SDG im Monat), der hier eigentlich gar nicht noetig waere, aber wohl zum guten Ton gehoert, herein liess.

Tag 34, Samstag, 27.03.2010
Erst um 2h15 in die Falle und entsprechend lange gepennt, was am Wochenende ja aber kein Problem ist. Nach dem Fruehstueck brachte <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> Uli netterweise zum ein paar Kilometer entfernten modernen und ringsum abgezaeunten Busbahnhof. Um Zutritt zu erhalten muss man erstmal 1,50 SDG bezahlen. Dann musste ich mir im Buero fuer Staatssicherheit erstmal einen Zettel mit Stempel holen, wohl eine Art Travel Permit. Stempel sind ja wichtig in einem Polizeistaat. Fuer 15 SDG erwarb ich dann ein Busticket von Tiger Land Express und sass neben einer recht huebschen Verschleierten, was man halt so sehen konnte. Aber da sie neben dem Schleier auch einen Ring am entsprechenden Finger trug beschraenkte ich die Konversation auf das Wesentliche, wie “wann gehts los” und “ wie lange brauchen wir etwa”. 12h55 gings los, 15h30 waren wir nach knapp 200 Kilometern auf guten Strassen mit wenig Verkehr in Wad Medani. Per Minibus und zu Fuss gings vom ausserhalb gelegenen Busterminal erstmal zum Stadion. Die Stuehle auf der VIP Tribuene wurden gerade gewienert. Um 8 oder halb 8 waere Anstoss in dem reinen Fussballground mit ca. 10.000 gruenen und weissen Sitzen und sogar Schriftzuegen. Ein Topteil. Zufrieden ins Zentrum und ueber den Markt zum Nil geschlendert. Sehr idyllisch, aber schade, dass es keine Krokos mehr in dem an dieser Stelle nicht sehr tiefen Fluesschen mehr gibt, zumindest nicht hier, die sollen weiter im Sueden leben. Mit einem Motorboot kann man sogar auf die andere Nilseite uebersetzen, wo es fast strandartig anmutet. Leider fand ich kein Restaurant nach meinem Gefallen, so dass die Chipsreste vom Vortag das opulente Abendessen darstellten.

27.03.2010, 20h00 Jazeerat Al Feel Wad Medani vs Al Amal Atbara (0-0) 2-0 vor ca. 1.000 Zuschauern in Wad Medani Stadium (10.000) in Wad Medani.

Wie alle anderen Spiele ging es auch hier wegen der Hitze erst um 20h los. Die letzten Busse nach <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Khartoum</st1:City></st1:place> wuerden um 18h losfahren, ich haette also nach dem Spiel ein kleines Problem. Na mal sehn, erstmal Fussball gucken. Ein kleiner Dreher im Spielplan und das Hilal Heimspiel heute und dafuer Wad Medani morgen haette mir zwar besser in den Reiseplan gepasst, da es ja auf dem Weg in Richtung Aethiopien liegt, aber man muss es ja nehmen wie es angeboten wird. Gruenweiss vs Blaugelb, die Sympathien lagen also klar bei den Jungs mit dem Elefanten im Vereinswappen, 0-0 zur Pause und auch nach achtzig Minuten, als ich schon fast das erste 0-0 im Sudan eintragen wollte. Al Amal versiebt die 100%ige, Jazeerat macht es im Gegenzug besser. Doch kein dreckiges 0-0 (spaeter gabs noch nen Elfer) im 4.Ground im Sudan und damit ein klarer 4-3 Sieg ueber den Spiertzer. Schon klar, Groundhopping ist kein Wettbewerb. Das Leben ja auch nicht…. mein Haus, mein Auto, mein Boot….. Aus der besten Liga der Welt trudelten unerfreuliche SMS von Minden-Carsten (besten Dank mal von dieser Stelle) ein. Werdet bloss nicht 16ter, liebe 96er. Das Verpassen der Relegationsspiele wuerde <st1:place w:st="on"><st1:State w:st="on">mich</st1:State></st1:place> naemlich schon ein wenig ankotzen. Direkt drinbleiben oder direkt absteigen, alles andere ist scheisse…. Nach dem Spiel war ich ein wenig unter Zeitdruck, per Tuktuk gings zum Busbahnhof. Der Fahrer verlangte faire 3 SDG, keine Abzocke wie in so vielen anderen Laendern, nicht mal der Versuch, sehr erfreulich. Ebenso erfreulich, dass es noch einen 12-Sitzer nach <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Khartoum</st1:City></st1:place> gab. Ich war zwar wieder mal auf Pole Position, aber die 13 (!?) Mitreisenden quetschten sich relativ schnell rein, 15 SDG, wie im grossen Bus und sogar schneller, nachdem der erste Halt an der Tanke war (1,15 SDG pro Liter). Im Tuktuk fuer nen 10er nach Hause wo ich exakt zur optimistisch anvisierten Zeit von 1h eintraf und mir der Wachposten aufsperrte. Na das ist doch mal Timing. Ein sehr lohnenswerter Tagesausflug.

Tag 35, 28.03.2010
Nochmal ausgepennt, dann gings mit dem 6-sprachigen Uli (dt., nl. besser als mancher Hollaender, fr., spa., eng. und arabisch, was zur einfachen Verstaendigung reicht) zum sudanesichen Fruehstueck. Es gab Fuul und es wird mit der rechten Hand gegessen. Der Durchschnittseuropaer scheitert aber schon beim brechen des Brotes daran, aber er wischt sich ja mit der linken auch nicht den Allerwertesten ab, was der Sudanesi wiederum nicht weiss. Recht lecker und saettigend und nach einheimischen Brauch zahlte der Gastgeber, shukran. Zur besseren Verdauung durfte ich nochmal mit Uli’s Mountainbike rumcruisen, was auch bei viel Verkehr und in praller Mittagshitze maechtig Spass machte. Im 5 Sterne Hotel Burj Al Fateh, welchen von einer libyschen Firma gebaut wurde und daher auch scherzhaft Ghaddafis Ei genannt wird, erstand ich 2 schlechte und teure Postkarten fuer die Sammlung, in der Bank gab es eine bankfrische 1 Pound Note, die erst 2007 den alten Dinar ersetzt haben. Im Shawarma Fresstempel gegenueber vom Lucky Meal, dessen M ein wenig an das goldene der amerikanischen Fastfoodkette erinnert, lecker fuer 8,50 SDG gespeist und dann war auch schon wieder Footballtime. Nach einer 45 Minuten Wanderung war ich wieder am Khartoum Stadium, wo <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> Teeverkaeufer Joseph mit den Namen der heute spielenden Vereine ausstattete. <st1:place w:st="on">Ob</st1:place> das alles so stimmt ??? Naja, wird schon, Joseph ist ja jeder Tag den Gott werden laesst hin und wird die Mannschaften wohl kennen.

28.03.2010, 17h00 Mogren Club Khartoum vs Wad Nil Club (2-0) 4-1 vor ca. 300 Zuschauern im Khartoum Stadium (25.000) in Khartoum.

Der Abpfiff war gleichbedautend mit meiner Abfahrt nach Omdurman, wo am Abend das Spitzenspiel der Superleague auf dem Programm war. Zweiter gegen Dritter der aktuellen Tabelle.

28.03.2010, 20h00 Al Hilal Club Omdurman vs Khartoum Club (2-1) 2-1 vor ca. 12.000 Zuschauern im Hilal Stadium (23.000) in <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Omdurman</st1:City></st1:place>.


Umfragen zufolge sind wohl 60% der Sudanesi Fans vom Rekordmeister Hilal, was soviel wie Mondsichel bedeutet. Dennoch kamen nicht mehr Zuschauer als vor ein paar Tagen beim aktuellen Spitzenreiter Merreikh. Immerhin gut halbvoll war die blau weisse Bude, die ein wenig an die Boutique in <st1:place w:st="on"><st1:City w:st="on">Cordoba</st1:City></st1:place> erinnert. Nein, meine Damen, kein Laden fuer Schuhe, sondern die Cancha von Talleres. Die Verbandstickets kosteten 30 SDG fuer die Haupttribuene, aber meine Gastgeber liessen sich nicht lumpen und brachten gleich noch 3 Freunde mit. Da leben sie nun schon seit 1 ½ Jahren im <st1:country-region w:st="on"><st1:place w:st="on">Sudan</st1:place></st1:country-region> und dann muss ich erst kommen, damit es endlich mal mit dem Laenderpunkt klappt
J
. Als ich nach 30 Minuten (Spielstand 2-1 und ein verschossener Elfmeter) erwaehnte ein Klassespiel ausgewaehlt zu haben hatte ich <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> wohl wie so oft etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt. Fortan stellten beide Mannschaften das Fussballspielen weitgehend ein und das Publikum wirkte recht unzufrieden ob der wenigen Torchancen oder guten Szenen. Egal, habt ja gewonnen und ich habe den Ground mit dem richtigen Verein gemacht. Um in die Stammkneipe des sudanesischen Kumpels zu fahren fehlte nach dem Spiel und geschickt umgangenen Abreisechaos leider die Zeit. Waere sicher ein Spass geworden sich mit Tee die Birne zuzuschuetten. So wurde der Laenderpunkt fuer Uli + Inge (von dieser Stelle nochmal ein dickes Dank U wel) noch mit 2 Heineken gefeiert, waehrend auch ich rundum zufrieden mit 8 Spielen in 4 Stadien im Sudan war. <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">Ein</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Superland</st1:PlaceType></st1:place> und noch ein Superfussballland dazu. Note 1 fuer den <st1:place w:st="on"><st1:country-region w:st="on">Sudan</st1:country-region></st1:place>. Wenn das neue Stadion fertig ist wird sicher nochmal angereist….. (@ Uli: bitte nicht als Drohung verstehen…).



So, dieses war der fuenfte Streich und der sechste folgt sogleich (also in ein paar Tagen, wenn die oertlichen Gegebenheiten das zulassen…..)
Gruss aus Nairobi und bis die Tage, H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 08.04.2010 19:14 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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Road to Johannesburg -6-
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Hallo Fans. Da bin ich wieder und somit geht es direct in die sechste Runde. Viel Spass, aber den habt ihr ja eh…..

Tag 36, Montag, 29.03.2010
Heimlich still und leise schlich ich mich um 7h15 aus dem Haus. Vielen Dank nochmal fuer die Gastfreundschaft an Uli + inge, war Weltklasse bei Euch, da komme ich gerne nochmal zu einem Laenderspiel oder Derby wieder, wenn das neue Nationalstadion fertig ist. Im Tuktuk gings durch die erst erwachende Suedstadt fuern 5er zum Busterminal. Eintritt bezahlt, Fahrerlaubnisstempel bei der Stasi abgeholt und schon stand der Bus in den Grenzort Gallabat (oder auch Qallabat geschrieben) bereit. 45 SDG sollte es kosten, 38 hatte ich noch, na das past doch fast, den Rest gab es in USD und alle waren zufrieden. 8h45 wurde zur Abfahrt geblasen. Die 8 ½ Stunden Fahrt war landschaftlich recht unspektakulaer, hauptsaechlich Wueste. 2 Polizeikontrollen und ein paar kleinere Stopps verzoegerten den fahrplanmaessigen Betriebsablauf ein wenig, aber insgesamt ging es ueber gute Strassen weitgehend recht zuegig voran. 16h15 war Gallabat erreicht und somit auch das Afrika, wie es in europaeischen Koepfen existiert. Einfache Huetten aus Lehm oder Holz bestimmten das Bild. Selbst das Grenzgebaeude war nur eine etwas bessere Lehmhuette, fast nicht vorstellbar, dass das die Grenze sein sollte. Auf Sudan Seite ging alles recht fix, ein letzter Stempel in den Pass und auf die Gepaeckkontrolle wurde gleich ganz verzichten, bringt ja eh nix. Der Aethiopier in seiner Huette brachte mich dann fast zur Weissglut, denn ich wollte ja heute noch so weit wie moeglich nach Aethiopien reinkommen, bestenfalls bis nach Gondar. Wie er sich so ganz gemaechlich irgendwelche Listen anschaute auf denen man wohl besser nicht draufsteht, da waeren einige definitiv durchgedreht. Immerhin donnerte er den Stempel auf die Visaseite und verbrauchte kein neues Blatt, den es sind ja nur noch 8, die bis South Africa reichen muessen. Kurz nach 17h dann ueber den Grenzstreifen getapert und schon wurde ich in Metema von einem selbsternannten Guide empfangen und zum Busbahnhof des kleinen Ortes geguidet. Den haette ich aber auch alleine gefunden, es gibt ja nur eine Hauptstrasse und so war die ganze Muehe wieder einmal umsonst. Schon die 5-jaehrigen koennen in Ethiopia die beiden wichtigen Woerter: you money. Aber da sind sie bei mir ja an der falschen Adresse, wie auch der Guide, der natuerlich keinen der gerade gewechselten 20 Birr (ca. 18 = 1 EUR) aus dem Sudan Rest bekam. Dollar oder Euro wollte ich noch nicht tauschen, da der Kurs an der Grenze ja immer miserabel ist und ich auf einen Bankomat in Gondar hoffte. Die erste Auskunft am Busbahnhof war aber leider ernuechternd, keine Busse mehr, weder in die Hauptstadt nach Addis Ababa noch nach Gondar, der naechstgroesseren Stadt in etwa 150 Kilometern Entfernung. Die moisten Busse duerfen aus Sicherheitsgruenden wohl nicht ueber Nacht fahren. Fuer 10 Birr kam ich immerhin doch noch aus dem Grenzkaff weg. Nach 20-30 Km war aber Endstation in einem Ort, der mir als *Schedi* oder so aehnlich angesagt wurde. Na toll, gestrandet in einem aethiopischen Kaff, erstmals auf dieser Tour den Tagesetappenzielort (Gondar) nicht erreicht. Auch in Schedi klebte mir gleich nach dem Ausstieg aus dem Minibus so ein Guide an den Hacken. Auf dem Ohr *von mir gibt es keinen einzigen Birr, egal wie lange du mir auf den Sack gehst* scheinen diese Typen taub zu sein und dackeln trotzdem weiter munter mit. Im Hotel Zobel (der Rainer war natuerlich nicht da) fuer 60 Birr eingecheckt, nachdem mir ein Bankangestellter einer schon geschlossenen Bank privat 7 USD gegen 94 Birr gewechselt hat. Mehr als 100 Birr hatte auch keener seiner Kollegen dabei. Mein Guide schaute mir dann auch im dritten Restaurant (Nummer eins und zwei hatten keine Nudeln mehr) noch beim Pasta essen zu und durfte am kostenlosen Wasser (aus dem Brunnen ?!) nippen. Irgendwann merkt natuerlich auch der duemmste, dass es bei mir nix zu holen gibt und so zwackte der Mokel vom Hotel einen Teilbetrag fuer die Vermittlung ab. Mir Latte, macht das unter euch aus. Im Internetcafe ging das Internet nicht, aber wenigstens gab es Computer und Strom, so dass ich meinen Schreibrueckstand ein wenig aufholen konnte. Fuer 7 Birr goennte ich mir an der Hotelbar noch ein, zwei, drei Birr aehm Bier aus der Brauerei in Gondar. Support your local beer. Bevor ich den wohlverdienten Schlaf in dem spaerlich moeblierten Raum (Stuhl, Bett, kein Bad, sonst nix) fand bekam ich noch das unmissverstaendliche Angebot des Blasehasen vom Hotel. Ein Suendenpfuhl, diesen Aethiopien, und das so kurz hinter der islamischen Welt, die dort ja noch in Ordnung ist.

Tag 37, Dienstag, 30.03.2010
6h aufgestanden und ungeduscht (duschen wird in der westlichen Welt auch ueberbewertet) auf zum Busbahnhof. 6h15 Abfahrt nach Gondar, nachdem noch die obligatorische Ehrenrunde durchs Dorf gedreht wurde, um ein paar Leute, die nicht in der Lage sind eigenstaendig zum Busbahnhof zu kommen, einzusammeln. Unterwegs gab es auf den gut hundert Kilometern drei Polizeikontrollen, bei denen das Gepaeck der Eingeborenen genau angeschaut wurde, aber scheinbar alles in bester Ordnung war. Versucht noch ein wenig zu pennen, da es landschaftlich erst kurz vor Gondar etwas bergig und somit interessanter wird. Abgewrackte Huetten habe ich ja inzwischen auch zur Genuege gesehen. 11h Ankunft in Gondar, allzu schnell ging es also nicht voran. Da ich keine Birr mehr hatte mal direct in die erstbeste Bank gestiefelt und der Kassierin 40 USD auf den Tresen geknallt. Aber statt direct 535 Birr ausgezahlt zu bekommen, wuerde es buerokratischer als in Buerokratistan. Ein anderer Bankangestellter nahm sich meines Reisepasses an, uebertrug diverse Daten auf einen Beleg und schickte dann seine Assistentin damit los um diesen von drei weiteren Prokuristen (?) zu pruefen und gegenzeichnen zu lassen. Jeder einzelene rechnete also mit Taschenrechner nochmal im Schneckentempo nach und machte seinen Kringel darunter. Dann gab die Sekretaerin den Auszahlungsschein an die Kassiererin weiter, die freilich nochmal alles pruefte und mir dann die 535 Birr gab. Hier hat noch alles seine Ordnung und man kann fuer einen einfachen Geldwechselvorgang schon mal mindestens 10 Minuten einkalkulieren, sofern niemand mehr vor einem ist. Nachdem diese Transaktion beendet und ich somit wieder fluessig war ging es zurueck zum gegenueberliegenden Busterminal, wo kein Bus mehr nach Addis angeboten wurde. Die fahren wohl nur ganz frueh morgens. Na dann so weit wie moeglich, was angeblich Bahar Dar (ausgesprochen wie Bader) war, wie mir auf meiner kopierten Landkarte gezeigt wurde. 45 Birr kostete die Fahrt, 3 ½ Stunden sollte es dauern. Die junge Dame neben mir sprach nur recht rudimentaeres englisch, war aber offensichtlich an dem grossen gutaussehenden Deutschen (welchem fragt ihr euch jetzt, aber es war nu rein Deutscher in dem Bus *g*) interessiert. Jedenfalls kuschelte sich die schaetzungsweise etwa 20-jaehrige Tigist bei jeder Kurve (egal in welche Richtung) an mich, was ja eigentlich meine Taktik ist und ich somit schon mal ganz nett fand. Die Maus war schon recht huebsch, hatte gepflegte Fingernaegel und auch fuer den wohl aus finanziellen Gruenden nicht getragenen BH und die lackierten Fussnaegel gab es auf jeden Fall mal Pluspunkte. Faende ich black beautiful haetten wir in Bahar Dar sicher noch einen Kaffee trinken gehen koennen, aber der Fehler im System lag beim aussteigen der jungen Dame in einem Ort namens Woreta (oder Warata, wie mir ein Mitreisender, der teilweise den Uebersetzer spielte, aufschrieb), 60 Km vor Bahar Dar. So kann das wohl nichts werden mit der Hochzeit, was sie mich nach etwa einer Stunde Fahrt fragte. Maybe in the next life. In Bahar Dar wird man auch von den sogenannten Guides genervt, wie wohl im ganzen Land, jeder versucht noch ein paar Birr rauszupressen. Erste Auskunft fuer die Weiterreise nach Addis war “tomorrow”, aber nach etwas hartnaeckigen fragen kristallisierte sich doch noch ein Minibus fuer 19h heraus, der auch ueber die Nacht fahren darf. Also 1 o clock local time. Die kleinen Aethiopier rechnen die Zeit irgendwie nach dem Sonnenaufgang, zur Zeit gegen 6h was dann gleichbedeutend mit 0h ist. Alles bisschen gewoehnungsbeduerftig, aber hier gibt es ja auch 13 Monate im Jahr und das aktuelle Jahr ist 2002, auch wenn die Bevoelkerung auf dem Land eher 500 Jahre zurueck ist, als nur 8 Jahre. An das gute im Menschen glaubend gab ich meinen grossen Rucksack mal zur Aufbewahrung in der kleinen Bretterbude der Busgesellschaft ab und zahlte schon mal 80 der 180 Birr fuer den Transport an. Dann hatte ich noch 3 Stunden Zeit um die Stadt anzuschauen, was vollkommen ausreicht. Mit dem Lake Tana auf dem sich ein Haufen Pelikane (und auch ein Hippo, welche aber heute nicht auftauchte) rumtreibt ist das Staedtchen (ca. 130.000 Ew.)schon ganz nett. Das kleine Stadion wurde auch noch gespottet. Ein 11-jaehriger, der mich auch schon seit einer Weile in gutem englisch vollquasselte und mich ungewollt begleitete meinte auch es wuerde morgen ein Spiel geben, aber das konnte niemand wirklich bestaetigen. Naja und bevor ich einen Tag verliere und dann doch keener spielt mache ich mich lieber auf den Weg um am Samstag den LP Kenya einzusacken. So toll war der Ground in Bahar Dar jetzt auch wieder nicht. Im Restaurant guckte mir der Knirps hungrig aus der Waesche beim Pizzaessen (wieder typisch afrikanisch fuer 48 Birr) zu. Da ich ja kein Unmensch bin bot ich dem Quaelgeist 1/8 meiner Pizza an, aber das wollte er auch nicht. Na dann kann ich es auch nicht aendern, das ist dann wohl Pech, wenn ich die falsche Pizza ausgewaehlt habe. 19h sollte es von 1.800m ueber dem Meer in die ebenfalls hoch gelegene Hauptstadt gehen. Nach zwqei Ehrenrunden und ewigen Palaver, weil die anderen nur 140 Birr zahlen mussten ging die Nachtfahrt selbstredend erst um 21h los. Mit Armen und Kopf auf der Lehne des Vordersitzes versuchte ich irgendwie eine Schlafposition zu erreichen in der  ich bei der ruckeligen Fahrt auch ein paar mal kurz wegnickte.

Tag 38, Mittwoch, 31.03.2010
5h Ankunft in Addis, was ja um Walsall Fan Neil Morris nochmal zu zitieren “a nice place” sein soll. Im Dunkeln war davon zum Glueck nichts zu sehen. Saukalt war es und es hatte kuerzlich geregnet, da alles nur so triefte. Die Stadt schlief noch, fuer einen Spielplancheck beim Fussballverband blieb leider keine Zeit, das wuerde zulange aufhalten, es ging direct weiter. Ein netter ETH-Kollege setzte mich in den richtigen Bus zum Mercato Busterminal und zahlte sogar den Birr fuer mich mit. Am Mercato herrschte schon um 5h30 morgens das pure Chaos, trotz der auch hier verlangten 5 Birr Zutrittsgebuehr. Der Studentenkollege half mir noch das Busticket nach Dila zu kaufen, dann wurde ich von einem Mitarbeiter der Busgesellschaft zum abfahrbereiten Mobil geschleust. Die Abfahrt zoegerte sich aber noch bis um 7h raus, da ja noch allerlei Gepaeck im 50er Bus verstaut werden musste. Im Sueden ist Aethiopien ueberraschen gruen, teilweise fast regenwaldartig, auf jeden Fall schoen anzuschauen. Die Huetten waren hier unten auch deutlich besser als im Westen des Landes, was sicher auch am Regen liegt, da muessen die Behausungen ja stabiler sein. Nach 8 weiteren Busstunden waren wir in Dila angekommen, von woe s am kommenden Morgen in aller Herrgottsfruehe mit dem gleichen Gefaehrt weiter gehen sollte. Alle die nach Moyale wollten mussten zwangslaeufig in Dila uebernachten. 2 Studenten aus dem Bus begleiteten mich bei der Hotelsuche. Meine Anforderungen mit Dusche und richtiger Toilette waren fast zu hoch konnten aber im Zeleke Hotel fuer 70 Birr gerade so erfuellt werden, waehrend die beiden Kollegen was spartanisches fuer 20 Birr fanden. Aber nach der letzten Dusche am Montag morgen, war ein wenig Wasser auf der Haut mal wieder eine feine Sache. Die bot nicht allzuviel, der Sportplatz auch nicht, bei ein paar Nebenstrassen wird gerade mit dem asphaltieren begonnen. Spaghetti mit Getraenk gab es im Hotelrestaurant fuer 20 Birr. Schwieriger als was zu Essen zu finden war es nach 17h noch 10 EUR zu wechseln, da alle Banken seit 15h am heutigen Ultimo geschlossen waren. Der Besitzer eines Schuhladens gab mir dann faire 175 Birr, was fuer die restliche Zeit in ETH locker reichen sollte. Im Internetcafe gab es diesmal sogar eine Verbindung, wenn auch eine sehr langsame. Nach 16 Minuten surfen hatte ich gerade mal 6 Emails geschafft zu lessen, dann machte es bumm und weg war er, der Strom. Tja und ohne die europaeische Selbstverstaendlichkeit geht nun mal gar nicht so viel. Blitz und Donner waren die Ausloeser und legten den gesamten Ort lahm, was aber niemanden zu stoeren schien, ist ja normal hier. Arsenal vs Barca im TV konnte ich mir also abschminken. So wurden noch 2 St. Georges Bier (8 Birr) geschluerft und zeitig in die Heia gegangen, den schon vor Sonnenaufgang war ja die Weiterfahrt nach Moyale geplant. 5h meine Zeit, eleven o clock denken die mit eigener Schrift und Sprache in ihrer eigenen Welt lebenden, nie kolonialisierten Aethiopier.

Tag 39, Donnerstag, 01.04.2010
April April, aber nicht mit mir. Hier verarscht dich keiner wissentlich, aber oftmals wissen sie es einfach nicht besser. Um 4h30 machte der Hahn schon seit einer halben Stunden einen Heidenlaerm. Fix kalt geduscht und die 200 Meter durch die dunkle Nacht zum Busbahnhof geschlappt. Da muss man echt aufpassen, dass man sich auf den holprigen Strassen nicht die Haxen bricht. Die Bus stand noch da, war auch schon angeworfen, die meisten Mitreisenden waren auch schon da und um 5h40 setzte sich der Tross in Bewegung. Ich hatte meinen alten Sitzplatz in einer vorderen Reihe wieder bekommen und kaufte einem der beiden Studenten von gestern sein bis Moyale durchgeloestes Ticket fuer 70 Birr (statt 77, wenn ich neu geloest haette) ab, da er jetzt doch lieber in Dila bleiben wollte. Neben Alemayehu, dem Student aus Addis, der sich der Einfachheit halber Alex nennt, klinkte sich auch noch Saif aus Bangladesh, der im Range eines Majors bei der UN im Sudan stationiert ist, in das Gespraech mit ein. So schwafelten wir ueber die Reise an sich, diverse Laender und den weiteren Verlauf dieser Tour, wobei sich die beiden anderen die meisten Sorgen machten ueber die Pistenverhaeltnisse inm Norden von Kenya bei der aktuellen Regenzeit. Es kursierten wieder die wildesten Geruechte, aber in Afrika kann man darauf ja nix geben und muss es eben selber ausprobieren. Irgendwie wird es schon weitergehen, auch wenn die Strasse nicht passierbar sein sollte. Ein dusseliges Rindvieh musste leider dran glauben, da es trotz wilder Dauerhupe nicht schnell genug die Strassenseite wechseln konnte und Kollegen Fahrer nicht mehr rechtzeitig auf die Bremse kam und dann ganz normal weiterfuhr als sei nichts gewesen. Aber das hatte er auch gestern schon gemacht, als ums ein LKW entgegen kam und ein Zusammenstoss oder das Landen im Strassengraben nur durch ein glueckliches recht-links Manoever zu vermeiden war. Die meisten Mitreisenden wurden etwas bleich (guter Witz, ich weiss), der Driver tuckerte seelenruhig weiter, war ja auch nix passiert. Ansonsten sind echt Tiere die groesste Gefahr fuer einen Crash. Esel, Ziegen, Rinder oder gar Kamele sind ja unberechenbar und nicht immer so schlau der Strasse fern zu bleiben. Beim Fruehstuecksstopp troedelte unsere 3er Gruppe ein wenig lange im guten Hotel und wir genossen Omelett und Brot mit einem Tee (Wahnsinn wieviel Zucker die hier alle reinhauen). Als wir dann per Tuktuk wieder am Bus eintrafen gab es Applaus statt boeser Worte, nicht auszudenken da waere ein Hektiker in der Reisegruppe dabei gewesen, so waren nur alle froh, dass wir nicht verloren gegangen sind, aber so schnell geht das ja auch wieder nicht. Die knapp 800 Km von Addis hatten wir um 15h geschafft, auch im Sueden von ETH sind die Strassen noch recht brauchbar, auch wenn es schlechter wird und teilweise nicht breit genug ist einen anderen Bus oder Truck zu ueberholen. In Moyale wollten der Major und ich so schnell wie moeglich weiter kommen, Alex hatte es nicht so eilig kam aber zu Fuss zum wenige hundert Meter entfernten Grenzposten mit. Deutschland: Stempel rein, bye bye. Aethiopien: the same. Nur bei Bangladesh gab es aufgrund des UN Passes Probleme, da die Grenzer so etwas wohl auch noch nicht gesehen hatten. So mussten wir Saif zuruecklassen und zogen weiter ueber die kleine Bruecke auf keniatische Seite. Mit dem Adler auf dem Pass gibt es auch dort keinerlei Probleme. 2 Formulare waren auszufuellen, 25 USD betrug die Gebuehr, ein kleiner Smalltalk mit dem zustaendigen Mitarbeiter ueber die WM 2010 und den Fussball in Kenya und schon war das Visa eingeklebt und die freie Seitenzahl sank auf 7. Der Einreisewunsch von Alex wurde dagegen unbegruendet abgelehnt. Das ist wohl Tagesform abhaengig. Ich versuchte ihm noch ein wenig zu helfen und ein gutes Wort fuer ihn einzulegen, aber alles Gerede half nicht, ein no in Afrika wird selten zu einem yes. Nur die warum Frage bleibt wieder einmal unbeantwortet. Der Saif tauchte nicht wieder auf, daher weiss ich nicht ob es bei ihm noch geklappt hat. In Kenya haette es nach 17h eh keine Moeglichkeit mehr gegeben noch voran zu kommen, so dass wir entschieden auf ETH Seite zu uebernachten, was auch trotz Ausreisestempel kein Problem ist. Im Belayhne Hotel (30 Birr) wurden meine Anforderungen zwar nicht erfuellt, aber in Moyale hab ich kein Hotel mit Dusche auf dem Zimmer entdeckt. Duschen ist ja hier nicht so wichtig, aber das ist ja auch das schoene an Afrika, auch am dritten Tag im selben T-Shirt umschwirrt einen im Bus nahezu keine Fliege…. Mit Alex ging es noch auf ein Abendessen (Fleisch mit Brot). Dabei gab es auch ein paar Happen fuer die streunende Katze, die dann von einem ca. 5-jaehrigen Jungen wie ein Fussball weggekickt wurde und sich jaulend davon machte. Sie sind halt einfach dumm, aber wenn es ihnen niemand beibringt lernen sie es ja auch nicht. Fuer 8-9 Birr noch ein paar Biere gezischt, die Birr mussten ja weg bevor sie schlecht werden, wobei viele Scheine schon richtig schlecht sind, pottdreckig ist gar kein Ausdruck. Fuer 7h30 mit dem Kollegen an der Grenze verabredet, wo er einen zweiten Versuch bei einer anderen Schicht starten wollte und dann eine gute letzte Nacht in Aethiopien, denen ich auf dieser Reise fast ein wenig Unrecht getan habe, so wie ich quasi durchgerast bin. Aber mit 2 Grounds auf der Habenseite sieht es drt ja auch schon recht gut aus.

Tag 40, Karfreitag, 02.04.2010
Um es vorweg zu nehmen: Es war der bisher beschissenste Reisetag. Und das ging schon in der Nacht los, in der ich kaum Schlaf fand, da ein paar Moskitos meinten mich aergern zu muessen. 4h16 kickerikiehte dann der daemliche Gockel vor meiner Tuer und hoerte nicht wieder auf ehe auch der letzte Dorfbewohner von Moyale wach war. Ab 6h prasselte der Regen sintflutartig aufs Dach. Da war ich um 7h schon wenig motiviert loszustiefeln. Halb 8 an der Grenze hatte ich mit Alex ausgemacht, aber der war nicht zu sehen und auch der Bangla-Major tauchte nicht auf. Also mit einem freundlichen "good morning" zum Immigration Officer nach Kenya marschiert. Das haette man zu gewissen Zeiten wohl auch ohne Visa machen koennen. Kontrollieren wollte jedenfalls niemand irgendwas. Im keniatischen Teil von Moyale hatte ich dann gleich wieder einen Guide an der Backe kleben. Ja, ich will nach Nairobi, wohin denn sonst ??? Es wuerde einen Jeep geben, der gegen 9h losfahren wuerde und 3.000 Shilling kosten solle. Es war gerade 8h und ein paar Gestalten warteten schon am Toyota Landcruiser. Ein Geldwechsler war natuerlich auch gleich Gewehr bei Fuss. Da ich ja keine Shilling (KES) hatte mal nach dem Kurs gefragt. Der angebliche Fahrer des Jeeps meinte das wuesste er nicht, das waere nicht sein Business. Alle anderen schwiegen sich tot. Der Wechsler bot 65 KES fuer einen USD oder 80 fuer einen EUR. Mir war natuerlich klar, dass diese Raten miserabel waren und ich wechselte erstmal nicht und fragte nach einer Bank. Angeblich wusste aber niemand von der 100m entfernten Bank, die aber am Karfreitag geschlossen hatte. Was fuer ein Assivolk, alle stecken unter einer Decke. Vom Wachmann zu einer anderen Bank geschickt worden, die sogar einen ATM mit Visacard Logo hatte, aber die Visakarte funktionierte trotzdem nicht. Shit, denn so langsam geht mir das Bargeld aus. Durch den Nieselregen wieder zurueck am Wagen meinte der Maxi, der die Bank in seinem Heimatort nicht kannte, er wuerde einen Freund anrufen, der mir einen fairen Kurs geben wuerde, seine zweite Luege des Tages. Jener Freund bot 85 KES fuer eine Einheit der europaeische Einheitswaehrung. Verarschen kann ich mich auch alleine, aber notgedrungen musste ich ja wechseln um voran zu kommen. Bei 90 einigten wir uns schliesslich, der reale Kurs liegt bei 103 bzw. 77 fuer den Dollar. 3.000 der 4.500 erhaltenen KES drueckte ich gleich wieder an den Reiseveranstalter ab. Um 9h fuellte sich dann der Vorplatz mit Reisewilligen und es wurde sich schon mal in den fuer 8 Personen ausgelegten Wagen gequetscht. Nach afrikanischen Massstaeben sind das ja mindestens 12 Personen und 13 1/2 (ein Kind) passen schon irgendwie rein. Im Fussraum waren genau 2cm nach rechts und links sowie nach vorne Platz, denn die Mitreisenden hatten ja auch alle nicht gerade wenig Gepaeck, was noch verstaut werden musste. Dies geschah abenteuerlich und wurde zwischen der Fahrerkabine und der ersten Bankreihe mit Seilen verknotet. Nachdem wir dann schon fast eine Stunde Probe sassen meinte der Veranstalter er koenne nochmal 500 KES extra von mir kassieren, da es angeblich einen anderen Bewerber gaebe, der 3.500 fuer einen Platz bezahlen wuerde. Ich wollte schon aussteigen und mein Geld zurueck, aber die anderen Reisenden meinten es wuerde heute keine weitere Moeglichkeit von hier wegzukommen geben, was wahrscheinlich auch gelogen war. Also zaehneknirschend dem Drecksack die 500 hingeworfen in der Hoffnung er moege bald daran verrecken. Was fuer ein asoziales Land mit einer Landessprache die Money heisst. Gegen 10h ging es endlich auf die Schotterpiste. Es hatte natuerlich auch hier im Vorfeld wieder zahlreiche Geruechte gegeben, von wegen die "Strasse" sei wegen der Regenzeit nicht passierbar, etc. etc. Nun mit einer Strasse hatte der Weg nicht mehr viel zu tun, jeder Feldweg in Deutschland ist in besserem Zustand. Und das ueber 500 Kilometer. Nun die Jeeptour an sich ist schwer zu beschreiben, aber ich versuche es mal, hoellisch trifft es wohl in einem Wort am besten. Zum besseren Verstaendnis erstmal zur Sitzordnung. In der Fahrerkabine gab es noch 2 Sitzplaetze, dann einer Sitzreihe dahinter mit eigentlich 3 Seats, aus denen aber 4 gemacht wurden. Die restlichen Plaetze waren seitlich angeordnet, jeweils 3 rechts und 3 links und dazwischen wurde dann noch ein Koffern gequetscht, der als Sitzgelegenheit fuer das vielleicht 13-jaehrige Maedel, die von Mutti zum Fahrzeug gebracht wurde, dienen sollte. Die Piste war eine der ganz ueblen Sorte und wegen der Regenzeit in einem mehr als aufgeweichten Zustand, zumindest auf den ersten einhundert Kilometern, danach wurde es langsam besser. Ich hatte den Sitzplatz auf der rechten Seite hinter der 4er Reihe bekommen mit Eisenstangen an der rechten Seite und im Ruecken, was ich dann bei jeder Bodenwelle, jedem Huckel und jedem Schlagloch zu spueren bekam. Alle versuchten sich so gut wie moeglich an den verrosteten Eisenverstrebungen festzuhalten, da wir aufgrund einer Plane auch keine Sicht nach vorne sondern nur zur Seite hatten und nur anhand des Bremsens ein Schlagloch erahnen konnten. Mal nicht richtig aufgepasst oder nicht richtig festgehalten und gegengefedert und schon knallte man wieder mit den Rippen oder dem Ruecken an eine Eisenstange. This is the most comfortable way of travelling meinte einer der Mitreisenden, der wohl im anderen Leben als Clown auftritt. Nachdem ich bei einem Halt den Fahrer ob seiner idiotischen Raserei bepoebelte meinte ein anderer Maxi er waere in a hurry. Der erste Maxi den ich in meinem Leben treffe, der es eilig hatte. Die Stimmung auf der Ruekcbank war also fortan leicht gereizt. Nach knapp einem Viertel der Strecke gab es die erste Essenspause. Die Strecke war bis dahin teilweise so uebel, dass die Trucks im Schlamm steckenblieben. Fuer den Sauerland-Jens auf seinem Motorrad sehe ich auf diesem Abschnitt schwarz, da ist definitiv kein Durchkommen, nicht mal mit einer guten Motocross Maschine, ausser es regnet in den kommenden Wochen keinen Tropfen mehr. Im Toyota Lancruiser mit Allradantrieb war es gerade so zu schaffen. Beim Stopp kaufe ich was zu Essen und eine Flasche Wasser, was zusammen 100 KES kosten sollte. Ich gebe nen Tausender (den einzigen Schein, den ich noch hatte) hin und kriege 750 wieder raus. Geht die Bescheisserei also schon wieder los. Was fuer ein asoziales Volk. Nach dreimaligen Nachfragen und laut werden gibts erst noch nen 100er zurueck und nach einem weiteren “fifty more” von mir dann auch noch den Fuffy. Dann wurde munter weitergebrettert und es war nur eine Frage der Zeit wann der erste Reifen platzt. Dies geschah dann kurz vor der Halbzeitpause in Marsabit. 20 Minuten willkommene Erholung und Beine vertreten in der prallen Sonne. Leider konnte der Reifen natuerlich nicht in der Naehe einer der Dromedarherden die mehrfach unmittelbar am Wegesrand weideten platzen, was mit Bergkulisse im Hintergrund sicher herrliche Bilder geworden waeren. Im Gespraech mit den Maxis fragte dann irgendwann einer der Unwissenden allen Ernstes ob Germany denn fuer den World Cup 2010 qualifiziert sei. Gibts in der Wueste Sand ??? “We will win this World Cup” war meine leicht arrogante Antwort. Mit dem neuen abgefahrenen Reifen wurde weitergeholpert bis zum naechsten Halt in Marsabit, wo ich mir 2 Bananen goennte, die 20 KES kosteten. Um den Fuenfziger (ca. 50 Cent) zu wechseln musste die Oma in 4 Laeden rennen bis es endlich klappte. Im Dunkeln wurde die Bretterei nicht weniger, aber es traf einen noch unvorbereiteter, da ja nun auch der Idiot von einem Fahrer die Bodenwellen zu spaet sah. Nach 13 Schotterstunden und etwa 500 Km war ich in Isiolo heilfroh mir nur eine Beule am Kopf (3x gegen die Stange geknallt, was immer ein gewisses Gelaechter nach sich zog, denn auch bei den Maxis, die sonst im Leben nicht viel zu Lachen haben scheint die Schadenfreude die schoenste Freude zu sein) und eine kleine Schramme am linken Unterarm zugezogen zu haben. Der Fahrpreis fuer diese Strecke ist mit knapp 40 EUR natuerlich voellig utopisch, aber wer das Monopol hat bestimmt nun mal den Preis. Um 23h15 hiess es in Isiolo erst “tomorrow” wuerde der Bus nach Nairobi fahren, dann hiess es ploetzlich es wuerde doch noch einer, der aus Marsabit kaeme heute Nacht fahren. Den hatten wir wohl gerade ueberholt. Fuer 500 Sh. gings dann auch um 0h15 im grossen Reisebus in den es spaeter reinregnete los.

Tag 41, Ostersamstag, 03.04.2010
Fuer ein wenig Schlaf hat es auf 2 Sitzen gereicht und so verpasste ich die Ueberquerung des Aequators kurz hinter der Ortschaft Nanyuki und gegen 7h wurden die Versprengten irgendwo in Nairobi rausgelassen. Verschlammte Strassen, alles pottdreckig, kein schoener Anblick am fruehen Morgen, zum Glueck war es schon hell. Na wenn das das Zentrum ist dann gute Nacht Nairobi. Erstmal in ein Internetcafe gefluechtet, welches extra fuer mich geoeffnet hat. Da ich ja der Meinung bin, dass im Leben jeder eine zweite Chance verdient hat, so gab ich auch Kenya diese zweite Chance heute alles besser zu machen als gestern. Mit Angola hatte ich mich nach dem ersten Tag ja auch noch nicht angefreundet. Die Internetbude (1 Sh. pro Minute) machte schon mal einen guten Anfang. Couchsurferin Sakina (3 Anfragen hatte ich abgeschickt, eine hat nicht geantwortet, eine wollte Kaffe trinken gehen und Nummer 3 war der Treffer) hatte mir ihre Telefonnummer gemailt, aber da es ja noch zu frueh war schrieb ich erstmal Teil 5 fuer Euch zu Ende. Eine junge Dame aus dem schoenen Rumaenien hatte sich schon Sorgen um mich gemacht und eine “is everything alright” SMS geschrieben, da ich ja waehrend der Zeit in Aethiopien nicht online war. Darueber freut man sich doch. Nach 150 Minuten im www rief ich dann mal bei Sakina (31), die bei der St. Johns Ambulance arbeitet an und sie beschrieb mir wie ich zu ihrem Arbeitsplatz komme. Per Bus und zu Fuss durchgeschlagen, was auch mit 2x nachfragen ganz gut klappte und es stellte sich heraus, dass das vorhin noch nicht das Zentrum von Nairobi war. Ich wurde erstmal allen Arbeitskollegen vorgestellt, dann gab es Mittagessen, stilecht mit der rechten Hand. Sakinas Cousin (was in Afrika ja von Freund bis Bruder alles sein kann) und Man United Fan verzichtete meinetwegen gar auf die Liveuebertragen von ManU vs Chelsea, um mich zum City Stadium zu begleiten, was mir eigentlich gar nicht so recht war, da ich ja auch nicht doppelt Eintritt zahlen wollte. Aber die beiden um meine Sicherheit Besorgten liessen sich das Vorhaben nicht ausreden und so marschierten (Cousin im Bundeswehr Fleckentarnhemd) wir mal munter drauf los. Eine halbe Stunde durch Maerkte und Gassen und schon tauchten die Flutlichter, die heute nicht gebraucht wurden auf.

03.04.2010, 15h00 Mahakama FC Nairobi vs Gor Mahia FC 1968 Nairobi (0-0) 1-3 vor ca. 2.000 Zuschauern im City Stadium (15.000) in Nairobi. LP 112.

Meine anfaenglichen Geldsorgen waren unbegruendet. Der Kollege kannte den Ordner und spazierte umsonst auf die grosse ueberdachte Tribuene. Der Eintrittspreis lag bei 200 Sh. fuer den schattigen Bereich und 50 Sh. auf den Stufen der Gegengerade. Ein neuer Kunstrasen erlaubt mehrere Liga Spiele am Wochenende hintereinander, da die Teams in Nairobi keine eigenen Stadien (mehr) haben. Mahakama war erst zu dieser Saison aufgestiegen, Gor Mahia ist neben den AFC Leopards der Lieblingsklub der Kenianer und somit waren fast alle Fans auf Seiten von “Mighty Gor”. Nur ein paar Fans kamen im Trikot, Merchandising wird in der KPL noch klein geschrieben, wie auch Kommerz. Trotz Zusammenfassung im TV stand keine einzige Werbebande auf der Laufbahn. Unsitten mit weiblichen Schiedsrichterassistentinnen machen leider auch vor Afrika nicht halt und so wedelte eine fettaerschige Uschi oftmals falsch vor der Haupttribuene mit der Fahne herum. Die Stimmung war typisch afrikanisch. Ein Wort reicht wohl zur Beschreibung: Vuvuzela. Wenn diese nervtoetenden Troeten nicht spaetestens nach dem dritten WM-Tag aus den Stadien verbannt werden wird das definitiv das nervigste WM-Turnier aller Zeiten. Immerhin waren die Dinger dazu gut mich in der langweiligen ersten Haelfte nicht einschlafen zu lassen. Altmeister Gor drehte nach der Pause auf und die knapp 2.000 Zuseher freuten sich ueber die 3 Tore und ich mich ueber den erfolgreich abgehakten Laenderpunkt Nummer 112. Oder besser gesagt: Nur noch 96 to go. Nach dem Spiel wurden die Sieger von ihren Fans auf dem Spielfeld gefeiert. Das erlebt man in der Bundesliga auch nicht mehr allzu oft. Wir gingen zum St.Johns zurueck, wo Sakina um 16h Feierabend haette haben sollen, aber das zoegerte sich noch bis 19h hinaus und so langweilte ich mich ein wenig bei der Zusammenfassung der Premier League bevor es mit dem Bus in die Eastlands von Nairobi ging. Bei lauter Musik aus den Boxen war die Busfahrt leicht nervig aber zum Glueck bei wenig Verkehr nicht allzu lang. Durch verschlammte Wege ging es dann in das kleine Haeuschen (weniger Quadratmeter als meine Wohnung), wo Sakina mit ihrer Schwester Rita und ihren beiden Toechtern Sandra (13) und Tracey (11) wohnt. Die Schwester war gerade in Mombasa, dafuer war noch die beste Freundin Caro (30) mit ihrer Nichte Natalie (9) dabei. Also ich alleine gegen 5 weibliche Wesen, und das auf knapp 30 qm, welche sich aus einem kleinen Wohnzimmer (dem groessten Raum) mit Fernseher, Kuehlschrank, Couch und Sesseln, sowie einem kleinen Aquarium, sowie einer winzigen Kuechenzeile, ca. 3 qm Bad und einem Schlafraum mit Etagenbett zusammensetzt. Im Wohnbereich quatschten wir ueber Gott (weniger) und die Welt (mehr), ehe es nach gefuehlten 3 Stunden (ich hatte dolle Hunger) noch was zu futtern gab. Vor dem Abendmahl bestehend aus Fleisch, Reis und Gemuese duschte ich noch, sofern man das als duschen bezeichnen kann. Aus einem grossen Bottich konnte ich mit einem kleinen Eimer das kalte Wasser abschoepfen und mir dann ueber den Kopf giessen. Fliessendes Wasser ist nur aus einem Wasserhahn auf Fusshoehe oder aus der Spuele verfuegbar und das auch nicht immer, so dass immer wenn es Wasser gibt ein Vorrat angelegt wird. Es wird afrikanischer, auch wenn das Haeuschen fuer afrikanische Verhaeltnisse schon besserer Durchschnitt ist. Von einem Fernseher oder gar einem Kuehlschrank haben die Huettenbewohner in den laendlichen Gegenden wohl bestenfalls mal entfernt gehoert. Nach 23h war ich dann auch ziemlich muede, da die Ochsentour von der Grenze noch in den Knochen steckte und durfte das untere Etagenbett beziehen, waehrend die 3 Madels sich ueber mir aneinander kuschelten und sich die beiden Freundinnen eine Matraze im Wohnzimmer teilten. Wo ein Wille ist ist auch ein Weg, gemosert hat jedenfalls niemand.

Tag 42, Ostersonntag, 04.04.2010
Wieder so ein Gockel, der mich um den wohlverdienten Schlaf bringt. Irgendwann drehe ich so einem Vieh nochmal den Hals um. Die Maedels versuchten so leise wie moeglich zu sein, aber um 8h30 war an Schlaf nicht mehr zu denken. Nach einer “Dusche” (besser als in manchem Hotel komplett ohne Duschmoeglichkeit isses allemal) ging ich mal zum nahen Supermarkt, dann gab es auch schon Fruehstueck. Die Kids gingen spaeter zur Kirche, ich hatte einen anderen Auftrag zu erfuellen. Sakina hatte mir aufgeschrieben wie ich ins 50 Kilometer entfernte Thika komme. Im Bus in die Stadt sass dann Esther aus Nakuru neben mir, die mich in den richtigen Anschlussbus setzte und mir fuer alle Faelle mal ihre Nummer gab, denn in Nakuru bin ich ja am kommenden Sonntag. Die Fahrt nach Thika dauert so ziemlich genau eine Stunde und fuehrt am Moi International Stadium (60.000) vorbei, welches die Tage dann noch besichtigt werden muss. In Thika ist das Stadion unmittelbar neben dem Busstopp. Der Ort ist mit 100.000 Einwohnern auch nicht besonders gross und hat demzufolge auch nicht viel zu bieten. Zwei Hindu Tempel hab ich zufaellig entdeckt, Strom gab es im Internet Café gerade nicht. Fix eine grosse Portion Pommes (100 Sh.) gegessen und dann fruehzeitig auf die kleine Tribuene in den Schatten gesetzt. 3 Seiten des Municipal Stadiums sind ebenerdig, 5.000 Kapazitaet ist eigentlich uebertrieben, aber nach Maximassstaeben wird das wohl gerade so gehen und wenn es auf der KPL (oder wars Wiki) Homepage angegeben ist wird es schon stimmen.

04.04.2010, 15h00 Thika United FC vs Tusker FC Nairobi (1-2) 1-3 vor ca. 2.000 Zuschauern im Thika Municipal Stadium (5.000) in Thika.

Heute gab es sogar eichlich Bandenwerbung fuer TV-Live Spiel und der dafuer zustaendige Lawrence sass zufaellig neben mir. So wurden vor dem Topspiel des Tages (bei der Livepartie kann man ja eigentlich nix falsch machen) ein paar Infos ausgetauscht. Der Platz war in schlechterem Zustand als so mancher Kartoffelacker in Deutschland, dennoch bekamen die etwa 2.000 Besucher, die 50 Sh. Eintritt geloehnt hatten einen recht guten Kick geboten. 4 Tore, die Heimelf ging in Fuehrung, es wurde wieder fleissig getroetet, der Ground haette bissl besser sein koennen, aber was will man mehr. Auch hier konnten nach dem Spiel alle ueber den Platz latschen und mit den Spielern abklatschen. Waere das nicht auch mal ein Pilotprojekt fuer Argentina ??? Der Kenianer ist aber ein friedlicher Geselle und tut auch wenn kaum Polizei im Stadion vertreten ist weder dem Schiedsrichtergespann noch den Auswaertskickern was. Punkt 17h gings nach Nairobi zurueck, wo ich mir wieder ein wenig helfen lassen musste, um den richtigen Bus in meinen Stadtteil Kayole zu finden, wo ich dann wie geplant um 19h eintraf und das Abendessen schon fast fertig war. Fuer 85 Sh. + 50 Sh. Pfand noch ein paar Pullen vom Tusker Bier mit dem Elefanten auf dem Etikett gekauft und Prost. So weit so gut, Kenya hat seine zweite Chance bisher genutzt. Weiter so.

Gruss aus Nairobi und bis die Tage, H96-Linke
P.S.: Dranbleiben…..
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BeitragVerfasst am: 13.04.2010 11:47 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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Ein weiteres “Jambo”, liebe Fans. Schoen, dass ihr immer noch dabei seit. Hoffentlich geht es mit der deutschen Wirtschaft jetzt nicht steil bergab, wenn alle auf der Arbeit nur noch meine Berichte lesen. Die siebte Reisewoche fand vollstaendig in <?xml:namespace prefix = st1 ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:smarttags" /><st1:country-region w:st="on">Kenya</st1:country-region> statt, <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">einem</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Land</st1:PlaceType></st1:place> mit einer Flaeche von ca. 580.000 qkm (Deutschland zum Vergleich ca. 357.000 qkm) bei knapp 40 Mio. Einwohnern, also etwa der Haeelfte der Bundesrepublik. Ach ja, und auf der falschen Strassenseite fahren sie auch noch, also immer schoen die Augen auf beim Strasse ueberqueren, sonst streift euch hier leicht mal ein Bus….<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
Tag 43, Ostermontag, 05.04.2010
Laenger als bis 8h zu schlafen ist quasi unmoeglich. Erst der Hahn, dann die Maedels, wie in einer Jugendherberge. Aber ich will <st1:State w:st="on">mich</st1:State> mal nicht beschweren, denn es sind ja alle superlieb und kuemmern sich um <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> als ob ich zur Familie gehoeren wuerde. Den Vormittag verbrachte ich dann mit Caro (der besten Freundin), die meine Waesche und sogar meinen Rucksack wusch und mir die Shorts flickte. Nett sind sie ja, die kleinen Kenya-Maeuse. Auch die guten Adidas Turnschuhe wollte sie mir noch putzen, aber das ist in Afrika ja vergebene Liebesmuehe. Laenger als eine halbe Stunde mit sauberen Schuhen rumzulaufen ist hier eine Illusion. Ueberall ist es staubig, dreckig, schlammig, versifft und zugemuellt. Gegen Mittag ging es dann mal auf Fotosafari durch <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Nairobi</st1:place></st1:City>, aber nur durch die guten Viertel in denen sogar mal ein paar wenige andere Touris gesichtet wurden. Alles easy going soweit, totale Bewegungsfreiheit. Ab und zu ruft mal einer “Musungu”, was soviel wie weisser Mann bedeutet und gruesst mit einer Handbewegung, die ich dann meistens erwidere oder fragt “how are you ???”. Ob das immer positiv gemeint ist weiss ich nicht, wird wohl so sein, etwa wie wenn ich “hey Maxi” in der hannoverschen U-Bahn rufe. Telefonnummern von Chicas zu bekommen scheint hier recht leicht zu sein. Beim rumlaufen am Kenyatta International Confernce Centre gab mir Neddy (25) die ihre. Sie: “how are you ???”. Ich: “Fine and you ???”. Und schon war ich in ein Gespraech inclusive ihrer Freundin verwickelt. Wir quasselten ein wenig, aber da sie nicht mein Typ war half es ihr auch nicht in genau dem Hotel zu arbeiten, welches ich immer auf meinen Visaantraegen angebe. <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Paris</st1:place></st1:City> ist ja eh nicht da. Viel mehr war nicht zu erledigen und so zog es <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> frueh zurueck in meinen Vorort Kayole um im Internet (gibt auch Buden fuer einen halben Shilling pro Minute) ein wenig zu recherchieren. So waere ich fast zu spaet zum Abendessen gekommen, es wird immer was einheimisches zu Hause fuer <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> mitgekocht. Caro offerierte mir dann quasi noch den Kontinentalpunkt auf dem Silbertablett, nachdem sie am schon den ganzen Vormittag im duennen Baumwollhemdchen um mich rumgehuepft ist, waehrend Jesus aus Nazareth im TV ans Kreuz genagelt wurde. Da man(n) ja nicht mit dem Kopf denkt ist es echt schwierig standhaft zu bleiben.
Tag 44, Dienstag, 06.04.2010
Trotz Gockel und Madels einfach bis um kurz vor 10h liegen geblieben, es stand ja heute nichts besonderes auf dem Plan. Das Duschwasser bereitete mir Caro vor, da Sakina bei ihrem Boyfriend uebernachtet hatte. Aus einem 100 Liter (oder vielleicht auch mehr) Behaelter wurde das Wasser per Schlauch angesaugt (Vakuum und so….) und in den Duscheimer umgeleitet. Naja, an Schlaeuchen saugen (auch wenn die normalerweise hertha sind) koennen die meisten Ladies ja ganz gut. Nach dem Duschen wollte ich eigentlich was unternehmen, war aber unschluessig darueber was genau und da auch das Guidebook keinen richtigen Aufschluss gab wurde es ein relaxter Tag. Gegen Mittag kam die Friseur Freundin von Sakina ins Haus und wollte mir einen neuen Haarschnitt verpassen. Um es nett auszudruecken: es war desolat. Erst hatte die dicke Maximutti (so stelle ich mir einen Friseurbesuch jedenfalls nicht vor) keine Schneidemaschine und wollte sich mir der Schere an meine Haarpracht machen, dann konnte sie nicht mit dem geliehenen Geraet umgehen und schliesslich nahm ich die Maschine selbst zur Hand. Am Ende wurden dann auch noch 200 Sh. verlangt, worauf wir uns zwar vorher geeinigt hatten, aber das war natuerlich ein utopischer Preis. Mehr als 20 Sh. waere es nicht wert gewesen. Dank der englischen Sprache (untereinander sprechen sie Suaheli) erscheinen hier natuerlich auch englischsprachige Zeitungen, was es auch fuer mich etwas einfacher macht, als in Laendern wie dem Sudan oder Aethiopien. Die englische Premier League bekommt natuerlich mehr Beachtung als die einheimische Liga, die KPL, aber diese wird im Gegensatz zu asiatischen Laendern wenigsten mit Ansetzungen und Spielberichten erwaehnt. Beim Mittagessen gegen 15h war auch schon John, ein Arbeitskollege von Sakina dabei, der sich im weiteren Tagesverlauf selbst als guter Koch herausstellte. Da Sakina Nachtschicht hatte und auch Caro arbeiten musste wollte Mutti wohl nicht, dass ich mit ihren beiden Toechtern allein im Haus bin. Na da waere schon nichts passiert, bin ja nicht paedophil. Mit dem Arsenal Fan war die Liveuebertrag aus der UEFA Champions League auf K24 am Abend natuerlich ein ganz besonderer Spass. Alle Englaender muessen raus. Messi, Messi, Messi, Messi. Da machte sogar TV-Fussball, der <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> ja sonst ziemlich langweilt mal so richtig Fun. Das einzig aergerliche war, dass es Inter gegen CSKA geschafft hat, aegerlich vorallem fuer die deutsche 5-Jahres-Wertung.
Tag 45, Mittwoch, 07.04.2010
Nachdem die Maedels um 8h zur Schule (bis 16h) gingen einfach noch ein wenig liegengeblieben und spaeter von John das Fruehstueck machen lassen. Die Hausherrin war noch nicht von der 16-stuendigen Nachtschicht zurueck, als ich mit einer der unzaehligen Abgasschleudern (die Luft in <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Nairobi</st1:place></st1:City> ist total versmogt und verstaubt) in die Stadt startete. Zuerst nochmal zum <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">KICC</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Building</st1:PlaceType></st1:place>, da ich im Reisefuehrer was von einer Aussichtsplattform gelesen hatte. Aber diese war zur Mittagszeit gesperrt, da Mr. Praesident “around” sei, weil irgendeine Ausstellung auf dem Gelaende war. Im Intercontinental Hotel galt es ein groesseres Geschaeft zu erledigen, ins Loch scheissen ist nicht so mein Ding, ist wohl alles eine Frage der Gewoehnung. Dann schon mal das Nyayo National Stadium, den Spielort von heute Abend gespottet. Der Wachmann begleitete <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> ins Buero, wo ich mir die Fotoerlaubnis abholen sollte. Der Mokel palaverte ein paar Minuten dummes Zeug und wollte dann 1.000 Sh. fuers Fotos machen haben. Vergiss es, du Trottel, dann mache ich halt nachher Bilder vorm Spiel, auch wenn das Licht dann nicht mehr so gut ist. Mit dem F-Wort auf den Lippen das Office verlassen und rein ins Stadion, wohin auch sonst ??? Der Wachposten war nicht aufmerksam und sonst stoerte sich keiner der Rasenmaeher an meiner Anwesenheit. Geht also doch fuer lau, waere ja auch noch schoener fuers Fotos machen Geld zu bezahlen. Dann wieder in die Innenstadt gelaufen und im Hunters Restaurant was gegessen und anschliessend erneut zum <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">KICC</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Tower</st1:PlaceType></st1:place>, dem Wahrzeichen von Nairobi (ca. 3 Mio. Ew.). Der Praesi war inzwischen wech und fuer 200 Sh. konnten Studenten in Begleitung mit dem Lift aufs Dach des gut 100 Meter hohen Bauwerks. Durchaus lohnenswert, ein Klasse Ausblick, Super Luftbilder. Dem Angebot 12 Passbilder fuer 150 Sh. konnte ich in der Einkaufsstrasse nicht wiederstehen. Hab zwar keine Ahnung welche der kommenden Laender ueberhaupt noch Passbilder haben wollen, aber bei dem Preis kann es ja nicht schaden mal ein paar auf Vorrat machen zu lassen. Es gab aber Probleme mit dem Drucker und als ich nach einer Stunde wieder kam war noch nix fertig. Als ich mein Geld schon wieder zurueckgefordert hatte und auf dem Weg zum Stadion war kam der Mokel doch noch hinter mir hergerannt und hatte die fertigen Bilder in der Hand. Mit ein bisschen Druck geht es also. <st1:place w:st="on">Sind</st1:place> zwar nicht besonders gut, aber fuer ein paar Visa oder als Erinnerung fuer diverse Liebschaften (kleiner Scherz am Rande) voellig ausreichend. Im Stadion wurde ja am Mittag noch fleissig der Rasen auf eine bespielbare Laenge gestutzt, jetzt war es angerichtet, zu einem der vielen kleinen Clasicos de Nairobi.
07.04.2010, 19h00 AFC Leopards vs Mathare United FC (0-1) 1-1 vor ca. 4.000 Zuschauern (100) im Nyayo National Stadium (30.000) in <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Nairobi</st1:place></st1:City>.
Die Leoparden werden Vereinsangaben zufolge von 6 Millionen Kenianern unterstuetzt und sind neben Gor Mahia (wohl das lohnenswerteste Spiel) der erfolgreichste Klub des Landes. 2008 waren sie allerdings 1 Jahr zweitklassig, aber nun sind sie wieder da, waehrend Mathare United erst 1994 im gleichnamigen beruechtigten Slum von Nairobi gegruendet wurde und im Abwesenheitsjahr von den Leopards erstmals Meister wurde. Es gab sogar Tickets mit AFC Logo und Spielpaarung drauf, leider vom falschen Spiel am 21.02.2010 gegen KCB, wo wohl nicht genuegend Tickets verkauft wurden. <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Lawrence</st1:place></st1:City> meinte am Abend wuerden ein paar mehr Zuschauer kommen als sonst und hatte damit nicht ganz unrecht. Aufs spielerische Niveau wirkte sich das im Land des FIFA Weltranglisten 114ten allerdings nicht positiv aus, es wurden nur noch mehr Fehler als sonst fabriziert. Das Flutlicht leuchtete auch nur auf halber Staerke, was dem Fernsehen aber wohl zur Uebertragung reichte. Die Leopards versuchten in der zweiten Halbzeit mit neuen Trikots (blau weiss laengs gestreift, statt quer gestreift, Zebrastreifen weiss und blau…..) den Pausenrueckstand wett zu machen, was kurz vor dem finalen Pfiff auch noch unter dem grossen Jubel der meisten Besucher (eine “good crowd” wurde von der Zeitung “The Standard” attestiert) gelang. Nun kam ich erstmals in die Verlegenheit allein des nachts nach Hause zu gondeln, da wurde die Schrittfrequenz automatisch hoeher. Der Nickname “Nairobbery” kommt ja auch nicht von ungefaehr. Heute Abend war aber alles safe. Nur im uebervollen Bus nach Kayole fuehlte ich <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> ein wenig unwohl. Normalerweise sind Stehplaetze nicht erlaubt und es duerfen nur soviele Passagiere mit wie Sitze vorhanden sind, aber heute Abend war das wohl recht egal, zumindest bis zur Polizeikontrolle ca. einen Kilometer vor meinem Heim, als alle die Stehplatz ueberdacht gebucht hatten aussteigen durften. Da war ich bei der vorigen Quetscherei fast froh drueber. Die tausend Meter nach Hause schaffte ich auch noch, verpasste dadurch aber die Anfangsviertelstunde vom UEFA Champions League Match Manchester United FC vs FC Bayern Muenchen. Ich kam, sah und guckte wohl ziemlich bloed aus der Waesche, schon 2-0, was war da den los ??? Die Kartoffeln fuers Abendessen brutzelten ueber dem Feuer so vor sich hin, ich war aber schon bedient. Die Maedels feixten ein wenig, telefonisch wurde ich mit dem Cousin ManU Fan verbunden, aber bekanntlich lacht derjenige am besten, der zuletzt lacht. The German Giant schlug naemlich erbarmungslos zurueck, Mr. Ferguson fing hinterher fast an zu weinen ob der tyischen Deutschen und die erste Niederlage der Bayern im Old Trafford war wohl eine der schoensten Europapokal Niederlagen einer deutschen Mannschaft ueberhaupt. Bye bye <st1:country-region w:st="on"><st1:place w:st="on">England</st1:place></st1:country-region>. Die Bayern Fans schafften es durch ein abgebranntes Bengalo sogar zu den “Fans of the week” im Standard (die Herren Muehldorfer und Hill meine ich zu erkennen, hab das Foto in der Online-Ausgabe aber nicht gefunden). Die Schlafsituation wurde inzwischen ein wenig strange, da es im Prinzip nur 3 Schlafgelegeheiten fuer nun 6 Personen gab. So durfte ich mir den unteren Teil des Etagenbetts mit Caro teilen, waehrend Sandra und Tracey ueber uns pennten und Sakina und der Koch es sich im Wohnzimmer auf der Matraze gemuetlich machten. Eindeutig zuviele Leute in dem kleinen Haus. Also, liebe Caro: Nur gucken, nicht anfassen.
Tag 46, Donnerstag. 08.04.2010
Heute im Bayern Trikot durch <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Nairobi</st1:place></st1:City> zu laufen waere sicher ein Spass geworden. Das Match gestern in einer Kneipe zu verfolgen haette sicher auch was gehabt. So gabs nur fuer jeden ManU Trikottraeger (und von denen gibt es hier unzaehlige) das beruehmte haemische Nelson Muntz “ha ha” oder einfach nur ein “you are out”. Luftlinie ist das Moi International Stadium gar nicht so weit von Kayole weg, aber um dorthin zu kommen muss man trotzdem erst ins Zentrum, da es weder eine direkte Strasse noch eine direkte Busverbindung gibt. Das ueberdachte 60.000er ist mit seinen 3 Raengen schon ein recht nettes Bauwerk, wenn auch schon ein wenig in die Jahre gekommen, wie die meisten afrikanischen Stadien. Es wird aber gerade ein wenig modernisiert und eines schoenen Tages kann der ambitionierte Hopper hier nochmal zu einem Laenderspiel vorbeischauen. Ist ja eh immer das beste in einem Land sowohl Ligafussball als auch die Nationalmannschaft zu sehen, die ja ueber allem steht und im Gegensatz zu denen Vereinen auch vom ganzen Volk unterstuetzt wird, ausser von den Laenderspielhassern natuerlich, aber die gibt es glaub ich eh nur in Deutschland. Zum Mittag gabs Chicken Curry im “Hunters”. So ein Mittagsmahl schlaegt hier je nach Restaurant mit 1 EUR bis 3,50 EUR inkl. Getraenk zu Buche. Kann man sich also noch leisten. Viel mehr stand dann heute auch nicht mehr an. Sakina hatte mal wieder Nachtschicht, so dass sich ihr Schwesterchen um das leibliche Wohl der Gaeste kuemmerte. Die Maedels waren noch beim Friseur und zahlten fuers aendern von komplizierter Rastafrisur auf langes glattes Haar gerade mal 50 Sh., da war ich wohl wieder einem Nepper Schlepper Bauernfaenger Friseur aufgesessen. Beim Film auf DVD waere ich fast eingepennt, es war also an der Zeit gute Nacht zu sagen.
Tag 47, Freitag, 09.04.2010
Heute musste ich <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> mal ein wenig eher aus der Falle quaelen, wenn ich endlich mal ein paar Tiere anschauen wollte und dazu ist man ja in Kenia oder ??? Naja, nicht wirklich. Wenn schon denn schon muesste man ja eine richtige Safari machen und da fangen die Preise bei so 100 EUR pro Tag und Person an. Das ist wohl ein bissl teuer und auch fuer den Nairobi National Park braucht man einen Jeep, also blieb nur der “Safari Walk”. Auch das ist nicht ganz billig, da man als Student nur dann Ermaessigung bekommt, wenn man sich 2 Tage vorher von seiner Uni angemeldet hat. Das hat die Uni Bangkok in meinem Fall leider versaeumt und so musste ich ein Adult Ticket fuer 1.600 Sh. loesen. Die Anlage an sich ist sehr schoen, aber es sind leider nicht zuviele Tiere vorhanden. Die Artenvielfalt ist zwar gegeben und man bekommt Hippos, Hyaenen, Affen, ein Nashorn, Schildkroeten, Antilopen, einen Leopard, Vogelstraeusse, Krokos, Zebras und faule Loewen, die nicht aufsteigen, zu sehen, aber eben immer nur so 2-3 Exemplare. Da gibts im Zoo Hannover im Preis/Leistungsverhaeltnis mehr zu sehen. Nach dem Mittagessen schrieb ich Couchsurferin Bea noch eine SMS, da sie sich mit mir auf einen Kaffee treffen wollte, aber irgendwie funktioniert das mit dem Treffen nicht, da meine SMS wohl nicht durchging. Naja, auch nicht schlimm, spart ja Geld, welches dann direkt wieder in das gute Tusker investiert werden kann. 6 Pfandflaschen hatte ich ja noch abzugeben, das wuerde schon mal fuer 2 neue reichen. Hier wird man noch zum Alki, obwohl es mit 85 Cent pro halbem Liter sooo billig nun auch wieder nicht ist. Nachdem ich im Internet fertig war und zuhause niemanden antraf machte ich <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> also auf den Weg zum Supermarkt. Unterwegs dann zufaellig Sandra getroffen, die grad vom Friseur kam (wieder mit Rastalook, was ihr auch deutlich besser steht) und mich spontan zum Supermarkt begleitete um gleich einen Grosseinkauf zu starten. Bier gibt es aber nicht in jedem Supermarkt und so musste ich mit dem 6 leeren Pfandpullen nochmal zur Kneipe stiefeln. Ab 20h wurde dann gekocht, aber wer jetzt denkt dann wurde ja um 20h30 gegessen taeuscht sich gewaltig. Die Kocherei ist hier immer eine sich ewig in die Laenge ziehende Aktion. Die gekauften Spaghetti wurden von der Juengsten zubereitet. Endlich mal wieder Nudeln, die sich die Familie sonst nicht so oft leistet. Naja, der komplette Einkauf lag bei 1.001 Sh., da kann man ja mal den Gerner spielen, wenn man schon die ganze Woche kostenlos wohnt und auch noch verkoestigt wird. Die beste Nachricht des Tages kam dann am spaeten Abend noch aus der Heimat: Der beste Eishockeyverein der Welt (die EC Hannover Indians, fuer die ganz unwissenden unter Euch) hat den Klassenerhalt in der 2.Bundesliga geschafft, zumindest sportlich, alles weitere weiss man im Eishockey ja fruehestens im Juli.
Tag 48, Samstag, 10.04.2010
Auch in der KPL wird leider mal kurzfristig was verschoben. So wurde mein fuer heute anvisiertes Match der Nairobi City Stars im Hope Center (Ground soll schlechter sein als der in Thika) auf Sonntag verlegt und das fuer Sonntag geplante Spitzenspiel Ulinzi Stars vs Sofapaka (Erster gegen Zweiter und Vorjahresmeister) aus Nakuru nach Naivasha verlegt. Damit wurde mir dann glatt ein Ground geklaut, da heute nur noch 2 Spiele zur Auswahl standen. Im City Stadium Gor Mahia vs Posta Rangers oder (beide zeitgleich) im Nyayo National Stadium Tusker vs Makahama. Die Fixtures der zweiten Liga (Nationwide Division One) herauszufinden war zu faul oder zu doof, Auslegungssache. Bei besserer Vorabrecherche haette man heute auch des <st1:City w:st="on">Derby</st1:City> in <st1:City w:st="on"><st1:place w:st="on">Dar es Salaam</st1:place></st1:City> anschauen koennen. Laut Internetberichten wurde fuer den Clasico SC Simba vs Young Africans trotz Preisen von 3 bis 30 EUR mit voller Huette und 60.000 Zuschauern gerecht. Aergerlich nur, wenn man solche Meldungen erst am Spieltag selbst liest, sich aber noch in einem <st1:place w:st="on"><st1:PlaceName w:st="on">anderen</st1:PlaceName> <st1:PlaceType w:st="on">Land</st1:PlaceType></st1:place> befindet. Haette, wenn und aber half ja nicht weiter, hier war ja auch Fussball und ich entschied <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> fuer diese Partie:
10.04.2010, 15h00 Tusker FC Nairobi vs Mahakama FC Nairobi (0-0) 1-0 vor ca. 115 Zuschauern im Nyayo National Stadium (30.000) in Nairobi.
Trotz freiem Eintritt sah es erst beinahe so aus als sollte dieses Match unter Ausschluss der Oeffentlichkeit stattfinden. Mit Anpfiff waren gerade mal 59 und ein Besucher im weiten Rund. Ein paar kamen zwar noch dazu, aber mein Zuschauerminusrekord fuer Erstligaspiele duerfte gebrochen worden sein (muss ich zuhause nachpruefen). Naja, man kann ja nicht immer alles richtig machen, sonst waere man ja ein extrem hektischer Mensch und wuerde in Ostniedersachsen einem Drittbundesligist die Daumen druecken. Den ersten Verlust der Tour gab es am 48. Reisetag nun auch zu beklagen. Die gute (und inzwischen reichlich verschwitzte und verdreckte) Schirmmuetze mit der “1896” vorne drauf wurde wohl in irgendeinem Bus liegen gelassen und befindet sich jetzt wahrscheinlich auf irgendeiner Maxiglatze. Da dachte ich noch das waere ein schlechtes Omen, als die Bundesligaergebnisse vom Tage per SMS hereinkamen. H96 4, S04 2. Hurra wir leben noch. Steht auf, wenn ihr die Derbies (gegen den HSV, gegen Werder, gegen Wolfsburg und gegen den FC St. Pauli wollt; Derby ist in Hannover nur gegen den SV Arminia) wollt. Damit sich von den 3 Spitzenmannschaft auch keiner benachteiligt fuehlt werden wir dann an den beiden kommenden Spieltagen erst die Bayern und dann Bayer weghauen muessen. Gleiches Recht fuer alle. Die ersten 10.000 Sh. neigten sich auch dem Ende zu und zur Sicherheit wurden nochmal 5.000 am Barclays Automaten nachgezogen, die koennen dann ja spaeter gegen andere Shillings eingetauscht werden. Heute verfuhr ich <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> zum ersten (und letzten) mal mit dem innerstaedtischen Bus, der uebrigens immer einen unterschiedlichen Preis hat. Das variiert von 20 Sh. wenn gar nix los ist bis 50 Sh. in der Rushhour, auch wenn das ja eigentlich paradox ist. So sah ich heute mal die etwas unschoeneren Ecken vom Stadtteil Kayole, aus denen ich <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> aber zu Fuss auch problemlos und ohne Rumgefrage wieder hinaus manoevrieren konnte. Zum Abendessen wurde nochmal Reis mit Bohnen angetischt. Reis hatte ich zwar Mittags schon, aber das wusste Sakina ja nicht. Caro war nach 2 Tagen Abstinenz auch wieder dabei und wollte wohl noch den Laenderpunkt Bundesrepublik Deutschland verbuchen. Da musste ich hart bleiben und zwar ohne dass Caros Haende oder Mund irgendetwas dazu beitrugen. Gute Nacht.
Tag 49, Sonntag, 11.04.2010
Der Tag des grossen Abschied war gekommen, Caro machte mir ein letztes Fruehstueck, da Sakina schon zur Arbeit geduest war, wohin wir uns dann auch per Matatu-Bus (so warden die 14er Minibusse genannt) auf den Weg machten um nochmal richtig “ciao” zu sagen. Mit schwerem Gepaeck einmal quer durch die Stadt zu eiern machte zwar wenig Sinn, aber es sollten ja auch noch 1-2 Abschiedsfotos gemacht werden und ich war ja nicht wirklich unter Zeitdruck, der Spielort Naivasha nur 85 Km weg und Kickoff sollte um 15h sein. Die jungen Damen wollten <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> allerdings gar nicht gehen lassen, aber sorry girls, ich habe auch noch andere Auftraege im Leben zu erledigen. Caro brachte <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> noch zum Matatu Bus und verzichtete clevererweise auf das Abschiedskuesschen, das sie mir sichtlich gerne gegeben haette. 11h45 ging es gen Naivasha los, 13h05 kamen wir an. Das Topspiel war ja vom eigentlichen Venue in Nakuru warum auch immer ins “Old Trafford” nach Naivasha verlegt worden. Der Ground ist allerdings gar nicht im Ort selbst sondern 20 Kilometer entfernt suedlich um den Naivasha See herum. Die Trottel im Bus (Fahrer und Ticketverkaeufer) vergassen aber mir rechtzeitig Bescheid zu sagen, wo ich auszusteigen hatte, obwohl am Busbahnhof in Naivasha so ziemlich jeder mitbekommen hat, dass der Musungu zum Fussballstadion wollte. So fuhr ich gezungenermassen eine Ehrenrunde bis zum Endpunkt mit und war dann erst um 14h48 am Stadion, welches von der Strasse aus nicht zu sehen ist. Es muss ein Komiker gewesen sein, der dem Ground mit der kleinen Holztribuene und auf 3 ½ Seiten nichts den Spitznamen “Old Trafford” verpasst hat. Das 2pm auf der Spielankuendigungstafel machte <st1:State w:st="on"><st1:place w:st="on">mich</st1:place></st1:State> ein wenig stutzig, aber es pilgerten noch etliche Maxis fuer 30 oder 100 Sh. (Tickets wieder mit Spielpaarung vom falschen Spiel) mit mir um kurz vor 15h in den Ground.
11.04.2010, 14h00 Ulinzi Stars FC Nakuru vs Sofapaka FC Nairobi (0-0) 1-1 vor ca. 1.200 Zuschauern im Karuturi Sports Ground “Sher Stadium” (4.000) in Naivasha.
Erst als es direkt mit dem Anpfiff eine Auswechslung gab schwante mir boeses. Der naechste Wechsel bei Ulinzi 5 Minuten spaeter brachte dann Klarheit in die Situation. Wir befanden uns bereits in der zweiten Halbzeit. Zwischendurch hatte Sofapaka zur Freude ihrer gut 200 Fans zum 0-1 getroffen. 6 Trommler gaben den Takt vor, der Rest der Meute sang fast ohne Pause durch. Auch die Ulinzi Fans waren einigermassen aktiv, wenn auch nicht so zahlreich auf der anderen Tribuenenseite. Stimmungsmaessig war dieses kuerzeste Fussballspiel meines Lebens also das beste in <st1:country-region w:st="on"><st1:place w:st="on">Kenya</st1:place></st1:country-region>. Ich kotzte natuerlich gewaltig, auch wenn der Ground nach den offiziellen Groundhopping Regeln ja trotzdem zaehlt. Nach meinen etwas hoeheren Anspruechen genuegenden Regeln zaehlt er eigentlich nicht, aber am Woertchen eigentlich merkt ihr ja schon, dass es dieses mal eine Ausnahme von der Regel gibt. Ich bin mir auch keiner Schuld bewusst, alle verfuegbaren Quellen sagten 3pm. Das aergerlichste ist ja, dass ich trotzdem noch puenktlich gewesen waere, wenn mir die Bustrottel Bescheid gesagt haetten, wo das Stadion ist. Alle im Busterminal wussten wohin ich will, nur die beiden Experten leider nicht. Naja, letzendlich ist man ja doch immer selber Schuld. Shit happens. Aber es stand ja auch noch null zu null und ich habe beide Tore des Tages gesehen, das vom Tabellenfuehrer, den Ulinzi Stars fiel uebrigens erst in der 94.Minute per Foulelfmeter. Da mussten die aufgebrachten Sofapaka Akteure von ihrem Coach zurueckgehalten werden um den Schiedsrichter nicht zu verpruegeln. Die Gefahr, dass ich nun –wie einige so genannte Hopper- zum Halbzeithopper werde besteht ja nun trotzdem nicht. Solange der Ball rund ist dauert ein Spiel 90 Minuten, auch wenn ich das Kreuzchen bei Naivasha inkonsequent wie ich nun mal bin  setzte. Frustriert fuhren die Sofapaka Spieler im vereinseigenen Mannschaftsbus gen Nairobi. Sponsor Blue Triangel Cement buttert scheinbar ordentlich Kohle in den Meister von 2009, denn selbst der Medical Assistant hat seine eigene Trainingsjacke mit Namensaufdruck. Fuer mich ging es ebenso frustriert in die entgegengesetzte Richtung. Noch gute Transportmoeglichkeiten nach Westen in Richtung Grenze zu Uganda zu haben war wohl das einzig positive an der Anspielzeit von 14h00. 150 Sh. bis Nakuru, dann nochmal 250 nach Eldoret. Gegessen hatte ich heute nur 2 Bananen, aber dabei sollte es auch bleiben, da in Eldoret um 21h30 kein geoeffnetes Restaurant mehr gesichtet wurde. Immerhin fand sich schnell ein passables Hotel fuer 650 Sh. in der Naehe vom Busbahnhof. Da auch keine Internetbutze mehr offen hatte war um 22h Nachtruhe angesagt. Wie die Reise weitergeht erfahrt ihr dann in Teil 8, also weiter am Ball bleiben.
Gruss aus Mbale und bis die Tage, H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 20.04.2010 19:06 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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moin fans.
der ein oder andere hat sich vielleicht schon gewundertwarum seine email noch nicht beantwortet wurde und/oder wo teil 8bleibt.
hatte seit freitag 16h ein wenig hinter ugandischen gardinen zu tun....
binjetzt aber auf kaution wieder auf freiem fuss, aber da mein usb stick,meine kamera und mein reisepass noch auf der polizeistation sind kannich mich weder bewegen noch teil 8 zu ende schreiben.
der fall kannam freitag eingestellt werden, sich aber auch noch 2 wochen hinziehenund vor gericht gehen. hab jetzt mal einen anwalt zu rate gezogen, sodass der spass wohl um die 400 euro kosten wird....
ein teures foto eines sportplatzes in bombo, ca. 30 km noerdlich von kampala, wo sich das armee hauptquartier befindet.....
keinesorge, knast war fast wie jugendherberge, alle super nett, wurde nichtgeschlagen oder auch nur angefasst und mit essen, trinken und zeitungenversorgt.
das 7-0 (las ich dann gestern morgen) passte irgendwieganz gut zu dem wochenende, aber in der 96sten stunde war der spuckvorbei. und das ist doch mal ein gutes omen fuer den klassenerhalt.
in diesem sinne, gruss und bis die tage, H96-Knasti
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BeitragVerfasst am: 30.04.2010 13:40 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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hallo fans.
erstmal vielen dank an alle, die mich moralisch so gut unterstuetzt haben.
heute 12h27 ortszeit ging die unendliche geschichte nach genau 2 wochen nun doch endlich zu ende.
am dienstag war ich vor gericht in luwero (60 km noerdlich von kampala), wo ich wie erwartet fuer schuldig (criminal trespassing) befunden wurde, da meine aussagen voellig verdreht wurden. zu den 3 millionen shilling bestechungsgeld, um den fall ueberhaupt mal in die gaenge zu bringen kam dann noch eine geldstrafe von 100.000 shilling dazu, quasi laecherlich im vergleich, wie eigentlich der gesamte fall....
insgesamt hat der spass somit rund 1.500 EUR gekostet. ein etwas teueres foto von einem sportplatz ohne ausbau, welches auf meiner digicam nicht mal geloescht wurde.... !?!
das gericht hatte am dienstag eine verfuegung geschrieben wonach mir meine sachen (reisepass, kamera, usb-stick) von den bullen sofort auszuhaendigen seien. sofort war dann heute (freitag) mittag, nachdem es 2x "come back tomorrow" hiess.
tja, und was macht der fussballfan, der wegen eines stadionfotos verhaftet wurde als erstes nachdem er seine kamera wieder zurueck hat ??? richtig, weitere stadionfotos natuerlich.....
in diesem sinne, nicht unterkriegen lassen. the road to johannesburg will go on.....
dranbleiben und wichtiger: DRINBLEIBEN.
gruss H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 02.05.2010 13:33 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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ja, danke. so, hut wieder auf und weiter lesen....

Und weiter geht es mit dem achten Teil am 12.April. Moment, 12.April, da war doch was ??? Hannover 96 Fans werden es natuerlich sofort wissen. Heute vor 18 Jahren fand das groesste Spiel in meiner Fussballkarriere statt. Richtig, DFB-Pokal-Halbfinale Hannover 96 vs Werder Bremen. 11m Schiessen und Torwartgott (wurde er ja dadurch erst) Joerg Sievers verwandelt selbst gegen Juergen Rollmann und haelt danach gegen Marco Bode und 60.000 Zuschauer huepfen wie von Sinnen ueber die morschen Holzbaenke im alten Niedersachsenstadion. Was fuer ein Tag…. Doch genug in Erinnerungen geschwelgt, kommen wir zurueck in die Gegenwart und zwar nach Eldoret in Kenya:

Tag 50, Montag, 12.04.2010
9h kroch ich unter dem Moskitonetz hervor und tippelte unter die warme Dusche, welch ein Luxus. 9h30 gings fuer 320 Sh. von der Matatu Station los in Richtung Malaba, dem Grenzort. Zwischendurch musste ich nochmal das Gefaehrt wechseln, aber gegen 12h war die Grenze erreicht. In Malaba wollen einen dann etliche Mokel per Fahrrad oder Moped zur Immigration Office fahren, aber das kann man auch alles laufen. Stempel rein, bye bye Kenya, war ja letztendlich doch ganz nett bei euch, wonach es nach dem ersten Tag ja nicht aussah. Paar Meter weiter laufen und schon heisst es “welcome to Uganda”. Fuer das wirkliche willkommen muss dann aber erstmal ein Formular ausgefuellt und 50 USD Willkommensgebuehr abgedrueckt werden, dafuer gibt es dann einen Stempel in den Pass und sogar eine Quittung, hier hat also alles seine Ordnung. Ein paar Shilling aus Kenya gegen eben solche aus Uganda gewechseln (ca. 1 zu 26), damit es fuer den Bus reicht, der dann auch direkt angerauscht kam. Jau, nach Mbale, perfekt. Kaum 10 Kilometer auf ugandaischen Strassen unterwegs gab es auch schon den ersten Toten zu sehen. Ein anderer Matatu hatte auf der Gegenfahrbahn zwei Radfahrer frontal gerammt. Die Raeder und die Front des Minibusses waren schrottreif, der im Graben liegende Koerper sah nicht mehr sehr lebendig aus. Vom zweiten Unfallopfer keine Spur. Der Ungluecksfahrer sprang sogleich in unser Gefaehrt und liess sich von der Unfallstelle bringen., das nennt man umgangssprachlich wohl Unfallflucht. Tja, und weg war er bevor die Polizei eintraf und er zur Rechenschaft gezogen werden konnte. Problemloesung auf die afrikanische Art, wo ein Menschenleben scheinbar nicht viel zaehlt. Die restlich Fahrt bis Mbale verlief ereignislos. Erst bei Ankunft in der 80.000 Einwohner Stadt gab es wieder Diskussionen um den Fahrpreis. Ich hatte mich vorher bei Eingeborenen informiert und sollte nicht mehr als 2.500 USh. Bezahlen. 10.000 wurden gefordert, dies aber schnell auf 4.000 korrigiert. So warf ich 3.000 auf den Beifahrersitz und ging meiner Wege, da ich die 2.500 nicht passend hatte. Im Hotel New Mount Elgon View gab es das EZ mit Etagendusche fuer 13.000 USh. Fix die Klamotten rein, den Regenguss abgewartet und dann den guten Kilometer bei hoher Luftfeuchtigkeit ueber nasse und verdreckte Strassen zum Stadion gelaufen, in dem sich um 15h23 schon so einige potentielle Zuschauer befanden. Aber kaum war ich im Stadion hoerte ich auch schon, dass es Probleme geben wuerde und das Match wohl auf morgen postponed wuerde.

12.04.2010, 16h00 Children Restoration Outreach FC vs Kampala City Council FC im Mbale Municipal Council Stadium (5.000) in Mbale abgesagt. Kein LP 113.
Der Hintergrund war wohl folgender: Heimteam CRO wollte das Match um einen Tag verschieben, hatte aber vergessen die Gaeste darueber zu informieren und die waren nun zwar angereist, aber irgendwo in der Stadt und gar nicht am Stadion. Vom Heimteam oder dem Schiedsrichtergespann war nichts zu sehen, auch nicht von abgekreideten Linien oder Tornetzen. Ein Zustand der sich bis 16h30 auch nicht geaendert hatte. Die Maxis –dumm wie sie nun einmal sind- glaubten zwar immer noch, dass heute gespielt wuerde, aber mir war klar, dass es heute keinen Laenderpunkt aufs Konto gibt. Zum Glueck war dies nicht die einzige Chance Uganda zu kreuzen. Laut Spielplan rollt der Ball quasi taeglich, auch heute waren noch 3 weitere Spiele, ich hatte mir nur das falsche ausgesucht. Wenn gespielt worden waere haette der Elfte den Fuenften begruesst und zwar auf einem Acker, auf dem in Deutschland keine Kreisligatruppe kicken wuerde. 1.000-1.500 Ush. waeren wohl zu entrichten gewesen, so stands zumindest an der Stadionmauer. Der Ground soll einer der besseren im Land sein, immerhin eine kleine ueberdachte Tribuene und einige Stufen auf der Gegenseite, wenn auch alles in einem miserable Zustand. Tja, in Afrika ist halt nichts planbar, wieder wurde mir ein Ground geklaut und ich hatte einen entsprechend dicken Hals. Zurueck in der Stadt mussten erstmal Uganda Shilling her. Da die Barclays Bank in Kenya gute Dienste geleistet hatte wurde sie hier erneut ausprobiert und das funktionierte wieder wie gewuenscht, 200.000 USh. (ca. 2.800 = 1 EUR) sollten ein paar Tage reichen. Die erste Mahlzeit seit fast 36 Stunden gab es dann im Hotelrestaurant, wo ich mir auch aus Frust die erste Laenderpunkthalbe goennte ohne den Laenderpunkt bisher gemacht zu haben. Das gute wenn auch wenig traditiosreiche (seit 1950) Bell Bier hat allerdings nur 4%, damit die kleinen Maxis auch nicht so schnell betrunken werden. Naja, mit dem LP wird es schon noch klappen, da die Uganda Super League ihren Spielplan ziemlich salamimaessig auseinander gezerrt hat. 6 Termine habe ich ja bis zum Sonntag noch in petto. 10.300 USh. kosteten die Spaghetti (ihr werdet inzwischen sicher denken, der Linke frisst die ganze Zeit nur Spaghetti….) inkl. Bier, nicht ganz so billig wie in Kenya. Dann war die Stadt erstmal stromlos, aber in einem Internetcafe gab es einen Generator. Zur Zeit waren jedoch alle 6 PC’s belegt und da es in der Bude warm war zog ich mir fuer die 12 Warteminuten einen Stuhl in den Eingangsbereich um den Luftzug von draussen abzubekommen. Es dauerte keine 2 Minuten, bis der Maxi Ladeninhaber angedackelt kam und meinte ich koenne da nicht sitzen, obwohl noch genug Platz fuer die fetteste Negermutti gewesen waere. Abgesehen davon kommt ja momentan sowieso niemand, in der Stadt gibt es ja keinen Strom. Doch der Maxi war auf Konfrontation aus und da hatte er in mir ja genau den richtigen Partner gefunden, an einem Tag, an dem ich eh schon stinkig war. Mein finales “f***ing b*st*rd” fand der Maxi jedoch nicht so nett (war es ja auch nicht) und folgte mir noch ins andere Cybercafe auf der gegenueberliegenden Strassenseite, wo der Strom inzwischen zurueck gekehrt war. Maxi heulte ein wenig rum und beschwerte sich heftig, was den anderen Maxi aber wenig interessierte, der ihn wegschickte. Soll er halt die Polizei holen, die ihn dann zu dem Idioten erklaeren, der er ist. Natuerlich passierte nichts dergleichen, ausser das der Strom erneut ausfiel und die Internetsession abrupt beendet war. Immer schoen alles geschriebene zwischenspeichern , am besten nach jedem vollstaendigen Satz, denn der Strom kann sekuendlich ausfallen. Ohne Strom kann man dann ausser saufen auch nicht mehr viel machen, aber auch das blieb natuerlich im Rahmen. So, das war Tag 50, Zeit fuer eine kleine finanzielle Zwischenbilanz. Euro und Dollarreste sind noch in kleiner Menge vorhanden, die durchschnittlichen Tagesausgaben konnten dank couchsurfen und guenstiger Lebenshaltungkosten im Sudan, in Aethiopien und in Kenya auf 30,16 EUR gesenkt werden, was ja schon mal sehr erfreulich ist, aber natuerlich auch motiviert eine 2 als erste Ziffer hinzubekommen.

Tag 51, Dienstag, 13.04.2010
Heute war es nun aber an der Zeit fuer LP 113. Die Frage war nur wo. In Mbale bleiben und hoffen, dass heute alles passt und gekickt wird oder nach Iganga fahren und am anderen Spielort des Tages die Lage pruefen ??? Ich entschied mich fuer Option 2. Die fruehe Checkout Zeit von 9h30 im Hotel kam mir somit nicht ungelegen. 10h rollte der Matatu-Bus, der hier Taxi genannt wird los. Ausschliesslich gute Strassenverhaeltnisse bis Iganga (45.000 Ew.), was gestern auf dem Stueck von der Grenze nach Mbale nicht immer der Fall war. An der Hauptstrasse 7.000 USh. bezahlt und rausgelassen worden und direkt im besten Haus am Platz eingecheckt, dem Mwaana Highway Hotel. Zimmer mit Dusche, WC und TV (2 Programme) fuer 25.000 USh. Dann mal zum Stadion durchgefragt und festgestellt mal wieder eine Fehlentscheidung getroffen zu haben. Jeder deutsche Kreisligist wuerde sich weigern auf einem solchen Platz spielen zu muessen. Der Saza Ground ist nur ein einfacher Sportplatz ohne alles. Um Umsonstgucker abzuhalten wurde eine Plane rundum den Zaun zum Platz errichtet. Da noch genuegend Zeit war nochmal die 15 Minuten (schnellen Schrittes) zum Hotel zurueck und im Restaurant fuer 9.000 USh. inkl. 2 frisch gepresster Saefte Mittag gegessen, waehrend auf Supersport 3 die Zusammenfassung des 10.Spieltages der zweitbesten Liga der Welt (inkl. des 10-minuetigen Regenabbruchsuperclasicos) lief. Die dunklen Wolken wollte ich vorrueber ziehen lassen, aber sie zogen nicht vorrueber. Es goss in Stroemen und dabei denkt man immer in Afrika regnet es nicht. 15h37 und keine Regenende in Sicht musste ich dann wohl oder uebel doch mal los und befuerchtete schon das schlimmste, die Spielabsage. Die Gaeste aus Hoima waren aber schon anwesend und machten sich auf dem nun wasserdurchtraenkten Gelaeuf so gut es ging warm. Vom Heimverein waren die Spieler zwar schon da, aber der Zeugwart (nennen wir ihn mal Maxi-Mille) hatte noch keine Spielausruestung zum Sportplatz gebracht. Ein Abstiegsknaller stand an. Der Tabellenzwoelfte der Achtzehnerliga traf auf den Sechzehnten, beide Teams trennten aber nur 2 Punkte und die letzten 5 steigen ab.

13.04.2010, 16h00 Iganga T/C FC vs FC Hoima (2-1) 2-1 vor ca. 350 Zuschauern im Saza Ground (1.000) in Iganga. LP 113.

16h49 wurde die erste Halbzeit dann endlich angepfiffen, es regnete unaufhoerlich weiter. Ich hatte mich unter einen Baum hinter einem Tor gefluechtet. Spaeter kam dann ein netter Maxi, der mich unter seinen regenbogenfarbenden (hoffentlich war der nicht schwul) Regenschirm schluepfen liess. Fussballspielen ist auf solchem Untergrund freilich kaum moeglich. Ein Ballkontakt und wieder wegdreschen das Ding. Umso ueberraschender, dass gleich 3 Tore fielen. Nach 41:25 Minuten war die Halbzeit beendet und ich fragte daraufhin erstmal den vierten Offiziellen was das den soll. Die beiden Kapitaene und der Schiedsrichter haetten sich auf 2x 40 Minuten Spielzeit geeinigt, ob der einsetzenden Dunkelheit. So wurde auch die Pause auf 7 Minuten verkuerzt und um 17h38 ging es weiter. Ohne Nachspielzeit war dann nach 39:58 Minuten in Abschnitt zwo Schluss. Tja, Herr Blatter, hier in Uganda ist noch eine Menge Arbeit zu verrichten, denn so macht das kicken ja keinen Sinn, das hat ja mit Fussball nicht viel zu tun. Waere dies mein einziges Spiel so waere ich mit dem LP wohl nicht wirklich zufrieden, aber inshallah folgen ja in den kommenden Tagen noch ein paar Kicks in hoffentlich besseren Grounds. Zurueck im Hotel erstmal die klatschnassen Sachen auf den Kleiderstaender gehaengt und unter die heisse Dusche gehuepft. Da lernt man eine heisse Dusche erstmal so richtig schaetzen. Umgezogen gings dann nur noch ins Hotelinternetcafe, wo nach einiger Zeit das Internet den Geist aufgab. Naja, schreibe ich halt noch ein paar Zeilen, wobei das englische Rechtschreibprogramm auch ein bisschen nervt. Direkt ist halt immer direct, aus “ja mit” wird immer jam it und werden wird immer zu warden. Das sind Probleme…..

Tag 52, Mittwoch, 14.04.2010
Komischerweise gab es morgens kein heisses Wasser mehr, hatte ich wohl gestern schon alles verbraucht. Nochmal versucht ohne Spiegel zu rasieren und dann ab dafuer. Die Fuellung der Minibusse ging bisher eigentlich immer recht zuegig, aber nach Jinja wollten heute nicht so viele, es dauerte 40 Minuten bis zur Abfahrt. Fuer die 40 Kilometer wollte mir doch ein Maxi weismachen wuerden wir nur 20 Minuten brauchen. Genau, mit Fluegeln vielleicht, wohl eher ne Stunde, auch wenn die Strasse weiterhin sehr gut war. Auf halber Strecke fand dann eine Radarkontrolle statt. Die fette Bullin meinte wir waeren zu schnell gewesen. Ausserdem sei an der Front des Fahrzeuges etwas kaputt und zuviele Passagiere haetten wir auch an Bord, was wohl zum ersten mal ueberhaupt vorgekommen ist. Hab noch keinen Minibus gesehen, der nur mit den 14 zugelassenen Reisenden losgefahren ist. Nach etwas Laberei mussten dann 2 Mann austeigen, 200-300 Meter zu Fuss gehen und als wir aus dem Sichtfeld der fetten Bullenkuh waren stiegen sie natuerlich wieder ein. Ohne weiteren Kommentar. 10h35 dann in Jinja (ca. 100.000 Ew.) am Ursprung des Nils und direkt am Lake Victoria angekommen. Ganz nett hier, die Stadt macht einen reicheren Eindruck als so manch andere, was wohl hauptsaechlich am Victoria See Tourismus liegen duerfte. Auch im Fussballstadion ist noch deutlich mehr Rasen vorhanden als auf den bisher angeschauten Plaetzen. Per Boda Boda genanntem Motorrad liess ich mich dorthin und einmal durch die Stadt kutschieren, was zwar am Ende mit 5.000 USh. teurer war als gedacht, aber wer hat schon Fotos vom Kyabazinga Stadium (4.000) ??? Vom Taxipark genannten Busbahnhof gings dann im 30-Sitzer fuer 3.000 USh. gen Hauptstadt Kampala (ca. 1,5 Mio. -2,5 Mio. Ew., so genau weiss man das nicht, es werden immer mehr). Da wir unmittelbar am Nationalstadion vorbei fuhren schnell raus, es war ja schon 13h45, da haette es ja kaum Sinn gemacht erst noch in die verstopfte Innenstadt mitzufahren. In einem Restaurant mit Blick aufs Stadion Beef mit Kartoffeln und Reis gegessen, wobei das Beef nicht so toll war. Der Sicherheitsmanne begruesste mich und liess mich schon frueh passieren um das 40.000er Teil aus allen Blickwinkeln abzulichten. 35 Reihen, die obersten rundum ueberdacht, Laufbahn, im Dach integriertes Flutlicht und wer hats gebaut ??? Nicht die Schweizer, sondern natuerlich die Chinesen und zwar im Jahre 1997. Mit der Puenktlichkeit wird es hier nicht so genau genommen und so pfiff der Referee erst um 16h15 zu ersten Mal mit seiner Trillerpfeife.

14.04.2010, 16h00 Villa SC Kampala vs Fire Masters FC Kampala 1-1 vor ca. 202 Zuschauern im Mandela National Stadium (40.202) in Kampala-Namboole.

Mit einem Sieg haette der 16-malige Meister und somit Rekordhalter auf Platz 2 der aktuellen Tabelle vorruecken koennen und den Abstand der Top 4 auf 2 Punkte schrumpfen lassen koennen, aber am Ende konnte Villa von Glueck sagen gegen 10 Feuerwehrmaenner nicht verloren zu haben, da diese einen Foulelfmeter in der 90.Minute klaeglich neben das Tor setzten. So richtig fuer die eigene Liga scheinen sich die Ugandis nicht zu begeistern, die Kulisse war jedenfalls erbaermlich, und das bei einem der beiden Topklubs. Also wieder mal einen grossen Ground mit einer kleinen Kulisse gemacht, naja ich kanns auch nicht aendern, wenn der Ugandi an sich lieber Fussball in der Glotze anschaut. Super ist an der Super League also bisher nicht viel. Nach dem Match schlug ich mich im Taxi-Bus durchs Verkehrschaos in den Stadtteil Kabalagala (10 Buchstaben, 5x A, auch nicht schlecht), in dem meine Couch stehen sollte. Wie auch schon in Kenya war die Erfolgsquote auch in Uganda 1 von 3. 3 junge Damen angeschrieben, eine antwortet pauschal nicht, eine will zum Kaffee trinken gehen und die dritte laed einen dann in ihr Heim an. Gute Quote, weiter so. Vom MTN Center rief ich also mal bei Nancy an und wurde keine 15 Minuten spaeter aus dem Kneipenviertel im Jeep abgeholt. Das recht grosse Haus in dem die 5-koepfige Familie wohnt war jedoch keine 200 Meter entfernt, sie haette mir auch einfach nur den Weg beschreiben zu brauchen. Alle Familienmitglieder haben ein paar Gramm zuviel auf den Rippen, um es mal nett auszudruecken, fuers Auge ist also nicht viel dabei. Aber da sie wohl alle ganz gerne essen wurde auch zu spaeter Stund noch angetischt und nebenbei geschaut wie Arsenal beim Erzfeind die Meisterschaft vergurkt. Topsender, dieses suedafrikanische Supersport.

Tag 53, Donnerstag, 15.04.2010
Keine Moskitos in der Nacht, das ist doch mal angenehm, ansonsten moegen die Viecher mich Suessen ja ziemlich gerne. Nicht so erfreulich jedoch das Fehlen einer Dusche. Es gibt zwar ein richtiges Klo und eine Badewanne, aber keine Duschvorrichtung, obwohl das Haus ansonsten mit Kabelfernsehen, Laptop, Mikrowelle etc. gut ausgestattet ist. 9h20 hatte mich der heftige Regen geweckt. Schwesterchen Brenda (27) brachte mir im Nachthemdchen das Fruehstueck auf die Veranda, auf der ich sass und mein Tagebuch nachtrug. Ob sie sich absichtlich oder zufaellig so weit runter beugte, dass ich ihre beiden besten Stuecke zu sehen bekam bleibt ungewiss. Kuchen zum Fruehstueck, naja warum nicht ??? Hund Osu wollte spielen und saute meine eh schon dreckige Shorts noch mehr ein. Es goss derweil in Stroemen. Hallo, gehts noch ??? Wir sind hier mitten in Afrika und auch noch ganz in der Naehe des Aequators, dessen zweite Ueberquerung ich euch vorenthalten habe, aber diejenigen die mir via google.maps folgen haben das ja auch alleine mitbekommen, und es hoert gar nicht wieder auf zu regnen. Manchmal ist sie schon komisch, diese Welt. Gegen Mittag wurde das Wetter besser und ich brach mal zum Stadtbummel auf. Rund um das Nakivubo Stadium geht es megachaotisch zu, da dort so ziemlich alle Busparks sind. Da kommt man selbst als Fussgaenger kaum vorwaerts. Im Sheraton dann mal das Big Business erledigt, eine teure Postkarte fuer 2.000 USh. erworben und den Blick auf die Stadt aus dem 12. Stock genossen. Dann noch in einem Restaurant eingekehrt in dem der Saft ohne Zucker 3.000 USh. kostete und der mit Zucker nur 1.500 USh. Wieder mal eine afrikanische Logik, die mir nicht so ganz klar wurde. Dann behaltet euren Zucker, ich nehme eben keinen Saft, sondern ne Sprite fuer 1.000 USh.

15.04.2010, 16h30 Nalubaale FC Kampala vs Iganga T/C FC 0-0 vor ca. 250 Zuschauern im Nakivubo Stadium (15.000) in Kampala.

Die Eintrittspreise unterlagen mit 3.000-5.000 USh. wohl dem Hauptstadtzuschlag. Der Ground ist recht eigentuemlich, vor allem die Haupttribuene und auch die anderen drei Seiten sind bebaut, irgendwo im Netz werden schon Bilder sein. Vielleicht bei uganda-football-stadiums.co.ug, vielleicht aber auch nicht. Heute war der Kickoff sogar offiziell erst um 16h30. Das Spiel war uebel, die Gaeste verballerten einen Elfer, bekamen dann irgendwann selbst die rote Karte und waren letzendlich froh ueber die Unfaehigkeit von Nalubaale, die nur einmal per Kopf die Latte trafen. Das zweite null null der Tour steht also. Zu Fuss gings zurueck in den 5x A-Vorort, was recht weit aber zu schaffen war. Der Hausherr, der gestern noch nicht da war, durfte mich nun auch kennenlernen. Er waere Chelsea Fan, die Frage “seit wann” verkniff ich mir aus der mir gegebenen Hoeflichkeit. Noch fix ins Internet und schon war auch dieser Tag abgehandelt.

Tag 54, Freitag, 16.04.2010

Um 9h30 wurde aufgestanden, nachdem es schon wieder ohne Ende geregnet hatte. Den ersten Schrecken des Tages bekam ich als mein anvisiertes Spiel fuer heute nicht in der Tageszeitung “ Daily Monitor” (1.200 USh) stand. Andere Newspapers geprueft, alle mit unterschiedlichen Angaben, aber nirgendwo war das Match Simba vs Police zu finden. Beim ugandischen Fussball-Verband FUFA war telefonisch niemand zu erreichen, was auch sonst ??? Aufschluss gab dann das Internet, wo das Match von Freitag nach Sonntag in den Fixtures nach unten durchgerutscht war. Shit, denn die beiden verbliebenen Spiele waren ausserhalb jeglicher zeitlicher Reichweite. Schon wieder ein Grounddiebstahl, naja, die beiden Topgrounds des Landes habe ich ja bereits im Kasten. Also mal sehen ob KCC tatsaechlich heute spielt, wie es die Ankuendigungstafel gestern vermeldete, oder doch erst am Samstag wie die FUFA sagt. Zu Fuss am Stadion angekommen hatte die FUFA leider Recht, kein Spiel am heutigen Tage. Nur Basketball waere ab 17h30 moeglich, somit hatte ich auch die Tagesalternative gefunden, besser als nix. Aber da bis dahin noch reichlich Zeit war konnte ich mir ja auch mal noch den geklauten Ground anschauen, Spielort Bombo war ja nur ca. 30 Kilometer von Kampala in noerdlicher Richtung entfernt. Am total chaotischen Busbahnhof einen Taxi-Bus in dieses Bombo zu finden war gar nicht einfach, vor allem weil einen natuerlich direkt wieder jeder Mokel volllabert wohin man denn will, usw. Sehr nervig. 15h im Minibus, der dann fast eine Stunde brauchte, kurz vor 16h also in Bombo, wo das Unheil dann seinen Lauf nahm. Vom Boda Boda Mofafahrer zum Super League Ground bringen lassen. Das Eingangstor war zwar zu aber dank einer grossen Luecke zwischen Zaun und Mauer nicht unueberwindbar. Da passte ich locker durch. Kein Wachmann da, auf der hinteren Platzhaelfte wurde Fussball trainiert, vermutlich vom Simba SC. Die 20 Meter zum Spielfeldabgrenzungszaun abgeschritten, Digicam raus und 1x “knips” gemacht. Tja, und was bei einmal knips machen so rauskommen kann lest ihr dann im hier folgenden: Beim zurueckgehen zum Zaun kam ein Zivilist angelaufen und faselte mich an, von wegen was machen sie denn da ??? “Nur ein Foto vom Sportplatz, whats the problem“??? Was das Problem war sagte er nicht, aber ich haette angeblich ein schweres Verbrechen begangen und wir muessten sofort zur Polizei gehen. Jetzt haette ich das Foto loeschen und/oder abhauen sollen, aber so clever war ich in diesem Moment nicht, zumal ich mir ja keiner Schuld bewusst war und in meinem jugendlichen Leichtsinn dachte: “Gehen wir halt zu den Bullen, was wollen die denn, die werden mich schon nicht verhaften, habe ja kein Verbrechen begangen”. Mit einem lockeren “Hello, would you please arrest me, if you have some space” auf den Lippen trat ich ins Polizeirevier Bombo ein. Alle lachten, nee, wir haben gar keinen Platz. Was dann von da an abging kann ein halbwegs normaler und ein wenig intelligenter Mensch eigentlich gar nicht glauben und es ist auch schwer zu beschreiben, aber ich versuche es mal. Es war nun also Freitag, ca. 16h und auf der Polizeiwache wurden die Aussagen von Leutnant Tom Lwanga (dem Zivilist) und H96-Linke (dem Terrorist aehm Fussballfan) aufgenommen. Die vom Maxi in Maxisprache Luganda, meine logischerweise auf englisch. Name, Geburtsdatum, Nationalitaet, Passnummer, seit wann in Uganda, warum in Uganda und noch so einiges bis es zum eigentlichen “Verbrechen” kam. Wieso weshalb und warum haben sie das gemacht ??? “Was denn ??? Am Zaun war niemand, ein anderer Eingang zum Sportplatz waren mir und dem Boda Boda Fahrer nicht bekannt und dann hab ich ein Foto von einem Sportplatz ohne alles (eigentlich also komplett sinnlos) gemacht. Wo genau liegt denn da nun das Verbrechen“???. Das Problem an der Sache: Hinter dem Sportplatz befindet sich Armee Gelaende, die sogenannten Army Barracks, Kasernen halt und wohl so etwas wie das Hauptquartier der ugandischen Streitkraefte. Jeder Nicht-Maxi haette nun kurz ueberlegt und dann gesagt “dann loeschen sie das Foto mal und sehen sie zu, dass sie Land gewinnen”. Aber so clever ist diese Spezies Mensch ja bekanntlich nicht. Was laeuft in diesen kleinen schwarzen Gehirnen bloss schief ??? Naja, wohl so ziemlich alles. Nachdem meine Aussage das erste Mal handschriftlich festgehalten wurde, kamen weitere wohl hoeher gestellte Bullen, die die gleichen Fragen nochmal stellten, um die gleichen Antworten nochmal zu bekommen. Das erste Basketballmatch um 17h30 war schon nicht mehr zu schaffen, aber es gab ja noch ein zweites um 20h30, was die Neuauflage des letzjaehrigen Finales werden sollte. Jede meiner Antworten musste ich zweimal aufsagen, ehe sie zu Papier gebracht werden konnte, weil der Maxi mir gegenueber nicht verstand was ich sagte oder nicht wusste was ich meinte. Schon jetzt war es eine Geduldsprobe und ich musste mich schon hier einigermassen zusammenreissen um eben jene Geduld nicht zu verlieren. Verwunderlich genug, dass die Bullen ueberhaupt schreiben koennen. Nachdem der erste Bulle (Fred) eine DIN A4 Seite mit meiner Aussage gefuellt und ich diese unterschrieben hatte fuellte Dummkopf Nummer zwei auch noch ein A4 Papier. Im welcher Geschwindigkeit das von statten ging spottet selbstverstaendlich jeder Beschreibung, ihr koennt es euch nicht vorstellen. Gegen 17h30 kam dann ein Army Officer in Uniform dazu, machte auf oberarrogant und superwichtig und stellte nach einer Durchsuchung zu der ich T-Shirt und Schuhe ausziehen musste dieselben daemlichen Fragen zum wiederholten Male. Langsam war ich es leid, versuchte aber dennoch so hoeflich wie moeglich zu bleiben und alle Fragen noch einmal wahrheitsgemaess zu beantworten. Der Armeeton von Major Rubakya war schon nicht mehr ganz so nett, wie es die Bullen noch waren, aber immer noch ganz okay. Bislang war die ganze Aktion ja immer noch ein netter Spass fuer mich, der halt ein wenig laenger dauert und ich streute den ein oder anderen Scherz in die Befragung mit ein. Der Mayor hatte nun die glorreiche Idee das besagte Foto von meiner Digicam auf seinen Laptop zu kopieren, nur hatte ich das Kabel nicht dabei und die 2 GB Speicherkarte war in seinem Acer Notebook nicht zu lesen. Auch beim zehnten Mal in seinen mobilen Computer reinstecken konnten keine Fotos abgerufen werden, aber nach diesem zehnten erfolglosen Versuch hatte es auch der Armeetrottel endlich kapiert und schicke seinen Adjutanten in das naechste Internetcafe um das Foto auf seinen USB-Stick zu ziehen. Verwunderlich genug, dass es in Bombo, wo keine einzige Strasse geteert war ueberhaupt diese technischen Moeglichkeiten gab. Nach einer guten halben Stunde kehrten die beiden Helden, die sich dieser Aufgabe angenommen hatten erfolgreich zurueck. Na hurra, da ist es ja, das schlimme Foto auf dem viel Fussballplatz und ganz klein im Hintergrund ganz normale Haeuser zu sehen sind, von denen kaum etwas zu erkennen ist, geschweige denn, dass es Army Barracks sind. “Wo liegt denn jetzt das Verbrechen” wollte ich nochmal wissen. Ach, weil ich ueber den Zaun geklettert bin. Ja ok, mein Fehler, sorry dafuer. Aber am Zaun stand auch nix von Army oder aehnlichem und der Mokel der mich “erwischt” (bin ja freiwillig stehen geblieben und habe mit ihm geredet) hat, der hat sich auch nicht als Soldat ausgewiesen. Wie waers denn wenn ich das Foto jetzt loesche (was ich trotz ausdruecklichem Verbot spaetestens jetzt haette machen sollen) und wir vergessen die ganze Sache, um 20h30 habe ich naemlich noch ein Basketballspiel auf der Agenda. Aber nun wurde erstmal weiter geprueft „who you are“. In meinem Geldbeutel waren ja auch diverse Scheckkarten. „What is ADAC, what is Bahncard, what is DKB“??? Mein Handy gab nun auch Anlass mal durchgeschaut zu werden und so ging Major Dummkopf hoch zehn mal mein Adressbuch durch. „Who is ADAC Pannendienst“??? „Who is Andrea“ ??? Ich:„A beautiful girl“. „Who is this Andreas“ ??? Ich:„A friend“. „Who is that Andreas“ ??? Ich:„Another friend“. „Who is Bianca“ ??? Ich:„Another beautiful girl“. Und so weiter und so fort. Dann begann es jedoch langsam unschoen zu werden, da Mayor “mein Kopf ist so leer wie ein Kuerbis an Halloween” meinte ich muesse ueber Nacht in der Polizeistation in Bombo bleiben. Sicher nicht Kamerad, hier hoerte der Spass nun aber auf. Dann ruf ich jetzt wohl doch besser mal die deutsche Botschaft an und dann sehen wir mal weiter. Aber dieses Telefonat wurde mir vorerst nicht gestattet. Stattdessen telefonierten die Bullen jede Menge hin und her, wohl mit Vorgesetzten aus der Hauptstadt, da die Dorftrottel in Bombo natuerlich komplett ueberfordert waren. Diese Telefonate wurden alle von Prepaid-Handys aus gefuehrt und andauernd musste einer zum Kiosk an der Hauptstrasse rennen, um eine neue 1.000 USh (35 Cent) Prepaid-Karte zu holen. Entsprechend langsam war der Informationsfluss. Immerhin war meine Uganda Couchsurferfreundin Nancy inzwischen benachrichtigt, die wiederum die deutsche Botschaft ueber den Fall informiert hatte. Gegen 20h war der Basketball-LP Nr. 13 Geschichte und es kam ein weiterer hoeherer Bulle (Geoffrey) mit blauer Schirmmuetze aufs Revier. Fuer die Armee war die Angelegeheit erstmal erledigt, ich war zur Polizei ueberstellt worden. Dieser Geoffrey-Bulle war noch recht jung und machte auch einen relativ aufgeweckten Eindruck, so dass in mir wieder ein wenig Hoffnung aufkeimte, doch noch in den naechsten Minuten entlassen zu werden. Aber nachdem noch einmal alle Fragen durchgekaut waren und die Antworten immer noch die gleichen waren erstarb auch diese Hoffnung. Etliche weitere Telefonate mit den Chefs in Kampala folgten und um 22h war der Fall nach nun inzwischen 6 Stunden noch immer ohne Ergebnis und ich musste in der Tat in Bombo bleiben. Die Dorfbullen waren aber recht fair und sperrten mich nicht mit irgendwelchen Assis in eine kleine Zelle, sondern begleiteten mich zu fuenft (!) zum wohl einzigen Hotel am Ort, wo ich dann fuer 15.000 USh einchecken konnte und ein kleines Zimmer mit TV (2 Programme) und Bad bekam. 2 Bullen plazierten sich vor der Tuer auf Plastikstuehlen, so dass ich wenigsten ein wenig Genugtuung hatte, zumindest denen eine unbequeme Nacht beschert zu haben. Immerhin bin ich (noch) nicht im Gefaengnis gelandet, das waere in einem Land wie Uganda sicher nicht so schoen. In Deutschland soll es im Knast ja teilweise wie in einem 4 Sterne Hotel zugehen. Der verpasste Basketballpunkt kotzte mich momentan am meisten an, ich hatte den Ernst der Lage wohl noch nicht erkannt. So wird wohl nie ein guter Basketballhopper aus mir, aber mal ehrlich, gibt es da ausser SGE-Jochen ueberhaupt noch welche ???

Tag 55, Samstag, 17.04.2010
6h30 wurde ich von den beiden angeblich fuer meine Sicherheit zustaendigen Sheriffs geweckt. Nur fix angezogen und ungeduscht wieder durch den noch schlafenden Ort zum Revier gedackelt, der Fall wird sich ja heute Vormittag klaeren und dann kann ich ja zuhause bei Nancy in Ruhe duschen, dachte ich mir. So warteten wir auf die Offiziere aus Kampala. “They are coming” hiess es bereits ab 6h45, nur wann war die Frage. Gegen 8h kam dann erstmal meine moralische Unterstuetzung in Form von Nancy und Mum Rose, die im Jeep gekommen waren um mich abzuholen. Die beiden wurden nun auch eingehend befragt und ihre Zeugenaussagen fuers Protokoll aufgenommen, wie auch gestern schon die Aussage vom Boda Boda Driver, der dann den DIN A4 Zettel gereicht bekam, um seine Worte nochmal nachzulesen und zu unterschreiben. Von der Idee her ja ganz nett, nur in der Umsetzung schwierig, wenn der gute Mann, dem ich keinerlei Vorwuerfe mache wegen des falschen Eingangs, weder lesen noch schreiben kann. Seinen Namen brachte er aber in Druckbuchstaben gerade noch so aufs Papier. Bis 10h passierte dann mal wieder gar nichts, ausser warten warten warten, bis die vertrottelten Beamten aus Kampala angereist waren. Das Frage und Antwort Spiel unter Aufsicht von 5 Bullen, die alle fleissig mitschrieben ging erneut von vorne los und zwar von ganz vorne, Name, Birthday, und so weiter und so weiter. Es wurden noch ein paar neue Zusatzfragen eingebaut, aber auch die brachten keine neue Klarheit in die eh schon glasklare Situation. 2 Stunden zog sich die Befragung im Freien auf der gruenen Wiese hin. “Durch welche Laender sind sie denn gereist”??? Ich:“Egypt, Sudan,.... “Oh, Sudan. And where did you get the Visa”??? Ich:“Cairo“. “Aha, mhh. By bus. Aha, mhh. All the way. Aha, mhh.” Bei jedem mhh sah man quasi wie die wenigen grauen Zellen versuchten diese neuen Informationen zu verarbeiten. Verwunderlich genug, dass die 5 Herren auf die Idee kamen eine Fragerunde zu bilden und alle mitzuschreiben anstatt das ganze Prozedere einzeln zu durchlaufen. Ich hatte natuerlich keine Ahnung wer in welcher Position war und wer wichtiger als der andere, da alle in Zivilkleidung gekommen waren. Gegen 12h war erneut alles gesagt, aber offensichtlich nichts verstanden worden und ich musste mich inzwischen echt zusammenreissen diesen extrem dummen Meschen weiterhin geduldig und freudlich gegenueber zu treten. Die Dummheit war teilweise wirklich nicht mehr zu ertragen. Dann war wieder eine Portion warten angesagt. Bis um 13h30 Geoffrey sagte wir sollen im PKW von Mutti von zwei Bullen begleitet nach Kampala zur Central Police Station fahren, wo sich dann die Staatsanwaeltin Florence O-irgendwas denn Fall durchlesen und meine Freilassung unterschreiben wuerde. Es waere telefonisch soweit alles abgeklaert. So fuhren wir etwa eine Stunde durch sintflutartige Regenfaelle schoen langsam und bedaechtig in die Hauptstadt. 14h30 waren wir da und wer war nicht mehr da ??? Die Dreckshure von Staatsanwaeltin natuerlich. Es war ja schliesslich auch Wochenende und die Bullen aus Bombo hatten ja auch nicht x-mal angerufen und Bescheid gesagt, dass wir in spaetestens einer Stunde da sein wuerden. Im Headquarter wurden nun weitere dumme Fragen gestellt, waehrend die beiden Bullen aus Bombo vor dem Computer sassen und versuchten bei Solitaire die Kartenstapel in die richtige Reihenfolge zu bringen, was die Hohlkoepfe natuerlich bei weitem ueberforderte. Allein beim Zuschauen haette man vor Lachen am Boden gelegen, wenn es nicht so ernst waere. Den 2m-Schlacks, der jedesmal ein “uuhhmm” hervor brachte, wenn er zu verstehen schien, dass eine sechs unter eine sieben passt, waere ein Eintrittsgeld wert gewesen. Das war Dummheit in Vollendung, sorry wenn ich inzwischen zum hundertsten mal schreiben wie dumm hier alle sind, aber leider ist es nun einmal die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Bis 16h30 warteten und warteten wir, die beiden Damen blieben zu meiner Verstaerkung. Zwischdurch wurde mal versucht die Staatsanwaeltin telefonisch zu erreichen, was aber nicht klappte. Wer hat denn die Vertretung ??? Vielleicht kann ja jemand anderes das Papier unterzeichnen, damit der Fall erledigt ist. Das ginge wohl nicht, es gaebe wohl keine Vertretung. Schwesterchen Brenda, die den Kontakt zur Botschaft hergestellt hatte war nun auch auf dem Revier und die 3 Damen sorgten sich um mich als ob ich zur Familie gehoeren wuerde, obwohl wir uns ja erst seit Mittwoch persoenlich kannten. Da hab ich beim Couchsurfen wieder einen Glueckstreffer gelandet. 17h30 stand dann der Herr Ludwig von der deutschen Botschaft auf der Matte, redete nur kurz mit mir und mit dem Bullen Fred aus Bombo, der ja aber hier nix mehr zu entscheiden hatte. Der ziemlich arrogante Schnoesel machte einen angepissten Eindruck, da ich sein wohl sonst freies Wochenende gestoert hatte und er wegen mir extra quer durch die Stadt fahren musste. Mit bayrischem Akzent durfte ich mir nun erstmal anhoeren wie schlimm es doch sei in Uganda ueberhaupt Fotos zu machen, wovon auch immer. Das geht nicht, das macht man nicht, da muss man sich vorher informieren. Tja und wenn die Dame die einzige ist die das Entlassungsformular unterschreiben kann dann ist das wohl so. Das ist hier nicht wie in Deutschland. Das ist hier Uganda. Ach ja, danke fuer die Information, wusste ich noch gar nicht. Naja, wenn Sie mir nicht weiter helfen koennen, dann mal danke fuer nichts. Er koenne mir eine Liste mit Rechtsanwaelten geben, aber der kann vor Montag wohl auch nichts machen, solange muessen sie wohl oder uebel hier bleiben, wenn der nette Polizist das sagt. Kann ja nicht Ihr ernst sein. Wenn einem die Botschaft des eigenen Landes bei so einer Nichtigkeit nicht helfen kann, wer bitteschoen dann ??? Hatte in meiner Naivitaet einen groesseren Einsatz meiner Landsleute erwartet. Tja, dann bleibe ich wohl hier und mache den ersten Knast Laenderpunkt statt des dreizehnten Basketball Laenderpunkt oder statt heute Fussball KCC vs Maji anzuschauen. Naja, nicht so schlimm, Ground hab ich ja schon. Schreibt sich jetzt so leicht, aber seitdem Moment wo ich realisiert habe “hier bleiben zu muessen” war mir das Herz doch ganz schoen weit in die Hose gerutscht. Nancy hatte mir noch etwas warmes zu Essen gebracht, aber die Pommes brachte ich nur mit viel Wasser ueberhaupt runter. Vom zweiten Stock gingen wir begleitet von 3 Bullen ins Erdgeschoss runter, wo ich gegen 18h meine Schuhe ausziehen und meinen Guertel abgeben musste und einen Aufbewahrungszettel dafuer bekam. Man koennte sich ja aufhaengen. Und danach war mir auch fast zumute, mein Herz schlug mir bis zum Hals, aber immerhin schlug es noch. Als ich von einem Waerter und einer Waerterin die Treppen zum Keller hinunter gefuehrt wurde hatte ich eine Angst wie wohl noch nie zuvor im Leben. Wovor soll man in Deutschland auch Angst haben ??? Nun aber ging es IN ein afrikanisches Gefaengnis. Viel positives hat man von solchen Orten ja noch nicht gehoert. Gewalt, Misshandlungen, und so weiter. Schwer zu beschreiben, was einem da fuer Gedanken durch den Kopf gehen. Du gehst in Afrika in den Knast, zu lauter Wilden. Die werden dich umbringen oder –noch schlimmer- vergewaltigen, das wird die Hoelle, das ist die Hoelle. Daran aendert auch die Aussage vom Schliesser “niemand fasst diesen Mann an” nichts. Kreidebleich wie ich war konnte meine Angst sicher jeder sehen. Dort unten gab es zwei jeweils ca. 80 Quadratmeter grosse Raeume und ein paar wenige Zellen. Auf dem Boden waren Bastmatten und ein paar Matratzen ausgebreitet. Eine Einzelzelle waere nett, ist aber leider nicht vorhanden. Die beiden offensichtlichen Chefs, die sich “Arabi” und “Issa” nannten und beides Kongolesen waren wiesen mir eine Matratze zu, auf die ich mich mit dem Ruecken zur Wand und angezogenen Knien kauerte. Wenige Minuten spaeter wurde im anderen Raun die Vollzaehligkeit geprueft, wozu sich alle dort einfinden muessen. Mit schlotternden Knien ging ich also auch die paar Meter rueber. Zum Glueck waren ja jetzt noch Waerter anwesend, aber was wenn die weg sind ??? Nun wurde also geprueft wer noch da ist und wer nicht. Ein Bulle der wohl nicht richtig schreiben kann hatte alle Namen der potenziellen Insassen in einem dafuer vorgesehenen Buch aufgelistet, einer der nicht richtig lesen kann versuchte nun diese zu entziffern. Jeder Name musste zwei bis drei mal wiederholt werden, ehe sich die richtige Person meldete. War mir aber ganz recht, je laenger das dauerte umso besser. Ich nickte den drei oder vier anderen Brillentraegern hoeflich zu, denn Brillentraeger schlagen sich oder andere ja in der Regel nicht. Als dann alle Namen abgehakt waren wurde nochmal explizit auf die Unantastbarkeit des Musungu hingewiesen und alle verteilten sich wieder auf ihre Plaetze auf den Matratzen oder Decken. Auf das sonst uebliche Durchsuchungritual wurde beim weissen Mann auch verzichtet, abgesehen von 4.000 Ush. und dem Aufbewahrungszettel fuer meine Schuhe hatte ich aber eh nichts dabei. Wer eine Matratze hatte war quasi luxurioes ausgestattet, auf dem harten Boden waere es sicher nicht besonders gemuetlich geworden. Mit dem Ruecken zur Wand kauerte ich auch der mir zugewiesenen Matratze, hoffte dass mich niemand ansprach und gruebelte darueber nach, was denn so alles schief gelaufen ist. Wohl so einiges. Der einzige Nicht-Maxi im Gefaengnis wurde natuerlich von allen kritisch beaeugt. Da man ja im Knast dringender Freunde braucht als anderswo auf der Welt ging ich in die Offensive und erzaehlte meinem Nachbarn zur Linken meine „unbelievable“ Story, die Sam dann auf Luganda Sprache an die Knastbrueder in unmittelbarer Naehe weiter gab. Mit Sam noch ein wenig smalltalk betrieben, bei dem er mir was von markierten 1,5 Mio. US Dollar verklickerte, die sein einst fuer die Armee fliegender und bei einem Absturz umgekommener Vater wie auch immer beiseite geschafft haette. Na klar, dann tauschen wir doch sogleich mal die email Adressen aus, damit ich wenn wir beide wieder draussen sind auch einen Teil vom Kuchen abbekomme *kopfschuettel*. Der erste Freund war also gefunden und nun wand ich mich meinem Nachbarn auf der anderen Seite zu. Sahba war ein Mann wie ein Baer, auch ebenso behaart und war wie auch die beiden Chefs vor dem Buergerkrieg aus dem Kongo nach Uganda geflohen. Vom Regen in die Traufe moechte man meinen. Dem Kongolesen war nicht viel zu entlocken, ausser, dass er im Goldbusiness taetig sei und ich hatte auch den Eindruck, dass er vom Typ her eher weniger auf doofe Fragen steht. Also nicht zuviel gebohrt und nur meine eigene Geschichte nochmal berichtet. Der Baer war also auch mit im Boot. Charles hatte sich inzwischen ins Gespraech eingeklinkt und stellte sich spaeter als vor sich hinsingender Prediger und eine Art Philosoph heraus, war aber durchaus sympathisch und unterhaltsam. Er hatte auch hier unten seinen „Fun“ und liess sich seine positive Grundeinstellung nicht kaputt machen. Mit Chef Issa fuehrte ich das naechste laengere Gespraech und ich wurde langsam etwas lockerer. Der Herzschlag beruhigte sich ein wenig, waren ja bisher alle ganz okay. Meine 2qm Matratze verliess ich vorerst dennoch nicht, noch nicht mal zum pissen traute ich mich zu gehen. Ca. 60-80 Mithaeflinge sassen insgesamt ein, mit ein paar von denen war ich ja schon einigermassen dicke. Auch mit Brillentraeger Steven wurden noch ein paar freundliche Worte gewechselt, bei ihm war ein Scheck geplatzt. Langsam ging es auf die erste Nacht hinter ugandischen Gardinen zu. Brenda hatte mir noch eine Art KGB-Mantel gebracht, der mich in der Nacht warmhalten sollte, aber es waren sicher so um die 25 Grad im Keller, der von einigen Halogenstrahlern rund um die Uhr taghell beleuchtet wurde. Die Angst an sich war sicher noch vorhanden, auch wenn der Schlaf versuchte zu seinem Recht zu kommen, konnte ich kaum pennen.

Tag 56, Sonntag, 18.04.2010
Die Nacht endete gegen 5h30. Alle Zeiten sind ab jetzt nur ungefaehre Angaben oder Schaetzungen, da wir keine Uhr zur Verfuegung haben und nur ganz wenig Tageslicht ins Kellergewoelbe hineinstrahlt. Aber ab halb sechs werden die beiden grossen Raeume von den Knastis feucht durchgewischt, danach kann man sich wieder hinlegen. Die erste Nacht war also schon mal ueberstanden, da aber Wochenende war wuerde ja in jedem Fall noch eine weitere folgen. Gegen 8h war die Blase dann so voll, dass ich es nicht mehr aushielt und pissen gehen musste. Issa gab mir seine Badelatschen und zeigte mir wo ich Wasser zum spuelen bekam. Alles kein Problem. Wenig spaeter war wieder Vollzaehligkeitsappell. Zwischen 6 und 8 junge Damen waren auch ihrer Freizeit beraubt worden. Diese hatten aber einen eigenen Bereich, sonst waere es wohl zum Rudelbumsen gekommen. Alle, die gestern Abend noch da waren, waren auch heute Morgen noch da. Wohin haetten sie auch gehen sollen ??? James, ein weiterer Brillentraeger wurde ein weiterer Freund. Ebenso Mark, der nun auch einen Platz neben mir und Sahba einnahm, einen recht intelligenten Eindruck machte und auch Kohle zu haben schien. Wer im Knast Kohle hat hat es wie auch im richtigen Leben besser als die anderen und kann sich Verpflegung und Zeitungen bringen lassen. Oberstes Gebot ist freilich alles mit seinen Knastkumpels so weit es geht zu teilen. Zur mittaeglichen Besuchszeit brachte mir Mum Rose Chicken mit Reis und Wasser, sowie eine Thermoskanne Tee. Man hilft sich gegenseitig so gut es geht und versucht so zu ueberleben. Von Mark gab es Bananen, mein restliches Chicken gab ich weiter, Wasser wurde in aus 1,5 Liter Pullen in ausgeleerte 500 ml Flaschen umgefuellt. Philosoph Charles streute hin und wieder einen schlauen Spruch ein und lockerte die Atmosphaere weiter auf. Ansonsten herrschte staendig reger Betrieb, weil alle paar Minuten jemand zur Anhoerung gehen musste, oder Besuch bekam, oder neue Insassen dazu kamen. Es wurden auch Knastis entlassen, sei es gegen Kaution, um vor Gericht zu gehen oder endgueltig. Alle anderen vegetierten auf ihrem Platz so vor sich hin, viele Moeglichkeiten zur Freizeitgestaltung hat man ja nicht. Die Zeitungen von Samstag und Sonntag (ohne Ergebnisse vom Samstag) waren auch schon 3x durchgelesen. Die Zeit schritt nicht voran und man verlor jegliches Gefuehl fuer die aktuelle Tageszeit. Irgendwann fragte ich mal einen Waerter wie spaet es ist und bekam „afternoon“ als Antwort. Es war aber nicht wie gehofft schon nach 15h, sondern after noon, nach 12h Mittags. Ueber kurz oder lang dreht man an solchen Orten definitiv durch. Punkte an der Decke zaehlen, schlafen, liegen, sitzen, schlafen, liegen, sitzen, schlafen, viel mehr geht nicht, aber irgendwann geht auch schlafen nicht mehr, kann man ja nicht 24 Stunden am Tag, die Muedigkeit geht verloren. Auf dem Ruecken liegen, auf der linken Seite liegen, auf der rechten Seite liegen, mit ausgetreckten oder angezogenen Beinen. Naja und zwischendurch kann man ja mal auf das zum Glueck recht weit entfernte Klo zum urinieren gehen. Um groessere Geschaefte zu verrichten ist das Klo allerdings nicht brauchbar, also Arschbacken zusammen und auf eine baldige Entlassung hoffen. Mit dem gelabert, mit diesem gequatscht, zwischendurch ein wenig im einzigen verfuegbaren englischsprachigen Buch „a better way to pray“ gelesen. Alle Mithaeftlinge sind nett und freundlich, gruessen hoeflich mit Daumen hoch Zeichen und fragen nach wie es dem Musungu geht. Bisher war die Antwort immer standardmaessig „i’m ok“, aber langsam nervt der Zustand. Ein paar finster ausschauende Gestalten sind natuerlich auch eingebuchtet, aber auch die lassen mich in Ruhe, alles paletti. Gegen 18h war dann die zweite Vollzaehligkeitspruefung und ich war „still here“. Einige gehen nachdem ihr Name aufgerufen wurde grusslos in ihre Zellen oder auf ihre Plaetze zurueck, andere melden sich mit „yes, Sir“ oder aehnlichem Quatsch ab und ein Komiker ist selbstverstaendlich auch dabei, der dann eine kleine Rap-Nummer zur allgemeinen Belustigung abzieht. Zur zweiten Besuchszeit bekam ich von Nancy und Mum wieder Verpflegung gereicht und ein paar aufmunternde Worte mit auf dem Weg nach unten. Morgen frueh ist die Staatsanwaeltin sicher da, dann werde ich bestimmt freikommen. Von der Botschaft war nix zu hoeren, naja war ja auch Wochenende, da hat der Herr Ludwig sicher besseres zu tun als durch die verstopfte Stadt zu fahren und einen Landsmann aus dem Knast zu holen. Ein frisches T-Shirt, sowie Trainingsjacke und –hose hatte mir meine Gastfamily auch noch gebracht, so konnte ich wenigstens fuer mich persoenlich das Licht ausschalten, Jacke ueber den Kopf, Augen zu. Was ich dann auch recht frueh am Abend machte, auf sinnlose Laberei hatte ich auch keinen Bock mehr, es wuenschen einem zwar alle das Beste und druecken die Daumen, dass der Musungu moeglichst bald freikommt, aber ich kann es trotzdem nicht mehr hoeren und bin selbst auch gar nicht so optimistisch, denn erstmal muesste es ja Gehirnzellen regnen.

Ob es diese geregnet hat, ob ich jemals wieder das Tageslicht erblicke und ob ich meine Reise nach Johannesburg fortsetzen kann erfahrt ihr dann eventuell im naechsten oder uebernaechsten Teil.....

In diesem Sinne, Gruss ausm Knast und bis (hoffentlich) Tage, H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 02.05.2010 13:34 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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Jawoll, ich lebe noch und bin vorruebergehend auf freiem Fuss. Schoen, dass Euch das auch alle freut. Im Knast gibts ja leider kein Internet, sonst koennte man es da sogar laenger aushalten. H96-Linke ist also wieder an der frischen Luft und darbt nicht bei Wasser und Brot dahin so wie es mir (ich hoffe scherzhaft) aus Rostock gewuenscht wurde. Und du, lieber Frank waerst dann wieder der erste gewesen, der sich beschwert haette, weil er auf Arbeit nichts zu lesen hat…..
Tag 57, Montag, 19.04.2010
Um 5h30 wurde wieder der Boden gewuescht, eigentlich eine uberfluessige Sache, aber wenn es nun einmal so ist, dann soll es auch so sein. Sich selbst wieder einmal zu wiehnern waere auch langsam mal wieder an der Zeit, die letzte Dusche hatte ich am Freitag, aber die hiesige Dusche benutzte ich dann doch mal lieber nicht, so werden die Maxis mit ihren Minischwaenzen noch ganz neidisch. Als der Boden wieder trocken war nochmal bis zum Appell hingelegt. Immer noch alle da, eine Farce. Heute Morgen waren wohl aber Anwaltsheinis dabei, die sich ein paar Mandanten rauspickten oder Pflichtverteidiger, die ihre schwarzen Schafe erstmals zu Gesicht bekamen. Anschliessend nochmal hingelegt, was soll man auch sonst machen ??? Augen zu und warten was passiert. Gegen 10h dann ausgerufen worden, meine Gastfamilie war auch schon da und ich wurde zur Staatsanwaeltin ins Buero zitiert. Dort war nun natuerlich ueberhaupt nichts vorbereitet, sie hatte weder meinen Pass, der bei Nancy zuhause lag, noch meine Kamera, die noch in irgendeinem anderen Buero war. Nur die Akte an sich war immerhin schon eingetroffen. Mutti Rose brachte meinen Pass, den ich als es nach unten ging mit allen weiteren wichtigen Sachen Nancy zur Aufbewahrung gegeben hatte. Als dann alles vollstaendig war gab es wieder eine heitere Fragerunde mit Frau Staatsanwalt und 5 Bullen, wohl die Anti Terror Force, sie haben sich mir nicht vorgestellt. Alles wurde wieder von vorne haarklein durchgekaut. “We are professionals” durfte ich mir von einem dieser Profis anhoeren. Ja klar, professionelle Vollidioten seid ihr. Hab ich natuerlich nur gedacht und nicht ausgesprochen. Ein anderer dieser Profis fragte mich irgendwann “do you think we are stupid” ??? Wenn ich jetzt die Wahrheit sagen wuerde waere das wohl das Ende und ich wuerde hier nie wieder rauskommen. Als die Profis dann genug hatten ging die Fragerei im Einzelgespraech weiter. Also von Anfang an. Name ??? Markus Linke. What ??? Markus Pause Linke. Und er begann zu schreiben: Ma…. M_A_R_K_U_S   L_I_N_K_E buchstabierte ich. Aha, your birthdate ??? How old are you ??? Ist das nicht aus meinem Geburtsdatum ersichtlich ??? Und in diesem Stil ging es weiter, immer weiter, Seite um Seite wurde vollgekritzelt. Auch nach dem Job (kein Job), nach dem Einkommen (kein Einkommen) und nach Freunden (keine Freunde) wurde gefragt. Als eine der letzten Fragen kam dann die nach der Email Adresse meiner Oma. Mir ging schon die Hutschnur hoch und ich antwortete: “She is 87 years old”. Woraufhin der Bulle erneut fragte: “And whats her email address”??? Ich also nochmal, etwas langsamer gesprochen: “She…is…87…years…old”. Und der Bulle zum dritten Mal: “And her email address”??? Darauf gab ich dann keine Antwort mehr und es wurde ein Strich aufs Formular gemacht. Duerfen Menschen eigentlich dermassen dumm sein ??? Eine witzige Frage auf einem der Zettel war auch noch: In welchen Laender waren sie ??? Ich fragte mal gegen: “Wollen sie wirklich alle Laender wissen”??? Yes. Na gut, dann fangen wir mal in Afrika an, da kennst du ja vielleicht zumindest ein paar Nachbarlaender vom Namen her. Aber selbst das war ein Akt, dann ging es nach Suedamerika und Mittelamerika, wo ich von vorherein zum buchstabieren von Venezuela bis Argentina ueberging. In Europa liess ich die schwierig zu schreibenden osteuropaeischen Laender weitestgehend aus. Nach Asien wurde nicht gefragt, Asien kannte der Bulle wohl nicht. Obwohl er wissen wollte, wer denn die junge Dame auf dem Foto in meiner Geldboerse sei. Aha, die Freundin aus Beijing, China, alles aufgeschrieben. “Didn’t you say that you are not married” ??? Jau, das hab ich gesagt, bin ja auch nicht verheiratet, nur eine Freundin, keine Ehefrau. Ein Foto vom Sindelfinger, welches er mir wohl mal fuer einen Visaantrag gegeben hatte sorgte fuer weitere allgemeine Verwirrung. Ein anderer Bulle kommt ins Buero, sucht drei Akten aus einer Schublade raus, findet aber offenbar nicht was er sucht, stopft die Akten wieder in die Schublade rein, aber nun geht sie nicht mehr zu. 3 Minuten wird geruettelt und geschuettelt, gedrueckt und geprokelt, aber es geht nicht und dann bleibt die Lade halt offen. Es ist alles Wahnsinn was hier so passiert, wie hier so “gearbeitet” wird. Die Dummheit ist nicht mehr zu ertragen, sorry, dass ich mich staendig wiederhole. Die fette Bullenkuh am anderen Schreibtisch erzaehlt mir zwischenzeitlich in einer Wartepause mal was von ihren fuenf Kindern und ich muss mich beherrschen ihr nichts zu sagen wie unglaublich es fuer mich ist, dass sie ueberhaupt jemals einen Mann gefunden hat, der so verzweifelt gewesen sein muss dieses haessliche Vieh auch nur anzufassen. Dann bekam ich noch die Bibel unter die Nase gehalten, sorry, aber die brauche ich genauso wenig wie Kinder, was natuerlich beides auf voelliges Unverstaendnis sorgte. In meinen Unterlagen sind nach gruendlichem Check auch diverse Ausweise gefunden worden, was die Situation auch nicht gerade einfacher macht und mich ein wenig in Erklaerungsnot kommen liess. Was macht denn ein Nicht-Student mit einem Studentenausweis ??? Naja, studieren wahrscheinlich nicht. Wieso ich allerdings anhand eines Studentenausweises als Spion verdaechtigt werde wissen auch nur die Dummkoepfe. Aus dem Haus sollte mein gesamtes Gepaeck zum Durchsuchen geholt werden, was Nancy dann auch holte, nicht ohne vorher noch meine zweite Geldboerse und ein paar andere Papiere einzubehalten. Es gibt also auch clevere Afrikanerinnen. Gegen 18h wurden mir meine Sachen vorlegt, damit ich bestaetigen konnte, dass alles da ist. So konnte ich wenigstens ein paar frische Socken anziehen und mir meinen Notizblock und ein Buch schnappen, was auch genehmigt wurde, wofuer die Bullin aber am naechsten Tag meckern von Frau Staatsanwant bekam. Tja Jungs, der Musungu ist wieder da und richtet sich jetzt erstmal haeuslich ein, ihr hattet wohl schon gar nicht mehr damit gerechnet. Die dusselige Kuh von Staatsanwaeltin war naemlich nicht mehr da, als Nancy meine Sachen brachte. So beschehrte mir diese verdammte Drexxhure eine weitere Nacht im Keller, in den ich nach dem heutigen 6 Stunden Verhoeren zur Ueberraschung der anderen Knastis wieder gefuehrt wurde. Reis mit Fleisch und zwei Flaschen Wasser hatte mir Nancy noch mitgebracht und als ich gegessen und den Rest verteilt hatte las ich erstmal die Zeitung von Mark durch. Das einzige vermeldete Bundesliga Ergebnis machte ein perfektes Wochenende erst so richtig perfekt. FC Bayern Muenchen sieben vs Hannover 96 null. Gute Nacht, Bundesliga. Naja, 3 Spiele haben wir noch um den einen Punkt Rueckstand auf mindestens eins, besser zwei Teams aufzuholen. Fuers Torverhaeltnis war dieses Resultat ein wenig kontraproduktiv. Meine Nachbarkumpel Sahba, der Baer war freigelassen worden und auch James und Steven waren raus. Chef Issa hatte es ebenfalls geschafft. 4 Kumpels waren also wech, aber ich war ja inzwischen mit den meistens dicke. Als die Zeitung ausgelesen war setzte ich mich mal hin, naja ich sass eigentlich die ganze Zeit und brachte mal die vergangenen 75 Stunden zu Papier, bis dann zur Nachtruhe gebeten wurde. Kann jeder pennen, wann er Bock hat, Licht ist ja eh die ganze Zeit an.
Tag 58, Dienstag, 20.04.2010
Wie meinte mein langjaehriger Weggefaehrte Patrick Z. per Email so treffen: “In Bombo vom Bimbo verhaftet. Der Fuehrer wurde sich im Grabe umdrehen, wenn er denn schon tot waere und nicht heute seinen 121.Geburtstag feiern wuerde”. Heute ist doch ein guter Tag um freigelassen zu werden dachte ich so bei mir, als um 5h30 die Putzkollonne anrueckte, was ja auch nicht viel hilft. Bis zur sinnlosen Vollzaehligkeitspruefung nochmal abgelegt. Die Liste taugt ja eh nicht viel. Hier wurde einer vergessen einzutragen, dort kann der Vorlesende die Schrift nicht lesen. Grosses Kino am fruehen Morgen. Eine weitere Stunde in der wenig sauerstoffhaltigen Luft hier unten versucht zu pennen, dann waren wieder die Rechtsanwaelte dran, die ihre Schuetzlinge rauspickten. Ibrahim, der gestern die Rap-Nummer abgezogen hatte sollte entlassen werden, aber ihm gefiel es hier wohl ganz gut und er wollte nicht freiwillig gehen. So wurde seitens der Drecksbullen mit Schlaegen auf Kopf und Ruecken unter grossem Gelaechter der anderen Bullen und Anwaelte nachgeholfen. Auch andere Gefangene, die krank waren oder nicht schnell genug aufsprangen wurden geschlagen, wobei ich auch das schlimmer erwartet hatte. Menschenrechte und so sind hier aber nicht viel wert. Ich haette mich jedenfalls nicht so geziert und waere flotten Schrittes rausmarschiert, aber wenn du kein richtiges Zuhause hast ist es im Knast wohl doch ganz schoen. Das Geruchsorgan hat inzwsichen auch den Dienst quittiert, der Eigengestank hatte die Stufe bestialisch fast erreicht. Mein Buch ist auch nicht gerade hoffnungsfoerdernd. “Im diplomatischen Dienst” von Joseph von Westphalen (Tauschgeschaeft mit Uli in Khartoum) laesst Hauptfigur Harry von Duckwitz, der in der deutschen Botschaft in Kamerun arbeitet auch einen Fotografen ein paar Tage im Knast schmoren. Naja, immerhin was anderes zum Lesen, als “a better way to pray”, das Buch von Nachbar Mark, der fuer heute seine Gerichtsverhandlung anstrebt. Ich dagegen warte bis mein Name oder einfach “Musungu” durchgerufen wird bis ich die Treppe zur Freiheit mal wieder hochsteigen darf. Kann nur hoffen, dass bei der Durchsuchung meines Gepaecks auch der duemmste gemerkt hat, dass es sich nur um einen harmlosen Touristen und einen positiv verrueckten Fussballfan handelt und nicht um einen Terrorist oder einen Undercover Agent. Hoffentlich hat irgendeiner die dafuer notwendige Gehirnzelle abbekommen. Vom Knast hab ich jedenfalls genug, es reicht definitiv. Ein wenig Sonnenschein und eine Dusche waeren mal wieder eine feine Sache, gerne auch in umgekehrter Reihenfolge. Also warte ich mal ab und lese, wenn nicht heute (es ist gerade 10h) dann vielleicht morgen. Fuer den Rest des Lebens werden sie mich schon nicht hier behalten wollen. Zwischen den Kapiteln bringe ich Mark mal seine Sachen an die Pforte zur Freiheit und gebe mir noch meine Email Adresse mit auf den Weg, die richtige diesmal, nachdem 3 andere Kollegen eine falsche bekommen haben. Draussen kann man mit solchen Leuten ja auch nicht viel anfangen, Mark hingegen machte einen faehigen Eindruck. Gedanken a la “was wenn sie dich nicht rauslassen” gibt es natuerlich, aber die versuche ich moeglichst zu verdraengen. Momentan ziehen sie sich scheinbar an dem Studentenausweis hoch und was ein Nicht-Student damit macht. Hat zwar mit dem eigentlichen “Verbrechen” gar nichts zu tun, wenn ein Ausweis im Geldbeutel mit sich gefuehrt wird, aber egal. Chef Arabi nervte inzwischen ein wenig, da er die Matratzennutzungsgebuehr von 10.000 Shilling endlich haben wollte. Sein Boss draussen wuerde schon Druck machen. Ja, kein Problem, Kollege. Kriegste umgehend, wenn ich meine Leute draussen gesprochen habe. Gegen 11h30 wurde ich dann erneut zum Verhoer abgeholt, alles von vorne, mit Statement fuers Protokoll. Als haette ich nicht alles schon 50x gesagt, aber es war ja wieder ein neuer Bulle dran. Name ??? M-a-r-k-u-s L-i-n-k-e. Date of Birth ??? 13-09-1975. How old are you ??? Kannst du nicht rechnen (mit Sicherheit nicht) oder glaubst du ich weiss nicht wie alt ich bin ??? Und so weiter und so weiter. Aber dies sollte die vorerst letzte Befragung bleiben. Nancy und Brenda hatte in der Zwischenzeit einen Rechtsanwalt ausfindig gemacht und dieser machte nun ein wenig Druck. Sandra Littfass von der deutschen Botschaft hatte sich heute auch mal zum CPS bequemt, nachdem sie gestern angeblich keine freien Termine mehr hatte. Ja, so Diplomaten haben schon unheimlich viel zu tun. Sandra war aber immerhin recht nett und hatte im Gespraech mit der Staatsanwaeltin auch schon so etwas wie eine Freilassung auf Kaution rausgehandelt, nachdem sich der Terrorverdacht gegen mich komischerweise nicht bestaetigt hatte. Die Befragung zog sich nochmal etwa 2 Stunden hin, es wurde seitens der Drexxbullen so gut verlangsam wie es ging, die reinste Schikane. 14h machte mein neuer Rechtsanwalt weiteren Druck mich doch nun endlich auf Kaution rauszulassen. Weitere Formulare mussten per PC (bisher ging fast alles handschriftlich) geschrieben und ausgedruckt warden. Haette mich nicht gewundert, wenn ausgerechnet jetzt das Papier alle gewesen waere. 15h war das “Release on Bond” dann endlich unterschrieben und ich konnte gehen, waehrend mein Reisepass, meine Kamera und der USB-Stick als Beweismaterial bei der Staatsanwanltschaft blieben. Ich fragte nochmal hoeflich wozu sie denn meine Digicam braeuchten, die Speicherkarte wuerde doch ausreichen, aber die Kamera waere ein Beweisstueck. Fuer welches Verbrechen noch gleich ??? Die Kautionsauflagen besagten, dass ich mich taeglich um 9h auf dem Polizeirevier melden muesse, bis geklaert ist wie der Fall weiter geht. Nun gingen wir alle vom 2.Stock ins Erdgeschoss, wo ich meine Schuhe und den Guertel abholen koennte oder besser “haette abholen koennen”, wenn ich den Aufbewahrungszettel noch haette. Der jedoch war in der Shorts verblieben, als ich die Shorts gegen die lange Trainingshose gewechselt hatte und war wohl in der Waesche verloren gegangen. Also stellte sich die Idiotin an der Ausgabe, die mit dem Kopf auf der Tischplatte schlief, als ich den Raum betrat und good morning wuenschte, quer. Kein Beleg = keine Schuhe. Zum Durchdrehen, dieses Land und die Dummheit dieser Menschen. So dackelte der Anwalt die zwei Stockwerke wieder rauf in das Office des korrupten Bullenschweins (ein Zusatz den es ja eigentlich nicht Bedarf, jeder Bulle ist ja korrupt), der unter der Hand 100.000 USh. fuer die Bewilligung der Kaution kassiert hat und kam wenig spaeter mit diesem zurueck. Nun redete der Offizier minutenlang auf die Trulla ein, aber es blieb bei: no paper = no properties. “How should I know if this is yours” ??? Vielleicht steht das ja auf dem Originalbeleg drauf…. Ich hatte ja nur eine Kopie bekommen und das Original muesste ja irgendwo abgeheftet worden sein. Daraus wuerde dann ja wohl hervorgehen, dass dies meine Adidas Schuhe sind. Das gehe so normalerweise nicht. Orrr, du Idiotin, die Kopie ist aber nicht mehr da. Nachdem der Bulle dann seinen Kringel auf dem Originalbeleg gemacht hat durfte ich mir dann doch meine Schuhe aus der hintersten Ecke suchen. Der Guertel war in den linken Schuh gestopft worden, alles da also. War es das jetzt ??? Ist diese Scheisse in der 96sten Stunde nun wirklich vorruebergehend beendet ??? Jaaa, hurra ich bin frei. Sonnenschein, Tageslicht, so was herrliches. Wahnsinn, what a story, die ja aber damit noch nicht beendet ist. Mit Nancy, Brenda und Rechtsanwalt Abel Kahara ging es erstmal zur Bank. Bei den ersten drei Versuchen klappte es aber nicht mit der Visa Karte an Kohle zu kommen und ich vermutete schon Sabotage der Bullenschweine, aber es lag wohl daran, dass die angefragte Summe zu hoch war. Bei der Barclays Hauptstelle gab es dann zumindest 400.000 USh., von denen 300.000 USh., direkt an den Winkeladvokat wanderten. Ohne Quittung natuerlich, Musungu Tarif. Die Lawyer auf der Liste der deutschen Botschaft lagen bei 1-2 Mio. USh., was fuer Wegelagerer. Abel war mit insgesamt 800.000 USh. somit quasi noch guenstig. Nun war ich also wieder frei, die erste Rate an den Anwalt war bezahlt, dann lasst uns doch nach Hause fahren und feiern. Zuhause war natuerlich zuerst eine Dusche ueberfaellig und ein WC Gang notwendig, das hatte ich mir im Knast ja erfolgreich verkniffen. Zum abduschen wurde mir zuerst ein Eimer mit gruenlicher Bruehe hingestellt, angeblich Medizin, naja afrikanischer Aberglaube. Danach ordentlich mit der Eimer-Methode mit richtigem Wasser kalt abgeduscht, herrlich. Die weite Welt wollte nach nun ueber 100 Stunden ohne www auch mal informiert werden, wo dieser H96-Linke denn nun eigentlich abgeblieben ist. Er lebt noch, wie der alte Holzmichl. Besten Dank mal von dieser Stelle an alle, die mich moralisch unterstuetzt haben oder gar Geld schicken wollten. Wenn ich nicht nochmal eingelocht werde muesste ich aber noch bis South Africa kommen , dennoch gracias. Mit dem guten Pilsener wurde bei TV-Fussball Inter vs Barca (3-1) auf die wieder gewonnene Freiheit angestossen.
Tag 59, Mittwoch, 21.04.2010
Heute morgen gabs es mal kein Wasser, naja macht ja nix, hatte ja erst gestern Nachmittag geduscht. Brenda war von nun an meine persoenlich Chauffeurin. Ohne Fruehstueck fuhren wir zum CPS, wo wir gemaess deutscher Puenktlichkeit um 8h55 auf der Matte standen. Von den fuer meinen Fall verantwortlichen war aber niemand da, es war also wieder die reine Schikane uns so frueh zu bestellen. Nancy hatte mehrere Auftraege zu erfuellen, Brenda Zeit sich um mich zu kuemmern. So schauten wir mal im nahen Anwaltsbuero vorbei und gingen dann mit Advokat Abel zum Revier zurueck. 9h20 war noch immer keiner da, wieder warten warten warten. Zeit hat hier keinen Wert. 10h10 kamen die Drexxbullen endlich um mein Kautionspapier zu unterschreiben und zu verlaengern. Freitag 10h solle ich mich wieder melden. Abel machte noch ein wenig Druck um den Fall zuegig voran zu bringen, da ich ja auch nicht ewig in Uganda bleiben will. Druck machen um etwas zu beschleunigen geht in Afrika natuerlich nur mit finanziellen Mitteln, wieder waren 100.000 USh. an das Bullenschwein faellig, um den Fall weiter zu leiten. Anschliessend fuhr ich mit Brenda zur Fuehrerscheinzulassungsstelle, wo der Lappen alle 3 Jahre verlaengert werden muss. Irgendein Stempel fehlte aber noch, so dass wir diesen erst noch woanders abholen fahren mussten. Auch hier ist natuerlich immer Bakschisch zu zahlen, wenn man weiter kommen will. Mit dem Stempel wieder bei der Zulassungssstelle wurde Brenda mitgeteilt, dass nun noch eine Kopie der Unterlagen fehlen wuerde, aber ein Kopierer waere hier nicht vorhanden. Was fuehr unfaehige Vollidioten. Nach insgesamt 2 Stunden hatten wir dann alles beisammen und Bren kann die naechsten 3 Jahre sorgenfrei Auto fahren. Selbst Einheimischen wird alles so schwierig wie moeglich gemacht. Ich hatte zwischendurch mal eine volle Breitseite Regen abgekriegt, als ich nochmal zum Auto gelaufen bin um die offen gelassenen Scheiben zu schliessen, so dass wir nun erstmal nach Hause fahren mussten um die Klamotten zu wechseln, bevor im Shopping Center eingekauft wurde. 2 Pizzastuecke mussten als Mittagessen herhalten. Mit frischem Geld bewaffnet gings nochmal in die Anwaltskanzlei, wo uns die Sekretaerin sogar eine Quittung ueber die zweiten 400.000 USh. ausstellte. In der Stadt trafen wir dann Brenda’s Boyfriend Brian, der recht nett war, auch ne Menge Fussballsachverstand hatte und sogar ueber die Bundesligaergebnisse vom Wochenende informiert war. So kam er dann auch mit ins Nakivubo Stadium, wo heute folgender Klassiker geboten wurde:
21.04.2010, 16h30 Kampala City Council FC vs Nalubaale FC (0-0) 0-1 vor ca. 600 Zuschauern im Nakivubo Stadium (15.000) in Kampala.
Wieder ein Grottenspiel, obwohl ich ja froh war ueberhaupt wieder Fussball sehen zu koennen. Mit 600 Zuschauern (mein persoenlicher Uganda-Rekordbesuch) kamen aber immerhin ein paar mehr als beim letzten Mal, und ein Tor fiel dieses mal auch. Brian wusste von vollen Stadien in den 90ern zu berichten, aber verschobene Spiele und Fussballuebersaettigung im TV (selbst Oberrotz wie Hull vs Villa wird live uebertragen) lassen die Fans heutzutage zu Hause bleiben und nur noch den europaeischen Fussball am Bildschirm verfolgen. Die Eintrittspreise von 3.000-5.000 USh. waeren nicht mal zu teuer. Mit aber morgen waere ein “very good game” im Nationalstadium verabschiedete sich Brian mit einem Kumpel und ich ging die etwa 5 Kilometer nach Hause. Dann mal kurz ins Netz geschaut, wie denn so eure Reaktionen zu meinem Knastaufenthalt ausfielen. Die gingen von “na da haben es dir die maxis mal zurueck gezahlt, so wie du immer ueber sie urteilst” (Danke Teamchef, ich schicke dir naechstes Mal auch einen netten Spruch, wenn dir mal wieder ein Vulkam das Casablanca Derby klaut…) bis hin zu “sag Bescheid, wenn du Geld brauchst”. Vielen Dank fuer Eure Anteilnahme und Unterstuetzung. War schon recht interessant von wem da Reaktionen kamen und welche Freunde wohl doch eher nur fluechtige Bekannte vom Fussball sind. Am Abend war dann TV Fussball zu Hause geplant, aber die Rechnung fuers Satellitenfernsehen (60.000 USh.) war wohl nicht puenktlich bezahlt worden und so waren die guten Sportsender alle gesperrt. TV Uganda wollte zwar Bayern vs Lyon auch uebertragen, aber sie waren dann wohl doch nicht in der Lage und entschuldigten sich fuer die Unannehmlichkeiten, welche so aussahen, dass wir die Anfangsviertelstunde verpassen. Wie gegen ManU also, nur mit demUnterschied, dass es dieses Mal noch null zu null stand. Mit Mutti in die Kneipe nebenan zu gehen gab schon ein etwas seltsames Bild ab. Ein Musungu mit einer aufgetakelten 50-jaehrigen. Das Match lief auf Grossbild, das Bier floss die Kehlen herunter, das Ergebnis ist bekannt, nur 1x musste aufgesprungen werden.
Tag 60, Donnerstag, 22.04.2010
Wieder recht frueh aufgestanden, da ich um 9h einen Termin beim Anwalt hatte. Also so gegen 9h, genau genommen wird das hier ja nicht mit der Zeit. Hund Osu sprang mich ein paar mal beim Fruehstueck an und schon war das T-Shirt eingesaut und reif fuer die Waesche. Der Anwaltstermin war recht sinnlos, da sich noch nichts getan hatte. Mit Freitag sind wir fertig und der Fall ist erledigt wird das wohl nichts. Da haette Abel auch einfach mal anrufen koennen und wir haetten uns den Weg und den Sprit (es wird sinnvollerweise immer fuer 10.000 USh. getankt, was so ziemlich genau 3,44 Liter ergibt) sparen koennen. Vielleicht tut sich aber heute Nachmittag noch was, Abel will mal Druck machen. Da wir ja nun schon mal in der Stadt waren ging Brenda in den Schoenheitssalon und liess sich Fingernaegel und Haare herrichten. Ich machte es mir die 3 Stunden (!) im Internetcafe gemuetlich, nachdem ich einen neuen USB-Stick (20.000 USh.) gekauft hatte und schrieb ein paar Zeilen. Dann nochmal zum Anwalt, wo nun auch mir so langsam klar wurde, dass am reichen Musungu jeder seinen Shilling Anteil verdienen will und der Fall sich bis mindestens Montag hinziehen wird, ob Abel da nun Druck macht oder nicht. Im Prinzip ist die Zeit nun auch egal, ich wohne ja guenstig und auch sonst gibt man hier ja nicht viel aus. Tanzania (Simba im Confedcup am Sonntag) und Zanzibar waeren jetzt eh nicht mehr machbar ohne zu fliegen und das naechste Match in Rwanda ist auch erst am zweiten Mai. Da hab ich also noch ein wenig Puffer. Weniger Puffer hatten wir dann nach dem Mittagessen um nach Namboole raus zu fahren und das Topspiel (Vierter vs Zweiter) zu verfolgen. Ich war von 16h Anstoss ausgegangen und schon ein wenig genervt, als wir erst um 16h07 da waren, aber der Kickoff war erst um 16h30.
22.04.2010, 16h30 Villa SC Kampala vs Uganda Revenue Authority FC (2-1) 2-3 vor ca. 400 Zuschauern im Mandela National Stadium (40.202) in Kampala.
Das einzige gute Basecap mit gesticktem Villa-Logo haette ich mir fuer 10.000 USh. sogar gekauft, ne Kopfbedeckung ist bei der Sonneneinstrahlung ja nicht verkehrt, aber leider war bei diesem der Verschluss kaputt. Die Muetzen mit aufgedrucktem Wappen waren zu schlecht. Lieber waere ich ja heute nach Jinja gefahren und haette einen neuen Ground gemacht, aber das war ja aufgrund der aeusseren Umstaende schlecht moeglich. Hauptsache Fussball, wenn auch kein besonders hochklassiger. Doch heute wurde es sogar das versprochene gute Spiel. Das 0-1 bereits nach 30 Sekunden, Villa drehte das Match noch vor der Pause auf 2-1, musste dann aber einen Doppelschlag in der 60. Minute hinnehmen und verlor schlussendlich verdient. Villa Fan Brenda war ein bisschen traurig, andere Zuschauer etwas mehr veraergert und warfen mit Sitzschalen in Richtung Ersatzspieler, die ja nun am allerwenigsten dafuer konnten. Damit hat der Rekordmeister den Anschluss an die Tabellenspitze nun erstmal verloren. URA festigte seine zweite Position mit 2 Punkten Rueckstand, da ist bei noch 9 ausstehenden Spielen noch alles drin. Villa-Bren fuhr uns sicher durchs Verkehrschaos nach Hause. Im Autoradio erfuhren wir dann noch von den Ausschreitungen der Villa Fans gegen ihre eigenen Spieler. Im Stadion sah es nicht so aus, als wenn es noch dramatisch werden koennte, als wir abzischten. Naja und allzu dramatisch war es wohl auch nicht, in der Zeitung wurde am naechsten Tag jedenfalls kein Wort von Unregelmaessigkeiten erwaehnt. Nach einer Stunde im Internet mit Nancy (scheint so als haette ich jetzt rund um die Uhr einen Aufpasser um mich herum) war wieder TV Fussball angesagt. Donnerstag = Europa League Tag. Die guten Programme waren noch immer nicht wieder freigeschaltet, so gings mit Brenda und deren Freundin Vivien in die Kneipe nebenan. Auch hier ging Supersport 7 leider nicht rein, so dass ich mit Atletico vs Liverpool (1-0) vorlieb nehmen musste, auch wenn ich lieber HSV vs Fulham (0-0) gesehen haette. Die Maedels tranken Bier, spielten Billiard (Bren) und tanzten um mich herum (Vivien). Ich trank nur Bier und konzentrierte mich auf den einen Ball, nicht auf die zwei Baelle, auch wenn eine junge Dame mit Billiard Queue schon eine gewisse erotische Ausstrahlung hat, der Playboy hats erst moeglich gemacht. Das vierte Bier weit nach Mitternacht war nicht mehr so richtig gut, ging aber gerade noch so durch.
Tag 61, Freitag, 23.04.2010
Um halb zehn mit Brenda zum CPS gefahren, wo meine Kaution bis Montag verlaengert wurde. Montag sollte ich mich allerdings um 8h auf dem Revier in Bombo melden. Alles reine Bimbo-Bombo Schikane. Der Anwalt war grad im Gericht, also fuhren wir direkt wieder nach Hause und hatten wieder nichts wirklich erledigt. Die schlechte Nachricht kam dann telefonisch von Abel. Es wuerde 3 Millionen USh. (ca. 1.100 EUR) kosten um den Fall zuegig abzuwickeln. Jedes Bullenschwein wuerde seinen Anteil einstreichen wollen, naja und der feine Herr Anwalt mit Sicherheit auch. Zuhause gabs Mittagessen und nach einer kurzen Internetseesion fuhr mich Brenda zum Fussball. Ewiger Verkehr, ueber ne Stunde gebraucht, trotzdem noch viel zu frueh bei Express, dem wohl beliebtesten Verein des Landes..
23.04.2010, 16h30 Express FC Kampala vs Fire Masters FC (0-0) 1-0 vor ca. 500 Zuschauern im Muteesa II Stadium (5.000) in Kampala-Wankulukuku.
Der Ground von Express gefiel mir recht gut, auch wenn er nicht allzu viel bietet. Ein paar ueberdachte Stufen auf der Hauptseite und ein Graswall ringsherum. Der englische Teammanager liess Brenda kostenlos passieren, da gab wohl wieder der Sex Appeal den Ausschlag, ist doch ueberall auf der Welt das Gleiche. 5.000 USh. gespart, auf den Tickets stand ausser dem Stadionnamen leider nicht viel drauf. Bitter keine Groundbilder machen zu koennen, aber da die Kiste ja nicht weit weg war komme ich einfach noch mal wieder wenn meine Knipse wieder an ihrem angestammten Platz in der rechten Hosentasche ist. Bitterer war das nicht fotografieren koennen des Mannschaftsbusses der Fire Masters. Ein Bild, dass man so schnell wohl nicht in die digitale Mannschaftsbusfotosammlung bekommt. Grmpf. Das Spiel war maessig, die Fans frueh unzufrieden und am poebeln. Nach der Pause flogen sogar ein paar Gegenstaende gen Gaestebank. Ein Simulant gab vor etwas gegen den Kopf bekommen zu haben und spielte den sterbenden Schwan, was den Schiri aber nicht interessierte. Bei 0-0 waere es nach Abpfiff vielleicht noch lustig geworden, aber in der 93.Minute fiel dann doch noch der voellig ueberraschende Siegtreffer fuer die Red Eagles, der Express in der Spitzengruppe haelt. Da war der Jubel gross und alle wieder zufrieden. So schnell geht das im Fussball. Nach dem Match fuhr mich Brenda in die Stadt, genauer gesagt zum Basketball Stadion, wo alle Basketballspiele der Maenner und Frauen stattfinden. Es war aber erst kurz nach 19h, also noch genug Zeit bis zum 20h30 Match, denn Frauenbasketball wollte ich mir nicht wirklich anschauen. Eine Sportart die fuer Frauen mal gar nicht geht, aehnlich wie Eishockey oder Fussball. Eine Stunde im Internet verbracht, dann mal zum Court geschlendert, die Weiber waren noch im Gange und scheinbar erst im zweiten Viertel, es wuerde sich also noch eine Weile verzoegern. Die Freiluftarena war aber schon gut gefuellt mit haufenweise Studenten und Studentinnen, die begeistert bei der Sache waren.
23.04.2010, 21h30 DMark Power vs Uganda Christian University Canons 87-91 vor ca. 700 Zuschauern im YMCA Court (800) in Kampala, Uganda Basketball 1.Liga, Basketball LP 13.
Der YMCA Court war mit ca. 90%iger Auslastung besser gefuellt als ich das vermutet haette. Basketball ist halt cool und kommt beim jungschen Volk gut an. Die Stimmung war besser als beim Fussball, nur die Warterei bis es mit einer Stunde Verspaetung endlich losging nervte ein wenig. Insgesamt eine recht nette Veranstaltung mit vielen Maedels unter den Zusehern und einem spannenden Basketball Hopp. LP 13 ist also doch noch im Kasten. Zum Ende hin wurde es ein wenig windig und zum ersten Mal regnete es, wenn ich Basketball angeschaut habe. Ist ja auch die erste “Halle”, die gar keine Halle ist. UCU ueberraschte den Favorit und Meister von 2008 und siegte knapp. Per Boda gings fuer 5.000 USh. nach Hause. Dort ging nicht mehr viel. Brenda war aus, Nancy muede, also ins Bett.
Tag 62, Samstag 24.04.2010
Nach dem aufstehen und fruehstuecken hat Brenda mal bei Abel durchgerufen und wir sollten mal zur Besprechung in sein Buero kommen. Abel wusste von den 3 Millionen Bestechungsgeld zu berichten, damit der Fall ueberhaupt mal in Gang kommt und nicht in der Schublade versauert. Verrecken sollen sie, die ganzen korrupten Schweine, fuer Abel war sicher auch ein Anteil dabei bei den 3 Mios, aber was will man in so einem Land machen ??? Bezahlen und die Sache aus der Welt schaffen und sich am besten noch freuen, dass den Kleingeistern nicht der Betrag von 10 Mios. eingefallen ist. Raus aus dem Buero, der Lawyer ist ja auch ein Wixxer, wir melden uns morgen telefonisch, denn den Weg heute haetten wir uns ja auch wieder sparen koennen, das haette auch alles am Telefon gesagt warden koennen. Tod und Hass der ganzen korrupten Bande. Brenda liess mich in der Naehe vom Busbahnhof raus und ich suchte mir eine Transportmoeglichkeit nach Jinja. Im Pokal stand am Wochenende das Achtelfinale an. Nach 2 Stunden Fahrt per Boda Boda zum Stadion, welches zu meiner Enttaeuschung nicht das fotografierte etwas ausserhalb von Jinja war, sondern ein stinknormaler Sportplatz ohne alles in der Stadt. Damn it. Das muss das Match-Programm wohl mit dem Google-Earth-Bild auskommen.
24.04.2010, 16h00 Victors FC Jinja vs Iganga T/C FC 0-0, 4-2 i.E. vor ca. 300 Zuschauern im Kakindu Stadium (1.000) in Jinja.
Bei kuehlen Temperaturen und leichtem Nieselregen sass ich die 90 Minuten auf einem weissen Gartenstuhl am Spielfeldrand ab und hoffte, die Zeit moege moeglichst schnell vergehen, was ja gerade wenn man es hofft nicht der Fall ist. Ohne Verlaengerung (ein Glueck) gings direkt ins Elfmeterschiessen, in welchem Victor seine Jungs 4x trafen und die Gaeste aus dem nahen Iganga (quasi ein Derby) 2x verschossen. Abpfiff und schnellstmoeglich im 30er Bus fuer 3.000 USh. nach Kampala. Irgendwo an Nationalstadion raus, da die Stadt ja wie immer verstopft war und per Mofa nach Hause. Weit wars und frisch auf dem Bike. So, wieder in Kampala und es war Saturday Night, also mal bei Bren durchklingeln lassen, ob sie nicht auf die Piste wollte. Als sie mich etwas spaeter abholte hatte sie schon gut einen getankt. Don’t drink and drive galt aber nicht. Gegen autofahrende Frauen an sich habe ich ja nix, aber besoffene autofahrende Frauen ??? Das geht mal gar nicht. Zum Glueck war um kurz vor Mitternacht nicht mehr viel Verkehr auf den Strassen Kampalas. Mir war eh etwas unklar, warum wir extra in die City reinfahren, wo wir doch diverse Pubs und Restaurants in unmittelbarer Naehe haben. Ausserdem kostete das Bier in dem In-Laden gleich mal das doppelte, so dass hier nach einem Bier Feierabend war und wir weiter zogen. Bren liess mich allerdings bald alleine mit ihrem Boyfriend Brian um die Haeuser ziehen, da wir so bessere Chancen bei den Maedels haetten. Diese schenkten uns in der naechsten Bude aber kaum Aufmerksamkeit. Eine weitere Lokalitaet war in der Innenstadt, ziemlich schaebig und nuttenverseucht. Genau das richtige also werdet ihr meinen, naja nicht wirklich. Auf dem Weg zum Klo diverse Male angelabert zu werden, ob man nicht auf einen “Shot” mitkommen wolle nervte doch gewaltig. Nein danke, kein Bedarf. Am Ende landeten wir doch zu dritt aufm Mofa in unserer Strasse, hab ich ja gleich gesagt. Wenn man es hier drauf anlegen wuerde ginge hier wohl so einiges. Der Musungu ist bei den weiblichen Eingeborenen recht beliebt, was wohl neben der dicken Brieftasche auch noch einen weiteren Grund haben muss . Felida (23) tanzte eine Zeit lang um mich herum und streifte mich dabei ab und zu (bestimmt versehentlich) mit ihren wohlgeformten afrikanischen Hinterteil. Als wir gegen 4h dann das fuenfte Bier geleert hatten war es aber an der Zeit den Sittich zu machen. Wohl aber schon zu spaet, denn die Eingangspforte zu Hause war versperrt, da war wohl nicht mehr mit meiner Ankunft gerechnet worden. So bollerte ich ein wenig gegen die Tuer, bis Nancy’s riesenbabyartiger Bruder mir oeffnete. Die Nacht war kurz.
Tag 63, Sonntag, 25.04.2010
Und um 10h vorbei. Noch vor dem Fruehstueck wurde mir nahegelegt mich doch um eine andere Bleibe zu bemuehen. Da war wohl jemand etwas angepisst von meinen naechtlichen Eskapaden. Angeblich wuerde heute Abend auch ein anderer Couchsurfer ankommen. Ja nee, is klar. So marschierte ich nach dem Fruehstueck zum Lopez Motel gleich um die Ecke und buchte ein Einzelzimmer fuer 30.000 USh. Recht teuer zwar, aber mit TV und Dusche. Diese aus dem Eimer Duscherei habe ich inzwischen auch satt. Mein Gepaeck schnell umgelagert und ab zum Fussball.
25.04.2010, 16h30 Uganda Revenue Authority FC vs Bunamwaya SC (1-1) 2-2, 2-3 i.E. vor ca. 150 Zuschauern im Mandela National Stadium (40.202) in Kampala.
Der Tabellenzweite empfing den Leader der Liga im Achtelfinale des Pokalwettbewerbs. Da gibt es schon Laender in denen ein 40.000er dann pickepacke voll wird. Nicht so in Uganda allerdings, wo selbst bei Popelspielen der Premier League wie Hull vs Wigan alle gebannt vor den Fernsehern der Pubs und Restaurants sitzen. Geht mal lieber ins Stadion und schaut eure eigenen Teams an. Eine kuriose Mentalitaet. Denn das Spiel der aktuell beiden besten Mannschaften des Landes hielt was es versprach. URA legte 2x vor, Bunna glich 2x aus, 11m Ballern zum kroenenden Abschluss und Bunna’s Goalie wuerde mit gehaltenen Schuessen zum Heldes des Abends. Als ich per Mofa wieder in Kabalagala eintraf war das Grundstueck verriegelt und verwaist. Komisch, der toelpelhafte Bruder war sonst zumindest rund um die Uhr zuhause. Internet ging auch nicht, es gab Network Probleme. Ich war etwas aufgeschmissen und ging erstmal was essen. Wie geht es morgen weiter war ja das Hauptproblem. Brenda hatte am Mittag mit Abel telefoniert und es sollte noch ein Rueckruf erfolgen. Per Kreditkarte koennte ich die 3 Millionen naemlich erst am Dienstag abheben, also braeuchte ich noch einen Tag Aufschub. Per Western Union wuerde der Transfer zwar auch gehen, aber auch das muesste ja mal irgendwann veranlasst werden und dann ueber Brenda laufen, da ich meinen Pass ja noch nicht wieder zurueck bekommen habe. Aber wo ist meine Gastfamily ??? Haben die die Schnauze nun endgueltig voll von mir ??? Koennte ich nach dem ganzen Theater fast verstehen, saehe ihnen aber so gar nicht aehnlich, so einfach abzuhauen. Wuerde ja auch keinen Sinn machen mich nun auf der Zielgeraden im Stich zu lassen, nachdem sie mir so viel geholfen haben. Alle waren zwar ausgeflogen, aber gar nicht weit weg und so sass die gesamte Familie stilecht vorm Minimarket und jeder hatte eine Pulle Bier in die Hand. Der getrennt lebende Vater kam spaeter auch noch dazu und gab eine Huelse aus. Nach dem gestrigen Suffabend wollte ich heute zwar eigentlich kein Bier, aber um 2 kam ich dann doch nicht herum. Zu meinem Verbrechen gab es noch keinen neuen Sachverhalt und wie wir weiter zu verfahren haetten wuerden wir morgen frueh mit Abel in seinem Office besprechen, bevor wir dann eventuell zum Revier nach Bombo fahren muessten. Die wichtigen Officers vom Bombo Police Department waeren am Montag eh alle auf einer Schulung, so dass mein Kautionspapier niemand unterschreiben koenne. Der Weg waere also umsonst, wie schon so viele Wege. Die Schikane nimmt kein Ende. Tja, und wie es weiter geht seht ihr wenn das Licht an geht, nee im zehnten Teil natuerlich…
Gruss aus Kigali, DRINBLEIBEN und bis die Tage, H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 05.05.2010 12:36 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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Tag 64, Montag, 26.04.2010<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
Nach dem vierten Handyalarm um 7h50 dann doch mal aus dem Bett unter die heisse Dusche gequaelt. Dann mal die paar Meter zu meiner ehemaligen Gastfamily gelaufen. Der andere Couchsurfer war natuerlich Quatsch, man wollte mich nur loswerden, aber okay, passt schon. 8h war ich mit Brenda verabredet, die bis dahin wissen wollte wie es weitergeht, aber noch schlief. Also hiess es mal wieder dem Nationalsport in Uganda froehnen: warten. Immerhin hatte Bren schon mit dem Anwalt gesprochen und wie der Fall momentan lag sollten wir nochmal nach Bombo fahren, der zustaendige Offizier waere wohl doch da. Aber solche Meldungen koennen sich in Afrika ja sekuendlich aendern. Dann sollten wir doch erst zum Anwaltsbuero kommen. Wieder so ein Weg, den wir uns auch haetten sparen koennen, den Anwalt Mr. Wichtig hatte auch noch andere Termine und ich hatte die 3 Millionen eh noch nicht zusammen. Mein Bombo Termin konnte nach langem hin und her nun doch auf Dienstag verlegt werden. Erst ging das partout nicht, nun auf einmal doch. Morgen muesste ich dann aber auch “ready” sein legte mir der Advokat ans Herz, sprich: die Kohle muesste rueberwachsen. Da meine Kreditkarte erst morgen wieder belastbar waere musste Western Union Abhilfe schaffen. Also mal die Sparkasse Wuppital, die Bank meines Vertrauens kontaktiert. Wuppi war zum Glueck auch erreichbar (00049 Vorwahl ab Uganda nach Deutschland, was ich freilich auch erst noch rausfinden musste) und hatte Zeit den Transfer fuer mich zu erledigen. Im Internetcafe waren aber erstmal alle 7 PC’s besetzt, dann ging es dermassen langsam, dass ich die Geduld verlor. Bei 5 weiteren Cyber Cafes war es aber auch nicht besser. Erst im Shop von Telefonanbieter “Orange” stand die Internetleitung, die anderen hatten alle Netzwerkprobleme. Nach fast 2 Stunden rumsuchen hatte ich nun also eine Verbindung in die Welt, web.de ging aber trotzdem noch nicht. Yahoo tat seinen Dienst, Wuppi war gluecklicherweise noch online und hatte auch die Zeit zum Western Union Buero seines Vertrauens zu fahren. Vielen Dank fuer die schnelle Hilfe nochmal von dieser Stelle. Bloss gut, dass Du ausser Bayern kaum noch zum Fussball faehrst, sonst waerste womoeglich noch in Cottbus oder bei einem auslaendischen Monday Night Kracher gewesen… 800 EUR (ca. 2,2 Mio. USh.) waren also um 17h Uganda Zeit (1 Std. voraus) transferiert worden. Per Boda fuhr ich wieder nach Kabalagala zurueck, wer weiss wie lange die Western Union Bude offen hat. Nun war Brenda nicht da und liess telefonisch ausrichten, dass sie im Stau steckt. Gegen 18h45 war sie dann da, der WU Laden sollte bis 22h geoeffnet haben, das hatte ich inzwischen erfragt. Um 19h war aber “the power gone”. Orrr, ich dreh hier noch durch. Geht in diesem Land ueberhaupt irgendwas ohne Probleme ??? Bren hinterliess ihre Nummer und die Uschi wollte sie anrufen, wenn der Strom wieder da waere, falls er heute ueberhaupt noch wieder kommen wuerde. Derweil checkte ich mal gegenueber im Mabira Hotel ein, welches 5.000 USh. billiger war als das Lopez Motel und ueber den selben Standard verfuegt. Dann holte ich meine Sachen bei Nancy ab, die mir noch ihr Handy mit gab, damit Brenda mich erreichen konnte, wenn die WU-Uschi sich bei ihr meldet. Also mal bei Hibs vs Rangers (ohne die abgerissene Gegengerade) gewartet, was auch sonst. Ich bin zwar kein hyperhektischer Mensch aber die ewige Warterei geht einem hier doch gehoerig auf den Sack. “Campeones, Campeones, ole ole ole” sangen die 1.500 Protestanten in Edinburgh, die ihren 53sten Meistertitel feierten. Danach gabs auf dem Sportsender Wrestling und ich war echt ein wenig ueberrascht, dass sowohl Hulk Hogan als auch Ric Flair noch am Leben sind. Die muessen doch schon auf die 70 zugehen oder ??? Kurz vor 21h dann mal zufaellig beim Verbrecherladen Western Union vorbei geschaut. Ach schau an, Power ist wieder da, Brenda war natuerlich noch nicht benachrichtigt worden, wollte der Mokel angeblich in der Sekunde machen. Nee, ist klar. Zufaelligerweise arbeitete meine Verabredung (auch Brenda) direkt neben der WU-Filiale in der Poison Boutique. Wie jetzt, Verabredung werdet ihr euch fragen. Naja, man kann ja mal mit ner huebschen Maximaus nen Bier trinken gehen oder ??? Und ne Fanta (sie) erst recht. Die junge Dame arbeitet von 9h bis 21h in dem Laden fuer Herren und Damenmode, das an sechs Tagen in der Woche und dabei verdient sie dann 110.000 USh., wohlgemerkt pro Monat. Wahnsinn, 40 EUR, wie kann man davon leben ??? Gentleman wie ich nun einmal bin gab ich ihr dann wenigstens die Heimfahrt auf dem Mofa aus. Dann legte ich mich ab, konnte aber nicht wirklich pennen, da die Musik von unten extreme laut herauf droehnte. Keine gute Wahl also, das Mabira Hotel, oder ich hatte nur die falsche Seite erwischt. Fuer die kommende Nacht muss also ein anderes Zimmer her oder es geht zurueck ins Lopez Motel.
Tag 65, Dienstag, 27.04.2010
Um 7h05 klingelte Brenda von der Rezeption aus durch. Ja, ja, ich komme ja schon, wir hatten doch 7h15 ausgemacht. Als 3-fache Millionaere (die mafioese Organisation Western Union hat natuerlich einen miserable Kurs gegeben, 2.671 statt normalerweise mindestens 2.750 USh. pro EUR) fuhren wir Anwalt Abel abholen und dann nach Bombo, dachte ich zumindest. Aber wir liessen den Ungluecksort rechts liegen und fuhren zu meiner Ueberraschung nochmal 30 Kilometer weiter nach Luwero. Dort sollten wir uns im Polizeirevier melden, statt in Bombo, da in der Distrikthauptstadt gleich mal das Gericht gegenueber ist. 9h30 waren wir dann also am High Court von Luwero und gingen wieder unserer Lieblingsbeschaeftigung nach, warten warten warten. Gegen 11h wurden dann wie frueher in der Schule Zettelchen hin und her geschrieben mit dem Konsenz, dass wir in ca. einer Stunde hier fertig waeren. Ab 11h30 mal bei einer anderen oeffentlichen Verhandlung reingesetzt und zugehoert. Richterin Barbara Salesch waere hier definitiv ueberfluessig (ok, ist sie in Deutschland wohl auch, aber das ist ja ein anderes Thema), das hier ist Realsatire. Da fragt der Verteidiger die Zeugin ob sie den verheiratet waere. Nein ist sie nicht. Aber sie habe doch Kinder. Wie ginge das denn, wenn sie nicht verheiratet ist. Tja, wie geht das wohl… ??? Dann wurde ein 9-jaehriges Maedchen vereidigt und musste auf die Bibel schwoeren, die so schwer war, dass das gebrechliche Geschoepf sie kaum halten konnte. Bei der vermeindlichen Vergewaltigung der heute 62-jaehrigen Oma war das Kind gerade mal 7 Jahre alt, der Vorfall ereignete sich im Maerz 2008. Bei den Fragen der Verteidigung haette man sich vor Lachen wegschmeissen koennen, wenn diese Dummheit nicht so traurig waere. Wir sollten zwar in diesem Gerichtssaal als naechstes an der Reihe sein, aber dieser Fall zog sich ewig in die Laenge. 14h war Pause, wir warteten nun schon fast 5 Stunden. 15h begann die Partie Uganda vs H96-Linke dann doch endlich noch mit 5 Stunden Verspaetung, so dass die interessierten Zuschauer trotz freiem Eintritt schon alle wieder nach Hause gegangen waren. Es wurde kurz und schmerzvoll, das Endergebnis stand ja schon vorher fest. Uganda 3 (Millionen Shilling an korrupte Schweinebullen) vs H96-Linke null. Ausserdem wurde ich dem “Criminal Trespass” schuldig gesprochen, da ich ueber den Zuan geklettert war und meine weiteren Worte so zurecht gedreht wurden, wie es gebraucht wurde. Ich sagte zu allem nur noch ja und amen und war froh als das Urteil endlich gesprochen war. Die zusaetzlichen 100.000 Ush. Geldstrafe machen den Kohl ja nun auch nicht mehr fett. Eher laecherlich, aber es war ja auch eher eine laecherliche Aktion. Haette es mich jedesmal rund 1.500 EUR gekostet, wenn ich in ein Stadion kletterte um ein Foto zu machen, waere ich wohl im sechsstelligen Bereich in den Miesen. Fuer Halbzeithopping haette das Match uebrigens wohl gerade so gereicht, bis wir aber dann endlich fertig waren war noch ein wenig mehr Papierkram zu erledigen. Das Gericht stellte uns noch eine Verfuegung fuer die Bullen aus, mir doch meinen Pass und meine Kamera schnellstmoeglich wieder auszuhaendigen. Das Hinspiel hatte H96 ja gluecklicherweise mit 5 (gemachten Grounds in Uganda) zu 1 (ein verlegtes Spiel) gewonnen und hat sich somit fuer die naechste Runde, die dann in Rwanda stattfindet qualifiziert. Die Quali war also geschafft, jetzt musste “nur noch” der Pass an seinen angestammten Platz in der linken Hosentasche und die Kamera in die rechte Hosentasche, dann konnte es weiter gehen. Gegen 17h duesten wir aus Luwero los mit dem Ziel CPS Kampala. Aber wir kamen nicht weit, wie im schlechten Film zickte der Wagen jetzt rum, der Motor stotterte. Brenda meinte nachtanken wuerde das Problem loesen und wieder waren 50.000 USh. weg, aber die Karre sprang nach dem Tanken nicht wieder an. War die Batterie leer ??? Auf abenteuerliche Weise wurde mit Werkzeug in der Hand zwischen einer neuen Batterie und unserer ueberbrueckt. Wieder aus gemacht, neu gestartet, nix ging. Erst hatten wir kein Glueck, dann kam auch noch Pech dazu. Fortan werkelten zwei Kfz-Mechaniker (kleiner Scherz) im Motorraum herum und waren etwa ne Stunde beschaeftigt. Zeit, die ich sinnvoll nutzte um auf der anderen Strassenseite etwas zu essen. Kartoffeln, Reis, Fleisch und Getraenk fuer 2.700 USh., ein guter Start um den Guertel von jetzt an etwas enger zu schnallen, was aber eigentlich nicht geht, da dazu erstmal ein neues Loch in den Guertel gestanzt werden muesste. Aber ab jetzt ist sparen angesagt. Eine erste Massnahme waere wohl die Internetkosten von ca. 1 EUR pro Tag zu reduzieren und auf das aktuelle berichten zu verzichten. Das reimt sich sogar, ist also gut haette der Pumuckl gesagt. Um 18h machten wir uns endlich auf den Weg. Wieder einen kompletten Tag verbraucht und trotzdem nicht wirklich weit vorwaerts gekommen, denn um 19h30 waere beim CPS sowieso niemand zustaendiges mehr anzutreffen. Also mal fix nach Hause, wo ich vor dem Fussball noch zum Abendessen eingeladen wurde. Zwischendurch hatte ich wieder im Lopez Motel eingecheckt, die bessere Wahl gegenueber der lauten Bude ohne Schlaf. Die erste Halbzeit schaute ich mal bei zwei kuehlen Blonden (mit zwei heissen Blonden waere besser gewesen) in der Kneipe an, dann gings aufs Zimmer, wo ich mit UBC (nicht zu vwerwechseln mit den Basketball Tigern aus Hannover) auch einen uebertragenden Sender empfangen konnte. Olic, Olic, Olic, Lyon vs Bayern 0-3, na das war ja einfach. Finale oho, ohne miiich oho. Ganz bitter zwar ein EC-Finale mit deutscher Beteiligung zu verpassen, aber nach Madrid und zurueck nach Harare, Lusaka oder was weiss ich wohin zu fliegen liegt nach den Uganda-Extrakosten nun definitiv nicht mehr drin.
Tag 66, Mittwoch, 28.04.2010
End of the Story ??? Ja, noch stehen drei dicke Fragezeichen dahinter, man weiss ja nie, was den Drecksbullen noch so alles einfaellt. 10h wie abgemacht an die Pforte geklopft, alle schliefen noch. Aber meine Damen, wenn der Deutsche 10 Uhr sagt, dann meint er auch 10 Uhr und steht puenktlich auf der Matte. Ob wir nun aber um 11h oder um 12h bei den Bullen waeren ist ja letzendlich auch egal. Zuerst mussten wir noch bei Abel vorbei um das Formular abzuholen, sein Buero ist ja aber nur 100m vom CPS entfernt. “Come back tomorrow” grinste mich das korrupte Bullenschwein an, die Drexxhure von Staatsanwaeltin, die meine Sachen in ihrem Safe aufbewahrt waere heute nicht mehr da. “We wait for you, but you are late”. Der Hass hatte die Stufe unbeschreiblich inzwischen ueberschritten, ich haette dem Drecksbullen am liebsten in die Fresse geschlagen, aber das haette die Situation wohl nicht grundlegend verbessert. So brabbelte ich mir nur ein “f*ck*ng w*nk*rs” in den mittlerweile viel zu langen Bart. Nochmal mit Brenda ins Anwaltsbuero gestiefelt, aber Abel hatte gerade einen anderen Klienten. Naja, was haette er auch machen sollen ??? Wenn die Drexxnutte nicht da ist ist sie nicht da. Und wenn sie bis zum Jahr 2028 nicht wieder kommt oder gestorben ist, dann bleibe ich eben solange in Uganda, das Wetter hier ist ja gut. Apropos gestorben: Einen langsamen und qualvollen, aber moeglichst baldigen Tod wuesche ich allen auf der Gegenseite an diesem Fall beteiligten Personen. Wo ist der Voodoo-Manne, wenn man ihn mal braucht ??? Der Hass ist jedenfalls nicht mehr in Worte zu fassen. Sorry, wenn es politisch nicht mehr ganz korrekt zu geht, aber das duerfte ja verstaendlich sein. Im Orange-Shop nochmal das Internet gehetzt, scheint der einzige Laden in der ganzen Sadt zu sein, der eine anstaendige Connection hat, alle anderen erzaehlen immer was von Netzwerkproblemen und very slow. Ja, very slow ist hier alles in diesem Land und in den meisten anderen Laendern dieses Kontinents ja auch. Im indischen Restaurant dann mal Chicken Curry a la Madras probiert, gar nicht mal so scharf. Inder wuseln hier im Gegensatz zu Chinesen eh ne Menge rum. Die kleinen Chinesen sind wohl zu clever fuer solche Laender. Im Internet ging schliesslich wieder alles, ausser eben Internet. Also unverrichteter Dinge ab zum Basketball. Aber auch das war heute recht langweilig, das Spiel ging 106 zu 54 aus, die Namen der Teams erspare ich euch. Der gemeine ugandische Basketball Fan wusste wohl was ihn erwartet und blieb gleich zuhause. Viel mehr als 100 Fans waren jedenfalls zu frueher Basketballstunde unter der Woche nicht da. Naja und dann gibt es in der ersten Halbzeit auch noch keinen Strom. Schwierig ohne Zeit und Zwischenstaende so ein Basketballmatch zu verfolgen. Wie war noch gleich der Spielstand nach dem ersten Viertel ??? Keine Ahnung, die erste Haelfte wurde ja ohne Viertelpause durchgespielt. Auf das zweite Spiel um 20h30 hatte ich wie auch schon auf Fussball im Nakivubo Stadium um 16h keine Lust. Ich bin Uganda-muede und bei CL Halbfinale Barca vs Inter dann auch folgerichtig eingepennt, obwohl es zum Schluss ja einigermassen spannend gewesen sein soll.
Tag 67, Donnerstag, 29.04.2010
Heute um 9h raus, ab zum Rechtsanwalt, diesmal per Boda, da Brenda Probleme mit dem Wagen hatte. Ein Anwaltskollege von Abel begleitete mich zum CPS und die Drexxnutte war wieder nicht da. Wo ist mein Maschinengewehr ??? Telefonisch bekamen wir von ihr ein “maybe tomorrow”, dann wuerde sie von einem Trip ins Landesinnere zurueck kommen. Meine Sachen waeren in ihrem Safe und nur sie haette Zugriff darauf. Diese haessliche schwarze Vieh mit ihren nach vorne stehenden Nasenloechern, die aussieht wie eine potthaessliche Version von Miss Piggy, muss sterben. Natuerlich erst nachdem sie den Safe geoeffnet hat. Uganda kotzt mich langsam aber sicher an, verwunderlich genug wieviel Geduld ich bislang aufgebracht habe, aber auch diese Geduld geht langsam zu Ende. 13h sollte ich nochmal bei Abel sein, eventuell wuerde er telefonisch was erreichen koennen. Nach 2 Stunden im Internet (dieses Facebook geht ja mal gar nicht, da kommt man ja vom hundertsten ins tausendste ins millionste) wieder beim Anwalt gemeldet, der rausgefunden hatte, dass das Schweinegesicht heute um 13h im CPS zurueck erwartet wurde und uns glatt angelogen hatte, diese Drexxhure. 13h30 standen wir also in ihrem Buero. Tja, Order vom Court und so waere ja alles schoen und gut, aber ohne die Akte koenne sie mir meine Sachen nicht aushaendigen und die Akte waere wohl noch beim Gericht in Luwero. Ich muesste ja auch noch Fingerabdruecke abgeben und es muessten noch Fotos von mir gemacht werden. “Come back tomorrow”. Mein Hass war immens, ich haette dieses Mistvieh auf der Stelle erwuergen koennen, aber eine Kurzschlussreaktion waere ja kontraproduktiv. Den Aerger auf deutsch rausgelassen und mit dem Anwalt abgedampft. Wenn morgen nichts passiert gibt es ein totes Vieh, das wohl aus dem Geschlechtsverkehr zwischen einem Gorilla und einer Sau entstanden sein muss. Nach 2 kleinen Portionen Spaghetti gabs bei meiner Gastfamilie nochmal Abendessen, naja, viel zu essen ist ja auch nicht verkehrt und schadet nicht.
Tag 68, Freitag, 30.04.2010
Neuer Tag, neuer Versuch meine Sachen zu bekommen. 9h rief Brenda bei mir durch, alles klar, bin ich 10 Minuten abfahrbereit. Aber sie war noch nicht so weit, Weiber… 10h waren wir dann beim Anwalt, wo uns wieder Abels Kollege Brown zur Seite gestellt wurde und uns zum CPS begleitete. Madame war erwartungsgemaess noch nicht da, aber “she is coming” wurde uns mitgeteilt. Kollege Brown versuchte ein wenig Druck zu machen, er hatte die Warterei auch satt. Es koennen doch schon mal meine Fingerabdruecke genommen werden, damit schon alles vorbereitet ist, wenn Madame dann endlich kommt. Das Bullenschwein, dass die 100.000 fuer die Kautionsbewilligung kassiert hatte zickte zwar erstmal rum wir sollen doch ein wenig mehr Geduld haben, war dann aber ein wenig kooperativer und ging auf den Vorschlag ein. So ging es in den ersten Stock, wo es dann erstmal wieder 10 Minuten dauerte, bis ueberhaupt mal alles fuers Fingerabdruecke nehmen vorbereitet war. Wie die hier arbeiten kann man sich echt nicht mit anschauen. Dann gings los, Abdruecke von allen 10 Fingern wurden gemacht, erst einzeln, dann nochmal pro Hand zusammen. Anschliessend wurden noch 3 Fotos vom Prisoner gemacht, eins mit Brille, eins ohne Brille und eins im Profil. Meine Frage ob den die Fotos an meine email Adresse geschickt werden koennen wurde negativ beschieden. Die beiden Inder, die als naechstes an der Reihe waren lachten sich schlapp. Schade, denn solche Bilder wuerden das Couchsurfing oder Facebook Profil doch ungemein verschoenern. 11h30 erschien Miss Piggy’s haessliche Schwester auch endlich mal zur Arbeit. An Selbstbeherrschung mangelt es mir jedenfalls nicht, unfassbar, wie ich da noch immer “good morning” wuenschen konnte. Dann hiess es erstmal wir warten noch auf die Akte aus dem Gericht, aber diese sei bereits unterwegs. Der Fall konnte nun also endlich zu einem Ende gebracht werden. Ich durfte noch eine Weile warten, bis Madame dann soweit war. Nun musste nur noch alles fein saeuberlich (ich lach mich tot) ins Asservatenbuechlein eingetragen werden. Dem Bloedmann, der dafuer zustaendig war musste ich selbstverstaendlich auch nochmal explizit zeigen wo die Passnummer steht, was fuer eine Digicam das ist und wie ich ueberhaupt heisse. 12h27 wuenschte ich ein allgemeines “sterben sollt ihr Hurensoehne” auf deutsch in den Raum und die Story war beendet. End of the Story, nach so ziemlich genau 2 Wochen. Und niemals vergessen: ALL COPS ARE BASTARDS !!! Das 1.500 EUR Foto (siehe Facebook) wurde nicht einmal geloescht, letzendlich ging es also nur noch darum den weissen Mann so lange wie moeglich zu schikanieren und ihm soviel Kohle wie moeglich abzupressen. Oder waren sie einfach nur zu bloed die Loeschfunktion auf der Digitalkamera zu betaetigen ??? Brenda hatte noch was zu erledigen, so dass ich erstmal knapp eine Stunde auf sie warten durfte, bis ich meiner groessten Hilfeleisterin die gute Nachricht des Tages mitteilen konnte. Tja, und was macht der Stadionfotograf als erstes, wenn er nachdem er fuer ein Stadionfoto verhaftet wurde seine Kamera zurueck bekommen hat ??? Richtig, Stadionfotos natuerlich. Per Boda gings also zur kleinen Huette von Express, die auch zum Glueck freien Zutritt erlaubte ohne ueber Zaeune klettern zu muessen. Schnell die Bude der Red Eagles abgeknipst und per Mofa wieder zurueck. Dann gings nochmal zum Basketball, was heute wieder ein bisschen spannender war und freitags kommen auch ein paar mehr Zuschauer, auch schon zum ersten Spiel um 17h30. Da euch die Mannschaften sowieso nichts sagen und euch die Namen auch nicht wirklich interessieren erspare ich euch das. Ein kurzer Abstecher zum Supermarkt, wo die groessten Chancen bestehen Muenzen unter 50 Shilling fuer die Sammlung zu bekommen. Aber auch die hatten nur 10er. Das Muenzensammeln hab ich auch mal mit mehr Ernsthaftigkeit betrieben. Fuer den Abend hatte ich meine Gastfamily zum Nobelinder eingeladen. Wiegt deren entstandene Kosten fuer mich zwar bei weitem nicht auf, aber ist ja eine nette Geste der Dankbarkeit. Ohne diese Familie waere es wohl eine noch ueblere Geschichte geworden. Bei typisch indischem Steak und ugandischem Bier wurde die komplette Story nochmal durchgequatscht und sich ueber die Idioten von der Polizei amuesiert. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Tag 69, Samstag, 01.05.2010
Mitten in der Nacht kam dann noch die SMS zum Unternehmen “Drinbleiben”. Es gab –wie erwartet- Haue in Aue. Diese SMS an sich war zwar nett, haette aber nicht gleich 20x in der Nacht ankommen muessen, einmal haette auch gereicht. Fehler im System. 10h war ich mit Bren verabredet, die ihren in Masaka arbeitenden Freund Brian besuchen wollte. Naja und da Masaka ja auch auf meinem Weg nach Kigali lag koennten wir das Stueck ja auch noch zusammen fahren. Naiverweise war ich davon ausgegangen, dass wir den Wagen nehmen wuerden, was aber bei 70.000 USh. oneway Kosten recht unrentabel gewesen waere. 11h30 starteten wir also per Taxi-Minibus fuer je 8.000 USh. gen Masaka, welches nach 3 Stunden Fahrt ueber recht schlechte Strassen und mit der dritten Aequatorueberquerung der Tour auch erreicht war, 125 Km. Bren hatte Glueck und erwischte den letzten guten Sitzplatz, ich musste mit einem Klappsitz im Gang Vorlieb nehmen. 14h30 Ankunft, Masaka hatte leider erst am Montag in Heimspiel. Noch kurz Brenda’s Liebesnest angeschaut, sie herzlich umarmt und nochmal fuer alles bedankt. Dann brachte mich ein weiterer Boda-Fahrer zum Abfahrtsort fuer die Busse in Richtung Rwanda, was allerdings kein Busbahnhof in dem Sinne ist, sondern einfach ein Stopp an der Strasse. Wann der Bus nach Kabale, nahe der Grenze denn kaeme wuesste der Maxi nicht so genau, aber es wuerde schon noch einer kommen. In der Wartezeit mal einen Topfkuchen gegessen und in der prallen Sonne reichlich Wasser getrunken. Nachdem 5 andere Busse woanders hinfuhren kam dann auch mal der richtige Bus nach Kabale. Ein 60-Sitzer, der schon zu etwa 125% ausgelastet war. So blieb auch hier nur der Sitz im Gang auf dem eigenen Rucksack uebrig. Nach 2 Stunden stiegen in Mbabare aber einige Reisende aus und fortan hatte ich auch einen Sitz und auf meinem Rucksack sass ein Maxi. Irgendwann kam eine SMS vom Kenner der Szene, der das erfeuliche 6-1 der Roten gegen Gladbach mitteilte (ein Schlem, der Boeses dabei denkt), aber auf die anderen BL-Ergebnisse verzichtete, obwohl die am vorletzten Spieltag natuerlich auch wichtig gewesen waeren… Nach etwa 5 Stunden Fahrt kamen wir gegen 21h in Kabale an, was ich nur dank aufmerksamer Mitreisender merkte, da der Bus noch weiter fuhr. Ich hatte mich schon auf eine Abschiedsnacht in Uganda eingestellt, aber laut Einheimischer sei die Grenze 24h geoeffnet und kann somit jederzeit passiert werden. Na dann mal nix wie raus aus Uganda. Fuer 5.000 USh. gings im Auto mit 3 anderen Passagieren die ca. 20 Kilometer bis zur Grenze in Katuna. 21h30 war es und nach fast 3 Wochen ist es nun endlich mit knapp zweiwoechiger Verspaetung soweit. Stempel auf Seite 40 des Reisepasses und bye bye Uganda. In diesem Leben sehen wir uns wohl nicht nochmal, wenn nicht der DFB oder gar H96 hier mal zu einem Testspiel vorbeikommen, soviel steht mal fest. Nach einigen Metern weiter laufen kommt dann das Immigration Office von Rwanda. Wie auch beim Verlassen des Nachbarlands muss nochmal ein Zettelchen mit den Grundfragen ausgefuellt werden , dann kommt ein weiterer Stempel auf Seite 40 in den Pass und es heist “bienvenue en Rwanda”. Merci et au revoir. Ohne Gebuehren zu verlangen, das gibt schon mal einen fetten Pluspunkt fuer das kleine Land (ca. 26.000 qkm auf denen ca. 9 Mio. Hutu und Tutsi leben, zum Genozid spaeter mehr). Der aufmerksame Leser hat es schon gemerkt, jetzt wird erstmal franzoesisch gequasselt. So eine Aktion wie in Uganda in einem franzoesisch sprachigen Land, na dann bonne nuit…., auf englisch liess sich das ja alles noch halbwegs verstaendlich abhandeln. Mein Wegbegleiter aus dem Bus meinte es gibt keinen public transport mehr nach Kigali um diese Zeit und ich hatte mich schon auf trampen eingestellt, als mir 3 Studenten einen “Lift” in die Hauptstadt in ihrem fetten Jeep anboten. Na klar, da bin ich dabei. Ueber kurvige Strassen ging es die ca. 80 Kilometer in die 850.000 Einwohner Stadt, welche wir um 23h30 erreichten. Maxiunueblich wollten meine drei Studentenfreunde nicht mal Kohle von mir haben und gaben mir noch ihre Kontaktdaten mit auf den Weg, da sie am Montag nach Bujumbura weiter fahren wuerden. Vorm Hotel Le Cavarne wurde ich ziemlich zentrumsnah rausgelassen. Merci. Ich hatte zwar mit Couchsurfer Jonas kontaktet, aber seine Handynummer war noch in meinem Email Postfach, naja und zu so spaeter Stunde ruf man ja auch niemanden mehr an. Das “Cavarne” war voll, wusste aber mit dem Muhima Motel eine preisgleiche Alternative fuer 10.000 Rwanda Francs (ca. 750 = 1 EUR) anzubieten. Im Restaurant nebenan noch fix ein Omelett gegessen und das erste ruandische Bier, das Primus aus der 720 cl Bottle, geprueft bevor es in die Falle ging.
Tag 70, Sonntag, 02.05.2010
Bis gegen 10h ausgepennt und meinen Rucksack ins Cavarne gebracht. Nun musste ja erstmal Geld her, bevor ich meine Hotelrechnung begleichen konnte. Das restliche Uganda Geruempel hatte an der Grenze nur 8.000 Francs ergeben und reichte somit fuers Motel nicht aus. Geld, Internet (wegen der Telefonnummer) und eine Tageszeitung. Ja, das wuerde es alles im Zentrum geben, ca. 500 Meter den Huegel rauf. Kigali ist die Stadt der tausend Huegel, es geht also staendig rauf und runter. Im Union Trade Shopping Center gab es auch eine Wechselbude, die sonntags im Gegensatz zum Internetcafe geoeffnet hatte. 575 Francs gab es fuer einen USD, von denen mal ein Fuffy getauscht wurde. Kreditkarten wuerden in Rwanda (und in Burundi auch) nicht funktionieren hatte ich mich noch im Vorfeld informiert und entsprechend noch in Uganda 800.000 USh. abgehoben und diesen gegen Dollar getauscht. Auf einem Werbeplakat der Ecobank sah ich aber, dass neuerdings wohl Visakarten an ausgewaehlten ATM’s akzeptiert werden. Die naechste Internetbude hatte keinen Strom, so dass ich mal hoeflich bei nem Telefonanbieter in der Mall anfragte mal zwei Minuten den Computer benutzten zu duerfen was nach ewiger Diskussion auch genehmigt wurde und sogar ne superschnelle Verbindung war. Eine Sonntagszeitung mit der Bestaetigung meines Fussballtermins am heutigen Nachmittag gab es leider nicht. Atraco sollte gegen APR spielen, der Erste gegen den Zweiten, im Nationalstadion Amahoro, wohin der Weg dann auch direkt fuehrte um das abzuklaeren. Das fuenfte Mototaxi war mit meinen 500 angebotenen Francs einverstanden, alle anderen hatte 1.000 gefordert und wurden weitergewunken. Der Wachmann wusste nix von einem Spiel heute, das war schon mal kein gutes Zeichen. Aber er liess mich hinein in den netten 20.000er in den Landesfarben. Ihr seht schon ich werde mit zunehmendem Alter klueger und frage ab jetzt mal hoeflich nach ob ich in den Ground darf. Wenn allerdings jedes Groundfoto 1.500 EUR gekostet haette, wo ich ins Stadion reinklettern musste, waere ich wohl im sechsstelligen Bereich in den Miesen. Der Ground ganz nett und auch noch gut erhalten, aber auf ein Fussballspiel im weiteren Verlauf des heutigen Tages deutete noch nichts hin. Heute waere kein Match wussten alle Befragten mitzuteilen, es wuerde doch die U20 Nationalmannschaft in Tanzania spielen. Da war mein Match sicher verlegt worden. Damn it. Wann das naechste Spiel waere wusste niemand so recht, aber ab 15.Mai waere doch der Cecafa Cup. Naja, solange kann ich wohl nicht bleiben, irgendwann faengt ja auch mal die WM 2010 an. Basketball waere aber heute um 17h, naja besser als gar nichts. Vom Mototaxi wieder in die Stadt fahren lassen. Es herrscht Helmpflicht fuer Fahrer und Fahrgast, so dass man immer den Zweithelm gereicht bekommt und sich besser keine Gedanken darueber macht auf welchem verlausten Kopf der Helm schon vorher war. Im Cavarne Hotel mal meinen Rucksack ausgeloest und von da aus bei Jonas angerufen, der zwar arbeiten musste, aber seine Mitbewohner waeren zuhause und ich solle mich auf Mofa schwingen. Mitbewohner Philipp war auch zuhause, schlief aber um 12h30 (wie ich dachte) noch, war wohl etwas kraenklich. Aber er liess mich erstmal rein und ich plazierte nur meinen Rucksack in eine Ecke, ehe ich wieder in die frische Luft abdampfte. Und die ist hier wirklich frischer als in den meisten afrikanischen Staedten. So sauber wie in Kigali ist es wohl nirgendwo in Afrika, es liegt nullkommanull Muell auf der Strasse rum. Ausserdem ist wenig Verkehr (nicht nur am Sonntag) und die Hoehenluft auf 1.700 Metern ist ja eh frischer. Selbst im Zentrum, durch das ich anschliessend geschlendert bin ist es untypisch afrikanisch sehr sauber. Nach einem kurzen Internet Abstecher um Teil 8 + 9 in die weite Welt zu jagen gings erneut zum Stade Amahoro, wo sich in unmittelbarer Naehe auch der Fussballverband Ferwafa befindet. Am Sonntag war erwartungsgemaess niemand da. Ein ca. 20-jaehriger Spieler (?) telefonierte nach meiner Fragerei ein wenig rum und meinte dann, dass APR am Mittwoch wohl ein Nachholspiel im Stade Regional haette. Zum Cecafa Cup wuerden wohl viele Zuschauer (was immer das heissen mag) kommen, da ja auch internationale Topteams wie die beiden letztjaehrigen Champions League Finalisten eingeladen sind. In einem Fussballpub um die Ecke dann mal eine Art Kartoffelsuppe gegessen und die erste Halbzeit von Liverpool vs Chelsea verfolgt. Als dann die Rechnung kam war ein Endpreis von 1.300 Francs aufgefuehrt statt nur der 1.000 fuer die Suppe. Da sollte ich noch 300 Francs Eintritt fuer TV-Fussball bezahlen. Ohne mich, das Spiel wollte ich ja gar nicht sehen, ich wollte hier nur was essen. Die Maxis kamen tatsaechlich extra um fuer ein Fernsehspiel Eintritt zu bezahlen. Zurueck am Sportkomplex sollte das Basketball Finale um den Memorial Cup um 17h starten. Um 17h dann mal nachgefragt, da gerade erst das Ladies Endspiel begann. Zum einen war es erst 16h, also wieder deutsche Zeit, zum anderen haette sich der Turnierablauf ein wenig verzoegert.
02.05.2010, 18h00 Armee Patriotique Rwandais BC vs Kigali BC 72-62 vor ca. 250 Zuschauern im Stade Petit (1.146) in Kigali. Basketball LP 14.
Das erste Viertel ging mit 10 Punkten an APR, die restlichen Quarter gingen alle unentschieden aus, das hat man auch nicht oft im Basketball. Beide Teams hatten ein paar Fans, 2 Army Sups troeteten gar ein wenig rum. Ein Weisser beim KBC, aber es bewahrheitete sich mal wieder: White men cant jump. Monsieur Costa kam nur auf 6 Punkte. Rwanda’s Michael Jordan heisst P. Maremba, der 35 Zaehler zum APR-Turniersieg beisteuerte. Per Moto in den Stadtteil Kiyovu, wo nun alle Hausbewohner eingetroffen waren, Jonas, Matthias und Philipp, den ich ja vorhin schon kennengelernt hatte. Jeder warf ein paar Francs in den Topf und Jonas besorgte das Abendessen bestehend aus Toast, Butter, Kaese und Tomatenmark. Bis zur Schlafenszeit gegen 23h wurde ueber dies und jenes gequatscht, wobei Uganda natuerlich die Top Story war. Ich bekam ein eigenes Zimmer zugeteilt und konnte es mir unterm Moskitonetz auf einer Matratze am Boden haeuslich einrichten. Abgesehen vom Mueckenschutz also fast wie im Knast J.
Das war auch schon die zehnte Woche, die komplett ohne Fussballspiel ablief. Das wird wieder Kritik a la “zu wenig Fussball auf deiner Tour” vom nichtaufsteigenden Noergelheinz aus BS hageln….. Aber mal ehrlich…. Who cares ?!?
Gruss aus Kigali und bis die Tage, H96
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BeitragVerfasst am: 10.05.2010 17:39 Antworten mit Zitat
Sinola
 
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Tag 71, Montag, 03.05.2010<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
Neue Woche, neues Glueck. Gegen 9h Kroch ich unter dem Moskitonetz hervor. Die Sonne schien bereits ins Zimmer, welches eigentlich Mattes gehoert. Tagsueber werden es dann angenehme 25-30 Grad, zwischendurch regnet es mal und abends ist es dann einigermassen frisch mit noch so um die 18 Grad. Da Jonas als Volunteer bei IOC von Rwanda arbeitet konnten wir gemeinsam zum Stadion fahren. Mein Auftrag lautete allerdings die kommenden Fussball-Termine ausfindig zu machen. Faehige Mitarbeiter im Ferwafa-Office. Es dauerte kaum 10 Minuten und schon war ich mit allen Ligaterminen, Pokalterminen und dem Spielplan fuer den Cecafa-Cup, der am 15.05. beginnt ausgestattet. Das war perfekt, nur die Termine an sich waren nicht so perfekt. Kein Match im Amahoro Nationalstadion, welches ich schon ganz gerne machen wuerde, bis zu eben jenem Regional-Turnier. Aber solange kann ich wohl nicht warten, es liegen ja noch ein paar Laender auf dem Weg nach Suedafrika. Das fuer gestern geplante Match Atraco vs APR ist auf den 15.06. verlegt worden. Da ist doch WM…. Der Weg zurueck in die Stadt war weit, ging bergab und dann wieder bergauf, wirklich ganz schoen huegelig, die Stadt der tausend Huegel. Nach 75 Minuten im lockeren Tempo gab ich nahe meines neuen vorruebergehenden Heims auf und liess mich vom Minibus den restlichen Kilometer bergauf ins Zentrum bringen. Im “Fantastic Restaurant” hielt der Name zwar nicht ganz was er versprach, aber das Essen war schon ganz gut, wenn auch mit 3.500 Francs nicht ganz billig. Rwanda ist definitiv eines der teureren Laender des Kontinents, dafuer wohl aber auch das sauberste. Nach dem Mittagessen war dann nicht mehr viel zu erledigen und so pruefte ich mal zwei der Spielorte fuer die anstehenden Partien. Ein Maximokel im Boca Trikot lief mir noch ueber den Weg. Sowas muss doch nicht sein, wie auch schon gestern als  ein KSC und ein Leverkusen Trikot in der deutschen Altkleidersammlung gelandet sein muessen. Mit Recht. Das Stade Regional (8.000) war mit ueberdachter Tribuene und ein paar Stufen auf der Gegenseite besser als erwartet. Ausserdem verfuegt es ueber Kunstrasen, so dass hier quasi rund um die Uhr gespielt werden kann und eine ueberdimensionierte Anzeigetafel im XXL Format, die aber ausser Betrieb zu sein scheint. Der anderen Ground ganz in der Naehe vom Regional, das Stade Mumena weist nur eine bushaltestellenartige Ueberdachung auf und hat ebenfalls ein Spielfeld aus kuenstlichen Halmen und jeder Menge Granulat. Nach einem Internetstop gings ins temporaere Heim, wo das Abendessen wartete. Kleiner Scherz, nix mehr da. In der Not frisst der Teufel ja bekanntlich auch Fliegen. So gab es Toastbrot mit Butter bestrichen und mit Salz und Currypulver betraeufelt. Na wenn das keine Mahlzeit ist. Die Nacht war auch recht nervig, da mich ein weiblicher Moskito recht gerne hatte und staendig mit mir knutschen wollte..
Tag 72, Dienstag, 04.05.2010
Am heutigen Tage stand nicht viel an, so dass erstmal ausgepennt wurde, bis um 9h30 die Haushaelterin kam. Die junge Dame raeumt den 3 Jungs hier werktaeglich die Waesche hinterher und macht sauber und das fuer 1.000 Francs am Tag.
Bei dem Preis wuerde ich mir diesen Luxus in Deutschland auch goennen. Mit Mattes gings zum Mittagessen in ein Local Restaurant, was der Nicht-Local so gar nicht als Restaurant erkennt. Es gab Kassawa, ein Mix aus allem, mit Pommes, Reis, Kartoffeln, Salat, Nudeln, von allem ein bisschen, aber eine ordentliche Portion auf dem Teller. Kostenpunkt: knapp 1 EUR und man ist pappesatt. Das sind halt die Vorteile, wenn man bei Leuten wohnt, die sich auskennen. In der Stadt trafen wir dann Philipp und Michi, einen FCA und Bayern Fan, der sich dann beim Inder den Teller voll schaufelte und 1.500 Francs inkl. Getraenk fuers Buffet (man darf aber nur einmal gehen und den Teller bis oben hin vollladen) bezahlte. Ich klaerte dann noch ab, wo es das Busticket nach Bujumbura zu kaufen gibt und machte mich dann mal auf den Weg zum Memorial Center. 1994 war wohl das letzte Mal, dass Rwanda in den Nachrichten auftauchte. Stichwort: Genozid. Was da so alles schreckliches abging lest ihr am besten bei Wiki nach, die wissen es ja in der Regel besser, als ich es wiedergeben kann. So hab ich hier mal deren Text reinkopiert:

Als Völkermord in Ruanda werden umfangreiche Gewalttaten in Ruanda bezeichnet, die am 6. April 1994 begannen und bis Mitte Juli 1994 andauerten. Sie kosteten zirka 800.000 bis 1.000.000 Menschen das Leben, die niedrigsten Schätzungen gehen von mindestens 500.000 Toten aus. In annähernd 100 Tagen töteten Angehörige der Hutu-Mehrheit etwa 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sowie moderate Hutu, die sich am Völkermord nicht beteiligten oder sich aktiv dagegen einsetzten.[1] Die Täter kamen aus den Reihen der ruandischen Armee, der Präsidentengarde, der Nationalpolizei (Gendarmerie) und der Verwaltung. Zudem spielten die Milizen der Impuzamugambi sowie vor allem der Interahamwe eine besonders aktive Rolle. Auch weite Teile der Hutu-Zivilbevölkerung beteiligten sich am Völkermord. Der Genozid ereignete sich im Kontext eines langjährigen Konflikts zwischen der damaligen ruandischen Regierung und der Rebellenbewegung Ruandische Patriotische Front (RPF).
Im Verlauf und im Nachgang der Ereignisse wurden die Vereinten Nationen (UN) und Staaten wie die USA, Großbritannien und Belgien wegen ihrer Untätigkeit kritisiert. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, aus welchen Gründen eine frühzeitige humanitäre Intervention nicht erfolgte, beziehungsweise warum die vor Ort stationierten Friedenstruppen der Vereinten Nationen, die United Nations Assistance Mission for Rwanda (UNAMIR), bei Ausbruch der Gewalt nicht gestärkt, sondern verkleinert wurden. Gegen Frankreich wurde überdies der Vorwurf erhoben, sich an den Verbrechen beteiligt zu haben.
Der Völkermord in Ruanda erzeugte darüber hinaus erhebliche regionale Probleme. Nachdem die RPF die Hutu-Machthaber vertrieben, damit den Völkermord beendet und eine neue Regierung gebildet hatte, flohen im Sommer 1994 Hunderttausende Hutu in den Osten von Zaire (heute Demokratische Republik Kongo). Unter den Flüchtlingen waren viele Täter, die anschließend zur Wiedereroberung Ruandas rüsteten. Die ruandische Armee nahm diese Aktivitäten mehrfach zum Anlass, um im westlichen Nachbarland zu intervenieren.
Nachdem dieser harte Tobak verdaut war ging es mit dem Bus (fahren alle ins Zentrum) zurueck in die Stadt, wo nicht mehr so richtig viel zu erledigen war und nur im Internet ein wenig mit einer ex-Freundin gechattet wurde. Da ich auch nur Toastbrot eingekauft hatte war zum Abendessen nicht mehr viel da und so gab es wieder lecker Toast mit Butter und Salz. Fuer 21h hatte ich mich dann mit FCA-Michi im Green Corner Pub verabredet, wo wir noch gemuetlich mit ein paar Eingeborenen und dem Iren Killian ein paar Biere tranken. Der Weg nach Hause war ganz schoen weit, aber der Motofahrer bewaeltigte ihn souveraen fuer 500 Francs. Bonne nuit.
Tag 73, Mittwoch, 05.05.2010
Auch heute wurde ich erst wieder durch das Eintreten ins Haus von der Haushaelterin geweckt, die netterweise auch meine Waesche mitgewaschen hat. Auch heute standen keine grossen Aufgaben an, wenn man mal vom Einsacken des 114ten Laenderpunkts absieht. Nach einer kalten Eimer-Dusche ging es mal zum Geldwechseln. Der Dollarkurs hatte sich um einen Francs verbessert, es gab jetzt 576, hurra was ist das Leben billig. Als naechstes kaufte ich mal eine Busfahrkarte nach Bujumbura fuer morgen frueh 6h30 fuer 6.000 Francs, dann gings ins Internet, danach nochmal ins Fantastic Restaurant, wo heute fantastische Mucke gespielt wurde. Modern Talking mit “you’re my heart….”. Es war wieder einmal Spaghetti Zeit, dazu einen Maracuja Saft und Stoke vs Everton am TV. Dann mal fruehzeitig zum Stade aufgebrochen. Und es sah gut aus, es wuselten schon ein paar Mokel rum, Eckfahnen wurden eingesteckt, es war angerichtet fuer die Nummer 114.
05.05.2010, 15h30 Armee Patriotique Rwandais FC vs Amagaju FC (0-0) 1-0 vor ca. 500 Zuschauern im Stade Regional (8.000) in Kigali. LP 114.
Spiel 52 im Kalenderjahr 2010. Ich liege also weit hinter dem selbstgesteckten Schnitt von 20 Spielen pro Monat, aber dafuer sind die Spiele ja in diesem Jahr ein wenig exotischer, das ist ja auch was wert. APR wurde seit 1995 neun mal Landesmeister und sechs mal Pokalsieger, ist also so etwas wie der FC Bayern von Rwanda. Grossen Fussball lieferten die Jungs aber trotzdem nicht vor den 500 Besuchern auf dem Kunstrasenplatz ab. Graupelhaftes Gekicke, wie so oft. Es wird mal wieder Zeit fuer richtigen hochklassigen Fussball, aber da muss ich wohl noch ein paar Wochen warten und solange mit Gegraupel Vorlieb nehmen. Naja, sie bemuehen sich ja. Eine grosse Fanclub Fahne hing sogar (APR Fanclub Gikondo), zwei Troeter troeteten, was auch sonst. Zurueck in der Stadt ging es nochmal ins Internet, um mit dem Hochladen von Fotos bei Facebook zu beginnen, das dauert hier aber normal zu lange. Wenn ihr mich also noch nicht als Freund geadded habt koennt ihr das jetzt machen, wenn ihr die Tourbilder, die logischerweise in chronologischer Reihenfolge hochgeladen werden sollen anschauen wollt. Jeder Zweite im Internetcafe hat uebrigens die Facebook Seite angeklickt. Das geht mal gar nicht. Haette man ja auch mal erfinden koennen…. (Edit: tja, mit Road to Johannesburg Fotos muesst ihr euch nun doch noch etwas gedulden. die afrikanischen Computer laden die Fotos nicht so hoch wie ich mir das vorgestellt habe. Also doch erst nach der WM Bilder gucken.....). Zum Abendessen kaufte ich mal Baguette, Streichkaese und das leckere Tomatenmark fuer alle ein. Toast mit Salz kann man ja auf Dauer auch nicht anbieten. Dabei wurde noch ein kitschiger Ami Basketball Film auf dem Laptop von Philipp angeschaut.
Tag 74, Donnerstag, 06.05.2010
5h30 aufgestanden, 20 Minuten spaeter aus dem Haus. Den Berg hoch gelaufen, was ganz schoen anstrengend war, dann wieder auf der anderen Seite den Berg runter bis zum Busbahnhof, was ganz schoen weit war. Fuer die letzten Meter musste ein Moto herhalten, damit ich auch puentklich um 6h30 da bin, was ich natuerlich nicht haette sein muessen, denn wann faehrt in Afrika schon mal ein Bus dann los, wenn er es soll ??? Wohl niemals. Um flexibel zu bleiben hatte ich mein gesamtes Gepaeck dabei, obwohl ich nach 2 Tagen in Burundi am Samstag fuer weitere Spiele in Rwanda zurueck sein wollte. Aber das Risiko, dass in Burundi mit den Spielen, die mir BFF-Praesidentin Lydia Nsekera per Email geschickt hatte, was schief geht war ja doch zu gross. In Afrika kann ja schnell mal was verlegt werden. Um 7h10  gins mit New Yahoo Express in einem rappelvollen 30-Sitzer los. Fuer 918 Francs pro Liter wurde noch fix getankt, gar nicht so guenstig. Landschaftlich ist die Strecke sehr schoen. Hohe Berge, tiefe Taeler, alles schoen gruen, es regnete ja auch schon wieder, man kann kilometerweit schauen. Nach 2 ½ Stunden erreichten wir die Studentenstadt Huye (Butare). Von dort war es noch eine gute halbe Stunde bis zur Grenze. In Rwanda wurde der uebliche Zettel ausgefuellt und der Pass ausgestempelt. Dann  gehts zu Fuss ueber den Grenzfluss, waehrend der Bus mit dem Gepaeck schon voraus gefahren ist. Auf der Bruecke bekommt man schon den ersten Eindruck, dass Burundi eine Spur aermer ist als der noerdliche Nachbar. Die ersten Lungerer und Bettler belagern einen, wie auch die extrem nervigen Geldwechsler, die wie immer an der Grenze nur desolate Fantasiekurse anbieten. Auf Burundi Seite muss der Touri 20 US Dollar fuer den Stempel abdruecken, der dann irgendwo in den Pass geknallt wird, gute Sache, Passseiten sparen. Da ich mit 40 USD gerechnet hatte, wie es im Lonely Planet stand, der Burundi auf nur 7 Seiten behandelt, aber 5x erwaehnt wie gefaehrlich es ist, war ich recht erfreut ueber die geringeren Ausgaben. Bienvenue au Burundi. Jetzt geht mit englisch wohl nicht mehr viel, wie in Rwanda, wo man mit englisch gut durchkommt, da die meisten Einheimischen der Sprache maechtig sind. 115 Kilometer noch bis in die Hauptstadt, die wir um 10h55 in Angriff nahmen. 96% der Bundesbuerger werden den Namen dieser Hauptstadt mit Sicherheit nicht kennen. Das ist ja das schoene am Reisen: es bildet, oder auch nur das Reiseberichte lesen. Die Fahrt ueber kurvenreiche, aber gut geteerte Strassen dauerte nochmal gute 2 Stunden und wir fuhren um 13h15 im Hinterhof des Yahoo Express Bueros in Bujumbura ein. 6 Fahrstunden von Kigali nach Bujumbura also, da hatte der Reisefuehrer dann mal wieder Recht. Im Office kurz nach den Zeiten und dem Preis fuer die Rueckfahrt erkundigt, dann nebenan erstmal 10 USD getauscht und 12.000 Burundi Francs dafuer bekommen (ca. 1.500 Francs = 1 EUR). Vom ersten Eindruck her kam die Millionenstadt (Grossraum) etwas schaebiger als Kigali rueber, es wird wieder afrikanischer mit Muell auf der Strasse und viel Verkehr. Die erste Frage in Bujumbura lautete dann: “ou est le stade” ??? Das war nicht weit, ich hatte im vorbeifahren auch schon die Flutlichtmasten gesehen, wollte aber auf Nummer sicher gehen, denn es war ja nicht mehr ewig viel Zeit bis zum Laenderpunktspiel um 14h. Der Weg zum Stadion fuehrte am belebten Hauptmarkt (Marchee Central) vorbei, wo es dann beinahe so weit gewesen waere, dass ich einen 12-jaehrigen vertrimmt haette. Stolperte der kleine Bastard doch absichtlich in mich hinein und versucht mir dabei in die Hosentasche zu greifen. Nachdem ich seinen Arm weggeschlagen habe hat er clevererweise fix das Weite gesucht. Es scheinen also nicht alle Warnungen aus der Luft gegriffen zu sein. Wobei es mir schon ein wenig uebertrieben vorkommt, was der Lonely Planet da so schreibt. Man sollte zum Beispiel bevor man von Kigali herueber faehrt die politische Lage pruefen, dann nochmal pruefen und wenn man sicher ist zu fahren noch ein weiteres mal pruefen. Was genau man da pruefen soll wurde mir aber nicht ganz klar. Zu Problemen kann es ja maximal kommen, wenn gerade eine Wahl ansteht. Bujumbura’s Innenstadt soll man nach Einbruch der Dunkelheit auch meiden, sind wohl einige Taschendiebe unterwegs, naja wo nicht ??? Einige Bettler auf den Strassen geben Burundi aber nicht gerade Pluspunkte. Das Land ist doch deutlich aermer als Rwanda, was aber auch schon auf der Route von der Grenze bis in die Kapitale klar wurde. Die Lage von Bujumbura, direkt am Tangajika See weiss aber zu gefallen. Hohe Berge im Hintergrund runden das Gesamtbild ab. Burundi ist mit 27.000 Quadratkilometern Landesflaeche knapp groesser als der Nachbar im Norden und hat mit 9 Mio. aehnlich viele Einwohner. Fussballerisch gerissen haben sie noch nie etwas, nicht mal fuer einen Africa Cup war Burundi jemals qualifiziert. Wenig verwunderlich also, dass das Stadion 20 Minuten vor geplantem Kickoff noch verrammelt war. Erst das Schiedsrichtergespann liess mich durch die Schirikabine rein. Mit ca. 6.000 Plaetzen duerfte der Ground eines der kleinsten afrikanischen Nationalstadien sein. Die Minitribuene ist immerhin ueberdacht, ansonsten gibt es Steinstufen in 6 Reihen rundherum. Auch hier liegt ein neuer Kunstrasen, der einen kontinuierlichen Spielbetrieb mit bis zu 2 Matches pro Tag erlaubt.
06.05.2010, 14h00 Solidarite Bujumbura vs Nile Olympic Bujumbura (2-0) 2-0 vor 81 Zuschauern im Stade Prince Louis Rwagasore (6.000) in Bujumbura. LP 115.
2.Liga vor weniger als 100 Besuchern. Na wenn das kein Knaller zum 115ten ist. Und die Spielleitung wurde auch noch von einer Frau uebernommen, was sie allerdings gar nicht mal so schlecht machte. 14h30 gings dann auch mal mit reichlich Verspaetung los, aber das nimmt hier ja niemand so wichtig. Die Roten (Nile Olympic) hatten gegen die Blau-Gelben (Solidarite) keine Chance, fast wie im richtigen Fussball also, haha…. Auch in “Buj” hatte ich eine gute CS-Quote (1 von 2, wobei die 2 spaeter auch noch antwortete, aber da war ich schon bei der 1 eingebucht). So rief ich nachdem LP 115 in Sack und Tueten war mal vom Hotel Residence bei der Claudia (34) an. Die Verbindung war schlecht, aber aus dem “one clic” Internetcafe klappte es dann und ich wurde dort von ihr und ihrem Bruder Regis abgeholt. Bevor es nun aber nach Hause ging fuhren wir noch an den See, um in einem Toprestaurant zu speisen. Wer die 21.000 Francs Rechnung am Ende bezahlte koennt ihr euch ja denken, Couchsurfen fetzt J. Dann gings im Pkw in den Vorort Kikindo, wo Claudia mit 2 von ihren 7 Bruedern ein fuer afrikanische Verhaeltnisse recht grosses Haus bewohnt. Alles da, Fernseher, Stereoanlage, diverse Kuechengeraete, Laptop. Als Richterin bekommt frau wohl auch in Burundi ein ordentliches Gehalt. Ich wurde wieder mal von vorne bis hinten bedient und bekam ein eigenes Zimmer. Hier sind Sandalen, da ist ein Handy auf dem wir dich erreichen koennen und das Bier war auch schon gut gekuehlt. Ich zog die 720ml Primus Bombe den hollaendischen Sorten Heineken oder Amstel vor. Drink you local Beer. Kaum ausgetrunken stand schon ein neues auf dem Tisch und so quatschten (teilweise schwierig, da Regis nur franzoesisch spricht) und tranken wir bis die Muedigkeit dem Tag ein Ende setzte.
Tag 75, Freitag, 07.05.2010
Nach der naechtlichen Pieselpause verursacht durch zuviel Bier hatte ich kurzzeitig mit einem Moskito zu kaempfen, machte diesem aber in einem ungleichen Kampf flott den Gar aus. Die Nerverei der Quaelgeister nahm seit Rwanda ein wenig zu, auch wenn es sich noch in Grenzen haelt. Als es gestern Abend am See zur Daemmerungszeit etwas heftiger wurde spuehte Regis mal mit dem Anti Moskito Spray unter den Freilufttisch.... The african way of life.... Eine kalte Dusche zum aufwachen und schon stand das Fruehstueck auf dem Tisch. Claudia rief von der Arbeit aus mal an um zu fragen ob alles in Ordnung ist. Na sicher doch. Um 10h45 wurde es dann mal Zeit in die Stadt zu duesen, um noch ein bissl von dieser zu sehen, auch wenn es ja nichts wirklich interessantes zu sehen gibt. So war es wohl auch sinnvoller zum Arbeitsplatz vom etwas schwul wirkenden Regis zu fahren, der Florist (was den Eindruck nicht gerade entkraeftet) im 4 Sterne Tophotel mit gleichem Namen wie der See ist. Cooler Arbeitsplatz allerdings. Topbude mit Riesenpool und herrlichem Sandstrand am See. Da konnte man es bei einem O-Saft und einer kleinen Portion Pommes (moechte gar nicht wissen was das gekostet hat, wurde ja aber von Regis bezahlt, der als unabhanegiger Blumenmokel wohl auch nicht schlecht verdient) eine Weile aushalten. Die franzoesischen Badenixen hatten aber leider das Haltbarkeitsdatum schon ein gutes Stueck ueberschritten, fuers Auge war also nix dabei. Am Strand selbst war nicht viel los, ein Maxi schwamm in den nicht allzu hohen Fluten des Tangajika Sees. Das Wasser war sogar recht klar, aber ob das gesund ist darf trotzdem bezweifelt werden. Zurueck in der Stadt auf die Schnelle mal ein paar Schnappschuesse aus der Huefte gemacht. Das Unabhaengigkeitsdenkmal (seit 1962) war dabei wohl noch das spektakulaerste Bild. Fuer 12.000 Francs bein New Yahoo Express die Budfahrkarte fuer den morgigen Tag gekauft. Dann war auch schon wieder Fussballzeit. Claudia wollte eigentlich mitkommen, liess sich aber von den Eintrittspreisen von 5.000 – 7.000 Francs doch abschrecken.
07.05.2010, 14h00 Brother’s Men Bujumbura vs Buyenzi Star FC Bujumbura 0-0 vor ca. 250 Zuschauern im Stade Prince Louis Rwagasore (6.000) in Bujumbura.
07.05.2010, 16h00 AS Academie Tchite Bujumbura vs Vital’O FC Bujumbura (0-1) 1-1 vor ca. 1.500 Zuschauern im Stade Prince Louis Rwagasore (6.000) in Bujumbura.
Im ersten Spiel des Tages, welches um 14h25 begann trennten sich zwei miserable Zweitligisten torlos. Das Highlight war wohl mein halbzeitlicher Wasserkauf im Supermarkt nebenan, wo ich auch noch die kleinsten Geldscheine von 10, 20 und 50 Francs in hervorragender Qualitaet bekam. Muenzen gibt es in Burundi leider nicht (mehr). Die Temperaturen sind in Burundi um ein paar Grad hoeher als in Rwanda, liegt ja auch weiter im Sueden moechte man meinen, aber eben auch ein paar Hoehenmeter niedriger. Erwaehnenswert vielleicht noch die schlecht gefaelschten Chelsea Trikots in denen die Maenner vom Bruder antraten, deren Torwart gar ein Shirt von Tonnerre Yaounde uebergestreift hatte, was ihn aber auch nicht besser machte. Das Topspiel der ersten Liga war dann schon von einem anderen Kaliber. Der Vierte traf auf den Tabellenfuehrer und Rekordmeister. Wer nun aber ein „vamos vamos vamos L’Acade, vamooosss L’Acadeee“ erwartet hatte musste sich darueber klar werden im falschen Land zu sein. Immerhin waren inzwischen weit ueber tausend Fans ins kleine Rund gepilgert. Wann hatte ich das letzte Spiel mit einer vierstelligen Zuschauerzahl ??? Im Spitzenduell gab es einen Foulelfer und einen abgefaelschten Freistoss, die zu den Toren fuehrten. Knapp 30 Minuten in Ueberzahl reichten Vital’O dann nicht um noch den Siegtreffer zu erzielen, so liessen sie 2 Punkte liegen und Derbyrivale Inter Sport kann aufruecken. Der Gaestetrainer musste meckernderweise irgendwann auf die kleine Tribuene, Stimmung gab es bis auf ein paar unqualifizierte Zwischenrufe der Zuschauer wenig. Claudia holte mich nach dem Spiel in „one clic“ ab und es ging trotz Freitag Abend nicht mehr auf die Piste sondern nach Hause. Aber warum auch auf die Piste gehen, wenn die jungen Damen auch nach Hause kommen koennen ??? Regis hatte 4 Freundinnen eingeladen, die aber alle wie das wohl bei Nicht-Heteros so ist alle einen Tick zu dick waren. Fuer mich gabs erstmal noch ein Abendessen und dann reichlich Bier, was aber zum schoentrinken nicht genug war. Gloria (24) war noch die beste von den Vieren und haette wohl gerne einen Musungu Punkt gemacht, aber mehr als meine Email Adresse war nicht drin.
Tag 76, Samstag, 08.05.2010
Letzter Spieltag der Fussball-Bundesliga, es geht um soviel wie lange nicht mehr, wenn nicht gar um alles und ich fahre in Ostafrika durch die Gegend. Aber das Unternehmen Drinbleiben muss auch ohne mich klappen. 6h15 aufgestanden, 6h30 sollte das Taxi bereit stehen, 6h50 wurde es, aber die Busse fahren ja eh nie puenktlich los. Claudia, die bei einer Freundin gepennt hatte, war zum Winken gekommen. Ja, war super bei euch, in 2 Tagen ganze 15 USD (10 davon fuer den Bus) ausgegeben. Wir sehn uns dann eines schoenen Tages in good old Germany. 7h14 Abfahrt. Landschaftlich war es noch genauso gut wie vor zwei Tagen, daran aenderte auch der Sitzplatz auf der gleichen Busseite nichts. Die Ausreise aus Burundi und die Wiedereinreise in die Repubulika Yurwanda wie es auf Kirundi heisst gestaltete sich wieder einfach, es wurde platzsparend gestempelt. Den Grenzfluss Akanyaru in entgegengesetzter Richtung zu Donnerstag ueberschritten und schon war ich wieder bei den kleinen Rwandesi, die uebrigens auch nett sind J. 10h hatten wir die Grenze hinter uns, eine halbe Stunde spaeter passierten wir in Huye das „Stade Huye“, in welches von aussen geschaetzt ca. 5.000 Personen passen. Eine hohe Mauer verhinderte leider bessere Einblicke von der Strasse aus. Bei der 15-minuetigen Mittagspause gab es Nudeln mit Reis fuer 1.000 Francs und ein neues Getraenk. Trotz der Pause und einem deutlich langsameren Fahrstil als auf der Hinreise dauerte die Fahrt auch nicht wesentlich laenger. Wieder mal ein Beweis dafuer, dass die Raserei nichts bringt, maximal 10-15 Minuten auf so einer kurvigen Strecke. In Kigali zu Fuss zu meiner Couch gelaufen und ich hatte Glueck, denn Mattes und Philipp waren grad zuhause so dass ich nicht warten oder anzurufen brauchte. Nur kurz den Rucksack abgestellt und schon war wieder Fussballzeit. Ground Nummer 2 in Rwanda stand auf der Agenda. Nur ein Ground in einem Land ist ja immer etwas fragwuerdig, das sieht zu sehr nach reinem Laenderpunktehoppen aus, auch wenn es manchmal nicht anders geht. Zuerst musste aber noch ein Internetcafe in Stadionnaehe ausfindig gemacht werden, da mein Handy in ganz Rwanda keinen Empfang hatte. Das war mit 600 Metern Distanz zwar weit vom in einer Lehmnebenstrasse gelegenen Sportplatz weg, aber es wuerde fuer einen Pausenabstecher reichen. Bis 15h17 (89.Minute laut livescore) verfolgte ich noch Teil 1 des Unternehmens Drinbleiben im Liveticker. BTSV vs Erfurt 1-1, Ingolstadt vs Sandhausen 1-1. Passt, dringeblieben.
08.05.2010, 15h30 Armee Patriotaire Rwandais FC vs AS Kigali (1-0) 2-0 vor ca. 300 Zuschauern im Stade Mumena (1.200) in Kigali.
Das Pokalviertelfinale zur besten Bundesligazeit lockte nicht gerade die Massen ins kleine mit einem Kunstrasen ausgestattete Stade. Das zeitgleiche Spiel im Stade Regional zwischen den Traditionsvereinen Rayon Sport und Kiyovu waere wohl die bessere Wahl gewesen, aber eben kein neuer Ground. Gedanklich war ich in Bochum, helfen konnte ich zwar nicht, aber es wuerde schon klappen. Gefuehl schaute ich jede Minute auf die Uhr, die Zeit verrann im Zeitlupentempo. Als dann endlich Halbzeit war sprintete aus dem Stadion, schwang mich aufs naechstbeste Moto und dueste zur Internetbude. Livescore.com vermeldete: Bochum null, Hannover drei. Nochmal genau hingeschaut, es stimmte wirklich, Bruggink, Hanke und Pinto hatten getroffen. JAAAAA. Wie geil. Aber noch war es ja nicht vorbei und im Hinspiel hat uns Bochum auch noch drei Buden eingeschenkt und ein 3-2 aus einem 0-2 zur Pause gemacht. Flotten Schrittes zum Stadion zurueck, wo nicht mehr ganz so nervoes wie zuvor die zweite Halbzeit angeschaut wurde. Wie sie gespielt haben ??? Keine Ahnung, steht ja in der Kopfzeile. APR kam ins Halbfinale, aber wichtiger war wer in der besten Liga der Welt blieb. 17h28 hatte ich Klarheit. Auch Teil 2 des Unternehmens Drinbleiben war aufgegangen. Es blieb beim 3-0 der Roten. WIR sind BUNDESLIGA. Du auch ??? Ja, Teamchef, du auch. Also dritte Bundesliga. Ja, sorry Jungs, es ist immer leicht nochmal reinzutreten, wenn einer schon am Boden liegt.... Am Abend wurde nur ein wenig gefeiert, da ich und meine beiden Mitstreiter recht muede waren. Katy aus den USA und Mattes seine Rwanda Freundin leisteten uns aber noch Gesellschaft beim ein oder anderen Bier.
Tag 77, Sonntag, 09.05.2010
Sonntag = Ruhetag. Es stand nicht viel an, was fuer ein herrliches Leben. Mal ins Hotel aus dem Film „Hotel Rwanda“ (nicht gesehen) geschaut, netten Pool hamse, da schau ich morgen nochmal mit Badebuxe vorbei. Ansonsten wenig spektakulaer der Schuppen und fuer unsereins trotzdem unbezahlbar. 40 USD fuer die kommenden Tage gewechselt, mal ins Indernet, mal was gegessen, mal zum Fussball gucken gefahren.
09.05.2010, 15h30 Atraco FC Kigali vs Etincelles FC Kigali (1-0) 2-1 vor ca. 1.000 Zuschauern im Stade Regional (8.000) in Kigali.
Beim heutigen Pokalviertelfinale nahm ich mal auf der unueberdachten Gegengeraden Platz, da es bewoelkt war und noch nicht regnete und mich gestern diverse Leute nervten, die mir die Hand schuetteln wollten. Unter anderem der Verteidigungsminister, wie ich spaeter erfuhr. Auf dieser Stadionseite nervten aber wiederum die Troeter. Etincelles hatte eine kleine Fangruppe dabei, die sich vor ihrer Fan Club Fahne postierte. Auf dem Kunstrasen hatte der Pokalsieger von 1988 gegen den Meister von 07/08 jedoch kaum eine Chance, auch wenn es am Ende fast nochmal spannend wurde. Kurz vor Spielschluss setzte der uebliche Regen ein und die Maxis ergriffen wie immer die Flucht. Ich fluechte noch nirgendwohin, sondern bleibe noch ein wenig. Wie die Reise weiter geht erfahrt ihr dann im zwoelften Teil.
Saludos und noch nen schoenen Muttertag, H96-Linke

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BeitragVerfasst am: 18.05.2010 19:39 Antworten mit Zitat
Harza
 
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Hallo liebe Facebook Nutzer,
da bin ich wieder und es geht weiter mit dem zwoelften Teil der Reise, auf dem wieder ein ganzen Stueck gen Sueden bewaeltigt wurde. Wenn ihr mich immer noch nicht bei Facebook geadded habt so koennt ihr dies nun mal so langsam tun, denn ich versuche mal mit dem Fotos hochladen weiter zu kommen, auch wenn das hier in Afrika recht schwierig ist..... Tja, am vorletzten Wochenende hab ich wohl ne gute Nichtabstiegsfeier ganz in Rot verpasst, aber man kann halt nicht alles haben im Leben..... So, genug geschwafelt, weiter gehts mit Woche 12:
Tag 78, Montag, 10.05.2010
Normalerweise rueckt wochentags ja immer das Hausmaedchen an und ich hatte mich auch schon darauf gefreut ihr meine Shorts zum stopfen zu geben, aber die junge Dame war heute leider kraenklich und blieb somit zuhause, was wohl einen Einnahmeverlust von 1.000 Francs nach sich zieht. Vom kleinen Tante Emma Laden nebenan mal ein frisches Weissbrot gekauft (400 Francs) und dann mit dem restlichen Kaese und Nutella ein leckeres Fruehstueck daraus gebastelt. Wieder so ein Urlaubstag an dem nicht so richtig viel auf dem Plan stand. So musste ich nur kurz pruefen von wo die Busse nach Musanze (Spiel am Dienstag) und nach Rusumo (Grenze zu Tanzania) abfahren, was fix erledigt war. Zum Mittagessen gabs mal Buffet. Fuer 1.800 Francs laesst sich der Teller so voll laden, dass man ihn fast nicht mehr zum Tisch tragen kann und aufpassen muss, damit nichts runterfaellt. Da is(s)t man hinterher pappesatt. Und so rollte ich den Berg hinauf zum Tophotel Des Milles Collines. Gestern hatte ich ja schon die Lage geprueft und fuer gut befunden. Wenn der weisse Mann zielstrebig einmarschiert und sich an den Swimmingpool legt wird er ja nicht von einem Maxi behelligt, das waere ja auch noch schoener. Weiss ist Trumpf und mit der Dreistigkeit der deutschen Groundhopper wird ja zumindest hierzulande  noch nicht gerechnet. So wurde die naechsten Stunden ein wenig in der Sonne gechillt und ein paar mal in den Pool gehopst. Ja, meine Damen, da waert ihr sicher gerne dabei gewesen ich weiss, aber es gibt leider nicht mal Fotos davon. Naechstes Mal halt einfach mal mitkommen. Ich fahre ja nicht in die Antarktis, zumindest nicht solange da nicht gespielt wird. Als gegen 16h dann einige graue Wolken aufzogen war der Badespass aber abrupt beendet und es hat wohl nicht ganz fuer einen Sonnenbrand gereicht. Im Internet noch ein wenig Bloedsinn geschrieben. Mit gut 350 Woertern war der 78ste sicher nicht der spannendste Tag der Tour, daran aenderte auch der abendliche Film (auf franzoesisch) mit zwei Maxi Maeusen von Jonas und Philipp nichts.
Tag 79, Dienstag, 11.05.2010
Da es am gestrigen Abend noch ein paar uebrig gebliebene Spaghettis fuer mich gab, stellten die gekauften Broetchen das heutige Fruehstueck dar. Das Hausmaedchen nutzte auch ihre letzte Chance meine Shorts zu flicken und erschien puenktlich um 10h zur Arbeit. Nach kurzem Internetcheck gings fuer mich um 11h gen Norden. Musanze oder Ruhengeri (so der alte Name) war das auserkorene Ziel, dort sollte heute der Erstligaball rollen. Die Fahrt kostete 1.700 Francs und dauerte ungefaehr genau 2 Stunden. Kurz vorm Zielort setzte der Regen ein. In Musanze selbst gibt es nicht viel zu sehen, aber der Ort soll ein guter Ausgangspunkt fuer eine Trekking Tour zu den Berggorillas sein, die in den umliegenden Bergen leben. Die Aussicht auf diese Vulkane war aber leider schwer getruebt, wolkenverhangen und die Berge liessen sich nur schemenhaft erahnen. So eine Gorilla Tour kostet uebrigens 500 USD und liegt somit weit ausserhalb meines Budgets. Haette sie uebrigens auch gelegen, wenn die Zusatzkosten in Uganda nicht entstanden waeren. Sicher ist es was voellig anderes Gorillas in freier Wildbahn statt im Zoo zu beobachten, aber fuer 400 EUR kann ich mir 6 Jahre lang ne Dauerkarte im weltbesten Zoo Deutschlands kaufen und theoretisch an ueber 2.000 Tagen tagtaeglich Gorillas anschauen. Wenn ich anderweitige Primaten sehen will brauche ich ja nur am Wochenende in eines der Bundesliga Stadien zu gehen. Zurueck zum Thema: Das Stadion von Musanze liegt nur etwa einen Kilometer vom Bushalt entfernt, ist also locker zu erlaufen, was bei Regen selbstverstaendlich nicht die beste Idee ist. Gut nass geworden, aber die grosse ueberdachte Tribuene mit ihren 16 Sitzreihen konnte wiederum begeistern. Der Ground war doch deutlich besser ich als mir das vorgestellt hatte. In einer der beiden Kurven gibt es sogar noch 4 Reihen Stehstufen. Nachdem ich wieder etwas getrocknet war ging es nochmal in die Stadt zurueck um etwas zu essen. Wieder ein Buffet, Teller voll fuer 800 Francs, deutlich guenstiger hier in der Provinz. Fuer einen EUR ordentlich gefuttert, das sind noch Preise wie sie mir gefallen. Auch auf dem zweiten Weg zum Ground geriet ich wieder in einen Regenschauer. Inzwischen war die halbe Armee, die eigentlich die Grenzen zu Uganda und zum Kongo beschuetzen soll im Stadion anwesend und es wurde fleissig hin und her gegruesst und stramm gestanden. Wenn die Jungs aus dem Kongo also mal einen Angriff planen sollten: besorgt euch zuerst den Spielplan und schaut wann APR in Musanze kickt.
11.05.2010, 15h30 Musanze FC vs Armee Patriotaire Rwandais FC (0-0) 0-1 vor ca. 3.500 Zuschauern im Stade Ubworoherane (5.000) in Musanze.
Mangels Flutlicht beginnen alle Kicks zur besten Bundesligazeit um halb vier, wo die Welt noch in Ordnung ist. 500 Francs kostet das Eintrittsbillet, welches aber beim Eintritt vom Kartenabreisser komplett zerstoert wird. Den meisten Kids war das jedoch zu teuer und sie kletterten zu Dutzenden, ach was zu Hunderten ueber die Stadionmauer. Criminal Trespass wuerde ich da meinen. Der hollaendische Coach von APR war neben mir der einzige Musungu unter den ueberraschend vielen Zusehern. Gut voll die Huette, so gefaellt mir das. Das Spiel auf einem Acker war jedoch nicht der Rede wert. Der Rasen war knoechelhoch, aber auch knoecheltief aufgeweicht. Manchmal konnte man nur das obere Drittel vom Ball sehen. Wie das Gebolze dann aussah koennt ihr euch sicher vorstellen. 17h45 gings in die Hauptstadt zurueck, diesmal mit einer anderen Gesellschaft, bis 19h30 sollen Busse nach Kigali fahren. Also alles easy going.
Tag 80, Mittwoch, 12.05.2010
In 80 Tagen um die Welt. Tja, das hab ich wohl nicht ganz geschafft, kommt aber noch auf einer anderen Tour, eines schoenen Tages, keine Sorge. Mittwoch, 12. Mai ??? Da war doch was !?! Ach ja, das erste Europa League Endspiel der Geschichte, und das auch noch in Deutschland, genauer gesagt in weniger als 200 Kilometer Entfernung vom schoenen Pattensen. Aber mal ehrlich, wen interessierte das nach den beiden Halbfinals eigentlich noch ??? Wenn es nicht ein neuer Wettbewerb gewesen waere waere doch glatt meine UEFA Cup Final Serie seit 2000 gerissen J. Der fruehe Vogel fing heute mal wieder den Wurm. 5h30 aus dem Haus und aus Gruenden der Faulheit mit dem Moto den Berg rauf zum Abfahrtsort des Busses. Ziemlich puenktliche, dreistuendige und ansonsten ereignislose Fahrt zum Grenzort Rusumo. Eine junge Dame aus dem Bus (so ca. 30, ich kann das immer schwer einschaetzen) hatte ebenfalls das Ziel Tansania. Zettel ausgefuellt, Stempel abgeholt, bye bye Rwanda, nicht traurig sein, denn wir sehn uns wohl nochmal wieder in diesem Leben, da ich das Nationalstadion ja noch brauche. War ja auch nett bei euch, fast zu zivilisiert fuer Afrika. Beim Fussweg ueber die Grenzbruecke laesst sich der Rusumo Wasserfall betrachten und knipsen, ohne dass es Probleme gibt. Es ging etwas bergan und meine Begleiterin fiel ein wenig zurueck mit ihren drei Taschen. Mein Gepaeck war aber schwer genug, so dass ich ausnahmsweise aufs Gentleman spielen verzichtete, bringt ja eh nix. Bei der Einreise nach Tanzania wurden 30 USD fuers zweiwoechige Transitvisum faellig. Der Grenzmaxi dachte mit und klebte den Sticker auf die Seite mit der Sudan-Registrierung. Und schon war ich „karibu“ in Tanzania, auch wenn ich mir nicht so richtig willkommen vorkam. Der erste Eindruck vom neuen Land war schon wieder nicht der beste, da die H-Soehne von Geldwechsler einen schon wieder bescheissen wollten und dies zu allem Uebel auch noch schafften. Was hat man schliesslich fuer eine Wahl ??? Man braucht ja einheimisches Geruempel um den Bus zu bezahlen. Fuer 10 USD gab es jedoch nur 11.000 Shilling, statt 13.300 wie es korrekt waere. 10.000 kostete die Fahrt im 12-Sitzer nach Nyakanazi. Kurz hinter dem ersten Ort Busoro mussten wir durch ein 16 Kilometer langes Rebellengebiet. Zur Sicherheit der Reisenden zwaengten sich noch 2 Bullen mit abgesaegten Kalaschnikows in den mit 16 ½ Personen eh schon gut gefuellten Minibus. Was die beiden Jungs von der CopACABana im Ernstfall bei einem Rebellenangriff haetten ausrichten sollen ??? Ich weiss es nicht, die waeren sicher die ersten gewesen die gefluechtet waeren. Aber die Rebellentruppe hatte heute anscheinend Urlaub. Nach 2 Stunden Fahrt ueber noch recht ordentliche Strassen waren wir um 13h in Nyakanazi angekommen und ich verabschiedete mich von meiner kurzzeitigen Begleitung, da sie gen Mwanza am Victoria See weiter fuhr und ich nach Sueden abstechen musste. Der im Lonely Planet als gar nicht so klein eingezeichnete Ort entpuppte sich als Siedlung mit vielleicht eintausend Einwohner und einer Strassenkreuzung. Die Bundesstrasse B8, die ich nun weiter nutzen musste war ein besserer und etwas breiterer Feldweg. Es gab nur wenig Verkehr und wuerde wohl schwierig werden ueberhaupt von hier aus weiter zu kommen, dachte ich. Doch noch bevor ich gepieselt hatte kam auch schon ein Landrover angerauscht und hielt auf mein linker Daumen raus Handzeichen. Ja, auch hier wird wieder auf der falschen Seite gefahren nachdem in Rwanda und Burundi alles rechts herum verlief. Aber wieso eigentlich ??? Wir waren doch zuerst hier. Fraglich nur, was wir vor gut 100 Jahren hier wollten ??? Der stoppende Pickup wuerde bis Kasulu fahren, perfekt, genau da wollte ich hin. Ueber den Preis hatten wir noch nicht verhandelt. Im naechstgroesseren Kaff gab es eine Pause, die ich zum Geldwechseln nutzte, da ATM’s die Visa akzeptieren in Westtanzania rar gesaeht sind. Fuer 50 USD gab es nach etwa einer Viertelstunde Papierkrieg 66.500 TSh. Weiter gings, 15.000 sollte die Fahrt kosten, das war inzwischen eroertert worden. Nicht billig, aber es gab ja auch keinerlei Alternativen. Immerhin wuerde ich mein selbstgestecktes Tagesetappenziel erreichen, das war ja schon mal gut. Unterwegs hatten Fahrer und Beifahrer noch ein paar Erledigungen zu erledigen, so dass sich die Tour ueber die Schotterpiste unnoetig in die Laenge zog. 17h kamen wir in Kasulu an und ich versuchte erstmal die Weiterfahrt abzuklaeren. Erwartungsgemaess ging aber heute nichts mehr. Tomorrow, tomorrow. Ich kann es nicht mehr hoeren. Wie ich das hasse, wenn man gestrandet ist und es nicht weiter geht. Vorm Tophotel des Ortes (Highway irgendwas Hotel) war ich entsorgt worden. Die Bude war mit 20.000 TSh. aber zu teuer, die billigen Zimmer zu 12.000 waren schon alle ausgebucht. Ein im Biergarten sitzender Musungu wurde mal angequasselt, ob er sich denn auskenne ??? Sean aus Suedafrika und sein Maxikumpel kannten sich sogar aus, hatten aber keine guten Nachrichten auf Lager. Die Fahrt wuerde wohl um einiges laenger dauern als ich mir das gedacht hatte, da die „rough road“ doch recht schlecht waere. Morgen frueh gaebe es einen Bus nach Mpanda, was ca. 200 Kilometer weit ist und etwa 10 Stunden dauert. Da muesse ich erneut uebernachten, dann koennte ich am Freitag bis Sumbawanga kommen. Der LP Zambia war in akuter Gefahr, bis Samstag Nachmittag wuerde es sehr eng bis unmoeglich werden. Am Busbahnhof wurde die Info mit dem 7h Bus nach Mpanda bestaetigt, so dass ich gleich mal das Ticket fuer 20.000 TSh. gekauft habe und mir erklaeren liess wo genau der Bus denn losfaehrt. Aha, in der Naehe vom Highway Hotel. Da hatte ich ja wieder den einen aus der Zehnerrunde gefunden, der mehr wusste als seinen eigenen Namen und dazu auch noch englisch sprach, was hier wieder eher die Ausnahme ist. Ein paar Absteigen wurden geprueft und fuer zu schaebig bzw. mehrheitlich fuer zu teuer befunden, ehe es im Maria Guest House passte. 3.000 TSh. fuers Zimmer ohne Dusche. Im Gaestebuch waren ausschliesslich Staatsbuerger mit dem Laenderkuerzel TZ registriert, viele Europaer haben hier wohl noch nicht genaechtigt. Zurueck im Highwayhotel, wo ich noch was essen wollte, tranken die beiden Suedafrikaner noch das gute Kilimanjaro Bier. Da gesellte ich mich mal dazu und testete das Kili neben einer Mahlzeit aus Beef mit Reis, wobei das immer wenig Fleisch und viel Reis oder Pommes oder sonstewas ist. Wenn ich den Berg also schon nicht live und in Farbe sehen kann, dann wenigstens auf dem Bierflaschenetikett. Fuer 1.500 TSh. pro Pulle hiess es „its Kili time“. Kein besonders origineller Werbespruch, aber immer zutreffend. Die beiden South Africans waren im Auftrag von Vodacom unterwegs um Funktuerme zu errichten und Leitungen zu installieren. Aber in Kasulu waren sie wohl noch nicht so weit, Internet war jedenfalls noch Fehlanzeige. Sean bot mir zwar seinen Laptop an, aber so dringend war es ja auch wieder nicht. Nachdem das beste Hotel am Platz kein Supersport im Fernsehangebot hatte musste doch noch die Location gewechselt werden, um das erste Europa League Finale in der UEFA-Geschichte zu sehen. Nun ja, Fulham, die Titelverteidiger Shakhtar Donetsk, Juventus, Wolfsburg und den HSV eliminiert hatten haette ich es gegoennt, aber Diego Forlan stand zweimal genau dort wo ein Mittelstuermer zu stehen hat. Sorry Koelner, aber Scheiss Atletico, Scheiss Spanien. Gut knuelle ging es um 0h30 (wieder eine Stunde vor Deutschland) in die Heia.
Tag 81, Donnerstag, 13.05.2010
Kurz nach 6h bollerte die Bullerei an die Tuer und ich dachte bereits an Knast-LP Numero 2. Was will der Zigeuner denn mitten in der Nacht ??? Habt ihr wieder nix besseres zu tun, als harmlose Touristen zu belaestigen ??? Tanzania suxx. Passkontrolle und den Impfausweis wollte der Sohn einer Hure sehen. Alles da, Visa auch, Geld gibts keins und jetzt verpiss dich wieder, du Wxxxer. Die fruehe Weckung war aber auch wieder nicht so verkehrt, da ich ja um 7h am Bus stehen sollte. Ungeduscht durch die noch dunkle Nacht losgestiefelt, der fuenfte Befragte wusste dann auch wo der Bus steht, gar nicht weit von meiner Bude weg. 7h06 setzten wir uns in Bewegung um erstmal in die Stadt zu fahren und weitere Reisende einzusammeln und worauf auch immer zu warten. Zambia habe ich schon abgehakt, wenn nicht noch ein Kick auf Sonntag verlegt wird, aber das kriege ich ohne Internet auch schlecht raus. Mpanda solle aber groesser sein, da gaebe es sicher Internet meinte Sean gestern noch. 8h18 standen wir dann wieder exakt da, wo wir um 7h06 losgefahren waren und warteten noch ein wenig bei laufendem Motor, waehrend alles was nicht in den Innenraum des Busses passte aufs Dach geladen und dort festgebunden wurde. 8h59 rollten wir langsam los, zur 100 Meter entfernten Tankstelle, nachdem wir die letzten 40 Minuten Benzin ohne Ende vergeudet hatten. 9h20 hiess es: Mpanda, wir kommen. 9 bis 10 Stunden wurde als Fahrzeit kalkuliert, aber die Strasse fuer die 200 Kilometer war ja auch keine Strasse, sondern eine von Schlagloechern durchsaehte Schotterpiste, ein besserer Feldweg. 40 km/h betrug die Hoechstgeschwindigkeit, aber es ging auch teilweise nur im Schritttempo voran, wenn die Schlaglochdichte im Busch zu hoch war. Das war jetzt das wirkliche Afrika, so wie man es sich vorstellt. Ueble Strassenverhaeltnisse durch buschartiges Gelaende mit kleinen Siedlungen mit Lehmhuetten und Strohdaechern alle paar Kilometer. Fuer die Dorfbewohner war die Busdurchfahrt sicher das Ereignis des Tages. Von Fernsehen oder gar Internet hat hier garantiert noch niemand irgendetwas gehoert. Wilde Tiere liessen sich am Wegesrand leider keine Blicke, aber die sind wohl auch so clever abzutauchen, wenn ein fetter 50-Mann Bus angerauscht kommt. Vielleicht ja morgen, denn dann fuehrt die Strecke ein Stueckchen durch den Katavi Nationalpark, angeblich den drittbesten Park in TZ. Zaeh ging es voran, ich war schon frueh recht angepisst. Ist schon recht frustrierend wenn man weiss man ist den ganzen Tag (12 Std.) unterwegs und kommt trotzdem nicht so richtig vorwaerts. Mit Sonnenaufgang stand ich bereit, mit Sonnenuntergang kamen wir in Mpanda an. Was gabs in Mpanda nicht ??? Richtig Pandas. Riesengag. Weiter im Text, bevor es zu unlustig wird. Ins Zentrum gestapft und eine Busfahrkarte fuer Morgen nach Sumbawanga gekauft. Laut Auskunft des Ticketverkaeufers wieder eine 10-stuendige Etappe. Ich koennte jetzt schon kotzen. Da hab ich mich mit dem dritten Ground in Rwanda wohl gut verpokert. Zambia duerfte an diesem Wochenende damit wohl nicht mehr drin liegen, denn von der Grenze sind es ja auch nochmal schlappe tausend Kilometer bis nach Lusaka. Maximal ein Sonntagsspiel im Norden waere wohl noch knapp machbar, aber wie herausfinden ohne Internet ??? Da hab ich die Strecke wohl etwas zu blauaeugig kalkuliert und die schlechten Strassenverhaeltnisse nicht richtig berechnet. Nun muss also improvisiert werden. Wie auch bei der Uebernachtung des Tages. Die beiden besten Hotels waren „full“ und so stiefelte ich ein drittes Mal durch den schwach beleuchteten Ort zum Ausgangspunkt, dem Tamarin Guest House, welches fuer 7.000 TSh. ein Zimmer mit Eimerdusche und Loch im Boden bot. 20 USD wurden hingegeben, da ich keine Shilling mehr hatte, jedenfalls nicht genug fuer Essen und Uebernachten. Also erstmal nebenan was gefuttert, naemlich, ihr habt es euch wohl schon gedacht.... Reis, diesmal mit Chicken. Ausgewogene Ernaehrung. Im Restaurant war doch tatsaechlich ein Fan der „ein Leben lang keine Schale in der Hand“-Schalker am Start, aber ich wette, der wusste gar nicht was fuer ein Trikot er ueberhaupt am Leibe traegt. Im Hotel wurde auf den Boss gewartet, der dann auch irgendwann mal kam, aber mit 20 Dollar wohl nicht viel anzufangen wusste. Na dann gibts eben nen Fuenfer und 500 Shilling, dass sind ja dann auch 7.000. Das wiederum war komischerweise okay. Ein Moskitonetz war vorhanden, Moskitos aber nicht, egal gute Nacht.
Tag 82, Freitag, 14.05.2010
7h sollte ich mich beim Bus einfinden, halb acht bin ich dann mal aufgestanden, der Bus wird ja nicht ohne mich losfahren. Tat er auch nicht, aber es war recht knapp. 7h45 zu Bus geschlendert, da hupte der Fahrer schon wie ein Wilder, ein sicheres Zeichen zum Einsteigen. Und kaum hatte ich meinen Platz eingenommen ratterte das 61-Mann Gefaehrt auch schon los. Erstmal noch zum Busparkplatz, wo gestern Endstation war, dann zum Supercity Hotel, welches gestern voll war. 8h24 waren wir dann sogar schon on the road, allerdings wieder auf einer ueblen Schotterroad. Aber schon ein ganzes Stueck besser als der gestrige Abschnitt, es ging teilweise mit bis zu 60 Sachen zur Sache. Im Katavi Nationalpark gab es kein einziges Tier zu sehen. Hatten die heute alle ihren freien Tag, oder gibt es in Afrika gar keine wilden Tiere und das ist alles nur eine Erfindung der Medien um ahnungslose Touristen auf den maximalpigmentierten Kontinent zu locken ??? Kilometersteine gab es heute aber zu Beginn der Strecke alle 5 Km (bei 179, 174, 169 usw., afrikanische Logik wieder einmal) auf denen die verbleibende Distanz nach Sumbawanga angezeigt wurde. So stoppte ich mal die Zeit und errechnete einen Schnitt von teilweise ueber 50 Km/h. Das ging aber leider nur kurze Zeit so. Bei der Mittagsrast gegen 11h gabs fuer 2/3 der letzten 1.500 Shilling ne Portion Pommes, gut gewuerzt mit Dreck und Staub, aber trotzdem recht lecker. Der Magen wird sich schon melden, wenn ihm was nicht passt, was er bisher auf der kompletten Tour (toi toi toi) nicht gemacht hat. Die Piste wurde schlechter, die Geschwindigkeit verlangsamte sich, an diversen Milchkannen wurden Reisende entsorgt oder aufgenommen. Das Rotzkind auf dem Schoss meiner Nachbarin strapazierte die Nerven zusaetzlich. Entweder es quengelte oder es saugte an Mamis Moepsen. Kein schoener Anblick. Titten sieht man(n) an sich ja ganz gerne, aber wenn da ein Rotzblag dran rumnuckelt ist das doch nur widerlich. Dennoch guckt man automatisch wie bei einem Verkehrunfall immer wieder hin. 15h47 war die Tortour des Tages beendet und wir fuhren direkt am Nelson Mandela Stadium (10.000) in Sumbawanga ein. Am Stadion war reichlich Betrieb. Sollte ich doch noch wie die Jungfrau zum Kinde zum LP Tanzania kommen ??? Die Saison war ja eigentlich bereits seit vier Wochen beendet und mit Simba im Confedcup haette am 25.04. die letzte Chance bestanden, die ja durch einen kleinen unbedeutenden Zwischenfall in Uganda und dem damit verbundenen laengeren Aufenthalt zunichte gemacht wurde. Spielbeginn sollte zwar um 17h sein, aber mit Maedchen Highschool Football liesse sich der Laenderpunkt nicht machen. 1x anno 1996 in Florida gesehen und nicht gezaehlt, das reicht an Maedchen Highschool Soccer fuers Leben, gell Herr Zube. Eine Weitertransportmoeglichkeit wollte gefunden werden, schliesslich gab es noch 3 Stunden Tageslicht, aber es hiess wie so oft wieder einmal „tomorrow“. Ich gab aber noch nicht auf und liess mich zur Ausfallstrasse Richtung Kasesha zur sambischen Grenze (ca. 100 Km) bringen. Allein das dauerte eine Weile, da die people einfach zu stupid sind. Nachdem ungefaehr der Zehnte angelabert war (viele sprechen gar kein englisch) nahm mich dann tatsaechlich mal einer mit. Und da stand ich nun um 16h37 oberkoerperfrei in der Sonne und harrte der Dinge die da kommen, aber es kamen weder Dinge noch Autos, Trucks oder Busse. Geschweige denn die Einzahl. Nicht ein einziges Fortbewegungsmittel fuhr innerhalb der Stunde in der ich bloed in der Gegend rumstand in die Richtung in die ich wollte. Das war wohl nicht die befahrendste Strasse von Tanzania. Und wenn er nicht gestorben ist dann wartet er noch heute, der kleine Musungu. Oder auch nicht, denn nach einer Stunde wurde es mir zu albern und ich ging die vielleicht 3 Kilometer nach Sumbawanga zurueck um bei Tageslicht noch eine Uebernachtungsmoeglichkeit zu finden. TZ suxx, auch wenn ich mich in dem Punkt wiederhole. Auch eine Bank hatte ich noch nicht gesehen, die Bargeldreserven wurden naemlich langsam knapp, 70 EUR und 35 USD waren nur noch da. Wie es der Zufall so wollte fand sich an der Hauptstrasse dann doch die an Ortseingang beworbene CRDB Bank, deren ATM sogar ein Visa Zeichen aufgeklebt hatte. Das heisst zwar noch nichts, aber der Geldautomat gab die angefragten 100.000 Shilling wie gewuenscht aus. Das steigert die Laune doch gleich ungemein. Im Guesthouse gegenueber wurde fuer schlappe 6.000 inkl. richtiger Dusche und richtigem Klo eingecheckt. Dann mal einen vor den Hotel rumstehenden Maxi gefragt, ob er wuesste wo das Buero von der Busgesellschaft Sumry ist. Und Ueberraschung: er wusste es und begleitete mich auch gleich die 500m dorthin. 1x nach Tunduma, dem anderen zwar weiter entfernteren Grenzort zu Zambia, aber dafuer wohl auch die bessere Strecke und die belebtere Grenze, 14.000 Sh. Nun brauchte ich nur noch ein Internetcafe und ein Restaurant, wenn moeglich in dieser Reihenfolge. Auch das wusste der Maxi und dackelte zum Internetcafe mit, wo es eine megaschnelle Verbindung gab. Aber die Freude darueber war nur von kurzer Dauer, nach 26 Minuten war er naemlich weg, der liebe Strom. Naja, fuer den Posteingang und ein paar neue Facebook Freunde hat es ja gereicht. Das wichtigste, die Termine in Zambia, nachzuschauen hab ich natuerlich vergessen. Nachdem der Maxi mir im Internet die ganze Zeit ueber die Schulter geschaut hat war es ihm wohl zu bloed auch noch zum Speiselokal mitzugehen und so wies er mir nur den Weg. Es war Pommes Tag, also gabs nochmal Pommes und dazu das gute Kili. Als der Strom nach vielleicht 2 Stunden wieder da war hatte die Internetbude leider schon geschlossen. Abends ohne Licht rumzueiern war aber auch in TZ kein Problem, abgesehen von den Schlagloechern in die man reinstapft ist alles safe.
Tag 83, Samstag, 15.05.2010
Geplant war fuer heute eigentlich der Laenderpunkt Zambia, aber es klappt halt nicht alles im Leben. So war ich schon froh, wenn ich heute ueberhaupt sambisches Territorium erreichen wuerde. 6h30 sollte ich am Bus sein, aber da quaelte ich mich erst aus dem Bett. Die Gaestehaeuser sind uebrigens ganz okay, zwar etwas spartanisch eingerichtet, aber die Betten sind hart und nicht durchgelegen und immer frisch bezogen. Aus der Dusche kam sogar mal lauwarmes Wasser und sogar ein richtiges Klo war vorhanden. 6h55 war ich am Bus, wieder mal genau on time. Wenig spaeter gings zum anderen Abfahrtsort was fuer Aussenstehende sehr schwer durchschaubar ist. Ich hatte die vorletzte Reihe und wieder ein Mutti mit im Tuch auf dem Ruecken festgeschnalltem Baby in der Naehe. Aber das hat man wohl ueberall, die fortlaufende Rotzblagenproduktion ist ja das einzige was die Maxis halbwegs hinbekommen. Frueh am Morgen und logischerweise auch nachts war es doch recht kuehl und zumindest die Trainingsjacke war nicht unangebracht. Es ist uebrigens auch kein Fehler den Busplatz schon vom Vortag zu kaufen, die Huetten werden naemlich immer recht voll, auch wenn letztendlich jeder mitkommt. Aber ein Platz in den vorderen Reihen ist auch besser, da bekommt man nicht den ganzen Staub und Dreck durch die offenen Fenster ab, auch wenn die Coolen im Bus ja immer hinten sitzen. 7h17 fiel der Startschuss zur letzten Etappe in Tanzania. Was geht denn hier ab ??? So puenktlich waren wir doch noch nie. 225 Kilometer waren noch zu bewaeltigen und das gelang in neuem tanzanischen Rekord von 5 Stunden und 5 Minuten, also einem Durchschnitt von fast 45 Km/h. Da bekommt man ja fast einen Geschwindigkeitsrausch. Die Piste war aber auch deutlich besser, als die Teilstuecke zuvor, zwischendurch auch immer mal wieder ein kleiner Teil asphaltiert. Dennoch wurden die ca. 70 Fahrgaeste (Stehplaetze fuer die Zuspaetkommer gibt es natuerlich auch noch) gut durchgeruettelt und –geschuettelt und die Staubschicht auf den Brillenglaeser liess auch kaum noch was erkennen und war fast millimeterdick. Die Gesichtsfarbe hatte auch den rot-brauen Strassendrecktouch angenommen, wie natuerlich auch die Klamotten. In Tunduma stieg ich dann mal ein Stuekchen zu frueh aus und hatte dadurch noch etwa 2 Km zur Grenze zu laufen, immer dem geordneten Chaos hinterher und alle Zwischenrufe der Maxis ignorieren. An der Grenze herrscht dann ein groesserer Trubel als an so manch anderer. Die Abfertigung geht dennoch fix, die Buerger beider beteiligten Staaten brauchen wohl untereinander nix. Unsereins dagegen schon. Geldwechsler und sonstige Assis labern einen zwischen den beiden Kontrollpunkten wieder ohne Ende voll. Ein „you are not my friend“ hilft aber oftmals. Ja, ja, dabei wollen sie ja alle nur dein bestes.... Das will auch Zambia bei der Einreise und zwar richtig. 50 amerikanische Dollar wollen sie, aergerlich, dass ich nur noch 35 hatte und man nicht in Euro oder Tansania Shilling bezahlen kann. Aber keine Sorge , die Reise war deswegen ja noch nicht zu Ende, es ging nur 100 Meter rueckwaerts in die Wechselbude , die dann 50 USD gegen 70.000 Shilling rausrueckte. Im schlimmsten Fall haette es in Tunduma sogar eine Bank gegeben auf der das Visa Zeichen mit abgebildet war. Gute Sache also, wenn man von Sueden nach Norden faehrt. Der Plausch mit den zambischen Grenzern war recht nett, aber es waren nur wenige Fussballinfos herauszufinden. In der Zeitung von gestern (die kommt hier immer erst am naechsten Tag an) standen keinerlei Termine. Ein Transitvisa haette uebrigens genauso viel gekostet, ein Double-Entry 80 USD. Also hab ich gegenbenenfalls 20 Dollar verschenkt, wenn es morgen kein Spiel gibt und ich dann nochmal von unten raufkommen muss. Der Pass wird jedoch nur abgestempelt, die 50 USD sind also mal wieder reine Geldmacherei, fuer die es aber wenigstens eine Quittung gibt. Aber immer noch besser so, als der ganze buerokratische Aufwand den einige andere Staaten so betreiben, damit man mal einen Teil seiner harten Euros bei denen im Land lassen darf. Bei Zamtel solle es Internet geben und da waeren auch gleich zwei Banken nebenan. Also mal die gut 500 Meter an der Hauptstrasse entlang gelaufen und siehe da bei Barclays funktionierte die Visacard einwandfrei und machte mich zum halben Millionaer (ca. 6.200 Kwacha = 1 EUR). Nur Zamtel hatte keine Verbindung in die weite Welt. Zurueck am Bus nach Lusaka, der um 14h30, also in knapp 2 Stunden losfahren sollte wurde ich gleich mal 130.000 Kwacha fuers Ticket los. Wie lange die Fahrt denn dauert wurde mit „1.400 Kilometer“ und „12 hours“ beantwortet. Besser wenn man gar nicht erst fragt, sie wissen ja eh nix. Aber die „Road“ waere gut war die Auskunft. Na dann isses ja gut, oder gutt, wie CABJ-Janni sagen wuerde. Von meinem letzten Euro Handyguthaben mal fuer 39 Cent eine SMS an meinen Austria-Freund Sebastian geschickt, den ich richtigerweise am Pokalfinalsamstag in Deutschland am ehesten zuhause oder auf der Arbeit vorm Internet vermutete und angefragt wie denn die genauen Zambia Termine fuers Wochenende aussehen. Die aus Wien kommende Antwort „alles am Samstag“ verhiess nix gutes. Was fuer Penner beim Fussballverband. Da kommt einmal hoher Besuch aus den fernen Deutschland und die spielen alle zeitgleich und nicht wie am letzten Wochenende samstags und sonntags. Die 2.Liga (heisst hier 1st Division) Ansetzungen waren online nicht rauszufinden. Naja aendern kann ich es eh nicht, wenn der Ball am Sonntag nicht rollt komme ich eben nochmal wieder. Im Ristorante gab es Pommes, Reis und ein kleines Stueck der heiligen indischen Kuh. Waren aber keine Inder am Start, obwohl die hier sonst in groesserer Stueckzahl am rumwuseln sind als die kleinen Chinesen. 14h30 sollte Abfahrt sein und es wuerde angeblich auch puenktlich abgefahren, wer nicht da ist kommt nicht mit. Ja nee is klar. Immerhin sind die Frauen in Zambia wieder ein Stueck huebscher als die in Tanzania, zumindest haben sie wieder Haare auf dem Kopf, was wohl nicht alles Extensions sein duerften. Ihre Schweinchennasenloecher nach vorne macht black aber auch nicht attraktiver sondern eher unbeautiful. 14h fand ich mich nach der deutlichen Aufforderung wieder in Busnaehe ein und plauderte fortan ein wenig mit der Ruth (ca. 30), die aber einen Platz weiter vorne (Nummer 11) ergattert hatte, waehrend ich auf 54 gebucht war. In Tanzania hatte ich keinerlei Muenzen gesehen, hier an der Grenze spielten nun ein paar Kids mit tanzanischen Muenzen, da es in Zambia keine gibt, wovon ich unwissenderweise auch in TZ ausgegangen war. Der Sammeltrieb setzte ein und den Achtjaehrigen wurden 4 Muenzen fuer 2.000 Kwacha abgekauft und beide Seiten waren zufrieden. Wie so oft war wieder wesentlich mehr Gepaeck zu verstauen, als mueffelnde Koerper vorhanden waren, von denen es aber auch 68 in die 5er Reihen schafften. Mein Gespraechspartnerin hatte allein 8 riesige Plastiktaschen (wie die russischen Muttchen sie auch so gerne benutzen) in den Bus zu laden. Da scheint wohl so einiges in TZ billiger zu sein als in Zambia. Dementsprechend eng war es dann im Bus auch, von Beinfreiheit konnte keine Rede sein. Koennten ruhig mal weltweit eingesetzt werden, diese argentinischen Reisebusse. Bis 16h wurde be- und umgeladen, hin- und hergequetscht, was beim Zuschauen wieder eine wahre Freude war. 16h25 Attacke. Kein 10 Km (von den ca. 1.000 Km, wofuer der Preis von gut 20 EUR ja in Ordnung ist) gefahren schon gabs die erste Polizeikontrolle. ACAB, aber das hatte ich wohl schon erwaehnt. Alle Ausweise wurden kontrolliert, zumindest von denen die einen Ausweis dabei hatten. Wer keinen am Mann hatte wurde aber nicht an die frische Luft gesetzt, sondern aufgefordert beim naechsten mal doch bitteschoen daran zu denken. Wieder war eine halbe Stunde Lebenszeit mit unproduktivem Rumsitzen in unbequemer Stellung im Bus vergangen. 17h ging es dann end und gueltig los, aber schon jetzt war klar, dass ich es selbst versaut hatte. In ETH hatte ja noch alles hervorragend geklappt und es ging dank einer Nachtfahrt alles glatt bis Nairobi, aber soviel Glueck hatte ich in Tanzania ja nicht gehabt. Den Zambia LP buchte ich schon als verdaddelt ab und so ueberschlugen sich die Gedanken auf der Busfahrt, zu lesen hatte ich ja eh nichts mehr. Der Bus war neben der Strecke an sich ebenfalls deutlich besser als alle Busse und Strassen in Tanzania, das war aber auch dringend notwendig. Bei nochmal tausend Kilometern Schotterpiste waere ich wohl auch endgueltig durchgedreht. Die Loesung der Tourprobleme lautete zumindest vorerst im Kopf: Keine Hetzerei und somit Verzicht auf die Gratiseintrittslaender Botswana und Lesotho, deren letzte Spieltage auf Freitag/Samstag (wurde spaeter noch auf Dienstag/Mittwoch vorgezogen) respektive Sonntag angesetzt waren. Bleibe ich eben in Zambia bis der Ball rollt, was ja spaetestens am kommenden Wochenende der Fall sein wird, wenn nicht schon unter der Woche Nachholspiele der Champions League Teilnehmer sind. Schliesslich hat das Land ja 50 Dollar Eintritt gekostet, da sollte es auch eine gewisse -Achtung Teamchefs Zauberwort- Gegenleistung fuer geben. Fuer Zimbabwe waeren danach ja immer noch 2 Wochenenden wie geplant Zeit. Ob ich nun mit 117, 118 oder 119 Laendern im Gepaeck nach dieser Tour nach Hause komme ist doch vollkommen wurscht, so Gott will steht am Lebensende ja eh eine 2 als erste Ziffer. Im Bus war es wie schon erwaehnt megavoll und ebenso eng, so macht reisen definitiv keinen Spass. Flugerfahren leitete ich alle Stunde trombosevorbeugende Massnahmen ein. Bei der Pause nach 6 Stunden meinte Ruth dann zu mir wir waeren noch nicht mal bei der Haelfte. Und das obwohl die Strassen wirklich gut befahrbar war und der Reisebus teilweise mit 100 Sachen durch die Landschaft schoss. Irgendwie versucht zu pennen, unbequem war gar kein Ausdruck, der Hals- und Nackenbereich tut mir jetzt noch beim Schreiben dieser Zeilen weh.
Tag 84, Sonntag, 16.05.2010
Nach knapp 15 Stunden war das Martyrium am Sonntag Morgen um 7h45 ueberstanden und wir fuhren am Intercity Bus Terminus in Lusaka ein. Die Gegend sah am fruehen Morgen nicht sonderlich einladend aus. Der Sambesi an sich nervte auch gleich maechtig gewaltig. Taxi, Hotel, Bus, das uebliche Palaver, das kein Mensch braucht, soweit er noch klar bei Verstand ist. Verpisst euch einfach, ihr Zigeuner und labert einen anderen Idioten voll. Ruth gab mir „just in case“ noch ihre Handynummer, aber der Fall wird wohl nicht eintreffen. Dann verbrachte ich erstmal 2 Stunden im sehr schnellen, mit 12.000 pro Stunde, aber auch nicht ganz billigen Internet. Bezueglich Fussball am heutigen Sonntag war aber nichts rauszufinden. Im Luggage Office im Busterminal konnte das nicht benoetigte Gepaeck fuer 20.000 (4 bis 24 Stunden) abgegeben werden. Auf dem Weg aus dem Busbahnhof musste viel weiteres nerviges bla bla bla gekonnt ignoriert werden. Hello Boss oder Hello my brother sind hier die Anmachschlagworte. Brueder sind wir ja schon mal gar nicht und der Boss bin ich zwar euch Maxis gegenueber, aber eigentlich ist das ja immer noch Mr. Springstein. Da die Railway Station ausgeschildert war dackelte ich mal die Strasse entlang, es waren zwar nur 100 Meter, aber im Dunkeln moechte ich da echt nicht lang gehen muessen. Uebles Gesocks und ausschliesslich Lungerer die sich da zwischen Busbahnhof und Zugbahnhof aufhalten, wie in anderen Staedten der Welt also auch. Lusaka konnte auf den ersten Blick also nicht wirklich gefallen. Viele Zuege fahren in Zambia auch nicht. Montags und Freitags gehts von der Hauptstadt aus gen Sueden, Dienstags und Samstags gen Norden. Anhand des Lonely Planet Stadtplans mal zum besten Budget Tipp der Stadt gelaufen, dem Ku-omboka Backpackers. Mit 45.000 Kwacha im 10er Dorm wohl wirklich der beste Deal der Stadt. Eine Couch klar zu machen hatte ich mangels Internet in Tanzania ja leider nicht geschafft. Zwar hatte ich am Morgen aus dem Internetcafe noch ein paar Anfragen rausgejagt, aber so kurzfristig klappt das in der Regel nicht. Das Backpackers war aber auch okay und trotz eigentlicher Check-In Zeit von 14h konnte ich schon um 12h rein, meine Sachen ablegen und kurz unter eine der 5 sauberen Duschen springen. Alle Betten waren mit Moskitonetz versehen, denke mal die gut 7 EUR sind ganz gut angelegt. Der Maxi an der Rezeption verbreitete wieder ein wenig Hoffnung, da er meinte die Super League wuerde immer Samstags, die 1st Division immer sonntags spielen. Na dann muss ich ja nur noch rausfinden wer wann wo gegen wen spielt. Telefonisch war bei der FAZ (nicht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) am Sonntag aber niemand an den Apparat zu bekommen. Doch hinfahren kostet ja nicht viel, 3.200 ZMK. Der Wachmann liess mich rein und es standen etwa 20 Autos auf dem Parkplatz. Da war wohl nur jemand zu faul den Telefonhoerer abzunehmen. Innerhalb weniger Minuten war ich mit den gewuenschten Infos zur ersten und zur zweiten Liga ausgestattet. Und diese Infos waren zu meiner vollen Zufriedenheit. Heute 2.Liga, Mittwoch 1.Liga Nachholspiel, am Wochenende ganz normal der naechste Spieltag obwohl die Nati zum CHAN-Quali Match in Suedafrika antritt. Alles richtig gemacht also, keinerlei Vorwuerfte an die Reiseleitung. Das Stadium der Lusaka Tigers waere vom Football House aus wohl fuer ca. 40.000 ZMK im Taxi zu erreichen, oder fuer 23.000 mit Bus und Taxi J.
16.05.2010, 15h00 Lusaka Tigers FC vs Profund Warriors FC Lusaka (0-0) 3-1 vor ca. 1.200 Zuschauern (300) im Matero Stadium (4.000) in Lusaka. LP 116.
Freier Eintritt, kleines Stadion mit argentinischen Tribuenen auf drei Seiten und Platz fuer ca. 4.000 kleine Maxi, oder 5.000 sehr kleine Maxis, oder 6.000 Aethiopier. Sorry, liebe Aethiopier, der war fies. Die Raenge fuellten sich ueberraschend gut, die Tore wurden wild bejubelt, die 4 Troeter durften auch nicht fehlen. Popcorn gabs fuer 500 ZMK, die Fanta fuer 3.000. Ueber 1.000 Fans in der 2.Liga, das laesst ja auf eine gute Kulisse in der Super League hoffen. Nach dem Match ging es direkt zurueck ins Zentrum, welches nicht sonderlich gefaellt, ueberall Lungerer, ein paar Bettler, staendig labert einen einer an. Obs im Dunkeln ratsam ist durch die Innenstadt zu laufen darf bezweifelt werden. Im Chicken Inn noch fix ein Menue (26.000 ZMK) verdrueckt und im Tankstellensupermarkt das Abendessen in Form von Weissbrot und Scheibenkaese eingekauft. Vor Einbruch der Dunkelheit wieder im Hostel gewesen, schliesslich gibt es da Internet und sogar eine schnelle Verbindung, wie wohl in ganz Zambia, nicht schlecht. Eine der Kuechenuschis gefragt „how much is 1 hour“ und das Internet gemeint, 3.000 ZMK als Antwort erhalten und angenommen, dass auch sie das Internet meint. So dachte ich mir noch wie guenstig das ist, als nach 4 Stunden die Rechnung ueber 48.000 ZMK praesentiert wurde und die Kuechenuschi nix mehr von einem Gespraech mit mir wissen wollte. Orrr, diese Maxi versuchen einen zu bescheissen wo sie nur koennen. Mehr als 12.000 ZMK gibt es nicht, das klaere ich dann mit dem Chef morgen frueh. Noch ein paar Kaeseschnitten reingeschaufelt und dann unterm Moskitonetz abgelegt.
Wie die Internetgeschichte ausgeht und was in der 13. Woche so passiert erfahrt ihr wenn ihr online bleibt. Aber die meisten leben ja eh schon online.....
Gruss aus Lusaka und bis die Tage, H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 25.05.2010 07:57 Antworten mit Zitat
Philip-RV
 
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<style type="text/css">     <!--          @page { margin: 2cm }          P { margin-bottom: 0.21cm }     -->     </style>Roadto Johannesburg -13-
Tag85, Montag, 17.05.2010
Diedreizehnte Woche beginnt, aber ich bin ja nicht aberglaeubisch. Wennueberhaupt ist die 13 ja eher eine Glueckszahl fuer mich. Nach einemKaeseweissbrotsandwichfruehstueck, einer Rasur und einer heissen (!)Dusche ging es auf Tour um Lusaka unsicher zu machen. Die City machtaber auch ohne mein Zutun schon einen recht unsicheren Eindruck.Unter die Top 100 der schoensten Staedte der Welt wird es Lusakazumindest in meinem Ranking sicher nicht schaffen, soviel steht schonfest. Das erfreuliche am Morgen war, dass kein Internetmaxi mehr dawar und die 48.000er Rechnung somit erstmal unter den Tisch fiel.Aber ich habe ja fuer Mittwoch nochmal reserviert, da werden sie sichsicher noch an mich erinnern. Naja, abwarten. Nach kurzemInternetcheck ob sich nicht doch noch ein Couchsurfer gemeldet hat,was leider nicht der Fall war, und dem addieren weiterer teilsunbekannter Freunde im Facebook tauschte ich ein paar Sachen in denbeiden Rucksaecken aus, gab den grossen umgehend wieder fuer 40.000Kwacha fuer 2 Tage ab und ging mit dem kleinen auf dem Ruecken aufFotosafari durch Lusaka. Viele knipsbare Motive gibt es echt nicht,nicht mal eine brauchbare Skyline hat die 1,3 Mio. Stadt vorzuweisen.Mit einem mit Chelsea Stickern vollgeklebten Bus (alle Minibussehaben die Embleme oder Schriftzuege ihrer Lieblingsklubs Chelsea,Arsenal, Manchester United oder Barcelona dran) ging es dann durchdie Stadt zum Sunset Stadium (8.000), welches nicht weit vom FAZentfernt ist und wenn einen die Befragten gleich in die richtigeRichtung geschickt haetten, haette es auch nicht besonders langegedauert dorthin zu laufen. Wieder zurueck zu einem der etlichenkleinen Busbahnhoefe im Zentrum, ein guter Stadtplan waere ne feineSache, hab aber noch keinen brauchbaren entdeckt. Wieder von einemanderen Buspark (Lumumba) los mit dem Ziel Independence Stadium(25.000, wenn die neue Haupttribuene steht, die noch in diesem Jahrgebaut werden soll, worauf noch nichts hindeutet). 22 Stufen auf denverbleibenden 3 Seiten, die Jungs von den gruenen Bueffeln schrittengrad zum Training, der Mannschaftsbus stand in der Gegend rum, na dawird der Mannschaftsbusfotosammler aber schnell aktiv und drueckt aufden Ausloeser. Direkt neben dem Stadion befindet sich einFluechtlingslager, nette Gegend also. Wem geht es bloss in seinemLand so dreckig, dass er nach Zambia fluechtet ??? VermutlichKongolesen…. Wieder back to town und in einer Pizzeria eingekehrt.29.000 Kwacha fuer eine mittlere Pizza mit Getraenk, nicht gerade einBilligland, dieses Zambia. Eine Internetbude fuer 9.000 Kwacha proStunde konnte ich noch finden und deren Oeffnungszeiten von 19himmerhin auf 19h45 verlaengern. Mit Einbruch der Dunkelheit (ca. 18h)schliessen so langsam alle ihre Pforten, abgesehen von demTankstellenshop nahe meines Hostels, der bis 23h (odertwentythreehours wie hier gesagt wird) geoeffnet ist. Wachmaenner vorden Banken und anderen wichtigen Gebaeuden vermitteln zumindest einengewissen Eindruck von Sicherheit, wenigstens waehrend desAbhebevorgangs. Die erste halbe Million war naemlich schon fastaufgebraucht und es wurde nochmal eine halbe Million abgehoben, alsonur nochmal etwa 80 EUR, da ich nicht mit einer Million in der Taschemit dem Nachtzug fahren wollte. Im Tankstellenshop noch ein wenigrelaxt und um 21h dann mal die gut 500 Meter durch die dunkle Nachtund die ausgestorben wirkende Stadt zum Bahnhof gelaufen. Bisschenunheimlich war das schon, kein Mensch auf der Strasse oder die Maxiswaren aufgrund der Dunkelheit einfach nicht zu sehen. Das Zugticket(40.000 Kwacha) kann man erst ca. 2 Stunden vor Abfahrt des Zugeskaufen, also ab 22h30. Im Bahnhof gibt es aber genau nix. KeinenWarteraum, nicht mal eine Bank zum Hinsetzen. Ein Bahnmitarbeiter waraber so nett mich in sein kleines Buero einzuladen. Wir plaudertenein wenig und der Kollege machte nicht gerade Werbung fuer seinenArbeitgeber. Alles waere so schlecht, es fahren nur noch 2 Zuege proWoche und Richtung, die Strecken sind miserabel, es gibt nur nocheine Klasse (Economy) und keinen Restaurant-Waggon. Nach Livingstonewuerde die Fahrt 18 Stunden fuer die etwas mehr als 400 Kilometerdauern, wieso ich den ueberhaupt den Zug nehmen wolle. Wie bitte, 18Stunden ??? Dein Kollege meinte gestern man waere gegen 12h inLivingstone. Nee, das stimmt nicht, fruehestens waere man 18h30 daund das auch nur wenn es auf der Strecke keinerlei Probleme gibt. Achdu scheisse, na dann hat sich die Tour fuer heute wohl erstmalerledigt, da mache ich das wohl besser am Donnerstag mit dem Bus,sonst schaffe ich das Spiel am Mittwoch ja nicht. So taperte ich alsodurch die finstere Nacht zurueck zum Backpackers, wo zum Glueck auchnoch genuegend Platz war und das 10er Dorm mit 5 weiteren Reisendengeteilt wurde. Tja, so kanns gehen, bei den Murln, wie derOesterreicher zu sagen pflegt….
Tag86, Dienstag, 18.05.2010
Alshaette ich es beschrien spielte der Magen in der Nacht ein wenigverrueckt. Das waren sicher noch die Nachwirkungen der tanzanischenPommes am Wegesrand. Dabei heisst es doch immer Dreck wuerde denMagen reinigen. Fuer 45.000 Kwacha verlaengerte ich in der Bude umeine Nacht, ist halt Pech, wenn sich kein Couchsurfer meldet. Danngings zum Busterminal mein Gepaeck abholen, das muss ja nicht fuer20.000 pro Tag dort rumstehen, wenn es auch fuer null in meinemHostelzimmer stehen kann. Der Maxi gibt mir meinen Rucksack und sagtthank you. Nee nix thank you, noch 20.000 kriege ich raus, hab jagestern fuer 2 Tage bezahlt. Das wuerde nicht gehen, bezahlt istbezahlt, Vertrag ist Vertrag. So ging es wieder durch saemtlicheInstanzen, aber die Scheiss-Maxis wollten die 3 EUR partout nichtwieder rausruecken. Ein asoziales Volk. Nach einiger Diskussion ohnezufriedenstellendes Resultat landeten wir im Buero vomTerminal-Manager, der aber gar nicht da war und wo mir die beidengleichen Drecksschlampen den gleichen Mist nochmal erzaehlten, als obich zu bloed waere um es beim ersten Mal zu kapieren. Als ich dieSchnauze wieder mal gehoerig voll hatte riss ich der Drexxschlampeden Beleg aus der Hand, warf ein f***ing b*st*rds in den Raum undknallte die Tuer so wuchtig zu wie es moeglich war. Wo wir daraufhinlandeten koennt ihr euch sicher denken und ich dachte nur “nichtschon wieder”, als der Bulle was von “this is an offence”faselte. Es waren doch erst 3 Laender vergangen seit dem letztenKnast-LP, da fehlen doch noch 110 bis der naechste eingeplant ist.“Orrr Linke, was bist du bloss fuer ein Vollidiot” werdet ihreuch jetzt denken, aber irgendwann bringt der letzte Tropfen das Fasseben mal zum ueberlaufen und da verliert man dann die Beherrschung.Ich sollte mir jedoch angewoehnen in englischsprachigen Laendernimmer in einer anderen Sprache (spanisch oder italienisch oder gardeutsch) zu fluchen. In der winzigen Bullenstation im Busbahnhof waraber schnell klar wie der Hase laeuft und das es nur um ein wenigKohle fuer das Bullenschwein geht, auch wenn der zur Show mal kurzdie Zellentuer aufgesperrt hat. So plauderten wir kurz ueberBallack’s Verletzung und die Wasserfaelle, ehe ich dengeringstmoeglichen Betrag, der keiner Beleidigung gleichkam (20.000Kwacha) anbot. Der Kollege von Clancy Wiggum sprang sofort drauf anund wir waren handelseinig. Statt +20.000 im Geldbeutel waren also-20.000 aus dem Geldbeutel raus. Wieder 40.000 Kwacha, die mirfehlen. Dabei haetten die 20.000 genau gereicht um die Waesche imHostel abzugeben und waschen zu lassen. Nun, dies war trotzdemdringend notwendig. Das einzige deutschsprachige Buch war “DieTherapie” von Sebastian Fitzek. Es wird normalerweise getauscht,aber da ich nix mehr zum tauschen hatte konnte ich mir denPsychothriller auch ausleihen. Hoffentlich vergesse ich nicht ihnzurueckzugeben .Dann gings wieder auf Stadionbesichtigungstour. Zuerst zum WoodlandsStadium (7.000) im gleichnamigen Stadtteil. Sehr schicker reinerFussballground mit 7 Stufen auf allen Seiten und kleiner ueberdachterTribuene. Als naechstes war das Edwin Imboela Stadium (4.000) an derReihe. Hier sind nur die beiden Laengsseiten mit 6 Reihen bebaut. DerMaxi, der mir die Fotoerlaubnis erteilte wurde dann gleich mal nachweiteren Stadien interview und wusste auch noch zwei. Das QueensmeadStadium (1.500) taugt aber nicht viel, schlechter als die Cancha vonPuerto Nuevo (ARG). Das Leckerli hob ich mir bis zum Schluss auf.Weit ausserhalb in einem Stadtteil, der mit Ch. beginnt (nicht sofortaufgeschrieben, daher schon wieder vergessen) liegt das NkolomaStadium (10.000) von Air Force Verein Red Arrows. Reine Fussballarenafuer etwa 10.000 Maxis. Auch hier musste ich mir erst wieder eineFotoerlaubnis abholen. Aber nachdem ich erwaehnte, dass ich direktvon der FAZ komme wurde diese auch fix genehmigt. Was glauben dieseArmee Idioten eigentlich immer wer und wie wichtig sie sind ??? Esist doch nur ein Fussballstadion. Die Internetzeiten wurden nochmalbis 19h45 ausgedehnt, laenger ging leider nicht, da der Maxi seinenBus ja nicht verpassen wollte. Im Hostelretsuarant gab e seine grossePortion Spaghetti fuer 25.000 Kwacha, dann wurde zur Nachtruhegebeten.
Tag87, Mittwoch, 19.05.2010
Gegen8h aufgewacht. Meine draussen haengende Waesche war inzwischen auchgetrocknet. Waehrend ich mich rasierte lud sich in der anderenSteckdose der Handyakku auf. Dieser gibt auch so langsam seinen Geistauf und haelt nur noch 3-4 Tage, ohne das ich telefonieren odersimsen wuerde. Egal, das Mikro ist ja eh kaputt und in Suedafrikamuss fuer die WM sowieso ein neues Mobiltelefon mit Prepaidkarte her.Gegen 10h zog ich mal mit einer Kopie des Lonely Planet Stadtplans inder Hand los mit dem Ziel “Public Swimming Pool”. In gemuetlichemGang brauchte ich etwa eine Stunde bis zu dem Schwimmbad mitolympischen Massen. 8.000 Kwacha Eintritt, ein Riesenpool ganz fuermich alleine. Auf meine Frage warum den sonst niemand hier seiantwortete der Bademeistermaxi weil es zu kalt ist. Ja stimmt, sindja nur knapp 30 Grad Celsius .Der Pool war zwar nicht der sauberste in dem ich jemals geschwommenbin, aber um ein paar Runden zu drehen war das schon noch akzeptabel.Noch ein wenig in der Sonne gebadet und dann auf den Weg zum SunsetStadium gemacht, wo ich viel zu frueh zwei Stunden vor Kickoffeintraf. Es war noch nicht viel los, aber “fifteenhours” wurdeals Anspielzeit bestaetigt. Nebenan mal was einheimisches probiert,viel Auswahl gab es naemlich nicht. Schima und Chicken war da einzigeGericht, das fuer 20.000 Kwacha erhaeltlich war, sowas aehnliches wieMatoke in Kenya. Ein hollaendischer Coach gesellte sich an meinenTisch und wir schnackten ein wenig ueber das Wesentliche. DieseHollaender sind echt okay, wenn man sie nicht gerade als Gegner imFussballstadion hat.
19.05.2010,15h00 Zanaco FC Lusaka vs Zesco United FC Ndola (0-1) 2-2 vor ca.3.000 Zuschauern (400) im Sunset Stadium (8.000) in Lusaka.
Einrecht gutes Spiel in dem es hin und her ging wurde den etwa 3.000Besuchern am Mittwoch Nachmittag geboten. Fans beider Teams warenvorhanden, aber durchaus bunt gemischt ohne dass es zu Anfeindungengekommen waere. Auf beiden Seiten wurde versucht so etwas wieStimmung zu machen, ein wenig singsang, ein bisschen troeten, wie dieAfrikaner eben so sind. Vom Gesamteindruck her aber gar nicht malschlecht, bei den Toren erklommen ein paar Verrueckte sogar imArgentina-Stil kurzzeitig die Zaeune. Die Zuschauerzahl ist fuereinen Wochentag um 15h wohl auch ganz in Ordnung, auch wenn ichinsgeheim auf noch ein paar mehr Zuseher gehofft hatte. Im Internetgabs nicht viel neues, ausser dass der Maxi natuerlich noch wusste,dass ich beim letzten Mal “you have not paid me”. Aber mehr kamdann zu dem Thema auch nicht. Na dann passt es wohl. Weil es gesterngut war gab es heute gleich nochmal Pasta zum Abendessen.
Tag88, Donnerstag, 20.05.2010
Um8h30 war es wieder vorbei mit dem Schlaf, in Afrika gehen die Uhrenein wenig anders, in Deutschland wuerde es mir ja im Traum nichteinfallen an einem Wochentag so frueh aufzustehen. Die beiden Maxisauf dem Schlafsaal hatten sich schon auf den Weg gemacht, meineSachen waren trotzdem noch vollstaendig vorhanden. Die Shorts mitallen wichtigen Dingen wie Reisepass, Geldboerse, Handy und Kameraschlaeft ja eh mit mir unter der Decke. Da hatte ich gestern beimAufwachen einen kleinen Schock, als die kurze Hose auf der Seite zurWand aus dem Bett in das Moskitonetz gerutscht war. Kurzgefruehstueckt und geduscht, dann ging es 9h30 aus dem Haus, ohnenochmal an der Rezeption vorbeizuschauen. Da waren naemlich noch45.000 Kwacha fuer die letzte Uebernachtung offen. Die wollte ichzwar wie ueblich am Morgen im voraus bezahlen, aber auf meine 50.000hatte der Maxi keine 5.000 Wechselgeld. Aber vielleicht ist es auchgar keinem aufgefallen, dass da noch was offen ist, da derRezeptionsmaxi mich ja schon in den Buechern als “paid”eingetragen hatte und das sicher vergessen hat nochmal zukorrigieren. So hatte ich die Hostelbude also insgesamt um 93.000Kwacha (15 EUR) betrogen, aber irgendwie trotzdem kein schlechtesGewissen. Immerhin war ich ja auch noch so fair und gab das nach 2Tagen ausgelesene Buch (nicht so super spannend, aber nur gut 300Seiten bei recht grosser Schrift) noch am Abend zurueck. 10h15 sollteder Bus nach Ndola (325 Km noerdlich in der Kupferguertelregion)starten, 60.000 Kwacha. 3 ½ Stunden wuerde er brauchen und nur 2x inKabwe und Kapiri halten. War mir schon klar, dass ich wieder vonvorne bis hinten belogen wurde. Bevor es los ging wuselten nochDutzende von Verkaeufern durch den Bus, wie in ARG in denRegionalzuegen, boten allen moeglichen Mist an und durften uebermeinen im Mittelgang plazierten Rucksack steigen, der leider nicht indie Ablagefaecher passt, aber schon ganz gerne in meiner Naehebleiben moechte. Socken, Parfuem, Gesellschaftsspiele, Baelle, Kekse,Getraenke, Prepaidkarten, Taschenlampen, Sonnenbrillen, Peruecken,DVD’s, die Kinderbibel, Guertel, CD’s mit zambischer Musik,Damenschuhe, Buecher, Schmuck, Rasiersets, Armbanduhren, die gesamtePalette wurde feilgeboten. Schon Wahnsinn was in Zambia so alles vomLaster faellt. Viertel nach 11 stellte sich dann heraus, dass der Buskaputt sei und wir auf einen anderen Bus umsteigen muessten, dergleich kommen wuerde. Zwar hatte ich heute keine Termine, aber nervigist diese ewige Warterei schon. Als der neue Bus dann da war mussteerstmal das komplette Gepaeck umgeladen warden, vor 12h wuerde essicher nicht losgehen sagte ich zu meiner Nachbarin, aber da irrteich mich. 11h47 waren wir “on the road”, logisch, erst zurTankstelle. Ein Prediger hatte es zu allem Uebel auch in den Busgeschafft. Na der hatte mir gerade noch gefehlt. 100x Gaaad andJesaaas durften wir uns anhoeren und worum ging es letztendlich ???Na klar, eine kleine Spende wollte er haben. Von mir sicher nicht,sieh bloss zu, dass du Land gewinnst. Aber nach sovielen Gebeten wardie Fahrt ja nun sicher ohne Ende. Fast 6 Stunden dauerte sietrotzdem, bis 17h30. Zu Ndola (aehnlich viele Einwohner wie dieschoenste Stadt der Welt nach Pattensen) steht genau eine halbe Seiteim Reisefuehrer, was wohl nicht auf eine allzu spannende Stadthindeutet. Auf der Suche nach einer Bleibe stolperte ich ins YMCA, woes aber gar keine Zimmer gab. Doch der Maxi dort war recht hilfreichund begleitete mich auf der Suche nach einer guenstigen Unterkunft.Die Gasthaeuser 1 und 2 waren mit 187.000 und 200.000 Kwacha aberweit ausserhalb meines Limits. So fuhren wir mit dem Bus in denStadtteil Chifubu. Im Chachitika Hotel liess sich der Preis immerhinvon 100.000 auf 80.000 druecken, immer noch teuer, aber mehr (bzw.weniger) ging halt nicht. Nachdem er mich schon einige Kilometerdurch die City begleitet hatte kam Phil auch noch bei der Suche nacheinem Internetcafe mit. Aber es war schon alles dicht, tomorrow. ImHotel gab es noch Chicken mit Pommes (nicht besonders gut) fuer20.000 aufs Zimmer gebracht und auf Wunsch hin wurde das zentralgesteuerte TV-Programm auf den Filmkanal eingestellt. “From dusktill dawn” ist ja aber mehr schlecht als alles andere, auch wenn esein paar Titten zu sehen gibt. Die von Selma Hayek natuerlich nicht,schade….
Tag89, Freitag, 21.05.2010
6h45klopfte das Hotelmaedchen an die Zimmertuer und brachte heissesWasser, da die Dusche nicht gehen wuerde, wie mir gestern versprochenwurde. Hallo, 6h45, gehts noch, da schlafen normale Nicht-Maxis noch.7h50 wurde dann das Fruehstueck gebracht, naja Fruehstueck istuebertrieben: 2 Scheiben Weissbrot mit Butter und eine Tasse Tee.Darauf kann ich auch verzichten, aber eine Dusche waere schon schoen.So musste nochmal ueber den Preis fuer die kommenden Naechteverhandelt werden, den fuer eine Bude ohne Dusche zahle ich ja keine13 EUR, jedenfalls nicht in Afrika. Die Klospuelung funktioniert ohneWasser natuerlich auch nicht, aber das waere wohl ein Problem,welches das ganze Stadtviertel betraefe. Mir wurde ein anderes Zimmerohne TV angeboten, welches normalerweise 80.000 kostet. Auf 70.000ging die Managerin runter, 60.000 war mein Hoechstgebot. No deal undich zog aus und fuhr mit dem Bus ins Zentrum, da wuerde sich schonwas guenstiges finden. Am Busbahnhof raus und mal der Nase nachlosgelaufen. Keine 500 Meter weiter hoerte ich ein “hey Markus”hinter mir. Es war der Maxi von gestern, Phil, der nach mir rief.Zufaelle gibts im Leben. Phil hatte auch direkt einen Kumpel dabei,bei dem ich fuer die in meinem jugendlichen Leichtsinn gebotenen60.000 (waere sicher auch fuer die Haelfe gegangen) pro Nacht pennenkoennte. Also gings zu dritt zu Higgins (30) seinem Haus im StadtteilItawa. Nicht Schlecht die Behausung, ich bekam mein eigenes Zimmerund fliessendes Wasser gab es auch, sogar im Ueberfluss, da sich derWasserhahn nicht abdrehen liess. Hier wird Wasser verschwendet,anderswo ist keines vorhanden. Tja, was bin ich doch fuer einvertrauensseeliger Mensch, einfach so bei einem wildfremden Maxi insHaus einzuziehen. Aber Couchsurfen ist ja letztendlich genauso, auchwenn man sich da vorher noch das Profil des Betreffenden im Internetanschauen kann. Naja, ein wenig Menschenkenntnis hat man ja und dassmich Higgins oder seine bei ihm lebende Mum nicht ausrauben oderumbringen wuerden, darueber war ich mir schon relativ sicher. Als ichmeine Sachen abgestellt hatte zogen wir zu dritt auch schon wiederueber Feld- und Schleichwege, teilweise ueber die Bahnschienen los inRichtung Innenstadt. Im ersten Internetcafe ging gar nichts, daszweite fuer 6.000 Kwacha pro Stunde war geschlossen, Nummer 3 langsamund teuer (12.000/Std.). Higgins, der zwischenzeitlich einen Kumpeltraf verpasste ich nach der Internetstunde. Naja, nicht so schlimm,komme ja auch alleine halbwegs klar. So fragte ich mich mal zum weitentfernten neuen Ndola National Stadium (43.000 bei geplanterFertigstellung im August 2011) durch. Am Stadtrand an derBundesstrasse gen Kitwe sind die kleinen Chinesen wieder fleissig amwerkeln. Kann eigentlich sonst noch jemand Stadien bauen oderschaffen das nur noch die Chinesen ??? Um bis zum Termin August 2011fertig zu sein muessen sie sich aber schwer ranhalten, ich wuerde auffruehestens 2013 tippen. In Lusaka und in Livingstone seien ebenfallsneue Stadien geplant erfuhr ich noch. Will da etwa jemand den AfrikaCup, der ab 2013 (Libya) in allen ungeraden Jahren stattfinden wird,ausrichten ??? Na ich haette nix dagegen, schon ganz okay in Zambia,2021 vielleicht. Eine kleine China-Maus stand am Strassenrand undwurde freilich sogleich angequatscht, aber ich blitzte schneller abals es mir lieb war. Um die Schmach schoenzureden: Ich haette ja ehkeine Zeit gehabt, es wartete ja noch das “Dola Hill Stadium” aufmeine Besichtigungstour. Dieses liegt nochmal zwei Kilometer weiterstadtauswaerts. Ein Fantast, der die Kapazitaet auf 23.000 angesetzthat, maximal 5.000 passen ins Home der Forest Rangers. Hier erfuhrich dann auch, dass das morgige Spiel Zesco vs Nkana eben nicht hiersondern im Trade Fair Ground auf der anderen Seite der Stadtstattfinden wird. Die FAZ Seite wird seit ein paar Tagen nicht mehrgepflegt und bei Supersport hat man das Design geaendert und denwoechentlichen Matchkalender scheinbar rausgenommen, finde ichjedenfalls nicht wieder. Fuer eine weitere Groundbesichtigung beiguten Lichtverhaeltnissen war es aber schon etwas zu spaet und ichwar auch reichlich kaputt von der Rumlatscherei. Per Bus gings insZentrum zurueck, wo ich im Shoprite Supermarkt einkaufte und dann miteinmal nachfragen auch den Weg zu meinem neuen Heim noch im Hellenfand. Bei Dunkelheit bricht man sich auf dem Holperweg auch dieBeine. Die gekauften Nudeln wurden mir von Higgins Mum zuhausezubereitet. Dann zog ich mit Higgins nochmal los, schliesslich war jaFreitag Abend. Im Biergarten gab es das mit nur 4% nicht ganz so guteMosi Lager aus der 375ml Flasche (6.000 Kwacha) und es dauerte auchnicht lange bis wir an unserem Tisch weibliche Gesellschaft hatten.Clarise und Miriam texteten uns voll, wobei zweitere eher wenigerredete und etwas schuechtern war. Eine Miri hatte ich schon, Clarisewar etwas dick, schrieb mir aber trotzdem noch ihre Telefonnummer aufeinen 50 Kwacha Schein (wieder 0,7 Cent in den Wind geschossen). Wirzogen weiter in einen “Nite Club”. Auch hier waren einige Maedelsan dem Musungu interessiert. Patricia tanzte mich eine zeitlang an,war aber auch schnell wieder weg, als sie ihr Bier ausgetrunken hatteund ich ihr deutlich zu verstehen gab, dass es von meinem Geld keinneues fuer sie gibt. Tja, so sind die Damen wohl in aller Welt. Einerder Kumpels von Phil erzaehlte mir noch etwas von seiner Ehefrau, dievon den Faroe Islands kommt. Na das ist ja mal eine selteneKombination. Leider war die Schoenheit (haessliche Maedchen gibt esauf den Schafsinseln ja nicht) nicht im Night Club dabei. GegenMitternacht gings per Taxi (20.000 Kw.) nach Hause und in die Falle.
Tag90, Samstag, 22.05.2010
Erstmalsfindet das UEFA Champions League Finale an einem Samstag statt undwer ist nicht dabei ??? Ja, es hat mich angekotzt ein CL-Endspiel mitdeutscher Beteiligung zu verpassen, wie zuletzt 1997 als ich fuersdeutsche Vaterland im Einsatz war als die Dortmunder Borussia eineralten italienischen Dame zeigte wie man in Deutschland Fussballspielt. Die Einmaligkeit dieser Reise verbunden mit einer FIFAWeltmeisterschaft in Afrika rechtfertigt aber hoffentlich meineAbwesenheit in Madrid. Was mich allerdings auch angekotzt hat zuverpassen, und was wohl im Leben genauso einmalig sein wird wie eineFussball WM auf dem afrikanischen Kontinent ist das Erreichen desIIHF-World Cup Halbfinals der DEB-Auswahl beim Eishockey Turnier imeigenen Land. Auch schon das Eroeffnungsspiel auf Schalke vor fast80.000 Zuschauern nicht sehen zu koennen war bitter, aber wie so oftzitiert: man kann halt nicht alles haben im Leben. Der neunzigsteReisetag ging gemuetlich an, zur Dusche wurde mir sogar das Wasservon Higgins Mum angeheizt, na das ist doch mal ein Service und machtdie Eimerdusche gleich viel angenehmer. Zum Fruehstueck gabs Tee undeine Art Hamburger. Gegen 13h starteten wir inkl. Phil in RichtungFussball, es wurde eine einstuendige Wanderung durch dieMittagshitze. Ndola ist doch um einige Grad waermer als Lusaka. Kurznach 14h kamen wir endlich am Trade Fair Ground an. Auch keine dolleBude mit 4 kleinen ueberdachten Tribuenen in einer Kurve, einigenStufen und einer Art VIP-Bereich auf der Hauptseite, der aber rechtflach ist so dass man um etwas vom Spielgeschehen mitzubekommen docheher stehen muss. VIP Tickets kosteten uebrigens 20.000 Kw., aberSpeis und Trank ist nicht wie in Deutschland inkludiert. Ich fuehltemich nicht so richtig gut, das Ei auf meinem Fruehstueckshamburgerwar wohl nicht die richtige Wahl. Zum Glueck gab es im VIP Sektorzwei richtige Toiletten und sogar Toilettenpapier dazu. Wenn dann dieSpuelung nicht funktioniert ist das ja nicht meine Schuld.
22.05.2010,15h00 Zesco United FC Ndola vs Nkana FC Kitwe (0-0) 0-0 vor ca. 4.500Zuschauern (500) im Trade Fair Ground (5.000) in Ndola.
DerChampion von 2007 und 2008 traf auf den Altmeister und mit 11 Titelnsambischen Rekordhalter. Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad wardas Spiel zwar nicht mal schlecht, nur das Tor wollte einfach nichtfallen. Das Salz in der Suppe fehlte somit. Die aus Kitwe (60 Km) mitmehreren Bussen angereisten Fans der Red Devils versuchten Stimmungzu machen, afrikanischer Troetensupport wurde daraus. Irgendwas warwohl am Essen faul, der Magen rebellierte. Somit musste ich auf dieLiveuebertragung des CL-Finales in einem Pub leider verzichten, ichbrauchte ein vernuenftiges Klo in der Naehe. Auf Sky News gab esimmerhin alle paar Minuten ein Update der Geschehnisse aus demEstadio Santiago Bernabeu. Nachdem das 1-0 fuer Inter vermeldet wurdeschaltete ich jedoch auf einen Kriegsfilm mit “Joey Tribiani” aus“Friends” in der Hauptrolle um. Auch nicht viel besser, aber beimverlorenen Endspiel habe ich wohl auch nicht viel verpasst. Diebeiden Tore von Diego Milito (Hijo de Puta) gabs danach noch in derZusammenfassung. Sind die Bayern wohl erst in 2 Jahren wieder dran,Spanien scheint kein gutes Pflaster fuer sie zu sein….
Tag91, Sonntag, 23.05.2010
Der23.Mai. Da war doch was ??? Auch die nicht H96-Fans werden wohlschnell drauf gekommen sein. An diesem Tag vor 18 Jahren holte einkleiner Zweit- und aktueller Bundesligist den DFB Vereinspokal. Undvor 56 Jahren mit einem noch sensationelleren 5-1 Kantersieg ueberden haushohen Favoriten aus der Pfalz die zweite (und bisher letzte,aber naechstes Jahr greifen wir wieder an) deutsche Meisterschaft.9h30 stand ich an diesem historischen Datum auf. So richtig auf demDamm war ich noch nicht wieder, aber es ging aufwaerts. ZumFruehstueck gab es Reis, dann wurde ein wenig ferngeschaut. DieProgrammvielfalt ist aber nicht besonders gross, wenn die 240.000 Kw.fuer DSTV nicht rechtzeitig bezahlt werden. Die NachrichtensenderPress TV (ein iranischer Sender auf englisch), France 24 (ebenfallsenglisch) und Sky News kann man ja nicht laenger als eine halbeStunde am Stueck anschauen, es wiederholt sich ja staendig alles. Eswurde mal wieder sinnlos Zeit vergeudet, statt rechtzeitig zum 70Kilometer entfernten Spielort aufzubrechen. Higgins musste jaangeblich auch nach Mufulira. Er ist im Steinbusiness taetig undfaehrt dann ab und zu zu Ausgrabungen in die DR Kongo. Lubumbashi,die Stadt aus der Afrikas aktueller Champions League Sieger TPMazembe kommt, ist ja nur etwa 200 Kilometer weit weg und beideLaender brauchen untereinander keine Visa. Die Abfahrt verzoegertesich aber und um 13h war es mir zu bunt und ich entschied den Bus zunehmen. 13h20 am Busbahnhof hatte ich Glueck, dass nach mir nur noch2-3 Passagiere fehlten und es fix auf die von Schlagloechernuebersaehte Strasse ging. Nach ca. 96 Minuten und einer guten PortionNerven waren wir am Ziel. Raus aus dem Bus (17.000 Kw.), rein insTaxi (10.000 Kw.), ab zum Stadion.
23.05.2010,15h00 Mufulira Wanderers FC vs Mufulira Blackpool FC (0-2) 0-3 vorca. 3.600 Zuschauern (600) im Shinde Stadium (8.000) in Mufulira.
D-Dayin Mufulira. Als ich die alte verfallene Bude betrat war die Kistezum Stadtduell schon ordentlich gefuellt und der Ball rollte leiderauch schon. Da ich aber noch handgestoppte 47 Minuten sah kann essich nur um ein paar Sekunden gehandelt haben. Kein Weltuntergangalso. Mit 9 Meisterschaften und ebenso vielen Pokalsiegen haben dieWanderers einiges auf dem Briefbogen vorzuweisen und sind nach dengestern gesehenen Jungs vom Nkana FC der zweiterfolgreichste Vereindes Landes. In den guten alten Zeiten drang man sogar mal bis insHalbfinale des CAF Landesmeisterwettbewerbs vor, 1977. Das muessennoch abenteuerliche Reisen gewesen sein. 2003 gings dann insUnterhaus. Zum heutigen Clasico waren aber viele Fans ins ShindeStadium gepilgert, viele gar noch nach mir. Die ueberdachteHaupttribuene war so gut gefuellt, dass ich mir einen Sitzplatz aufder obersten der vier Stufen in der Kurve suchte, zumal ich auch inder Hektik den falschen Eingang gewaehlt hatte. Auf der Gegengeradebefindet sich eine weitere kleiner Tribuene mit einem Dach.Flutlichter und eine Anzeigetafel sind zwar auch noch vorhanden habenaber wohl schon vor einigen Jahren ihren Geist aufgegeben. Diegruengelben Gaeste dominierten die erste Haelfte. Scheint wohl dasBlackpool Wochenende zu sein, nachdem der englische Namensvettergestern die Rueckkehr ins englische Oberhaus geschafft hat. Der MWFCagierte auch im zweiten Abschnitt ungluecklich und ein Eigentor nacheinem Einwurf fuehrte zur ersten Abwanderungswelle in der 65. Minute.Die Milchtueten mit denen hier so ziemlich jeder in der Hand rumlaeufsind uebrigens nicht mit Milch, sondern mit einem bierartigen Gebraeugefuellt, alles andere haette mich auch gewundert, aber es ist schoneigenartig Bier aus einem 1 Liter Tetrapack zu schluerfen. Da dieBruehe, die Shake Shake (soll man wohl vorm Genuss gut schuetteln)heisst, auch noch recht billig ist (2.500-3.000 Kw.) torkelnentsprechend viele Betrunkene durch die Stadionlandschaft. Dereinzige Weisse im Stadion wurde wie so oft in Afrika mal wieder wieein Ausserirdischer angestarrt, aber man gewoehnt sich dran der Starzu sein. Das wird in Deutschland sicher wieder schlimm, wenn einenniemand beachtet. Higgins, der mich im Stadion nochmal treffen wolltetauchte natuerlich nirgendwo auf, wahrscheinlich war er gar nichtnach Mufulira gekommen. Naja, auch wurscht, den Weg zur Busstationfand ich ja auch alleine. Busse nach Kitwe fahren alle paar Minuten,wenn sie voll sind. Kurz vorm Ziel mussten alle nochmal umsteigen, dader Bus kaputt war, aber es ging ueberraschend fix bis uns einErsatzbus einsammelte. Gegen 19h in Kitwe angekommen, es war schondunkel und ich ueberlegte wie es weiter geht. Option 1 war derDirektbus um 20h nach Livingstone ueber Nacht, Option 2 eineUebernachtung in der YMCA Herberge, der einzigen und wohl auch derpreislich besten Adresse, die im Lonely Planet angegeben war. Ichwaehlte Nummer 2 und liess mir den Weg (immer geradeaus, aber weitund gefaehrlich) durch die 700.000 Einwohner Stadt beschreiben. Kurzvor der Juhe nochmal nachgefragt und Faith (29) begleitete mich dannauch gleich dorthin. Einzelzimmer mit einem TV Sender (wiederzentrale Verwaltung) und Bad und WC auf dem Gang fuer 85.000 Kw.Puuuh, die (bisher) teuerste Nacht in Zambia. Als Ausgleich fuer ihreMuehe begleitete ich Faith dann zurueck bis zur Tankstelle, wo ichnoch ein Wasser kaufte und im Wimpy einkehrte. Steak mit Pommes undO-Saft fuer 45.000 Kw. Der Wimpy war dann auch als Treffpunkt mitdeer jungen Dame fuer Montag auserkoren, da kann sie mir ja gleichnoch die beiden Stadien und die Stadt zeigen, wenn sie eh nichtsbesseres zu tun hat. Ein schlechter Vietnam Kriegsfilm mit Mel Gibsonbeendete den Abend und somit auch die Woche. Der WM-Countdown hatbegonnen. Nur noch 18 Tage….
Grussund bis in eben diesen 18 Tagen, H96-Linke
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BeitragVerfasst am: 09.06.2010 09:37 Antworten mit Zitat
Sinola
 
Anmeldungsdatum04.12.2006
Beiträge357
WohnortTrier


Road to Johannesburg -14-
Hallo liebe Knastschwestern und Knastbrueder!
Es gab eine Beschwerde, das ist weder nett noch angebracht. Und wenn diese Beschwerde dann auch noch von jemandem kommt, der seine Touren immer einzig und allein auf den Fussball beschraenkt, so kurz wie moeglich in einem Land bleibt und in seinem Leben ausschliesslich fussballerische Hoehepunkt sieht oder sich diese als solche schoenredet und niemals alleine unterwegs ist, sondern immer einen Tino, einen Ralfi, einen Wolfram oder wenn gar kein anderer mehr verfuegbar ist einen Carsten braucht um auf Reisen zu gehen, dann kann ich diese hektische und wie immer KOMPLETT GROSS geschriebene Email mit dem Konsens “ausser Sudan und Uganda war Deine Tour ja ganz schoen gaehn” ja nicht wirklich ernst nehmen. Was erlauben diese Schulz ??? Ein Groundhopper ist nicht ein Idiot. Zum Ausschluss aus meinem elitaeren Email-Verteilerzirkel fuehrt diese Art von Kritik, die ja an Majestaetsbeleidigung grenzt dennoch. Selbstverstaendlich erst nach Teil 14, den seit 2006 hat bei mir jeder seine Chance auf eine Gegendarstellung. Dein Bruder, lieber Dirki, wuerde meine Reise uebrigens so kommentieren: “Weltklasse, Note 1”. Die meisten anderen meiner werten Leserschaft im uebrigen auch. Danke fuer die Blumen an diejenigen, die meine Reiseberichte zu schaetzen wissen. Drittklassige Kommentare sind hingegen unerwuenscht. Soviel zur Vorgeschichte, weiter mit dem Wesentlichen, Teil 14 bitteschoen:
Tag 92, Montag, 24.05.2010
Das WM-Fieber steigt so langsam, nur noch 17 Tage. Bezueglich eines Hotels oder eines Mietwagens habe ich zwar noch nichts von meinen vier FCB-Mitreisenden gehoert, aber nachdem das Triple leider knapp verpasst wurde duerften sie ja nun endlich Zeit haben sich um die wichtigen Dinge im Leben zu kuemmern und die WM Planung so langsam in Gang zu bringen. Ich Held habe natuerlich auch noch keinen Rueckflug (Landweg wuerde doch ein wenig zu stressing werden) gebucht. Vor 2/3 Wochen hatte ich mal einen guten Preis (441 EUR) mit der angeblich zur Zeit weltbesten Airline Etihad fuer den Mittwoch nach dem WM Finale gefunden, aber auch nicht gleich gebucht und nun ist der Toppreis natuerlich wieder weg. 9h wachte ich auf und sperrte mich beim aufs Klo gehen erstmal selber aus, da das Tuerschloss automatisch einschnappte. So stand ich also nur in Unterbuxe bekleidet auf dem Hostelflur und wartete auf den Maximokel mir die Pforte zu oeffnen. Aber keine Sorge, es ist keine der Renigungskraefte in Ohnmacht gefallen . Das so genannte Continental Breakfast ist in Afrika nicht das Wahre. 2 Scheiben Weissbrot, ein Klecks Butter und ein noch kleinerer Klecks Marmelade. Dazu gibt es O-Saft und/oder Tee. Dafuer war die Dusche top, nach ein paar Minuten Vorlauf gab es warmes Wasser. Im 8h-22h Internet Café (9.000 Kw./Std.) waren erstmal alle PCs belegt, aber ich hatte ja keine Termine. Erst fuer 13h hatte ich mich mit Faith (29) im Wimpy verabredet. 12h55 trudelte ich typisch deutsch und puenktlich ein, die junge Dame wartete schon auf mich und wollte wissen was ich denn machen wolle. Na die beiden Erstligastadien anschauen natuerlich, was denn sonst ??? Zuerst gingen wir zum falschen Platz, da die Power Dynamos wohl umgezogen sind. Per Taxi erreichten wir dann deren neuen Spielort, das Arthur Davis Stadium (10.000), das auch einen recht neuen oder generalueberholten Eindruck macht. Wichtige Maxis im Stadion mussten erst von meiner eigenen Wichtigkeit ueberzeugt werden, bis ich zum knipsen uebergehen konnte. Nette enge Kiste mit ueberdachter Tribuene. Weiter auf Stadientour gingen wir zu Fuss zum Nkana Stadium (8.000). Ueble Gegend, ueble Bruchbude, dennoch mit einem gewissen Charme und “The Home of the Red Devils” Schriftzug an der Stadionmauer, die wohl bald zusammenfaellt. Die Equipe trainierte grad und es waren gut 100 Trainingskiebitze da. Die dachten wohl ich waere der neue Coach. Per Sammeltaxi fuhren wir zum Festpreis in die Stadt zurueck, wo wir noch ein paar Erinnerungsfotos knipsten und ich auf einem Markt ein paar alte Muenzen (aktuell gibt es keine) fuer die Sammlung fuer teuer Geld erstand. Nach einem Abendessen beim Wimpy gab mir Faith noch ihre Email Adresse mit der Bitte doch einen Studienplatz fuer sie in Deutschland zu finden. Na klar, ist doch kein Problem, wir haben ja auch noch nicht genug Auslaender in unserem schoenen Land. Oder wie Kollege Bon Jovi sagen wuerde: Keep the faith. Im YMCA war ich dann noch so nett und euch einen arbeitsarmen Dienstag mit Teil 13 zu bescheren. Dann trudelte ich kurz vor Abfahrt des 20h Busses nach Livingstone an eben jenem ein und bekam ein unbefriedigendes “full” zur Antwort, als ich meine Fahrkarte fuer 130.000 kaufen wollte. Schlechtes Timing. Eine Alternative nach Lusaka mit einer anderen Gesellschaft gab es aber noch. Dort koenne ich dann in den Bus nach Livingstone umsteigen, der wuerde eh nicht durch die Nacht fahren sondern bis 6h30 ein paar Stunden in Lusaka am Intercitybusterminal stehen. 65.000 Kw. kostete es bis Lusaka, kurz nach 20h gings auf die Bundesstrasse. Mein besoffener Nachbar in der letzten Reihe (den letzten Platz erwischt) erzaehlte mir dreimal dass seine Mum am Vorabend verstorben sei. Mit einem energischen “lets try to sleep” gebat ich dem sinnfreien Gebrabbel aber schnell Einhalt. An der Tanke flossen erstmal ein paar Liter Diesel in den Tank. Wieviele genau koennt ihr ja selbst errechnen, wenn ich euch sage, dass 1,7 Mio. Kwacha den Besitzer wechselten und der Liter Diesel 6.760 Kwacha gekostet hat. Wer diese Aufgabe richtig beantwortet gewinnt leider nix, denn ein Gewinnspiel kann ich mir nicht auch noch leisten.
Tag 93, Dienstag, 25.05.2010
2h30 Ankunft in Lusaka, keine gute Zeit. Der Busbahnhof war komplett als Schlafplatz verkommen. Weit ueber 100 Personen hatten sich in dicke Decken eingewickelt ein schattiges Plaetzchen auf dem harten Boden der Realitaet gesucht. Ab Viertel nach 3 konnte ich aber in einem Bus von “Mazhandu” steigen und dort ein wenig ruhen, da ich mit eben jener Gesellschaft nach Livingstone weiterfahren wollte. Ab 5h oeffnete der Schalter und es wurden die Tickets fuer den ersten Bus um 6h30 fuer 90.000 Kw. verkauft. Neben meinem Naegelknipser hatte ich nun auch den ersten Kugelschreiber verloren und musste einen neuen von tief unten aus dem Rucksack kramen. Bis zur Pause um 9h versuchte ich so gut es ging zu pennen. 10h20 ueberholte der Bus dann den auf der freien Strecke stehenden Zug, ungefaehr bei Choma, also noch 200 Kilometer vor Livingstone. 50 Km vorm Ziel wurde dann die Strasse immer schlechter. Es wird gerade die neue Route von den kleinen Chinesen gebaut, unterdessen geht es nebenan ueber die Schotterpiste. 13h15 Ankunft in Livingstone. Zielstrebig gings zum im Lonely Planet empfohlenen “Faltry Towers”. 57.600 Kw. fuer ein Bett im 6er Dorm, aber im Innenhof gibts sogar einen Pool. Ansonsten waren im Hostel erstmal alle Preise in USD ausgeschildert, das sind die negative Aspekte einer Touristadt. Fuer Safaris etc. werden wie immer Fantasiepreise verlangt und von mir nicht bezahlt. Dann sehen mich eben keine Tiere, haben sie halt Pech gehabt. Nach einer erfrischenden Dusche gings mit dem Ziel “Stadionbesichtigung” auf die Piste. Ein Maxi im Suedafrika-Trikot wurde nach dem Weg befragt. Wer in einem Trikot rumlaeuft sollte ja ein wenig Ahnung haben. Hatte Dwane auch, er spielt selber bei den Livingstone Pirates in der 2.Liga und wusste von einem Nachholspiel vom Lokalrivalen heute um 15h zu berichten. Kurzer Blick aufs Handy, 14h47. Fix den Spielort aufschreiben lassen und das naechste Taxi (10.000 Kw.) angehalten.
25.05.2010, 15h00 Communite FC Livingstone vs Mazabuka United FC (1-1) 2-1 vor ca. 500 Zuschauern im St. Raphaels High School Ground (1.200) in Livingstone.
14h58 auf einem Sportplatz mit einer handvoll Stufen in einer Kurve eingelaufen und sogleich die Namen der Teams vom Spielberichtsbogen vom Schiedsrichter abgeschrieben. Zum Glueck brauche ich die Spielernamen nicht, das waere ja jedes mal ein Spass. Das Rasen/Sand-Verhaeltnis war in etwa fifty fifty. Ob die Tore und die Abkreidungen die FIFA Normen erfuellt haben darf auch bezweifelt werden. Egal, ab 15h10 rollte der Ball auf hiesigem Zweitliganiveau. Communite in den blau-weissen Trikots des TSV Aidhausen mit “Bayernwerk” Werbung vorne drauf. Ob das den Ausschlag fuer den knappen Sieg gab ist nicht abschliessend geklaert. Per shared Taxi (Festpreis 2.500 Kw.) gings zufrieden zurueck in die Stadt, wo nur noch ein wenig essbares eingekauft werden musste.Der Hunger war zwar gross, aber gekauft wurde noch mehr. Am Hostelpool gemuetlich gespeist. Haufenweise Amis in der Bude, auf dem Zimmer gar ein Jude. Na wenn sich das mal nicht reimt. Adam fand es auch direkt “nice to meet me”. Naja, isses ja eigentich auch, aber auf den ersten Blick weiss man das ja eigentlich noch gar nicht. Vor 70 Jahren war das auch noch anders als ein Jew auf einen German traf. Apropos: Am Morgen sollte ich zuerst ein Ticket fuer den Shalom Bus buchen, aber das ging ja mal gar nicht. Dafuer habe ich ja zuviele arabische Stempel in meinem Pass . Nur ein Gratiscomputer im Hostel ist natuerlich auch nicht der Hit, da kommt man vor lauter Amis ja nur schwer an die Reihe.
Tag 94, Mittwoch, 26.05.2010
8h war die Nacht vorbei. Dennoch begann der Tag recht ruhig. Heiss geduscht, ein paar Toasts mit Scheibenkaese gefruehstueckt und ab dafuer um 10h, naemlich mit dem Gratisshutlleservice vom Hostel zu den 11 Kilometer entfernten Victoria Wasserfaellen. Die Strecke zu Fuss oder per Leihfahrrad zu bewaeltigen wird nicht empfohlen, da es dort im ansonsten sicheren Livingstone wohl in der Vergangenheit zu ein paar Ueberfaellen auf Touristen gekommen ist. Den Gratisservice nutzen auch noch der Israeli, Nicola aus Salerno (diese Italiener mit ihren Frauenvornamen fuer Maenner….), eine rothaarige und blauaeugige DK-Maus aus Kopenhagen und ein paar weitere Traveller, von denen hier so einige rumschwirren. Am Eingang wuselten einige Affen (richtige, keine Maxis...) rum und es wurden 7.000 Kw. faellig, sofern man im Besitz eines sambischen Ausweises ist. Den hatte ich leider nicht zu Hand und der Touripreis betraegt 20 USD oder eben 100.000 Kw. Studentenermaessigung gibt es keine, zum Glueck, da ich meinen kompletten Geldbeutel im Hostel eingeschlossen hatte, damit nicht alles nass wird. Denn wie ich vorher erfuhr wird man an den Wasserfaellen “completely wet”. Die Kamera war somit gut eingepackt im wasserdichten Air Berlin Beutel und zusaetzlich mit einer Arsenal FC Plastiktuete umwickelt. Komplett nass war diesmal nicht uebertrieben. Beim Ueberschreiten der Bruecke steht/geht man mitten durch die Gischt und es ist als wenn die Dusche voll aufgedreht ist. Patschnass bis zur Unterhose. Mit meinem neuen Italo-Kumpel wanderte ich zuerst zum “Knife Edge” ueber besagte Footbridge, dann den ganzen Weg hinunter zum “Boiling Pot”. Man sollte versuchen nicht ins Wasser zu fallen, den aus dem Strudel wieder rauszukommen duerfte so gut wie unmoeglich sein. Wieder oben angekommen machte ich mich noch auf den Weg zur Grenzbruecke zu Zimbabwe. Fuer 110 US Dollar kann man aus 111 Metern Hoehe von der Bruecke mit den Victoria Falls im Hintergrund einen Bungee Jump machen, was auch von etlichen hauptsachlich amerikanischen Touristen wahrgenommen wurde. Eine Goldgrube dieses Bungee Jumping, zumal ja auch noch DVDs mit Fotos und Videos von den einzelnen Spruegen vermarktet werden. Fuer mich war das Angebot aber weder preislich noch nervlich attraktiv und ich schaute mir nur eine Weile die Spruenge der anderen an und genoss die ueberragende Aussicht. Man kann uebrigens ohne Extravisa aus Zambia aus- und spaeter, wenn man alles angeschaut hat wieder einreisen. Es gibt einen abgestempelten Zettel, der beim naechsten Grenzer dann wieder abgegeben wird. Da ich ja noch 92 Laender auf dem Zettel habe liess ich den Bungee Jump aus, wenn ich in den Zambezi River stuerze macht womoeglich noch jemand anderes vor mir die Welt komplett. Immer noch nicht ganz wieder trocken ging es mit Amalie (der DK-Maus), Adam, David (nem Aussie) und Tom, nem Englaender (West Ham Fan) zurueck zum Hostel, die Klamotten wechseln. Dann musste ich ja noch das Maramba Stadium (3.000) anschauen. Eine kleine ueberdachte HT, ansonsten ein besserer Sportplatz. Im Supermarkt das Abendbrot eingekauft, als ich zufaellig Amalie wieder traf, die mich zum Barbecue einlud. Also fix noch ein wenig Fleisch gekauft und ab zu den Grillmeistern aus England und Israel. Die machten ihre Sache wirklich gut und es waren etwa 15 Traveller am BBQ Festessen beteiligt. Bei ein paar kuehlen Mosi Bieren wurden die Reiseplaene bequatscht und auch ein zwei Fussballsachkundige waren dabei. Dem Peterborough, Leeds United und Chelsea Fan musste ich dann ein paar mal erklaeren wer 2010 Weltmeister wird, naemlich nur der DFB, bis er es verstanden hat. Zu zehnt zogen wir noch in eine Kneipe in der Holland vs Mexico (2-1, aber warum spielen die in Freiburg ???) lief und danch gings noch bis 2h in eine Art Disco in der wieder die ein oder andere Maxischlampe ein Bier ausgegeben haben wollte, was aber leider (zumindest bei mir) nicht klappte.
Tag 95, Donnerstag, 27.05.2010
Die Herberge wurde noch mal um einen Tag verlaengert. Ich musste zwar das Zimmer wechseln, aber das macht ja nichts. Neues Geld brauchte ich auch, Barclays half. 2 Millionen Kwacha waren in 12 Tagen verjubelt worden. Ergibt einen Schnitt von etwa 27 EUR pro Tag in Zambia plus 50 USD fuers Visum, plus 20 USD Victoria Falls, also insgesamt knapp ueber 30 EUR. Wie gesagt: kein absolutes Billigland, dieses Zambia. Der Tag wurde relaxt, am Pool rumgehangen, 2x reingesprungen (saukalt und entsprechend erfrischend), etwas fuer den Sonnenbrand getan, bisschen gebolzt, zwischendurch mal gegessen, alles nicht sonderlich aufregend. Am Abend sollte es nochmal zum Wasserfall gehen, schliesslich war Vollmond. Nun ja, dieser Lunar Rainbow ist mit 25 USD Eintritt (oder 122.500 Kw. + 5 USD fuer den Transport vom Hostel und zurueck) auch ein wenig ueberteuert, aber es ist schon ein ganz netter Anblick und in einer 13er Gruppe war das schon ganz witzig.
Tag SECHSUNDNEUNZIG, Freitag, 28.05.2010
8h rasselte der Handyalarm, fuer 10h hatte ich den Gratisshuttle zu den Wasserfaellen reserviert. Bevor es jedoch losging liess ich die Amalie mal noch ihre Daten in meinen Notizblock eintragen, Daenemark fehlt ja auch noch und die junge Dame hat ja in den naechsten 3 Monaten auch noch eine interessante Reise nordwaerts bis Kampala, von wo sie ausfliegt, vor sich. Das erste Mal in Afrika und dann ganz alleine so eine Tour durchzuziehen.... Respekt. Druecken wir ihr die Daumen, damit alles klappt. Nachdem der Ausreisestempel im Pass war lief ich bei wolkenverhangenem Himmel (da hatten wir gestern Abend bei klarem Himmel und Mondschein echt Glueck mit dem Wetter) ueber die grosse Eisenbahnbruecke auf der sich die Bungee Jumper schon wieder in Reih und Glied fuer ihren grossen Sprung anstellten. Scheint ein guter Adrenalinkick zu sein. Fuer mich Schisser gings aber schnurstracks weiter zur Zimbabwe Einreise. Das Visa kostet 30 USD und wird auf eine freie Passseite geklebt. Bei nur noch 5 Seiten komme ich zwar noch nach Suedafrika und Botswana, aber nach der WM wird dann wohl recht bald ein neuer Reisepass oder zwei faellig. Da nuetzt es ja wenig, wenn der Pass noch bis 24.10.2012 gueltig ist. In die Grenzstadt Vic Falls kommt man bequem immer an der Hauptstrasse entlang. Aber ich hatte Glueck und wurde von 2 israelischen Backpackern eingesammelt, die schon im von mir anvisierten Quartier, dem Shoestring Backpackers naechtigten. 11 USD (Landeswaehrung in Zimbabwe) fuers Bett im 4er Dorm. Neben den gruenen bzw. zumeist schwer verdreckten amerikanischen Geldscheinen sind hier allerdings keine Centmuenzen aus den USA sondern suedafrikanische Rand-Muenzen im Umlauf. Ein ganz schoenes Durcheinander, da der Wechselkurs ja nicht wirklich gleich ist. Im Spar Supermarkt einen Pie gegessen und eine Fanta dazu gekauft, 2,30 USD. So bekam ich auf einen 5 Dollar Schein einen 2er (sollen die in den USA nicht selten sein ??? Hier gibts davon reichlich....) und 5 Rand raus. Welches Genie diese glorreiche Idee haette gehoert auch erschossen. Entweder oder, aber nicht halb und halb. Auf lange Sicht wird das nicht funktionieren. Nach dem Supermarktstopp ging ich ein wenig spazieren und schaute mir etwas die Umgebung an. Der ueber 2.000 Jahre alte Baum mit einem riesigen Umfang ist zwar ein Tourianlaufpunkt, aber auf der etwas abseits gelegenen Strasse war dennoch kein Betrieb. Endlich liefen mir aber mal ein paar Tiere ueber den Weg, wenn auch nur ein paar scheue Antilopen. Am Zambezi River entlang wanderte ich wieder in Richtung Victoria Falls, deren Eintritt auf Zimbabwe Seite sogar 30 USD betraegt. Ich kaempfe noch gegen mich. Der viertlaengste Fluss Afrikas ist schon herrlich, reinfallen darf man aber definitiv nicht. Da waeren die Krokos, die es geben soll, von denen ich aber leider keins gesehen habe wohl noch das geringste Problem. Die Stromschnellen machen ein Entkommen unmoeglich. Ich leistete mir aber keinen Ausrutscher und beobachtete die Naturgewalten aus sicherer Entfernung. An einem weiteren Aussichtspunkt genoss ich den Ausblick ueber den Canyon. Schon recht spektakulaer und fuer Selbstmoerder wesentlich besser geeignet als beispielsweise eine Zugstrecke. Die Absperrungen sind jedenfalls nicht besonders hoch. Fuer einen Dollar pro halbe Stunde ging es mal ins Internet und danach ins Chicken Inn (7,50 USD fuers Menue). Die gute Nachricht des Tages stand dann am Nachmittag auch auf den Titelseiten der lokalen Gazetten: Brasilien kommt am Mittwoch wirklich zum Testspiel. Na das ist doch mal ein nettes Geschenk. Damit ist der weitere Reiseplan dann ja auch so gut wie fix. Nach Einbruch der Dunkelheit ging nicht mehr viel. Im Spar ein paar Buechsen (0,78 USD fuern Drittelliter Lion) gekauft und im Hostel vernichtet. Was aber eigentlich gar nicht noetig gewesen waere, da von 18h bis 20h Happy Hour war und die 375ml Flasche auch nur 1 USD kostete. Mit den 3 Jews und nem Aussie wurde also munter gebechert und gequatscht. Ein Maxi gesellte sich noch dazu und staubte ein paar Biere ab, was ich zwar hasse, was es aber wert war, da er mit der Info von einem Zweitligaspiel am morgigen Tag begeistern konnte. Vic Falls hat 4 Vereine (Sao Paulo, Discovery, Kujtana und Vic Falls United), da sind an jedem Wochenende Spiele. Na hoffen wir mal, dass das stimmt.
Tag 97, Samstag, 29.05.2010
Der DFB kickt im Ausland und ich bin nicht dabei. Naja, Ungarn kann ich verschmerzen, da hab ich UNS ja schon 2x gesehen. Im einem Land wo ich mit UNS noch nicht war haette es mich schon ein wenig gewurmt. 9h aufgestanden und gefreut, dass das Bett nicht unter der Last von Jamie zusammengekracht war. Ein ganz schoener (nicht im Sinne von huebsch) Brocken, die junge Dame aus Boston. Jede Drehung von ihr kam einem Erdbeben gleich, oder dem was ein Erdbeben sein muss, hab ja noch keins live erlebt. Die andere Zimmergenossin war Melissa, eine Aussie Mausi. Leider nicht meine Liga, da frage ich dann gar nicht erst doof nach und es war auch recht offensichtlich, dass Miss Down Under eher auf Maxischwaenze steht. Da laesst man dann besser die Finger von. Meine zweite Nacht im vorraus bezahlt, ist in Afrika ja so ueblich, und dann auch noch nen 5er fuer meine 5 Happy Hour Pivos abgedrueckt. Halb 11 mal losgetigert, mit dem Ziel Wasserfaelle. Wer weiss wann man das naechste mal in Zimbabwe ist, was erledigt ist ist erledigt. Und an der Hauptstrasse keine 10m ins Gebuesch, da standen sie nun und frassen. 4 Elefanten. Geil, kaum 10 Meter von mir entfernt rupften sie die Blaetter von den Bueschen und liessen sich von den anhaltenden Touriautos und Busen nicht beeindrucken. Na der Tag hatte doch mal gut begonnen. So machte es mir auch nicht viel aus, dass es kein Traumwetter ueber den Faellen gab, bei welchem ja bessere Bilder moeglich gewesen waeren. Nun reicht es dann aber auch mal mit den Vic Falls aus allen Richtungen, die mich insgesamt alleine 75 USD an Eintritt gekostet haben. Ob sie nun besser oder schlechter sind als die Iguazu Faelle am Dreilaendereck in Suedamerika liegt wohl im Auge des Betrachters. Spektakulaer und ein touristischer Pflichtfall sind wohl beide. Auf Zimbabwe Seite verzichtete ich auf die komplette Dusche. Im weiteren Tagesverlauf drehte ich noch eine weitere Runde um den grossen fetten Baum und chillte ein wenig am Zambezi Ufer, ehe es zur Krokodil Farm ging. Da die ein paar Kilometer ausserhalb liegt stellte ich mich einfach mal dumm an die Strasse und liess mich von einem weissen zimbabwischen Angler mitnehmen. 5 Dollar Eintritt, ich war Besucher 6 des Tages. Etliche kleine und teilweise riesige Krokos, die bis zu 100 Jahre alt werden, tummeln sich in der netten Anlage, in der sich auch ein Vogelstrauss und ein paar Loewen das Fressen ins Gehege bringen lassen. Ein Guide fuehrt einen rum. Zurueck ging es wieder per Autostopp, wenn das immer so easy waere. Um 14h war ich dann ueberpuenktlich am kleinen (4 Stufen auf der Laengseite und jeweils zur Haelfte hinter den Toren) Chinotimba Stadium (3.000).Kurz die Hausaufgaben gemacht und die Huette von allen Seiten geknipst und schon hatte ich wieder Theater. Zwei wie Penner aussehende Maxis laberten mich voll a la sie seinen von Klub und Bilder machen sei nicht erlaubt. Wieder viel blablabla und ich denke letztendlich waren die beiden bloss besoffene Spinner, die ein paar Dollar von mir abpressen wollten, aber ich liess es nicht darauf ankommen. Aus Sicherheitsgruenden brachte ich schnellen Schrittes (es waren ja nur noch 37 Minuten bis zum Anpfiff und gemuetlich war ich etwa 20 Minuten gegangen) ins Hostel zurueck. Total verschwitzt war ich dann ohne alles exakt mit dem Schiedsrichterpfiff wieder da um den Punkt im Land von Liverpools Torhueterlegende Bruce Grobbelaar einzusacken:
29.05.2010, 15h00 Discovery FC Victoria Falls vs ZPC Hwange (0-2) 0-4 vor ca. 300 Zuschauern im Chinotimba Stadium (3.000) in Victoria Falls, LP 117.
Etwa 300 Maxis verteilten sich auf den Stufen und sahen kein berauschendes, aber klar von den Gaesten dominiertes Spiel. Im Internet kamen noch ein paar WM Ticketangebote eingetrudelt und diesmal war sogar was dabei, dann gings fix zur Happy Hour, die aber heute gar keine Happy Hour war. Naja, 1,50 USD fuers Bier konnte ich auch noch verschmerzen. Ein paar Vorratsdosen waren ja auch noch da. Man wird hier noch zum Alki. Das Hostel ist eh so eine Art Partyzone. Viele Traveller, aber die wenigen Chicas, die alleine oder mit Freundin unterwegs sind fahren ja nach Afrika um sich von Negerschwaenzen begluecken zu lassen. Widerlich sowas, Finger weg von solchen Bitches.
Tag 98, Sonntag, 30.05.2010
Die Aussie Bitch Melissa kam erst um 3h nachts ins Dorm, da kann man sich ja denken wo sie vorher war. 6h musste der Brocken ueber mir zur Loewensafari (110 USD) raus. Es war also keine sonderlich schlafreiche Nacht. Kurz nach 10h brach ich dann mit Aussie Andrew auf. Erst per Taxi zum so genannten Hiking Point, da sonntags wohl keine regulaeren Busse vom Busterminal fahren. Ein Minibus nach Bulawayo stand auch direkt bereit und es fehlten nur noch genau 2 Passagiere, das war mal perfektes Timing. Ein paar Minuten spaeter und wir waeren die ersten im neuen Bus gewesen und haette wohl ne Stunde warten duerfen. Fuer 5 Dollar hatte ich sogar den besten Platz im Bus, naemlich auf dem Beifahrersitz. Die Fahrt ging zuegig voran. Die Strasse war sehr gut, es wurden keine unnoetigen Stopps eingelegt. Schon um 11h50 waren wir in Hwange, welches auf der Karte mal wieder groesser aussieht als es wirklich ist. Ein Kaff, nicht groesser als das schoene Pattensen und sonntags ist dort aehnlich viel los. Das Stadion ist aber nur 2-3 Gehminuten vom Busbahnhof entfernt und wir gingen erstmal dorthin um in erster Linie mein Gepaeck im Cluboffice abzugeben. Das ging auch problemlos, Charles vom Verein war recht kooperativ und liess uns auch schon Groundbilder schiessen. Eine grosse ueberdachte Tribuene und ein paar Stufen auf der Gegengeraden, und fuer Afrika wohl etwas ungewoehnlich eine Radrennbahn, die laut Charles auch noch benutzt wird. Noch 3 Stunden bis Kickoff und so bummelten wir ein wenig durch den Ort. Viel zu sehen gab es nicht.
30.05.2010, 15h00 Hwange Colliery FC vs Highlanders FC Bulawayo (1-0) 1-0 vor ca. 4.000 Zuschauern (500) im Colliery Stadium (6.000) in Hwange.
Der Kick begann mit einer 62 minuetigen Verspaetung. Die Highlanders waren verspaetet angereist und kamen erst um 14h50 in Hwange an. Und dann hatten sie auch noch die falschen (schwarz-weissen) Trikots im Gepaeck. Schon schlecht, wenn der Gegner in schwarz-gelb auflaufen will. So waren dem Schiri die Teams zu schwierig auseinander zu halten und das Spiel stand kurz vor einer Absage. So etwas weiss man ja auch nicht schon vorher. In Hwange Ausweichtrikots konnte der 7-fache Meister aus Bulawayo dann aber doch noch auflaufen, spielte aber kein gutes Match, welches insgesamt aber nicht schlecht war. Hwange mit einem fruehen Treffer, der euphorisch bejubelt wurde. Laut war es dann das ganze Spiel ueber. Trommeln und Vuvuzelas goennten den Hoerorganen keine Pause. Teure 5 USD hatten wir fuer eine Supermarktquittung mit der Spielpaarung Home: Hwange vs Away: Hwange bezahlt. Fuer 10 Dollar haette man sogar in der Mitte der Hauptribuene sitzen duerfen, an der Seite war aber gut genug. Andrew war auch zufrieden, nur ein wenig hibbelig, da er noch nach Vic Falls zurueckkommen wollte, was aber wohl leicht geklappt haben sollte. Ich wurde jedenfalls auf dem 6 Km Marsch durch die inzwischen hereingebrochene Nacht desoefteren von Minibusfahren angequatscht ob ich nach Vic Falls mitfahren will. Nee, muss nur bis zum Bahnhof, das Stueck kann ich auch laufen. Schweineweit war es aber bis zum Bahnhof Thompson Junction, eine Stunde bin ich ueber unbeleuchtete Strassen getapert. In voelliger Dunkelheit waren die entgegenkommenden Maxi erst sehr spaet zu sehen, wenn nicht gerade zufaellig ein Auto vorbei kam und die etwas unheimliche Szenerie kurzzeitig beleuchtete. Wenn einen da einer ueberfallen oder umgebracht haette, das haette man wohl selber nicht mitbekommen, geschweige denn ein anderer. Ging aber alles glatt und ca. 19h11 hatte ich den auch nur schwach beleuchteten Bahnhof gefunden. Da sassen schon so einige Maxis rum und warteten auf die Oeffnung des Fahrkartenschalters um 21h. Um 20 vor 10 rollte der aus Vic Falls kommende Gueter- und Passagierzug, der an 5 Wochentagen verkehrt ein. 22h30 setzte er sich von Hwange wieder in Bewegung. Der Fahrpreis war ja nach Entfernung und Klasse von 1 bis 8 USD gestaffelt. 3.Klasse nach Bulawayo kostet 4 USD, 1.Klasse das doppelte. Naja, und da wir Bundesliga sind wurden mal 8 USD ueber den Tresen geschoben. Die fuer 4 Personen ausgelegten Abteile sind schon ein wenig in die Jahre gekommen, aber noch ganz annehmbar. Ein bisschen kalt war es in der Nacht, aber die gute Malaysian Decke half ein wenig. Suedafrika, ich komme naeher.....
Gruss und bis die Tage, H96-Linke
Road to Johannesburg -15-
Hallo WM-Freundinnen und Freunde!
Das groesste Ereignis in der Fussballgeschichte 2010 rueckt mit Riesenschritten naeher und auch ich naehere mich dem Reiseziel, wenn auch mit deutlich kleineren Schritten. Weiter gehts mit der 15.Woche:
Tag 99, Montag, 31.05.2010
Gegen 9h aufgewacht, Bulawayo war noch nicht in Sicht. 10h15 hatten wir die zweitgroesste Stadt (ca. 1 Mio. Ew.) des Landes dann erreicht. Da mich Angola Kumpel Jorge gewarnt hatte Bilder von Zuegen oder Bahnhoefen zu machen, wofuer ein Freund von ihm in eben jenem Zimbabwe verhaftet worden war, fragte ich lieber mal nach bevor ich den Ausloeser betaetigte. Die Station Managerin faselte aber was von ?ou have to pay for the permitwomit aufs fotografieren verzichtet wurde ohne ueberhaupt nach dem Preis zu fragen. Fuer 5 Rand wurde das Gepaeck im Luggage Office entsorgt und dann mal eine Fahrkarte fuer den Nachtzug (21h) nach Harare gekauft, 10 USD. Dieser faehrt nur montags, donnerstags und samstags. Mit nur leichtem Handgepaeck wurde die Stadt erkundet. Als erstes gibt es eine fette haessliche Fabrik zu sehen, die Stadt hat nicht viel zu bieten, aber die quadratisch-praktisch-gut Anordnung der Strassen gefaellt und macht die Orientierung leichter. Auf der Hauptstrasse, die sinnigerweise Main Street heisst, findet sich alles was man braucht. Sogar ein Shopping Center mit 4 Kinosaelen ist vorhanden. Das im Lonely Planet eingezeichnete Stadion entpuppte sich als Queens Cricket Ground (6.000). Hier waren gerade einige Arbeiter beschaeftigt das Feld herzurichten und so fragte ich mal wann denn gespielt wuerde. Morgen frueh ab 9h, Zimbabwe vs Sri Lanka in einem Drei Nationen Turnier an dem auch noch Indien teilnimmt. Eine Freikarte bekam ich auch noch in die Hand gedrueckt. Das wirft doch meine gesamte Planung ueber den Haufen. Kurz hin und her ueberlegt was ich machen sollte und dann die Entscheidung pro Cricket getroffen, wenn es einem schon auf dem goldenen Tablett serviert wird. Auf dem Weg zum Hostel kam ich dann am regionalen Buero der Football Association vorbei. Also direkt mal nach den Spielplaenen der kommenden Tage gefragt. Der Maxi hinter dem grossen Schreibtisch war zwar recht engagiert, aber konnte keine guten Nachrichten verbreiten. Liga 1 ist wegen dem CHAN Quali Spiel gegen die Seychellen am Sonntag komplett verschoben, zu Liga 2, die in 4 Staffeln unterteilt ist hat er nur fuer die Suedgruppe Infos. Die Packers Paradise Lodge hatte seit Lonely Planet Druck 2007 von 4 auf 15 USD erhoeht. Nicht schoen, aber auch nicht zu aendern. Mit veralteten Preisen in Reisefuehrern rechnet man ja. Von dort schlenderte ich dann nochmal zum Bahnhof um mein Zugticket (wieder so ein Supermarktbon) fuer den naechsten Tag umaendern zu lassen. Unterwegs fiel mir dann ein, dass der Zug ja nur 3x die Woche pro Richtung faehrt. Zimbabwe Railways erstattete aber den vollen Fahrpreis abzueglich von einer Bearbeitungsgebuegr von 10%. Das ist ja mal fair. Zurueck im Hostel goennte ich mir erstmal eine lauwarme Dusche. Heiss waere bei der kalten Aussentemperatur (ca. 15 Grad) besser gewesen. Dann zockelte ich nochmal los, gab das Vorhaben ?arbourfields Stadiumaber auf nachdem beide befragte Personen was von 8 bis 10 Kilometern erzaehlten. Den geilen Ground muss man im Leben ja sowieso noch machen, im Idealfall mit einem Match der Highlanders gegen die Dynamos aus Harare. Im Shopping Center gabs neben dem Internetcafe auch ein Kino und fuer einen 2 Dollar Schein guckte ich ? love you, Beth Cooper In den USA sollen die Zweier ja selten sein, hier hatte ich schon einige davon, aber alle total verdreckt und nicht in sammelwuerdigem Zustand. Ich liebe zwar nicht Beth Cooper, sondern eine andere, aber das gehoert ja nicht hierher. Im Dunkeln zum Hostel zu tapern war auch kein Problem, auch wenn der etwas schwul wirkende Rezeptionsmokel mir wie so oft was von ?angerousverklickern wollte. Das sagen sie ja alle, immer und ueberall. Im Hostel gabs dann auf ESPN noch ein paar WM Highlights vergangener Turniere, was mit 3 Englaendern (QPR, Newcastle und Sheffield Wednesday Fans) anzuschauen ganz witzig war. Die drei waren unabhaengig voneinander auch ?n the Road to Johannesburg waren aber vor mir gestartet und hatten sich mehr Zeit gelassen. Immerhin gaben sie zu, dass der Ball 1966 nicht hinter der Linie war. Das bringt uns den vierten Stern zwar auch nicht aufs Trikot, aber das holen wir dann am 11.07. nach. Am Abend begann es zu regnen und Regen ist bekanntlich fuer Schoenwettersportartenwie Cricket, Baseball oder Tennis nicht so gut. Alles Weicheier. Ich inklusive, aber die Nacht war dermassen kalt, dass es angebracht war in langen Klamotten zu pennen.
Tag 100, Dienstag, 01.06.2010
Es hatte die komplette Nacht ueber geregnet und auch bis zum geplanten Crick-Off um 9h noch nicht aufgehoert. Mein Cricketlaenderpunkt wuerde also ausfallen oder zumindest nach hinten verschoben werden. Die Expertenrunde der Englaender ging von einer Absage aus. Also wieder alles fuer die Katz. 15 Dollar Uebernachtung, 1 Dollar Bahngebuehr und 5 Rand fuer einen weiteren Tag Gepaeckaufbewahrungen waren zum Fenster rausgeworfen. Und so hab ich immer noch kein Cricketmatch im Leben gesehen, vielleicht auch besser so, aber am Donnerstag besteht in Harare eine neue Chance. Das Internet im Hostel ging noch immer nicht und so zog ich um 9h50 von dannen und holte am Bahnhof meinen Rucksack ab. Dann ging ich zum Busbahnhof, wo die Entscheidung fuer den Bus nach Harare wieder nur die falsche sein konnte. Der Blaue oder der Gruene ??? Preislich mit je 10 USD kein Unterschied. Von der Abfahrtszeit her auch nicht, beide gaben “now” an. Da war es 10h48. Um 11h28 rumpelte der Gruene los, ich sass natuerlich im Blauen, der dann um 12h24 hinterher hechelte. Die Fahrzeit fuer die gut 400 Kilometer war mit 5 1/2 Stunden angegben worden. Wenn Luegen wirklich kurze Beine haetten waeren alle Afrikaner Lilliputaner. Nach 2 ½ Std. waren wir in Gweru, von wo es um 15h32 weiter ging, da natuerlich erstmal die in Gweru freigewordenen Plaetze wieder aufgefuellt werden mussten. Naechster Halt Kwe Kwe, selbes Spiel von vorne. Hatte ich schon erwaehnt, dass Busfahren in Afrika nervig ist ??? 19h50 war die vorletzte Busfahrt der Tour aber auch geschafft. Harare, wieder so eine Big City, vor der man bei Dunkelheit schon ein wenig Respekt hat. Vom Mbare Musika Terminal nahm ich deshalb mal ein Taxi (5 USD) zum “Small World Backpackers”. So small ist die Welt gar nicht, zumindest wenn man ohne Flugzeuge zu benutzen reist. 11 USD kostete die Uebernachtung im 6er Dorm. Der Strom war gerade weg, so dass ich zur Besichtigung eine Kerze in die Hand gedrueckt bekam. Mit einer Kerze in der einen und dem Luemmel in der anderen Hand faellt das zielen auch nicht unbedingt leichter. Zu futtern gibt es im Hostel nur auf Anmeldung, so schlappte ich nochmal los, aber weit nach 20h war ausser einer Tankstelle schon alles dicht. Bei Keksen und Wasser wurden die Ticketpreise fuers morgige Laenderspiel studiert. 10, 40 und 60 US Dollar waren die angebotenen Kategorien. Wo es die Tickets geben wuerde war aber noch unklar, naja im Zweifel beim Fussballverband. Der in Montreal studierende Bonner Pascal wollte auch zum Spiel. So konnte endlich mal wieder deutsch geredet werden und wir nahmen uns vor die Zimbabwe FA morgen frueh gemeinsam aufzusuchen.
Tag 101, Mittwoch, 02.06.2010
Punkt 8h stuermten ein Brasilianer und ein Spanier laut auf spanisch diskutierend ins Zimmer. Da war es wohl an der Zeit aufzustehen. Die beiden wollten auch zum Spiel und schauen wo es die Tickets gibt. So machte ich mich fix fertig und wir zogen zu viert in die Stadt los. Mr. Harry Wichtig war bei der ZiFA leider grad ausser Haus und so kauften wir 4x Tickets fuer 10 Dollar bei freier Platzwahl ausgenommen der Haupttribuene. Sehr schoene Tickets mit beiden Flaggen und den Wasserfaellen im Hintergrund gab es fuer den Zehner. Nach einer kurzen Stippvisite in der Stadt, die auf den ersten (und auch auf die weitere Blicke) Blick einen deutlich besseren Eindruck machte als Lusaka, fuhren wir frueh per Taxi (6 USD) zum Stadion raus, um einem erwarteten Chaos auszuweichen. Dieses war aber kaum vorhanden, es lief doch alles recht zivilisiert ab. Um 12h30 war an den Eingaengen noch nicht uebermaessig viel los. Problemlos gingen wir in die ueberdachte (nur die obersten Reihen) 60.000er Schuessel. Es gab eine reichliche Auswahl an Speis und Trank. In der kuerze der Zeit war das Event hervorragend organisiert worden. Wir suchten uns Sitze auf Hoehe Mittellinie auf der Gegengeraden aus, was den Nachteil der auf uns herunter brenneden Sonne hatte. Naja, immerhin war sie wieder da, 15 Grad und Nieselregen wie in Bulawayo ist ja nicht so mein Lieblingswetter. Die lange Hose war heute eine Fehlentscheidung. Die Riesenbude fuellte sich langsam, 60.000 Tickets innerhalb von nur 2 Tagen zu verkaufen ist ja auch nicht leicht. Die Zeitung schrieb auch noch, dass es am Stadion keine Tageskassen geben wuerde, was aber nicht stimmte, wir haetten also gar nicht zum Verbandsoffice gebraucht.
02.06.2010, 15h30 Zimbabwe vs Brasil (0-2) 0-3 vor ca. 55.000 Zuschauern im National Sports Stadium (60.000) in Harare.
Bis zum Spielbeginn drehte ich noch zwei Runden und schaute mir das muntere Treiben an. Von Rene Schubert oder Joerg Mardo, die auch anreisen wollten war aber noch keine Spur. Naja, die finden sich schon zurecht und wissen ja vom Backpackers, wo ich ein Zimmer fuer sie reserviert hatte. Chaotische Zustaende blieben fast voellig aus, nur beim Einlass zur Haupttribuene gab es einiges an Gedraenge, wodurch ich auch mal kurz durchschluepfte und so ein Stadionheft, das nur auf den VIP Sitzen verteilt wurde, ergattern konnte. Brasilien begann gemaechlich und liess die Warriors munter mitspielen. Die kamen auch zu einigen hochkaraetigen Tormoeglichkeiten, aber die afrikanische Abschlussschwaeche ist ja fast schon legendaer. Die Stimmung auf den Raengen dennoch blendend. Herausgeholte Ecken oder gelungene Kombinationen wurden wie Tore bejubelt, die mexikanische “La Ola” schwappte schon weit vor Kickoff durch Rund. Die 55.000 waren aus dem Haeuschen, nicht erst seit dem Auftritt von Robert Mugabe und seiner Frau, die vor dem Anstoss noch alle   Akteure begruessten.  Na da hat man den alten Mann also auch noch mal live und in Farbe (schwarz) gesehen. Erst ein direkt verwandelter Freistoss in der 40.Minute brachte die Samba Boys, wie der 5-malige Weltmeister hier genannt wurde auf die Siegesstrasse und den Laermpegel ein wenig nach unten. Vuvuzelas waren aber wieder gross im Einsatz. Im zweiten Abschnitt zeigten die Suedamerikaner ein wenig von ihrem Koennen und legten noch ein drittes Tor in diesem ungleichen Duell zwischen dem Weltranglistenersten und dem Einhundertzehnten nach. Zimbabwe spielte aber gut mit, wurde nicht gedemuetigt und ging nach dem Versinken der Sonne hinter dem Stadiondach erhobenen Hauptes vom recht gut bespielbaren Rasen. Die Abreise vom Stadion wurde ein wenig chaotischer als alles andere zuvor, da natuerlich alle in Richtung Stadt wollten. Wir hatten aber keine Eile und somit war es auch kein Problem, dass es ein wenig dauerte bis wir per Minibus und Taxi das Hostel erreichten. Die beiden Hopperkollegen aus der Pfalz und aus Thueringen hatten sich auch schon eingefunden und schluerften schon am Castle Bier.
Tag 102, Donnerstag, 03.06.2010
Um 8h wurde ich von alleine wach, eine gute Zeit um rechtzeitig beim Cricket zu sein, welches ja schon um 9h beginnen sollte. Zuvor musste ich allerdings noch umziehen, da das 6er Dorm fuer die kommende Nacht ausgebucht war. Fuer einen Dollar mehr wurde ich in ein 2er Zimmer eingebucht. Vom Stoerungsfaktor her sicher eine gute Sache, weniger Leute, weniger Stoerungen. Kurz nach 9h kam ich dann am Cricket Ground an.
03.06.2010, 9h00 Zimbabwe vs India 197-3 zu 194-8 vor ca. 1.000 Zuschauern im Harare Sports Club Cricket Oval (8.000) in Harare, Cricket LP 1.
Ein paar Baelle waren schon gespielt, aber das ist bei dieser Sportart wohl auch nicht so schlimm, denn ein 1-Day Cricket Match dauert ja so ungefaehr 6 bis 7 Stunden. Neben einen etwa 15-jaehrigen in die oberste Reihe des unueberdachten Tribuenenbereichs gehockt und mir von dem Knirps mal ein paar Grundregeln erklaeren lassen. Alles verstanden habe ich zwar nicht, aber im Prinzip ist das Spiel ja so aehnlich wie Baseball. Der Unterschied ist allerdings: Baseball ist megaspannend. Etwas langweiligeres als Cricket habe ich in diesem Leben jedenfalls noch nicht angeschaut. Nach etwa 2 Stunden war es mir zu oede und ich ging erstmal in die Stadt um was zu essen und ein wenig zu surfen. Als ich wieder kam war klar, dass diese indische Mannschaft, die nicht mit ihren Stars angereist war selbst das Teams von Zimbabwe schlagen wuerde. Ca. 1.000 Zuschauer hatten sich inzwischen eingefunden und machten auch ein wenig Laerm, wenn der Gastgeber punktete. Es waeren wohl noch einige Overs offen gewesen und erst 3 Zimbabwe Spieler waren out, als die 194 Runs der Inder ueberboten wurden und das zaehe Spiel um 15h49 beendeten. Homeruns wie es im Baseball heissen wuerde gab es nicht viele zu sehen. Laaaaangweilig. Im China Take Away 1 gab es heute kein Gas, bei Nummer 2 ein paar Meter weiter eine Riesenportion mit Nudeln, Reis, Gemuese, Huehnchen und Rindfleisch fuer 9 USD. Das war so viel, dass ich am Ende kapitulieren musste. In der Hostel TV Lounge lief erst Spanien vs Korea (1-0) und danach auf ESPN sogar das Match von Jogis Jungs gegen Bosnien. Halbzeit 2 war ja ganz in Ordnung. Mit Pascal, Corinthians Fan Eduardo, Real Madrid Fan Joaquin und ein paar ahnungslosen Australiern und Kanadiern wurde gefachsimpelt. Ein Aussie fragte dann irgendwann mal wieviele WM Finals wir denn schon verloren haben. Ja ganz bitter, deutlich zuviele. Wir koennten ja schon 7x Weltmeister und 6x Europameister sein. Aber auf jeden Fall haben wir mehr WM Endspiele verloren als ihr an WM Turnieren teilgenommen habt. Und schon war Ruhe im australischen Busch.
Tag 103, Freitag, 04.06.2010
Meinen Zimmergenossen (auch ein Aussie aelteren Kalibers) zog heute aus und nach Malawi weiter. Ich verlaengerte die Bude nochmal um 2 Naechte (24 $) und hoffte auf keinen Neuankoemmling. Meine Waesche, die vor der WM auch nochmal gewaschen werden wollte war auch fertig, 5 $. Dann ging ich zum Buero der Premier Soccer League, etwas ausserhalb der Stadt, da beim ZiFA Verband niemand Ahnung hatte ob denn am Wochenende gespielt wird. Kommt der kleine zimbabwische Groundhopper zur Otto Fleck Schneise in Frankfurt und fragt bei DFB wann denn die naechsten Bundesligaspiele sind und die schicken ihn zum DFL Buero.... Die 1.Liga pausiert wegen dem Laenderspiel, die 2.Liga Termine gibts bei der ZiFA. Argh, ihr Trottel. Also wieder dorthin zurueck und Andrew vom Regionalbuero Nord schrieb mir alle Zweitligapartien des Wochenendes auf einen DIN A4 Zettel. Ein paar in Harare, ein paar ausserhalb, ein paar am Samstag, ein paar am Sonntag. Bei der Fastfood Kette Nandos waren heute alle Mitarbeiter in DFB Trikots an bedienen, die hatten wohl das 3-1 gegen Bosnien gesehen und wollten den kommenden Weltmeister supporten, waere eigentlich ein Foto wert gewesen. Zurueck im Backpackers war das zweite Bett in meinem Mini-Dorm noch frei, gut so. Da ich vergessen hatte ein Abendessen im Hostel zu ordern gings wieder zum Chinesen, wo ich auch auf Eduardo traf. Auf Supersport konnte dann noch Chinas 1-0 Sieg gegen Frankreich beim Test auf Reunion begeistern. Leider zaehlen Testspiele ja nicht....
Tag 104, Samstag, 05.06.2010
Mit dem 14. Teil der Reise nach Johannesburg bin ich jetzt zwar 6 Tage im Rueckstand, aber was will man machen, wenn kein vernuenftiger Computer in der Naehe ist ??? Nur nicht ungeduldig werden. Kommt Zeit kommt Bericht. Mit dem eigenen Laptop haette man ja auch in den 2 Stunden in denen man faul am Pool rumlag ein wenig in die Tasten hauen koennen statt sich nur die Sonne auf den pelzigen Pelz brennen zu lassen. Gegen 13h fuhr ich dann mal in die Stadt nachdem ich mich fuer das vermeindlich leichteste Match der 2.Liga Gruppe Nord entschieden hatte. Der Ground sollte halbwegs im Zentrum sein, was er aber nicht war. Es wurde eine etwas langwierige Sucherei, aber mit 10x nachfragen kam ich doch nach etwa einer Stunde ans Ziel. Die Bude war ueberraschend gut, eine kleine ueberdachte Tribuene und ein paar Stufen auf 1 ½ Seiten. Da sich der Ground aber in unmittelbarer Naehe zum Gefaengnis und zum Polizeihauptquartier befindet fragte ich lieber zweimal nach bevor ich froehlich drauf los knipste. Aber der anwesende Bulle gab sein okay. Der Platz befand sich sogar in ganz gutem Zustand, nur am Tornetz wurde noch ein wenig rumgeflickt.
05.06.2010, 15h00 Flame Lilly FC Harare vs Blue Ribbon FC Tambawakguta (1-1) 1-2 vor ca. 300 Zuschauern (50) im Tomlinson Ground (2.000) in Harare.
Die Spielleitung wurde von der jungen Dame uebernommen, die bei der ZiFA als Sekretaerin fungiert. Sie machte das gar nicht mal schlecht, wenn man mal von dem Hinfaller und einmal angeschossen werden absieht. Das Spielniveau war ungefaehr so, wie man es auf diesem Level erwartet. 4 Zweitligastaffeln ist ja auch uebertrieben und nicht gerade niveaufoerdernd. Nachdem auch dieser Ground erfolgreich gekreuzt war ging es kurz in eine teure Internetbude (4 $). Ja liebe Diana, du hast es richtig erkannt. Die Maxiqoute in Teil 13 war doch recht hoch. Ich bin in der Tat ein wenig genervt von dieser Spezies Mensch und es wird wirklich Zeit, dass der FIFA World Cup 2010 losgeht, damit man mal wieder unter vernuenftige Menschen kommt. Toast, Kaese und Wurst im Supermarkt gekauft, 4,95 $. Da gabs auf meinen 5er dann ein Kaugummi als Wechselgeld raus. “Keep the change”. Beim Chinesen wurde mal ein wenig variiert und statt Beef und Nudeln mal Pork und Reis gewaehlt. Auch empfehlenswert fuer einen weiteren 5er. Eduardo war zu ungeduldig und hatte inzwischen die Biege gen Johannesburg gemacht. In zwei Tagen haette man auch zusammen fahren koennen. Abends wurde noch ein wenig mit den anderen Hostelbewohnern rumgesessen und beim ein oder anderen Bier und Kerzenschein gequatscht. Der Strom war mal wieder weg, 2 Deutsche waren da, ein Schalker und ein Berliner ohne Hertha oder Fussballbezug. Dazu noch ein recht witziger Hollaender und zwei Japaner. Die meisten Traveller waren nun auch auf dem Weg nach Joburg zur WM. Um die 1,82m grosse Spanierin buhlten so einige. 6 Maennlein und nu rein Weiblein, da wird es selbst fuer mich schwierig.....
Tag 105, Sonntag, 06.06.2010
Noch so ein ruhiger Tag in Harare, aber das WM-Fieber steigt mit jeder vermeldeten Verletzung der Konkurrenz. Zum letzten mal meine Behausung fuer 12 $ verlaengert, ich war noch immer alleine untergebracht. Nach einem Fruehstueck lag ich auch schon wieder faul am Pool rum. Miss Espana hackte gerade auf ihren Laptop ein. Aber leider nicht im Bikini und so wurde ihr auch schon bald zu heiss. Koennte aber auch an meiner gelben Badebuxe gelegen haben . Mit ihren kurzen Haaren und den zu grossen Fuessen war die Senorita bei mir aber eh schon ausgeschieden, auch wenn sie ein huebsches Gesicht hatte und ihr spenglisch recht sexy klang. Hach was bin ich doch oberflaechlich. Nach der Poolsession fuhr ich um 12h30 zum Mbare Musika Terminal. Waere natuerlich schlau gewesen, wenn man sich mal vorher erkundigt haette von wo die internationalen Busse losfahren, oder einfach nur den Reisefuehrer aufmerksam gelesen haette, naemlich vom Road Port Terminal. Aber der Weg war ja nicht voellig umsonst, denn nahe beim Mbare Busbahnhof befindet sich ja das Rufaro Stadium und dort sollte ja ab 15h der Ball rollen.
06.06.2010, 14h55 Zimbabwe vs Seychelles (0-0) 2-0 vor ca. 24.000 Zuschauern im Rufaro Stadium (32.000) in Harare.
Die Eintrittskarten fuer 3 USD waren wieder desolat, aber immerhin auf der Haupttribuene gab es gute Tickets. Andre, der Schalker hatte dort auch schon ein schattiges Plaetzchen gefunden. Das Stadion besteht aus 4 nicht zusammenhaengenden Tribuenen, die allesamt recht hoch und bis auf die Hauptseite ohne Dach ausgestattet sind. Schon ein recht nettes Teil. Es haette zweistellig werden koennen, aber die Mannen vom deutschen Trainer Michael Nees kaempften verbissen und hatten Glueck ob der Unfaehigkeit der Gastgeber, die erst durch einen geschenkten Elfmeter in die Spur gebracht wurden. Typisch afrikanische Abschlussschwaeche. Die Stimmung im zu 3/4 gefuellten Ground war dennoch gut, wenn auch nicht so gut wie noch gegen Brasilien. Nach dem Spiel ging ich mit Andre zum richtigen Busbahnhof um ein paar Infos einzuholen und eventuell schon das Busticket fuer morgen zu kaufen. Aber das sei gar nicht notwendig wurden wir unterrichtet. Einfach am Reisetag nachmittags kommen und dann kann man sich seinen Bus aussuchen. Die Fahrpreise liegen zwischen 250 und 400 Rand oder 40 und 60 Dollar, was dann ein bisschen mehr ist. Im Chicken Inn gegessen, das Internet war aber leider gerade down. Beim Chinesen auf dem Nachhauseweg nochmal gegessen, das reicht dann aber auch erstmal mit chinesisch bis zum September. Rene war aus Lusaka zurueck, hatte es trampenderweise sogar puenktlich zum Spiel geschafft und war in meiner Bude einquartiert worden. Es wurden noch 1-2 Biere vernichtet und das 2-4 der US-Boys mit Steve Cherundolo als Kapitaen gegen die Tschechen begutachtet. Zaehlt ja alles nicht, der ganze Vorbereitungsschmarrn. Freitag geht es um die Wurst.....
Gruss und bis die Tage in Johannesburg, Durban oder Port Elizabeth, H96-Linke.
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BeitragVerfasst am: 01.09.2010 20:00 Antworten mit Zitat
H96-Linke
 
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so, hier dann noch der 16. (und letzte) teil:


So, liebe Freundinnen und Freunde des ganz grossen Fussballs. Nun ist es endlich soweit und der mit Hochspannung erwartete FIFA World Cup 2010 beginnt. Damit kommt die “Road to Johannesburg” mit diesem verkürzten 16.Teil zum Ende. Einen Extra WM Report mit Spielberichten von 33 WM Spielen wird es dann eventuell nach dem Turnier geben. Während der WM ist jedenfalls mal keine Zeit, der Ball rollt ja täglich und so manches mal öfter als nur einmal. So oder so ähnlich war die Einleitung zum 16.Teil von “RtJ” schon vorbereitet. Damit endete die Schreiberei dann aber auch erstmal für ein paar Wochen. Mit einem Laptop hätte man auch während der WM auf einigen der diversen Autofahrten ein wenig in die Tasten hauen können, aber da ich auf geöffnete Internetcafes angewiesen war lag eine aktuelle Berichterstattung leider nicht mehr im Bereich des möglichen. Die After-World-Cup Wochen waren dann auch noch reichlich stressig, aber nun endlich könnt ihr lesen, worauf die Welt schon so lange gewartet hat. Wo waren wir stehen geblieben ??? Irgendwo am Ende vom Reisetag 105 in Harare, wenn ich mich nicht irre. Also, weiter im Text:<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
Tag 106, Montag, 07.06.2010
Während sich Rene auf den Weg zu den Vic Falls machte, um dann von da aus nach Joburg zu fliegen ging ich den Tag nochmal ruhig an und genoss die letzte Sommersonne bis zum 13. Juli am Pool. Rezeptionsuschi Sandra zeigte nochmal ihre wohlgeformten Brüste durchs dünne Hemdchen. Schon ein netter Anblick, auch wenn ich Rene’s Aussage Sandra den Vorzug vor der deutschen Uschi, die sich gestern Abend erstmal die WM-Gruppeneinteilung von mir aufsagen liess, damit sie sie aufschreiben konnte, nicht ganz nachvollziehen kann. Naja, jedem das Seine. Im Stamminternet ging selbiges nicht. Pech für mich, Glück für Euch, denn da der Computer ging konnte ich Teil 14 und 15 noch rechtzeitig fertigstellen, damit ihr auf den Flügen mit den diversen Murmelairlines bei denen es gar keinen Touchscreen gibt auch was zu tun habt. Gegen 16h dann am Busbahnhof angekommen entschied ich mich für die teuerste Variante nach Pretoria zu kommen. Mit „Pioneer“ für 60 USD oder 400 Rand, was dann etwas weniger ist. Also auf der Straße vorm Terminaleingang 60 Einheiten der unstabilen amerikanischen Währung gewechselt, 450 Rand bekommen, so hatte ich schon etwas Startkapital für South Africa. Die Internetbutze nahe des Terminals, die gestern nicht ging hatte heute eine gute Verbindung und so brachte ich mich nochmal schnell auf den aktuellen Stand der Dinge und investierte 2$ um euch auf den neuesten Reisestand zu bringen. Der moderne Reisebus (und beste Bus, den ich in Afrika zu Gesicht bekam) fuhr dann tatsächlich um kurz nach 19h los. Nicht ganz so luxuriös, wie man es aus Südamerika kennt, aber für Afrika definitiv das beste was es gibt. Inklusive schwulem Steward, und ich dachte schon die wären alle in der Luft ?! Der 54-Seater war restlos ausgebucht, ich die einzige Weißnase. Südafrika ich komme, eigentlich ja schon seit 22.02., jetzt aber wirklich. Nach 4 Stunden gab es einen kurzen Halt in Masvingo. Dort hätte man sich eigentlich noch die Ruinen von Great Zimbabwe anschauen müssen, eines der Highlights des Landes. Keine Zeit mehr, beim nächsten Mal.
Tag 107, Dienstag, 08.06.2010
Der Grenzübergang in Breitbridge war um 2h30 erreicht. Die Ausreise ging auch fix, Stempel rein, bye bye. Die Einreise nach Südafrika zog sich aber bei kühlen Nachttemperaturen bis nach 4h hin, da die Südafrikaner absolute Vollassis sind. Erst wurde die gesamte Busbesatzung hin und her geschickt bis wir endlich am richtigen Schalter angekommen waren. 5 Schalter waren nun geöffnet, die Meute teilte sich aber nur auf 3 auf, da die beiden anderen wohl mit wichtigerem (Solitaire) beschäftigt waren. Mit einem Sticker, der zu einem dreimonatigem Aufenthalt berechtigt wurde wieder ein Passseite unschädlich gemacht. Auf ein „welcome to South Africa“ oder gar ein „welcome to the World Cup“ wartete ich vergebens. Megaunfreundlich, diese ganzen Beamten, die da ihre Nachtschicht schoben. Von jedem einzelnen Reisenden wurde dann das Gepäck kontrolliert, alles ziemlich übertrieben. Der erste Eindruck war also nicht gerade positiv: South Afrika suxx. Wenn das bei der WM so weiter geht wird der Spaßfaktor sicher deutlich geringer als bei vergangenen Turnieren, aber das wird er aufgrund des hiesigen Winters und der damit verbundenen Kälte wohl sowieso. 4h20 ging es weiter, hallo Südafrika, da bin ich endlich. Beim ersten Halt an einer Autobahnraststätte zog ich erstmal 1.500 Rand (Kurs 9,3 = 1 €, vor ein paar Monaten waren es noch 14 für 1 €, was die WM um knapp 50% billiger gemacht hätte). Statt wie angekündigt um 8h kamen wir erst um 10h15 in der Hauptstadt Pretoria an. Die letzte Lüge der Tour. Vom Busbahnhof machte ich mich mit komplettem Gerödel auf die Suche nach dem Formula 1 Hotel in der Pretorius Street, welches mit Lonely Planet Plan auch recht leicht zu finden war. Das Zimmer war frei, RM-Andi hatte für 399 Rand pro Nacht erstmal für 3 Nächte reserviert, aber noch nicht bezahlt. So musste ich erstmal 4 Scheine abdrücken bevor ich einziehen durfte und duschen konnte, diese Billigbutzen bestehen ja immer auf Vorkasse. Danach machte ich mich mobil und besorgte mir beim Discount Markt Pep ein neues einfaches Nokia Handy für 179 ZAR und liess von dem überraschend fähigen Maxi gleich noch 180 ZAR zum telefonieren und simsen draufladen. Meine temporäre Nummer habt ihr ja alle bekommen und inzwischen hoffentlich schon wieder gelöscht. Zurück im F1 funktionierte meine codierte Karte für den Türöffner nicht. Das konnte ja nur bedeuten, dass mein erster WM-Mitfahrer eingetrudelt war und für die Chipkarte von Herrn Brück die Codierung geändert wurde. Klopf, klopf und so war es auch. Bayern’s Fanbeauftragter grinste mich aus Zimmer 336 an. Nach kurzem Internetcheck im Friseursalon-Internetcafe nebenan (5 ZAR pro 60 Minuten) suchten wir uns einen Bus nach Johannesburg, womit die „Road“ dann endgültig und vollständig absolviert wäre. Pattensen – Johannesburg in 107 Tagen. Kilometer oder Kosten habe ich jetzt nicht ermittelt. 25 Rand für die Fahrt, in der Nähe des Wanderers Cricket Stadiums wurden wir an der Autobahn rausgelassen und gingen den Rest zum Stadion zu Fuß. Bereits jetzt wurde klar, dass wir mit unser Schätzung „5.000 werden schon kommen“ ein wenig daneben liegen würden. Es herrschte schon so eine Art Anreisechaos. Am Cricketground gab es dann keine geöffneten Kassenhäuschen und wer mochte musste sich auf dem Schwarzmarkt bedienen, 30.000 Zuschauer, ausverkauft bzw. ausverschenkt, es gab jede Menge Freikarten. Wer sich nicht auf dem Blackmarket bedienen mochte trickste sich anderweitig zum Pre-World-Cup-Testspiel zwischen Mosambik und Portugal ins Stadioninnere. Sauerland’s Motoradfahrer Nummer eins enterte für 10 € mit ein wenig Verspätung den Ground und gesellte sich zu Andi und mir schräg oben hinters Tor. Da hatten sich die Landweganreiser eine Menge zu erzählen, auch wenn wir uns ja unterwegs per Mail immer wieder ausgetauscht haben. Schade, dass man sich nicht schon eher über den Weg gelaufen/-fahren ist, das wäre sicher witzig geworden bei einem Bier in Addis Abeba oder Nairobi. Hut ab auf jeden Fall vor dem Jens, der es mit seiner BMW Maschine auch bis ins Ziel geschafft hat. Da hatte ich es vom Gefühl her doch ein wenig einfacher mit der Marschroute „Rucksack auf und los“. In der Halbzeitpause vergrößerte auch noch der Pfälzer Nummer 1 Hopper mit einem anderen Lauderer und Kostenhalbierer („Wo ist denn der Manfred ???“) die Runde. Joburg, here we are. Road to Johannesburg zu Ende. Fari wer ??? Die Portugiesen, die von fast allen Zuschauern unterstützt wurden, da angeblich bis zu einer Million portugiesisch stämmige in Südafrika leben sollen, taten sich im Abschnitt 1 megaschwer gegen den Underdog aus dem südafrikanischen Nachbarland. Getrötet wurde jetzt schon, na das kann ja nervig werden bei der WM, die Welle schwappte auch das ein oder andere Mal durchs weite Rund (Cricket Grounds sind zumeist wirklich rund). Richtig laut wurde es freilich erst als CR7 eingewechselt wurde und der Favorit 3x scorte (2 Treffer von Bremen’s Hugo Almeida), nachdem Mosambik zuerst mit einem Distanzschuss an den Pfosten aufhorchen liess. Wir klärten noch alles für den morgigen Tag ab. JM wollte uns in Pretoria abholen und dann sollte es zu viert in seinem Mietwagen nach Nelspruit zum Testkick Chile vs Neuseeland gehen. Dann gratulierte sich Andi, der ja bei jeder sich bietenden Gelegenheit lautstark betont, dass der kein Groundhopper ist noch zum Länderpunkt, was ja wie wir alle wissen Quatsch ist, da ja heute keine südafrikanische Mannschaft an diesem Match teilgenommen hat. Zurück nach Pretoria zu kommen gestaltete sich schwieriger als gedacht. Busse waren nicht vorhanden, Autostopp quasi unmöglich. Nach einer guten Weile an einer Ampel rumstreunen wie die Autoscheibenreiniger erbarmte sich ein Rentner uns nach Sandton zu bringen, von wo wir Taxis zur Verfügung hätten. Darauf hatte ich mal gar keinen Bock, schon gar nicht bei Preisen von 550 bis 700 Rand, was die Taximafiosis verlangten. Aber es gab keine andere Möglichkeit mehr, wenn wir nicht ins bei Nacht doch als recht unsicher geltende Johannesburger Zentrum tapern wollten. So handelten wir die Taximafia auf 350 ZAR runter. G.s.k.R., ab jetzt ist ja WM. In Pretoria ging nicht mehr viel, ums mit Stacheldraht gesicherte Hotel herum waren schon alle Läden geschlossen. Nebenan bei der Shell Tankstelle oder 3-4 Blocks entfernt beim Mc Donald’s könnten wir noch was zu essen bekommen. Wir entschieden uns für Mäcci auch wenn die Gegend bei Dunkelheit nicht gerade einen sicheren Eindruck machte. Groß im Dunkeln rumlaufen sollte man sich in den kommenden Tagen sparen, aber ab morgen sind wir ja auch motorisiert. Das Menü gabs für faire 30 Rand, aber jeden Abend geht der Fraß natürlich auch nicht. Bei ein wenig „Supersport“ fand der Abend gegen 22h ein rasches Ende, so dass wir im Tiefschlaf auch die SMS um 23h25 aus der Pfalz nicht mehr mitbekamen.
Tag 108, Mittwoch, 09.06.2010
Entsprechend groß war der Hass, als um 7h drei Handywecker schellten und mir mein neues Telefon eine eingegangene Nachricht verriet. Diese besagte, dass der feine Herr Schwarzmarkthändler aus Kaiserslautern noch einige Ticketübergaben machen müsse und deshalb nicht nach Nelspruit fahren könne. Als ob er das gestern noch nicht gewußt hätte…. Tod und Hass dem FCK. Mardo = Bastardo. Andi war stinksauer, aber was sollten wir machen ??? Mit den Öffis gab es von vornherein keine Verbindung mit der wir es bis 13h30 geschafft hätten. Der soeben gelandete Sindelfinger wäre frühestens 10h30 mit dem Leihwagen am Hotel, das würde nicht mehr reichen. Also wohl oder übel: no match today. Als dann der erste Schock verdaut war mal so langsam aus dem Hochbett gequält und unter die grün und blau blinkende Dusche gestellt. Das F1 wurde gerade modernisiert und ist nur kurz vor knapp vor der WM fertig geworden. Alles hochtechnisch ausgerüstet, um das Licht anzumachen muss man fast studiert haben. Ich hatte also meine lieben Probleme Wink. Kurz nach Ladenöffnung der Internetfriseurbutze (scheinbar ein beliebte Kombination in Südafrika) gings ins Internet, wo dann doch nochmal alle Möglichkeiten geprüft und alle Seiten auf WM Testspiel durchgeforstet wurden. Aber ausser dem Knaller in Nelspruit war heute nichts mehr in erreichbarer Entfernung im Angebot. Wie angekündigt trudelte Sascha um 10h30 mit dem Ford Ikon (wohl ein Modell welches es in Deutschland gar nicht gibt) mit dem amtlichen Kennzeichen ND 185696 und erst gut 200 Kilometern auf dem Tacho ein. Wir stellten schnell fest, dass so ein F1 Zimmer zu dritt mit reichlich Gepäck doch recht eng sein kann. Aber was solls, mehr als schlafen und duschen machen wir hier in unserem Basislager ja eh nicht. Auf einem der 10 TV-Programme von denen 3 verschiedene Supersportkanäle dabei sind sind auch die WM Zusammenfassungen garantiert. Was will man mehr für ca. 20 € pro Nacht und Nase ?!? Wir werden es uns schon gemütlich machen in unserem Heim für die kommenden 3 Wochen. Nun waren noch ein paar organisatorische Dinge zu erledigen, da die beiden Bayern Fans u.a. noch eine südafrikanische Handynummer brauchten und wir alle unsere online bestellten FIFA World Cup 2010 TM Eintrittskarten abholen mussten. Am FIFA Ticketpoint in einem Einkaufszentrum sollten die Tickets abgeholt werden. Kinderleicht am Automaten nur die Kreditkarte mit der die Bezahlung vor mindestens 15 Monaten erfolgt war einführen und schon werden die Karten gedruckt. Ich hatte die 900 € für meine Paraguay Teamserie seinerzeit aber überwiesen und so wurde es ein wenig komplizierter. Zur völligen Verwirrung der jungen 1 Euro-Job-Dame hinter dem FIFA-Tresen hatte ich auch noch über meine zweite Passnummer, bei der die letzten 5 Ziffern unterschiedlich sind, bestellt. Mit der Auftragsnummer, die ich auf meinen Notizblock geschrieben hatte, der im Auto lag, ging es dann aber doch und mir wurden die drei Vorrundenkarten und das Finalticket ausgedruckt. Der Spielort der anderen 3 Partien steht ja noch nicht fest, je nachdem ob Paraguay die Gruppe gewinnt oder Zweiter wird. Falls sie gar ausscheiden würden bekäme ich ja die Spiele vom Gruppensieger zugeteilt, vom System her also so wie 2006 in Deutschland. Dann schauten wir noch kurz über den Churchsquare Hauptplatz und mal bei der Touriinfo rein, wo es zumindest von Pretoria Stadionpostkarten abzustauben gab. Der Platz an sich war fest in schwarzer Hand und die drei weissen Nicht-Afrikaner wurden schon einigermassen kritisch beäugt. Sicher keine Gegend mit hohem Wohlfühlfaktor. Gefuttert wurde beim Inder, Chicken Curry, was auch sonst. War aber nicht so dolle und auch Indien Fan Andi konnte an dem knochigen Hühnchen nicht mehr viel positives finden. Da die Internetbude schon um 18h (wenn es dunkel wird, wie alle anderen Läden auch) schliesst prüften wir nochmal was es neues gab, ehe wir in ein riesiges Shoppingcenter an anderen Ende der Stadt zum Einkaufen fuhren. Ein Mehrfachstecker und Bier standen ganz weit oben auf dem Einkaufszettel. Punkt 1 war kein Problem, aber „we dont sell beer“ war dann im Supermarkt doch der Schock des Tages. Wein und anderes hochprozentiges Zeug verkauften sie aber !?! Muss man jetzt nicht unbedingt verstehen. So blieben wir erstmal trocken, aber auf den Hinweis eines Engländers ausm Hotel gings anschliessend ins Partyviertel Hatfield. Schon recht nett, mit diversen Kneipen, die sich um eine Art Marktplatz verteilen. Da wird sicher auch noch die ein oder andere WM Party gefeiert werden. JM, Manfred und Southampton-Steve machten die Runde komplett und zahlten am Ende sogar die 300 Rand Zeche. Das war nach der kurzfristigen Tourabsage aber wohl auch das Mindeste. Erst gegen Mitternacht krabbelte ich dann unter meine dünnen Decken ins Hochbett, welches ich mir als Erster im Hotelzimmer natürlich gesichert hatte. Eine Extra-Decke hatte ich mir von der Putzfrau noch bringen lassen, da die erste Nacht bei offenem Fenster doch recht frisch war.
Tag 109, Donnerstag, 10.06.2010
Der letzte Tag auf der Road to Johannesburg begann bereits um 5h35 mit dem Handyweckruf. Sascha und ich wollten in den Krüger Nationalpark. Andi war laut eigener Aussage „auch schon mal in einem Tierpark“. Vermutlich Hellabrunn, und so schlief der Münchner weiter und machte sich dann einen schönen Tag im Internet und in Pretoria während wir um Punkt 6 gen Osten losdüsten. Auf der mautpflichtigen Autobahn fuhren wir in den herrlichen Sonnenaufgang hinein. Nach 2 Stunden schlug das Wetter plötzlich um und es wurde 120 Kilometer vor Nelspruit schlagartig neblig mit Sichtweiten von 50-100 Metern. Die Wettervorhersage für die Folgetage war auch nicht gerade berauschend: 7 bis maximal 15 Grad. 9h20 passierten wir das WM Stadion in Nelspruit, etwa 1 Stunde später waren wir am Parkeingang in Malelane, wo das Wetterchen wieder als gut zu bezeichnen war. 160 Rand pro Person und ein Parkranger warf sogar einen Blick in den Kofferraum, was wohl blinde Passagiere im Park verhindern soll. Andi hatte sich ja aber nicht im Kofferraum versteckt sondern war ja gleich ganz in Pretoria geblieben. Da hat er wohl was verpasst, sein grunzen auf den Weckruf war wohl ein Fehler. Tja, der Ami an sich würde wohl sagen: it was f***ing amazing. Die 18 € Investition hat sich definitiv mal gelohnt. Es gab alle Tiere zu sehen. Zuerst kamen ein paar Büffel und Antilopen vorbei, gefolgt von 2 Nashörnern und Zebras, mehr Antilopen und bunten Vögeln. Dann gab es mal auf einer Schotterpiste auf die wir abbogen eine gute Stunde kein einziges Tier zu sehen. Die halten sich auch lieber in der Nähe der mit 40-60 km/h zu befahrenden Hauptstraßen auf, die sind ja auch fotogeil und wollen gesehen werden. Als wir nach der Stunde fast schon ein wenig frustriert waren und um eine Kurve bogen stand dann eine Herde Elefanten auf der Straße und diverse Autos mit anderen kleinen Tierfreunden davor und dahinter. Weltkasse. Weitere bunte und schräge Vögel, jede Menge Antilopen, für die irgendwann nicht mal mehr angehalten wurde, mehr Elefanten und Zebras, drei Hippos, die erst faul rumlagen und dann als die Knipse wieder eingepackt war flugs ins Wasser hüpften kreuzten unseren Weg. Noch einer Herde Elefanten trampelte vor uns über die Straße, darunter auch zwei ganz junge Dickhäuter, die von den Älteren unter Getröte in die Mitte genommen wurden. Ein trötender Elefant ist mir jedenfalls tausend mal lieber als ein trötender Maxi, das nervt nur. Die fangen nämlich schon morgens um 6h mit der sinnlosen Tröterei an und hören den ganzen Tag nicht wieder auf. Gestern fragten wir mal wieso denn unaufhörlich die Vuvuzelas bearbeitet werden. „We celebrate theWorld Cup“. Der hat doch noch gar nicht angefangen, ihr Trottel. Im Nationalpark gab es weitere Gnus und gar einen Leoparden, um den sich wieder jede Menge Autos versammelt hatten und jeder versuchte den besten Blick und das beste Foto zu erhaschen. Hammer. Aus dem eigenen Vehikel auszusteigen ist übrigens verboten. Könnte auch ein wenig gefährlich sein. Der einzige Löwe, den wir zu Gesicht bekamen gab sich nur ganz kurz die Ehre und liess sich leider nur kurze 5 Sekunden blicken. Dann legte sich der König der Tiere faul wie er nun einmal ist hinter dichtem Gebüsch zum schlafen ab. Da hatte ich die Knipse natürlich nicht schnell genug zur Hand. Als wir quasi durch waren und es schon so langsam dämmerte fehlten nur noch die Giraffen, für die der Sindelfinger ja eigentlich nur nach Südafrika geflogen war. Ich witzelte schon er müsse wohl doch mit meinem Giraffenfoto aus dem Zoo Hannover vorlieb nehmen, als völlig überraschend etwa 3 Kilometer vor dem Parkausgang noch eine Giraffenherde am Strassenrand stand und futterte. Giraffen im Sonnenuntergang, yes. Damit machten wir den Krüger Nationalpark Groundhopping Informer komplett. Besser kann man einen Tierpark wohl nicht machen. 17h30 verliessen wir kurz vor Torschließung das Parkgelände und waren hochzufrieden wieder mal alles richtig gemacht zu haben. Nach 4,5 stündiger Rückfahrt, die alleine wieder 170 Rand Maut verschlang holten wir Andi, der sich den ganzen Tag in Pretoria „amüsiert“ hatte auf der Partymeile in Hatfield ab.
Also, lieber Tino vom 74er Europapokalsieger: Die Wette „der H96-Linke schaffts eh nicht auf dem Landweg zur WM 2010“ hättest du damit wohl gnadenlos verloren, aber leider warst du ja selbst beim kleinsten dreistelligen Eurobetrag zu feige einzuschlagen, weil du es mir insgeheim ja doch zugetraut hast Wink Aber auf den Hunni kann ich auch verzichten, es würde mir schon reichen, wenn wir beim nächsten gemeinsamen Spielbesuch ein Bierchen auf deine Kosten zischen, natürlich auch gerne in Norwegen oder Japan. Das gilt übrigens auch für alle anderen in meinem Verteiler, denn die Unterhaltung in den vergangenen Wochen war ja wohl deutlich besser als euer tägliches Bild-Zeitungsstudium, wofür ihr auch noch 3 € pro Woche aus dem Fenster geschmissen habt.
Das war sie nun aber endgültig, die Road to Johannesburg 2010, ich habe fertig. Ich hoffe mal wir sehen uns bei spätestens bei der nächsten WM, oder vielleicht ja auch schon auf der Road to Rio de Janeiro, dem Landweg dorthin. Dieser Tour steht ja nach der Verlegung des Afrika Cups von Januar 2014 auf Januar 2013 zumindest zeitlich nichts mehr im Wege.
In diesem Sinne, Prost und bis die Tage, H96-Linke.
PS: Fotos zur Road to Johannesburg, Teil 1 bis 16, findet ihr übrigens bei Facebook. Aber die könnt ihr natürlich nur anschauen, wenn ihr auch meine Freunde seid……
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Re:
BeitragVerfasst am: 01.09.2010 20:00
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Road to Johannesburg 2010
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